Sommerpause vorbei, Gesellschaft immer noch meh: Still loving Feminismus as if we’re getting paid!

von Charlott
Lass es Sommerpause sein

Lass es Sommerpause sein

„Hatten wir dazu nicht schon einmal einen Beitrag?“ – Eine Frage, die gar nicht so selten auftaucht, denn (leider) bleiben viele Debatten auch über Jahre ganz zeitlos aktuell oder branden ‚plötzlich‘ wieder auf. Statt immer einen neuen Text zu verfassen, juckt es manchmal in den Fingern einfach die älteren Werke vorzukramen und zu posten: „Hier, war schon vor drei Jahren kritikwürdig.“
Eigentlich ist dieser Reflex doch auch gar nicht schlimm, wenn Gedanken schon einmal gut ausformuliert wurden, müssen sie ja nicht in der digitalen Schublade verstauben. Aus diesem Grund haben wir die Sommerpause genutzt und posteten auf Facebook und Twitter Artikel aus den letzten Jahren. Diesen #SommerImArchiv könnt ihr nun auch hier noch einmal gesammelt nachverfolgen. Viel Spaß beim Stöbern! (Und falls ihr unsere Arbeit finanziell unterstützen wollt, freuen wir uns jederzeit über Spenden.)

Fett am Strand. Ist das nicht voll ungesund?!

Sommer, Badestrand oder Freibad – für viele eine unschlagbare Kombination. Doch die Freude wird auch häufig schnell getrübt, z.B. durch fatshamende Kommentare. Im letzten Jahr schrieb Magda zu Fatkinis und Gesundheitsdiskursen:

Ich höre Gefährdung und möchte schreien: Jaaa!! Stolze, glückliche fette Menschen sind gefährlich – weil sie hegemoniale Bilder von den traurigen™ und inaktiven™ Fatties in Frage stellen. Weil manche dicke Menschen einen lauten Furz darauf geben, ob andere es „ästhetisch“ oder „schön“ finden, wenn sie knappe Bikinis oder Neon-Badeanzüge tragen. Dicke Leute, die ihren Körper nicht verstecken, ihn sogar stolz präsentieren? Passt in keine gesell­schaftliche Erzählung über das Dicksein: Dicke Menschen sollen entweder abnehmen oder zumindest sagen, dass sie es tun wollen. Aber doch bitte nicht fett und glücklich im Badeanzug posieren.

Zum Freispruch für George Zimmerman

Im letzten Monat jährte sich bereits zum zweiten Mal der Freispruch für George Zimmerman. Im Juli 2013 schrieb accalmie über das Urteil und seinen Kontext:

Institutionalisierter Rassismus führt dazu, dass drei Mal mehr Schwar­ze US-Bür­ger_in­nen zur To­des­strafe verurteilt werden als weiße. Jener institutionalisierte Rassismus führte auch dazu, dass das Ver­fah­ren ge­gen Geor­ge Zim­mer­man auch zum Ver­fahren darüber wurde, wie Schwarz Tray­von Mar­tin war: wie sehr hood(ie), wie stereo­typi­sier­bar, wie entmenschlich- und entindividualisierbar genug, um eine „beiläufige“ Er­schiessung zu recht­fer­ti­gen.

Feminist Bore-Out

Eine Sommerpause tut aus so vielen Gründen Not – zum Beispiel? Feminist Bore-Out! Ein Phänomen, dessen Name Nadia im letzten Jahr prägte:

Es wird ja auch nicht besser wenn den Leuten™ das Ganze unter dem Deckmantel von “Es geht den Autorinnen ja eigentlich und tatsächlich um Gleichberechtigung!” untergejubelt wird. Und ich weiß auch nicht, womit wir diese ganzen Buchpupser_innen verdient haben. Ich meine, das Problem an all dem wirklich grenzwertigen und problematischen Herrschaftsgelaber der Mainstream-Unterhaltungsliteratur “mit Message”™ ist ja mittlerweile nicht mehr nur, dass in diesen Büchern stringent falsches und empirisch nicht haltbares Zeug behauptet wird – das Problem ist ja auch noch, dass dieses ganze Zeug furzlangweilig ist. Weil immer wieder der immer gleiche Scheiß erzählt wird.

