Sexismus des Tages

von Susanne

Here we go again … Diesmal schickte uns unsere Leserin Irina den Scan dieser Anzeige in einer Motorradzeitschrift:




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Eintrag geschrieben: Mittwoch, 13. August 2008 um 9:07 Uhr unter Uncategorized. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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54 Kommentare

  1. Steffie sagt:

    Wieder mal total sinnentleert…

  2. Cassandra sagt:

    Langsam macht mich das traurig – bin schon voll sensibilisiert. Wenn man mal durch die Werbelandschaft im Fernsehen zappt zeigt sich das gleiche Bild. Sex sells – jedenfalls wenn Frauen stumpfe Werbeträger sind. Trist.

  3. christina sagt:

    Mädchenmannschaft sollte eine Galerie sexistischer Werbefotos einrichten, falls das technisch geht! Das wird überraschende Ergebnisse zutage fördern und die Argumente all jener entkräften, die immer behaupten, dass doch alles gar nicht so schlimm sei, dass (weibliche) Körper doch schon immer zu Werbe- und Dekozwecken eingesetzt wurden und wo denn überhaupt das Problem läge, ein erotisches Foto sei doch nichts Verwerfliches (geifer, sabber)…

  4. Susanne sagt:

    @ christina: Das gibt es quasi schon, wenn man auf den Tag „sex sells“ klickt, dann sind da alle Werbungen lieb beieinander versammelt.

  5. christina sagt:

    @ susanne: oh stimmt, hätte ich auch gleich drauf kommen können :D
    aber das ist ja schon eine hübsch-häßliche sammlung! kommen bestimmt noch viele dazu (leider)

  6. A.M. sagt:

    Vielleicht könntet Ihr ja eine Kampagne für Feminismus im Modelbusiness starten. Schließlich gehören zu einem Foto immer zwei…

  7. d. sagt:

    @A.M.

    Wer sich für Geld hingibt, ist nicht so stark in die moralische Pflicht zu nehmen, wie der Geldgeber. Siehe Marx. (Oder willst du den Ausgebeuteten bekehren, nicht für den Ausbeuter zu arbeiten?)

  8. illith sagt:

    ist das nicht die untere hälfte des FHM-fotos von christina aguilera? ob die das überhaupt benutzen dürfen?

  9. jj sagt:

    Also, sinnentleert finde ich das hier eigentlich nicht. Klar, da wird mit sexueller Assoziation gespielt (tauchen und entlacken/nackig machen), aber das Bild wird zumindest mir als Sinnbild für Tauchentlackung in Erinnerung bleiben. Meistens ist sexuell konnotierte Werbung ja nicht dazu in der Lage, weil das sexuell stimulierende Bild eben keine sinnvolle Metapher für das beworbene Produkt ist, aber hier würde ich das zumindest in Ansätzen gelten lassen.

  10. flawed sagt:

    Naja jj, das ist jetzt erstmal bloß eine Bestätigung dafür dass „sex sells“ als Werbestrategie wirksam ist, aber keine Rechtfertigung.

  11. Anna sagt:

    Ganz abgesehen davon, dass ich unterstelle, dass zuerst die nackte Frau da war und man dann überlegt hat, wie man das nu am besten betiteln kann, damit Betrachter wie jj da tatsächlich noch einen Sinn sehen.

    Mich nervt das, wie hier jede noch so nackige, sexistische Werbung noch mit irgendeneinem Sinn versehen wird. Klar kann man den (Werbe-)psychologisch meist irgendwie herleiten (und sei es nur mit dem allgemeinen Attribut Aufmerksamkeit), aber das macht es einfach nicht weniger geschmacklos!

  12. Steffie sagt:

    @jj: Würdest du auch Männerbeine in diesem Zusammenhang gelten lassen bzw. kannst du dir vorstellen, dass hier auch ebensogut mit Männerbeinen geworben werden könnte? Wohl kaum! Und darum geht es ja bei der ganzen Sexismusgeschichte.

  13. Jacob sagt:

    Was sind denn bitte Tauchentlackungen und Tauchentrostungen? Und was haben sie mit Nacktsein zu tun? Ich verstehe an dieser bescheuerten und Werbung gar nix..

  14. Nils sagt:

    @Jacob: Chemische Tauchbäder, in denen Metallteile blank bzw. „nackig“ gemacht werden.

  15. jj sagt:

    @Steffie,

    mit Männerbeinen und Männerunterhose würde das genauso funktionieren oder auch nicht. Ich denke, es hätte vielleicht noch einen etwas größeren Überraschungseffekt, weil unerwartet haarig ;). Ich fände übrigens, Epilieren an den Beinen wäre überhaupt das bessere Bild, und das kann man ja auch beide Geschlechter nehmen. Sehe ich kein Problem. Das Ding ist sicher keinen Löwen in Cannes wert, aber es ist sicher auch nicht das schlimmste, was an Werbung so herumhängt. Und meine Meinung ist meistens: Lieber sexistische als schlechte, also langweilige Werbung – wenn beides (wie leider zu Oft der Fall ist) zusammenkommt ist’s natürlich besonders tragisch. Das hier ist für mich ein Fall, bei dem das für mich noch gerade ok ist und sich mir die Aufregung bzgl. Sexismus nicht erschließen will. Aber hey, ich lasse mich gerne überzeugen.

