Bravo, Girl?! Star-Schnitten, Frauenfeindlichkeit für Mädchen und ein Schuss Quote

von Meredith
Dieser Text ist Teil 102 von 295 der Serie Die Blogschau

Was in der letzten Woche so gebloggt wurde:

Nina La Grande schreibt eine grandiose und verstörende Kritik des gedruckten Stück Übels, das sich „Bravo Girl“ nennt. Kostprobe:

Mir wird erklärt, wann man zu dick oder zu dünn ist. Wann Jungs mich für einen Nerd halten oder denken, dass ich unsexy bin. Ich habe nichts dagegen, pubertierenden Mädels ein paar Lebenstipps mit auf den Weg zu geben. Aber dieser Artikel zeigt den Leserinnen, dass sie eben sexy zu sein haben. Auch wenn die Bravo Girl schreibt, dass Mädchen nicht megaschlank sein müssen. Sie könnten auch mit einer tollen Art, einem „Mega-Klamottenstil“ (aber nicht zu knallig oder düster…) oder einer sexy Stimme anziehend wirken. Trotzdem müssen die Mädels irgendwie sexy sein!

Das Missy Blog hat einen Nachbericht zu einem Hacking-Workshop für Frauen auf der Transmediale in Berlin, was beim Lesen selbst in meinen eher technikunfähigen Ladyfingern den starken Wunsch erzeugt, an Elektronik herum zu basteln.

Die Missy Berlinale-Bloggerin Gaby schreibt unter anderem über den neuen Film von der stets toll angezogenen und immer intelligenten Mirandy July, „The Future“.

Nochmal Missy, die Neue: Mrs. Pepstein spricht mit Chris Köver über die neue Ausgabe.

In der Schweiz sollen Prostituierte ihre Bezahlung bald einklagen können, schreibt Sina. Das ist gut, weniger gut finde ich ihren Nebensatz über die Schweizer Bundesrichterinnen, die solche Regelungen bisher abgelehnt hätten, weil sie angeblich „insgeheim von Missgunst getrieben werden..“

Seit ÜBER EINEM JAHR ist die syrische Bloggerin Tal al-Mallouhi schon inhaftiert. Fest genommen wurde sie wegen „Spionage“, schreibt Opalkatze, auch ihr Computer wurde beschlagnahmt. Nun soll sie weiter fünf Jahre in Haft bleiben. Ihr Blog beschäftigte sich mit Menschenrechtsfragen, insbesondere der Situation der Palästinenser.

Diese intelligente Gedanken zum Thema „Warum wir nicht aufhören dürfen, über die Quote zu reden“, sind ein Balsam auf der Seele all derjenigen, die mittlerweile echt keinen Bock mehr auf die Diskussion haben. Aufgeschrieben hat sie Andrea Günter.

Cora Stephan ist gegen die Quote und schlägt etwas vor, das ihrer Meinung nach besser funktionieren sollte: Frauen sollen in jungen Jahren ruhig weniger arbeiten und Kinder bekommen. Sie haben nämlich andere Prioritäten. Die Lösung für Cora Stephan lautet: Männer sollen ruhig die Chefposten übernehmen, aber mit 50 in Rente gehen. dafür machen frauen eben erst ab Vierzig Karriere. Da schwingt jemand aber fröhlich die Flagge für die Geschlechterdifferenz..

Ui, groovy! Das Blog Spielfeldschnitte hat eine Playlist für die Frauen WM zusammen gestellt.

Eingetragene Partnerschaften FTW! Sowohl die anglikanische Kirche, als auch Facebook führen diesen Beziehungsstatus bei sich ein, kann man auf queernews nachlesen.

Antje Schrupp bloggt über den Krawattenstreit im Bundestag.

leonie kommentiert auf dem Mädchenblog die Bemühungen des US-amerikanischen Repräsentantenhauses, die Gesundheit von Frauen in Gefahr zu bringen und wünscht „weiterhin fröhliches Menstruieren“, auch beim Sex. Wie das besser geht, könnt ihr hier nachlesen.

Für eine bessere Vernetzung der (feministischen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!




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Eintrag geschrieben: Freitag, 18. Februar 2011 um 18:00 Uhr unter Verlinkt. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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11 Kommentare

  1. Silvia sagt:

    http://www.textandcrime.de/

    Noch ein witziges Blog über Mädchenzeitschriften. Sehr schön gemacht.