 


Schöne neue Welt – „Hellcome to Germany“

Im August 2013 schrieb Sabine ihr Essay zu Flucht, Asyl, Grenzen, Gewalt. Jetzt zwei Jahre später scheint es aktueller denn je:

Das Leid hat sich nicht verändert, aber die Gesetze sind schärfer. Ein Wunder, wer es schafft über die Wüste, Menschenhändler, Foltercamps oder das Mittelmeer. Es ist Spätsommer, da ist das Mittelmeer etwas ruhiger und die Flucht kann gelingen. Dass weiß auch die Bundes- und Grenzschutzpolizei. Hochsaison, die Jagd hat begonnen. In dieser Welt möchte niemand bloß Mensch sein.


IDAHOT* – Sollten homosexuelle und transgender Personen getrennt kämpfen?

Anlässlich des diesjährigen IDAHOT* schrieb Jayrôme über die Argumente für und wider seperater Kämpfe von transgender Aktivist_innen:

Darum plädiere ich für die Selbst-Organisation jedes einzelnen Buchstabens und dann plädiere ich für unterschiedliche Bündnisse und unterschiedliche Dächer – abhängig vom Thema.

Zum Beispiel wäre ein Runder Tisch zur Gleichstellung der Geschlechter definitiv ein Thema für das CTI-Bündnis: Die cisgender, transgender und intersex Community.

Samstagabendbeat

(Fast) Jeden Samstagabend präsentieren wir euch Musiker_innen unterschiedlichster Genres und Jahrzehnte. Für alle Musikfans, und jene, die es werden wollen, lohnt sich auch da ein Blick ins Archiv. Oder noch einfacher: Auf unsere Youtube-Seite, wo es den Großteil der Songs in einer super Playlist gibt.

Wer war… May Ayim

Am 9. August vor 19 Jahren starb die afro-deutsche Dichterin, Schriftstellerin, Aktivistin May Ayim. Vor fünf Jahren stellte Magda sie in unserer Reihe „Wer war eigentlich…“ vor.

Ehe abschaffen! Und bis dahin: Eheprivilegien umverteilen

Es war eines der Themen des Frühsommers: Öffnung der Ehe. Erst Irland, dann die USA, drumherum viel Konfetti. Nadine forderte stattdessen: „Ehe abschaffen!“

Die Kritik, dass die Institution Ehe im Kern ein kolonialrassistisches, heterosexistisches und kapitalistisches Ordnungs- und Gewaltinstrument ist, das die staatliche Gewalt-Dynamik bis in den persönlichen Nahraum von Menschen wiederholt (siehe Links am Ende des Textes), scheint der „Why not?“ und „Tut ja keine_r weh!“-Stimmung keinen Abbruch zu tun.

Critical Whiteness und das Ende der Sektstimmung

Manchmal muss man die Worte „Critical Whiteness“ nur flüstern und schon sieht man sich konfrontiert mit einer Abwehr-Welle. Oder aber „Critical Whiteness“ wird als Platzhalter für alles, was uncool empfunden wird, genutzt. Egal, ob sinnhafter Zusammenhang oder nicht. Drum heute einen Klassiker zum Thema von Nadia:

Kulturell, sozial, politisch, ökonomisch: Es gibt keine Rassismus-befreiten Zonen in Deutschland. Das ist das Resümee des Buches [Deutschland Schwarz Weiß von Noah Sow], und es schmerzt vielleicht manchen (weißen) Leser_innen noch mehr, wenn ihm_ihr dann auch noch direkt mitgeteilt wird, dass auch er_sie ständig an den vielzähligen Mikromechanismen mitwirkt, ob er_sie es will oder nicht.