  16. Sven sagt:

    Statt haarigen Männnerbeinen hätten sie auch haarige Frauenbeine nehmen können (oder auch meinetwegen rasierte Männerbeine, aber das ist nicht so lustig…) ^^

  17. Steffie sagt:

    Ich denke nicht, dass bei Männerbeinen dieser dämliche Erotikfaktor zu Stande gekommen wäre wie oben. Da wäre es vielleicht nur dämlich gewesen – was auch nicht okay ist, aber nicht ganz so verheerend wie Sexismus.

    „Lieber sexistische als schlechte, also langweilige Werbung..“
    „Das hier ist für mich ein Fall, bei dem das für mich noch gerade ok ist und sich mir die Aufregung bzgl. Sexismus nicht erschließen will.“

    Da widersprichst du dir aber. Was denn nun? Sexistisch oder nicht?

    Umgekehrt würde es allein deswegen schon nicht funktionieren, weil solche Werbung meist Männer ansprechen will und das ginge mit einem nacktem Mann nicht. Da könnten sich ja einige in ihrer latenten Homosexualität angesprochen fühlen und das gilt es doch tunlichst zu vermeiden…

    Dass die Frau hier zu einem Objekt degradiert wird, ist dir doch sicher auch aufgefallen. Sie hat sich auszuziehen und mehr nicht. Wenn ich ein Mann wäre, würde mich das übrigens genauso beleidigen, weil die Leute, die diese Werbung gemacht haben, ja denken müssen, dass alle Männer so plump sind und auf solche Werbung anspringen.

  18. Nils sagt:

    Umgekehrt würde es allein deswegen schon nicht funktionieren, weil solche Werbung meist Männer ansprechen will und das ginge mit einem nacktem Mann nicht.

    Vor ca. 100 Jahren ging das scheinbar.

    Was wäre die Werbung eigentlich? Den Mann zum Objekt degradierend? Homosexistisch?

  19. cher sagt:

    Herzlich willkommen im Jahr 2008.
    Das die Werbung vor 100 Jahren mit Männerbeinen „funktioniert“ hätte liegt eventuell daran dass damals weniger die Schlußfolgerung „Mann wirbt für Männersachen = schwul“ hergestellt worden wäre.
    Da wär das noch ein echter deutscher Kerl, der für echte deutsche Kerlsachen wirbt.

    Heute fühlt sich aber alle Welt in ihrer Heterosexualität bedroht sobald man nur die (itsybitsy)winzigste brücke schlagen könnte zu irgendeiner queerness.

    „Was wäre die Werbung eigentlich? Den Mann zum Objekt degradierend? “

    Ja, warum auch nicht?

    “Lieber sexistische als schlechte, also langweilige Werbung..”

    Sexistische Werbung ist doch auch langweilig, ich kann nichts spannendes mehr an halbnackten Menschen finden die in irgendeinen weit. weit hergeholten Zusammenhang zu dem Produkt gesetzt werden das sie verkaufen. Oder an Werbung die sich über sog. „angeborene“ Fähigkeiten lustig macht wie Frau-kauft-Schuhe-weil-Frau oder noch schlimmer die Umkehrung solcher Klischees Mann-kauft-Schuhe-weil-in-Frauengebiet-eindringt. Gähn!!

    Ich brauch dringend ne Dvd von den 2 1/2 Stunden Werbesendungen, bei denen mir einfach bloß der Entsafter 12 000 vorgeführt wird und nur die körperlose Stimme aus dem Off mir erklärt wieviele Tupperschüsseln ich dazu geschenkt kriege.

  20. Susanne sagt:

    @ jj:

    Lieber sexistische als langweilige Werbung.

    Hä? Was bidde? Ich will mich eigenlich nicht zu überspitzten Vergleichen hinreißen lassen, aber jetzt ausnahmsweise mal doch – das ist wie: „Lieber jemanden verkloppen als den ganzen Tag Langeweile.“ Oder: „Lieber Leute anspucken als immer nur Langeweile.“ ??? Also bitte, denk mal nach, bevor du sowas schreibst.

    Und wie cher schon gerade schrieb: Es gibt nix langweiligeres als Werbung, die nur mit Brüsten resp. Ärschen resp. Schlüpfern funktionieren soll.

  21. Nils sagt:

    Ach herrje, wir haben (und hatten ja 1905 erst Recht, denn da gab es die „progressiven Bewegungen“ von Heute noch nicht) alle solche heterosexistische Angst. *schlotter*

    Die Budweiser-Werbung von 1905 zeigt keinen „deutschen Kerl in Kerlsachen“, sondern einen nackten Jüngling (Ganymedes), der in ein rotes Tuch gehüllt von einem Adler (Zeus) davongetragen wird.

  22. jj sagt:

    Cher,

    „Heute fühlt sich aber alle Welt in ihrer Heterosexualität bedroht sobald man nur die (itsybitsy)winzigste brücke schlagen könnte zu irgendeiner queerness.“

    Sorry, aber hast Du schon mal das Cover von, z.B. Men’s Health angesehen? Ich finde die unterschiedlichen Wahrnehmungen in Bezug auf all diese Dinge viel spannender als das Thema selbst.

