Einträge mit dem Tag ‘Afghanistan’


“Schweden ist das Saudi Arabien des Feminismus” – Neujahrsnews

6. Januar 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 60 von 152 der Serie Kurz notiert

Aktuelle feministische Veranstaltungen, Proteste, Filme, Ladyfest-Treffen und Austellungen im Januar findet ihr hier. Ihr könnt immer noch unser Bloggermädchen 2010 wählen und wer unsere liebreizenden Stimmen hören möchte, checkt unseren Femcast “In bed with Mädchenmannschaft“.

Nach dem Erdbeben in Haiti vor fast einem Jahr ist die Zahl der Vergewaltigungen in dem Inselstaat massiv gestiegen, berichtet Spiegel Online.

Geraldine Doyle, die dank eines Posters zu einer Symbolfigur des Feminismus in den USA wurde, ist verstorben.

Geraldine Doyle, die dank eines Posters zu einer Symbolfigur des Feminismus in den USA wurde, ist verstorben.

Das Aus für das Interdisziplinäre Instituts für Frauen und Geschlechterstudien (IZFG) in Greifswald? Nein: In letzter Minute sprang das Rektorat ein. Es geht (vorerst) weiter.

Fabelhafte Frauen: Der Freitag hat ein Portrait über Emma Ihrer, die “Arbeiterinnen-Führerin”. Bitch Magazine schreibt über die US-amerikanische Dichterin Maya Angelou.

Gegen Hacker-Stereotype: Auf wired.com gibt es ein Portrait über die Haecksen, eine Hackerinnen-Gruppe, die sich auch auf dem Chaos Computer Club (CCC) Congress traf.

Auf dem US-amerikanischen MTV lief eine Sendung über Abtreibung mit dem Titel “No Easy Decision” – Jessica Valenti und Shelby Knox urteilten: Eine überraschend gute Sendung!

Schon eine Woche alt, aber doch noch einen Lacher wert: Julian Assange befindet, dass “Schweden das Saudi Arabien des Feminismus” und er ein “Opfer vom revolutionärem Feminismus” sei. Mehr auf Feministing.


CNN berichtet über eine neue Sendung im afghanischen Fernsehen. Dort erzählen Frauen über die weit verbreitete Gewalt und den Missbrauch, die sie erfahren haben – geschützt durch eine Maske.

Laut Bikya Masr wehren sich ugandische Frauen gegen neue Sicherheitsvorschriften. Aus Angst vor Bomben und Terroristinnen, sollen BH’s und damit die Brüste besonders abgetastet werden. Aktivistinnen werten das als Belästigung und verlangen stattdessen mehr Metall- und Bombendetektoren in öffentlichen Gebäuden.

Ebenfalls auf Bikya Masr: Nachdem sogar das irakische Frauenministerium von einem Mann geleitet werden soll, wollen Politikerinnen mehr Druck auf ihre Parteien ausüben, weitere Kandidatinnen für Ministerposten vorzuschlagen. Neun Posten sind im Kabniett von Nuri al-Maliki noch unbesetzt. Er habe auf Kandidatinnen gedrungen, von den politischen Gruppen aber nur einen Vorschlag bekommen, zitierte ihn n-tv.

Ach ja: Frauen liiiieben Salat.


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Neuer Kampf um afghanische Frauenhäuser

4. Januar 2011 von Helga

Frauenhäuser sehen sich in Afghanistan einem neuen und unerwarteten Feind gegenüber: dem Fernsehen. Ein konservativer Moderator erklärte in einer TV-Kampagne die Unterkünfte für misshandelte Frauen seien im Wahrheit Bordelle, beherbergten Drogenabhängige und förderten „unmoralisches“ Verhalten. Auch Waisenhäuser stehen auf der Schwarzliste von Nasto Naderi, der im September bei der Präsidentschaftswahl antrat. Besucht hat er allerdings keines der insgesamt 17 offiziellen Frauenhäuser, die über 1400 Frauen aufgenommen haben, fand das Wall Street Journal heraus.