Über das Gucken und Sehen: Schwarze Frauen in Deutschland an_erkennen

Was ist der Unterschied zwischen ‚gucken‘ und ’sehen‘? Wie werden Blicke etabliert? Was machen diesen Blicke? Wie sich selbst und andere sehen, erkennen, unter all den *istischen Strukturen? Dazu dieser wunderbare Text von Sharon aus dem Mai:

Insgesamt erzählen die Blicke von Mitgliedern einer mächtigen Gesellschaftsgruppe eigensinnige Geschichten über ein Objekt. Mit der Zeit besitzen diese Geschichten eine größere Autorität, als was das Objekt jemals könnte. Jedoch ist die Information, die das „Gucken“ bietet, unvollständig, da die Kommunikation nur in eine Richtung geht. Gucken ist nicht das Gleiche wie Sehen. In einem Kontext, in dem der weiße männliche Blick dominiert, wurden Schwarze Frauen immer angeguckt aber selten gesehen.


Über Verlust und Trauer

Noch relativ frisch in unserem Archiv dieser wichtige Texte über Gefühle und Erfahrungen mit dem Tod von Eltern sowie den Umgang mit Trauer und Trauernden (auch in queer-feministischen Kontexten).

In unseren Communities heißt es oft: Familie ist nicht nur die Herkunftsfamilie, lasst uns mehr über Wahlfamilie sprechen! Die theoretische Auseinandersetzung derjenigen, die dann trotzdem zu ihren Eltern nach Hause fuhren, wurde für mich praktische Realität. Ehrlich gesagt hat es sich nicht so befreiend angefühlt. Meine Traurigkeit kann ich nicht dekonstruieren.

Warum ich nicht mehr über ‚Hate Speech‘ diskutieren will

In regelmäßigen Abständen ist sie wieder da: die Hate-Speech-Debatte. Wer ist betroffen? Warum gibt es so viel Hass im Netz? Etc. Charlott schrieb im Mai darüber, warum sie zu mindestens den Begriff nicht mehr hören kann:

Ja, ich mag Hate Speech nicht – also natürlich zum einen die Akte, die mit dem Konzept gemeint sind (wie überraschend, ich mag es nicht bedroht und beschimpft zu werden), aber eben auch den Begriff ‚Hate Speech‘ an sich. Mich stört, dass der Begriff schnell relativ entpolitisiert verwendet werden kann. Dann wird plötzlich über die ‚Debattenkultur‘ im Internet diskutiert und nicht mehr über Macht- und Diskriminierungsverhältnisse.

Renate Künast, der Vergewaltigungsparagraph 177 und die Unzulänglichkeiten des Rechtsstaats

Im Februar wandte sich Renate Künast in einem Beitrag auf Zeit Online an Thomas Fischer, Richter am Bundesgerichtshof, und seine Behauptung im Sexualstrafrecht bestehe kein Handlungsbedarf. Nadine analysierte die Debatte:

Die Diskussion über die Reform von §177 ist nicht nur eine über die Strafbarkeit von Vergewaltigung, sondern auch eine über das Subjekt des deutschen Rechts. Über Dogmen, die vorgeben, dass das Strafrecht kein Opferrecht ist, das nach Gerechtigkeit strebt, sondern ein Täterrecht, das vorgibt fair gegenüber allen Beteiligten zu sein und ggf Sanktion ausübt (und die Bedingungen von „fair“ nicht mehr zur Debatte stehen), kein Recht für, sondern ein Recht gegen. Eine Diskussion darüber, dass Rechtsgüter (egal ob menschlich oder nicht), vor dem Gesetz so gleich behandelt werden, dass bestehende Hierarchien und Machtverhältnisse schlicht nicht stattfinden. Eine Diskussion darüber, dass der Täter im Strafrecht immer „der Andere“ ist, aber nie das Rechtssubjekt selbst: die Norm (weiß, cis-typ, hetero, gesund, deutsch, staatsbürger, christlich säkular). Und wenn doch, muss eben eine Abweichung herbeikonstruiert werden, um das Tatmotiv zu verdecken („verrückter“ Einzelgänger) und bestenfalls noch Mitleid abzunötigen („er konnte halt nicht anders“).


