Slutwalk – Feminismus mit kurzer Laufzeit

von Nadine

Der Artikel ist zuerst in der aktuellen Ausgabe von Analyse & Kritik erschienen

Die weltweite Slutwalk-Bewegung hat seit vergangenem Jahr auch hierzulande große Wellen geschlagen – und ging am Ende doch unter. Eine Spurensuche.

Die Gründungserzählung der Slutwalk-Bewegung hat sich eingebrannt: Ein Polizist erklärt Teilnehmerinnen eines Sicherheitstrainings an einer Universität in Toronto, sie mögen sich bitte nicht wie „Schlampen“ kleiden, wenn sie sich nicht sexualisierter Gewalt aussetzen wollen. Wenige Wochen später gehen tausende Menschen in Toronto und danach weltweit auf die Straße um gegen sexualisierte Gewalt und Vergewaltigungsmythen zu protestieren.

Der Polizist aus Kanada ist kein tragischer Einzelfall, sexualisierte Gewalt und ihre Verharmlosung bis hin zur Normalisierung sind massenmedial verhandelte Phänomene, wie das aktuelle Spiegel-Interview mit Jörg Kachelmann und seiner Ehefrau zeigt. Es sind Effekte eines patriarchalen wie sexistischen Machtgefälles, welches die Gesellschaft nach wie vor bedingt und formt. Insofern ist es nicht überraschend, dass die Slutwalks international unzählige Nachahmungen fanden.

Eineinhalb Jahre später gibt es die Slutwalks immernoch, allerdings ist die Beteiligung an den Demonstrationen im Vergleich zum vergangenen Jahr stark zurückgegangen, auch die mediale Präsenz des Slutwalks und seinen transportierten Botschaften ist spürbar gesunken. Wer nicht in bestimmten feministischen und frauenpolitischen Kontexten unterwegs ist, hat vielleicht sogar verpasst, dass hierzulande Menschen gegen sexualisierte Gewalt und Vergewaltigungsmythen auf die Straße gegangen sind.

Zeitgemäßer feministischer Widerstand?

Die Slutwalks stellen sich in eine radikalfeministische Tradition der Kritik an der patriarchalen Reglementierung weiblicher Körper und Sexualität. Verknüpft wurde diese Tradition mit politischen Ausdrucksweisen des sogenannten „Dritte Welle“-Feminismus, der Erzählungen und erkämpfte Grundsätze aus früheren feministischen Bewegungen aufgreift, einen statischen wie engen Politikbegriff aufbricht und kulturelle Erzeugnisse wie selbstironisierende Performances in die eigene Vermittlungsarbeit einbezieht. Die Riot Grrrl Bewegung, die oft als Beispiel für diesen „Feminismus der dritten Welle“ genannt wird und im Zuge derer sich bereits vor 20 Jahren die damalige Bikini Kill Frontfrau Kathleen Hannah das Wort „Slut“ auf den Bauch schrieb, um den voyeuristischen Blick auf ihren eigenen Körper umzudrehen, fand sich auch in den Slutwalks wieder. Insofern stehen Slutwalks für zeitgemäßen feministischen Widerstand. Nur was bedeutet diese Aktualität letztendlich? Und zu welchem Preis passiert dieser Widerstand? Die an den Slutwalks geäußerten und nach wie vor bestehenden Kritiken konstatieren nicht viel Positives.

Wenige Wochen nach den ersten Demonstrationen im nordamerikanischen Raum im letzten Jahr wurde feministische Kritik an der Form und Zusammensetzung der Slutwalks laut, die bis heute in großen Teilen ungehört zu bleiben scheint. Kritisiert wurden nicht nur der Name und die damit einhergehende Aneignungs- und Umdeutungspolitik, die mit den Begriffen „Slut“ und „Schlampe“ zunächst vollzogen werden sollte, sondern auch der Slutwalk selbst, der in Nordamerika und Westeuropa hauptsächlich von weißen, gut situierten, in der Mehrzahl heterosexuell lebenden Frauen initiiert und getragen wurde.

Wunsch vieler Organisator_innen war es stets, Slutwalk als gemeinsamen Kampf zu begreifen, der sich über nationalstaatliche Grenzen und Differenzen unter Feminist_innen hinwegzusetzen vermag. Reichlich naiv ist daher die Vorstellung, dies könne durch ein Label verwirklicht werden, dem Ausschluss und Verletzung zu Grunde liegen. Denn neben der Kritik, der Begriff könne gar nicht die vielfältigen Formen sprachlicher Erniedrigung von unterschiedlich sozial positionierten Frauen reflektieren, ging mit der Aneignung und gewollten Aufwertung des Begriffes durch die Organisator_innen und Aktivist_innen in der Konsequenz eine Abwertung und Entsolidarisierung von all jenen einher, die sich nicht durch einen entsprechenden Habitus oder den Ruf nach sexueller Befreiung von diesem Label mindestens temporär freisprechen können.

Mitglieder der Sexarbeiter_innen-Selbstorganisation Hydra e.V. und forderten von den Organisator_innen des letztjährigen Berliner Slutwalks, sich mit dem paternalistischen und herabwürdigen Blick vieler Feminist_innen auf Sexarbeiter_innen auseinanderzusetzen. Sie wünschten sich nicht nur eine oberflächliche Adressierung ihrer Interessen, sondern konkrete Maßnahmen zur aktiven Einbeziehung von Sexarbeiter_innen in die Kämpfe des Slutwalks. Die Antidiskriminierungsorganisation LesMigras wies im gleichen Atemzug auf die fehlende Sensibilisierung hinsichtlich der Überlagerung von sexistischen und rassistischen Strukturen hin.

Auf diese konkreten Kritiken wurde unzureichend oder gar nicht reagiert. Die Organisation eines städteübergreifenden Slutwalks an einem festgelegten Datum genoss beispielsweise höhere Priorität als der Umgang mit selbstverschuldeten Ausschlüssen.

Sichere Räume versus mediale Aufmerksamkeit

Obwohl in diesem Jahr also die Kritik an der Begrenztheit des Labels „Slut“ bzw. „Schlampe“ nicht nur aus dem US-amerikanischen Raum bekannt war, nannten die Organisator_innen eine Soli-Party für den aktuellen Berliner Slutwalk schmerzbefreit: „Alles Schlampen – auch Mutti“. Ironischerweise wird damit nicht nur die fortwährende Kritik am Begriff komplett ignoriert, sondern gleichzeitig wiederholt, was eigentlich Gegenstand der Kritik von Demonstrierenden war und ist: Die Zurückweisung von sexistischen Beleidigungen und Fremdbezeichnungen. Auf der Veranstaltung selbst kam es mehrfach zu sexualisierten Übergriffen von Partygästen. Die Veranstalter_innen distanzierten sich später von den Vorfällen. Obwohl die unzureichende Awarenesspolitik an dem Abend, die es Tätern ermöglicht habe, sich sanktionsfrei an anderen Partyteilnehmer_innen „zu bedienen“, mehrfach bemängelt wurde, war bei den Organisator_innen von Verantwortungsübernahme nichts zu spüren.

Ähnliche Bedenken wurden vor dem Münchener Slutwalk geäußert, nachdem bekannt wurde, dass die Demonstrationsroute direkt am Gelände des Oktoberfestes entlang führen werde. Der Wunsch nach einem halbwegs sicheren Raum für alle potentiellen Teilnehmer_innen des Slutwalks wurde mit der Begründung, es gäbe dadurch viel mehr Aufmerksamkeit für den Walk, vom Tisch gefegt. Mögliche retraumatisierende Erlebnisse oder sexualisierte Übergriffe stellten für die Veranstalter_innen kein Argument dar.

Offenbar ist es vielen Veranstalter_innen der Slutwalks sowie Demonstrationsteilnehmer_innen wichtiger, nicht als „Opfer“ zu gelten, deren Handlungsfähigkeit und Bewegungsfreiheit durch patriarchale Strukturen eingeschränkt wird, denn einen möglichst breit aufgestellten und nachhaltigen Protest zu ermöglichen. Die Sichtbarmachung als Betroffene von Sexismus, die solch eine Demonstration zwangsweise mit sich bringt, reicht schon, um antifeministische Klischees der ewig nörgelnden Emanze zu reproduzieren und sich von Menschen abzugrenzen, die nicht Handlungsfreiheit und Schutz gegeneinander ausspielen wollen.

Historische Konfliktlinien feministischer Kämpfe

Die vielfältigen Kritiken an den Slutwalks mögen auf den ersten Blick vielleicht als ein ausschließlich von identitätspolitischen Ansprüchen getriebener Interventionsversuch erscheinen. Allerdings zeigen die Demonstrationen, ihre massenmediale Verhandlung und der Umgang der einzelnen organisierenden Slutwalk-Gruppen mit diesen Kritiken deren elementare Bedeutung: An den Slutwalks werden Verwerfungslinien, die sich durch die Historie feministischer Kämpfe ziehen, sichtbar. Die Fragen nach Solidarität, Bündnispolitik, Utopien, reformistischer oder radikaler Gesellschaftskritik stellen sich im Feminismus immer wieder neu, weil Gesellschaft nicht statisch einfach nur „da ist“, sondern sich widersprüchlich und prozesshaft verhält. Deshalb sollten diese Fragen von Feminist_innen immer wieder aufgegriffen und verhandelt werden. Allerdings halten es viele Aktivist_innen schlicht nicht mehr für nötig, sich mit innerfeministischen Kritiken auseinanderzusetzen, die seit jeher Anstoß und Motor feministischer Ideen und Widerstandsstrategien gewesen sind.

