Einträge mit dem Tag ‘Ägypten’


Ist die Revolution bereits verloren?

4. August 2011 von Kübra
Dieser Text ist Teil 19 von 34 der Serie Das Wort zum Freitag

Es ist Nacht in Kairo. Ich stehe auf dem hell erleuchteten Tahrirplatz. Es ist laut. Überall sind Podeste aufgestellt, auf denen Frauen und Männer Reden halten, wild gestikulieren – das Publikum hört aufmerksam zu, ruft rein oder beklatscht die Redner. Überhaupt stehen überall Menschen herum, die diskutieren, sich fotografieren lassen, ägyptische Fahnen kaufen. Zwischendurch umkreist eine Protestgruppe den Platz und ein Meer von Handykameras wird gezückt.

Dann entdecke ich die Bilder der Opfer des Mubarak-Regimes, sie bilden eine lange Straße auf dem Boden des Tahrirplatzes. Menschentrauben umringen die Bilderstraße und gehen sie der Reihe nach durch.

Inmitten des bunten Getümmels stehen große weiße Zelte, mit denen Aktivisten und Demonstranten, vor allem aber Angehörige von Opfern, seit Wochen den Platz besetzen und Gerechtigkeit für die Opfer fordern. In einem der Zelte treffen wir auf Mahmoud, einen pensionierten Physiker mit weißem Rauschebart und langem traditionellen Gewand. “Ich weiß, ich sehe aus wie ein Salafi”, sagt er auf Englisch und lacht. “Bin ich aber nicht.” Routiniert fängt Mahmoud gleich an zu erzählen, warum sie den Platz besetzen.

“Die Revolution ist fast verloren”, sagt Mahmoud. Die drei großen Strömungen – Salafiten, Muslimbrüder und Säkulare – hätten die Revolution an sich gerissen, um Politik für die eigene Sache zu machen. Keine aber vertrete tatsächlich das Volk. “Und wem gehörst du an?”, will ich wissen. Er guckt mich erstaunt an: “Ich bin Mahmoud, einfach nur Mahmoud.” Die Besetzer seien keine Parteivertreter, sondern einzelne Aktivisten und Angehörige der Opfer, erklärt er.

“Wir alle werden diesen Platz nicht verlassen, bevor unsere Forderungen nicht erfüllt werden.” Mubarak und seine Leute müssten bestraft, Gerichtsverfahren gegen die Polizisten, die folterten und mordeten, eröffnet und das Innenministerium und die Polizei neu besetzt werden, erklärt Mahmoud. Wir reden noch lange weiter, bevor ich mich bedanke und durch die kleine Zeltstadt mit ihren bunt bemalten Zeltwänden und provisorischen Unterkünften wandere.

Einige Tage später wird der Tahrirplatz von der Armee plötzlich gewaltsam geräumt. Nichts steht jetzt noch dort. Ich telefoniere mit meiner Freundin Mai, die wie viele andere Ägypter mit der Revolution zur Aktivistin wurde. Hundert Personen wurden festgenommen, unter anderem eine gemeinsame Freundin von uns, die BBC-Journalistin Shaimaa Khalil, die mittlerweile wieder entlassen wurde. Ich verstehe nicht. Warum schreit die Bevölkerung nicht auf?

“Die Besetzer hatten schon lange den Rückhalt in der Normalbevölkerung verloren”, erklärt Mai mir. Durch öffentliche Spenden an Angehörige der Opfer stellte die Armee die Bevölkerung zufrieden – die Besetzer wurden hingegen immer unbeliebter. “Die Besetzer haben ihre Forderungen nicht gut genug kommuniziert und viele Fehler gemacht”, sagt Mai am Telefon und schließlich verzweifelt: “We’re screwed.” Und ich kann nichts tun, nur berichten, was ich höre und sehe.