Reproduktive Rechte im Kontext – der Winterpodcast

Anfang 2014 fanden sich accalmie, Anna-Sarah und Charlott bei Nadia in Bielefeld ein. Neben gemütlichen (und langem) Pizza-Abend haben wir vor allem einen Podcast produziert zu reproduktiven Rechten. Ziel war es über die dominanten Fragen zur ‚Pille danach‘ und Abtreibung hinauszugehen, größere historische Kontexte zu diskutieren und die Weite des Felds anzudeuten.

Wir sprechen unter anderem darüber, wo eigentlich das Konzept von ‚reproduktiven Rechten‘ auftauchte, an wen sich Anrufungen des Familiengründens richten, Abtreibungsrecht in der DDR, und wie heterosexistische, cissexistische, ableistische, klassistische sowie rassistische Vorstellungen mit dem Thema verküpft sind.

Hat jemand „Knutschverbot“ gesagt?! – Critical Hetness 101

2013, einer der Höhepunkte der Debatte um (vollkommen fiktive) Knutschverbote. Anna-Sarahs Text dazu und zum Hinterfragen alltäglicher Praxen bleibt ein Knaller:

Die Welt verändern, solidarisch sein und alles so machen wie ich es gewohnt bin oder es mir selbst am besten passt – manchmal geht das nicht alles gleichzeitig. Auch die sophisticatedste Argumentation, warum es jetzt gerade speziell in meinem Fall alles ganz anders ist, führt da nicht dran vorbei. Auch wenn’s keinen Spaß macht. So fühlen sich Machtstrukturen an.

„Gesundheit“ ist ein Machtbegriff

Mit dem Begriff ‚Gesundheit‘ wird auch häufig eher unreflektiert um sich geschmissen. Hannah hat den Einsatz analysiert und herausgearbeitet, wie die Norm von ‚Gesundheit‘ produziert wird und ebenfalls als Machinstrument wirkt:

Mit jeder Forderung nach “gesunden Körperbildern” werden die existierenden Körperbilder pathologisiert und das Spektrum, das “Gesundheit” haben kann, enger gesteckt. Wieder geht eine Kluft auf zwischen “okay” (weil sogenannte, so definierte, “Gesundheit” mit Selbstbestimmung und Unversehrtheit belohnt wird) und “nicht okay” (weil sogenannte – so definierte “Krankheit” mit Stigmatisierungen, die wiederum zu Diskriminierung im Recht auf Selbstbestimmung und Unversehrtheit einhergehen).

Rassismus raus aus Kinderbüchern

Die Kinderbuchdebatte. Wir befinden uns wieder im Jahr 2013. (Was war in dem Jahr eigentlich los?!) Eine Zusammenfassung gab es von Lisa:

‘Zeter! und Mordio! Kultur­verfall! Und Sprach­polizei! Und Säu­berungs­kam­pagne! Und sowieso, Political! Correct­ness!’ regt sich die Presse von FAZ über Deutsch­land­funk bis Spiegel auf. (Die Artikel wurden ab­sicht­lich nicht ver­linkt, am harm­losesten ist noch dieses Interview mit Paul Maar.) In all dieser Auf­regung, wird, so oft es sich ir­gend­wie unter­bringen lässt, genussvoll das diskriminierende N*Wort geschrieben, am besten schon in der Überschrift. Dabei offenbart sich, neben teilweise erschreckend reaktio­närem Ge­danken­gut, eine un­glaub­liche Ignoranz und Un­sensi­bili­tät.

Wenn ihr übrigens nach Lesetipps (für jüngere und ältere Leser_innen) sucht, dann lohnt sich immer ein Blick in unsere Feministische Bibliothek.