Ein positives Beispiel zeigt die Gruppe „enter_the_gap!„, die aus der Organisationsstruktur des vergangenen Hamburger Slutwalks hervorgegangen ist. „Uns ist bewusst geworden, dass unsere eigene Perspektive Mittelpunkt der bisherigen Arbeit darstellte – und dass wir somit ein ‚feministisches WIR‘ produziert haben, was in dieser Form nicht existiert. Das wollen wir ändern, vor allem durch Fragen wie ‚wer spricht?‘ und ‚wer spricht für wen?‘ bei der Organisation unseres Protests“, erklärten zwei Mitglieder der Gruppe vor einigen Wochen in einem Interview und ließen den großen Worten Taten folgen: Ende August fand eine Aktionswoche mit Workshops unter anderem zu Intersex, Antisemitismus, Sexarbeit, Porno und Rassismus statt. Am 8. September folgte eine Demonstration mit mehreren Kundgebungen durch die Hamburger Innenstadt. Damit reagieren „enter_the_gap!“ nicht nur produktiv auf innerfeministische Kritiken, sie verhalten sich zudem verantwortungsvoll gegenüber feministischen Kämpfen, in deren Tradition sie sich stellen. Hoffentlich bleiben sie hierzulande zukünftig keine Ausnahme.




Tags:

Eintrag geschrieben: Dienstag, 30. Oktober 2012 um 15:00 Uhr unter Aktivismus, Geschichte, Körper. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



Anzeige



33 Kommentare

  1. trippmadam sagt:

    War die Route des Münchner Slutwalks von den Organisator_innen so gewählt oder war das die vom Ordnungsamt vorgegebene Route? Weiß das jemand?

  2. Nadine sagt:

    Hey trippmadam,

    hier äußern sich die Organisator_innen zur Routenpolitik (leider nur auf Facebook) https://www.facebook.com/SlutWalkMunich/posts/362508863830570

    Zwar wurden einige mögliche Strecken nicht genehmigt, doch waren die offenbar eh nie geplant. Ich spekuliere, dass letztlich gelaufene Route schon im Vorfeld abgesprochen und geplant wurde, ohne die Wiesn zu berücksichtigen. Das ist mEn nach fahrlässig, hätte sich jedoch auf die Kritik und Hinweise hin ändern lassen. Stattdessen wurde eben die Strecken/Plätze verwiesen, die nicht genehmigt wurden und das „Aufmerksamkeitsargument“ ausgepackt.

  3. Slutwalk München sagt:

    Liebe Leute,
    Es ist absolut nicht so, dass wir aufgrund von „Aufmerksamkeitsheischerei“ an der Wiesn vorbeigezogen sind. Für unsere Route (wie wir auch schon auf unserer Seite gepostet haben) gab es zwei Gründe: Erstens wäre eine andere Route tatsächlich nicht vom KVR genehmigt worden. Das viel gewichtigere Argument für uns war jedoch, dass wir an ebendiesen Stellen, an denen sexualisierte Übergriffe geschehen (und so ein Ort ist die Wiesn traurigerweise nun einmal), unsere Präsenz zeigen wollte. Denn Slutwalk richten sich an Betroffene, sie sollen sagen: „Du bist nicht allein und du bist nicht schuld!“. Und diese Botschaft wollten wir an den Ort tragen, an dem sie explizit benötigt wird: die Wiesn. Wir haben im Vorneherein eine lange Diskussion über die Route geführt, als uns bewusst geworden ist, dass zu dem Demotag noch Wiesn ist. Dann haben wir aber entschieden, dass wir uns nicht einschüchtern lassen wollen und dass es ein Fehler wäre,vor der Wiesn zu „kuschen“. Hätten wir die Route geändert hätte das für uns die Aussage von „wir wollen sagen, dass wir im kurzen Rock an der Wisn vorbeilaufen können müssen, ohne dass das irgendjemandem das recht zu irgendwas gibt. Aber real an der Wiesn vorbeilaufen wollen wir trotzdem nicht.“ gehabt. Um die Sicherheit zu gewährleisten, haben wir eine große Menge an OrdnerInnen gehabt. Und tatsächlich ist die Demo vollkommen friedlich und ohne Zwischenfälle abgelaufen. Es gab keinerlei Probleme aufgrund der Route!

  4. Nadine sagt:

    @Slutwalk München

    Gut, dass nach euren Einschätzungen nichts passiert ist. Ob es tatsächlich keine Zwischenfälle gab, könnt auch ihr nicht sagen. Und eben genau das Argument von Aufmerksamkeitwollen statt „kuschen“ kritisiere ich ja. Die Wiesn, auf der jedes Jahr hunderte sexualisierter Übergriffe passieren, ist nun mal kein halbwegs geschützter Ort, auch nicht mit einer Vielzahl von Ordner_innen. Dass allein schon durch die Routenwahl, für die ein halbwegs geschützter Raum für Betroffene nicht genug Wertigkeit besessen hat, wie die Aufmerksamkeit, die durch einen Walk an der Wiesn generiert wird, Menschen respektive Betroffene ausgeschlossen werden, teilzunehmen, zeigt, dass ihr diesbezüglich wenig Sensibilität zeigt. Auch, dass für Münchner_innen offenbar nicht klar ist, dass jedes Jahr zur gleichen Zeit das Oktoberfest stattfindet…

    Es gab Kritik an der Routenwahl im Vorfeld, die nicht gereicht hat, um eine andere Demoroute zu wählen. Mich würde interessieren, welche Routen die KVR die nicht genehmigt hat, die ganze Stadt war wohl nicht gesperrt für mögliche Routen.

  5. Maraike sagt:

    Zunächst, ich war nicht dabei und ich habe das ganze nur am Rande mitgekriegt, weil ich außer Landes bin. Ich verstehe im Allgemeinen die Kritik an der Route, am Begriff Slutwalk und an der mangelnden Integration von Sexarbeiterinnen. Was ich nicht verstehe, ist das hier:
    „Eineinhalb Jahre später gibt es die Slutwalks immernoch, allerdings ist die Beteiligung an den Demonstrationen im Vergleich zum vergangenen Jahr stark zurückgegangen, auch die mediale Präsenz des Slutwalks und seinen transportierten Botschaften ist spürbar gesunken.“
    Wie bitte soll man die mediale Präsenz erhöhen, wenn man im Niemandsland protestiert? Und was ist da auf einmal los, dass die mangelnde mediale Präsenz unkritisch den Veranstalter_innen in die Schuhe geschoben wird, wo sonst immer auf der male white heterosexual Presse eingedroschen wird (zu recht)?
    Und wie bitte soll eine safe Zone geschaffen werden, wenn beim Slutwalk recht viel nackte Haut gezeigt wird und das Männer* oft geradezu als Einladung sehen? Wir leben in einer Welt, in der die Straße niemals nirgendwo ein sicherer Raum für Frauen ist. Wir leben nicht in einer Utopie! Das bedeutet, dass der Slutwalk an sich Betroffene ausschließt, das liegt am Konzept, nicht an der Route. (Btw kann es wahnsinnig erfrischend sein, sich mit 100 wütenden Frauen gegen ein paar Arschlöcher zu stemmen, die gerade einen Kommentar losgelassen haben – so in Frankreich erlebt, und es war ein höchst empowernder Moment für mich, der mir in späteren Situationen enorm geholfen hat, angelehnt an hollaback) Was Hamburg gemacht hat, ist toll – es ist aber nicht mehr das Konzept Slutwalk (dessen Konzept berechtigterweise umstritten ist), es ist etwas anderes, tolles, neues.
    Im Übrigen wird man immer etwas finden, das an der Route total scheiße ist. Letztes Jahr sind wir durchs Bahnhofsviertel, weil es da viele „Erotiklokale“ gibt, und wir (da kannst du uns gerne Naivität ankreiden, zu dem Zeitpunkt waren die meisten der damaligen Organisator_innen nämlich unbeschriebene Blätter) wollten uns damit mit den Sexarbeiterinnen solidarisieren. Was hat die SZ draus gemacht? Sie hat mir Rassismus in den Mund gelegt, indem sie geschrieben hat, dass ich wohl damit rechne, dass ich in den Straßen „mit überdurchschnittlich hohem Anteil an Arabern und Türken“ (sic) mit mehr Übergriffen zu rechnen ist…
    Ich gebe langsam auf, irgendwas in Richtung feministischen Aktivismus unternehmen zu wollen außer Guerillaaktionen, denn ich hab das Gefühl, dass egal was man macht, man es falsch macht – im Gegensatz zu zum Beispiel critical whiteness, wo ich jedesmal nachvollziehen kann, warum wo was kritisiert wird.
    Ich verstehe nicht, warum die vielen verschiedenen Strömungen des Feminismus nicht einfach mal die Gräben überwinden könnten und stattdessen zusammenarbeiten. Das bedeutet: Akzeptieren, dass das Konzept Slutwalk Ausschlüsse verursacht, gleichzeitig aber auch eine neue Generation für das Thema gewinnt (Und bitte jetzt nicht kommen mit, wer sowas gut findet, den brauchen wir nicht in unserem Feminismus – meiner Erfahrung nach radikalisiert man sich eh mehr und mehr, je weiter man sich bildet, ein niedrigschwelliger Einstieg ist deshalb empfehlenswert! (wie überall..)), auf der anderen Seite zb akzeptieren und miteinarbeiten, dass es Kritik am Slutwalk gibt, und auch teilweise komplett gegenteilige Sichtweisen wie zum Beispiel die Ablehnung von Betonung von Körperlichkeit, die Ablehnung von Sexarbeit, etc. Ich für meinen Teil versuche diese ganzen unterschiedlichen Meinungen als gleichwertig anzuerkennen, weil hinter jeder ein Funken, nein ein leuchtendes Strohfeuer, Wahrheit steckt. Aber wenn wir uns ständig gegenseitig bashen werden wir damit auf Dauer nichts erreichen. Das Patriarchat lacht sich ins Fäustchen.

  6. Nadine sagt:

    @Mareike

    Mmmh, also ein feministisches Konzept verursacht Ausschlüsse und diese werden damit gerechtfertigt, das wiederum neue Menschen für feministische Ideen gewonnen werden. Das heißt ja im Umkehrschluss, dass ein möglichst sensibles Konzept dies nicht schafft. Oder sich sensibel mit verschiedenen Machtverhältnissen auseinandersetzen, auf unterschiedliche Bedürfnisse eingehen und Menschen hinzugewinnen sich gegenseitig ausschließen. Ich sehe das nicht so. Wen hast du da im Kopf, der_die mitgezogen wird? Und warum meinst du, dass diese neu Begeisterten nicht auch verschiedene Politiken des Slutwalks problematisch sehen könnten?

