Sind Kinderlose unsolidarisch?

von Jennifer

Mit schöner Regelmäßigkeit vermelden die deutschen Medien: In Deutschland werden zu wenig Kinder geboren. Und weil das so sei, sei die auch Rente künftig noch weniger sicher. Anschließend lassen sich beinahe schon Wetten darauf ab­schließen, ob nach dieser Meldung auch wieder folgende Idee diskutiert wird: Wenn es immer weniger Kinder gibt, die später mit ihrer Arbeit die RentnerInnen durchbringen, – warum sollen dann nicht diejenigen, die sich jetzt so egoistisch weigern, künftige Einzahler in die Rentenkassen zu zeugen, dafür zahlen?

Zuletzt waren es einige CDU-Abgeordnete, die diesen kalten Kaffee wieder aufgewärmt hat. Sie schlagen vor, dass Kinderlose über 25 Jahre eine „solidarische Demo­graphie-Rücklage“ zahlen sollen. Klar, der Begriff „Solidarität“ darf natürlich nicht fehlen – ebenso wenig wie der Hinweis, dass auch das Bundes­ver­fassungs­gericht bereits im Jahre 2001 gefordert habe, die Belastung von Familien zu ver­ringern. Ja, wenn das Bundesverfassungsgericht das richtig findet, wie könnte man als Kinder­loseR dann dagegen sein?

Die Abgabe soll den jüngsten Plänen zufolge übrigens ein Prozent des Einkommens betragen. Ach so: Mit einem Kind wären Väter und Mütter nicht aus dem Schneider, aber sie bekommen immerhin die Hälfte der Demographie-Rücklage erlassen. Laut einem Bericht in der Print-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung hat die Gruppe aus­gerechnet, dass durch diese Abgabe zweistellige Milliardenbeträge in die Sozial­ver­sicherungen fließen könnten.

Davon abgesehen, dass Kinderlose, zumindest wenn sie berufstätig sind, ziemlich hohe Steuern zahlen (und zwar oftmals mehr als etwa Verheiratete, die vom Ehegattensplitting profitieren beziehungsweise wo ein Elternteil – meist die Mutter – maximal Teilzeit arbeitet) und dass Menschen ohne Kinder bei der Pflege­ver­sicherung schon jetzt einen um 0,25 Prozentpunkte höheren Beitrag leisten – ist es denn nicht mal langsam gut mit dem andauernden gegeneinander Ausspielen von Lebensentwürfen?

Denn darauf läuft es doch immer wieder hinaus: Hier die opferbereiten Eltern, die zugunsten ihrer Kinder finanzielle Einbußen in Kauf nehmen und auch in Sachen Selbstverwirklichung zurückstecken müssen (Wie? Die Erfüllung eines Kinder­wunsches hat nichts mit Selbst­ver­wirk­lichung zu tun, sondern dient ausschließlich der Art­erhaltung – und eben der sicheren Rente?). Dort die ach so hedonistischen Kinderlosen, denen ein Balg nur die Karriere und den dritten Kurzurlaub vermiesen würde.

Dass solche lächerlichen Klischees längst überholt sind, sollte sich eigentlich rumgesprochen haben. Die CDU-Abgeordneten haben es offenbar nicht mit­be­kommen – genauso wenig wie die Tradition ihrer Partei, sich etwa beim Thema „Betreuungs­geld“ stets vehement für die Gleichberechtigung aller Lebensentwürfe einzusetzen und es unmöglich zu finden, wenn der Staat den einen dem anderen gegenüber zu bevorzugen scheint.

Noch etwas scheint den CDUlern nicht klar zu sein: die Tatsache, dass längst nicht jeder Kinderlose dies freiwillig ist. Sollen also diejenigen, die aus gesundheitlichen Gründen keine Kinder bekommen können, dafür noch mit einer Sondersteuer zusätzlich bestraft werden – und die, bei denen es aus welchen Gründen auch immer nur zu einem Kind „gereicht“ hat, gleich mit? Was ist denn mit Paaren, die sich keine künstliche Befruchtung leisten können – erst recht nicht, seit die Krankenkassen die Kosten bei Ehepaaren nur noch anteilig übernehmen (un­ver­heiratete Paare werden finanziell in dieser Hinsicht überhaupt nicht unter­stützt)? Wie sollen sich gleichgeschlechtliche Paare fühlen, denen eine Adoption in Deutschland immer noch so gut wie unmöglich gemacht wird?

