Einträge mit dem Tag ‘Abtreibung’


Nach dem Frauenkampftag ist immer Frauenkampftag – kurz verlinkt

9. März 2017 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 341 von 351 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Bei der taz erschienen gestern einige gute Texte anlässlich des Frauenkampftags: Hengameh Yaghoobifarah schreibt warum zwischen menschenfeindlichen Leuten und noch lernenden Menschen unterscheiden werden muss und über den Segen und Fluch des bestehenden Online-Gedächnis. Fatma Aydemir kommentiert Frauenwiderstand gegen Erdoğans AKP-Regierung. Christa Wichterich analysiert rechtskonservative internationale Allianzen und Netzwerke, die (u.a.) bei der UNO mobil machen.

neues deutschland gibt eine knappe Übersicht über einige der Proteste, die gestern weltweit stattgefunden haben.

Grenzenlos feministisch. International Women’s Struggle Demo 2017, Berlin.

Feminismus im Pott war auf der Kölner Tagung #bodytalk, auf der auch Magda zu Gast war und berichtet über alle Inputs. Nun sind auch die Videos der Inputs online. Reinschauen lohnt sich!

Ein Buchprojekt über Schwarze Frauen in Biel sollte die Sichtbarkeit Schwarzer Frauen in der Schweiz stärken und ihre Perspektiven und Geschichten sammeln, doch es fand sich keine Finanzierung. In der WOZ eine «Miniausgabe» des Buchs publiziert.

Die nächste Antragsgelder für Förderungen durch Magnus Hirschfeld Stiftung ist der 15. April! Besonders werden auch lesbische Geschichts-, Bildungs- und Forschungsprojekte zur Bewerbung aufgefordert (FB-Link). Die möglichen Fördersummen reichen von mehreren Hundert bis zu 25.000 Euro.

Eiken Bruhn zeigt in der taz in vielen Regionen Deutschlands bieten Kliniken keine Schwangerschaftsabbrüche an. Dass ungewollt schwangere Personen bis zu 150 Kilometer Wege auf sich nehmen müssen, ist keine einfache Ausnahme. In den meisten Regionen ist zu dem die Wahlfreiheit stark eingeschränkt und es wird nur ein chirurgischer Abbruch unter Vollnarkose angeboten. (Hinweis: Wichtig wäre, wenn in Texte zu Abtreibung auch deutlich würde, dass nicht alle Schwangere Frauen sind – auch dieses Nicht-Erkennen ist sicher ein weiter Faktor, der Menschen den Zugang erschwert.)

Women United Against Deportation. International Women’s Struggle Demo 2017, Berlin.

In Popkultur wird Vielfalt stärker sichtbar. Doch wie viel bringt sie, wenn Alltagsmenschen ignorant bleiben?, fragt Tove Tovesson beim Missy Magazine.

Kreativer Beitrag zur medialen Debatte um sexistische Werbung: Die Gruppe f.i.e.s (feministische initiative emanzipatorischer streetartkünstler*innen) hat vor ein paar Tagen einige Plakate in Berlin verändert.

Die Mutter eines inhaftierten Sportjournalisten hofft auf internationale Unterstützung auch für unbekannte Kollegen, schreibt Ali Çelikkan bei der taz.gazete.

Vina Yun interviewt im Missy Magazine Sylvia Köchel, die in ihrem Buch „Das Bedürfnis nach gerechter Sühne“. Wege von »Berufsverbrecherinnen« in das Konzentrationslager Ravensbrück den Geschichten von sogenannten Berufsverbrecherinnen und deren Verfolgung unter dem NS-Regime nachgeht.

Außerdem sei euch ans Herz gelegt: Der Podcast „Ausbildung inklusive“ von Hannah C. Rosenblatt. In kurzen (2-5-minütige) Episoden erzählt Hannah das Lernen und Leben mit Behinderung. So geht es beispielsweise um „das Nichts zwischen Hartz 4 und Bafög“, „Mit dem Assistenzhund zur Schule gehen“ und „die Potenzierung des Stressfaktor „Asperger-Syndrom“ um den Faktor „Traumafolgen““.

Der Artikel ist vom letzten Jahr, aber das Thema brandaktuell: Wie heterosexuelle Paare sich über die ungleich verteilte Hausarbeit belügen, in der ak – analyse und kritik.

englischsprachige Links

Ein paar Euros übrig? Deine Unterstützung trägt dazu bei 27 kreative Köpfe aus aller Welt zur Queers and Comics Konferenz nach San Francisco (USA) zu bringen. Deine Taler werden auch mit ein paar schicken Goodies belohnt: Zines, Comics oder Buttons.