(Dieser Text erschien ursprünglich als Kolumne in der Taz)


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Ägypten: Immer noch ein Staat der Revolution

26. Juli 2011 von Helga

Im März berichtete Amnesty International von Vorwürfen, nach denen ägyptische Demonstrantinnen entwürdigenden „Jungfrauentests“ unterzogen wurden. Bei „Nichtbestehen“ drohte man mit Anklagen als Prostituierte. Später erhärteten sich sich die Vorwürfe, ein General entschuldigte das Vorgehen, bei den Betroffenen habe es sich nicht um „ehrbare Frauen“ gehandelt habe.

Nun haben eine Reihe an Frauenrechtsorganisationen eine gemeinsame Petition gegen den Verteidungsminister und den Vorsitzenden der Armee, die gerade die Übergangsregierung stellt, eingereicht. Sie wollen verhindern, dass die Tests als Routineinstrument gegen Demonstrantinnen eingesetzt werden und so die Beteiligung von Frauen in der Politik verhindern. Mit der Journalistin und Aktivistin Bothaina Kamel gibt es immerhin bereits eine Präsidentschaftskandidatin.

Leil-Zahra Mortada (die bereits die Facebookgalerie “Women of Egyptstartete) hat unterdessen ein neues Projekt begonnen. “Words of Women from the Egyptian Revolution” heißt es und soll Videobotschaften von Frauen sammeln, die an der Revolution beteiligt waren.

Das Projekt soll in drei Phasen ablaufen. Zunächst sollen Frauen aus Kairo interviewt werden, anschließend Frauen aus ganz Ägypten. Wenn das Projekt erfolgreich läuft, soll es auch Videos aus anderen arabisch-sprachigen Staaten geben. Dafür sammelt Mortada noch Spenden – immerhin etwas über 1000 Dollar sind aber bereits zusammen gekommen.

Seit einigen Tagen sind die Aktivist_innen in Kairo auch wieder auf dem Tahrirplatz. Sie protestieren gegen die Militärübergangsregierung, die ihrer Ansicht nach zu langsam handelt. Auch dass Zivilist_innen vor Militärgerichte gestellt werden, wie es bereits unter Mubarak der Fall war, wird kritisiert. Am Samstag kam es daher zu gewalttätigen Auseinandersetzungen – wie es in Ägypten nun weitergeht bleibt erstmal unklar.


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Interviewpartner_innen gesucht – die Blogschau

23. Juli 2011 von Nadine
Dieser Text ist Teil 118 von 157 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Die ägyptische Bloggerin Eman Hashim schreibt über sexuelle Belästigung in ihrem Land. Das Goethe Institut bietet eine Übersetzung an.

Im Blog wasdagegen setzen sich die Betreiber_innen kritisch mit rassistischer und sexistischer Werbung auseinander.

“‘Was will eine Frau eigentlich’ gehört mit zu den dämlichsten [Fragen], die es gibt”, meint Paper Cuts.

Wegen des großen Interesses am ersten möglichen Hochzeitstermin für gleichgeschlechtliche Paare hat die New Yorker Stadtverwaltung kurzfristig eine Lotterie angekündigt, berichtet Queernews.at.

Mädchenblog: Anne sucht nach Interviewpartner_innen für ihre Diplomarbeit über Psychotherapie‐Erfahrungen von Queers und Transgendern.

Inge Jahn hat sich auf ihrem Blog Gedanken über Geld gemacht.

Deutsche Männer suchen nach gescheiterten Hetero-Beziehungen zu deutschen Frauen häufig ihr Liebesglück mit osteuropäischen oder asiatischen Frauen. Grund: Die deutsche Frau sei zu hartherzig und emanzipiert. Alles Banane, finden die Danger Bananas.


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Mein Problem mit dem Gesichtsschleier

21. Juli 2011 von Kübra
Dieser Text ist Teil 18 von 34 der Serie Das Wort zum Freitag

Es ist unser dritter Tag in Kairo, und wir sind zum ersten Mal bei Nachbarn zum Essen eingeladen. Mina steht am Küchentresen und macht Hamburger. Dabei trägt sie ein langes Kleid, eine Hochsteckfrisur und ist geschminkt. Ihre Freundin sitzt in Hose und engem T-Shirt lässig auf dem Küchenstuhl und streicht sich die kurzen Haare aus dem Gesicht.

