Sex sells, die Millionste
Monday, April 14th, 2008 von SusanneOch ja, mal wieder ‘ne richtig lahme Werbung:
Männer und Frauen sind vor allem dann witzig, wenn sie lange Schwänze oder dicke Titten haben, schon verstanden.
Ich meine: Hä?
Och ja, mal wieder ‘ne richtig lahme Werbung:
Männer und Frauen sind vor allem dann witzig, wenn sie lange Schwänze oder dicke Titten haben, schon verstanden.
Ich meine: Hä?

Feministische Blogs gibt es mittlerweile auf der ganzen Welt. Und wie das im Internet so “üblich” ist: Wo es ein ernsthaftes Anliegen gibt, da gibt es auch Trolle. Diese mögen es, mit ihren immer gleichen Sprüchen die Diskussionen zu sabotieren.
Kolleginnen aus anderen Ländern haben aus der Not eine Tugend gemacht, die Sprüche gesammelt und in sogenannten “Anti-Feminist-Bingos” verewigt. Und nun haben wir auch unser eigenes kreiert.
Na, kommt euch der eine oder andere Spruch bekannt vor?
Die Regeln sind ganz einfach: wer fünf Aussprüche in einer Reihe notiert hat (weil ein Troll sie (hier) mal wieder um sich warf), schreit laut: “Bingo!”
Weitere nette Bingos finden sich in Hoyden’s Blog (hier gibt es wegen der Fülle der Sprüche sogar schon einen zweiten Teil) und bei Girl-Wonder.org. Have fun playing!
Oder sind es die Wissenschaften? Oder die Medien?

Frauen glauben gerne, dass Männer Freundlichkeit und sexuelles Interesse oft nicht auseinander halten können – im Gegensatz zu ihnen, natürlich. US-ForscherInnen haben dieses Problem in einer psychologischen Studie mit 280 StudentInnen untersucht. Die Seite wissenschaft.de berichtet davon und fragt nach dem Ursprung dieses Phänomens:
„Entweder liegt bei Männern die Schwelle, ab der eine Verhaltensweise als eindeutig sexuell eingestuft wird, tatsächlich niedriger als bei Frauen, oder aber Männer sind grundsätzlich nicht so sensibel für die Art der Signale, die eine Frau aussendet und können demnach sexuelle Hinweise nicht gut von anderen unterscheiden.“
Das Thema an sich ist ganz interessant und spannend, doch so richtig gefallen will mir der Artikel von Ilka Lehnen-Beyel nicht. JedeR der/die sich ein bisschen mit empirischer Sozialforschung auskennt, weiß, dass 280 Personen noch keine Basis für eine repräsentative Studie bilden können, zudem handelte es sich nur um StudentInnen – ein ausgewählter Personenkreis. Über die Rückschlüsse auf alle Menschen kann (muss) man wirklich streiten. Außerdem liegen die Unterschiede bei den verschiedenen Tests sehr nah beieinander:
So
„interpretierten die Männer eine freundliche Frau in 12,1 Prozent der Fälle fälschlich als sexuell interessiert, während die weiblichen Probanden nur bei 8,6 Prozent falsch lagen.“
Und
„umgekehrt übersahen die Männer auch immerhin in 38 Prozent der Fälle ein echtes sexuelles Interesse, wohingegen die Frauen nur etwa 32 Prozent fehlinterpretierten“
Bei so einer kleinen Zahl von untersuchten Personen sind Unterschiede von 4-6 Prozent kein eindeutiger Hinweis auf einen signifikanten Trend. Das sollte vielleicht erwähnt und dann noch einmal gründlich über den Titel: „Warum Männer Frauen so häufig missverstehen“ nachgedacht werden. Der Einleitende Teaser ist auch nicht gerade nett:
„Männer seien schlicht und einfach weniger sensibel gegenüber Gefühlen und können sie schlechter allein anhand der Körpersprache unterscheiden als Frauen.“
Das Männermagazin FHM kürte die “100 Unsexiest Women In The World” - heraus kam eine höchst erstaunliche Liste. Denn es befinden sich Damen wie Britney Spears, Lindsay Lohan, Anne Will, Sarah Jessica Parker oder Charlotte Roche darauf, aber auch - natürlich? - Hillary Clinton, Alice Schwarzer und Angela Merkel. sueddeutsche.de kommentierte (in einer recht witzigen Bildergalerie) knapp: “Bleibt die Erkenntnis: Grips und Macht sind unsexy.”