    Meine Erfahrung mit dem Slutwalk ist zum Beispiel auch jene, dass viele Menschen sich dem Kampf gegen sexualisierte Gewalt anschließen können, entweder weil sie selbst betroffen sind oder solidarisch sind. Von denen sind einige dabei, die keine Vollzeit-Aktivist_innen sind oder sich nicht unbedingt Feminist_in nennen würden. Und die trotzdem keinen Bock hatten unter dem Label „Slut“ oder „Schlampe“ mitzulaufen, weil sie damit Verletzungen verbinden und sich dieser Begriff für sie nicht gut anfühlt. Oder mit dem Sexy-Begriff nichts anfangen konnten oder sich zwischen den vielen normschönen Körpern, die weniger ein Problem haben (könnten), leicht bekleidet zu demonstrieren schlicht nicht wohlgefühlt haben und deshalb nicht mitgelaufen sind. Sind diese Menschen für den Slutwalk nicht wichtig? Wenn doch, dann sollte das Konzept Slutwalk hinsichtlich seiner Einschließbarkeit für „Neulinge in Sachen Feminismus“ doch noch mal abgeklopft werden (Stichwort: Wen hast du da im Kopf?). Sicherlich war ein großer Vorteil der Slutwalks die Anschlussfähigkeit an den Mainstream und trotzdem war es paradox, weil diese Anschlussfähigkeit nur bestimmte Menschen meinte und ansprach. Und sorry, da müssen sich die Organisator_innen dann wirklich mal an die eigene Nase fassen und mit Kritik auseinandersetzen, wenn ihnen eine möglichst hohe Anschlussfähigkeit wichtig ist. Slutwalk ist nicht per se ein gutes Konzept, nur weil es anschlussfähig ist.

    Da wir in keiner Gesellschaft leben, in der alle gleich sind, steht auch ein Slutwalk nicht gleich neben anderen feministischen aktivistischen Ideen. Wenn eine Form des Aktivismus, die angeblich alle ansprechen will, die kein Bock auf Vergewaltigungsmythen und sexualisierte Gewalt haben, dies aber in der Realität nicht tut, dennoch groß medial rezipiert wird und damit an Legitimität gewinnt, andere aktivistische Formen feministischen Widerstand s, die kritisch mit eigenen Ausschlüssen umgehen, diese Form der Anerkennung nicht erhalten, dann ist sicherlich nicht die Verantwortlichkeit bei jenen zu suchen, die sensibel auf verschiedene Machtverhältnisse reagieren. Hier zu unterstellen, dass das alles dem Patriarchat in die Hände spielt, wenn innerfeministische Kritik geübt wird, halte ich schon für üble Schuldumkehr, sorry. Das Patriarchat lacht sich nicht ins Fäustchen, weil es vielfältigen Widerstand erhält, sondern weil es am Laufen gehalten wird. u.a. dadurch, dass seine Teile-und-Herrsche-Logik bedient wird. Nämlich Betroffene von Sexismus auseinanderzudividieren, in dem sie an feministischen Aktionsformen nicht teilnehmen können, weil sie nicht mitgedacht und mitgemeint werden, weil sie zu radikal sind, sich dem Mainstream aus berechtigten Gründen verweigern usw.

    Eine feministische Aktionsform kann sicherlich keine eierlegende Wollmilchsau sein, ich denke, das zu verlangen ist, naiv. Tut aber nach meinen Erfahrungen bisher auch keine_r. Aber sie sollte sich offen halten für solidarische Kritik.

    Und zu deinem Beispiel „Protestierten im Niemandsland“ – Joa, davon hat auch keine_r gesprochen. Es ging lediglich darum, den Slutwalk München nicht direkt an der Wiesn vorbeilaufen zu lassen. München ist eine Großstadt, es gibt viele Optionen für eine sensiblere Route, die dennoch nicht durch unbewohntes Gebiet führt.

  7. Jane sagt:

    Hallo Leute, ich wollte nochmal auf die Rassismuss-Debatte aufmerksam machen und die damit verbundenen Zwischenfällen auf dem Berliner Slutwalk. Und ich möchte auch ganz deutlich sagen, dass ich mich als sehr wohl davon betroffen fühle. Die Niqab-„Aktion“ fand ich sehr beschämend. Noch beschämender fand ich die Äußerungen des Orgateams, die von Ignoranz nur so strotzten. Siehe hierzu unter anderem die Kommentare auf der SW Facebookseite. Am Schluss das meiner Meinung nach überflüssige Versprechen einer der Organisatorinnen, sich in Worshops zu Critical Whiteness weiterbilden zu wollen. Man gibt also zu, nicht kompetent zu sein. Zurücktreten vom Orgateam wäre ein angemessenerer Schritt gewesen. Ich habe hier das Gefühl, dass die Organisatoren eine Art Machtstruktur aufbauen. Ich möchte mit diesem Kommentar auch verhindern, dass die o.g. Zwischenfälle in die „ferner liefen“-Kategorie abdriften, weil es jetzt anschienend nur noch um die Münchener Route geht. Ich möchte nämlich sehr gerne, dass meine muslimischen Freundinnen auch mit auf den Slutwalk kommen.

    @Maraike: Ich mache hier keinen Grabenkampf auf, wenn ich mich und meine Freunde ausgeschlossen fühle und das auch deutlich sage. Don´t blame me.

    PS: Ich war auf dem Pariser Slutwalk, sehr wenig Leute, aber sehr erfrischend, einige Reaktionen der Passanten waren überwältigend, als hätten sie so etwas nie für möglich gehalten. Fazit: Es macht auch mit wenig Leuten Sinn auf die Straße zu gehen. Ich hoffe das Orgateam in Berlin wechselt bald, und die Gruppen, die „untergegangen“ sind, bekommen endlich wieder Gehör.

  8. Maraike sagt:

    (Meiner Erfahrung nach produzieren Einschlüsse manchmal auch Ausschlüsse, einfach aufgrund unterschiedlicher Standpunkte. Zum Beispiel Anti-Sexworker_innenfeminismus (die perse vom Slutwalk ausgeschlossen sind) vs sexpositiven Feminismus. Oder Lesben, die keine FLT-Räume wollen, sondern ausschließlich cis-Frauen-Lesben-Räume und daher keine FLT-Räume mehr aufsuchen) Oder ein ganz ganz blödes Beispiel, dieses Einstricken von Gegenständen im öffentlichen Raum – ich kann nämlich nicht stricken und ich möchte es auch nicht lernen.
    Nein, diesen Umkehrschluss will ich nicht ziehen.
    Ich habe da als naheliegendstes Beispiel 17jährige im Kopf, wie ich sie in meiner Jugendgruppe sehe. Die den Feminismusbegriff noch medial geprägt negativ besetzen, eine für sie „coole“ Aktion sehen/mitmachen, der Begriff sich wandelt und letztendlich zur Identifikation taugt. Und dann ist der Stein gelegt für die Weiterbildung, die Sensibilisierung. Das kann sicher auch anders passieren, das streite ich nicht ab. Ich sehe hier nur eben einen Weg, der sehr zugänglich und catchy für einige ist, die die viele Theorie im Vorfeld erstmal abschreckt. Dazu müssen die nichtmal jung sein. Ja – Ausschlüsse auf der anderen Seite – aber das meine ich ja mit friedlich nebeneinander existierenden Möglichkeiten.

    Ich sehe deine Kritik (Begriff, Schönheitskritik, etc) genauso, wie gesagt. Das ist eine harte Nuss.

    Dass andere aktivistische Formen feministischen Widerstands weniger Anerkennung in der Presse gewinnen ist aber doch auch nicht die „Schuld“ der Slutwalks? Das ist die Presse, und ich glaube nicht, dass sich das je ändern wird. Was nicht aufmerksamkeitsheischend genug ist, existiert nicht.
    Wie gesagt – es kann ein Einstieg sein. Ich habe am Anfang keine Ahnung gehabt von Ableismus, Lookism, feministisches Vokabular, den ganzen Denkkonzepten dann kam später noch Wissen zu Rassismus und -Ismen generell dazu. Ich hatte vor kurzem einen Themenabend Feminismus für die Jugendgruppe veranstaltet, wo mir wieder klar wurde, wie unbekannt all diese Konzepte sind und wieviel es zu lernen gibt. Radikal gegen Mainstream – exakt, und wie löst man das Problem? Ich hab keine Antwort darauf, ich wünsche mir lediglich von beiden Seiten mehr Verständnis. Aber von der „radikalen“ Seite kommt berechtigte Kritik, die viel Wissen voraussetzt, mehr Geduld mit dem Mainstream würde manchmal nicht schaden. Und auf der anderen Seite der Mainstream, der die Radikalen nicht versteht und alles viel zu übertrieben findet, die müssen mal über ihren Tellerrand schauen und sich ein bisschen weiterbilden, um zu verstehen, was da gefordert wird. Aber solange sich beide gegenseitig vorwerfen, falschen/seltsamen/unter-/übertriebenen/ zu oder zu wenig radikalen Feminismus zu betreiben, wird beides nicht passieren.
    Genau das wünsche ich mir doch – vielfältigen Widerstand. Ich weiß du meinst es anders als ich – aber sensiblere Konzepte verschwinden doch nicht, nur weil es den Slutwalk gibt? Gut, ich lebe nicht in Berlin, aber in München waren 2011 viele Menschen beim Slutwalk dabei, die ich vorher noch nie in anderen feministischen Projekten oder Organisationen gesehen habe.