  2. Thomas sagt:

    Das Thema Mädchenzeitschriften betrifft mich auch immer wieder. Hier hat Nina la Grande die passenden Reaktionen parat :

    „Über 50 Prozent der Titelthemen beschäftigen sich mit den Themen Jungs und Aussehen! Und zwar nicht in der Form, dass den Mädels erklärt wird, dass SIE sich wohl fühlen müssen, sondern dass sie den Jungs gefallen sollen. Ansonsten kriegen sie ja keinen ab. Und das scheint ein riesiges Unglück zu sein.“

    Fr.Bascha Mika hat das Thema auch in ihrem Buch passend thematisiert. Ich sag meiner Tochter immer, wer Dich nicht so mag, wie Du bist, der hat Pech gehabt. Und die lauten Luftpumpen und Luftikusse sind nicht unbedingt das non-plus-ultra zum Glücklichwerden, sondern eher die etwas ruhigeren und sensibleren.

    Die passende Reaktion von Nina la Grande sehe ich hier :

    „Scheißt auf so einen Blödsinn! Seid bunt, seid knallig, seid düster, seid sexy, seid nerdy, seid wild oder brav, seid tussig oder sportlich! Seid einfach so, wie ihr sein wollt! Nehmt keine Rücksicht auf Jungs, die erklären, dass es ihnen peinlich sei, mit knallig angezogen Mädchen herumzulaufen. Dass es Leute gibt, die versuchen, euch sowas als Wahrheiten zu verkaufen, DAS ist peinlich!“

    Ich hab mit meiner Tochter auch schon mehrmals zusammen Mädchenzeitungen angeguckt und über verschiedene Sachen gesprochen. Das bunte, schrille und aktuelle ist natürlich Interesse weckend.

    Zum Schönsein-Kult ala Casting-Mädchenverdummungs-Shows gab es bei FrauTV einen super Beitrag :

    http://www.wdr.de/tv/frautv/sendungsbeitraege/2011/0217/thema_4.jsp

    „…denn sie wollen „up to date“ sein.“ Damit geraten die Mädchen von heute viel früher in das Körperkult-Karussell. Sie finden ihre Vorbilder in Magazinen, in TV-Castingshows oder in anderen Medien.“

    Was gut gewirkt hat, war die Meinung der Sozialpädagogin Fr. Osbelt. Das ist dann etwas ganz anderes als wenn der Papa das sagt – was ja auch in dem Alter langsam normal wird.

  3. Thomas sagt:

    Schönes Statement, darum gehts :

    „Die jungen Mädchen brauchen Unterstützung, damit sie lernen sich in ihrem Körper, so wie er ist, wohlzufühlen.“

    (Homepage frauTV)

  4. Luna sagt:

    Bezüglich den Mädchen/Frauenzeitschriften…
    ich HASSE es, wenn es heißt „Eine Zeitschrift NUR für Frauen/sie/…“ und dann werden durch die Bank Tipps gegeben wie frau den Mann besser beglücken kann, wie sie ihm besser gefallen kann, wie sie ihn einkocht, wie sehr sie devot sein muss, damit er mit ihr nur zärtlich umgeht und bla bla bla…
    Weder ging es da um die Frau an sich, noch um ihr Wohlbefinden. Und was ich auch noch schade finde, ist, dass es kaum „wohlfühl-Zeitschriften“ für Frauen* gibt, die sich nicht als heterosexuell sehen…
    außerdem, was mir mal aufgefallen ist: viele Zeitschriften haben in Ausgabe A den Artikel „Hände weg von Diäten!“ und in Ausgabe B-Z werden neue vorgestellt.
    Dass da viele Jugendliche durch dieses Paradoxon verunsichert werden, versteht sich leider von selbst…

    Früher fand ich die Bravo Girl ganz toll, hab auch noch immer die ganzen Ausgaben, aber wenn ich sie mal genauer durchlese, dann graut es mich…
    Wobei, manche Aktionen, zB „respect the girls“ fand ich schon klasse, jedoch wurden die nicht weitergeführt. War leider nur eine Werbe-Phase.