Bitte nicht falsch verstehen: Die Leistung, die Familien selbstverständlich für diese Gesellschaft erbringen, dankt diese ihnen hierzulande nicht einmal ansatzweise genug. Doch anstatt Eltern stärker zu unterstützen oder einmal die über 150 Leistungen, die sie eigentlich fördern sollen (dazu gehört unter anderem auch das Ehegattensplitting) mit Blick auf ihre Wirkung auf den Prüfstand zu stellen, wie sich eine Expertengruppe des Familienministeriums vor wenigen Jahren mühte,  wird immer mal diese Neiddebatte vom Zaun gebrochen. Die kostet ja nichts.

Und selbst wenn die Abgabe für Kinderlose niemals kommt, weil die PolitikerInnen genau wissen, dass auch Menschen ohne Kinder wählen gehen (Bundeskanzlerin Angela Merkel und Familienministerin Kristina Schröder haben die Vorschläge auch prompt zurück­gewiesen), lenkt ein solcher Vorschlag doch schön von den be­stehenden Mängeln in Rentensystem und Familienförderung ab.

Bleibt die Frage, warum die Medien stets so gerne auf das Thema anspringen. Und warum es ihnen nicht gelingt, dieses anders als anhand von Stereotypen zu vermitteln. Beispiel „Tagesthemen“, Dienstagabend (hier der Bericht): Die Pläne der CDU-HinterbänklerInnen sind immerhin der zweite Aufmacher. Erläutern darf sie der Abgeordnete Marco Wanderwitz (36 Jahre), der so wenigstens auch mal ins Fern­sehen darf. Und das „Tagesthemen“-Team vergisst natürlich nicht, seine drei­fache Vaterschaft zu erwähnen. Mag schließlich ein weiterer Grund für seine Über­legungen gewesen sein, dass er es doof fand, den kinder­losen Fraktions­kollegen immer mit dem schicken neuen Cabrio wegfahren zu sehen, während es bei ihm nur für eine gebrauchte Familien­kutsche reicht.

Ihm folgt die unvermeidliche Straßenumfrage. Die Befürworterin der Abgabe wird direkt vor einer Kita interviewt, sodass sofort klar ist: Hier erklärt eine Mutter, dass Menschen ohne Kinder es so viel besser haben und sie deshalb unbedingt zur Kasse gebeten werden sollten. Die Gegenstimme kommt dann – auch von einer Frau. Dem TV-Team scheint es also überhaupt nicht in den Sinn gekommen zu sein, dass man auch einmal einen Mann fragen könnte. Die haben ja auch längst nicht alle Kinder, aber vielleicht auch eine Meinung zum Thema.

Oder dachte die „Tagesthemen“-Redaktion an eine schon etwas ältere Studie, derzufolge sich Männer heute der Familiengründung noch viel stärker ver­weigern, so dass die Frauen ihren Kinderwunsch einfach nicht realisieren können, weil ihnen der Partner dazu fehlt (was ja, konsequent zu Ende gedacht, bedeuten würde, dass kinderlose Männer eigentlich eine höhere Abgabe zahlen müssen. Oder dass bei Paaren, bei denen nachweislich Er keine Kinder wollte, eine Umschichtung nötig wäre – eine Art „Kinderlosen-Splitting“ vielleicht)?

Aber klar: Frauen passen doch auch viel besser zu einem solch emotionalen Thema, oder? Vielleicht wollte ja sich ja tatsächlich kein Mann vor der Kamera dazu äußern – bis auf Marco Wanderwitz…




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Eintrag geschrieben: Montag, 20. Februar 2012 um 9:00 Uhr unter Familien_politik. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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23 Kommentare

  1. Db sagt:

    So bescheuert manche Vorschläge besonders aus den hinteren Reihen der Union auch sind, so gut taugen Sie dazu, von anderen Mängeln abzulenken… Warum zahlen eigentlich Angestellte mit schmalem Salär in die Rentenversicherung, nicht aber die Zumwinkels und die Ackermanns? Das ist doch die gleiche Misere wie bei der gesetzlichen Krankenversicherung: Die oberen 100.000 sind nicht beteiligt.

