Einträge mit dem Tag ‘Ägypten’


Väterhype, Saudi-Arabien und Weltfrauentag – kurz verlinkt

8. Februar 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 138 von 138 der Serie Kurz notiert

Über Frau Liebe wurden wir auf eine Aktion von Amnesty International anlässlich des kommenden Weltfrauentags aufmerksam: Nähen für die Rechte von Frauen. Achtung, der Einsendeschluss ist schon in der nächsten Woche, also schnell ab an die Nadeln!

Eigentlich wollen sie mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen und landen doch nur wieder im Büro – die neuen Väter. Dass es trotzdem einen Väterhype gibt, läge eher an geschickter Selbstinszenierung, so Jeanne Rubner in der Süddeutschen.

Apropos Büro:

Frauen sollen verpflichtet werden, vor einer Abtreibung einen Ultraschall auf eigene Kosten vornehmen zu lassen? Okay, aber dann sollten aus Gründen der Geschlechtergerechtigkeit Männer bevor sie Medikamente gegen Erektionsstörungen verschrieben bekommen sowohl rektal untersucht werden, als auch sich einem kardiologischen Belastungstest unterziehen. Das zumindest findet US Senatorin Janet Howell. Mehr dazu in der Huffington Post.

Neues von der Revolution: Letztes Jahr noch wurde Manal Al-Sharif verhaftet, weil sie in Saudi-Arabien Auto gefahren war. Nun verklagt sie mit einer weiteren Aktivistin die Regierung, da sie für Frauenfahrverbot keine rechtliche Grundlage sieht, wie Muslim Women News berichtet. Ein ausführliches Portrait von ihr gibt es bei der Global Mail.

In Ägypten stehe den Frauen ebenfalls ein langer Kampf bevor, schreibt Al Jazeera. Trotz ihres Einsatzes in der Revolution sind ihre Rechte weiter gefährdet – von der Militärregierung und den islamistischen Parteien.

Déjà vu dann in Syrien: Thelma Etim beantwortet in der Huffington Post die Frage, warum der Einsatz der syrischen Frauen medial nicht gewürdigt wird.

An-Sofie Dewinter, Tochter des belgischen Rechtspopulisten Filip Dewinter, möchte ein politisches Statement abgeben. Das tut sie bekleidet mit Bikini und Niqab. Die Fragezeichen in den Gesichtern können hier aufgelöst werden.

Zum Anhören:
Bei DRadio Wissen gibt’s ein Interview mit Hinrich Rosenbrock. Rosenbrock hat im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung Männerrechtler im Netz untersucht. Seine Ergebnisse sind in der Studie “Die antifeministische Männerrechtsbewegung. Denkweisen, Netzwerke und Online-Mobilisierung” veröffentlicht worden.

Zum Anschauen:
Ein Video bei tagesschau.de über eine Besserungsanstalt bei Baltimore. Dort entspannen die Insassen beim therapeutischen stricken. Schade nur, dass tagesschau.de im begleitenden Text gleich mehrmals von “Mädchenkram” schreibt…

Termine gibts nach dem Klick!
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Blick zurück für den Blick nach vorn – Frauen im Mittleren Osten

23. Januar 2012 von Helga
Dieser Text ist Teil 58 von 58 der Serie Die Feministische Bibliothek

Rotes Buchcover mit einem Bild auf dem ca. 20 Mädchen und junge Frauen zu sehen sind.Mit den Revolutionen in Tunesien und Ägypten vor knapp einem Jahr ist auch eine weitere Frage immer wieder aufgetaucht: Wie steht es um die Frauen in Nordafrika, bzw. dem Mittleren Osten? Das Buch “Women and the Family in the Middle East” beleuchtet historische Entwicklungen, von den zwanziger Jahren bis in die Achtziger. Betrachtet werden zehn Länder, vom Irak über Ägypten bis zum Sudan, sowie die Palästinensischen Autonomiegebiete. Außen vor bleiben die Länder “ohne westlichen Einfluß” und Kolonialzeit, der Jemen und Saudi-Arabien, trotzdem ist dies schon ein weites Feld. Darüberhinaus werden die Themen Familie, Arbeit, Religion, Krieg & Revolutionen, Identität und Gesundheit & Erziehung betrachtet – eine umfassende Analyse gibt es daher nicht.