Auf i-D sagen Feminist_innen aus unterschiedlichen Ländern (aber sehr Europa-zentriert), was sich ihrer Meinung nach ändern muss. Mit Blick auf Deutschland schreiben da Hengameh Yaghoobifarah, Dominique Booker und Olive Duran.

Ein englischsprachiges Essay über die Rezeption und Instrumentalisierung von Audre Lorde und ihren Aussagen: „Appropriating Lorde: On the Need to Locate The Oppressor Within Us.

I am queer. What is your superpower? International Women’s Struggle Demo 2017, Berlin.

In Bochum wird im November eine internationale Konferenz zu „Doing Science – Doing Excellence – Doing Inequalities? Interrogating the Paradigm of Excellence in Academia“ stattfinden. Abstracts können bis zum 31. März eingereicht werden.

Neuer Flavia Dzodan Text: „Alt-Feminism and the white nationalist women who love it„!

Termine

Noch Veranstaltungen finden sich in unserer Frauenkampftags-Veranstaltungsliste.

Berlin, 10 bis 13. März 2017: Theaterstück im Ballhaus Naunynstraße „Scheppernde Antworten auf dröhnende Fragen“ von Nora Abdel-Maksoud, Theresa Henning und Salome Dastmalchi (Publikumsgespräch am 11. März).

Berlin, 25. März: Workshop „reclaim movement für dicke_fette* queere körper“ (eine Anmeldung ist notwendig).

Sexismus fügt Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu. International Women’s Struggle Demo 2017, Berlin.

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?


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Winnetou vergessen, WoC lesen und Wedeln mit Nebelkerzen – kurz verlinkt

18. Januar 2017 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 337 von 351 der Serie Kurz notiert

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Rassistische Nebelkerzen„: Nadia hat auch noch einmal für neues deutschland über die Kölner Silvesternacht geschrieben und stellt fest, über vieles wird diskutiert nur einer Kritik am Patriarchat wird aus dem Weg gegangen.

Bina von WOCreads möchte eine englischsprachige Study Group gründen und akademische Non-Fiction Bücher von Frauen of Color lesen. Interessiert?

Christiane Link formuliert bei der ZEIT, warum Sexualassistenz für behinderte Menschen eine Scheinlösung für Probleme, die ganz woanders liegen ist.

ISD online schreibt über das Projekt (De-)koloniale Bilderwelten.

englischsprachige Links

Einmal gute Nachrichten: Chelsea Manning wird am 17. Mai aus dem Gefängnis freikommen.

Forget Winnetou! ist ein Dokumentarfilm über Stereoytpe und Diskriminierung von Native Americans in Deutschland. Einen Trailer gibt es hier zu sehen:

Meryl Streep hielt bei den Golden Globes eine Rede, die sehr gefeiert wurde. Emily Ladau hingegen schreibt bei The Establishement: „I’m A Disabled Woman Who’s NOT Celebrating Meryl Streep’s Golden Globes Speech

CHOICE/LESS ist ein Podcast von Rewire zu reproduktiver Gerechtigkeit. In der Folge vom 10. Januar spricht Jack RR Evans über Erfahrungen mit Schwangerschaft und Abtreibung als nonbinary trans Person.

Gender (und race) bias führt u.a. dazu, dass einige Menschen wesentlich schlechtere medizinische Versorgung erhalten als andere. NY Times schreibt über das Phänomen und wie Checklisten die Situation verbessern können.

Termine in Berlin, Göttingen, Hamburg, Köln und Stuttgart

19.01. in Berlin: Vortrag von Hannah Tzuberi zu „Die Befreiung der Anderen. Feminismus zwischen Alice Schwarzer und postkolonialer Kritik„. (FB-Link)

19.01. bis 10.03.2017 in Berlin: Protestkörper / Queerfeministische Körperpolitiken im EWA e. V. Frauenzentrum

21.01.-22.01. in Göttingen: „write & fight“ – Empowerment-Workshop für Menschen, die in Deutschland Rassismuserfahrungen machen

26.01. in Köln: Maisha Eggers, Katja Kinder und Peggy Piesche sprechen über „Generation Adefra 30 Jahre Schwarzer Feminismus„. (FB-Link)

30.01. bis 29.5.2017 in Berlin: Der lange Weg zur Gleichheit – Lebensrealitäten lesbischer Frauen weltweit. im EWA e.V. Frauenzentrum.