    Ausserdem würde ein solcher Vorschlag an der Lebensrealität, die man in Christsozialen Musterfamilien wegignoriert, scheitern: Wie werden denn Patchworkfamilien gerechnet? Zählen nur leibliche Kinder – und was ist, wenn der Vater nicht aktenkundig gemacht wird? Zählen Pflegekinder? Adoptivkinder? Scheidungskinder bei beiden Elternteilen? Das zur Verwaltung nötige Bürokratiemonster will ich mir nicht einmal vorstellen.

    Und schließlich die Frage: Wie wäre es denn, für _alle_ Steuerzahler die Einkommenssteuer um 1% zu erhöhen und die Mehreinnahmen auf das Kindergeld aufzuschlagen? Das wäre doch wesentlich einfacher umzusetzen und in der Summe sollte es nahezu aufs gleiche rauskommen. Das könnte man auch so dezent machen, dass es der Steuerzahler nicht direkt merkt, aber sich mit der Kindergelderhöhung aufplustern. Naja, vielleicht 2013 vor der Wahl.

  2. nullzeit sagt:

    Was mich bei der ganzen Debatte übel aufstoßen lässt, sind die widerstreitenden Meldungen: 1. Gebärdefizit lokal und 2. Überbevölkerung global. Irgendwie werden diese beiden Information aber selten in einem Zusammenhang benannt.

    Bei 7 Milliarden Menschen auf der Erde ist es sicherlich ganz besonders christlich und sozial und nachhaltig, für weitere Einwanderungssperren und Bildungsverknappung und weltweite Hungerökonomie zu sorgen…? Gute Kinder, unnütze Kinder??? Es geht doch gar nicht um die reine Demographie, es geht um ganz pragmatische lokale Selektion von „Humankapital“ und Elitenförderung. Von rassistischen Verdikten („Lebensborn“) mal ganz abgesehen. Klingt das jetzt zu radikal oder nicht auch irgendwie abschreckend vom Kinderwunsch?

  3. Miriam sagt:

    Davon abgesehen, dass Kinderlose, zumindest wenn sie berufstätig sind, ziemlich hohe Steuern zahlen (und zwar oftmals mehr als etwa Verheiratete, die vom Ehegattensplitting profitieren beziehungsweise wo ein Elternteil – meist die Mutter – maximal Teilzeit arbeitet)

    Hier geht doch ein bisschen was durcheinander, finde ich… Kinderlose sind nicht zwangsläufig unverheiratet und Menschen mit Kindern sind nicht zwangsläufig verheiratet… In der Diskussion ums Ehegattensplitting wird immer wieder angeführt, dass es nicht mehr zeitgemäß ist, die Ehe mit dem Argument der Familienförderung steuerlich zu begünstigen. Menschen mit Kindern haben heutzutage eben nicht mehr zwangsläufig steuerliche Vorteile aufgrund von Elternschaft. Empfehle hierzu:
    http://www.zeit.de/2012/06/Staat-gegen-Liebe

  4. Lina sagt:

    Zu diesem Thema wurde dieses Wochenende auch in der Berliner Morgenpost ein sehr fragwürdiger Artikel geschrieben in dem eine Familie dargestellt wurde und was sie für ihre Kinder ausgibt. So weit so gut. Mitten im Text stand dann, dass ihr 10 jähriger (!) Sohn als einziger in der Klasse kein iPhone hat, war mein Gedanke nur: und ich soll jetzt dafür zahlen, dass Kinder ein iPhone haben? Ich denke das war ein Gedanke, den nicht wenige haben, und hat mir nur wieder vor Augen geführt, wie sehr Medien Menschen gegeneinander „aufhetzen“ können.
    Zum anderen die Politik, die völlig gesellschaftsfern idiotische Ideen in die Gegend wirft. Nicht jeder ist absichtlich kinderlos. Und ich fühle mich mit 29 noch nicht reif genug und möchte jetzt lieber erstmal einen Fuß in meinem Beruf fassen. Und mit meinen Jahresverträgen (die auch nicht wenige in unserer Generation haben) steht für mich die Idee Kind sowieso weit hinten an.
    Vielleicht sollte sich die Politik mal lieber darüber Gedanken machen wieso die Leute immer später Kinder bekommen, wer setzt schon ein Kind in die Welt, wenn die eigene wirtschaftliche Situation ungewiss ist??