    „Eine feministische Aktionsform kann sicherlich keine eierlegende Wollmilchsau sein, ich denke, das zu verlangen ist, naiv. Tut aber nach meinen Erfahrungen bisher auch keine_r.“
    Naja, ich hab schon das Gefühl. Und man muss sich auch folgendes überlegen – wenn es den Slutwalk in München nicht gegeben hätte, hätte es keine Alternative dazu gegeben (Also alles schon bestehende meine ich jetzt nicht als Alternative, da das ja so oder so stattfindet). Die Leute, die an einer sensibleren Gestaltung interessiert waren, hatten dieses Jahr keine Ressourcen sich zu beteiligen bzw waren im Ausland. Also lieber eine Demo für ein paar oder garkeine? (Keine rhetorische Frage) In München wäre ne Aktionswoche wie in Hamburg kräftemäßig nicht zu realisieren gewesen.

  9. Jane sagt:

    Nachtrag @Maraike:

    Noch etwas zur Sprache: Ich möchte auch nicht, dass Leute, die ich nicht kenne, meinen sie müssten mir einen „niedrigschwelligen Einstieg“ ermöglichen. Ich will einfach mitmachen. Danke, ich bin mündig.

  10. K.J. sagt:

    Ich war letztes Jahr bei der hiesigen Version des Walkes dabei, diesmal aber nicht mehr. Letztes Jahr hatte ich gegen Ende des Walks einen Trigger und Panikattacke. Das ist nicht die Schuld des Walks, es gab sogar Awareness-Leute, die mir gut geholfen haben (ein Grund dafür, dass ich mich entschieden hatte, überhaupt teilzunehmen).
    Die triggernde Sache kam aus der Demo selbst, nicht von außen. Die Balance zwischen Sexy, provokativ und Trauma auslösend ist halt gekippt. Es war nichts übergriffiges, einfach nur ein provokanter geschriebener Spruch, den ich dann auf mich selbst bezogen habe. Traumatisierte Betroffene und sex positive passen eben nicht immer gut zusammen.
    Ansonsten war es für mich halbwegs sicher und, als eine gewisse Anzahl an Leuten da war, zwischen denen ich mich „verstecken“ konnte. Innerlich und in späteren Gesprächen habe ich die Demo in „gegen sexualisierte Gewalt und Schuldumkehr“ umbenannt, weil das eigentlich mein Anlass war, dort zu sein, und der offizielle Titel für mich eher ein Zugeständnis an die Ursprünge und, äh, corporate identity(?) war. Dass ich mich mit manchen der Plakate und Redebeiträgen nicht identifizieren konnte, war erst einmal eher ein Nebenpunkt, hat sich später aber verstärkt. Die Art der Resonanz in der Presse war ein weiterer Dämpfer.

    Die Summe dessen ist: Die Demo, wo ich mich sicher fühle und für Dinge eintreten kann, die mir sehr am Herzen liegen, gibt es derzeit nicht. Ich kann nur das eine oder das andere haben, also muss ich erst einmal warten, bis es mir meine Psyche erlaubt, und währenddessen im Internet unterwegs sein und akademische Literatur konsumieren, um mich später eloquent gegen die Bereiche abgrenzen zu können, für die ich definitiv nicht demonstriere.

  11. bakemono sagt:

    Dass Ausschlüsse produziert werden ist so, weil wir nicht außerhalb des Systems stehen, du übrigens auch nicht, deiner Meinung nach können Körper die nicht formschön sind nicht mitlaufen, das ist ebenfalls eine Einstellung, die herrschende Normen widerspiegelt, denn es wurde nicht aufgerufen „schöne“ Körper herzuzeigen und es waren viele Menschen dabe, die herrschenden Schönheitsidealen nicht entsprechen (wollen). Das Ausschlüsse produziert werden sollte nicht nur einfach so sein, sondern auch kritisiert werden. Der Slutwalk wird berechtigterweise kritisiert, sollte aber wiederum auch nicht durch Ausschluss geschehen, in der Form dass er sensiblerem, besserem Feminismus/Aktivismus entgegengesetzt wird, dem er Aufmerksamkeit stiehlt. Die Demonstration fand statt unter Zusammenschluss und Vernetzung mit der Aktionsgruppe gegen sexuelle Gewalt, den Macherinnen der Internetkampagne „ich habe nicht angezeigt“ und der Rosa-Luxemburg-Stiftung, das ist finde ich solidarisch, Kritik in Form von Täter-Opfer-Schuldumkehr-Rhetorik ist keine konstruktive innerfeministische Kritik, hier wird Aktivismus mit (Mit-)täterschaft gleichgesetzt.

  12. Nadine sagt:

    @bakemono

    Auf wen beziehst du dich mit deinem Kommentar? Und was meinst du mit „Kritik in Form von Täter-Opfer-Schuldumkehr-Rhetorik ist keine konstruktive innerfeministische Kritik, hier wird Aktivismus mit (Mit-)täterschaft gleichgesetzt.“?

  13. Jane sagt:

    @Maraike

    Dann nehme ich das jetzt also so auf, dass auf meine Anwesenheit auf dem Slutwalk als kein großer Wert gelegt wird, da es wichiger ist, der weißen Mehrheit, die sich nciht mit „meinen“ Problemen auseinandersetzen muss, eine Plattform zu bieten. Krass. Schönen Dank auch. Wieso haben die Macherinnen des SW eigentlich diese Deutungshoheit? Ach ja, weil alles andere ja nciht mehr der „Original-SW“ wäre. Es geht anscheinend darum den SW als Marke zu etablieren, auf den man als Priviligierte gerne zurückgreifen darf, wenn man auch mal feministisch sein will. Ich dachte es geht darum Missstände anzuprangern. Ich darf dann also in Zukunft bei anderen Aktionen mitlaufen, wie zb enter the gap..

    Ich sehe auch deine 17 jährige in der Jugendgruppe, aber ich sehe auch ne Menge Leute,die du nicht siehst, zb eine 17 jährige Migrantin, die sich für Feminismus interessiert und die Vorurteile, mit denen sie evtl ohnehin schon zu kämpfen hat, wiederfindet. Es stößt mir wahnsinnig auf, dass du als privilegierte Person die Regeln für weniger privilegierte Personen machst, damit du die Dinge so veranstalten kannst, wie du sie erfahren hast und für richtig hälst. Was wäre so schlimm daran, wirklich mal die Angebote (zb von LesMigras) IM VORFELD anzunehmen? wäre den Oragnisatorinnen da ein Zacken aus der Krone gebrochen?

    Und zum Theam Kritiker: Ja, manche Kritik (zb die von dir genannte Süddeutsche Zeitung) mag absurd sein. Ich stimme dir da zu. Es ist aber ein himmelweiter Unterschied, ob dich Mainstreammedien kritisieren, oder benachteiligte Gruppen darauf aufmerksam machen, dass sie übergangen werden. Das in einen Topf zu werfen zeugt nicht gerade von Sensibilität.

  14. Jane sagt:

    @SW allgemein: das Argument, dass man doch immer versuche es allen recht zu machen, aber man ja so beschäftigt sei mit der eigenen Horizonterweiterung, man solle doch bitte etwas Verständnis für den Mainstream haben..

    ernsthaft Leute? Euch wird das Leben so schwer gemacht? Die Lösung wäre doch GANZ EINFACH: Holt euch andere Leute mit ins Boot. Keiner verlangt von euch, die Interessen aller alleine abzuwiegen. Es gibt doch so viele Möglichkeiten und – wie ich finde sehr großzügige – Angebote von allen möglichen Gruppen. Das Ergebnis ist aber immer, dass ihr euch davon auf den Schlips getreten fühlt und erklärt, warum das auf dem SW aber nicht geht.. Ich kann´s nicht mehr hören.

  15. bakemono sagt:

    ich beziehe mich auf die Argumentation, dass die Organisatorinnen fahrlässig Betroffene oder potentiell Betroffene beabsichtigt einer Meute von Tätern oder potentiellen Tätern „zuführen“ und dass es egal sei, ob jemand verletzt wird oder gar schlimmeres. Diese Argumentation führt die Intention der Demonstration ad absurdum, es wird sogar ein Verhalten zugeschrieben und sogar auf Gedanken der Organisatorinnen geschlossen, die (Mit)Täter auszeichen. Das schließt natürlich nicht aus, dass es bessere Routen/ Alternativen gibt. Dass aber den Menschen die das organisieren dann bestimmte Eigenschaften attribuiert werden, ist finde ich einfach die falsche Art Kritik zu üben. Die Kritik an der Route hingegen ist absolut in Ordnung. Die Schlüsse die gezogen werden, sollten einfach nochmal überdacht werden. Und auch das gegenseiteige zuschieben, wer jetzt wie das Patriarchat indirekt unterstützt, verstehe nicht was daran konstruktiv ist.
    und zu Jane: es ist in der Tat schwer Menschen ins Boot zu holen, und es wird in der Tat darüber diskutiert, wie das in Zukunft besser erreicht werden kann und was für Änderungen dafür nötig sind und nein du sollst es nicht so nehmen, denn hier wird über Schwächen der Demonstartion diskutiert, nicht über bestimmte Individuen, die sich hier an der Diskussion beteiligen. Und jetzt schlucke ich etwas Kotze runter, aber auch ich habe einen sogenannten Migrationshintergrund und ich kategorisiere mich trotzdem nicht in eine übergeordnete Kategorie von Frauen, denn ich unterscheide mich wiederum in bestimmten Merkmalen von Frauen, die nicht teilgenommen haben, auch hierbei gilt es zu überlegen, warum diese nicht erreicht werden und wie man das ändern kann. Hierzu wurden bereits Vorschläge gemacht, die nicht ignoriert werden sollten. Und das Gruppen erreicht werden können, hat zumindest in München funktioniert, die soll in Zukunft ausgebaut werden, am Namen darf es nicht scheitern. Sexuelle Gewalt ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, diese Protestform hat das Potential unterschiedlichste Menschen zusammenzubringen, hieraus ergeben sich aber eben wiederum Probleme, die sollte man diskutieren, dieser Blogg ist eine gute Plattform dazu, dies kann aber nicht geschehen, wenn ein Ausschluss produziert wird und die aufgeklärte Feministin diese Protestform nicht mit der Kneifzange anfassen würde und hier nicht nur die Protestform, sondern auch die Menschn dahinter ausgeschlossen werden. Eind bisschen mehr Objektivität würde der Diskussion gut tun.