31.01. in Köln: Lesung „Hegememory“ der Autorin und Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo. (FB-Link)

02.02. in Hamburg: Workshop „Queerkommunistische Beziehungsformen“ von 14 bis 18 Uhr mit Bini Adamczak. Anmeldung unter: ich@anti-id.de.

17.02. in Berlin: Fachgespräch: „Wer hat Angst vor Geschlechterforschung? Strategien für ein Forschungsfeld unter Druck„. Anmeldung bis zum 14.02. über die Webseite.

21. bis 25.02. in Stuttgart: meccanica feminale findet statt mit einer ganzen Reihe von Kursen, einige gehen einen Tage, andere eine halbe Woche.

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?


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Racial Profiling, Aktivismus-Tipps und DIY-Abtreibungen – kurz verlinkt

4. Januar 2017 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 336 von 351 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Seit der Silvesternacht wird (vermehrt) über Racial Profiling diskutiert (und dieses leider häufig gerechtfertigt). Das Thema an sich ist natürlich aber nicht neu: Die ISD informiert seit Jahren über diese rassistische Praxis und setzt sich gegen diese ein. Viele Informationen, Aktionen und Unterstützung gibt es zu dem bei der Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt. Bei jetzt erzählen aktuell der Autor Temye Tesfu und die Daten-Journalistin Sandhya Kambhampati über ihre Erfahrungen mit Racial Profiling in Deutschland.

Das Gunda-Werner-Institut hat eine Studie zur TV-Berichterstattung in ARD und ZDF über die Silvesternacht 2015/16 in Köln veröffentlicht.

Auf der Webseite der Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs gibt es auch Informationen in Leichter Sprache. Darauf aufmerksam machte Hurraki in einem Blogbeitrag.

englischsprachige Links

It’s Time to Talk About DIY Abortions„, schreibt Amie Newman bei Medium.

Autostraddle hat fünf Tipps für Aktivist_innen zum Jahresbeginn zusammengestellt: Von der Auseinandersetzung mit Intersektionalismus hin zum Einsatz von Privilegien.

Lindy West hat ihrer Twitter-Account deaktiviert. Beim Guardian erklärt sie warum: „I hate to disappoint anyone, but the breaking point for me wasn’t the trolls themselves (if I have learned anything from the dark side of Twitter, it is how to feel nothing when a frog calls you a cunt) – it was the global repercussions of Twitter’s refusal to stop them. The white supremacist, anti-feminist, isolationist, transphobic “alt-right” movement has been beta-testing its propaganda and intimidation machine on marginalised Twitter communities for years now – how much hate speech will bystanders ignore? When will Twitter intervene and start protecting its users? – and discovered, to its leering delight, that the limit did not exist.“

Und perfekte Vorsätze für’s neue Jahr:

Termine in Berlin, Freiburg, Hamburg und Stuttgart

12.01. in Freiburg: Um 19.15. beginnt ein Vortrag zu „Poly101„.

21.01.-22.01. in Göttingen: „write & fight“ – Empowerment-Workshop für Menschen, die in Deutschland Rassismuserfahrungen machen

02.02. in Hamburg: Workshop „Queerkommunistische Beziehungsformen“ von 14 bis 18 Uhr mit Bini Adamczak. Anmeldung unter: ich@anti-id.de.

17.02. in Berlin: Fachgespräch: „Wer hat Angst vor Geschlechterforschung? Strategien für ein Forschungsfeld unter Druck„. Anmeldung bis zum 14.02. über die Webseite.

21. bis 25.02. in Stuttgart: meccanica feminale findet statt mit einer ganzen Reihe von Kursen, einige gehen einen Tage, andere eine halbe Woche.

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?


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Klassismus unterm Weihnachtsbaum, Sozialneid und jüdische Popmusik – kurz verlinkt

28. Dezember 2016 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 335 von 351 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Beiträge

Auch schon den Facebook-Post gesehen, in dem „lustig“ bestimmtes „Weihnachts-Verhalten“ verschiedenen Berliner Bezirken zugeordnet wurde? Class Matters schrieb dazu einen Rant: „Geige spielen mit Cheyenne„.