(Foto über sueddeutsche.de)
Gestern hatte ich ja das Thema “soziale Erwartungen auf dem Mittagsteller” schon mal ganz kurz gestreift, heute liefert eine amerikanische Studie gleich noch Fakten, Fakten, Fakten. Demnach essen Männer vor allem gern Fleisch, Frauen mögen dagegen lieber Obst.

Was aber viel spannender wäre als eine solche Untersuchung, die lediglich der Lebensmittelindustrie Hinweise dafür gibt, auf wen sie ihre Werbung ausrichten soll, wäre eine Studie, aus der zu lesen ist, warum Frauen und Männer zu bestimmten Lebensmitteln greifen.
Ein paar wenige, aber spannende Ansatzpunkte liefert zum Beispiel Jean-Claude Kaufmann in seinem Buch “Kochende Leidenschaft. Soziologie vom Kochen und Essen”. Dass Männer immer noch mehr Fleisch essen, könnte vor allem auf unsere kulturelle Geschichte zurückzuführen sein, in der zu Zeiten unterdrückter Eheweiber der Mann immer das größte Stück Fleisch bekam, während die Frau entweder gar nichts vom tierischen Mahl abbekam oder nur die Reste.
Die weibliche Ernährung wiederum steht heute im engen Zusammenhang mit einer Auto-Disziplinierung, soll heißen: Frauen haben fast immer den Anspruch, ihren Appetit zu kontrollieren - vor allem um der schlanken Linie willen. Deswegen werden nur wenige Frauen während einer Studie auf die Frage nach ihrer Leibspeise antworten: Eisbein mit Krautsalat. Stattdessen die sozial erwünschte Antwort: Obst und Salat.
(Foto über stylespion.de)
Der Spiegel hat ein Special zum Thema Frauen: “Das starke Geschlecht” gemacht. Online kann man ganz viele Portraits von berühmten und einflussreichen Ladys wie Anne Will, der Geigerin Julia Fischer oder der Anwältin Seyran Ates nachlesen. Auch die unvermeidliche Sarah Kuttner ist dabei und präsentiert sich mit Reflektionen über “das Minigeheimnis hinter der komischen Person Sarah Kuttner” als gewohnt selbstverknallt.
Obwohl ich ja eine riesengroße (also geistig jetzt) Kritikerin des Spiegels bin, und wie Rochus schon im Genderblog bemerkt hat, der Spiegel ständig und auf frustrierende Weise zwischen Progression und Reaktion laviert, was Genderthemen betrifft: Muss ich doch an dieser Stelle mal ein Lob für das Heft aussprechen. Ganz einfach, weil die sich wirklich oft mit diesen Themen auseinandesetzen, die in vielen anderen Medien ganz schön zu kurz kommen.
Auch wenn man leider sagen muss, dass die hundertste Auflistung “mächtiger” Frauen jetzt nicht wirklich zu irgendwas führt.
Manchmal verstehe ich andere Feministinnen einfach nicht.
Im Spiegel dieser Woche (leider nur print) ist ein Bericht darüber, dass es in Baden-Württemberg in Zukunft, wie in anderen Bundesländern schon üblich, nicht mehr nur den “Girls Day” geben soll, an dem Mädchen in “typische” Männerberufe reinschnuppern sollen, sondern auch ein Äquivalent für die Jungs, nämlich einen Tag, an dem sie Berufe ausprobieren, die überwiegend von Frauen ausgeübt werden, vor in den Bereichen Erziehung und Kranken- und Altenpflege.
Der Gedanke der baden-württembergischen Sozialministerin Monika Stolz dahinter: Für Frauen “typische” Branchen müssen nicht nur aufgebrochen werden, um die extrem geringen Gehälter dort anzuheben, sondern auch wie zum Beispiel im Bereich der Erziehung Kindern und Jugendlichen mehr oder überhaupt erst einmal männliche Vorbilder und Ansprechpartner zu bieten. Die Wissenschaft sieht einen Zusammenhang zwischen dem Männerdefizit im Erziehungswesen und der Gewaltbereitschaft männlicher Jugendlicher, so der Spiegel.