Stattdessen gleicht das Buch einem Puzzle, in dem sich wissenschaftliche Abhandlungen, persönliche Berichte und Fiktion in Form von Gedichten und Geschichten abwechseln. Die einzelnen Texte sind, so verschieden sie auch sind, stets gut zu lesen und verständlich. Der Versuch, das Buch in einem Rutsch zu lesen, muss an der Vielfalt der Themen allerdings scheitern. Umso mehr Sinn macht es, sich einzelne Texte herauszusuchen und mit dem heutigen Stand zu vergleichen. So wurde etwa in Libyen die radikale Gleichstellung von Männern und Frauen geplant. Dass es dazu niemals kam, zeigt nicht zuletzt die aktuelle Situation.

The problem with “starting from reality” is that, without a clear policy of change, one tends to get stuck there. (Das Problem mit dem „Beginn in der Realität“ ist, dass man ohne klare Vorgaben zur Veränderung stecken bleibt.) (weiterlesen …)


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Miniquote, Klage gegen Jungfrauentests und Verdienst in Zeiten von Occupy – kurz verlinkt

7. Dezember 2011 von der Mädchenmannschaft

Im Frühjahr nächsten Jahres soll das erste Buch von Familienministerin Kristina Schröder erscheinen – Susanne Klingner überlegt in der taz, was da wohl zu erwarten ist. Zudem hat Schröder sich mal wieder in den Mittelpunkt gedrängt, indem sie schnell mal die “Miniquote” rausschüttelte: Das Aktiengesetz soll geändert, Aufsichtsräte jeweils für das folgende Geschäftsjahr eine Quote für sich selbst und den Vorstand festlegen, die mindestens eine Frau und einen Mann beinhalten soll.

Auf Samira Ibrahim hatten wir schon einmal hingewiesen – sie traut sich als einzige Ägypterin bisher, das Militärregime aufgrund der widerlichen „Jungfrauentests“ zu verklagen. Nun hat sie Der Spiegel porträtiert.

Die wunderbare Sookee hat dem Bielefelder Magazin weird ein Interview gegeben und spricht unter anderem über ihr neues Album “Bitches, Butches, Dykes & Divas”, Homophobie und zweite Chancen.

Unbedingt angucken: Der Stereotypen-Knacker-Clip von entschubladen.de.

Verdienst in Zeiten von Occupy ist (fast selbstredend) immer noch geprägt von knallharten Geschlechterdifferenzen: Tacheles dazu von Gloria Steinem.

Bei Sociological Images gibt es  ein paar besonders hübsche Beispiele von gegenderter Werbung – diesmal adressiert an Männer. Die es sich im Advent sicher gern  in ihrem rasurbrandfarben gestrichenen Wohnzimmer mit Motoröl-Duftkerzen gemütlich machen…

Dick, dünn, rund, eckig: Körpernormierungen gab es schon immer. Noch gar nicht lange her, da gab es interessante (sexistische) Werbung, die für “Gaining Weight” warb – gesehen bei feministing.

Frauen mit Behinderungen sind viel stärker von Gewalt betroffen, als nicht-behinderte Frauen und Mädchen, berichten Konnys Lesbenseiten über die aktuelle Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Termine (und ein Call for Papers) nach dem Klick
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Die radikalfeministische Grundschule und Weiße Integrationsverweigerung – kurz notiert

1. Dezember 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 131 von 138 der Serie Kurz notiert

Eine Online-Umfrage der Frauenseiten Bremen hat ergeben, dass “fast 50 Prozent aller befragten Frauen und Mädchen negative Erfahrungen im Internet gemacht und Belästigungen, Anmache und Sexismus erlebt” haben.

In Kairo wurde die äygyptisch-amerikanische Journalistin Mona Eltahawy von der Polizei misshandelt und sexuell belästigt, berichtet derStandard. Sie war während der neuen Proteste gegen das Militärregime auf dem Tahrirplatz gewesen.

In den 1990ern gab es eine radikalfeministische Grundschule für Mädchen in Wien. DieStandard führte ebenfalls ein Interview mit einer ehemaligen Schülerin.

