Warum Monogamie eine schlechte Idee ist

29. Juni 2010 von Verena
Dieser Text ist Teil 25 von 25 der Serie Wilde Mädchen

Die These ist nicht neu: Partnerschaften zerbrechen ihre Langlebigkeit an dem Vorsatz der Monogamie. Menschen seien einfach nicht dazu gemacht, mit nur einem Sexualpartner auf Dauer glücklich zu werden, behaupten Christopher Ryan und Cacilda Jeth. Das Autorenpaar hat in den USA gerade das Buch “Sex at Dawn: The Prehistoric Origins of Modern Sexuality” veröffentlicht, in dem allerlei Studien aus Natur- und Geisteswissenschaften für ihre These herhalten müssen. Aber sind prähistorische Gesellschaftsentwürfe und ein Blick auf Artverwandte, wie die Bonobo-Affen stichhaltig genug, um die Monogamie als Konstrukt abzumahnen?

Im Interview mit Salon erklärt Psychologe und Autor Ryan die Hintergründe, in denen Penisformen, Hodengrößen und Spermaspuren eine große Rolle spielen, mich persönlich aber nicht sonderlich überzeugen. Gegenfrage: Sagt die Größe meiner Klitoris ebenfalls etwas über meine mangelnde Monogamie-Fähigkeit aus?! Super, dann kann ich es beim nächsten Mal darauf schieben: “Sorry, Schatz, aber hättest du dir meine Klit mal genauer angesehen, hättest du wissen können, dass Fremdgehen in meiner Natur liegt…”

Ich kenne Ryan und Jeths Buch nicht, weiß aber, dass die Ehe und vor allem die Liebesehe ein soziales Konstrukt ist, nach dem unsere Gesellschaft besser funktionieren soll. Denn wo bitte kämen wir hin, wenn jede und jeder wild in der gegend rumvögeln würde? (Ironie!) Zu einem Haufen vaterloser und damit staatlich zu versorgender Kinder. Monogamie ist vor allem Sexual- und Bevölkerungspolitik. Was jedes Paar für sich entscheidet, ist deren Angelegenheit, auch wenn die meisten es lieber für sich behalten, wenn sie eine offene Beziehung führen. Und die Gegenentwürfe zur Monogamie sind facettenreich: One-Night-Stand, Seitensprung, Affäre, Polygamie als Beziehungskonzept – da muss man sich erst mal drüber klar sein, wo Sex aufhört und Betrug anfängt und ob sexuelle Freiheit wirklich immer ein Nachteil für die Beziehung sein muss – partnerschaftliches Einverständnis vorausgesetzt.

Was mich wundert: Wenn es in einer Beziehung sexuell nicht gut läuft, wird gerne darauf verwiesen, dass Partnerschaft so viel mehr sei als Bettakrobatik. Wenn dann aber woanders geturnt wird, dann hängt plötzlich doch die Beziehung dran? Verkehrte Welt!

Die Frage ist, wann geschieht Sex aus echter Lust auf das Fremde, Unbekannte und wann doch eher, um der eigenen Eitelkeit zu genügen, sich zu beweisen, ich kann jede_n haben? Oder weil es einfacher ist, das Abenteuer außerhalb des eigenen Bettes zu suchen, statt sich die Mühe zu machen, die heimische Spielweise aufzurüsten. Ich war nie lange genug in einer Beziehung, um sexuelle Monotonie zu empfinden aber wenn ich die Gelegenheit spürte, fremd gehen zu können, dann fühlte ich mich auch in der Beziehung sexuell nicht ausgelastet und das fiel dann meistens noch unter die 3-Monats-Testphase einer neuen Beziehung. Wie sich die Lust auf Sex mit anderen in einer über Jahren gewachsenen Partnerschaft sowohl körperlich als auch emotional anfühlt, kann ich nicht beurteilen – aber ich bin dagegen, Menschen in ein monogames Korsett zu zwängen, weil es gesellschaftlich verlangt wird. Und noch mehr bin ich dagegen, Männer wegen ihrer Hodengröße oder prähistorischen Jägerlateins von der Monogamie-Pflicht zu entbinden, Frauen aber im Gegenzug immer noch das Märchen von der Liebe und dem Sex zu erzählen – denn sie leben nicht immer glücklich und zufrieden bis in alle Ewigkeit.