    Susanne,

    „Also bitte, denk mal nach, bevor du sowas schreibst.“

    Easy. Ich persönlich finde nicht, daß die hier diskutierte Art von „sexistischer“ Werbung, so schlecht sie sein mag, ein besonderes gesellschaftliches Problem darstellt. Ich persönlich denke nicht, daß sie generell einen besonderen Angriff auf die Würde der Frau als solche darstellt. Daher laufen für mich auch die Vergleiche mit „Verkloppen“ oder „Anspucken“ diesbezüglich ins Leere – hier wird aus meiner Sicht schlicht niemandem etwas getan.

    Das mag man anders sehen – sonst würden wir ja hier ja nicht diskutieren – aber ich persönlich denke nicht, daß „sexistische“ Werbung – gerade aufgrund ihrer Stereotypisuerung, irgendeine Frau als komplexs Wesen darzustellen versucht, genauso wie stereotype Werbung an sich Menschen nicht in ihrer komplexen Individualität darstellen kann/will, sondern sich auf wenige, eben stereotype, Eigenschaften reduziert. Ich kann daher nicht verstehen, wieso sich ein dreidimensionales Wesen von einer zweidimensionalen Pappfigur irgendwie bedroht fühlt.

    Aus all diesen Abwägungen heraus wiegt für mich die Freiheit der Meinungsäußerung hier deutlich wichtiger als vermeintliche negative Konsequenzen für Frauen als solche, die vermeintlich durch ein auf Beine reduziertes Bild von Frauen bei irgendwem entstehen könnten. Wer schon mal eine Frau in drei Dimensionen gesehen hat, wird nicht mehr auf die Pappfigur reinfallen. Bei den allermeisten Menschen ist das der Fall…

  23. Nils sagt:

    Warum „überspitzter Vergleich“, Susanne, die Idee mit der solche Werbung verdammt wird ist ja schlußendlich die von der „rape culture“. Aber ich merke schon, das ist wohl nach 30 Jahren zum „gesunden Menschenverstand“ geronnen.

  24. Susanne sagt:

    Easy. Ich persönlich finde nicht, daß die hier diskutierte Art von “sexistischer” Werbung, so schlecht sie sein mag, ein besonderes gesellschaftliches Problem darstellt. Ich persönlich denke nicht, daß sie generell einen besonderen Angriff auf die Würde der Frau als solche darstellt.

    Nö, da würde ich sagen: UNEASY. Und: Du hast keinen Uterus, deswegen findest du das auch nicht beleidigend? Nur mal so als Vermutung.

  25. jj sagt:

    Susanne,

    „Nö, da würde ich sagen: UNEASY. Und: Du hast keinen Uterus, deswegen findest du das auch nicht beleidigend? Nur mal so als Vermutung.“

    Ich hatte ehrlich gesagt nicht den Anspruch für *Dich* zu sprechen. Ich hatte auch nicht den Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Ich habe *meine* Meinung ausgedrückt.

    Ich rege mich nicht darüber auf. Du regst Dich darüber auf. Ich lege meine Gründe dar, warum ich mich nicht aufrege, Du legst Deine dar, warum Du Dich aufregst. Wir versuchen, den/die andere/n von unserer Sichtweise zu überzeugen. Also:

    Die Sache mit dem Uterus ist so ziemlich das problematischste Argument in dem Zusammenhang. So als ob es eine zwangsläufige geschlechterbasierte („Uterus“) Meinung geben müsse. Als ob es nicht Frauen geben könne, die sich von der Werbung überhaupt nicht tangiert fühlen und Männer, die sich davon beleidigt fühlen. Das ist wohl alles etwas individueller.

    Wie gesagt, mir ist bei der ganzen Thematik „Objektivierung“, bzw. „visuell auf das Sexuelle reduzierte Darstellung von Frauen“ nicht so ganz klar, was daran ehrverletzend sein soll. Aus dem Begriff „Objektivierung“ ergibt sich doch schon denklogisch die Abgrenzung zum Persönlichen, Individuellen. Identifizierst Du Dich als Individuum ernsthaft mit den Beinen, die da „nackig gemacht“ werden? Findest Du ernsthaft, daß Du als Uterusinhaberin herabgewürdigt wirst, weil jemand in einer Anzeige mit Assoziationen zu weiblicher Sexualität arbeitet?

    Ich kann ja verstehen, daß man der Anzeige schlechten Geschmack vorwirft, aber Beleidigung???

    http://de.wikipedia.org/wiki/Sexismus-Klage

  26. cher sagt:

    „Die Budweiser-Werbung von 1905 zeigt keinen “deutschen Kerl in Kerlsachen”, sondern einen nackten Jüngling (Ganymedes), der in ein rotes Tuch gehüllt von einem Adler (Zeus) davongetragen wird.“

    *rolleyes* Ich wusste ja nicht das jetzt plötzlich der Fokus auf der Budweiser Werbung speziell liegt, dachte das wäre jetzt ein Beispiel für Werbung vor 100 Jahren im Allgemeinen.
    Und das das jetzt Ganymed ist maht die Sache warum besser?
    Was möchtest du eigentlich sagen?
    Das eine Sache vor 100 Jahren funktioniert hat und es heute auch tun sollte?

