She-Boss

von Barbara

Das äußerst lesenswerte Buch “Die Räuberbraut” von Margaret Atwood (Erstausgabe erschienen 1993) erzählt von drei Frauen, die alle von einer vierten, der “Räuberbraut” böse verarscht werden: Diese skrupellose, wahnsinnig attraktive Frau spielt ihnen die Freundin vor, die Hilfe und Rat sucht, sie lügt aber nach Strich und Faden und verrät die Freundschaft aufs Übelste. Die drei Frauen verlieren durch den Verrat einen großen Teil ihres Selbstbewusstseins, viel Geld – und ihre Männer.

Margaret Atwoods Bücher haben immer einen feministischen Touch (besonders zu empfehlen ist auch “Der Report der Magd” von ihr), und sie beschreibt Gedanken, die ich kenne. So zum Beispiel diese:

Es ist kompliziert, ein weiblicher Boss zu sein. Frauen sehen einen nicht an und denken Boss. Sie sehen einen an und denken Frau, wie in: Nur eine Frau, genau wie ich, und was bildet sie sich eigentlich ein? Ihre kleinen Sextricks funktionieren nicht bei dir, deine eigenen kleinen Tricks funktionieren nicht bei ihnen; große blaue Augen sind kein Vorteil. Wenn du ihre Geburtstage vergisst, bist du der letzte Dreck, wenn du sie kritisierst, heulen sie, und sie tun es nicht einmal auf der Toilette, wie sie es bei einem Mann machen würden, sondern vor deinen Augen, wo du sie sehen kannst, sie erzählen dir ihre unglückseligen Geschichten und erwarten Verständnis, aber versuch nur ein einziges Mal, eine Tasse Kaffee von ihnen zu bekommen. Leck deine Briefmarken gefälligst selbst, Lady. Sie bringen dir den Kaffee, das schon, aber er ist kalt, und dazu hassen sie dich auf immer und ewig. Bin ich dein Dienstmädchen?, hat sie selbst immer zu ihrer Mutter gesagt, sobald sie groß genug war, um widerspenstig zu sein.

Genau.

Wohingegen genau dieselben Frauen für einen männlichen Vorgesetzten ganz selbstverständlich springen würden. Sie würden die Geburtstagsgeschenke für seine Frau kaufen, sie würden die Geburtstagsgeschenke für seine Geliebte kaufen, sie würden Kaffee kochen, sie würden ihm die Pantoffeln im Mund nachtragen wie ein gut trainiertes Hündchen, Überstunden kein Problem.

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Eintrag geschrieben: Montag, 7. Dezember 2009 um 20:56 Uhr unter Der Feminismus ist schuld, Kultur. RSS 2.0. Kommentieren. Trackback.



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16 Kommentare

  1. maike sagt:

    “Wohingegen genau dieselben Frauen für einen männlichen Vorgesetzten ganz selbstverständlich springen würden.”

    Und warum ist das so?

    Das frage ich ganz unsarkastisch und ohne Ironie, es interessiert mich wirklich.

  2. Ich denke, dass ist nur noch ein Klischee, das so schon lange nicht mehr stimmt. Die Schilderung erinnert mich an Hollywoodfilme aus dem vorigen Jahrhundert, wo solche Stereotypen häufig bemüht wurden.
    Nein, ich denke, das sind heute seltene Ausnahmefälle und nicht mehr die Regel.

  3. Neeva sagt:

    Ich denke auch, das sind Ausnahmefälle. Genau wie die Frauen, die ihren Vorgesetzten gegenüber “Sextricks” anwenden. Der Preis dafür (kompletter Respektsverlust) ist zu hoch.

  4. susimaus sagt:

    “Nur eine Frau, genau wie ich”

    da hab ich auch in anderen kontexten schon oft beobachtet.

  5. Miriam sagt:

    @susimaus: Kannst du das genauer beschreiben?

    In meiner derzeitigen Situation (promovierte Ingenieurin, Berufseinsteigerin, auf Jobsuche, Mutter eines 4 Monate alten Kindes) stelle ich fest, dass ich den Frauen, den ich in der Bewerbungssituation begegne, unterstelle, dass sie mir mehr zutrauen als Männer. Bei denen habe ich immer das Vorurteil, dass sie mir unterstellen “Frau mit Kind, die fehlt doch eh die Hälfte der Zeit, weil das Kind krank ist”. Das hat weniger damit zu tun, dass ich denke, eine Frau hat mehr Verständnis für mich als vielmehr, dass sie als berufstätige Frau weiß, dass sowas Quatsch ist. Bei einem Mann weiß ich halt nie, ob er ein eher traditionell geprägtes Familienbild hat.
    Will sagen, ich unterstelle den Frauen, dass sie mich fairer/objektiver bewerten als die Männer.