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Zucker für die Cougars

24. März 2010 von Verena
Dieser Text ist Teil 24 von 25 der Serie Wilde Mädchen

Ich kann es kaum erwarten, 40 zu werden. Denn vertraut man dem Trend, bekomme ich dann erst wieder einen knackigen Mittzwanziger ab – Madonna, Demi Moore oder die hiesige Simone Thomalla paaren sich nur noch mit Jungs, die ihre Söhne sein könnten. Ach Gottchen, das, was bei Männern seit Jahrhunderten selbstverständlich ist, sich mit Frischfleisch zu garnieren, ist bei Frauen zu öffentlichen Kommentierung frei gegeben. Denn war der Begriff „Cougar“ ehemals negativ besetzt für ältere Frauen, die in Bars abhingen, um jemanden für eine Nacht aufzugabeln – also wirklich – stehe der Puma-Begriff mittlerweile “für ältere Single-Frauen, die wissen, was sie wollen, das Geld und das Selbstbewusstsein haben, es sich zu holen.”

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Ist das wirklich ein Thema? Anscheinend ja, bei Demi Moore und Ashton Kutcher ist der Altersunterschied seit Jahren ein größeres Thema als ihre beruflichen Projekte – wahrscheinlich ist ihre Beziehung jetzt ihr Beruf. Frauenzeitschriften und Männermagazine unterstützen den Trend jeweils aus ihrer beschränkten Sicht heraus: Während die Cosmopolitan jeden Mann unter 25 zum Sexsymbol erklärt, wird bei Männern Wert darauf gelegt, das aus dem gejagten Jüngling ganz schnell ein Cougar-Hunter wird…
Nicht zu vergessen das Fernsehen, das nur zu gerne solche Trend-Konstrukte aufgreift. Da stöckelt Friends-Darstellerin Courteney Cox wie eine Desperate Housewife durch die Serie Cougar Town und in der Kuppel-Show The Cougar darf sich die geschiedene 40-Jährige von Mittzwanzigern aufs Peinlichste umgarnen lassen. Wie wir das finden? Nun, Sarah Haskins hat für so etwas wie immer die richtigen Worte:

Schaut man sich fern des Showbiz im normalen Leben um, fiele auf, dass es immer schon Frauen gab, die sehr viel jüngere Partner hatten. Genauso wie es große Frauen mit kleinen Männern gibt – sollen wir da jetzt auch einen Trend draus machen oder hat Tom Cruise den schon abgefrühstückt??!!

Aber plötzlich soll aus ganz normalen Frauen, die auch mit über 40 (!) noch Interesse an Männern, Beziehungen und Sex haben, läufige Wildkatzen geworden sein, die mit ihren Krallen jugendliche Six-Pack-Bäuche zerkratzen wollen. Zu dumm, dass ich die Fingernägel kurz trage. Tatsächlich finde ich schon immer jüngere Männer anziehender. Mit Anfang 30 ist mir ein aufgeschlossener 25-Jähriger lieber als ein Mittdreißiger, der mehr mit seinen Statussymbolen als seinem Schwanz wedelt. Ich nenne das persönliche Präferenz und keine Eintrittskarte in den It-Girl-Club.

Statt sich einfach daran zu erfreuen, dass die Pärchenverhaltungsnorm weiter aufgebrochen wird, greifen ganz schnell wieder die herkömmlichen Rollenmuster, in denen Frauen sexy und begehrenswert sein sollen, und Männer um ihre Gunst kämpfen. Die Cougars mögen von der Übersetzung her Pumas sein, aber sie sind stolz drauf, ins Beuteschema ihrer Jäger zu passen. Genausowenig geht es darum, dass Frauen ab 40 großartig sind, sondern dass sie es immer noch schaffen, wie mit 25 auszusehen – die körperliche Erscheinung inbegriffen. Und  dass sie bei aller Lebenserfahrung ihr schüchternes Lächeln nicht verlernt haben, wenn sich der nächste Schuljunge nähert. Und weil die Jugend im Web 2.0 ja besonders bewandert ist, kann sie sich bei urbancougars auch direkt eine Auswahl der heißesten Muttibräute ansehen.