    Ich finds echt schön wenn du in einer Welt lebst in der kein Mensch sich von solchen Sachen wie Werbung beeinflussen lässt und niemand Angst vor der Sexualität des anderen hat.
    Ich tus nicht.

    „Sorry, aber hast Du schon mal das Cover von, z.B. Men’s Health angesehen? Ich finde die unterschiedlichen Wahrnehmungen in Bezug auf all diese Dinge viel spannender als das Thema selbst.“

    Ja, hab ich und ich weiß eigentlich nicht was du von mir möchtest?
    Ein Beispiel bei dem (ausnahmsweise) Männer von Männerbilder angesprochen werden sollen reicht mir nicht als Argument.
    Der Bezug zum Inhalt ist da immer noch stärker vorhanden als bei diversen Auto, Motorrad oder Tuningmagazinen.

  27. jj sagt:

    Susanne,

    „ja“

    soll jetzt heißen „we agree to disagree“? Oder Du identifizierst Dich mit den Beinen? Oder Du bist – ohne das ausführen zu wollen – beleidigt?

    Cher,

    „Der Bezug zum Inhalt ist da immer noch stärker vorhanden als bei diversen Auto, Motorrad oder Tuningmagazinen.“

    Hmm, kommt drauf an, was man als Inhalt definiert. Bei nicht wenigen Auto, Motorrad oder Tuningmagazinen geht es ja schon darum, das Produkt als Babemagnet zu präsentieren. Da kann man dann darüber reden, ob das stimmt oder nicht, aber der Bezug zum Produktversprechen („Kauf Porsche, wirke männlich und hab Sex“) ist da für mich schon gegeben. Ich persönlich bin ja der Meinung, daß derartige Dinge nahezu überhaupt keine Wirkung auf Frauen haben, aber ich habe gerade von Frauen schon andere Meinungen gehört.

  28. Matze sagt:

    @cher: Du weißt, wer Ganymed war? Es wurde behauptet, dass sich Menschen sehr schnell wegen ihrer latenten Homosexualität verunsichert fühlten (nicht von dir, auch wenn du dem scheinbar zustimmen würdest). Nils hat ein nahezu perfektes Gegenbeispiel von vor 100 Jahren gebracht, wo Homosexualität noch viel tabuisierter als heute war.
    Was war nochmal dein Punkt, warum das nicht als Gegenargument zählt?

  29. Susanne sagt:

    @ jj: Nö, wieso sollte ich beleidigt sein? Und wieso sollte ich mich mit den Beinen identifizieren???

    Der Uterus-Satz war eine witzig (jaja, soll vorkommen) gemeinte Vermutung, wieso du nicht nachvollziehen kannst/willst, warum manche Menschen das beleidigend finden. Ich kenne auch Männer (ohne Uterus), die diese Werbung absolut unwitzig und beleidigend finden.

  30. Nils sagt:

    Ich finds echt schön wenn du in einer Welt lebst in der kein Mensch sich von solchen Sachen wie Werbung beeinflussen lässt und niemand Angst vor der Sexualität des anderen hat.
    Ich tus nicht.

    Ich nicht behauptet, in so einer Welt zu leben. Nur ist Werbung in meinen Augen ein Spiegel der Gesellschaft, und die ist Vielschichtig und Widersprüchlich.

    Ich glaube nicht, daß Homophobie existiert weil „die Heterosexualität dadurch in Gefahr gerät“, ich glaube die Angst rührt von einer langen Tradition repressiver Sexualmoral her. Die Angst vor männlicher Homosexualität ist Folge der realen (lebens-) Bedrohung in der Vergangenheit.

    Also keine Folge von Werbung und „Patriarchat“, sondern von Kirche, Spießbürgertum und Nazis. Bezeichnend, daß die Budweiser-Werbung 1905 noch erfolgreich war.

  31. Steffie sagt:

    @jj: „Babemagnet“ – ich glaub, ich kotze gleich!

    Bei solcher Herleitungskreativität wirst du wahrscheinlich nie irgendwo Sexismus erkennen…

  32. Nils sagt:

    ..und die Idee von der „rape culture“ – Die Idee, daß nackte Frauenbeine in der Werbung ein bestimmtes Frauenbild induzieren und Gewalt legitimieren ist für mich auch ein Ausdruck von repressiver Sexualmoral – Und ein Bestreben, die Repressionen zu verschärfen.

    Ich denke, es ist illusorisch daß es in Deutschland einen „Sex-Positive-Feminismus“ geben kann, die Weichen dazu hätten in den 80er Jahren gestellt werden müssen. Mittlerweile ist zu viel Beton gewachsen.

  33. Nils sagt:

    @Steffie: Besonders kreativ muß man nicht sein um zu erkennen, daß nicht wenige viel in ihren fahrbaren Untersatz investieren um bei den „Babes“ anzukommen..

  34. d. sagt:

    @all

    Um festzustellen, ob dieses Bild sexistisch ist, kann man nicht die Darstellung mit der Werbebotschaft in einen direkten Zusammenhang bringen, sondern muss das in einem ersten Schritt getrennt betrachten. (Ich erinnere nur an „Canadas Delicious“, wo eine eisschleckende Frau ebenso „Sinn“ macht)

    Und zu sehen sind zwei lange, glatte Frauenbeine auf Highheels, an denen ein rosa Schlüpfer heruntergezogen wird. Eine klassische pornographische Darstellung.