Wir Frauen unterhalten uns über das Leben in Kairo. Sie geben mir Einkaufstipps und empfehlen Restaurants. Wir sprechen über Sprachschulen und die islamische Universität Al-Azhar. Plötzlich baut sich Minas Freundin auf. Sie erzählt mir, sichtlich verärgert, dass es an der Universität Al-Azhar doch tatsächlich Frauen gäbe, die unterrichteten. Ich sage, dass ich nichts Verwerfliches daran erkennen kann. Schließlich ist es doch selbstverständlich, dass Frauen Wissen erwerben und weitergeben. “Aber doch nicht an Männer!”, ruft sie. Niemals würde sie sich an der Al-Azhar unterrichten lassen – nicht von einer Institution, die solche Frauen toleriere. Mina nickt zustimmend.

“Was ist denn schlimm an einer Frau, die unterrichtet? Auch du willst doch nicht bloß wegen eines Stück Tuchs verurteilt werden”, entgegne ich. Sie schaut mich mit großen Augen an und sagt dann empört: “Schwester, ich trage einen Niqab [Gesichtsschleier].” Ich bin überrascht. Will weder sagen, was ich denke, noch was ich alles so tue.

Einige Wochen später fängt mein Arabischkurs an. Ich bin froh und euphorisch, will das Land und die Leute besser verstehen. Im Klassenzimmer warte ich auf meine Lehrerin. Dann betritt meine Lehrerin Reehan den Raum. Sie trägt einen Niqab. Plötzlich fühle ich mich unwohl. “Du bist doch offen und liberal, Äußerlichkeiten sind dir nicht wichtig”, sage ich mir. Reehan schließt die Tür und nimmt ihren Schleier ab. Freundlich begrüßt sie mich und fängt mit dem Unterricht an. Ich lerne nicht viel an diesem Tag.

Ich beschließe, ich will Reehan kennenlernen. Zu Beginn der nächsten Unterrichtsstunde sage ich, dass ich dieses Mal das Reden üben möchte und schieße gleich mit der ersten Frage los: “Warst du auch auf dem Tahrirplatz?” “Selbstverständlich”, sagt sie. Sie kramt ihr Handy heraus, setzt sich neben mich und zeigt mir Fotos von der Revolution. Dabei erklärt sie mir die Bilder und schreibt gleichzeitig neue Vokabeln auf.

Sie liest mir ein Protestschild vor, bei dem es um den ehemaligen ägyptischen Polizeipräsidenten geht. “Er ist ein schlechter Mann. Er hat versucht Muslime und Christen auseinanderzutreiben, indem er in Alexandria einen Anschlag auf eine Kirche verüben ließ.” “Warum?”, frage ich. “Um die Bevölkerung von ihren Machenschaften abzulenken”, erklärt Reehan. Dann erzählt sie davon, wie sie die Kopten beschützten und die Kopten sie beschützten. Dass Religion in solchen Fällen egal ist, dass sie alle zusammengehören, weil sie Ägypter sind.

Bei einem Bild bleiben wir hängen. Es ist Nacht, überall sind protestierende Menschen zu sehen. Dazwischen steht ein großes Stück Stoff in Grau mit einer ägyptischen Flagge. “Das bin ich!”, sagt Reehan und lacht – zusammen mit mir.

Warum erzähle ich diese Geschichte? (weiterlesen …)


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Bloggen gegen sexuelle Belästigung

20. Juni 2011 von Helga

In Ägypten und dem Libanon heißt es heute: Bloggen und Twittern gegen sexuelle Belästigung, berichtet Nadine Moawad (Hashtag: #EndSH für “End Sexual Harassment”). In Ägypten ist das seit Jahren ein riesiges Problem. Während der Revolution hatten viele Frauen berichtet, dass sie völlig unbelästigt protestieren konnten, spätestens mit der Massenvergewaltigung von Lara Logan war das Thema Gewalt gegen Frauen aber wieder auf der Tagesordnung.