Aus dem Wortschatz streichen: „Fremdbetreuung“

Jetzt, wo vor einigen Wochen, der Bundesgerichtshof die bundesweite Einführung des Betreuungsgelds als verfassungswidrig einstufte, ist auch mal wieder ein guter Zeitpunkt den Text zu ‚Fremdbetreuung‘ von Melanie aus dem Archiv zu zerren:

„ich möchte mein kind nicht so früh fremd betreuen lassen/abgeben…“ höre ich oft. wenn ich dann nachbohre, was „fremdbetreuung“ heißt, stehen dahinter konkrete formen von betreuung, die nicht erwünscht sind: betreuung, für die bezahlt wird. anders kann ich es mir oft nicht erklären, warum es ok ist, dass oma an vier vormittagen das kind bespaßt, aber die tagespflege oder die kita abgelehnt werden. und zwar auch von menschen, die sich solche betreuung grundsätzlich finanziell leisten können.

Warum der BMI scheiße ist (und ich kein Sellerie mag)

Ein Text, der Standardlektüre sein sollte: Magda erklärt im Juli 2014, warum der BMI nicht wirklich irgendetwas aussagt und bitte in der Schublade verschwinden sollte.

Es gibt nicht das „gesunde“ Essen auf der einen und das „ungesunde“ Essen auf der anderen Seite. Genauso wenig ist es sinnvoll, auf irgendwelche Rechnungen zu vertrauen, wenn es darum geht, Körper in „gesund_normal“ (BMI 20 – 25) und „risikobehaftet_krank“ (BMI ab 25) einzuteilen. Körper überhaupt in diese Kategorien einzuteilen ist, pardonnez-moi, kackscheiße!

Mehr wichtige Beiträge gibt es außerdem in der Reihe „(Mein) Fett is politisch„.

Fragmente

Viel zu seltene Form bei der Mädchenmannschaft: Lyrik. Darum aus dem Archiv die berührenden und erschütternden „Fragmente“ von Sabine.

Jenseits von „choosing my choice“ und „käuflichem Geschlecht“ – feministische Debatten über Sexarbeit

Ein feministisches Dauerbrenner-Thema: Sexarbeit. Anna-Sarah schrieb im November 2013 einen Beitrag, der einen differenzierten Blick auf die allgegenwärtigen Argumente und weitere Leerstellen anbietet.

Wodurch kann ich als Feministin Sexarbeiter_innen unterstützen/Solidarität zeigen – und zwar gleichermaßen jene die sagen, dass sie ihren Job gern machen und keinen anderen wollen; jene die sagen, dass sie ihren Job zwar nicht sonderlich toll finden, es für sie aber aus Gründen ihr Weg zum Geldverdienen ist; jene die sich um eine Alternative zur Prostitution bemühen; und besonders auch jene die von unmittelbarem Zwang und Gewalt betroffen sind? Und das erstmal ganz unabhängig von der Frage, ob und aus welchen Gründen ich eine Gesellschaft ohne Prostitution grundsätzlich für wünschenswert halte oder nicht? Ich würde mir wünschen, dass ein solcher Ansatz immer als Prämisse über Debatten stünde, wie wir sie hier führen.


Ablasshandel oder solidarische Handlung? Über Umverteilung mittels Geldspenden

Über Geld reden ist ja immer so eine Sache – eine ganz wichtige eigentlich. Im letzten Juli machte sich Nadine Gedanken zu den Politiken rund ums Spenden:

Insofern halte ich es für Luxus und wenig praktikabel erstmal unter uns weißen zu diskutieren, ob Spenden an unterstützenswerte Organisationen, Vereine und Projekte dem weißen Gönnertum zuträglich sind, das eigene Gewissen erleichtern oder sonst wie problematisch im Hinblick auf die Reproduktion von white supremacy (weißer Überlegenheit) sind. Es geht schließlich auch nicht um ein Entweder (spenden) – Oder (anders unterstützen). Solidarische Handlungen sollten im besten Falle auf mehreren Ebenen erfolgen, angefangen bei eigener Weiterbildung oder Übernahme von Tätigkeiten, die keine repräsentativen Zwecke haben (infrastrukturelle, organisatorische arbeiten im Hintergrund, für die in diesem fall weiße keine öffentliche Anerkennung erhalten).