  5. Doreen sagt:

    Ich finde diese Idee der „solidarischen Demo­graphie-Rücklage“ auch total albern. Und mich nerven auch die ständig wiederkehrenden Diskussionen darüber, ob nun Kinderlose oder die mit Kindern die egoistischeren/unsolidarischeren Menschen sind. Ich denke, die wenigsten entscheiden sich für oder gegen Kinder, um die Renten zu sichern oder um der gobalen Überbevölkerung entgegenzuwirken. Die Frage, ob man Kinder will, gehört für mich ganz selbstverständlich zur persönlichen Selbstverwirklichung.

  6. Intergenerative Gerechtigkeit oder wie man Kinderlo-o-s-er-innen Beine macht…

    Ich habe einen schlechten Schlaf. Deswegen habe ich mich irgendwann für einen Fernseher im Schlafzimmer entschieden. Da ich nachts mehrmals wach werde, kommt es also ab und an vor, dass ich mir die Glotze für eine halbe Stunde anmache, mich bedusseln l…

  7. foo sagt:

    Dieser CDU-Vorstoss hat bei mir auch nur Augenrollen ausgelöst. Unterstützung von Familien gut und schön, prima Sache, aber damit hat dieser Vorstoss genau gar nichts zu tun. Im Gegenteil, er würde auch Familien stärker belasten (0,5% des Einkommens wenn man nur ein Kind hat… teh fuck?) Im Kontext dieses Strafgelds für Kinderlose auf die Unterstützung von Familien zu verweisen ist also einfach nur eine Frechheit. Darüber hinaus trieft dieser Vorschlag nur so von ideologischem Bullshit.

    Zum Einen ist da das Ausspielen von Eltern und Kinderlosen, und die Gleichsetzung von Kinderlosigkeit mit ökonomischem Egoismus. Klar ist Elternschaft mit Einschränkungen und Entbehrungen verbunden – aber das ist zum Beispiel auch die Entscheidung, in die Forschung zu gehen. Das ist ebenfalls mit unsicheren Zukunftsaussichten (Zeitverträge anyone?) und jahrelanger mieser Bezahlung verbunden – und der Beitrag von Forschern zum Aufbau und Erhalt einer florierenden Wissensgesellschaft, die Deutschland ja gerne sein möchte, ist wohl kaum zu bestreiten. Es soll also bitte niemand so tun, als könne man nicht auch als Kinderloser den eigenen Wohlstand zugunsten wenig lukrativer Lebensentwürfe zurückstellen und dabei trotzdem der Gesellschaft langfristig nützen.
    Überhaupt ist das Verteufeln von Egoismus Unsinn. Ist es egoistisch von mir, dass ich keine Kinder will, sondern mich lieber uneingeschränkt der Wissenschaft widmen möchte? Klar. Schade ich damit der Gesellschaft? Ich denke nicht. Wird meine Tätigkeit langfristig anderen Menschen als mir selber zugute kommen? Das will ich doch stark hoffen. Ist es egoistisch von einer hervorragenden Chirurgin, die ihren Beruf liebt und den nicht aufgeben oder einschränken möchte, und sich deswegen gegen Kinder entscheidet? Natürlich. Nützt sie damit anderen Menschen als sich selbst? Na aber hallo, wahrscheinlich mehr, als wenn sie wegen ihrer Mutterschaft erst mal aussetzen und später nur noch halbtags arbeiten würde.