Ich dachte, spätestens mit 40 wäre die Zeit des optischen Selbstbetrugs vorbei. – warum posen diese Frauen dann genauso einfallslos sexy wie ihre Teenagerkolleginnen?! Ich verstehe das nicht als Zeichen von Selbstbewusstsein. Selbstbewusst finde ich, den Partner zu wählen, von dem ich das Gefühl habe, dass er oder sie am besten zu mir passt, unabhängig von Aussehen, Größe, sozialem Status oder eben Alter.


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Sexismus reloaded

17. Februar 2010 von Verena
Dieser Text ist Teil 23 von 25 der Serie Wilde Mädchen

Er ist also mal wieder im Gespräch, der Sexismus. Auf der Anklagebank sitzen aber nicht die sexistischen Nutznießer kurzer Röcke und zeigefreudig betonter Kurven, nein, der Vorwurf ereilt eben jene Fräuleins, die ihre Zeigefreudigkeit als Zeichen weiblichen Selbstbewusstseins definieren und dem Sexismus damit die Argumentationsgrundlage entziehen.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Da muss was schief gegangen sein mit der sexuellen Freiheit, wenn sich vor allem junge Dinger dieser Freiheit gemäß ausschließlich aufs lasziv und halbnackt posieren verstehen, unbedingt proporno sind und Striptease als Gymnastikkurs im Fitnessstudio belegen – Männer jedenfalls können sich zu den willig bereit stehenden Wichsvorlagen beglückwünschen.
Oder, wie die britische Autorin Natasha Walter in ihrem Buch „ Living Dolls“ die Diskussion in Schwung bringt, opfern zahlreiche Frauen mit künstlichen Fingernägeln, operierten Brüsten und Extensions im Haar diese Freiheit längst einer auf den heterosexuellen Mann ausgerichteten Stereotypisierung, dessen, was sexy sein soll.
Denn im Ernst, ist „sexy sein“ wirklich etwas, dass wir bei H&M kaufen oder uns ins Gesicht malen können?

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wild und abwaschbar

20. Januar 2010 von Verena
Dieser Text ist Teil 22 von 25 der Serie Wilde Mädchen

Die besten Weihnachtsgeschenke kommen leider immer erst im Januar. Zum Beispiel Roxxxy – die Gummipuppe mit Sprachfunktion. Nein, nicht was ihr jetzt denkt. Kein „uhhh jaa“ oder „Gib mir Tiernamen“. Nein, „ich mag es, mit dir Händchen zu halten“, soll die Dame sagen.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Als erster Sex-Roboter der Welt wird das Silikonspielzeug mit Computersteuerung vorgestellt und Spiegel Online erklärt die Feinheiten:

Die Kabel aus dem Rücken führen zu einem Laptop, auf dem mehrere Charaktere gespeichert sind, von der “wilden Wendy” über “S&M Susan” bis zur “reifen Martha”. Benutzer haben also die Wahl.

Dazu soll es auch Updates geben, die aus dem Internet “herunter geholt“ werden können, um Fähigkeiten und Vokabular zu erweitern.
Ob Roxxxy auch Bier aus dem Kühlschrank holen kann? Geschickt gestapelte Flaschen könnten das Mädchen gar zum Bücken nötigen. Womit wir wieder bei der eigentlichen Funktion der Gummimuschi-Tägerin sind: sexueller Zeitvertreib.
Aber Gummipuppen stehen ja schon länger im Verdacht, für manchen Mann auch auf der Wohnzimmercouch beim Fernsehgucken einen Partnerinnenersatz zu liefern. Und darauf zielen die Hersteller laut Eigenaussage sogar ab:

“Das Sex-Ding ist nur Marketing”, sagt er. “In Wahrheit geht es darum, einen Begleiter zu erschaffen.” Ziel sei es, künstliche Persönlichkeiten kreieren, die zum Beispiel auch älteren Menschen helfen können.

Ach klar, genauso wie Brot, Abflussreiniger und Schuhcreme gerne mit unterbekleideten Damen beworben werden. Und ja, besonders ältere Herren haben wahrscheinlich gerne eine „wilde Wendy“, die den neuen Rollator auch verbal bejubeln kann. Denn, wie der Hersteller auf seiner Internetseite erklärt, kennt Roxxxy den Namen des Partners, seine Vorlieben und Abneigungen und kann ihre Liebe zu ihm zum Ausdruck bringen. Aha – all das, was moderne Frauen immer weniger tun, weil ihnen zum devoten Anhimmeln die Zeit, die Lust oder auch einfach nur das Update fehlen?! Und wenn Wendy zu wild wird, einfach Stecker ziehen und aus – ganz so, wie ihr Partner es sich wünscht.