Gelber Post-It mit To-Do-Liste für den 20. Juni (auf Englisch und Arabisch) - Bloggen und Twittern gegen sexuelle Belästigung

via nadinemoawad.com

Initiiert wurde die Kampagne von HarassMap Kairo, die Übergriffe täglich dokumentieren, für Ägypten gibt es außerdem mehr Informationen auf Facebook). Im Libanon unterstützen die Seiten The Adventures of Salwa und Resist Harassment Lebanon die Aktion.


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Im Land der Tarnkappen

9. Juni 2011 von Kübra
Dieser Text ist Teil 15 von 34 der Serie Das Wort zum Freitag

Wir laufen durch das staubige Kairo. Die Sonne knallt und es tummeln sich Tausende von Menschen auf den Straßen der größten Metropole Afrikas. “Ah, kuck mal hier!”, rufe ich, “Schau mal dort!” und zupfe am Hemd meines Mannes. Meine Kamera baumelt heute nutzlos an meinem Arm, ich möchte mich einfach nur sattsehen an dieser Stadt. Es ist laut und bunt. Die hupenden, ratternden und brummenden Autos geben dieser Stadt ihr Geräusch. Die vielen Frauen hingegen geben der Stadt ihre Farbe.

Einige ohne Kopftuch, viele aber mit. Manche tragen ihr Kopftuch ganz unscheinbar, natürlich und huschen mit dicken Büchern unter dem Arm durch die Menge, andere steigen von oben bis unten schwarz verschleiert aus dicken Wagen und wandern direkt ins vollklimatisierte Pizza Hut; und wieder andere stolzieren mit glitzerndem Kopftuch, knackengen Jeans, Gucci-Brille und hohen Absätzen durch die Menge. Und das sind nur die Archetypen. Es geht noch viel bunter zu.

Bei einem Telefonshop machen wir Halt, um SIM-Karten zu kaufen. Mit meinem bisschen Hocharabisch komme ich hier nicht weit, deshalb überlasse ich den Einkauf meinem Mann und seinem Freund – und widme mich dem Laden. Genauer gesagt den Werbeplakaten an den Wänden und den Musikclips im Fernseher. Ein großer Mobilfunkanbieter wirbt für einen neuen Vertrag – das Plakat ist vollgepackt mit lachenden, jungen und alten Ägyptern. Aber keine einzige Frau mit Kopftuch.

Im Fernsehen läuft derweil ein Musikvideo über die ägyptische Revolution. Es wird eine bunte Mischung ägyptischer Gesichter gezeigt, nur keines mit Tuch darum. Und auch in den Serien und Nachrichten, das gleiche Spiel. Es ist fast so, als würden koptuchtragende Frauen in Ägypten gar nicht existieren.

Paradox, find ich. Ausgerechnet in einem Land, wo doch knapp 80 Prozent der Frauen das Kopftuch tragen. Und mit dem Islam als Staatsreligion. Dann wiederum finde ich das doch nicht so paradox. Läuft es doch in der Türkei genauso ab.

Auf der Straße herrscht Tohuwabohu. Kopftuch, kein Kopftuch, Glatze und Bart. Schaut man aber populäres türkisches Fernsehen, könnte man in dem Glauben sterben, alle Türkinnen liefen in kurzen Röckchen, grell geschminkt und auf allerhöchsten Absätzen durch die Welt. Weder im Kino oder im Fernsehen, noch in Werbung oder Serien findet man Kopftuchträgerinnen, so als gäbe es sie gar nicht. Und kaum einen scheint es zu stören. Nicht einmal Kopftuchträgerinnen selber, die die Serien oftmals eifrig mitverfolgen.

Später erfahre ich von einer Debatte, die vor Jahren in Ägypten kochte. Einige prominente Schauspielerinnen und TV-Moderatorinnen entschieden sich für das Kopftuch. Und wurden gefeuert. Sie bekamen auch künftig keine nennenswerten Aufträge mehr. Die betroffenen Frauen gingen damit an die Öffentlichkeit. Geändert hat sich aber scheinbar nichts.

“After the Revolution”, sagen die Ägypter, die ich darauf anspreche. Jetzt hätten sie ja schließlich Meinungsfreiheit, betonen sie und fügen hinzu: “Insh Allah” – so Gott will.