Wenn über Musik von Frauen* geredet wird, fällt immer auch der Begriff “Riot Grrrl” im gleichen Atemzug. Ganz so, als gäbe es EIN Label für Musik von Frauen*, während für die selbstgemachte Musik von Männern* stets viele Labels zur Hand sind. Kritik an dieser Vereinnahmung gibt es bei Pitchfork zu lesen.

“Wann hat es das schon einmal gegeben in unserer nach wie vor verklemmten Vereinbarkeitsrepublik? Eine Frau bekommt einen Führungsjob, nicht obwohl, sondern weil sie Kinder hat!”, schreibt die Berliner Zeitung.

Mutlu Ergün berichtet bei Philibuster über die Ergebnisse neuester Studien: Millionen Weiße Deutsche verweigern die Integration!

In der neuen Ausgabe der feministischen Zeitschrift Anschläge, hat Autorin Leonie einen Kommentar zu konsensualem Sex geschrieben. Lesenswert!

Radio Corax Halle interviewte Gesa Mayer und Robin Bauer zu Monogamie als gesellschaftlicher Norm, nachzuhören bei Freie Radios. Die beiden halten heute im Rahmen der Ringvorlesung “que(e)r_einsteigen” einen Vortrag zum gleichen Thema.

Das Männer-Fußballteam von Amerikanisch-Samoa gewinnt sein erstes offizielles Länderspiel – 2:1 gegen Tonga. Nach dem Sportlichen zur Geschlechterpolitik: Auf dem Platz stand mit Johnny Saelua eine Fa’afafine, die in der Kultur Polynesiens “als Mann geboren … als Frau aufgezogen” werden, wie queer.de berichtet.

Eine aktuelle Kampagne gegen institutionalisierten Rassismus seht ihr hier:

Mann hat nette Ratschläge an Frauen, dieses Mal in der Süddeutschen: Um im Job voranzukommen und sich männlicher Raumnahme zu entziehen, sollen sie einfach die gleichen Verhaltensweisen an den Tag legen. Tipp 1: Nicht mehr lächeln!

Terminhinweise nach dem Klick

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Ob Ägypten oder Pakistan, Frauen kämpfen für ihre Rechte

23. November 2011 von Helga

Am Dienstag hat in Tunesien die neu gewählte Nationalversammlung ihre Arbeit aufgenommen. Nachdem die islamische Partei Ennahda stärkste Kraft geworden ist, fragen sich viele Frauen, wie es um ihre Rechte in Zukunft bestellt sein könnte. Die New York Times sieht „gemischte Zeichen“, dieStandard.at zeigt sich optimistischer, da die tunesische Frauenbewegung gut organisiert sei.

Nach den jüngsten Protesten gegen das Militärregime, sieht es im benachbarten Ägypten wieder düsterer aus. Unter dem Hashtag #egywomen organisieren sich Ägypterinnen zu Frauenblöcken und menschlichen Schutzschilden auf dem Tahrir­platz, Videos (Triggerwarnung) und Fotos demonstrieren die Gewalt, die derzeit herrscht.

Eine Gruppe ägyptischer Frauen, die ein Plakat hochhalten. Auf arabisch steht: Wir werden Tantawi eine neue Revolution zeigen.

Egywomen mit Schild: Wir werden Tantawi (Vorsitzender der herrschenden Militärrats) eine neue Revolution zeigen. Foto via Twitpic

Vor allem im Westen löste dagegen das Nacktbild der Bloggerin Aliaa Elmahdy Aufregung aus. 40 israelische Frauen zogen sich aus Protest mit aus, allerdings nicht ganz. Selbst die BILD berichtet über Elmahdy – ihr Fall ist inzwischen vor allem ein Lehrstück für die Unfreiheit der Körper westlicher Frauen, wie der Stern zutreffend erläutert. Mit einer anderen ägyptischen Aktivistin hat dieStandard.at gesprochen: Heba Habib ist eine der Gründerinnen von harassmap.org, einem Webprojekt das sexuelle Belästigung sichtbar macht.