Und welchen Gummidödel stellen wir uns neben den Herd? Vielleicht gebe ich gleich mal eine Jobanzeige bei Beate Uhse auf. Suche SprachtrainerIn für meinen Vibrator – Sätze wie, „ich bin immer hart“ oder „ich besorge es dir stundenlang“ wären doch ein guter Anfang. Wobei das Sex-Geplänkel natürlich reines Marketing für den Gunmmischwanz wäre, der doch meinen Freund als Partner auf allen Ebenen ersetzen soll…

Und deshalb gibt es letztlich noch eine gute Nachricht: Bust tröstet uns, der männliche Gegenpart zur sprechenden Gummigefährtin sei in der Mache. Rocky soll er heißen und ich bin gespannt, ob die Hersteller den aus einer der Gummirippen Roxxxys erschaffen…


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Entschuldigung, dass ich auch was sage

16. Dezember 2009 von Verena
Dieser Text ist Teil 21 von 25 der Serie Wilde Mädchen

Nachdem Anne Roth vor zwei Wochen in ihrem Blog und beim Freitag die Frage nach der Wahrnehmung weiblicher Macherinnen in der Blogosphäre stellte, habe ich mir zahllose Klicks lang Gedanken gemacht. Genauso wie vor und neben mir schon Teresa Bücker beim Freitag oder Nikola Richter in der Blogmacherei.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Statt uns gegenseitig die Abkotz-Tüten zu reichen, überlegte ich, warum eigentlich konfrontieren wir die selbsternannten Alpha-Blogger nicht mit unserer Kritik und zeigen Präsenz in der Diskussion: Hey, wir sind auch noch da! Philip Banse, der seine Interviewserie ausschließlich mit meinungsmachenden Männern besetzt hat, muss vielleicht einfach sehr deutlich darauf hingewiesen werden, dass auch Bloggerinnen Meinungen haben und machen.

Wir haben schließlich Argumente, oder? Aber ach, wahrscheinlich würden diese schulterzuckend abgetan. Wir kennen das ja, oft entgleiten uns in Diskussionen unsere Argumente wie ein glitschiger Holzhammer, der die Richtung wechselt und uns mit dem einen Totschlagargument zum Schweigen bringt: „Mädchen komm mal runter“ – will sagen: „Sei nicht albern, hysterisch, zickig, dumm, aggressiv…” – Alles beliebte Rückhandschläge, je nach Wahl und Grad unserer Argumentation. Wenn wir wild werden heißt es, wir seien hysterisch, wenn wir ruhig bleiben, sind wir zickig, wenn wir nicht nachgeben, sind wir uneinsichtig. Man knebelt uns mit Attributen und versucht dadurch Offensichtlichkeiten zurück in die Ecke zu stellen. Ein Erfahrung, die auch vomHonig neulich gemacht hat.

Vermutlich ist es unsere Schuld, wenn wir den Mund aufmachen – wir kennen einfach unsere Grenzen nicht:

Im  Sommer saß ich in einer Veranstaltung, in der ein selbstgefälliger Referent über seinen Job bei einem Magazin berichtete, dessen Marketing sich ausschließlich an einer männlichen Zielgruppe orientiere. Ob sie von Frauen nicht gelesen würden, fragte ich. Doch, doch, sogar zu einem nicht unerheblichen Prozentsatz, aber das Marketing auf Frauen abzustimmen vergraule ihnen die männlichen Leser. Ach was, dachte ich und brachte sachlich noch einige Argumente vor, auf die der Referent keine rechten Antworten wußte, außer: Wenn ich weniger aggressiv wäre, ließe sich die Unterhaltung ja fortsetzen. Herrje, ich hatte wohl vergessen, meine Fragen mit einem zuckrigen Lächeln zu pudern. Das irritiert männliche Gegenüber erstaunlicherweise immer wieder. Aber auch einige Frauen, die mit in der Veranstaltung saßen, reagierten genervt – wieso musste ich bloß auf den “süßen” Typen so einsticheln…
Abends hatte ich eine ähnlich unangenehme Begegnung, in der ein Typ mir wirklich blöd kam und ich – jetzt tatsächlich – aggressiv reagierte. Sehr zum Erstaunen aller Anwesenden. Es ist eben immer noch so, dass wir Frauen uns zwar bitte nicht alles gefallen lassen brauchen, aber dieses Missfallen adrett verpacken sollen. Ich weiß nicht, wie oft ich meine 1,58 Meter auf den Tanzflächen dieser Welt vor Typen aufbauen musste, die ein demonstratives Weggucken nicht akzeptieren wollten. Aber das ist schon fast ein anderes Thema.