Stattdessen zeigte er Bilder von wartenden Frauen in einem Waisenheim und erklärte, es handele sich um ein unregistriertes Frauenhaus und Frauen, die zur Prostitution gezwungen wurden. Beweise blieb er allerdings schuldig. Den Kampf führt er inzwischen aber nicht mehr alleine. Religiöse Gruppen fürchten ganz offen, die Frauenhäuser verleiteten „alle Frauen“, ihr Heim zu verlassen, wenn es viele Probleme gäbe.

So wächst nun in der Bevölkerung der Eindruck, die Frauenhäuser leisteten unislamische Arbeit und seien eine Bedrohung. Deren Mitarbeiter_innen fürchten Repressalien und Angriffe, seit ihre Gesichter im Fernsehen gezeigt wurden. Außerdem schwinden die internationalen Hilfsgelder, so dass die Zukunft der Häuser ungewiß ist. Eine weitere Gefahr erwächst auch aus der derzeitigen Politik, so The Daily Beast:

“Our government wants to talk with the Taliban about peace and no one is talking about women’s rights,” said Maria Bashir, the country’s only female chief prosecutor. “If the Taliban comes to government and peace is successful, then they will close those shelters.”

„Unsere Regierung will mit den Taliban über Frieden reden und niemand redet über Frauenrechte,“ sagte Maria Bashir, die einzige Staatsanwältin im Land. „Wenn die Taliban an der Regierung beteiligt werden und Frieden kommt, dann werden sie die Frauenhäuser schließen.“

So bleibt rund fünf Monate nach dem ikonischen Time-Titelbild wieder einmal ein bitterer Geschmack. Frauenrechte taugen für Kriege und Aufmacherstories, danach geraten sie in Vergessenheit oder werden anderen politischen Zwecken geopfert.


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Einsatz für Mutter und Kind – Hebammen in aller Welt

28. Dezember 2010 von Helga

In Deutschland hat sich die Situation für Hebammen in diesem Jahr deutlich verschlechtert, die versprochene Hilfe des Gesundheitsministeriums lässt weiter auf sich warten. Doch wie sieht es in anderen Ländern dieser Welt aus?

Die afghanische Pionierin Pashtoon Azfar haben wir bereits vorgestellt. Inzwischen ist ihr Projekt der Hebammenausbildung in den Nachbarländern kopiert worden, berichtete Gender Across Borders. Auch npr berichtete von den Fortschritten (hier das Transkript zum Nachlesen):

In den USA ist es in mehreren Bundesstaaten den examinierten Hebammen verboten, Hausgeburten zu begleiten. Werdende Mütter, die eine Hausgeburt bevorzugen, müssen diese entweder ohne qualifizierte Hilfe angehen oder die Hebamme riskiert den Verlust ihrer Lizenz. RH Reality Check stellte im Rahmen der Nationalen Hebammen-Woche im Oktober verschiedene Organisationen vor, die sich für eine Änderung der Gesetze einsetzen.

Auch in Ruhiira, Uganda, gibt es seit 2007 ein Programm, um Hebammen auszubilden. Sie leisten wichtige Arbeit, um Schwangere über HIV aufzuklären und die Übertragung auf die Neugeborenen zu verhindern, sowie den Frauen Mittel zur Familienplanung an die Hand zu geben. Besonders die Verringerung der Müttersterblichkeit während der Geburt ist auch einer der Punkte der Milleniumsziele der Vereinten Nationen, die bis 2015 erreicht werden sollen.

Schließlich gibt es im Women’s Media Center ein Porträt der palästinensischen Hebamme Feeza Shraim, die allen Widrigkeiten zum Trotz ihrer Arbeit nachgeht. Dafür wurde sie sogar mit einem Internationalen Award für die Gesundheit und Menschenwürde der Frauen ausgezeichnet.