Auch im Jemen gibt es weiter Proteste gegen Diktator Saleh. Zuletzt wurde wieder einmal die Gewalt gegen Frauen und Kinder angeprangert, so Bikya Masr. Außerdem solle die Mitgliedschaft des Jemen in der Arabischen Liga eingefroren werden, wie es gerade mit Syrien gemacht wurde.

Ganz anders sieht die Situation der Frauen in Malaysia aus. Dort gibt es inzwischen mehr Studentinnen als Studenten der Islamischen Studien. Mit Zaleha Kamaruddin steht seit kurzem erstmals eine Frau an der Spitze einer islamischen Universität und auch im Fernsehen ist der Trend angekommen. Gleich zwei Sendungen suchen die „muslimische Superpriesterin“ und spiegeln damit auch die immer stärkere Rolle von Frauen im öffentlichen Leben wieder, so die New York Times.

Zum Schluss noch eine direkt skurrile Nachricht: Enthalten SMS Schimpfwörter, sollen sie in Pakistan künftig blockiert werden, aber auch Wörter wie „Periode“, „Vagina“ und „Kondom“, berichtet heise. Ein Ende der Obsession mit weiblichen Körpern fordert daher Kolumnistin Urooj Zia in Pakistan Today. Wie sich inzwischen herausgestellt hat, scheint die Liste ursprünglich aus den USA zu stammen. Genauer gesagt handelt es sich weitestgehend um ein Plagiat der „1.159 Naughty Words“ (Unanständigen Wörtern) der Football-Liga NFL. Ob die Liste deswegen noch einmal überarbeitet werden soll?


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Von Entführungen bis zur neuen Frauenpartei – wie geht es weiter in Nordafrika?

31. Oktober 2011 von Helga

Ein halbes Jahr liegt der „arabische Frühling“ nun schon zurück – die Ergebnisse reichen von erfolgreich durchgeführten Wahlen bis hin zu immer brutaleren Auseinandersetzungen.

Die schlimmste Nachricht gleich zu Beginn: Der syrische Blogger und Frauenrechtsaktivist Hussein Ghrer ist seit einigen Tagen verschwunden. Wie Christoph Sydow von Alsharq traf ich Hussein im Mai beim Young Media Summit. Seine Befürchtung, verhaftet, eingesperrt und gefoltert zu werden, scheint sich jetzt leider erfüllt zu haben.

In Tunesien wurde vor einer Woche erstmals frei gewählt. Eine „Frauenquote“ zwang die Parteien, die Hälfte ihrer Listen mit Frauen zu besetzen. Herausgekommen sind 49 weibliche von 217 Abgeordneten der verfassungsgebenden Kommission insgesamt. Davon gehören die meisten allerdings der islamischen Partei Ennahda an. Deutschlandradio Kultur geht den möglichen Konsequenzen nach und der Guardian hat drei prominente Abgeordnete porträtiert.

Ex-Diktator Gaddafi ist inzwischen tot, für die libyschen Frauen geht der Kampf aber weiter. DRadio Wissen hat sich mit den Aussichten für die Frauenbewegung beschäftigt. Der Ethnologe Thomas Hüsken sieht „einen steinigen Weg“.

In Ägypten hatte das Militär nach der Revolution Protestiererinnen entwürdigenden „Jungfrauentests“ unterzogen. Nun klagt mit Samira Ibrahim erstmals eine Betroffene das Militär an. Der Global Post hat sie ihre Geschichte erzählt. Aufgrund dieser Erfahrungen sind Aktivistinnen besorgt, wie es nach den Wahlen ab dem 28. November weitergehen könnte. Der „Verband der arabischen Frauen“ hat daher mit einer Reihe weiterer NGO’s eine Frauenpartei gegründet, so derStandard.

Wenig Fortschritte gibt es dagegen im Jemen. Diktator Saleh hält sich weiter an der Macht. Unter den Protestierenden sind auch hier seit Monaten schon Frauen, inzwischen setzen sie deutliche Zeichen. Vergangene Woche verbrannten Aktivistinnen öffentlich ihre Schleier und Kopftücher, so Global Voices.