Aber nur ‘fast’ – denn egal, ob wir im beruflichen und gesellschaftlichen Umfeld unseren Standpunkt vertreten wollen oder einfach nur nachts auf der Straße, Argumente und Sachlichkeit helfen oft genauso wenig wie Freundlichkeit. An erster Stelle benötigen wie ein dickes Fell, an dem Ignoranz und sexistische Querschläge abprallen. Das gilt besonders im Web 2.0; ob auch in der Diskussion zwischen Alpha-Bloggern und Beta-Bloggerinnen – das gilt es noch heraus zu finden…


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Kill, Vagina Kill!

18. November 2009 von Verena
Dieser Text ist Teil 20 von 25 der Serie Wilde Mädchen

Applaus für Megan Fox! Wo? Bei mir zuhause. Denn nachdem die Presse spitz gekriegt hat, dass die Schauspielerin nicht nur ihre Kurven sondern auch ihr Mundwerk in Szene zu setzen weiß, erschlafft der Hype. Sätze, in denen Fox die Macht ihrer Vagina preist oder die weibliche Sexualität demonstrativ in Szene setzt verstört die Welt nun mal mehr als dass sie sie verführt. So fragt sich spiegel.de, ob Hollywood überhaupt so viel Sex verträgt und im Rolling Stone wird überlegt, was diese Frau eigentlich will.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Ein freches Mundwerk mag man noch durchgehen lassen, in Verbindung mit einem sexuellen Selbstbewusstsein aber wohl lieber nicht.

Wenn man in dieser Stadt {Hollywood} eine Vagina und eine Haltung hat, dann ist das eine tödliche Kombination,

wußte schon Sharon Stone zu berichten und die Schriftstellerin Margaret Atwood ergänzt um den Hinweis:

Es ist eine irgendwie freudianische Haltung,nehme ich an: Frauen, die zu aktiv oder zu intelligent sind, sollten sich nicht auch noch ausziehen, weil Männer sonst Teile ihres Körpers verlieren

Atwood spielt damit auf Sigmund Freuds Idee der gezähnten Vagina an, die wohl auch im 21. Jahrhundert nicht an Beißpotential verloren hat. Um so beängstigender, dass Megan Fox in ihrer aktuellen Rolle in „Jennifer’s Body“ eine männerverschlingende Vampirin spielt. Zum Entsetzen von spiegel.de Autor Lars-Olav Beier:

In “Jennifer’s Body” verführt sie die Männer nach Strich und Faden – doch statt dann mit ihnen zu schlafen, frisst sie sie auf. Fürs männliche Publikum ist das ein frustrierender Coitus interruptus exitus. {…} Selten wurde ein Film so gänzlich am Publikum vorbeikonzipiert wie “Jennifer’s Body”. Die Frauen kann sie mit diesem Film von vornherein nicht gewinnen; und Männer fühlen sich übel getäuscht.

Warum sich Frauen mit diesem Film nicht gewinnen lassen, sieht der Autor so begründet:

Achtung, die beißt! (Foto AP)

Achtung, die beißt! (Foto AP)

Diese Sinnlichkeit, die Fox nach eigenem Bekunden “aus jeder Pore verströmt”, macht Männer zu ihren glühenden Verehrern und Frauen zu ihren Feindinnen. Fox verkörpert genau jene Schlampe, die einer anderen Frau in null Komma nichts den Mann wegschnappt – und sei es nur, um zu beweisen, dass sie mehr Sex-Appeal hat. Deshalb hat es Megan Fox beim weiblichen Publikum so schwer. Wer geht schon ins Kino, um seinem Freund dabei zuzusehen, wie er erregt auf die Leinwand stiert?