  16. bakemono sagt:

    nochmal an Jane: falls du in München wohnst, wäre es großartig, falls du dich ander Orga beteiligen wollen würdest, das geht auch wenn du nicht in München wohnst. Teile der Orga leben in anderen Städten oder gar im Ausland derzeit.

  17. Nadine sagt:

    @bakemono

    Tonargument („ein bisschen mehr Objektivität“), absichtliches Falschverstehen („Organisator_innen werden zu Mittätern gemacht“) und Sarkasmus („aufgeklärte Feministin“ für Menschen, die Kritik äußern) sollen genau wie jetzt zu Konstruktivität beitragen? Außerdem möchte ich dich zu Punkt 1 und 2 gerne nochmal an die Netiquette erinnern.

    Nochmal: Wenn Kritik an der Route in München im Vorfeld geäußert wird, weil sie direkt an einem Ort vorbeiführt, der sexualisierte Gewalt symbolisiert und wo jedes Jahr Übergriffe stattfinden, heißt das nicht, dass Organisator_innen hier mutwillig Menschen irgendwelchen Tätern zuführen oder gar eine Mitschuld an Übergriffen tragen, sondern, dass Kritik geübt wird, weil die Route direkt an einem Ort vorbeiführt, der sexualisierte Gewalt symbolisiert und wo jedes Jahr Übergriffe stattfinden. Zweitens heißt das, dass so eine Route abschreckend wirkt. Drittens, dass es zu Retraumatisierungen und Triggern vermehrt kommen kann. Viertens, dass ein sicherer Raum schwerer zu gewährleisten ist, wenn übergriffige Typen sich nebenan besaufen und feiern. Ich finde das mindestens unsensibel, wenn nicht gar verantwortungslos, trotz der Hinweise und Kritiken nicht darauf zu reagieren und stattdessen mit „mehr Aufmerksamkeit“ (wem nutzt die hier eigentlich?) zu argumentieren.

    „Und auch das gegenseiteige zuschieben, wer jetzt wie das Patriarchat indirekt unterstützt, verstehe nicht was daran konstruktiv ist.“ da möchte ich dich gerne an die frühen Worte deiner Mitstreiterin Maraike erinnern: „Aber wenn wir uns ständig gegenseitig bashen werden wir damit auf Dauer nichts erreichen. Das Patriarchat lacht sich ins Fäustchen.“ Konstruktive Diskussion anyone?

    Bisher haben sich hier mindestens drei Personen aus der Slutwalk München Orga geäußert, die jede Kritik abschmettern mit: „Ja, es ist schwer Ausschlüsse zu vermeiden, aber ich denke, dass…“ und „Aber es gab doch Kooperation XY“ (und?) oder mit derailenden Allgemeinplätzen wie „sexualisierte Gewalt ist ein gesamtgesellschaftliches Problem“ oder „sicher gab es andere Routen“ reagieren. Die „Vorschläge zur Verbesserung“ kamen sicher nicht von den Organisator_innen und deshalb weiß ich auch nicht, weshalb dieses Abwehrverhalten irgendwie ernstgenommen und mit Objektivität reagiert werden sollte. Bevor Menschen, die Kritik äußern, zum Mitmachen aufgefordert werden, sollte erstmal der Rahmen geschaffen werden, dass sich diese Menschen überhaupt in eurer Orgagruppe wohlfühlen.

    Klar wird hier eine Demonstrationsform kritisiert, was denn sonst? Wenn im Thread Menschen berichten, dass sie keinen Bock auf den Slutwalk haben aus Gründen XY oder sich ausgeschlossen fühlten aus Gründen XY, dann ist das keine Kritik, die als Einzelmeinung eines Individuums abgekanzelt werden kann, sondern eine Kritik, die sich eine Reihe von Kritiken am Konzept Slutwalk und seinen Durchführungen stellt. Nach fast zwei Jahren noch immer so abschmetternd mit Kritiken am Slutwalk umzugehen, ist einfach nur noch peinlich, ehrlich. Mit „aufgeklärter Feministin“ hat das nichts zu tun, das sind Menschen, die wissen, wovon sie sprechen und ernstgenommen werden sollten, wenn Anschlussfähigkeit und Ausschlussvermeidung Kriterien einer feministischen Demo sein sollten.

  18. bakemono sagt:

    Was ich kritisiere ist deine Zuschreibung von Gedanken, die die Organisatorinnen angeblich haben, das nenne ich nicht objektiv, ich denke Netiquette gilt auch für dich. Hier werden Kritikpunkte vermischt. Berlin hat Anfragen von LesMigraS anscheinend abgelehnt, nicht München. Auch für München gilt es sich der Kritik an dem Namen usw. anzunehmen und sich zu vernetzten mit Gruppen. Ich formuliere es nochmal, ich schreibe dir nicht ab zu kritisieren, ich finde aber dass du polemisierst, wenn du schreibst, dass die Route dirket neben dem Oktoberfest lag und das Teilnehmer_innen den Organisatorinnen schlicht und einfach egal sind oder zumindest, dass das Befinden von Menschen kein Argument darstellt und du dann über die zugrundeliegenden Motive dahinter spekulierst, die deiner Meinung nach nur der Wunsch nach Aufmerksamkeit sein können. Die Route verlief mehrere Straßen paralell von der Wiesn entfert. Man kann darüber diskutieren inwieweit eine Alternative besser, sicherer gewesen wäre. Auf jeden Fall wurde reagiert, in Form von Ordner_innen, ob das ausreicht oder nicht, darüber kann man wieder diskutieren. Was mich stört sind deine Attributionen und deine Absage von Anfang an, die du mit dem Argument der Route zu untermauern versuchst, was vorher nix war kann auch zukünftig nix werden oder was willst du damit sagen.Dass es sich um ein gesamtgelsellschaftliches Problem handelt würde ich nicht derailing nennen, es ist eher der Wunsch, dass sich die demonstration vergrößert, was immer nötig dazu ist, Namensänderung, Routenänderung…. Du wirfst derailing und Schuldumkehr vor und nun auch, dass auf Diskussion kein Wert gelegt wird? Die Route, der Name, das alles wird Thema des nächsten Treffens sein. Die Orgagruppe setzt sich aus Personen zusammen, die genannte Kritik am Slutwalk auf unterschiedliche Weise teilen, auf jeden Fall soll sie offen sein und Diskussion ermöglichen, Personen werden eingeladen, damit sie auch innerhalb der Orga Dinge ansprechen und verändern können, wenn sie möchten. ich bin z.B. dabei, obwohl ich mich mit Slut nicht identifizieren kann, ich möchte aber darüber diskutieren und ich will, dass Vergewaltiungsmythen gesellschaftlich thematsiert werden, damit die Leute erstmal überhaupt verstehen, was das eigentlich genau ist und was für Konsequenzen es hat. Peinlich kannst du es nennen, ich habe Jane eingeladen, denn ich sehe da keinen Antagonismus ich gegen Jane, du kannst dich auch beteiligen wenn du willst, aber mir sind Betroffene nicht egal, ich möchte dass du das verstehst, also nochmal Kritik ja, Fehlattribution nein.

  19. Nadine sagt:

    @bakemono

    ich zitiere noch einmal aus der Begründung der Slutwalk München Orga zur Routenfindung:

    Das Thema „Route“ wurde hier ja bereits erwähnt und auch seitens der Orgagruppe ausführlich diskutiert. Um es kurz zu machen: die Route verläuft vom Sendlinger Tor Platz zum Goetheplatz über die Goethe-, Schwanthaler- und Sonnenstraße bis zurück zum Sendlinger Tor.
    Wir teilen eure Sichtweise, dennoch haben wir uns für die geplante Route entschieden und möchten euch die Gründe hierfür darlegen:
    1. haben wir seitens des KVR Münchens keine andere Route genehmigt bekommen. Das liegt hauptsächlich daran, dass der Marienplatz wegen baulicher Maßnahmen nur für sehr kleine oder ganz große Demos freigegeben wird. Dies gilt bis 2014. Der Odeonsplatz (und somit auch Leopold / Ludwigstr.) ist ebenfalls wegen einer anderen Demo gesperrt. Wenn wir den Slutwalk also nicht im kältesten Dezember stattfinden lassen wollen, wenn vielleicht einer dieser Orte noch frei ist, müssen wir ausweichen. Das ist übrigens der Grund, warum der Slutwalk nicht schon sehr viel früher stattgefunden hat.
    2. Auf genannter Route finden sich gerade am Wochenende die meisten Passanten ein, was uns, dem Slutwalk an sich und natürlich Euch und Eurem anliegen die meiste Aufmerksamkeit beschert. Und das wollen wir ja, oder? Ein Slutwalk in der letzten Seitengasse Münchens mag zwar ungestört sein, aber dafür niemand interessieren.
    Die Goethestraße und das Bahnhofsviertel liegen übrigens nicht in unmittelbarer Nähe des Oktoberfestes, sondern zwei Querstraßen entfernt. Wir ziehen also nicht direkt daran vorbei.
    3. Ist doch genau das Oktoberfest eines der Themen unseres Anliegens. Wird nicht genau dort das Wort „Nein“ viel zu selten ernst genommen? Gilt nicht genau dort „dann sauf‘ halt nicht so viel?“Finden sich nicht auch auf der Wiesn (unseres Erachtens) die Leute, die meinen, wenn Frau im kurzen Dirndl und Ausschnitt einen trinken geht, ist sie Freiwild? Sind das nicht genau die Situationen und Konstellationen, für die wir sensibilisieren, die wir an die Öffentlichkeit bringen wollen? Wir als Orgateam sind der Meinung „Wir holen uns diesen Raum! Genau Euch wollen wir zeigen, dass es nicht so ist!“ Die Route (selbst, wenn es möglich wäre), zu verlegen, wäre unserer Meinung nach eher kontraproduktiv, nach dem Motto „wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass!“

    Ich habe den Organisator_innen gar nichts unterstellt, sondern die Routenwahl als unsensibel kritisiert (weil der Slutwalk München direkt neben dem Oktoberfest-Gelände stattfand – mehrere Seitenstraßen? Google Maps sollte Aufschluss geben) und kritisiert, dass die Kritik an der Streckenwahl weggewischt wird mit „Wir wollen aber Aufmerksamkeit“ (siehe Punkt 2 aus der zitierten Verlautbarung. Besonders schön der Satz, der für alle spricht: „und das wollen wir ja, oder?“). Der Rest deiner Argumentation bezieht sich auf Dinge, die nie gesagt wurden.