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Hilf Laura El-Tantawy, das neue Ägypten einzufangen

4. Oktober 2011 von Helga

Im Dezember, fast ein Jahr nach dem 25. Januar, will die Fotografin Laura El-Tantawy zu einer Reise durch Ägypten aufbrechen. Bereits seit 2005 dokumentiert sie das Leben in Ägypten – nun will sie einfangen, welche Veränderungen das Land seit dem Sturz Mubaraks durchmacht und schauen, wie sich die ganze Region verändern könnte.

Um ihre Reise zu finanzieren will El-Tantawy rund 6500 Dollar an Spenden sammeln, dafür gibt es jeweils auch eine Gegenleistung: Von einer Dankes-Postkarte über verschiedene Drucke bis hin zum eigenen Trip in Kairo. Bisher sind 3160 Dollar zusammengekommen, es kann aber noch in den nächsten 38 Tagen gespendet werden.


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Girls only Radio Station: Mädchen Perspektiven aufzeigen

27. September 2011 von Helga

Als einzigen Lebensentwurf heiraten und Kinder kriegen? Der Ägypterin Amani Eltunsi ist das zuwenig. Seit drei Jahren betreibt sie den Radiosender „Girls only Radio Station“ bzw. „Banat we bass“ und ermuntert Mädchen und junge Frauen, selbst aktiv zu werden, sich auszutauschen und herauszufinden, was sie wollen. Für ihre Arbeit wurde sie bereits verhaftet, abgeschreckt hat sie das aber nicht.

Inzwischen arbeiten rund 30 Freiwillige mit, das Programm wird nicht nur in Ägypten, sondern in der ganzen arabischen Welt gehört. Doch der Betrieb des Senders kostet Geld. Um die Betriebskosten zu decken, sammelt die frauenstiftung filia nun Spenden (filia.die frauenstiftung +++ Spendenkonto 300200100 +++ BLZ 43060967 +++ GLS-Bank Bochum +++ Stichwort „Girls only Radio Station”). Am 29. September wird Eltunsi in der Quadriga in Berlin bei der Diskussion „Du kannst etwas bewegen“ im Rahmen des Demokratie-Symposiums dabei sein.

Im Mai war Eltunsi bereits bei der Deutschen Welle in Bonn im Frühstücksgespräch und bekam den „Young Leaders Awards 2010“ der BMW-Stiftung.


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Ist die Revolution bereits verloren?

4. August 2011 von Kübra
Dieser Text ist Teil 19 von 29 der Serie Das Wort zum Freitag

Es ist Nacht in Kairo. Ich stehe auf dem hell erleuchteten Tahrirplatz. Es ist laut. Überall sind Podeste aufgestellt, auf denen Frauen und Männer Reden halten, wild gestikulieren – das Publikum hört aufmerksam zu, ruft rein oder beklatscht die Redner. Überhaupt stehen überall Menschen herum, die diskutieren, sich fotografieren lassen, ägyptische Fahnen kaufen. Zwischendurch umkreist eine Protestgruppe den Platz und ein Meer von Handykameras wird gezückt.

Dann entdecke ich die Bilder der Opfer des Mubarak-Regimes, sie bilden eine lange Straße auf dem Boden des Tahrirplatzes. Menschentrauben umringen die Bilderstraße und gehen sie der Reihe nach durch.

Inmitten des bunten Getümmels stehen große weiße Zelte, mit denen Aktivisten und Demonstranten, vor allem aber Angehörige von Opfern, seit Wochen den Platz besetzen und Gerechtigkeit für die Opfer fordern. In einem der Zelte treffen wir auf Mahmoud, einen pensionierten Physiker mit weißem Rauschebart und langem traditionellen Gewand. “Ich weiß, ich sehe aus wie ein Salafi”, sagt er auf Englisch und lacht. “Bin ich aber nicht.” Routiniert fängt Mahmoud gleich an zu erzählen, warum sie den Platz besetzen.

“Die Revolution ist fast verloren”, sagt Mahmoud. Die drei großen Strömungen – Salafiten, Muslimbrüder und Säkulare – hätten die Revolution an sich gerissen, um Politik für die eigene Sache zu machen. Keine aber vertrete tatsächlich das Volk. “Und wem gehörst du an?”, will ich wissen. Er guckt mich erstaunt an: “Ich bin Mahmoud, einfach nur Mahmoud.” Die Besetzer seien keine Parteivertreter, sondern einzelne Aktivisten und Angehörige der Opfer, erklärt er.

