Stereotype, Pädophilie, Homophobie, Fernsehspots für Abtreibungskliniken und Judith Butler

von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 95 von 358 der Serie Kurz notiert

Dass Männer besser mit Technik umgehen können und Frauen im sozialen Bereich vorne liegen, weiß ja wohl jede_r… NICHT! Auf Sociological Images gibt es einen netten kleinen Cartoon dazu.

Women’s Rights berichtet über die Verurteilung von sechs Männern in Bangladesh zu Haftstrafen, weil sie Frauen in der Öffentlichkeit sexuell belästigt haben.

In der Welt findet ihr ein Interview mit dem Soziologen Georg Klauda, der die These aufstellt, dass die Homophobie in der islamischen Welt erst mit der Abgrenzung gegenüber dem Westen populär wurde.

In der ZEIT spricht Volkmar Sigusch über Kinderrechte, die Motive von Pädophilen und das Tabu frühkindlicher Sexualität.

In Österreich kämpfen heterosexuelle Paare dafür, wie homosexuelle Paare ihre Partnerschaft registrieren lassen zu können. In Frankreich, so die BBC, kommt auf zwei Hochzeiten bereits eine Partnerschaft.

Die New York Times fragt: Ist es wirklich wichtig, dass Elena Kagan, die neue Nominierte für den US-Supreme Court, nicht verheiratet ist?

Die Ankündigung, erstmals mit Fernsehspots für Abtreibungskliniken zu werben, hat in Großbritannien eine kontroverse Debatte ausgelöst – dieStandard.at berichtete.

Zum Umgang mit geschlechtergerechter SpracheDeutsche Sprache – Männersprache? – Nicht mit dir, nicht mit mir, nicht mit uns!

Die Femina Politica hat für die nächste Ausgabe einen Call for Papers gestartet – es geht um Gender und Friedenspolitik (PDF).

Am 18. Juni 2010 spricht Judith Butler über Queere Bündnisse und die Antikriegspolitik im großen Saal der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Mehr Infos und Ticketpreise hier.




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Eintrag geschrieben: Freitag, 21. Mai 2010 um 15:15 Uhr unter Verlinkt. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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13 Kommentare

  1. illith sagt:

    dass das mit der eingetragenen partnerschaft auch in D. nur für homos geht, finde ich total ätzend. ich fühle mich diskriminiert! ;D
    nein aber ernsthaft: gibt es da schon irgendwelche bestrebugnen hierzulande, dass sich das in näherer zukunft mal ändert?

    in der emma oder so las ich btw von zwei älteren damen, die beste (platonische) freundinnen waren und auch eine eingetragene partnerschaft draus gemacht haben, um im alter füreinander dazusein und so. fand ich eine total schöne geschichte

  2. Thomas sagt:

    Mal eine linguistische Frage, ist die These, dass die Sprache das Denken wirklich beeinflusst überhaupt belegbar? Es gibt ja auch Sprachen, die keine Unterscheidung zwischen Geschlechtern vornehmen. Ist Gleichberechtigung in diesen Ländern wirklich einfacher?

    Siehe auch hier:
    http://wals.info/feature/31?v1=cfff&v2=cd00&v3=c00d&s=20&z1=2998&z2=2999&z3=3000&tg_format=map&lat=-54.367758524068385&lng=177.1875&z=2&t=m

    Denn auch die mathematischen Fähigkeiten sind nicht davon abhängig wie man diese Zahlen ausspricht oder schreibt.

  3. Anna sagt:

    Thomas, es gibt inzwischen für zumindest einzelne kognitive Teilbereiche Belege. Dazu gehören räumliche Orientierung und Farbwahrnehmung (so zumindest mein letzter Stand).
    Es ist allerdings sehr schwer, wirklich eindeutige Settings herzustellen (kann man das so sagen?). Die angesprochenen Bereiche wurden zB mit irgendwelchen abgeschiedenen Bergvölkern in Lateinamerika geprüft, die mehr oder weniger zufällig entdeckt wurden und bis dahin keinen Kontakt zur Außenwelt hatten. Aber sowas gibts eben auch nicht alle Tage.

  4. Thomas sagt:

    Anna: Darum ging es mir gar nicht, es geht mir alleine um die Frage, ob die Sprache unser Denken beeinflussen kann oder nicht. Kann durch die Neubenennung von etwas dieses etwas oder die Sicht auf dieses etwas geändert werden.

    Es gibt nämlich durchaus Denkmodelle, wie z.B. das der euphemistischen Tretmühle, dass das nicht funktioniert. So z.B. werden Sonderschulen nicht positiver gesehen, weil sie jetzt Förderschulen genannt werden, sondern Förderschule wird irgendwann genauso negativ besetzt sein, wie Sonderschule vorher.