  6. anna sagt:

    Dafür heulen die weiblichen Bosse vor unseren Augen, wenn sie unliebsame Entscheidungen treffen. Sie versuchen ihre Unsicherheiten durch besonders hatres Auftreten zu kaschieren und behandeln ihre Mitarbeiter besonders schlecht.Und alles nur, weil sie fürchten eh nicht ernst genommen zu werden.
    Traurig aber wahr: die schlimmsten Bosse die ich hatte waren leider Frauen. Das ist leider die Realität auf der anderen Seite des Schreibtisches. Lieder

  7. Freundchen sagt:

    @miriam: ob du da wirklich gut fährst in dem Glauben?

    @anna: meine schlimmsten Bosse waren auch alle weiblich. Möchte allerdings nicht soweit gehen und behaupten das deswegen alle Frauen in Chefpositionen ne fiese Ader haben. Aber die beiden waren echte Marken…

  8. Miriam sagt:

    @Freundchen: Das steht auf einem anderen Blatt. Ich habe nirgendwo behauptet, dass meine Vorurteile Realität sind…

  9. Freundchen sagt:

    Bin grad am überlegen wie unsere Ingenieure drauf sind…. kann ich ehrlich nichts zu sagen, ob da Vorurteile angemessen wären. ;)
    Oder realistisch…
    Aber ich kann dir sagen, dass es Frauen gibt die Männer kündigen weil diese Vater werden und dannw weniger Zeit fürs Büro hätten.

  10. steve, the pirate sagt:

    @Miriam: “Will sagen, ich unterstelle den Frauen, dass sie mich fairer/objektiver bewerten als die Männer”
    Das geht mir genau so :)
    Bisher habe ich auch mit weiblichen Chefs gute Erfahrungen gemacht. Die
    haben aber auch alle fachlich enorm viel gekonnt uns mussten sich somit nicht
    mit übertriebener Härte Respekt verschaffen.

  11. Ich persönlich habe mit weiblichen Chefinnen ganz andere Erfahrungen machen dürfen. Denn wenn Du und Sie in der ähnlichen Attraktivitätskategorie seid, kann gegenseitiges Anflirten einen eine ganzen Strecke weiterbringen. D. h. die Welt ist nicht so Hetero wie sie erscheint und auch Frauen können anderen Frauen beruflich weiterhelfen. Mehr als Männer denke ich mittlerweile, da Männer meistens nur anderen (und jüngeren) Männern weiterhelfen und Frauen nur fürs Bett vorgesehene haben. Nicht für den geistig-beruflich-sonstigen Austausch.

  12. Katharina sagt:

    Wenn’s hier schon so ne Art Umfrage gibt:
    Ich bin bisher von zwei männlichen Chefs super unterstützt und
    gefördert worden. Meine weibliche Chefin war das letzte, und nicht
    nur mir gegenüber. Öffentliches Runtermachen und ähnliches.
    Bisher bin ich allerdings nicht auf die Idee gekommen, dass
    das am Geschlecht lag. 3 Stichproben sind ja auch noch keine
    Statistik…

    Zu den Sextricks: Ich glaube, man muss da gar nicht so weit
    gehen, dass Frauen absichtlich mit dem Hintern wackeln und
    mit den Augen klimpern. Allein die Tatsache, dass man Frau
    ist, hat bei den Männern Auswirkungen und verschafft einem
    ein paar Hebel, die man bei Frauen nicht hat. Man wird ein
    bisschen sanfter angepackt, vielleicht. In männerdominierten
    Umgebungen freuen sich alle, wenn mal eine Frau dazukommt.
    Alle sind ein bisschen höflicher und netter. Das ist zumindest
    mein Eindruck. Von Frau zu Frau passiert das nicht, und das
    kann (mich) ganz schön irritieren, obwohl ich mich eigentlich
    schon fast auf die Seite der Männer geschlagen habe, vom
    Lebensgefühl meine ich.
    Andererseits hat man auch die ganzen negativen Aspekte:
    nicht ernstgenommen zu werden, bevor man sich
    bewiesen hat, zum Beispiel. Immer ein bisschen abseits
    zu stehen und ‘vorsichtig’ behandelt zu werden. Allerdings:
    wenn man sich erstmal bewiesen hat, dann wird einem auch
    was zugetraut, ist meine Erfahrung. Also, alles nicht so wild,
    weder in die eine noch in die andere Richtung…