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Im Namen der Freiheit: Neun Jahre Afghanistan-Krieg

9. September 2010 von Magda

Der Spiegel berichtet in einem aktuellen Artikel über ein Frauenhaus in Masar-i Sharif (Nord-Afghanistan) und gibt einen düsteren Einblick in die Situation afghanischer Frauen knapp neun Jahre nach Einmarsch der US-amerikanischen Truppen im Oktober 2001. Der so genannte “Krieg gegen den Terror” und die im Rahmen dieses Krieges durchgeführte Operation Enduring Freedom (“Operation andauernde Freiheit”) hat so einige ihrer hoch angepriesenen Ziele nicht erreicht. Die unter dem Deckmantel von Menschen- und ja, insbesondere Frauenrechten! – eingesetzte Strategie hat den Afghanerinnen, wenn überhaupt, nur theoretisch genutzt. Der systematischen Entrechtung der Frauen durch das Taliban-Regime (1996 – 2001) wurde zwar mit der neuen Verfassung von 2004 entgegengesteuert (sogar eine Frauenquote gibt es im Parlament), aber “es sind vor allem die Frauen in den Städten, die von den Entwicklungen profitieren”, so Reinhard Erös, Gründer der Entwicklungshilfe-Organisation “Kinderhilfe Afghanistan”, in einem Artikel der Sueddeutsche. Mehr als 85 Prozent der afghanischen Bevölkerung lebt allerdings in ländlichen Gebieten.

In unzähligen Interviews aus der Dokumentation Rethink Afghanistan (Teil 5: The Women of Afghanistan) wird deutlich, wie es um die Mehrzahl der afghanischen Frauen im Jahre 2010 steht: Die Frauenquote im Parlament von 25% ist zwar von der Verfassung vorgeschrieben, verhindert allerdings nicht, dass Kandidatinnen, die sich um ein politisches Amt bemühen, mit teils gewalttätigem Widerstand rechnen müssen. Unter dem Taliban-Regime wurden Afghaninnen bekanntlich zu Menschen zweiter Klasse. Eine Verbesserung ist aber auch heute und insbesondere in ländlichen Gebieten nicht festzustellen. Im Gegenteil: Hinzugekommen ist ein Krieg, der neben einer ungeheuerlichen Armut eine Vielzahl an neuen sozialen Problemen hervorbrachte. Selbstmordattentate waren noch vor der amerikanischen Invasion gänzlich unbekannt. Die Mehrzahl der Ehen wird erzwungen; Vergewaltigungen bleiben ungeahndet oder enden mit der Bestrafung des Opfers; häusliche Gewalt hat zugenommen und die Kindersterblichkeit ist unverändert hoch. Einige, wie Reinhard Erös, sprechen von einer Verschlechterung der humanitären Situation seit 2001. Der Human Rights Watch Bericht (2009) zum Thema Frauenrechte in Afghanistan skizziert ein trauriges Bild in allen gesellschaftlichen Bereichen, insbesondere in Bildung und Rechtssprechung.

Time Cover 08/2010: "Was passiert, wenn wir abziehen"

Die Situation der afghanischen Bevölkerung in dem nun offiziell teuersten und längsten Krieg in der Geschichte der USA findet weltweit Aufmerksamkeit: Auf dem August-Titel des US-Magazins Time prangte das Bild einer afghanischen Frau ohne Nase. Daneben war zu lesen: “Was passiert, wenn wir abziehen.” Die 19jährige Bibi Aisha, die vor ihrem gewalttätigen Ehemann floh und der zur Strafe Nase und Ohren abgeschnitten wurden, gab diesem Krieg ein erschreckendes Gesicht. Die Überschrift ist angesichts der Realitäten in Afghanistan der reinste Hohn. Aishas Geschichte ereignete sich zu einer Zeit, in der amerikanische und auch deutsche Truppen schon jahrelang in Afghanistan stationiert waren. Weder die Militärpräsenz noch die unzähligen Hilfsorganisationen konnten die Lage der afghanischen Bevölkerung radikal verändern. Operation Enduring Freedom? Die Tatsachen sprechen dagegen.


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Skaten in Afghanistan

31. März 2010 von Magda

Schon vor einigen Wochen in der JungleWorld erschienen und gerade wieder über den Artikel gestolpert: “Skaten ist hier auch ein Mädchensport”. Der größte Sportkomplex in Afghanistan liegt in Kabul, heißt “Skateistan“ und bietet zur Zeit bis zu 200 Kindern Platz zum Skaten. Im Artikel wird betont, dass die Skateschule nicht nur zum Skateboardfahren animieren möchte, sondern Kinder und Jugendliche mit verschiedensten sozialen, ethnischen und religiösen Hintergründen zusammenbringen will, um sie zum friedlichen und respektvollen Zusammenleben zu ermutigen.

