she:publica 2010: Sexismus im Netz

von Verena

Der Countdown läuft: Am 14. April startet in Berlin die re:publica 2010. Dieses Jahr mit zahlreichen Frauen auf Podien und Panels. Damit ihr euch vorab einen Überblick verschaffen könnt, wer, wo, was macht, stellen sich euch in den folgenden zwei Wochen einige der Ladies@re:publica mit ihrem Programm vor:

Heute: Anne Roth, die als annalist bloggt


1. Wie heißen du und deine Veranstaltung?

Ich heiße Anne Roth, und die Veranstaltung „Das andere Geschlecht. Sexismus im Netz“ (der Titel ist ein bisschen auch der Kürze der Eingabefelder der re:publica geschuldet). Mit mir diskutieren werden Anna Berg, Mädchenmannschaft, und Klaus Schönberger, Dozent für Kultur- und Gesellschaftstheorie an der Uni Zürich.

2. Was wird auf deiner Veranstaltung passieren?

Ich werde Anna und Klaus ein paar Fragen dazu stellen, warum Frauen im scheinbar völlig gleichberechtigten Netz an zentralen Stellen deutlich unterrepräsentiert sind. Oder andersrum: warum auch im Netz vor allem deutsche Männer mit akademischer Ausbildung, im mittleren Alter in der Öffentlichkeit als wichtig wahrgenommen werden (es wird erstmal nur um das deutschsprachige Netz gehen).

Obwohl beispielsweise in den deutschen Blogcharts, einem von vielen Rankingsystemen, die zur Bewertung und Sortierung der Blogosphäre herangezogen werden, Frauen fast nicht vorkommen, wird das Problem von vielen negiert. Mir begegnet häufig die Frage, ob das denn (im Netz) überhaupt wichtig sei: welches Geschlecht jemand hat. Sind wir nicht längst darüber hinaus? Diese „Post-Gender-Haltung“ ist völlig diskrepant zur realen Situation. Deswegen wird es sicher auch um ein paar Beispiele von deutlich sichtbarem Sexismus im Netz gehen. Etwa in Kommentaren unter feministischen Artikeln, um reale Gewalt(-androhung), um die Notwendigkeit, anonym bleiben zu können. Und um den nicht so deutlichen Sexismus in Strukturen und hinter den Kulissen.

Zum Thema gehört aber auch die Frage, ob es richtig ist, im Jahr 2010 die Welt noch in Frauen und Männer einzuteilen und ob es Frauen nicht eigentlich egal sein sollte und könnte, ob sich ein paar Männer gegenseitig wichtig finden oder nicht.

3. Wieso liegt dir das am Herzen?

Ausgangspunkt ist ein Rant, den ich im November geschrieben habe, nachdem Philipp Banse bei dctp.tv eine Serie gestartet hat, die den Titel „Meinungsmacher“ trägt. Vorgestellt wurden in der ersten Staffel vier wichtige Blogger. Alles Männer. Ich habe mich gefragt, wie diese Wahrnehmung zustande kommt, dass ausgerechnet diese vier, und dann auch die nächsten vier (Männer) wichtig sind in der Blogosphäre. Das hat eine Debatte ins Rollen gebracht, die nicht neu ist, aber wohl immer wieder nötig: wer ist relevant? Wie wird Relevanz gemessen? Ist das wichtig und für wen?

Das Thema wurde im Mikrokosmos der sich mit Genderthemen beschäftigenden BloggerInnen aufgegriffen und führte zu einer neuen kleinen Bugwelle an Artikeln. Dazu die von Euch initiierte Wahl zur Bloggerin des Jahres, vulgo ‚Bloggermädchen‘ (die Bezeichnung hat dann zu einer eigenen, durchaus interessanten Debatte geführt), und ein eigenes Blog. Schließlich hat mich dann Philipp Banse auch für die Meinungsmacher-Serie interviewt.

Ich selber blogge eigentlich nicht hauptsächlich zu feministischen Themen und halte mich auch nicht für eine Expertin auf dem Gebiet. Ich habe mich vor vielen Jahren in meinem Politik-Studium auch mit dem beschäftigt, was damals Frauenforschung hieß (bevor Judith Butler die Geschlechter dekonstruierte). Mittlerweile beschäftige ich mich mit Netzpolitik und Medienkritik, vor allem aber Innenpolitik, und freue mich darauf, mit Anna und Klaus zwei ExpertInnen Fragen stellen zu können, zu denen die beiden sicher viel zu sagen haben werden.

Hier noch die Links zu meinen GesprächsparnterInnen:
Anna Berg: Ihr durchtriebenen, miesen Fotzen!
Klaus Schönberger: Doing Gender, Kulturelles Kapital und Praktiken des Bloggens

4. Wo und wann geht es los?

Am Donnerstag, 15. April, findet das Panel um 16 Uhr im Großen Saal der Kalkscheune statt




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Eintrag geschrieben: Samstag, 10. April 2010 um 13:30 Uhr unter Netz(kultur). RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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5 Kommentare

  1. soeintyp sagt:

    Tja. Das hätte ich gerade gerne verfolgt, eigentlich.
    Aber, ach was für ein feines Sinnbild irgendwie für die ganze Veranstaltung ‚Internet‘, der unfassbare Haufen von CopyPasteSpamKacke nebendran im Chat hat’s mich auf der Seite nicht aushalten lassen.

  2. palü sagt:

    mir gings ähnlich, und mich hat es unheimlich wütend gemacht!

  3. Anna sagt:

    Die Veranstalter haben wohl schon reagiert (bzw es zumindest vor):

    […]Sicherlich hätte man dies umgehen können, indem wir pauschal die Teilnahme am Chat nur für registrierte Nutzer zugelassen hätten. Dies hätte aber doch auch zahlreiche intelligente Chat Nutzer davon abgehalten sich am Chat zu beteiligen.
    Wir werden heute Nacht eine technische Möglichkeit programmieren, um solche Beiträge zukünftig unschädlich zu machen. Wir hoffen diese Entwicklung morgen früh zum Einsatz bringen zu können. […]

    komplett zu lesen bei Karnele.

  4. […] wieder wird von Queer-/Feminist_innen auf Veranstaltungen wie der Re:publica 3, in Blogartikeln 4 oder dem Gendercamp überlegt, wie mit dem Hass, der uns im Netz entgegenschwemmt, sinnvoll […]

  5. […] Konferenz zu digitaler Gesellschaft, Netzkultur und Blogs in Berlin. [↩]vgl. Mädchenmannschaft: she:publica 2010: Sexismus im Netz; Mädchenmannschaft: Frauenfeindlichkeit im Internet gibt es nicht; Grünes Blog: Bericht zum […]