  20. Jane sagt:

    @bakemono: vielen Dank für das Angebot, mich zu beteiligen. das meine ich ganz ernst, es ist tatsächlich eine Form des Dialogs, die ich bisher vermisst habe. Gleich vorweg: Ich wohne nicht in München und kann zum Münchener SW leider überhaupt ncihts sagen.

    Mit „bisher“ (ich muss etwas ausholen) meine ich zb Reaktionen der Berliner Orga (z-T. auf deren FB Seite) zu den Rassismusvorwürfen und auch deren Auftreten auf der MM-Feier. Es gab nach einem unglaublich würdelosen hin und her (nicht mit mir persönlich, es war eine Debatte zwischen anderen FB Usern und der Orga, unter dubiosen Umständen wurden diese Kommentare denn auch gelöscht..) schließlich eine Entschuldigung und Versprechen sich weiter zu bilden. Einige User auf FB (und das deckt sich mit den Vorfällen auf der MM-Feier) berichteten aber von Ignoranz und Unwillen seitens der Orga, diese Vorwürfe überhaupt ernst zu nehmen. Fazit: Das gleiche Problem, das Migranten/PoC immer wieder begegnet. Das hat mich furchtbar wütend gemacht, auch von der Entschuldigung und der Bereitschat zur Horizonterweiterung habe ich mich nicht (mehr) angesprochen gefühlt, weil ich immernoch keine Bereitschaft bei der Berliner Orga gesehen habe, sich zu bewegen. Sich bewegen hieße für mich: Einsehen, dass man Fehler begangen hat und zeigen, dass man Dinge ÄNDERN will. Dazu gehört Raum schaffen für die Ideen/Stimmen, die man übergangen hat. Konsequenterweise würde das für mich bedeuten, auf die entsprechenden Gruppen zugehen, sofern diese nciht schon im Vorfeld das Gespräch gesucht haben und vor allem das Zepter aus der Hand geben, um die bisherigen Missverhältnisse in der Orga aufzubrechen. Stattdessen bewegt sich aber die Orga keinen Zentimeter und verspricht sich weiter zu bilden. Man stelle sich das mal bei einem gewählten Politiker vor, der da sagt „sorry Leute, mit einigen Dingen kenne ich mich doch nicht so gut aus, aber ich verspreche euch hoch und heilig, ich werde mich weiterbilden..“ -> absurd.

    Nun zum Punkt Objektivität. Ich habe mich immer als interessierter Teilnehmer gesehen, generell schätze ich das Engagement von Leuten, die die Orga solcher Events in dei Hand nehmen. Meine Motivation war bisher einfach teilzunehmen, weil es mir ein persönliches Bedürfnis ist. Ich bin sicher nciht objektiv und will das auch gar nicht sein. Schlussendlich frage ich mich einfach als „Ottonormalfrau“ mit Migrationshintergrund: Geh ich da (wieder) hin,oder geht ich da nicht hin, und wenn nein, warum nicht? Ich sehe langsam einfach kaum noch Gemeinsamkeiten, und das, obwohl ich mich eigentlich als Zielgruppe der SW Idee begreife. Ich erwarte nicht, dass jeder 1:1 repräsentiert wird, aber diese Vorfälle schaffen ein feindliches Klima, auch mir gegenüber, obwohl ich keinen Niqab trage und auch nicht religiös bin. Trotzdem empfinde ich die die ganze Summe der Ereignisse, die Art der Kommunikation subjektiv als nicht willkommen heißend. Es geht hier einfach um Empathie. Ich würde eine muslimische oder Freundin nicht mit auf den SW nehmen, weil ich denke, dass sie sich diffamiert fühlen würde. Das gleiche könnte man auch auf andere Gruppen übertragen, die übergangen wurden. Wenn dann im Anschluss die übliche Keule kommt „wir können es ja nciht allen recht machen“, ist das das, was man ständig hört. Man ist mal wieder eine Randerscheinung, auf die man zur Not eben auch verzichtet. Das Ergebnis ist dann, dass wir uns eben da aufhalten, wo wir uns wohler und nicht völlig fremd fühlen. Das finde ich furchtbar, das kann doch nicht das Ziel sein, dass am Ende alle wieder unter sich bleiben. Und ich nehme mir nach dem, was so vorgefallen ist, tatsächlich das Recht heraus perönlich beleidigt zu sein, ich fühle mich marginalisiert und habe das dominante Gebahren weißer privilegierter Menschen im SW Kontext total satt. Ich erlebe das dauernd im täglichen Leben (und andere noch viel mehr als ich) und sehe die Werte des SW in der Praxis völlig konterkariert. Das erklärt dann auch meinen Tonfall.

    Zur Praxis: Ich denke es gibt eine Menge schon genannte Gruppen und Aktivistinnen, die sicher enorm viel beitragen können und wollen. Ich finde das Verhalten der Berliner Orga diesbezüglich total intransparent, kein Mensch weiß, wer mit wem über was spricht, man hört dann immer nur irgendwelche Entscheidungen, „der und der ist nicht dabei“. Enter the Gap scheint doch ein ganz schönes Beispiel zu sein, wie man solche Diskurse führt. Der SW hat meiner Meinung nach auf jeden Fall das Potential als gesamtgesellschaftliche Bewegung zu funktionieren, dann muss man auch die gesamte Gesellschaft mit einbeziehen und das Gespräch in alle Richtungen suchen.

  21. bakemono sagt:

    Das Berlin jetzt auf Eis zu liegen scheint ist schade, aber möglicherweise die berechtigte Konsequenz aus Vorfällem der MM-Feier, ich war leider nicht anwesend, dementsprechend begrenzt ist mein Überblick über das Geschehen dort. Teile der Orga München haben „Migrationshintergrund“, einige Teile verstehen sich als Feministin, Andere wiederum nicht. Die Münchener Gruppe ist zumindest derzeit relativ heterogen, was die Möglichkeit überhaupt erst schafft, Kritik in die Gruppe hineinzutragen und aus verschiedenen Standpunkten heraus zu diskutieren, Hamburg scheint da weiter zu sein, dass der Vorwurf laut wird, dass 2 Jahre zu lange sind um Kritik umzusetzten kann ich auch verstehen, es sollte aber kein Totschlagargument sein und Veränderungen von Vornherein unmöglich machen. Speziell in München kommt das Oktoberfest hinzu, weshalb es auch Aktionen direkt vor Ort gab. Die gewählte Route fanden einige Teilnehmer_innen angebracht, vor dem Hintergrund des Oktoberfestes und den Aktionen hierzu, einige Teilnehmer_innen haben Bedenken geäußert, diese wurden unseres Erachtens nicht einfach weggewischt, es wurden Gründe genannt, weshalb die Route beibehalten wird,siehe z.B. auch Punkt 1in dem zitierten Text und es wurden Ordner_innen organisiert. Dies kann man natürlich trotzdem einfach nur daneben finden, siehe Nadines letzter Kommentar, die Kritik ist angekommen und wird nicht einfach ignoriert. Mit Objektivität meine ich nicht Personen ihre individuelle subjektive Sichtweise abzusprechen. Ich für meinen Teil lese diesen Blog, bin eben gerade Teil von Kritik dieses Blogs geworden , was mich nicht davon abhält den Dialog zu suchen. Zu Nadine nochmal: Auf Google kann man sich die Route ansehen natürlich . Dass du Sprechen für alle kritisierst ist ebenfalls berechtigt, niemand kann für alle sprechen, du kannst auch nicht für Jane sprechen, das hat sie ja freudlicherweise selbst getan. dass das „Patriarchats-Argument“ von Mareike kam und nicht von dir habe ich begriffen, Kritik meinerseits bezieht sich nicht ausschließlich auf dich, sondern auch auf Mareike auch wenn sie meine „Mitstreiterin“ ist sollte dies möglich sein.

  22. @bakemono
    was ist denn deine berühmte Objektivität überhaupt?
    Wenn ich nicht den Überblick verloren habe, bist du der_die einzige, die sich selbst als objektiv oder wenigstens „versucht objektiv zu sein“ beschreibt. Es gibt doch gar keine Objektivität. Weder hier noch sonstwo. Es gibt Erfahrungen, die Menschen machen, die du niemals machen wirst, oder die ich niemals machen werde oder wir beide niemals machen werden und das ist okay so und das müssen wir akzeptieren. Genauso läuft es auch umgekehrt.
    Dass die Erfahrungen von weißen, deutschen Männern* erstmal die als objektiv bekannte Weltsicht untermauern versucht Der Feminismus (TM) ja schon länger aufzubrechen. Dass die Erfahrungen von weißen, deutschen Frauen* auch nicht viel weitgreifender sind, darum geht es unter anderem in dieser Diskussion.
    Ein gebetsmühlenartig wiederholter Satz à la „Ich/wir nehme/n die Kritik an“ heißt eben nicht, dass man die Kritik auch tatsächlich angenommen hat. Das ist ja kein Paket, das abgeliefert wird, dann macht man eine Unterschrift bei der Paketbotin und dann ist das Ding „angenommen“.
    Immer wieder auf abwehrende Antworten auf jene Kritik zu verweisen und das als Annehmen einer Kritik zu verkaufen (was du zB hier machst) ist gerade kein Annehmen der Kritik. Ein Annehmen wäre, tatsächliche Änderungen vorzunehmen.
    Der feste, unerschütterliche Glaube an Objektivität ist meiner Meinung nach nicht haltbar. Etwas erst als wahr zu begreifen, wenn man selbst da war und sich ganz genau umgesehen hat und dann auch wirklich die exakten Erfahrungen gemacht hat, die als Vorwurf von außen kamen (hier beziehe ich mich auf den Anfang deines letzten Kommentars, wo du schreibst, dass du selbst nicht vor Ort warst usw), ist alles andere als objektiv. Es ist selbstgerecht, ich-zentriert, kleinlich, und lässt Raum für noch mehr psychologisierende Zuschreibungen, die ich jetzt besser bleiben lasse.