  13. susimaus sagt:

    “@susimaus: Kannst du das genauer beschreiben?”

    ein kleines beispiel:
    besuch bei einer bekannten. für mich wurde kein “großer bahnhof” veranstaltet. d.h. es wurde z.b. in meiner gegenwart geraucht, sie hatte weder die hausarbeit erledigt, noch sich die haare gewaschen und war vom vorabend verkatert. mein besuch war länger geplant und ich hätte erwartet, dass sie sich darauf wenigstens minimal einstellt.
    später kam ein mann hinzu. der wurde hofiert, “großer bahnhof”, nicht geraucht usw. es wäre schier undenkbar gewesen, dass sie den männlichen besuch hätte bei der hausarbeit zusehen lassen oder sich die haare gewaschen hätte. ihm wollte sie offensichtlich gefallen, ich war “nur eine frau”, bemühungen unnötig. sprich: sie behandelte mich wie das, was sie für ihresgleichen hielt, unaufmerksam.
    daraus schließe ich, dass diese frau männer für “wertiger” hält.

    2. besuch fand nicht statt.

  14. Also ich sehe es etwas differenzierter. Ich habe einerseits die Erfahrung gemacht, von meinem Geschichtslehrer und Schuldirektor aufgrund meines Geschlechts in seinem Fach zunächst gewaltig unterschätzt zu werden. Es war ein hartes Stück Arbeit, mich da in die Liga der Jungs “hochzuspielen” – war auch das einzige Mädchen im Kurs. Ich hatte immer das Gefühl, mehr leisten zu müssen, mehr geben zu müssen, um die selbe Kompetenz, wie meine Mitschüler aufweisen zu können. Zwar war das Schule, aber ich denke, diese Erfahrungen kann man auch sehr gut im Berufsleben machen.

    Dann hatte ich männliche Lehrer und Dozenten, bei denen ich das Gefühl hatte, gerade weil ich eine Frau bin, besser abzuschneiden. Der Umgang war viel entspannter, weil sie mir gegenüber viel lockerer waren. Weil der Faktor des “Hahnenkampfes” weg fiel.

    Dann hatte ich Lehrerinnen und Dozentinnen, die etwas sehr gütiges und pädagogisches an sich hatten, kaum einen Unterschied zwischen Mädchen und Jungs machten und sehr leicht im Umgang waren.

    Und dann habe ich auch noch den Typus Frau kennen gelernt, der doch besonders streng und resolut rüberkommt und wo ich mir doch immer sehr Gedanken drüber mache, wie ich mit ihr richtig umgehe. Zwar ist sie nicht unfair zu mir, aber ich fühle mich bei meiner Cheffin doch permanent auf dem Prüfstand und finde den Umgang mit ihr alles andere als entspannt.

  15. steve, the pirate sagt:

    @susimaus: So etwas ähnliches ist mir auch schon passiert:
    WIr wollten in der Gruppe weggehen und haben uns bei einer Freundin getroffen (3 Mädels und ein Mann).
    Die Gastgeberin war (mal wieder) noch nicht fertig und musste sich noch umziehen, Haare machen etc.
    Der Mann hat sich halt umgedreht, als sie sich umgezogen hat (1 ZImmer Appartment). Das zweite Mädel war total entsetzt darüber, dass die Gastgeberin noch nicht fertig war – nicht etwa, weil wir alle warten mussten, sondern weil der Mann auch(!) warten musste und man es einem Mann ja nicht zumuten kann zuzusehen wie sich eine Frau noch schnell frisiert etc. Und einem Mann zuzumuten, dass er sich schnell umdreht, wenn sich eine Frau umzieht, das war für sie auch ganz schrecklich.
    FÜr diese Frau waren auch MÄnner “wertiger”

  16. susimaus sagt:

    das phänomen, menschen für »seinesgleichen« zu halten, mit der konsequenz, dass denen nur die fähigkeiten oder privilegien zugetraut und gegönnt werden, über die man selbst verfügt, ist oft zu beobachten. es fällt je nach kontext und peergroup unterschiedlich aus, wer als »seinesgeichen« gilt.

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