    Dann die seltsame Annahme, dass Viele Kinder = Prosperierende Gesellschaft und Lösung der Probleme mit unserem zerbröselnden Sozial- und Rentensystem. Viele Kinder an sich nützen einem noch gar nichts, wenn alles so weiterläuft wie bisher. Wir haben schon lange keine Vollbeschäftigung mehr und werden wahrscheinlich auch nie wieder eine haben. Mehr Kinder ändern daran genau gar nichts, und schon gar nicht wenn unser Wirtschafts-, Bildungs- und Gesellschaftssystem mit ihnen nichts anzufangen weiss und ihnen keine Möglichkeiten zur Entfaltung bieten kann. Und überhaupt passt mir der ganze Unterton bei solcherlei Vorschlägen gar nicht, dass Kinder vor allem eins sind: Humankapital. Bah, sag ich, bah.

  8. S.Steinfeger sagt:

    Junge Menschen sollen früher Kinder bekommen sollen. Ansätze dafür gibt es genügend. Besonders wichtig ist ein Auszeitmanagement für Männer und Frauen…Die „Rushhour“ muss entzerrt werden, wenn junge Menschen wieder früher Kinder bekommen sollen. Ansätze dafür gibt es genügend. Besonders wichtig ist ein Auszeitmanagement für Männer und Frauen.

  9. Frau Doktor sagt:

    Dass der Mann WanderWitz heißt, nehme ich jetzt einfach mal als Zeichen. :-)

  10. Angelika sagt:

    > Mit einem Kind wären Väter und Mütter nicht aus dem Schneider, aber sie bekommen immerhin die Hälfte der Demographie-Rücklage erlassen. was ja, konsequent zu Ende gedacht, bedeuten würde, dass kinderlose Männer eigentlich eine höhere Abgabe zahlen müssen.
    // ganz genau //

    alles andere ist mMn sog. propaganda.
    klassische (basis-)frage : wem nützt sie (=dieses pseudo-thema) ?

    und von wg. GG Artikel 6 (1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.

    damit wird ja wohl u.a. dieses sog. ehe-splitting und anderes steuerrechtliches tralala gerechtfertigt.

    (auch dazu wurde auch hier/bei der MM ja mehrfach entsprechend gebloggt und diskutiert.)

    und wie stehts mit der umsetzung von GG Artikel 3
    (2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

    ?

  11. hnk sagt:

    Die Verbindung die hier und da mitm Kinderhaben und „gesellschaftlichen Nutzen“ gemacht wird, missfällt mir. Diese Rede, wir sollten den Leuten mit Kindern dafür oder sonst irgendwie „dankbar“ sein, missfällt auch. Riecht alles nach Relikten aus der völkischen Asservatenkammer.

  12. PaulS sagt:

    „Die Frage, ob man Kinder will, gehört für mich ganz selbstverständlich zur persönlichen Selbstverwirklichung.“

    Ja, sicher – nur im Falle der Scheidung tendieren Frauen dazu, die Kinder als reine Arbeit zu definieren, die sie dem Mann ja so toll abnehmen, statt dass sie ihm ein Stück Selbstverwirklichung stehlen, weswegen der bitte Unterhalt zahlen soll und den Kindesunterhalt komplett übernehmen muss.

  13. […] Mäd­chen­mannschaft » Blog Archive » Sind Kinder­lose unsol­i­darisch?. This entry was posted in Allgemein by Dogma Pillenknick. Bookmark the permalink. […]

  14. Silke sagt:

    @ Foo

    Nein dein Egoimus ist nicht schlecht. Musst du wissen.

    Aber bitte erwarte nicht, dass Kinder andere Leute dir deine Rente zahlen (*lach*) oder dir später den Po abwischen.

    Meine werden es zumindest nicht sein, dass kann ich dir garantieren.

    Und wenn du dann in deinem eigenen Kot erstickst…tja dann darfst du dich dann auch nicht beschweren.

  15. Jennifer sagt:

    Hey, freu‘ mich sehr über eure Beiträge. :-)

    Auch wenn das, wie ja auch schon gesagt, eine Sau ist, die immer mal wieder und immer völlig ergebnislos durchs Dorf getriebe, ein paar kleinere Beiträge dazu noch von mir:

    @Foo: Danke noch für den Hinweis, dass Einkindfamilien durch eine solche Abgabe ja noch zusätzlich belastet würden – was ja dem Gedanken, Familien zu stärken, nun wirklich total zuwider läuft. Das macht das Ganze nämlich noch lächerlicher.