Pop, Punk, Prayer. Eine (kurze) Geschichte jüdischer Popmusik gibt es beim Missy Magazine.

Neue Ausschreiberunde von filia.die frauenstiftung: Bis zum 1. März 2017 können Anträge mit Ideen und Pläne für Projekte eingereicht werden. Die Projekte sollen dazu beitragen, dass Mädchen und junge Fauen frei von Gewalt leben und dass sie in der Gesellschaft mitentscheiden können. Unterstützt werden Projekte mit bis zu 5.000€. Die eingegangenen Anträge werden von den Mädchen und jungen Frauen des Mädchenbeirats gelesen und diskutiert.

DIE LINKE lobt anlässlich des Frauentages 2017 zum siebten Mal einen Preis aus, mit dem herausragende Leistungen von Frauen in Gesellschaft und Politik gewürdigt werden, den Clara Zetkin Frauenpreis (auch wir waren vor ein paar Jahren nominiert). Vorschläge können bis zum 15. Januar 2017 eingereicht werden.

Carolin Born schreibt im Freitag über den gewaltigen Backlash gegen den Zugang zu sicheren Abtreibungen: Ob nun in den USA, in Polen oder um die Ecke im niedersächsischen Landkreis Schaumburg.

Barbara Stellbrink-Kesy spricht mit Menschen. Das Magazin über das Leben und die Ermordung ihrer Großtante während der NS-Zeit und der Arbeit des „Förderkreis des Gedenkorts für die Opfer der nationalsozialistischen NS-‚Euthanasie‘-Morde“. Sie macht deutlich: „Wir leben in einer Konkurrenzgesellschaft, in der nur die „Nützlichen“ zählen. Das sieht man auch in der Flüchtlingsdebatte, und natürlich in den Debatten um Pränataldiagnostik und Sterbehilfe. Die Themen des Mahnmals sind hochaktuell.“

Deutschlandfahne cool neu besetzen (bzw. der AfD und Pegida als Symbol „wegnehmen“) und wieder stolz auf der Hipster-Trainingsjacke tragen? Das kann nicht funktionieren, schreibt Queer Vanity.

Seit Beginn des NSU-Prozesses begleitet NSU Watch diesen kritisch. haGalil schreibt über die bisherige Beweisaufnahme und die Bedeutung der Arbeit von NSU Watch: „Das linke Projekt protokolliert die Verhandlungstage und stellt die Aufzeichnungen online. Analytische Artikel zur extremen Rechten, zu institutionellem Rassismus, zum Handeln der Behörden, aber auch zu Positionen der Nebenklagevertretung, die die Opferseite repräsentiert, helfen den Leser_innen der Webseite des Projekts die Protokolle und das Verhandlungsgeschehen einzuordnen. Darüber hinaus leisten die bei NSU Watch Engagierten vielfältige Aufklärungsarbeit in Form von Vorträgen und Workshops.“ Das Projekt kann finanziell über eine startnext-Kampagne unterstützt werden.

Ein Blog von Vielen schreibt über Sozialneid.

Der i.d.a.-Dachverband e.V (i.d.a.=informieren, dokumentieren, archivieren), der seit 1983 die Zusammenarbeit der Lesben-/Frauenarchive, -bibliotheken und -dokumentationsstellen im deutschsprachigen Raum organisiert, sucht eine_n Projektkoordinator_in. Bewerbungsschluss ist der 31. Januar 2017.

Englischsprachige Beiträge

Die Schauspielerin, Schriftstellerin und Script Doctor Carrie Fisher ist verstorben. Anne Thériault schrieb eine Tweetreihe zur „Importance of General Organa„.

Auch die Astro-Physikerin Vera Rubin, die die Existenz dunkler Materie bestätigte, starb. Den Nobelpreis hat sie nie erhalten. NPR erinnert an ihr Leben.

Was ist eigentlich trans Literatur? Jede Geschichte mit trans Protagonist_innen? Ausschließlich jene von trans Autor_innen? Jedes Buch von trans Autor_innen, egal zu welchem Thema und mit welchen Protagonist_innen? Bei LitHub schreibt Gabrielle Bellot zu diesem Thema.

In einem Comic bei Oh Joy Sex Toy erzählt Mady G über Transsein und Schönheit.

Termine

21.01.-22.01. in Göttingen: „write & fight“ – Empowerment-Workshop für Menschen, die in Deutschland Rassismuserfahrungen machen

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?