Als ob die Welt immer aus rasend eifersüchtigen Frauen bestände… um ehrlich zu sein, ich wäre selber so damit beschäftigt, auf die Leinwand zu starren – was interessiert mich da mein Freund? Noch besser gefällt mir aber die Argumentation von SZ-Autorin Ulrike Bretz, die in Megan Fox weniger eine Gefahr für Männer oder einen Grund für Eifersuchtsszenarien sieht. Vielmehr findet sie Megan Fox nur sympathisch solange sie Sätze sagt, wie „Man kann nicht 24 Stunden am Tag ein Sexsymbol sein“, oder zugibt, eine Phobie vor den eigenen Fotos zu haben. Denn sexy aussehen reicht ja für die Titelblätter. Bloß bitte nicht drüber reden. Auch im 21. Jahrhundert nicht. Höchstens, um zu sagen, das frau privat ganz anders sei, schüchtern und so. Warum? Aus Gründen der Vorbildfunktion:

Nur leider hat Fox nicht daran gedacht, dass auch sie eine Vorbildfunktion hat – vor allem für all die anderen Mädchen aus der Provinz, die bei Talentshows ihr Glück suchen. Und bei denen kommt nun vor allem eine Botschaft an: Es ist egal, wenn Frauen nicht viel können – so lange sie dabei nur gut aussehen.

Ich lache mich schlapp. Ein „Ich finde mich gar nicht sexy, lasse mich bloß so fotografieren oder spiele das auf der Leinwand“, ist nach wie vor der Satz, den Frauen wie Männer von wilden Mädchen hören wollen. Dass Megan Fox dem bewusst widerspricht und dafür journalistische Schelte in Kauf nimmt, verdient meinen Beifall.


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PorYes!!!

21. Oktober 2009 von Verena
Dieser Text ist Teil 19 von 25 der Serie Wilde Mädchen

Hardcore Zeiten in Berlin. Nicht nur die Mainstream-Akteure der Pornomesse Venus tagten, auch hat sich eine kleine feministische Bewegung aufgemacht, ihre Lust am Porno offen zu zeigen und zu feiern. Deshalb wurde vergangenes Wochenende der erste feministische Pornofilmpreis Europas, die Auster, verliehen. Schon Wochen vorher sprach der Tagesspiegel mit Initiatorin Laura Mérrit über die Bewegung PorYes und die Bedeutung des profeministischen Pornos. Auch Spiegel.online und der Freitag warfen einen Blick auf das Anliegen der Macherinnen, ein Gütesiegel für faire Pornos zu vergeben. Pornos, die Safer Sex praktizieren und die Grenzen der Darsteller respektieren, genauso wie Frauen maßgeblich an der Produktion – besonders hinter der Kamera – zu beteiligen.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Es ist definitiv ein Fortschritt, dass auch Frauen Gefallen finden dürfen an sexueller Ausführung – selbst, wenn sie auf Papier oder Zelluloid stattfindet. Dafür möchte ich den PorYes-Damen anerkennend auf die Schulter klopfen, auch wenn ich mich frage, wie weit ihre Signalwirkung gehen wird. Und ob sie nicht doch bloß diejenigen bedient, die ohnehin schon offen mit Sexualität und all ihren Begleiterscheinungen umgehen. Denn noch viel zu langsam verliert Pornografie – ähnlich wie einst die Masturbation – ihre tabuisierte Existenz. Und eine weitere Frage stelle ich mir: Wenn wir Feministinnen jetzt die Kameraführung übernehmen, darf ich mich dann überhaupt noch am ‚bösen’ Mainstream erfreuen? Denn wie formuliert es Mérrit im Interview:

Das Hauptkriterium ist, Vielfalt zu zeigen und zu bebildern, wegzukommen von der Leistungsshow. Handlung muss nicht unbedingt sein, ein Penis darf auch mal herunterhängen, Pickelchen sind okay.