So weit, so lobenswert. Und jetzt kommen die Feministinnen ins Spiel. Der Spiegel schreibt nämlich:
“… Ansätze, die Jungen mit einem “Mädchenzukunftstag” nicht länger auszugrenzen, haben in der feministischen Szene Proteste hervorgerufen. “Der Girls Day soll Girls Day bleiben”, forderte der Hauptvorstend der hochgradig feminisierten LehrerInnen-Gewerkschaft GEW. Mit jedem Versuch, “den Girls Day für Jungen zu öffnen, so GEW-Frauenreferentin Frauke Gützkow im Jargon des Geschlechterkampfs, werde “Frauen und Mädchen erobertes Terrain streitig gemacht”: “Es gibt keinen Grund dafür, dass Mädchen den Zukunftstag in den Betrieben mit Jungen teilen sollen.”
Hä? Könnten wir uns bitte darauf einigen, dass Feministinnen nicht mit dem gleichen “der-hat-mir-mein-Schäufelchen-weggenommen”-Reflex reagieren, wie es Männer gern tun, wenn es um eine Verteilung der Macht zugunsten von Frauen geht? Es spricht nichts dagegen, wenn öffentliche Programme versuchen, die geschlechtlich festgefahrene Berufswahl von Mädchen und Jungen aufzubrechen. Feministinnen sollten das unterstützen und nicht ihr eigentliches Ziel, nämlich mehr Geschlechtergerechtigkeit, durch merkwürdige Meins-Deins-Spielchen aus den Augen verlieren. Etwas mehr Contenance in Zukunft, bitte!
(Foto über girlsday.de)
Die letzten beiden Jahre war nur wenig nervtötender und falscher als die gebetsmühlenartige Behauptung konservativer Idioten, die Frauen dieses Landes könnten den demografischen Wandel stoppen, indem sie mehr Kinder kriegen. Im letzten Jahr wurden nun 17.000 Kinder mehr als in 2006 geboren - ein allerorts gefeierter Geburtenrekord von 690.000 Kindern - und trotzdem geht die Bevölkerungszahl dieses Landes zurück. Das meldete gerade das Statistische Bundesamt in Wiesbaden und tritt damit Schirrmacher und Co. und ihrer, nun ja, schlichten Ursache-Wirkung-Logik in den Arsch.
Lachend das Jahr beenden: mit einem Interview mit Baronin Nadine de Rothschild über Manieren. Die Highlights:
“Ich will die Frauen lehren, sich vorteilhaft zu zeigen, dass sie ihre weiblichen Züge ausleben. Das heißt aber nicht, dass sie dominieren.”
“Ich meine, die Frauen von heute wissen einfach nicht mehr, wie man einen Mann zum Träumen bringt.”
“Man sollte niemals sofort mit einem Mann ins Bett gehen. Man hat, wenn man ein gutes Gericht gegessen hat, nicht Lust, es nochmal zu wählen.”
“Ich habe meinem Mann immer gesagt: Wir beide sind nicht gleich. Du bist der Meister. Trotzdem machte ich insgeheim, worauf ich Lust hatte. Jedoch nicht, indem ich es wie ein Schild vor mir hertrug oder auf den Tisch klopfte: Ich will Gleichheit! Sondern sanftmütig und freundlich.”
Und:
“Die Frauen von heute treten in einen Wettbewerb mit dem Mann. Sie wollen mit ihm auf gleicher Höhe sein. Doch diese Gleichheit existiert nicht. Sie kämpfen unentwegt und begreifen nicht, dass ein Mann sie sanftmütig haben möchte, weich, weiblich. Gott hat sie nun mal als Frau erschaffen. Das eigentliche Talent der Frau besteht darin, den Mann glücklich zu machen.”
Na dann.

Fred D. Thompson ist nicht nur ein abgehalfterter Serienschauspieler sondern auch einer der abgeschlagenen republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten. Es ist zwar nicht wirklich wichtig, aber trotzdem lässt es mir die Reißzähne wachsen, wie er gestern auf einer Wahlkampfveranstaltung seine Weltoffenheit und Reflektiertheit demonstrierte:
“Es gibt keine Frau weit und breit, die nächstes Jahr Präsident werden sollte.”
Vielmehr sollte das nächste Staatsoberhaupt ein (vermutlich weißer) Mann sein, der konservative Werte vertritt. Weil die ja immer so super Präsidenten abgeben.
Neben Fred sehen wir im Bild seine Frau Jeri, die übrigens 24 Jahre jünger ist als er und das macht, was eine ordentliche, konservative Frau am besten tut: Gattin sein mit super Brüsten, nettem Lächeln und wenigen Worten.