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Abtreibungen: Ein ganzer Landkreis ohne Zugang nach Krankenhauszusammenlegung

17. November 2016 von Charlott

Kein Zugang zu Abtreibungen und Abtreibungsverbote – da wird sehr häufig auf andere Länder gezeigt (USA, Irland, um nur zwei zu nennen). Immer wieder habe ich in Gesprächen erlebt, wie Menschen – gerade Personen, die nicht in feministischen Kreisen aktiv sind – das Gefühl haben, in Deutschland gebe es eigentlich kein Problem. Wenn eine dann erklärt, dass Abtreibungen in Deutschland rechtswidrig sind und nur unter Umständen nicht strafverfolgt werden, sind viele auch durchaus erstaunt.

Wie gefährlich diese Rechtskonstruktion ist, zeigen Feminist_innen auf seitdem es die entsprechenden Paragraphen gibt. Dass ein Recht auf Abtreibung kein gesellschaftlicher Konsens ist, lässt sich nicht nur aus den juristischen Formulierungen herauslesen, sondern zeigt sich auch bei den großen Protesten von Abtreibungsgegner_innen, deren Präsenz im Netz und beispielsweise Anwesenheit auf Jugendmessen.

Wie in der Praxis der Zugang zu Abtreibungen plötzlich nicht mehr vorhanden sein kann, beschreibt die taz in einem aktuellen Artikel. Im Landkreis Schaumburg in Niedersachsen werden die drei bisher existierenden kleineren Krankenhäuser zusammengelegt zu einem Kreiskrankenhaus. Abtreibungen wurden bisher in zwei der Krankenhäuser durchgeführt (Arztpraxen, die den Eingriff vornehmen gibt es im Landkreis nicht). Das dritte Krankenhaus wird von einem Betreiber (Agaplesion) geführt, der sich auf christliche Grundsätze beruft und nun das neu geschaffene Kreiskrankenhaus betreiben wird. Abtreibungen sollen keine mehr durchgeführt werden (außer in den wenigen Fällen, in denen das Krankenhaus eine „seelische Gefährdung“ anerkennt). Da es kein Recht auf Abtreibung gibt, können Krankenhäuser selbst entscheiden, ob sie die Prozedur anbieten oder nicht und so gehen hier weitere Privatisierung des Gesundheitssektors mit der Einschränkung reproduktiver Rechte Hand in Hand. Betroffene Personen im Landkreis Schaumburg müssen nun also wesentlich weitere Wege auf sich nehmen (was natürlich nicht nur mit mehr Aufwand, sondern auch Kosten und Organisation verbunden ist).

Unter der jetzigen Rechtskonstruktion ist der Zugang zu (sicheren) Abtreibungen immer prekär, jederzeit auf der Kippe. Davon einmal abgesehen, dass die jetzige Fristenregelung und das erzwungene Beratungsgespräch ebenfalls Barrieren herstellen, die vor allem der Schikane dienen.

Beschwerden sind hier an einigen Stellen angebracht, zum Beispiel bei der Agaplesion AG (willkommen@agaplesion.de) oder dem Kreistag, der die Zusammenlegung beschlossen hat (eine Liste der Mitglieder und deren Kontakdaten gibt es hier). Auch macht der Fall einmal mehr als deutlich, warum wir weiter kämpfen müssen für eine Änderung des Abtreibungsparagraphen!


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Game Developer Barbie, Orange Is The New Black und Unterstützung für Gina-Lisa Lohfink – unsere Links der Woche

22. Juni 2016 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 320 von 351 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

Die 4. Staffel von Orange Is The New Black (OITNB) ist draussen. Beim Missy Magazine gibt’s ein Interview mit der OITNB Schauspielerin, Komikerin und Butch Lea DeLaria.

Das aktuelle Herbstprogramm des Querverlags (PDF) ist draussen.

ju*_fem_netz steht für „netzwerk von feministinnen_ innerhalb und außerhalb der mädchen_arbeit“. Das bundesweite Netzwerk wurde 2010 ins Leben gerufen und hat jetzt eine Webseite. Das nächste Ju*_fem_netz Treffen ist übrigens in Berlin vom 9. bis 11. September 2016 geplant.

Gute Neuigkeiten aus dem Hause Barbie: Es gibt nun eine Game Developer Barbie (leider kommt der Artikel nicht ohne femininitätsfeindliche Kommentare aus).