Interessant ist, dass Skaten in Afghanistan keinesfalls ein “Jungsding” ist, denn als relativ neue Sportart wurde es bisher noch nicht in die typische Jungs- oder Mädchenecke gedrängt. Im Interview mit Sophie Friedel, Skateboarderin und Volontärin im Skateistan, heißt es dazu:

Skaten war früher ein neunzigprozentiges Jungsding. Ist das bei euch anders?

Skaten ist hier neu, deswegen gibt’s da noch keine Stereotype. Oli und Sharna kamen hier mit ihren Boards nach Kabul und haben gesehen, dass hier auch Frauen das machen können, und wir probieren jetzt, zur Hälfte Jungs, zur Hälfte Mädchen zu unterrichten, es gibt immer abwechselnd Jungstage und Mädchentage, das ist super für die Mädchen. Vom Sport her ist Skaten auch ein Mädchensport, Fahrradfahren dürfen sie hier nicht, weil viele Afghanen es kulturell nicht in Ordnung finden, wenn Frauen auf Fahrrädern sitzen.

(…)

Und wie finden es afghanische Väter, wenn man ihren Töchtern das Skaten beibringen will?

Es kommt vor, dass die Männer meinen, sie müssten die Mädchen schützen, vor allem wenn sie ins Heiratsalter kommen. So ab 13 oder 14 ist es schwierig, die Mädchen in die Schule zu bekommen, weil dann oft die älteren Brüder, die mit den Taliban aufgewachsen und sehr konservativ sind, nicht möchten, dass ihre Schwestern das Haus verlassen. Bei den kleinen Mädchen ist es dagegen überhaupt kein Problem. Wir fangen mit den Fünfjährigen an, von fünf bis zwölf Jahre ist das kein Thema, aber von zwölf bis 17 ist es schwieriger. Wir haben ja girls-only-Tage, und wir haben am Zaun einen Sichtschutz angebracht, damit man nicht ins Gebäude sehen kann. Wir haben auch zwei Wächter vor dem Haus, die aufpassen, damit keine Fremden hineingehen. So können wir Vertrauen aufbauen, und im Moment haben wir wieder ein paar Mädchen hinzubekommen.


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Frauenunterdrückung in Europa nicht dulden

9. Oktober 2009 von Verschiedenen
Dieser Text ist Teil 11 von 26 der Serie Der Kommentar

Ein Beitrag zur Debatte über ein Verbot der Burka in Europa von unserer Leserin Jeezal*.

Burkaträgerinnen in Afghanistan (Steve Evans über wikimedia commons)

Als Afghanin, die die weibliche Unterdrückung, ein Mix aus chauvinistisch geprägtem Kultur-Traditions-Religions-Mix, seit ihrer Geburt kennt, reagiere ich auf Kopftuch und Burka relativ heftig. Rein emotional, nicht aus Vernunftgründen. Zu oft habe ich fadenscheinige Gründe von Männern aus dem orientalisch-islamischen Raum zum Thema Frauenunterdrückung in ihren mannigfaltigen Formen anhören müssen – grinsend und sich Ihres Machismus‘ sehr bewusst sowie der Ungerechtigkeit dahinter.

Ich habe einige Zeit lang in Afghanistan gearbeitet, wo viele selbst noch in Kabul Burka trugen und natürlich fragte ich neugierig, denn ich hatte nicht mal Lust, ein Kopftuch zu tragen. Ich habe stets 2 Antworten gehört: Entweder „meine Familie will es so“ oder „ich fühle mich sicherer in der Burka“. Sicher vor Blicken und Beleidigungen von Männern. Ich selber habe häufig ein Kopftuch auf dem Kopf gehabt um nicht von den Männern auf der Straße für eine „Hure“ gehalten zu werden und um nicht ständig irgendwelchen Obszönitäten ausgeliefert zu sein. Denn das sind die beiden Frauenbilder, die die meisten moslemischen/ orientalischen Männer kennen: Entweder Du folgst den strengen Regeln, bleibst zuhause, bist brav, nicht zu fordernd, redest nicht zu viel und lässt Dich brav verheiraten oder Du bist ein Mädchen von der Straße (das heißt Du verlässt das Haus, selbst wenn es nicht dringend notwendig ist) und schon bist Du eine Frau 2.Klasse – denn wer weiß, was Du da draußen machst.