(Dieser Text erschien ursprünglich als Kolumne in der Taz.)


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Weiße Männer, Männlichkeiten und Körperkult

1. Juni 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 106 von 152 der Serie Kurz notiert

Die frauenfeindliche und homophobe Partei SGP darf in den Niederlanden mitregieren, schreibt die Welt. Die Partei strebt einen Gottesstaat an, befürwortet die Todesstrafe und lehnt Abtreibung, Sterbehilfe und pränatale Diagnostik ab.

Nadia Shehadeh kritisiert für Philibuster die letzte Kolumne von Sybille Berg auf Spiegel Online: “Autorin Sibylle Berg will Gutes für alle Geschlechtsgenossinen – und muss dabei immer wieder stumpf pauschalisieren und auf verschleierten Frauen rumhacken. Ich will das alles nicht.”

Die neue Anschläge, ein feministisches Magazin aus Österreich, ist draußen. Themen u.a.: Intimrasur und ein Nachruf auf die Riot Grrrl Punk Ikone Poly Styrene.

The F Bomb nimmt die Selbstdisziplinierungstechniken junger Frauen und Mädchen bezüglich ihres eigenen Körpers unter die Lupe.

Auf Gender Across Borders startete kürzlich die Serie “Behind the Mask of Masculinity” (deutsch: Hinter den Masken von Männlichkeit(en) ). In zum Teil wissenschaftlichen, zum Teil sehr persönlichen Artikeln zu kritischen Männlichkeiten diskutieren mehrere Autor_innen deren kulturelle wie soziale Ausprägungen. Unbedingt lesenswert.

Mikki Kendall gibt nützliche Kommunikationstipps für alle, die sich für kritische Perspektiven auf Machtverhältnisse und Diskriminierung interessieren.

In “Lass Papa das mal machen” freuen sich die Leser_innen der Taz zunächst über die Aussage, dass auch Väter Verantwortung in der Erziehungsarbeit übernehmen sollten. Die Argumente hierfür sind allerdings haarsträubend stereotyp und biologistisch.

Warum alle weißen Männer verweigern sollten, auf Veranstaltungen zu sprechen, die nur ihresgleichen beherbergen, begründet Good.

Jezebel nimmt die Geschichte der “Bikini-Figur” auseinander und zeigt auf, warum das Thema nicht nur mit Körpernormierungen, sondern auch mit Geschlechterverhältnissen und speziell dem “männlichen Blick” zusammenhängt.

Die Tagesschau berichtet über die Situation von Frauen in Ägypten während der Revolution: Dort schikanierte das Militär sie mit sogenannten “Jungfrauentests“.

Feministing konstatiert, dass Trans*Personen in den Mainstream-Medien lediglich als schicksalshafte Figuren präsentiert werden.

Der aktuelle Beyoncé-Song “Run the World (Girls)” hat nicht nur für Begeisterungsstürme gesorgt. Auf Colorlines werden die Kritiken an den Aussagen im Song zusammengefasst und entsprechend kommentiert. Auch sehenswert: Diese Kritik in Videoform:

 


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Young Media Summit 2011: Hoffnungen und Nöte ägyptischer Frauen

26. Mai 2011 von Helga

Am zweiten Tag des Young Media Summits wurden wir in verschiedene Gruppen aufgeteilt, die jede ein spezielles Thema in Kairo recherchieren konnte und sollte. Heba, Huda und ich entschieden uns, die ägyptischen Frauen zu befragen, wie sie die Revolution erlebt haben, wie sich ihr Leben verändert hat und welche Hoffnungen sie für die Zukunft haben. Dazu waren wir wieder auf dem Tahrir Platz, diesmal vor dem Mogamma. Das riesige Zentralverwaltungsgebäude ist ein Sinnbild der Bürokratie, um das kein_e Ägypter_in herum kommt. Außerdem haben wir mit Frauen im Stadtteil Zamalek gesprochen. Wie die Lokalisierung des Marriott Hotels hier vermuten lässt, einem gehobenerem Bezirk der Stadt.