Englischsprachige Links

Ein Lichtblick: Dr. Yashica Robinson ist eine der wenigen Ärzt_innen im konservativen Alabama, USA, die noch Schwangerschaftsabbrüche durchführt, so die New York Times.

Ashleigh Shackelford schreibt auf Wear Your Voice kritisch über OITNB: „Orange is the New Black is Trauma Porn Written for White People“.

Triff die jüngste Apple App-Entwicklerin: Die neunjährige Anvitha Vijay!

Der Stanford-Student Brock Turner hat für seine Gewalttat eine vergleichsweise lächerlich geringe Strafe bekommen und dafür auch noch Unterstützung von seiner Familie und FreundInnen erhalten, weil er sich angeblich sonst noch nie „etwas zu Schulden hat kommen lassen“. Dass er schon vorher Frauen belästigt hat, bestätigt das gesamte Schwimmteam von Stanford, das aber zum Stillschweigen verdonnert wurden.

Was haben reproduktive Rechte mit Körpergewicht zu tun? Ganz schön viel, resümiert Ali Thompson auf Everyday Feminism: 4 Ways Fat People Need to Be Included in Reproductive Justice.

Trotzdem (und hoffentlich): Have a great summer – with your perfect bikini body (Video)!

Termine in Berlin, Potsdam und Heidelberg
(mehr …)


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Gutmenschen, behinderte Mütter und nicht befragte NSU-Zeugen – kurz verlinkt

13. Januar 2016 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 307 von 351 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

„#ausnahmslos – ein neuer Aufschrei nach Köln“, berichtet die Süddeutsche Zeitung und interviewt dazu Kübra Gümüşay.

„Gutmensch“ ist das Unwort des Jahres 2015, „weil es das Engagement für „Geflüchtete“ diffamiert,“ so tagesschau.de. Ebenso gibt es dort einen Artikel über die Bildung rassistischer, sexistischer „Bürgerwehren“ durch (extrem) rechte Männer nach den sexualisierten Gewaltübergriffen in Köln und anderen Orten an Silvester.

In Neukölln wurden zwei junge Migranten erschossen. Die Familien klagen die Ermittler an, rassistischen Motiven unzureichend nachzugehen,“ schildert die taz.

In einem spannenden Interview der beiden behinderten Mütter Franziska und Mareike geht es um Familienalltag mit Behinderung und professionelle Elternassistenz. (Der Artikel ist auch als Hörversion hinterlegt.)

Das lesbische Stadtmagazin „weird“ hat Julia Maria Zimmermann aus Luxemburg ausführlich zum Thema „Asexualität“ interviewt.

Lioba Hirsch, Jamie C. Schearer und Sinthujan Varatharajah haben das Institute of Contemporary Diasporas gegründet. Auf ihrer Webseite könnt ihr nachlesen, was sie vorhaben. Außerdem könnt ihr ihnen bei Twitter und Facebook folgen. (Einen ersten Text des Instituts durften wir diese Woche auch bei der Mädchenmannschaft crossposten: „Zur Medienreaktion auf die sexuellen Übergriffe am Kölner Hauptbahnhof in der Nacht auf den 1. Januar 2016„.)

„Mit Informationen des V-Manns “Tarif” hätte sich womöglich die NSU-Serie verhindern lassen. Seine Akte wurde geschreddert. Nun verzichtet das Gericht auf die Möglichkeit, den Mann selbst zu befragen.“, berichtet die ZEIT.

Des weiteren zu rechtsextremer Gewalt in Deutschland: Der Tagespiegel schreibt über aktuelle Statistiken und vermeldet, dass die „Zahl rechter Gewalttaten um 40 Prozent gestiegen“ sei. Unterdessen heißt es beim Spiegel: „Hunderte Neonazis wurden im vergangenen Jahr per Haftbefehl gesucht – aber nicht verhaftet. Offenbar verschwinden immer mehr rechte Straftäter im Untergrund.“ und bei neues deutschland geht es um extreme Rechte in Hessen, die sich immer mehr bewaffnen.

englischsprachige Links

Bei The Feminist Wire erklärt Christine Asseta, warum der sogenannte „All Lives Matter Act“ in Missouri, der auf die Illegalisierung von Abtreibungen zielt, vor allem ein Angriff auf Schwarze Frauen dieses Bundesstaates ist.