Hingegen nutzen die Männer (Jungs), die sämtliche Freiheiten haben, diese auch in vollen Zügen aus. Für sie gilt nur ein islamisches Gesetz: kein Schweinefleisch. Alles andere der westlichen Kultur ist erlaubt!

Ich kenne aus persönlichen Kontakten keine Burkaträgerinnen in Europa, nur Kopftuchträgerinnen, die mir gesagt haben, sie tragen ihr Kopftuch aus tiefer religiöser Überzeugung. Das ist ein Argument, welches für mich schwer verdaulich ist, dennoch kann ich es und vor allem will und muss ich es tolerieren. Aber, was könnte wohl der Grund dafür sein, dass jemand freiwillig in Europa eine Burka trägt? Es gibt keinen Grund dafür: Es ist weder religiös vorgeschrieben, noch ist man irgendeiner Gefahr ausgesetzt, wenn man keine Burka trägt. Ich kann mir nur einen Grund vorstellen: Zwang von der Familie.

Ich habe einmal eine Burka für ein paar Minuten getragen und tatsächlich konnte ich mich kaum fortbewegen, da mein Gesichtsfeld enorm eingeschränkt war – ganz abgesehen von dem Gefühl in einem Käfig zu sein und mich absichtlich weitaus hilfloser gemacht zu haben. Ich finde, dass der Vergleich mit genitaler Verstümmelung überhaupt nicht hinkt. Es ist nur ein anderes Gesicht des gleichen Prinzips. Und warum tun Frauen es sich gegenseitig an? Mütter und Schwestern Ihren Töchtern? Das habe ich schon viele Afghaninnen gefragt. Insbesondere, wenn es um Zwangsverheiratung geht. Antworten: Tradition, Gewohnheit, was man mir angetan hat, tue ich nun auch anderen an.

Die Männer antworten meistens ähnlich, aber hinzukommt der wunderbare, abstrakte Ehrbegriff. Aber der Hauptgrund ist meines Erachtens fehlende, mangelnde Bildung bis meistens Analphabetismus. Ich denke, dass wir in Europa mittelalterliches Gedankengut und Handelsweisen nur bedingt tolerieren müssen, sollten. Egal wie oft uns vielleicht Analphabeten, egal aus welchem Land und welcher Religion erzählen wollen, dass die Erde eine Scheibe ist, sollten wir nicht aus übetriebener Toleranz zustimmen. Sondern aufklären. All das Gute, das in Europa erreicht worden ist sollten wir weitergeben an die Menschen, die in Europa leben (damit meine ich nicht, in irgendein afghanisches Dorf gehen und denen was von Aufklärung erzählen).

Meiner Meinung nach sollte man Frauenunterdrückung in Europa nicht erlauben – das wäre übertriebene „Toleranz“. Ich denke, damit macht man sich eher schuldig nichts getan zu haben im Angesicht von evidenter Unterdrückung und ihren Folgen. Ich sehe das Verbot der Burka eher als Schutzmaßnahme an. Und diese Frauen benötigen Schutz, denn sie selber werden nicht auf die Idee kommen für Ihre Rechte einzustehen – aus vielerlei Gründen.

(Dieser Kommentar erschien ursprünglich als Beitrag zur Diskussion „Burka weg oder Geld weg“)

*der Name wurde von uns geändert


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Applaus für… eine Heldin in Afghanistan

29. Juli 2009 von Helga
Dieser Text ist Teil 5 von 22 der Serie Applaus für

Die Unterdrückung der Frauen durch die Taliban war ein Argument, das Deutschland zur Teilnahme an der “Operation Enduring Freedom” in Afghanistan bewegte. Dass die Befreiung immer noch nicht bei den Frauen angekommen ist, zeigte zuletzt die Diskussion um ein Gesetz, dass den ehelichen Geschlechtsverkehr der Schiiten regeln sollte. (Das Gesetz wurde inzwischen geändert, enthält aber weiterhin strittige Passagen, so der Focus.)