YMS-Teilnehmerin Huda Jafar mit Schreibblock interviewt drei junge Frauen, bunt gekleidet in rot, blau und gelb vor der ägyptischen Zentralverwaltung

Huda Jafar im Gespräch mit ägyptischen Frauen

Dabei haben wir Frauen verschiedener Altersklassen und Gesellschaftsschichten getroffen. Auf dem Tahrir Platz etwa verkauft die Witwe Ameera (60) seit 22 Jahren Feteer – von der Revolution hält sie gar nichts. Für die Bevölkerung gebe es keine Verbesserung, schon gar nicht für die Armen. Auch Samah (37) zeigte sich enttäuscht. Trotz ihres Bachelors in Informationstechnologie hat sie keinen Job gefunden und verkauft nun Kleidung vor dem Mogamma. Von den Präsidentschaftswahlen erwartet sie nichts, denn die Kandidat_innen hätten von den Sorgen und Nöten der einfachen Menschen keine Ahnung. Bessere Jobaussichten und ordentliche Bezahlung wünschte sich ebenfalls Amal (26). Sie hatte an den Protesten teilgenommen, inzwischen ist sie jedoch frustriert, weil sich nichts verbessert hat.

Dagegen ist die Hausfrau Lydia (33) noch unsicher, wie die Revolution ausgehen wird. Sie wünscht sich Veränderungen der patriarchalen Gesellschaft und faire Bedingungen für die ägyptischen Frauen. Vor allem die kommenden Generationen würden Veränderungen spüren. Zur kommenden Generation gehört auch die Schülerin Hagar (16), die große Hoffnungen hat. Bessere Ausbildungsmöglichkeiten und Beteiligung der jungen Menschen sind ihr wichtig, da es an der Jugend liege, Ägypten wieder aufzubauen.

Leider waren die meisten Frauen nicht einverstanden, fotografiert zu werden (was nicht nur uns passiert ist). Rechnet man hinzu, dass sie während der Proteste vielfach organisatorische Aufgaben übernommen haben und damit für die Presse vielleicht unspektalulär aussahen, klärt sich langsam, warum über ihr Engagement und ihre Sichtbarkeit so lange diskutiert werden musste.


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Vergewaltigung ist nicht gleich Vergewaltigung

19. Mai 2011 von Magda

Gestern berichtete ich über den konservativen Vorstoß gegen Abtreibungs­rechte in den USA. Auch in Diskussionen oder Verhandlungen von Ver­ge­waltigungs­fällen zum Beispiel vor Gericht oder in der medialen Bericht­erstattung bemerkt mensch eine (konservative) Re­politisierung des Themas in den USA. Einhergehend mit einem un­über­sehbaren Rechts­ruck, der Einfluß auf geltendes Recht und die bereits existierenden Diskurse rund um Verge­waltigung und Schuld haben könnte (als wären die nicht jetzt schon frauen­feindlich genug), ist der Grusel­faktor riesig, wenn mensch die aktuellen Fälle in den Blick nimmt, die die US-Medien be­schäftigen.

Da ist zum einen ein Cheerleader aus Texas, die sich bei einem Basketballspiel weigerte, ihrem Vergewaltiger, einer der Spieler, zuzujubeln. Daraufhin wurde sie von ihrer Schule vor die Wahl gestellt: Entweder jubelt sie ihm zu oder geht nach Hause. Die junge Frau klagte – und verlor Anfang des Monats vor Gericht. Die Begründung: ein Cheer­leader sei das “Sprachrohr” der Schule und agiert nicht als Privat­person. Basta. Es schien für die meisten Be­teiligten völlig ok, dass ein Mensch ihrem Vergewaltiger zujubeln muss.

Wir berichteten im März über eine Elfjährige aus einer texanischen Kleinstadt, die in einem abgelegenen Trailer von einer Gruppe junger Männer offenbar stunden­lang sexuell misshandelt wurde. Intensiv berichtet wurde nicht nur darüber, dass dies eine absolut abscheuliche Tat ist, sondern auch, was das junge Mädchen trug, wie sie sich schminkte, wo zum Teufel die Mutter war und was nun mit den armen Jungs passiert. Diese Ge­schichte offenbart den ekelhaften Diskurs, der zu Ver­ge­waltigung immer noch existent ist: Wie viel schuld hat das Opfer selbst? Make up, Kleidung oder eine nicht auffindbare Mutter werden da eher thematisiert als die Gewalt­tat an sich oder eine Gesell­schaft, in der so etwas immer noch passiert.