  5. Halfjill sagt:

    „Eingetragene Partnerschaften FTW! Sowohl die anglikanische Kirche, als auch Facebook führen diesen Beziehungsstatus bei sich ein, kann man auf queernews nachlesen.“

    Das stimmt, wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, aber nur zum Teil. Die anglikanische Kirche führt den Beziehungsstatus nicht ein (bzw., was ja gemeint ist, wird in nährer Zukunft eher keine eingetragen Partnerschaften schließen). Der verlinkte Artikel sagt aus, dass „Eingetragene Partnerschaften bald in britischen Kirchen“ geschlossen werden dürften.

    Das sind zwei entscheidene Dinge: 1. Die britischen Kirchen sind nicht gleichzusetzen mit der anglikanischen Kirche. Die anglikanische Kirche ist nur eine von vielen. 2. Eure Formulierung suggeriert als würde die anglikanische Kirche sich für diese Möglichkeit einsetzen. Das Gegenteil scheint aber der Fall zu sein. Es wird ein Gesetz geändert, welches dann thereotisch die Möglichkeit eröffnet, dass auch Religionsgemeinschaften staatlich anerkannte eingetragene Partnerschaften schließen. Die anglikanische Kirche shließt für sich aber erstmal aus dies zu tun. (Im Gegensatz zu den Quäkern beispielsweise).

  6. Annina sagt:

    Habe gestern auch einen Mini-Artikel, der sich mit Ninia und meiner kostenlosen Glamour-Erfahrung auf dem Heimflug beschäftigt, geschrieben. Kommt morgen auf GCB! LG

  7. Christian Alexander Tietgen sagt:

    Man darf diese Zeitschriften gar nicht ernstnehmen. Wenn man das mit dem Wissen eines Erwachsenen liest, wirkt es verstörend. Als Teenager nimmt man das aber nicht alles für bare Münze. Man sieht ja auch, dass die wenigsten Mädchen sich krankhaft davon leiten lassen. Außerdem wird dieses Bild ja überall propagiert, da lässt sich nicht viel machen.

  8. Helga sagt:

    @Christian Alexander Tietgen Die wenigsten Mädchen lassen sich krankhaft davon leiten, aber es bleibt echt viel hängen. Und es kostet echt Zeit, Arbeit und Anstrengung, sich von diesen Vorstellungen wieder zu befreien. Dass dieses Bild „überall propagiert“ wird, macht es nur noch schlimmer und ist vor allem ein Grund, das eben nicht hinzunehmen.

  9. Maren sagt:

    Ich kann mich erinnern, dass ich mit 14/15 ernsthaft gedacht habe, ich hätte Hängebrüste, weil ich fast nur die Marmordinger aus Zeitschriften kannte.
    Ach ja, und Schlupflider hatte ich auch :)

  10. Christian Alexander Tietgen sagt:

    Irgendwann wird man ja erwachsen und merkt, dass die Jugend nur ein Scherz war. Ich denke, dass Jugendliche sich mit solchen Zeitschriften aus der realen Welt flüchten. Wenn sie aber mit echten Problemen konfrontiert sind, merken sie, dass das alles erfunden ist. Leider gibt es natürlich immer noch ein paar, die nicht erwachsen werden wollen und den Quatsch immer noch glauben. Ich fände es ja auch schöner, wenn sie in den Mädchenzeitschriften vernünftige Sachen schreiben würden. Aber ich weiß auch, dass man das als Jugendlicher gar nicht lesen will und sich bewusst in eine Scheinwelt flüchtet. Das geht irgendwann vorbei, wenn man seine eigenen Entscheidungen treffen muss. Und, so traurig es ist, keine Zeitschrift verkauft sich, wenn sie die Realität abbildet. Man muss etwas bringen, dass die Realität übertrifft, um die Leute anzulocken.

  11. Autofokus sagt:

    Wenn man diese Zeitschriften nicht liest und sich nicht davon leiten lässt, gehört man leider „nicht dazu“. Viele Mädchen haben einfach nicht das Selbstvertrauen und das Selbstverständnis, aus diesem Teufelskreis auszubrechen. Das ist das Problem. Die Zeitschriften nutzen das nur gnadenlos aus…
    Aber im Erwachsenenalter geht das ganze ja weiter. Es gibt doch unzählige Frauenzeitschriften, die vielleicht nicht so übertrieben, aber trotzdem das Bild von der sich anzupassenden Frau kolportieren.