    In einem zweiten Schritt wird die Beobachtung der Darstellung mit der Werbebotschaft wieder zusammengebracht und dies drückt, nach dem: ‚Wir! entlacken ihr Auto!‘, vor allem eines aus: ‚Wir!, von der Lackiererei, machen alle „Girls“ nackig.‘

    Und damit festigt und unterstützt diese Werbung eine sexuell konnotierte Dominanz der Männer über die Frauen.
    (Die ja schon lange nicht mehr flächendeckend da ist…, dass ist das Irrwitzige…, aber der Chauvinismus wird wohl noch lange die Gemüter erhitzen… Das ist das eigentlich Traurige an diesem Plakat… sinnlose Gedanken an ewig Gestrige zu Verschwenden…)

  35. Nils sagt:

    Ist nur leider kein kräftiger Männerarm, der den Schlüpfer stürmt. Die „Dominanz“ besteht also offenbar aus Überzeugungsfähigkeit. (Ach, entschuldigung, ich vergaß das Stockholm-Syndrom)

    Und noch eine klassische Herleitung von „rape culture“ – Ich glaube morgen entwerfe ich mal ein Bingo-Spiel.

  36. Nils sagt:

    P.S.: Wobei man zugestehen muß, daß da endlich mal einer offen zu seiner Haltung steht, bzw. überhaupt weiß wo sie herkommt.

  37. Steffie sagt:

    Finde d.’s Argumentation sehr schlüssig. Das kann man allerdings nicht gleich in die „rape-culture“-ecke packen, Nils. Die Umstände die zu Vergewaltigungen führen, sind nie monokausal! Viel mehr bedarf es eines Geflechts aus unterschiedlichen Begebenheiten. Pornografische oder sexistische Bilder können dazu gehören, weil sie einseitige Darstellungen männlicher Dominanz perpetuieren.

    Dass es auf diesem Foto, nicht ein Mann ist, „der den Schlüpfer stürmt“, tut nichts zur Sache. Er muss gar nicht da sein. Die Ankündigung als „wir“ genügt schon. „Wir machen alles wieder nackig“ als universeller Anspruch auf den Körper der Frau. Wir sagen – sie muss folgen. Die Machtverhältnisse sind eindeutig dargestellt. Ob das nun auf die Realität zutrifft oder getrost ins Reich einiger Männerfantasien verwiesen werden kann, spielt dabei keine Rolle.

  38. cher sagt:

    @cher: Du weißt, wer Ganymed war? Es wurde behauptet, dass sich Menschen sehr schnell wegen ihrer latenten Homosexualität verunsichert fühlten (nicht von dir, auch wenn du dem scheinbar zustimmen würdest).“
    Nils hat ein nahezu perfektes Gegenbeispiel von vor 100 Jahren gebracht, wo Homosexualität noch viel tabuisierter als heute war.
    Was war nochmal dein Punkt, warum das nicht als Gegenargument zählt?“
    Iich hatte den Punkt gar nicht, ich hab das Beispiel nur nicht richtig verstanden.
    Tut mir leid, ich weiß erst denken dann schreiben.

    „Ich nicht behauptet, in so einer Welt zu leben. Nur ist Werbung in meinen Augen ein Spiegel der Gesellschaft, und die ist Vielschichtig und Widersprüchlich.“

    Ich glaube nicht, daß Homophobie existiert weil “die Heterosexualität dadurch in Gefahr gerät”, ich glaube die Angst rührt von einer langen Tradition repressiver Sexualmoral her. Die Angst vor männlicher Homosexualität ist Folge der realen (lebens-) Bedrohung in der Vergangenheit.

    Also keine Folge von Werbung und “Patriarchat”, sondern von Kirche, Spießbürgertum und Nazis. Bezeichnend, daß die Budweiser-Werbung 1905 noch erfolgreich war.“

    Vielleicht mess ich ja Werbung zu viel Bedeutung zu was Verhaltensweisen angeht, aber dass sie gar nichts damit zu tun hat bezweifle ich dann doch stark.
    Ich glaube auch nicht das Homophobie NUR auf der Angst beruht jmd. könnte an der eigenen Heterosexualität zweifeln, ich denk aber schon dass sie durch solche Ängste gestärkt und gefestigt wird und das die zuweilen gerne geschürt werden.

    d. hat das eigentlich auf den Punkt gebracht was ich nicht hinbekommen hab auszudrücken.
    Der Satz plus Bild ist eigentlich das Problem.

    „Ist nur leider kein kräftiger Männerarm, der den Schlüpfer stürmt. Die “Dominanz” besteht also offenbar aus Überzeugungsfähigkeit.“

    So überzeugt sieht sie jetzt nicht aus wie sie da mit zusammengekniffenen Knien und nach innen zeigenden Zehen kräftig an ihrem Schlüpfer zieht.
    Würde da jetzt einfach der Schlüpfer rumliegen fänd ich die Werbung wesentlich besser.
    Wenn die Frau unbedingt dabei sein muss kann sie da ja auch selbstbewusster stehen, dann würde ich sie auch eher zu diesem „wir“ zählen.