Die Politik Schwarzer Haare

In ihrem ersten Artikel, den accalmie jemals für die Mädchenmannschaft schrieb, diskutierte sie die Politik Schwarzer Haare zwischen Rassismus, Hierarchien und Solidaritätspotential:

Dass auch die Mehrheit der Friseur_innen in Deutschland nicht mit Schwarzen Haaren umgehen kann, ist angeblich aber nicht etwa deren mangelnder Ausbildung durch Ignoranz gegenüber nicht-weißen Kund_innen geschuldet, sondern mein eigener Fehler, weil meine natürliche Haartextur nicht angemessen gebändigt ist, um damit irgendetwas anfangen zu können. Während ich also Pflege­­mittel im Internet bestelle oder in den Afro-Shop (oder in den USA in die „ethnic hair section“) wandere, bleiben weiße (Haare) ethnienlos, und sind unmarkierte „Normalität,“ von der alle(s) andere(n) abweichen. Schwarze Haare sind ein zentrales Element dieses als weniger wert definierten „Anders­­seins“, mit dem Rassismus People of Color kategorisiert.

Buschkowsky: Die Stimme des Blutes deines Bruders

Als im September 2012 die Vorabdrucke des rassistischen Buchs „Neukölln ist überall“ des SPD-Politikers Heinz Buschkowsky erschienen, schrieb Nadia diesen immer noch absolut empfehlenswerten Text:

Buschkowsky ist 1948 geboren. Ich kam 1980 auf die Welt. Als er 1991 das erste Mal Bezirksbürgermeister wurde, wurde ich von meiner Klassenlehrerin im Unterricht nach vorne gebeten, damit ich erklären sollte, wie ich mich zum Irak-Krieg positioniere. Ich wusste damals nicht, wo der Irak liegt, aber das interessierte die Lehrerin nicht – als ethnische Schwester im weitesten Sinne würde ich ja schon etwas irgendwie Erhellendes sagen können.


Pink stinkt nicht, ihr Lauchs!

Der zweite Text von Hengameh, der bei der Mädchenmannschaft veröffentlicht (in diesem Fall gecrosspostet) wurde.

Interview mit Peggy Piesche über Lesben in der DDR: „Sichtbarkeit kann niemals nur die eigene sein“

Im Mai diesen Jahres konnte Nadine Peggy Piesche interviewen zu Lebensrealitäten und Aktivismus von Lesben in der DDR. Eigentlich hätte das Gespräch im Freitag erscheinen sollen, warum dies nicht geschah, beschreibt Peggy Piesche selbst in dem Nachtrag „Die Bequemlichkeit der Ignoranz“ unterhalb des Interviews:

Dagegen [journalistische Standards einzuhalten] ist nichts einzuwenden. Allerdings dagegen schon, ein politisch wichtiges Thema so runterzukochen und reißerisch aufzumachen, dass es für die zwei beteiligten Perspektiven nicht nur nicht mehr wiederzuerkennen, sondern auch schlichtweg entperspektiviert und entpolitisiert wird. In meinen Gesprächen mit Frau Löffler [Community-Managerin/ Onlineredakteurin beim Freitag] wurde das Problem schon schnell ersichtlich. Die „Leserschaft“ schien aus einer homogenen Masse einer heteronormativen weißen, westlichen Erfahrungswelt zu bestehen. Alle Referenzen auf eine Erfahrungswelt in der DDR, wie z.B. die gesellschaftliche Bedeutung von „unter dem Dach der evangelischen Kirche“ bzw. eine geanderte, marginalisierte und rassifizierte Perspektive wurden mainstreamfähig aufgepappt.

trans*parent – trans* und Elternschaft

Im März konnten wir einen Gastbeitrag von E veröffentlichen, in dem E über die Komplexitäten des Eltern- und gleichzeitig trans*-Seins schreibt.

ich laufe also bei dieser erzwungenen geschlechter ordnung gegen wände an. trotzdem finden sich manchmal wände, die ich einbrechen kann, wände, die andere vor mir eingebrochen haben und (schutz-)wände, die ich mir selber gebaut habe – wege, lücken oder kompromisse.