    @Miriam: Sorry, wenn der Part mit den Steuern so rübergekommen sein sollte, als wollte ich Eltern die höhere Steuerlast von Kinderlosen vorhalten. Genau das wollte ich ja eigentlich vermeiden: dieses gegeneinander aufrechnen. Mir ist total bewusst (und ich wollte das eigentlich auch später im Beitrag betonen), dass Eltern in Deutschland viel zu stark be- und zu wenig entlastet werden. Und daran müsste man auch dringend etwas ändern. Ich finde es nur genauso unangemessen, wenn so getan wird, als könnten Kinderlose alles Geld, das sie verdienen, für sich behalten und dann verprassen.

    @Silke: Ist das ironisch gemeint? Falls nicht, wäre das genau so ein Beispiel für das Gegeneinander aufrechnen von Lebensentwürfen, das ich wohl nie verstehen werde …

  16. Jolene sagt:

    … und nicht zuletzt können Leute auch gute Gründe haben, sich gegen Kinder zu entscheiden. Bin eben über einen Artikel aus der SZ von 2008 gestolpert- ein Interview mit Corinne Maier: http://www.sueddeutsche.de/leben/gruende-gegen-kinder-das-balg-nervt-1.529732

    Des Weiteren kann ich mich allen Kommentaren (bis auf den von Silke) nur anschließen… der Vorschlag ist populistisch und nützt gesamtgesellschaftlich gar nichts.

  17. Angelika sagt:

    oups, meinen kommentar hats zerlegt. 2ter versuch.

    > Mit einem Kind wären Väter und Mütter nicht aus dem Schneider, aber sie bekommen immerhin die Hälfte der Demographie-Rücklage erlassen. was ja, konsequent zu Ende gedacht, bedeuten würde, dass kinderlose Männer eigentlich eine höhere Abgabe zahlen müssen. < (müssten)
    // ganz genau //

  18. Miriam sagt:

    @Jennifer: Hab das gar nicht direkt als gegeneinander ausspielen gelesen, sondern einfach nur als ‚unsauber formuliert‘. Ehegattensplitting und Abgaben von Kinderlosen werden ja gerne mal in einen Topf geworfen, aber das Ehegattensplitting ist schlicht und einfach nicht (mehr) steuerliche Begünstigung von Menschen mit Kindern. Eben weil mich das Argument der Splitting-Verfechter, das Ehegattensplitting sei Familienförderung, so nervt, sollte man nicht den Fehler begehen und sagen: Hey, Menschen mit Kindern haben doch schon Steuererleichterungen durch das Ehegattensplitting, warum jetzt noch eine Abgabe für Kinderlose? Ehegattensplitting hat NICHTS mit dem Vorhandensein von Kindern zu tun, also hat es in dieser Diskussion auch nichts zu suchen, meiner Meinung nach.

  19. Jennifer sagt:

    @Miriam: Okay, dann meinen wir im Grunde dasselbe. Und du hast natürlich Recht, man hätte das noch klarer abgrenzen können – aber das Thema „Ehegattensplitting“ müsste man dann eh‘ mal erschöpfender behandeln. Ich hatte das hier nur kurz aufgreifen wollen, damit es gar nicht mehr als mögliches Gegenargument in die Runde geworfen werden konnte …

  20. Zoe sagt:

    Großes Lob und vielen Dank für den Kommentar von Nullzeit:
    „Was mich bei der ganzen Debatte übel aufstoßen lässt, sind die widerstreitenden Meldungen: 1. Gebärdefizit lokal und 2. Überbevölkerung global. Irgendwie werden diese beiden Information aber selten in einem Zusammenhang benannt.“
    Ich finde das muss unbedingt zusammen diskutiert werden. Als Umweltschützerin, Idealistin und „Weltverbesserin“, habe ich mich nicht nur fürs Fahrradfahren entschieden, sondern auch für ein möglichst nachhaltiges Verhalten (kaufe z.B. viele Second Hand Klamotten), Energie sparen usw. Ich habe mit voller Absicht KEINE Kinder in die Welt gebracht, weil seit 4 Jahrzehnten (Minimum) klar ist, dass die Erde an Überbevölkerung leiden wird – mit allen Nachteilen. Ich verstehe mich als „Umweltschützerin“, da ich keine Kinder auf die Welt gebracht habe. Radikal, aber die Wahrheit.
    Und trotzdem fordere ich nicht, dass Eltern eine Extra-Abgabe zahlen sollten, weil ihr Verhalten (Kinderkriegen) den Planeten schädigt.