“Wir alle werden diesen Platz nicht verlassen, bevor unsere Forderungen nicht erfüllt werden.” Mubarak und seine Leute müssten bestraft, Gerichtsverfahren gegen die Polizisten, die folterten und mordeten, eröffnet und das Innenministerium und die Polizei neu besetzt werden, erklärt Mahmoud. Wir reden noch lange weiter, bevor ich mich bedanke und durch die kleine Zeltstadt mit ihren bunt bemalten Zeltwänden und provisorischen Unterkünften wandere.

Einige Tage später wird der Tahrirplatz von der Armee plötzlich gewaltsam geräumt. Nichts steht jetzt noch dort. Ich telefoniere mit meiner Freundin Mai, die wie viele andere Ägypter mit der Revolution zur Aktivistin wurde. Hundert Personen wurden festgenommen, unter anderem eine gemeinsame Freundin von uns, die BBC-Journalistin Shaimaa Khalil, die mittlerweile wieder entlassen wurde. Ich verstehe nicht. Warum schreit die Bevölkerung nicht auf?

“Die Besetzer hatten schon lange den Rückhalt in der Normalbevölkerung verloren”, erklärt Mai mir. Durch öffentliche Spenden an Angehörige der Opfer stellte die Armee die Bevölkerung zufrieden – die Besetzer wurden hingegen immer unbeliebter. “Die Besetzer haben ihre Forderungen nicht gut genug kommuniziert und viele Fehler gemacht”, sagt Mai am Telefon und schließlich verzweifelt: “We’re screwed.” Und ich kann nichts tun, nur berichten, was ich höre und sehe.

(Dieser Text erschien ursprünglich als Kolumne in der Taz)


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Ägypten: Immer noch ein Staat der Revolution

26. Juli 2011 von Helga

Im März berichtete Amnesty International von Vorwürfen, nach denen ägyptische Demonstrantinnen entwürdigenden „Jungfrauentests“ unterzogen wurden. Bei „Nichtbestehen“ drohte man mit Anklagen als Prostituierte. Später erhärteten sich sich die Vorwürfe, ein General entschuldigte das Vorgehen, bei den Betroffenen habe es sich nicht um „ehrbare Frauen“ gehandelt habe.

Nun haben eine Reihe an Frauenrechtsorganisationen eine gemeinsame Petition gegen den Verteidungsminister und den Vorsitzenden der Armee, die gerade die Übergangsregierung stellt, eingereicht. Sie wollen verhindern, dass die Tests als Routineinstrument gegen Demonstrantinnen eingesetzt werden und so die Beteiligung von Frauen in der Politik verhindern. Mit der Journalistin und Aktivistin Bothaina Kamel gibt es immerhin bereits eine Präsidentschaftskandidatin.

Leil-Zahra Mortada (die bereits die Facebookgalerie “Women of Egyptstartete) hat unterdessen ein neues Projekt begonnen. “Words of Women from the Egyptian Revolution” heißt es und soll Videobotschaften von Frauen sammeln, die an der Revolution beteiligt waren.

Das Projekt soll in drei Phasen ablaufen. Zunächst sollen Frauen aus Kairo interviewt werden, anschließend Frauen aus ganz Ägypten. Wenn das Projekt erfolgreich läuft, soll es auch Videos aus anderen arabisch-sprachigen Staaten geben. Dafür sammelt Mortada noch Spenden – immerhin etwas über 1000 Dollar sind aber bereits zusammen gekommen.

Seit einigen Tagen sind die Aktivist_innen in Kairo auch wieder auf dem Tahrirplatz. Sie protestieren gegen die Militärübergangsregierung, die ihrer Ansicht nach zu langsam handelt. Auch dass Zivilist_innen vor Militärgerichte gestellt werden, wie es bereits unter Mubarak der Fall war, wird kritisiert. Am Samstag kam es daher zu gewalttätigen Auseinandersetzungen – wie es in Ägypten nun weitergeht bleibt erstmal unklar.


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