    Ich sehe auch nicht, wie der SW einerseits mit seiner Brand/Marke legitimiert wird (das Ding soll bekannt werden, weltweite Bewegung, usw) und dann die Kritik, die an die Berliner SW-Orga herangetragen wurde, einfach von sich zu weisen, als habe man als Münchener Orga damit nichts zu tun. Kritik an mangelnder Inklusivität, an unsensiblem Umgang mit marginalisierten Positionen, an Gefährdung von Teilnehmer_innen und nicht zuletzt am Namen des SW selbst lässt sich eins zu eins auf sehr viele SWs, die mir bekannt sind, übertragen.

    Wenn ich McDonalds kritisiere anhand eines McDonalds-Restaurant in Hamburg dann kannst du mir als Franchise-Besitzerin des Stuttgarter McDonalds unmöglich sagen: „Ha! Die Kritik wurde ja nicht AN MICH PERSÖNLICH herangetragen, ich bin also NICHT GEMEINT. Uns muss erstmal eine_r nachweisen, dass unser Fleisch von Regenwald-Abholzungs-Kühen stammt und dass unsere Mitarbeiter_innen unterbezahlt sind!!“

    (Egal ob das jetzt wirklich Vorwürfe sind, die man heutzutage noch an McD machen kann, bin da nicht auf dem aktuellen Stand. ihr wisst hoffentlich, worauf ich hinaus will.)

    @Nadine Danke für die gute Moderation.
    @Jane danke für deine persönlichen Einsichten in den Sachverhalt

  23. Aufgelesen sagt:

    […] Selbstkritik – Woran Slutwalks scheitern […]

  24. Der besseren Lesbarkeit halber (sorry, hab ich vorhin nicht bedacht)

    Objektivität = unabhängig von Gefühlen, Vorurteilen, usw. Das Gegenteil ist Subjektivität.
    psychologisierend = eine Sache (übertrieben) mit psychologischen Begriffen oder Theorien erfassen oder zu erfassen versuchen
    legitimieren = rechtfertigen, begründen
    Inklusivität = vielleicht ist das bessere Wort Inklusion, weiß auch nicht. Bedeutet, Mit-Einschließen (von Personen und Gruppen, die vorher ausgeschlossen waren)
    sensibel/unsensibel = rücksichtsvoll / rücksichtslos
    marginalisierte Positionen = Meinungen, Probleme, Fragen, Auffassungen von Menschen oder Menschengruppen, die an den Rand (oder auf mehreren Ebenen an die Ränder) der Mehrheit gedrängt werden.

    ((disclaimer: Das sind keine unhinterfragbaren Erklärungen sondern nur, wie ich die Wörter in meinem Kommentar benutzen wollte.))

  25. Jane sagt:

    hier mal ein paar Vorschläge zur Verbesserung von der „Ottonormalfrau“ ohne Anspruch auf irgendwas:

    1. Die Orga wirklich transparent und demokratischer machen. Dazu gehört auch, dass nicht einzelne Personen entscheiden, welcher Standpunkt der richtige ist und welche Erfahrungen und Meinungen übergangen werden können. Wie man so ein kleines Gremium öffnet.. Tja, keine Ahnung, vielleicht Kontakte und Korrespondenzen öffentlich machen und in alle Richtungen Fragen stellen und Leute, die etwas beitragen wollen, mit ins Boot holen.

    2. Schon klar, dass die sich so ergebenden vielfältigen Interessen kaum in einem einzelnen Walk unter einer einzelnen Überschrift zu bündeln ist. Vielleicht sollte man sich von dem Ziel verabschieden, dass es irgendwann einen Tag im Jahr gibt, an dem überall auf der Welt 100.000e Menschen lautstark marschieren. Das ist sicher medienwirksam und „sexy“, aber ich glaube, man erreicht Leute so nicht unbedingt besser, als mit konkreten Angeboten wie Workshops, Informationsveranstaltungen etc. Klar zieht so ein Walk viele bisher Unbeteiligte mit, aber es bleibt die Gefahr, dass viele vom Anliegen außer ein bisschen Partymachen (was ja an sich total ok und wünschenswert ist) nicht viel mitnehmen. Es bleibt zwangsläufig an der Oberfläche. Ich finde es notwendig, dass genauso viel Augenmerk darauf gelegt wird, wirklich Leute konkret anzusprechen und zu informieren. Das können unterschiedlichste Gruppen machen, die völlig unterschiedliche Schwerpunkte haben und Sachen (zb Workshops, etc) anbieten können, das muss dann cniht mehr das kleine Orgagremium machen, das selbstverständlich nicht all das leisten kann. Es kann aber durchaus bei der Vernetzung helfen und zb eine Aktionswoche auf die Beine stellen. Ich denke, die Informationen, die Leute da mitnehmen, sind vielleicht auch etwas nachhaltiger, als ausschließlich einen Nachmittag durch die Innenstadt zu marschieren.

    3. Wer kommt? Ich finde es wichtig, Leute anzusprechen, die eben nicht schon von Haus aus Feministen sind. Das ist aber gerade nicht die hippe 17jährige. Viele Leute leben in anderen Strukturen, in anderen Ländern, in anderen Verhältnissen, vielleicht mit anderen Zwängen, die sich manch einer hier anscheinend schwer vorstellen kann, und oberste Priorität sollte wirklich sein, dass sich gerade diese Leute willkommen fühlen. Die meisten, die sich ausgeschlossen fühlen werden sich auch nciht wie ich hier den Mund fusselig reden, die werden das ganze einfach kommentarlos abhaken und nicht mehr kommen. Völlig verständlich und zu recht, es ist schließlich nicht die Aufgabe der Teilnehmer andere Teilnehmer auf einer Veranstaltung gegen Missstände erstmal über selbige aufzuklären. Auch wenn man nicht alle Ansichten teilt oder nicht so cool ist, aber man kann immer nachfragen, mit den Leuten auf Augehöhe reden, was man noch tun könnte, anstatt Kritik zu ignorieren. Mein Eindruck war überspitzt eben nun mal „super, da machen ein paar hippe Feministinnen ne Party für die Leute, die genauso sind wie sie selbst.“

  26. annaheger sagt:

    @ Jane

    Danke für deine Worte. Ich finde die Demo so zu nennen wofür sie stehen sollte ist ein super Ansatz.

    GSGS = Gegen Sexualisierte Gewalt & Schuldumkehr

  27. Maraike sagt:

    – Ich sehe die 17-jährige aus meiner Jugendgruppe, weil ich sie leite, weil ich möchte dass diese Mädels sich dafür interessieren.
    – Ich habe ganz oben gesagt, dass ich die Kritik am Begriff Slutwalk und an der fehlenden Inklusion nachvollziehen kann und dass es genau dies zu verarbeiten gilt, trotzdem wird mir das hier angekreidet, obwohl ich das nie verteidigt habe. Wir haben dieses Jahr beim ersten Treffen besprochen, dass wir nicht diesen Brief von LesMigras als Blaupause nehmen wollen, sondern mit Münchner Poc-Gruppen direkt Kontakt aufnehmen wollen, um wirklich deren Meinung zu hören und sie in die Orga mit einzubeziehen. Dann bin ich ins Ausland und weiß nicht, was daraus geworden ist.
    – Dass ich dafür kritisiert werde, dass ich gerne hätte, dass der Einstieg in Feminismus niedrigschwelliger ist, kann ich nicht nachvollziehen. WIE ich ihn niedrigschwelliger machen will, ok das kann man kritisieren – aber dass es schlecht sein soll, DASS ich ihn niedrigschwelliger machen will, verstehe ich nicht. Was soll denn daran schlecht sein? Warum ist man dann nicht mehr mündig? Bin ich so jugendarbeits-blind, dass ich das nicht erkenne?
    – Wenn das Patriarchats-unterstützen-Dings Derailing war, tut es mir leid. Ich sehe nur die ganzen Grabenkämpfe, der Ton ist scharf und das verbraucht doch auch alles Kraft. Ich weiß, ihr habt Gründe dafür, nicht nett zu sein und Erklärbär zu spielen, aber dann bin ich wohl nicht hart genug für den Laden und das finde ich sehr schade. Ein scharfer Ton kann doch genauso triggern.