  39. Matze sagt:

    Was kann man nicht alles in eine hirnlose Werbung hineinlesen! Meiner Ansicht nach passt der Slogan *überhaupt nicht* zum Bild (nicht *wir* machen alles wieder nackig, sondern die Frau selbst). Der Grund meiner Ansicht nach: Der Grafiker sah den Slogan nackig (von dem ich ausgehe, dass der vor dem Bild da war), und hat dann aus mir unerfindlichen Gründen dieses Bild dazu gewählt, denn, da wird ja auch was mehr oder weniger nackig gemacht.
    Darin jetzt die Perpetuierung männlicher Dominanz über weibliche Sexualität, sogar in Abwesenheit männlicher Beteiligter in der Werbung, zu sehen, ist meiner Ansicht nach nur möglich, wenn man wilde Konstruktionen angenommener Absichten/ Interpretationen vornimmt, warum die aufgrund eines Fehlers sinnlos gewordene Werbung doch einen Sinn ergibt.

  40. Matze sagt:

    @cher: Die verkrampfte Haltung ist mir auch gleich aufgefallen, die ist für mich auch ein starkes Indiz für die These vom inkompetenten Grafiker: Will man, dass sein eigenes Motorrad genauso verkrampft, meiner Meinung nach hektisch und einfach *unprofessionell* aussehend „nackig“ gemacht wird, wie diese Frau sich nackig macht?

  41. cher sagt:

    @Matze
    Eigentlich ist dieses Wir doch ein geschlechts und gesichtsloser Haufen bei dem es schwer fällt die Person dazuzuzählen (auch wenns ein Mann wäre) wegen der Haltung.
    (Es sei denn man geht bei Entlackungen automatisch von einer Männerdomäne aus)
    Auf jeden Fall ist die Freiwilligkeit mit der sich die Person nackig macht mMn. in Frage gestellt.
    Ist vielleicht wirklich nicht das beste Beispiel für sexistische Werbung, blöd ist sie trotzem.

  42. Matze sagt:

    @cher
    Die Werbung ist vielleicht das beste Beispiel für blöde Werbung, sexistisch ist sie trotzdem.
    Und ja, das „wir“ ist eigentlich geschlechtslos, trotzdem wurde männliche Dominanz gefunden.

    PS & EBOT: Assoziierend fällt mir da die Fernsehwerbung für Enthaarungswachszeugs von vor vielen Jahren ein, wo ein junges Mädchen mit nackten Beinen von anderen jungen Mädchen aufs Bett geworfen und ihr dann die Beine enthaart wurden. Fand ich auch recht beunruhigend, und habe das Zeug auch nie gekauft. (Frage: Fällt so eine Werbung unter „sexistisch“?)

  43. Nils sagt:

    Darüber daß die Werbung blöd ist, müssen wir nicht streiten. Die Körperhaltung, die sie einnimt wirkt auf mich auch nicht gerade erotisierend.

    Die Haltung wirkt verkrampft, weil der Fotograf offenbar kein guter ist – Oder das Model kein Profi.

    „Wir machen alles Nackig“ heißt keineswegs „Alle Girls“, sondern „Alles, sogar dieses Girl [haha, was ham wir jelacht]“

    Es sind wirklich wilde Interpretationen, die hier gemacht werden.

    rape culture:

    Within the paradigm, acts of „harmless“ sexism are commonly employed to validate and rationalize normative misogynistic practices; for instance, sexist jokes may be told to foster disrespect for women and an accompanying disregard for their well-being, which ultimately make their rape and abuse seem acceptable. Examples of behaviors said to typify rape culture include victim blaming, trivializing prison rape, and sexual objectification.

    Ein Paradigma, daß hier offenbar alle Befürworter der Verdammung solcher Werbung zugrundelegen. Womit sonst ließe sich sonst rechtfertigen, solche Werbung sei zu verdammen?

    „sexuell konnotierte Dominanz der [sic!] Männer über die Frauen“

    “Wir machen alles wieder nackig” als universeller Anspruch auf den Körper der Frau. Wir sagen – sie muss folgen.

    Diese Interpretationen kann man bei dieser Werbung nur stellen, wenn als Grundannahme vorausgesetzt wird, wir lebten in einer „rape culture“. Die Werbung für sich gibt das nicht her.

    Wir leben in einer „rape culture“ weil wir in einer „rape culture“ leben. Ziemlich zirkulär.

  44. Nils sagt:

    P.S.: „Objektifizierung“ – Darunter fällt ja zwangsläufig jede sexuell konnotierte Darstellung in irgendwelchen Medien.

    Der Begriff ist als solches in meinen Augen sehr problematisch, weil er jede Form von Sexualität verdammt, die sich „nur“ auf Körperlichkeit bezieht. Romantische Liebe ist etwas sehr schönes – Aber eben nicht der einzig „legitime“ Ausdruck von Sexualität.

    Da werden durch die Hintertür „Feminismus“ konservative Moralvorstellungen durchgesetzt – Mit äußerst repressiven Maßnahmen: Wer so eine Sexualität leben möchte und zufällig Mann ist, dem wird unterstellt er sei Misogyn und sein Verhalten laufe auf die Legitimation von Vergewaltigung hinaus.