    Oder ein Beispiel aus der verlinkten Broschüre: Wenn man beim Wort „Automechaniker“ automatisch an einen männlichen Mechaniker denkt, liegt das am Wort oder daran, dass es zu wenige Frauen in diesem Beruf gibt? Wenn es am Ende letzteres ist, scheint mir persönlich die Sprache ein Ablenkungsmanöver zu sein, welches vom wirklichen Problem der Frauendiskriminierung ablenkt. Am Ende haben wir eine Sprache die die Diskriminierung nur verdeckt und sie am Ende sogar noch manifestiert.

    Ich kann mich natürlich auch irren und die Sprache kann unser Denken verändern. Doch scheint unser Denken eher die Sprache zu verändern als umgekehrt.

  5. Hans sagt:

    Also ich finde das Binnen-I lächerlich und nervend. Aber es gibt zum Glück ein nettes Tool, welches das Binnen-I und auch dieses _I herausfiltert und konvertiert. Da ich Sozialpädagogik studiere ist es wirklich sehr hilfreich denn die meisten Texte im Internet verwenden ja dieses Binnen-I. Endlich sind die Texte wieder lesbar.

    Der der das erfunden hat müsste der Nobelpreis verliehen werden.

  6. Judith sagt:

    @Thomas

    zu deiner Frage ein interessantes Beispiel:

    „“CBS just found that if you ask Americans how they feel about „gay men and lesbians“ serving in the military, a large majority support it [about 70%]. But if you ask people whether „homosexuals“ should be allowed to serve in the military, support drops %5″

    Quelle
    http://community.feministing.com/2010/02/homosexuality-should-we-banish.html

    Ach ja, und Du schreibst: „Denn auch die mathematischen Fähigkeiten sind nicht davon abhängig wie man diese Zahlen ausspricht oder schreibt.“
    Wie kommst Du darauf?
    Ich will zwar hier eigentlich nicht komplett OT ins Details gehen, aber:
    Auch in diesem Bereich gibt es empirische Forschung, die das Gegenteil belegt.
    Seron und Fayol (1994) konnten zum Beispiel zeigen, dass es sprachspezifische Unterschiede im Zahlenverständnis von französichen und belgischen Französich-Sprechern gibt, abhängig von den Wörtern, die für bestimmte Zahlen verwendet werden (zum Beispiel bei 74 „soixante-quatorze“ vs. „septante-quatre“ usw..).

  7. Anna sagt:

    Thomas, jetzt musst du mir weiter helfen:
    Du fragst: Kann die Sprache das Denken beeinflussen?
    ich antworte: es ist mindestens mal für einzelne Teilbereiche belegt, ja.
    du: Das war nicht meine Frage, ich wollte wissen, ob Sprache unser Denken beeinflussen kann.

    Ich sehe den Widerspruch zwischen deiner Frage und meiner Antwort nicht.

  8. Thomas sagt:

    Judith: Das gleiche findest Du, wenn Du in Deutschland auf der Straße nach dem Bild von „Asylanten“ und „Politischen Flüchtlingen“ fragst. Hier werden Begriffe unterschiedlich Besetzt. Wenn die die immer von „Asylanten“ sprechen, plötzlich nur noch von „politischen Flüchtlingen“ reden würden. Dann würde eine Tretmühle in Gang gesetzt werden, die dies wohl verändern würde. Siehe dazu mein „Sonderschule“/“Förderschule“-Beispiel.

    Ich beziehe mich bei den Zahlen einen Blogartikel vom Linguisten Anatol Stefanowitsch, der auf einen Artikel im Spiegel antwortet in dem die besseren mathematischen Leistungen von chinesischen Schülern auf die Sprache bezogen wurden.

    vgl. http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/sprachlog/sprachmythen/2010-02-27/verz-hlt

    Anna: Du hattest etwas zu kognitiven Tests geschrieben und ich ging davon aus, Du meinst damit die kognitive Leistung von Männern und Frauen bei bestimmten Tätigkeiten, wie z.B. räumliches Denken oder Farben. Ich hatte dies nicht direkt mit Sprache in Verbindung gebracht.

    So, z.B. der auch hier verlinkte Color Survey:
    http://blog.xkcd.com/2010/05/03/color-survey-results/

    Sprachen ohne Geschlecht gibt es auch außerhalb entfernter Bergdörfer: z.B. Afrikaans, Persisch, Baskisch, Finnisch oder Ungarisch kennen keine Geschlechter (Quelle: WALS.info). Doch das wird gar nicht das sein, was Du aussagen wolltest.