Das Unternehmen Intel verspricht, sich stärker gegen Online-Belästigung zu engagieren als Teil seines Diversitäts-Programms für die Technologie-Branche, schreibt Venture Beat.

Über kalifornische Heimkinder, die aus teilweise hahnebüchenen Gründen (und den üblichen Gründen wie Rassismus und all jenen anderen *ismen, denen bedürftige junge Menschen ausgesetzt sind) über Jahre hinweg mit Medikamenten „behandelt“ wurden, gibt es ein sehr lesenswertes Longread bei mecurynews.

Termine in Weinheim und Berlin

15.01. 2016 in Weinheim: Die Amadeu-Antonio-Stiftung veranstaltet die Fachtagung „Rechtspopulistischen und rechtsextremen Mobilisierungen entgegentreten, Willkommenskultur für Flüchtlinge und Asylsuchende etablieren.“ Hier könnt ihr euch anmelden und findet ebenso das Programm.

18.01. bis 22.01.2016 in Berlin: Die Alice Salomon Hochschule veranstaltet eine Fokuswoche zu Flucht, Migration, Rassismus und Inklusion mit Diskussionen, Wokshops, Filmen und mehr.

24.01. 2016 in Berlin: „Lust auf Regler schieben und Technik verkabeln? Hier lernt ihr wie ein Mischpult funktioniert, ihr Bands abmischt und Technik für ein Konzert aufbaut!“ FLTI* Tontechnikworkshop für Einsteiger_innen – zur Anmeldung geht es hier entlang.


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Sexualisierte Gewalt in Köln (und anderswo), Abtreibungsrechte und Backlash zu #Campusrassismus – kurz verlinkt

7. Januar 2016 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 306 von 351 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Zur Gewalt in der Silvesternacht in Köln wurde bereits vieles geschrieben (und vor allem vielles, was eine lieber nicht gelesen hätte). Einen Artikel, der eigentlich alle Debatten auf den Punkt bringt, hat Hengameh Yaghoobifarah in der taz veröffenlicht. Dort schließt sie mit der Erkenntnis: „Es sind nicht männliche Geflüchtete, die Vergewaltigungskultur aufrecht erhalten, sondern die sehr selektive Anhörung der Betroffenen und Victim-Blaming, wie es jetzt Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker anhand von Verhaltensregeln für Frauen à la „eine Armlänge Distanz“ betreibt.“

Im Dezember gab es die Twitteraktion #Campusrassismus (wie wiesen darauf hin). accalmie hat ein Storify mit Tweets angelegt, die aufzeigen, wie (wenig überraschend) mit Rassismus auf diese Aktion reagiert wurde.

englischsprachige Links

Am 02. Januar begann eine Gruppe bewaffneter Männer in Oregon die Besetzung eines staatlichen Gebäudes (im Malheur National Wildlife Refuge), Forderungen umfassen Zugang zu Land und weniger Eingriffe des Staats. The New Yorker schreibt über „The Bundys and the Irony of American Vigilantism„, beim Guardian argumentiert Wajahat Ali „If the Oregon militiamen were Muslim or black, they’d probably be dead by now„, bei Vox gibt es noch wichtige Hintergrundinformationen in „Waco and Ruby Ridge: the 1990s standoffs haunting the Oregon takeover, explained“ und U.S. Uncut erinnert „Here’s What Happened When These Unarmed Native American Sisters Defended Their Land from the Feds„.

Zu den Erfahrungen sexualisierter Gewalt gegen geflüchtete Frauen berichtet die New York Times.

Broadly präsentiert einen Rückblick auf ein nicht besonders gutes Jahr für Abtreibungsrechte in den USA.

Filipino wartime rape victims push for compensation from Japan“ schreibt The Guardian.

Ein Stück bestes Storytelling auf Twitter hat Clutch zusammengefasst: In ihren Tweets erzählt @BlackMajiik über einen weißen Kollegen, der sich weigerte ihren Namen richtig auszusprechen, und wie glorreich sie reagierte.


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Deutscher Antisemitismus, Anti-Abtreibungs-Gewalt, „behindert“ als Schimpfwort – die Blogschau

19. Dezember 2015 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 290 von 295 der Serie Die Blogschau

„Viele in Deutschland halten alltäglichen Antisemitismus für kein Problem mehr – Levi sieht das ein bisschen anders“ – und beschreibt bei kleinerdrei, warum.