  45. Nils sagt:

    ..weiterhin werden Frauen, die „sich objektifizieren lassen“ als Opfer stigmatisiert und pädagogisiert.

  46. d. sagt:

    @all

    Das ich eine Dominanz der Männer über die Frauen identifiziere, liegt ganz einfach an der häufigen Verbreitung von Heterosexualität. Weswegen es schlüssig und logisch ist, hinter dem Satz: „Wir machen alles nackig“ (auf diesem Frauenkörper gedruckt) einen männlichen Bestimmungswillen zu erkennen. Und dieser Satz lässt auch alle denkbare Freiwilligkeit der Frau über Bord gehen.

    „rape culture“ kann man mir dann unterstellen, wenn ich in der Größe eines Salz- gegenüber einem Pfefferstreuer einen Ausdruck männlicher Dominanzkultivierung identifiziere.

    Wenn diese Werbung nicht sexisitisch ist, dann würde mich ja sexistische Werbung interessieren, denn für mich ist dies ein überdeutliches Beispiel.

  47. Nils sagt:

    Na, dann müßtest du auch den „männlichen Bestimmungswillen“ der „alle denkbare Freiwilligkeit“ über Bord gehen läßt gegenüber den potentiellen Kunden erkennen. „Wir machen alles nackig“ impliziert bei Werbung immer „sofern gewünscht“.

    Ein merkwürder double-Standard, den ich nur auf das Paradigma „rape culture“ zurückführen kann..

  48. jj sagt:

    d,

    „Das ich eine Dominanz der Männer über die Frauen identifiziere, liegt ganz einfach an der häufigen Verbreitung von Heterosexualität.“

    Männliche Dominanz über Frauen ist Deiner Meinung nach die „natürliche“ Ausprägung von Heterosxualität? Daß Heterosexualität so verbreitet ist, sollte angesichts ihrer offenkundigen reproduktiven Vorteile im Verhältnis zu Homosexualität nicht verwundern… ;)

  49. d. sagt:

    @jj

    nein, „natürlich“ würde ich es nicht nennen, es ist gesellschaftlich geprägt und es muss darum gehen, diese Prägung zu hinterfragen und andere Verhaltensweisen zuzulassen und nicht eine einseitige Sichtweise mit einem bestimmten Macht/Ohnmacht-Verhältnis zu zementieren.

    Ich meine, wie sieht denn gleichberechtigter Sex aus? Doch häufig (immer?) im Wechsel von Bestimmer/Bestimmten oder in der freiwilligen Anerkennung eines Dominanzverhältnisses. Und darum geht es ja, bewusst zu machen, dass man sich dominieren lassen kann, wenn man denn will, es aber definitiv nicht die „natürliche“ oder „einzige“ Möglichkeit ist.

    @nils

    ‚“Wir machen alles nackig” impliziert bei Werbung immer “sofern gewünscht”.‘
    -Also hier bezieht sich das nackig machen auf a) die Autoteile, b) das Mädchen. Der Kunde geht ja nicht dorthin um sich nackig machen zu lassen :-), sondern um seine Autoteile nackig zu machen. Und das ist logischerweise gewünscht (warum sollte er sonst dahin gehen?).

    Also besteht der direkte Bezug zwischen dem Kunden und dem Werber so: ‚Bring uns dein Auto und wir machen es genau so nackig wie die Frauen in deiner Phantasie. Ganz einfach, sicher, sauber.‘

    Deine “rape culture” bringt uns nie weiter, wenn alles in die Kategorie „acts of “harmless” sexism“ gepresst werden kann. Nur woher nimmst du die Einschätzung, dass diese Werbung ‚harmlos‘ ist?

  50. Lessing sagt:

    Och, beschwert euch mal:

    http://www.maskulist.de/Werbung/FemiWerb.htm

    Zumindest lässt das mögliche männliche Anspringen auf eurerseits präsentierte Werbung nicht den Schluss auf eine krankhafte Psyche der Konsumenten zu.

    Bei dem, was sonst noch so läuft… guckt’s euch mal an.

  51. jj sagt:

    d,

    „nein, “natürlich” würde ich es nicht nennen, es ist gesellschaftlich geprägt und es muss darum gehen, diese Prägung zu hinterfragen und andere Verhaltensweisen zuzulassen und nicht eine einseitige Sichtweise mit einem bestimmten Macht/Ohnmacht-Verhältnis zu zementieren.“

    Finde ich auch. Ich denke, wir haben nur unterschiedliche Wahrnehmungen der Realität was die Ausprägung von Macht/Ohnmacht betrifft. Hatte letztens mal eine interessante Diskussion mit einer befreundeten Feministin, die völlig verwirrt war, als sie im Freundeskreis mal herumfragte und fast alle ihre männlichen Bekannten angaben „Angst“ vor ihren Freundinnen zu haben… Sie flickt jetzt ihr Weltbild wieder zusammen ;).