    Wobei natürlich die Broschüre mit keinem Wort behauptet hat, dass es einer geschlechterdiskriminierenden Sprache bedarf, damit es zu einer geschlechterdiskriminierenden Gesellschaft kommt.

    Hans: Den Lesefluss stören diese Formen nur, wenn man sie als ungewohnt empfindet.

  9. Hans sagt:

    @ Thomas

    Ich finde dieses Binnen-I einfach nur grausam und eine Verschandelung der deutschen Sprache. Nichts dagegen das man Frauen in Texten sichtbar macht, aber dann bitteschön eine vernünftige Form wählen, z.B. Lehrerinnen und Lehrer, Schüler und Schülerinnen usw. oder gleich eine neutrale Form wählen wenn es möglich ist. Das ist ok so aber alles andere lehne ich ab.

  10. Anna sagt:

    Thomas, sorry, da hab ich mich wohl unklar ausgedrückt. Also, man kann in dieser Frage nur schwer von „dem Denken“ sprechen, sondern muss bei einer genaueren Betrachtung das Ganze eben in verschiedene kognitive Bereiche unterteilen. Für die Bereiche „räumliche Wahrnehmung“ und „Farbwahrnehmung“ konnte ein Zusammenhang von Sprache und Denken/Sprache und Kognition nachgewiesen werden. Da geht es nicht um „Leistungen“ im Sinne von Bewertungen und das ist auch nicht geschlechterabhängig. Sondern es geht um das kognitive Konzept hinter der Sprache (Beispiel: die Fliege sitzt auf deiner linken Backe vs. Die Fliege sitzt auf deiner nördlichen Backe).

    Die Bergdörfer habe ich erwähnt, um zu erklären, dass es schwer ist, diese Fragen wissenschaftlich zu klären. Die Frage ist eben immer, fehlt der Sprache nur eine Vokabel, oder fehlt dem Denken in dieser Sprache das Konzept dahinter? Und deswegen sollte man um zu anständigen Ergebnissen zu kommen Sprachen vergleichen, die sich nicht aus der gleichen Quelle entwickelt haben. Es ist zB nicht förderlich/heikel, verschiedene indogermanische Sprachen untereinander gegenüber zu stellen.

  11. Helga sagt:

    @ Thomas: Gerade bei der Frage homosexuell vs. lesbisch/schwul weiß ich gerade nicht, welchen Begriff man umbesetzen sollte. Bei Sonderschulen ist dagegen klar, was der alte Begriff war und an dem Problem der Sonderschulen an sich wurde nichts getan.

    Zu dieser Fragestellung ist aber die Erfahrung ganz interessant, die eine Anwältin mal machte, als sie bei der Neuschreibung des Polizeigesetzes in Mecklenburg-Vorpommern(?) dabei war. Als Feministin hatte sie dazu begetragen, dass überall auch explizit Polizistinnen erwähnt wurden. Da sind dann einigen Männern erstmal die Lichter aufgegangen, dass es die tatsächlich gibt, man sich aber bisher keine Gedanken darüber gemacht hatte (bei Baufragen, Uniformen etc.)

    Und ich denke, jede_r hat schon die Erfahrung gemacht, bei Sätzen wie „ich geh gleich zum Arzt“ oder „ich komme gerade vom Anwalt“ eigentlich eine Ärztin oder eine Anwältin gemeint zu haben (bzw. andere Menschen so sprechen gehört).

  12. BadHairDays sagt:

    Bei uns wäre es wahrscheinlich umgekehrt. Homosexuell würde besser wegkommen als schwul / lesbisch, da „Schwul“ ja immer mehr zum Schimpfwort umgedeutet wurde, ohne dass da die direkte Verbindung zu tatsächlicher Homosexualität gemacht wird.

    Es sind ja nicht immer nur Worte, sondern oft auch Redewendungen, die ein falsche Sichtweise vermitteln, die von der Realität abweichen.
    Ich habe zu meinem speziellen Thema einmal einen Artikel verfasst, weil die Situation da ganz besonders zugeschärft ist: Worte die töten:
    http://badhairdaysandmore.blogspot.com/2009/06/worte-die-toten.html

  13. Katharina sagt:

    Helga: Ich sage auch manchmal ‚Arzt‘, wenn ich ‚Ärztin‘ meine. Allerdings zunehmend auch umgekehrt, wenn ich gerade nicht sicher bin, wen ich vor Augen habe. Das Problem wird sich von alleine erledigen, wenn es mehr Ärztinnen gibt, denke ich. (Womit ich nicht gesagt haben will, dass es sich nicht lohnt, über das Thema nachzudenken.)