Wir haben die Definitionsmacht!

Ein feministisches, anti-*istisches Dauerthema (und gern auch von Kritiker_innen aufgegriffen): Sprache. Wie drücken wir uns aus? Welche Begriffe nutzen wir? Welche sollten wir weglassen? Und was ist der Effekt. Zu all diesen Fragen ein Plädoyer von Sharon:

Es gilt anzuerkennen, dass bestimmte Wörter verbrannt sind. Das Wort „Endlösung“ können wir nicht mehr verwenden, um zum Beispiel über das Ergebnis einer Rechenaufgabe im Matheunterricht zu sprechen, denn es hat eine grausame Konnotation. Klar ist auch, dass die Intention der sprechenden Person hierbei nicht maßgeblich ist. Andere Wörter, die mit Gewalt, Hass und Verbrechen konnotiert sind, gehören ebenfalls auch nicht in unserem Wortschatz. Als Amadeu Antonio 1990 in Eberswalde von Rechtsradikalen zu Tode getreten wurde, und als ich im gleichen Jahr an einer Bushaltestelle in Hannover von einem Nazi angeschrien und bedroht wurde, sind dieselben rassistische Bezeichnungen gefallen, über die in Deutschland 2013 immer noch hitzig diskutiert wird, ob sie wirklich aus Kinderbüchern gestrichen werden sollten.

Die Feministische Feuerwehr

Bevor es wieder mit dem Blog-Alltagsgeschäft weitergeht ein friendly reminder in Form eines Texts von accalmie: Es gibt keine Feministische Feuerwehr!

Seien es obsessiv gesetzte Pingbacks oder konstante Lektüre-„Tipps“ von allies (Verbündeten): offenbar herrscht die kuriose Annahme vor, dass es so etwas wie eine Freiwillige Feministische Feuerwehr gäbe. Jene wird gerufen, wenn erneut die antifeministische Argumentationsschablone zum Einsatz kam und die Feministische Feuerwehr nun das Sexismusinferno löschen soll.

Und damit auf in den Rest von 2015!




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 1. September 2015 um 9:00 Uhr unter Verlinkt. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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5 Kommentare

  1. Hotzenplotz sagt:

    Hallöchen allerseits,

    ich habe mir aufgrund der Verlinkung hier Anna-Sarahs Artikel zur Sexarbeit durchgelesen. DANKE dafür, er hat mir geholfen, für dieses – wie schon treffend bemerkt – sehr emotionale Thema eine klare Haltung zu entwicklen! Da trink ich mir jetzt ein Bierchen darauf :)

  2. Ylfa sagt:

    Beim Selbermach-Sommer sind die Kommentare gerade geschlossen, kann das sein? Oder ist das nur bei mir so?
    Jedenfalls wollte ich noch auf die Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zu Diskriminierungserfahrungen hinweisen:
    http://www.netzwerk-iq.de/news_start.html?&cHash=04f59ee10b34df3d47f716adba594475&tx_ttnews%5Btt_news%5D=3187

    Ich habe schon daran teilgenommen. Wie oft bei solchen Umfragen sind die Fragen recht allgemein gestellt, aber es gibt jede Menge Freiflächen zum Kommentieren. Zuerst gibt es zwei Fragen-Blöcke zu spezifischen Diskriminierungserfahrungen, dann kommen persönliche Fragen.

  3. Charlott sagt:

    @Ylfa: Die Kommentare unter Artikeln werden automatisch nach zwei Wochen (beim Selbermach-Sommer vier Wochen) geschlossen. Der nächste Selbermach-Sonntag steht aber in ein paar tagen „zur Verfügung“ :) . Auf die Umfrage haben wir auch im heute erschienen „kurz verlinkt“ hingeweisen (mit ebenfalls kurzer Einschränkung).

  4. Ylfa sagt:

    @ Charlott:
    Danke! Sorry, ich bin offenkundig eine Trantüte und werde beim nächsten Mal sorgfältiger lesen. :-D