Beim Feministische Studien Blog gibt es einen Artikel über die Hintergründe von Robert Lewis Dears Anschlag auf Planned Parenthood in Colorado Springs und die Geschichte von Anti-Abtreibungs-Gewalt in den USA.

Auf bento: Ein Rant von Ninia LaGrande in Videoform, und zwar gegen die Verwendung von „behindert“ als Schimpfwort.

Rock Camp München ist „ein gemeinnütziger Verein, der das Selbstbewusstsein junger Mädchen und Frauen durch Musik und begleitende Workshops fördert“. Für das nächste Camp brauchen die Veranstalterinnen noch Geld.

Anlässlich eines Artikels von Andrea Roedig, der kürzlich in der Zeit erschien, klamüsert Teile des Ganzen so einiges  „Über Butches, Transmänner und (nicht nur) lesbische Verlustgefühle“ auseinander.

Habt ihr diese Woche etwas geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blogs etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Regelmäßig verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.


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Der freundliche, einzelgängerische Terrorist. Wenn weiße Männer morden.

30. November 2015 von Charlott

In Colorado Springs tötete am Freitag ein Mann drei Menschen und verletzte neun weitere in einer Planned Parenthood Klinik. Eine Tat, die sich einreiht in eine Geschichte von Angriffen gegen Personen und Organisationen, die Abtreibungen vornehmen oder Menschen bei diesen unterstützen. Eine Tat die zum einen im Zusammenhang der konkreten Kampagne gegen Planned Parenthood, welche seit Monaten läuft, zu sehen ist und auch im allgemeinen Kontext all jener Rhetoriken, Gesetzgebungen und Debatten, die Abtreibungen verdammen und Körper, die nicht cis-männlich sind, regulieren wollen. (Und dies ist natürlich auch kein us-amerikanisches Phänomen.)

In Online-Auseinandersetzungen rund um die Morde wurde wieder einmal deutlich, was „Pro Life“/ „Lebensschutz“ eigentlich bedeutet. Es ist eine Ideologie, in der ein Fötus sehr viel wert hat, die austragende Person hingegegen gar keinen, aber darüber hinaus auch wiederum hingenommen wird, wenn schwangere Personen (und ihre Föten) bei Angriffen auf Abtreibungskliniken sterben. Es geht nicht um Kinder (von denen sechs allein durch dieses Attentat ein Elternteil verloren), sondern um Kontrolle.

Und in der medialen Darstellung? Da schrieb die New York Times in einem langen Portrait zum Täter, er sei ein „sanfter umherziehender Einzelgänger, der hin und wieder gewaltätig gegenüber Frauen und Nachbar_innen, die er kannte, wurde“. Und auch wenn das „sanft“ (gentle) mittlerweile aus dem Text herausredigiert wurde, so bleibt die Grundtendenz doch erhalten: (Wieder einmal) wird ein weißer männlicher Attentäter stärker „vermenschlicht“ als dies sogar bei Schwarzen Opfern von Gewalt üblich ist.

Das Einzelgänger-Narrativ ist eines, welches Journalist_innen und Politiker_innen mit Vorliebe herauskramen, wenn es um die Einschätzung von Attentaten ausgeführt von weißen, christlich-säkularen Männern geht. Und dies ist nicht nur ein Erzählung, die eine Lebensgeschichte des Täters zentriert, welche eventuell sogar nich Mitleid erregen soll, sondern vor allem eine, die die Tat außerhalb von Machtverhältnissen und größeren Zusammenhängen rückt. Getötet hat dann eine Person, die keineswegs beeinflusst wurde von sexistischen/ rassistischen/ etc. Denkmustern und Teil einer größeren Gruppe mit eben solchen Vorstellungen ist, sondern eine Person, die „eigensinnig“ ist, vielleicht etwas „verwirrt“. Diese Ausflüche, zu denen auch gehört, dass bei solchen Taten die Motive zumeist als unklar beschrieben werden, tragen zu eben jenem gesellschaftlichen Klima bei, in dem solche Morde ausgeführt werden.

Zum Weiterlesen bei der Mädchenmannschaft:
Utøya. Drei Jahre. (Charlott)
Alle* Leben sind gleichwertig: Ein Notizzettel voller Gedanken (Hengameh)
Ein deutsches Drama (accalmie)
Terroranschlag: Was das Patriarchat versäumt hat (Nadia)
Einzelfall Elliot Rodger. Oder: Wieder sexistisch motivierte Morde. (Charlott)


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