Sylvia Plath: Confessional Poetry im Patriarchat

von Nadia
Dieser Text ist Teil 32 von 51 der Serie Wer war eigentlich …
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„[K]eine andere Schriftstellerin [war] für die gegenwärtige feministische Bewegung wichtiger […], obwohl Sylvia Plath kaum eine Feministin war und sie im Alter von dreißig Jahren starb, bevor die feministische Bewegung begann.“ (Elisabeth Bronfen)

Sylvia Plath nahm sich heute vor 50 Jahren das Leben. Leben und künstlerisches Schaffen sind bei ihr stark verwoben, wobei Plaths Werk großes Unrecht angetan würde, wenn versucht würde, ihr Einfallslosigkeit oder Ich-Zentriertheit zu unterstellen. Vielmehr hat Plath wohl das getan, was Françoise Sagan schon über ihr eigenes Schaffen sagte: „Schreiben heißt, etwas zu erfinden, was man schon kennt.“

„I am myself. That is not enough.“

Sylvia Plaths Werk entstand im Amerika der 1960er Jahre, ganz unter dem Eindruck der damaligen Ausprägung der patriarchalen Gesellschaft. Dementsprechend kann ihre Lyrik gelesen werden, sofern ihre Gedichte nach einer Lesart rezipiert werden, die die Vergesellschaftung der damaligen Zeit berücksichtigt, oder, deutlicher: Wenn die Bedeutung der Rolle der Frau in der Männergesellschaft in der Auseinandersetzung berücksichtigt wird.

Plath, die sich zwischen dem Leben als Hausfrau und Schriftstellerin regelrecht aufrieb, artikuliert in ihrem Werk ihr laufendes Unbehagen gegenüber der Männerwelt, umgesetzt in morbiden Bildern, einer düsteren Ambivalenz und einer Grundhoffnungslosigkeit, aus der es anscheinend keinen Ausweg gibt.

„Out of the ash / I rise with my red hair / And I eat men like air.“

„So, so Herr Doktor / So, Herr Enemy“

Ihre eigene Verortung in diesem ganzen System – ob nun familiär oder bezogen auf gesellschaftliche Konventionen – scheint ein immer wiederkehrendes Moment ihrer Dichtung.

„I have always been scared of you,
With your Luftwaffe, your gobbledygoo.
And your neat mustache
And your Aryan eye, bright blue“

Die Vaterfigur wird zum Teufel, der Ehemann zum Vampir („The vampire who said he was you… and drank my blood for seven years.“), und das Schicksal, zwischen zwei Welten gefangen zu sein (familiäre Reproduktionsarbeit vs bedingungslose Schriftstellerei), teilte sie mit anderen Kolleginnen. Unter anderem mit Marlen Haushofer, die sagte, sie habe gegenüber ihrem Ehemann und der Außenwelt immer das Gefühl gehabt, sie müsse sich als Schriftstellerin doppelt beweisen, damit ihr Schreiben nicht als „Hausfrauenhobby“ abgetan werde. Ihr Roman „Die Wand“ erschien in Plaths Todesjahr.




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Eintrag geschrieben: Montag, 11. Februar 2013 um 16:07 Uhr unter Inspiration, Kultur. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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4 Kommentare

  1. okcyborg sagt:

    schön, dass ihr an plath erinnert habt!

    hier noch ein interessanter link zu einem guardian-beitrag, in dem autorinnen ( zb. lena dunham und jeanette winterson) erzählen, was ihnen plaths „the bell jar“ bedeutet.

    http://www.guardian.co.uk/books/2013/feb/08/sylvia-plath-reflections-on-her-legacy

  2. ti_leo sagt:

    Hallo,

    ich bin nicht sicher, ob der letzte Kommentar gesendet wurde, (bei mir kam „Webseite nicht verfügbar), daher schicke ich ihn nochmal. Ich kenne „Die Wand“ nur von Marlen Haushofer, während Sylvia Plaths „The Bell Jar“ im Deutschen als „Die Glasglocke“ erschien. Ist mir ein Roman von Plath entgangen oder dir ein kleiner Fehler passiert?

    LG Ti

  3. Nadia sagt:

    hi ti leg, jopp, richtig, „die wand“ ist von haushofer natürlich (ich habe es nur als vergleichsbeispiel reingebracht, weil sich die kontexte tw ähneln). lg.

    „Unter anderem mit Marlen Haushofer, die sagte, sie habe gegenüber ihrem Ehemann und der Außenwelt immer das Gefühl gehabt, sie müsse sich als Schriftstellerin doppelt beweisen, damit ihr Schreiben nicht als “Hausfrauenhobby” abgetan werde. Ihr Roman “Die Wand” erschien in Plaths Todesjahr.“

  4. […] u.a. Lena Dunham über ihr Erbe. Auch Nadia hat sich Sylvia bei der Mädchenmannschaft gewidmet: Confessional Poetry im Patriarchat. (Danke Mimi für den Guardian […]