    „Ich meine, wie sieht denn gleichberechtigter Sex aus? Doch häufig (immer?) im Wechsel von Bestimmer/Bestimmten oder in der freiwilligen Anerkennung eines Dominanzverhältnisses. Und darum geht es ja, bewusst zu machen, dass man sich dominieren lassen kann, wenn man denn will, es aber definitiv nicht die “natürliche” oder “einzige” Möglichkeit ist.“

    Nicht, daß das gerade das Thema war, aber ja, da stimme ich zu. Ich denke allerdings auch (und dafür gibt es mittlerweile ja Unmengen an Belegen), daß es gewisse Vorlieben-Cluster gibt, und diese durchaus mit dem Geschlecht korrelieren. Frauen haben statistisch eine Vorliebe für im Paarungsverhalten dominantere Männer, die Ihnen das Gefühl klassischer Weiblichkeit geben. Ich schätze, da ist eine ziemliche Portion Biologie dabei. Nur gibt es immer Abweichungen von der statistischen Clusterung und das sollte man nicht vergessen. Männer lieben meines Erachtens ziemlich universell sexuell aggressivere Frauen, auch wenn sie meines Erachtens (und hier ist meine Einschätzung nur durch Gespräche im Freundeskreis zustande gekommen) das sich Hingeben nicht so schätzen wie das „Verführen.“ Egal wie, im Regelfall trifft die Frau die Entscheidung über das Zustandekommen von Sex, zumindest, was Kurzzeitbeziehungen betrifft. Allerdings gilt auch hier die Ausnahme von der Regel… eine Bekannte meinte letztens mal bei einer kurzen Diskusssion über Clubs in der Umgebung auf meine Einlassung, daß einer, den ich sonst eher meide, geeignet sei, wenn man *es* wirklich mal dringend bräuchte, daß sie als Frau es nicht nötig habe, eine Location wegen der Zielgruppe auszuwählen, sie könne *das* überall haben. Sie ging dann allerdings ohne das Objekt ihrer Begierde nach Hause ;)

    Am Rande, hier ist mal ein Beispiel für die Probleme, die durch ein ideologisches diskursives Konstrukt wie „rape culture“ im Geschlechterverhältnis erst geschaffen wird…

    http://maedchenmannschaft.net/selbermach-sonntag-13708/#comments

  52. Nils sagt:

    @ d.

    Also besteht der direkte Bezug zwischen dem Kunden und dem Werber so: ‘Bring uns dein Auto und wir machen es genau so nackig wie die Frauen in deiner Phantasie. Ganz einfach, sicher, sauber.’

    Über die Message der Werbung sind wir uns ja mal einig. (Findest du es verwerflich, die Phantasie zu haben eine Frau „nackt zu machen“?)

    Es ging mir darum, daß du beim „Auto zum nackig machen bringen“ eine Freiwilligkeit (des potentiellen Kunden) ausmachst, aber wiederum bei „den Frauen alle denkbare Freiwilligkeit [..] über Bord gehen“ siehst. Beides geht für dich scheinbar mit ein und demselben Begriff „nackig machen“ zusammen.

    „rape culture“ – Vielleicht ist die Verwendung dieses Begriffes zu polemisch.

    Wenn du eine Dominanz identifizierst, die sich über den Willen „der Frauen“ hinwegsetzt, dann legst du aber einen ganzen Haufen an Annahmen über die Macher und die Rezipienten der Werbung zugrunde. Das würde ich mal als Vorurteil bezeichnen.

  53. Nils sagt:

    @ d.

    Ach ja, warum ich die Werbung harmlos finde. Ich bin der Meinung:

    – daß die Phantasie, Frauen „nackig zu machen“ absolut gar nichts damit zu tun hat ob jemand den Willen und die Grenzen anderer respektiert oder nicht

    – daß die Tatsache daß jemand eine dominante Rolle in einer sexuellen Beziehung einnimt oder dies wünscht, ebenfalls keine Aussage darüber zuläßt

    – daß es in unserer Gesellschaft jedem freisteht, eine Beziehung sofort zu beenden weil der Partner zu dominant ist

    – daß ungesund dominierende Beziehungen deshalb nicht beendet werden, weil schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit reinszeniert werden – Weil sie ein psychologisches Phänomen sind

    – daß solche Menschen professionelle Unterstützung brauchen, und keine einfach gestrickten und weit hergeholten Theorien über ihre Situation

    – daß Menschen sich ihr Frauenbild aus ihrer Familie und ihrem Umfeld holen, und nicht aus der Werbung

    – daß das allgemein vorherrschende Frauenbild, der moralische Konsens in der Gesellschaft und das Rechtssystem es nicht tolerieren, Frauen gegen ihren Willen „nackig zu machen“

    – daß zwei nackte Beine, ein Schlüpfer und zwei High-Heels gar kein Frauenbild generieren können, auch mit dem Hinweis nicht, alles nackig machen zu können

    – daß derart gestrickte Werbung einen geringen Anteil an der gesamten Flut von Werbung hat, sie somit ohnehin keinen Einfluß auf das vorherrschende Frauenbild haben kann. Das „Gegengewicht“ ist größer.

    – daß die Skandalisierung solcher Werbung eine inverse Form von „sex sells“ darstellt, um unter Ausnutzung von diffusen Moralvorstellungen und unreflekierten Klischees politische Identität zu stiften

    – daß es nicht Aufgabe von Werbung sein kann und darf, volkspädagogisch zu wirken