Für gesunde Frauen und sichere Geburten kämpft jeden Tag Pashtoon Azfar, die Vorsitzende der Afghanischen Hebammen Vereinigung. Sie ist außerdem Vorsitzende des Afghanischen Instituts für Gesundheitswissenschaften und Beraterin von JHPIEGO, einer gemeinnützigen Organisation der Johns Hopkins Universität, die sich für kostengünstige und effektive Gesundheitsversorgung einsetzt. Im Porträt in der New York Times wird deutlich, wie schwer die letzten Jahrzehnte dem Land zugesetzt haben:

Ms. Azfar never actually saw a birth until she began studying midwifery at age 16[…] . She finished the rigorous three-year program at the top of her class in 1976. “It was a very well-respected profession in my country,” she said. But decades of war destroyed midwifery and much of health care, she said. Professionals fled the country, and many never went back.

Heute hat Afghanistan die zweit-höchste Sterberate weltweit bei Schwangerschaften und Geburten. Jedes Jahr sterben 26.000 Afghaninnen, weil sie unzureichende oder gar keine medizinische Betreuung bekommen. Nach dem Ende der Talibanherrschaft waren nur noch 537 Hebammen übrig – in einem Land mit 28 Millionen Einwohnern. Neben chronischem Personalmangel und unterfinanzierten Krankenhäusern gibt es ein weiteres Problem:

The deeper problems are cultural, rooted in the low status of women and the misperception that deaths in childbirth are inevitable — part of the natural order, women’s lot in life. During her talk in Washington Ms. Azfar quoted Dr. Mahmoud Fathalla, an Egyptian physician and advocate for women’s health: “Women are not dying of diseases we can’t treat. …They are dying because societies have yet to make the decision that their lives are worth saving.”

Seit Jahren arbeitet Azfar sieben Tage die Woche, auch zum Missfallen ihrer Familie, um Hebammen auszubilden und die Wertschätzung der Frauen zu erhöhen. Eine echte Heldin.

Artikel via Feministe.


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Gefahr für Mädchen

27. Mai 2009 von Barbara

Über die ständig wachsende Gefahr, in der sich Mädchen in Nord-Afghanistan befinden, berichtet Spiegel Online. Nachdem im vergangenen Jahr Säureattentate auf Schülerinnen verübt wurden, drohen nun in der Region Kunduz verschiedene Anhänger der Taliban, Schulmädchen zu ermorden. Mit einfachen Zetteln, die sie an die Schulen hängen, machen sie klar, dass sie nicht damit einverstanden sind, dass Mädchen zur Schule gehen.

“Von heute an”, heißt es in einem Schreiben aus Aqtasch, “dürfen Mädchen nicht mehr zur Schule kommen”. Gezeichnet ist das Schreiben mit dem Logo des “Islamischen Emirats von Afghanistan”, sogar auf Englisch ziert dieses das Formblatt. Es ist ein weiterer Beweis, wie gut organisiert die Taliban im Einsatzgebiet der Bundeswehr mittlerweile sind.

Ein anderer Drohbrief zeigt ein Schulmädchen am Galgen. “Wir haben euch gewarnt”, heißt es düster, “wenn wir nun Schulmädchen töten, dürft ihr euch nicht wundern.”

Wir erinnern uns: Während der Schreckensherrschaft der Taliban zwischen 1996 bis 2001 durften Mädchen nicht zur Schule gehen. Daran denkt man, wenn man hört, dass inzwischen etwa zehn Schulen geschlossen wurden. Aus Angst davor, dass den Mädchen tatsächlich etwas passiert. Doch nicht nur die Taliban stellen eine Gefahr für die Schülerinnen dar, wie ein Bericht aus dem Standard über einen Gasanschlag auf eine Mädchenschule in Nord-Afghanistan zeigt:

“Wir glauben nicht, dass die Taliban hinter dem Anschlag stehen, sondern Menschen, die sie unterstützen und mit ihnen kooperieren”, sagte der für die Sicherheit des zweiten Bezirks der Provinz Kapisa zuständige Oberst Sha Agha.