Der nächste Fall machte welt­weit Schlag­zeilen und offenbart die perfide Situation von Vergewaltigungsopfern in den USA. Die CBS-Korrespondentin Lara Logan, die in Ägypten am Tag von Mubaraks Rücktritt während der nachfolgenden “Freu­den­party” auf dem Tahrir Square von einer Gruppe un­zähliger Men­schen brutal vergewaltigt wurde, spricht nun in einem Interview mit CBS News erstmalig über diesen Tag (Achtung: Trigger-Warnung! Meine Nerven sind für dieses Video definitiv nicht stark genug. Ich habe es nicht an­schauen können, sondern nur die ersten Sätze des ver­linkten Feministing-Beitrags gelesen).

Was mich bei diesem Fall so wütend und ohn­mächtig macht, ist die Tat­sache, dass Logan einer gängigen Definition nach gar nicht vergewaltigt wurde. Wenn mensch dem FBI Uniform Crime Report glauben mag – der offiziellen Stastik der FBI zu Gewaltverbrechen, die in Mainstream-Medien häufig zitiert wird – ist nur die so­genannte “gewalt­same Ver­gewaltigung” (forcible rape) eine “richtige” Ver­ge­waltigung. Diese Definition, die übrigens noch aus dem Jahre 1929 stammt, schließt die meisten Vergewaltigungsfälle gar nicht ein, da sie Verge­waltigung als er­zwungenen und ge­walt­samen hetero­sexuellen Geschlechtsverkehr definiert. Laut MsMagazine, das 25 teils verstörende Fakten zu Vergewaltigung aufzählt, werden mit dieser Definition von Vergewaltigung die Verge­waltigungs­erfahrungen von Millionen von Menschen geleugnet. Darüber hinaus beeinflußt diese verzehrte Wahr­nehmung die US-amerika­nische De­batte rund um das Thema sexuelle Gewalt.


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Die Mädchenmannschaft beim Young Media Summit

11. Mai 2011 von Helga

Logo: links steht Young Media Summit auf gelbem Hintergrund, rechts das gleiche auf arabisch auf hellblauem Hintergrund

Um „Neue Medien und Reformen in der arabischen Welt“ geht es in zwei Wochen, vom 24. bis 26. Mai, beim „Young Media Summit“ in Kairo. Dabei sind wieder 12 Blogger_innen aus der arabischen Welt, sowie sechs aus Deutschland, darunter Urmila Goel (hier im Interview), Hannah und ich.

During the revolutions in Tunisia and Egypt, the opposition used social networks to organize protests and mobilize large numbers of people. Bloggers reported during the demonstrations on events that were ignored by state-run media. But now, what kind of role can bloggers play after the fall of the old regimes? What can they do to help shape societal reforms and ensure that the interests of the young generation are taken into account?

Während der Revolutionen in Tunesien und Ägypten nutzten die Oppositionellen soziale Netzwerke um Proteste zu organisieren und viele Menschen zu mobilisieren. Blogger_innen berichteten während der Demonstrationen von Ereignissen, die von den staatlichen Medien ignoriert wurden. Aber welche Rolle können Blogger jetzt, nach dem Fall der alten Regime, spielen? Was können sie tun, um die gesellschaftlichen Reformen mitzutragen und sicher zu stellen, dass die Interessen der jungen Generation berücksichtigt werden?

Auf dem Laufenden halten werden wir Euch natürlich hier und auf der Projektseite (inzwischen auch auf Facebook).

Im vergangenen Oktober fand das Summit zum ersten Mal statt, mit dabei waren u.a. Annina Schmid, Julia Seeliger und Teresa Bücker. Ihre Berichte und die der anderen Teilnehmer_innen gibt es weiter auf yms2010.wordpress.com.


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