  28. Jane sagt:

    Nochmal: Grabenkämpfe mache ich nicht auf, wenn ich mich hier gegen Ausschlüsse selbst verteidigen muss! Dieser Vorwurf ist schon mal der erste, der mich wütend macht. Das ist von euch hausgemacht. Ich bin nicht empfindlich für dein „dann bin ich wohl nicht hart genug für den Laden“. Ich habe nun wirklich versucht, auch konstruktive Vorschläge zu machen. Versuche dich bitte mal in die Perspektive anderer Leute hineinzuversetzen, die nicht den gleichen Background haben wie du. Die wissen auch sehr gut was sie wollen, und können sich auch so ein Bild machen, ohne dass eine Beschützerin daher kommt und die Pädagogin für sie macht. Das ist paternalistisch, mag für dein Bespiel vielelicht funktionieren, für die Mehrzahl der erwachsenen Frauen allerdings nciht. Das geht für die meisten nämlich so: man geht wohin und fühlt sich willkommen und findet vielleicht das ein oder andere interessant oder eben nicht und geht wieder. Die werden sich erstmal fragen, warum du meinst, sie ob ihrer Eindrücke so bevormunden zu müssen. Wir können ja selbst sehen, dass einfach Dinge stattgefunden haben, die sich mit „pädagogisch notwendig“ nicht mehr recthfertigen lassen. Und ich bin auch kein Fan von der Vorstellung, dass da ein Gremium aus Leuten sitzt, die die Lösungen für andere „ignorante“ Gruppen zurechtschneidern. Das finde ich an dem niedrigschwelligen Einstieg äußerst fragwurdig. Niedrigschwellig ist es vor allem nur, wenn KEINE oder zumindest WENIG Ausschlüsse produziert werden, das gilt auch für das Gebot mainstreamtauglich zu sein. Man muss als Teilnehmer ja cniht alles annehmen, aber man sollte überall mitmachen können ohne sich fragen zu müssen „pass ich denn überhaupt hier rein?“ Du willst deine Kids irgendwo unterbringen: schön, dann mach bitte Angebote für sie, die nicht auf dem Rücken von zb mir stattfinden. Ich habe auch noch eine Mengen Leute im Kopf die wesentlich weniger Privilegien haben, und gerade die brauchen empowerment, zb durch so eine Veranstaltung. Wenn du dich denen nicht gewachsen fühlst, hol dir Hilfe von außen. Die Fehler die gemacht wurden sind nicht in erster Linie das, was mich so auf die Palme bringt, es ist genau diese Reaktion, die vor allem du Maraike hier an den Tag legst. Ich darf mich ständig ob meines Tonfalls kritiseren lassen und dein völlig abwegiges Mitleidsgeheische hinnehmen, obwohl hier massiv Ausschluss und Kritikabwehr meinen Belangen gegenüber stattfinden. Was wäre, wenn ich mich so verhalten würde? Ich verlange doch nur, dass ihr was ändert und das für andere auch sichtbar gemacht wird. Worin besteht jetzt genau das Problem? Warum hälst du so vehement an deinen Strukturen fest? Ich habe echt versucht, miene Perspektive darzulegen, damit auch andere Leute sie begreifen können und Vorschläge gemacht, wie man das evtl unter einen Hut bringen kann. Ich geb´s langsam auf. Solange ich nciht das Gefühl habe, dass das nciht nur „eure“ Party ist, komme ich auf keinen deutschen Slutwalk mehr.

  29. John Dean sagt:

    So wichtig Diskussionen über sensiblere und alternative Möglichkeiten sind:

    Vielleicht ist es sogar eine gewisse Stärke der konventionellen Slutwalks, dass diese in mancherlei Hinsicht unsensibel sind. Es geht auch darum, die sexistische Medienökonomie für das eigene Anliegen zu nutzen, bzw. darum, feministische Positionen sichtbar zu machen.

    Mir persönlich (aber: das zählt nicht!) wären Veranstaltungen unter dem Titel „Demo gegen sexistische Gewalt und Herabwürdigung“ oder „Marsch gegen Sexismus“ sympathischer als ausgerechnet „Slutwalk“. Aber genau in dieser provokanten Bezeichnung und den damit verbundenen weiteren Provokationen liegt imho – zur Zeit – noch eine Stärke, und zwar dahingehend, für feministische Positionen Aufmerksamkeit zu erringen.

    Ich weiß allerdings nicht, wie lange Slutwalks noch diesen „Sichtbarkeitswert“ haben werden bzw. wie lange sie sich dafür eignen werden, besondere Aufmerksamkeit zu generieren. Möglicherweise kann durch die Erweiterung der Aktionsformen (Sitins, Kreidespray-Aktionen, symbolische Besetzungen, militante karnevalistische Elemente u.ä.) zugleich dies Sichtbarkeit der Demo befördert werden, aber auch zugleich die Erweiterung im Sinne bisher zu kurz gekommene Fragestellungen – eben mit dem Ziel, inklusiver zu werden.

    Vielleicht wäre es außerdem eine gute Idee, die bislang mitlaufenden solidarischen Männer in einen separaten Block oder eine separate Demo zu schicken. Vielleicht wäre die Planung eines „Sexarbeiterinnen-Blocks“ und eines „PoC-Blocks“ eine gute Idee zur Verbesserung der Inklusion, aber zur Verbesserung der Sichtbarkeit bestimmter Anliegen.

    (Rubrik: Vorschlag, Äußerung von Überlegungen)

  30. Jane sagt:

    @John Dean. Ich wünsche mir auch, dass feministische Positionen sichtbar werden. Es passiert aber gerade das Gegenteil. Die existierenden Positionen werden marginalisiert und für den Spaßfaktor zurechtgestutzt. Auf der FB Seite des Berliner SW finden sich auch immer mehr Stimmen die den Slutwalk zwar „cool“ finden, aber nichts von „Emanzen“ halten. Da hat offensichtlich etwas nicht (mehr) funktioniert. Ich denke, man wird es niemals schaffen, alle unterschiedlichen Anliegen in einen Satz zu packen und zu bündeln. Deshalb favorisiere ich auch die Lösung, einen Rahmen zu schaffen, in dem jede Gruppe ihr Anligen an ihre Zielgruppe richten kann, so wie es (anscheinend, ich war nicht da) bei enter the gap mit einer Aktionswoche gemacht wurde. Das halte ich für effektiver. Da kann es dann natürlich Dinge geben wie pädagogisch aufbereitete Theorien für Jugendliche (oder wie auch immer) oder Infos zu Migration und Feminismus, die vielleicht nicht für alle interessant sind, zu denen aber jeder hingehen kann, weil sie nicht das Leitmotiv einer Veranstaltung werden und keine Norm für alle vorgeben. Es sollte mehr Angebot und weniger Vorgabe „von oben“ geben. Ein Marsch für alle ist super, sollte aber dann wirklich sehr allgemein gehalten werden und nicht das einzige Angebot sein.

  31. Jane sagt:

    Zur „sexistischen Medienökonomie“: Ich halte es überhaupt für einen fragwürdigen Schluss, diese Form der medialen Aufmerksamkeit für feministische Zwecke instrumentalisieren zu wollen. Das widerspricht sich meiner Meinung nach, weil sexistische Medien (sofern es sie wie hier angenommen in der Form gibt) immer sexistisch berichten werden, egal was man macht. Das liegt in deren Struktur. Solange sich nichts in den Köpfen der Leute ändert, die Medien machen, wird man sich nciht darauf verlassen können mit Zugeständnissen à la „dann ziehen wir uns eben sexy an und hoffen, dass sie von der Botschaft zumindest einen Bruchteil mit abbilden“ wirklich Einfluss zu nehmen. Die Logik von zb Alice Schwarzer, eine Mainstreamplattform für ihre Ziele zu benutzen (sie hat ja für die Bild geschrieben) sieht im Ergebnis eher aus, als würde Frau Schwarzer von der Bild benutzt werden. Weil man eben das Zugeständnis macht die sexistischen MEdien als legitime Informanten anzuerkennen, unterwirft man sich meiner Meinung nach auch ihren sexistischen Strukturen. Man setzt damit auch automatisch voraus, dass Medien immer sexistisch bleiben werden. Das Ziel sollte doch sein (finde ich zumindest), dass Leute kritischer werden, Journalisten und Leser, und das geht nur, wenn sie zumindest ausreichend über Vergewaltigungsmythen und sexistische Strukturen informiert sind. Dann kann man auch mit Medien anders umgehen und dann müssen die Medien auch irgendwann anders mit dem Problem umgehen. Ich gebe zu, das klingt wenig sexy weil viel Arbeit, aber das ist bei anderen Themen leider auch cniht anders. Ich glaube auf den Trickle-down-effekt „erst nehmen die Medien die sexy Frauen wahr, dann vielleicht irgendwann die anderen Frauen, die auch noch da sind und dann irgendwann vielleicht noch die Migrantinnen wahr..“ Sorry, da will ich mich wirklich nicht auf den Mainstream verlassen, da kann ich lange warten.

  32. @John Dear dein Vorschlag klingt, als hättest du weder die Kritik, die im Artikel geäußert wird, noch die zahlreichen Punkte, die @Jane und andere (DANKE dafür) hier schon mehrmals formuliert haben, gelesen.
    Falls du sie gelesen hast, übersetz ich dir hiermit, wie sich dein Kommentar in meinen Augen liest:

    „Ich weiß, das bringt ganz ganz viele und ne ganz ganz miese Situation, aber weil ich selbst trotz all der Diskussionen noch immer nicht betroffen bin von dieser miesen Situation schlag ich doch lieber nochmal den allerersten Ansatz vor. Vielleicht lasst ihr euch eure Verletzungen und Probleme ja nochmal durch den Kopf gehen. Viele vor mir haben euch zwar bereits mit dem Back-to-the-roots-Ding genervt, aber vielleicht kann meine ureigene Persönlichkeit und die nette Art, wie ich diesen Kommentar verfasse, ja eure Meinung ändern.“

    Welche Argumente gibt´s denn bitte für den Mainstream? Welche Argumente gibt´s dafür, durch Titel, Orgastruktur, Kommunikation, Durchführung und mangelnde Positionierung zu Awareness und Parteilichkeit alle außer der weißen, deutschen Mittelschicht auszuladen? Welches Argument soll mich bitte davon überzeugen, dass dieser widergekäute Unsinn überhaupt 1 Berechtigung auf diese Plattform hat? WELCHE F*ING ARGUMENTE? ich seh sie nicht. Sie sind nicht da. Auf Betriebsausflug oder bei der Vorsorgeuntersuchung, weiß nicht wo, aber nicht hier. Und mit hier mein ich das Universum.

  33. […] slutwalks mussten und müssen sich mit vielen kritikpunkten auseinandersetzen. als fazit dieser diskussion bleibt MIR, dass […]