Es sind nicht nur die Taliban, sondern auch andere fundamentalistische, konservative Afghanen, die eine Schulausbildung von Mädchen ablehnen und verhindern wollen. Und wenn das Verbot nicht offiziell auszusprechen ist, dann wird es eben mit Gewalt durchgesetzt.

Dank an palü für den Hinweis.


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Frau sein in Afghanistan

4. Mai 2009 von Barbara
Dieser Text ist Teil 26 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

Wer Khaled Hosseinis Bestseller „Drachenläufer“ und „Tausend strahlende Sonnen“ liest, gewinnt einen bleibenden Eindruck von Afghanistan, dem Alltag in Kabul und der Veränderung dieses eigentlich friedlichen, traditionellen Lebens durch die sowjetische Besatzung und die spätere Machtergreifung der Mudschaheddin. Doch das, was bei Hosseini Fiktion ist, die sich auf historische Fakten stützt, ist in Mári Saeed Buch „Mein Kabul – mein Deutschland“ Wirklichkeit.

Saeed geboren 1966 in Kabul, wächst bei ihren Eltern und ihren älteren Geschwistern in einem liberalen, wohlhabenden Zuhause auf. Im Gegensatz zu vielen anderen Familien freut sich ihr Vater über ihre Geburt, trotz der Tatsache, dass sie nur eine weitere Tochter für ihn ist. Diese Freude ist wohl eine Reaktion auf seine eigene Kindheit, über die sie schreibt: „Vor allem die Frauen waren benachteiligt worden. Das empfand er als falsch. Er war deshalb sein ganzes Leben sehr bemüht, Frauen gegenüber gerecht zu sein. Für ihn war eine Tochter ebenso viel wert wie ein Sohn.“ Man kann sagen, dass im Verhalten ihres Vaters, in seinem Bemühen, seine Töchter nicht gegenüber seinen Söhnen zu benachteiligen, obwohl das für die afghanische Tradition eigentlich selbstverständlich ist, das Glück von Saeed begründet liegt.

Mári Saeed besucht die Schule, in der sie ehrgeizig und wissbegierig ist. Sie studiert in Russland und arbeitet, zurück in Afghanistan, als Ausbilderin für Lehrerinnen und Lehrer. Eine Heirat im Teenageralter – eine für ihre Heimat absolut übliche Angelegenheit – kann sie abwenden, wieder durch das Verständnis ihres Vaters, der ihr erlaubt, selbst zu entscheiden, wen sie heiraten möchte und wann. So verläuft ihr Leben anders als das ihrer Schwestern, die früh heiraten – und früh Leid erfahren.

Eine wird von ihrem brutalen Ehemann immer wieder gedemütigt und geschlagen. Eine muss mit ihren Kindern aus Afghanistan fliehen, nachdem ihr Ehemann aufgrund seiner politischen Gesinnung von den Taliban erschossen wird. Eine verliert zuerst ihre beiden Töchter, die mit Taliban zwangsverheiratet wurden; kurz darauf wird sie von ihrem eigenen Zwangsehemann, auch einem Taliban, wegen ihres Ungehorsams zu Tode geprügelt.

Auch Mári Saeed heiratet, und auch ihre Ehe ist problematisch, ihr Mann gewalttätig, und Hilfe vonseiten der Familie aufgrund starrer Traditionen und strengem Ehrbegriff fast nicht möglich. Da sie aufgrund ihres Russlandstudiums von den Taliban verfolgt wurde, flieht sie nach Deutschland. Dort lebt sie in Asylunterkünften, teils mit ihrem Mann, teils ohne ihn, immer in Sorge um ihre beiden Töchter, die unter der Gewalttätigkeit ihres Vaters sehr leiden. Ihre Ehe würde man mit westeuropäischen Maßstäben betrachtet als Katastrophe bezeichnen: Ihr Mann beleidigt sie regelmäßig, betrügt sie, schlägt sie und bedroht ihr Leben. Dass sie dieser Beziehung über lange Zeit, auch noch nach ihrer Flucht aus Afghanistan in Deutschland immer wieder eine Chance gibt, und sogar, nachdem sie mit den Kindern in ein deutsches Frauenhaus geflohen war, zu ihm zurückkehrt, erklärt sie mit der Angst vor der eigenen Freiheit. Sie versteht sich selbst auch im Vergleich mit dem Verhalten anderer Frauen in ähnlichen Situationen: „…häufig war ihnen zu Beginn schon der Gedanke an ein selbstständiges Leben allein zu riskant. Meistens gingen diese Frauen jedoch wieder zu ihren Männern zurück, weil sie keinen anderen Ausweg sahen.“