  21. hallayo sagt:

    @Zoe
    Die „Überbevölkerung“ der Welt ist eine Mär, schon immer gewesen. Menschen, die beschissene Lebensbedingungen haben, sind nicht zu viel, sondern kriegen zu wenig. Die Waren, die auf der Welt produziert werden, werden einfach auf eine Art und Weise verteilt (nämlich am Markt verkauft), die keine sinnvolle, gerechte oder gleiche Verteilung organisieren kann und soll.
    Das Problem ist also das Wirtschaftssystem, in dem nur produziert wird, was für den_die Produzierende Profit verspricht, und nicht, was die Bedürfnisse möglichst vieler Menschen befriedigt (oder auch die Umwelt schont).
    Dieses absolut irrationale System nenne ich Kapitalismus und es lässt sich nicht abschaffen oder unterlaufen indem Klamotten länger getragen werden.

  22. Anna-Sarah sagt:

    Ich finde die Gleichsetzung „Kinderlosigkeit = aktiver Umweltschutz“ ehrlich gesagt auch ein bisschen kurz gegriffen und vereinfacht. Sicher lässt sich wohl relativ pauschal festhalten, dass es dem Plantete Erde als solchem eher nutzt als schadet, wenn sich eher weniger als mehr Menschen drauf aufhalten – zumal was die sogenannte westliche Welt und Industrieländer angeht. Und mir persönlich ist es auch komplett wumpe, ob z.B. Deutschland „ausstirbt“, was immer das auch bedeuten mag. Aber wie hallayo schon anspricht, geht es ja in erster Linie um Ressourcennutzungs-, Verteilungs- und Produktionsproblematiken, die sich nicht linear zur Menge der Menschen, die sich auf der Erde tummeln, verschlimmern oder entschärfen. Darüber hinaus wird auch auf der Mikroebene nicht automatisch ein Schuh aus dieser Rechnung, da es durchaus Singlehaushalte gibt, die einen höheren Ressourcenverbrauch oder größeren „carbon footprint“ aufweisen als manch mehrköpfige Familie – gerade in tendenziell (!) freiheitlichen und wohlhabenden Gesellschaften wie der „unseren“ kommen da unterschiedliche Lebensstile, Konsumgewohnheiten und -möglichkeiten etc. zum Tragen (langjährige Verhütung ist z.B. oft auch nicht unerheblich mit Ressourcenverbrauch sowie Müll- und Schadstoffproduktion verbunden, könnte mensch jetzt nicht viel weniger polemisch und einseitig einwerfen). Weder die Mit-, noch die Ohne-Kind-Familie oder die_der Single ist per se die „umweltfreundlichere“ Lebensform. Ich finde diesen Aspekt hier nicht sonderlich weiterführend. Vielmehr stößt das wieder in das alte Gegeneinanderausspielungshorn.

  23. Angelika sagt:

    (ok letzter versuch. liebe MM, keine ahnung, warums meine kommentare hierzu bisher zerlegt hat)
    zB
    „Mit einem Kind wären Väter und Mütter nicht aus dem Schneider, aber sie bekommen immerhin die Hälfte der Demographie-Rücklage erlassen.“
    auch das ist mE/meiner analyse nach sog. propoganda/pseudo-dingens-geschwurbel.
    denn : demographisch/volkwirtschaftlich ist die sog. NRR = Nettoreproduktionsrate (=nettorate weibliche geburten (!) ausschlaggebend. so wurde es mEn im grundstudium BWL/VWL gelehrt. einfach mal bei interesse NRR guggeln/ixquicken etc.)
    und auch mit sowas bleibt dieses thema mE weiterhin ja vollends absurd.
    oder ebend (für mich) ein nicht-thema, das u.a. von was ? ablenken soll, wenns immer wieder „medial unters volk gebracht wird“ …