Als Mári Saeed endlich genügend Mut findet, ein Leben allein, aber in Freiheit zu führen, erkennt sie auch, dass sie anderen Frauen helfen kann, indem sie ihnen einen Weg in die Selbstständigkeit zeigt. Auch im deutschen Asylzuhause sieht sie Afghanistan als ihr Heimatland an, sie möchte besonders den Frauen dort helfen, etwa in dem sie den Bau eines Frauenhauses oder rechtliche und psychologische Unterstützung vor Ort zu ermöglichen versucht.

Der Schwachpunkt dieses Buches ist handwerklicher Natur; manche Passagen wirken wirr und unnötig redundant, auch ist die Sprache an einigen Stellen etwas ungelenk. Dies liegt wohl daran, dass Mári Saeed keine Muttersprachlerin ist und das Buch auf Deutsch verfasst hat, in Zusammenarbeit mit einer Coautorin, Liane Lehnhoff, die sich seit Jahren für Terre des Femmes engagiert.

Doch unabhängig dieser Schwäche bleibt diese Geschichte eine pulsierende Energiezelle: Es ist wichtig, etwas zu wollen, etwas aus dem eigenen Leben zu machen. Wissbegierig sein. Mut zu haben. Sich Verbündete suchen. Und nicht in eine Angststarre zu fallen. Denn Angst verhindert, dass man sich wehrt. Eine Frau kann sich wehren, erscheint ihre Situation auch noch so ausweglos. Als Mári Saeed zusieht, wie ihr Mann seine Mutter schlägt, schreit sie laut auf. „Ich hatte mich durch mein Schreien gewehrt. Und er hatte vor diesem Schrei Angst bekommen, denn alle anderen geschlagenen Frauen, die er kannte, wehrten sich nicht, sondern erniedrigten sich flehend und jammernd.“

Mári Saeeds Geschichte ist gut ausgegangen. Und gibt denen Hoffnung, die noch für ein gutes Ende kämpfen müssen, ob in Afghanistan oder in Deutschland. Wie Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von Terre des Femmes im Nachwort des Buches schreibt: „Die couragierte Menschenrechtlerin leistet einen unverzichtbaren Beitrag, damit die Menschen der beiden Kulturkreise miteinander ins Gespräch kommen. … Denn: Afghaninnen – ob sie nun in der Heimat oder in Deutschland leben – wollen frei und in Würde leben.“

Mári Saeed, „Mein Kabul – mein Deutschland. Máris mutiger Weg zwischen den Kulturen.“ Christel Göttert Verlag, 2008. Paperback. 315 Seiten. 19, 80 EUR. www.christel-goettert-verlag.de

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Deutsch-afghanische Frauenrechtlerin erschossen

14. April 2009 von Anna

Sitara Achaksai, eine deutsch-afghanische Kommunalpolitikerin, wurde am Sonntag in Kandahar erschossen. Die Taliban haben sich schuldig bekannt, die Frau getötet zu haben.

Achaksai, die die deutsche und die afghanische Staatsbürgerschaft besaß, hatte während der Jahre der Talibanherrschaft in Deutschland gelebt und war dann nach Afghanistan zurück gekehrt um dort zusammen mit der Frauenvereinigung von Kandahar für die Rechte der Frauen zu kämpfen.

Die Vereinten Nationen verurteilten die “feige Tat”: “Achikzai war eine engagierte und tapfere Frau, die Afghanistan in einer der gefährlichsten Regionen des Landes gedient hat.”
Auch Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul hat den Anschlag verurteilt und forderte die afghanischen Behörden auf, die Mörder schnellstmöglich zu finden.

Ob’s hilft?


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