Stop! Einen schlaffen Schwanz will ich dort eben nicht haben. Denn ich gucke mir ja keine Pornos an, um Realitäten zu sehen. Ich mag es, willige Frauen und standfeste Männer zu sehen. Natürlich hat das nicht immer mit dem echten Leben zu tun, aber dafür ist Pornografie meiner Meinung nach auch nicht da. In Ordnung, der ewig gleiche Blick auf das weibliche Geschlechtsteil sowie der Cumshot als Zeugnis männlicher Potenz und Dominanz verliert auch für mich auf Dauer an erregender Wirkung. Aber auch feministische Pornos müssen ein Maß an Fiktion enthalten. Sie sollten überraschen, verstören und helfen, die Grenzen der gesellschaftlich gesteckten Sexualität zu erweitern. Und sie sollten Frauen ermöglichen, auch feministisch inkorrekt den „männlichen“ Blick gut zu heißen. Solange dieser nicht richtungsweisend für das Genre ist und die pornografisierte Lust standardisiert. Da stimme ich doch mehr Tina Lorenz zu, die in der taz schreibt:

Als Konsequenz der zweiten und dritten Feminismus-Welle drängen jetzt neue Rezipient_innengruppen auf den Markt, die die Ware Porno für sich erobern und sich weigern, den Männern – sei es als Produzenten oder Konsumenten – weiterhin das Feld zu überlassen. Wenn Pornos ein sexualisierter Kommentar auf unsere Lebenswirklichkeit sind, so ihr Credo, dann muss es auch Ausdrucksraum für Daseinsformen abseits der genormt scheinenden Mainstream-Ästhetik geben.

Aber ich will auch nicht so streng sein und gar den Fehler der meisten Pornogegnerinnen machen, indem ich etwas kritisiere, das ich nur in Ansätzen beurteilen kann. Deswegen geht es morgen nach Berlin, wo vom 22. Oktober an das 4. Pornfilmfestival stattfindet. Mit dem Schwerpunkt auf den feministischen Porno, wird sich ja zeigen, wie Facettenreichtum Lust entfachen kann. Denn die Möglichkeiten sind schier unendlich und wir sind ja auch zum Spaß hier. Also, Röcke hoch und Hosen runter!


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Es könnte so einfach sein…

16. September 2009 von Verena
Dieser Text ist Teil 18 von 25 der Serie Wilde Mädchen

In dieser Kolumne möchte ich mich herzlich bei Sonja Vukovic bedanken. Sie hat mir mit ihrem Artikel auf welt.online die heutige Arbeit sehr erleichtert. Denn ihre Analyse, warum russische Frauen so erfolgreich flirten, schießt sich derart selbst ins halterlos bestrumpfte Knie, dass ich gar nicht viel hinzuzufügen bräuchte.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Hier einige Kostproben ihrer Beobachtungen:

Noch bezaubernder als alle anderen sah an diesem verwunschenen Ort {Bar} eine junge Russin aus, die, ihre turmhohen High Heels fest am Boden verankert, ihre freien Schultern und ihre zierlichen, von dünnem Stoff bedeckten Hüften im Takt der sanften House-Musik hin und her wippte. Zerbrechlich, puppenhaft wirkten diese zarten Bewegungen, ihr Blick dagegen war kompromisslos. {…} Ihr besonderer Reiz, so erklären es zumindest die Männer in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, liege vor allem darin, dass sie Weiblichkeit eben nicht als Merkmal des schwachen Geschlechts begreifen, sondern als ein lebenslanges Fest.

Hemmungslose Weiblichkeit macht das „schwache“ Geschlecht also anziehend beim „starken“ Pendant. Komisch, auch im empfinde mich als weiblich: Auch wenn ich meine Hüften meistens mit mehr Stoff bedecke, Turnschuhe hohen Hacken vorziehe und mich tanzend lieber in wilde als zarte Posen werfe, bin ich immer noch weiblich, weil eine Frau. Und als Feministin begreife ich besonders meine Weiblichkeit nicht als Zeichen von Schwäche. Zerbrechlich und Puppenhaft ist halt nicht meine Masche, außer an Tagen, an denen mir halt mal danach ist. Aber anlehnen kann ich mich auch im fleecegefütterten Daunenjäckchen.

Russische Frauen erwarten vom Mann, dass er die Rechnung im Restaurant bezahlt. Sie lassen sich die Türe aufhalten, den Mantel anziehen und bereiten im Gegenzug für diese Aufmerksamkeiten in einer möglichen späteren Ehe mit Stolz ihrem Gatten das Essen zu. Dieses Miteinander nach alter Manier hat nichts mit Unterwürfigkeit zu tun.

Nein, Unterwürfigkeit fängt erst da an, wo man sich dieser Rolle aus Unsicherheit oder Furcht nicht mehr zu entledigen weiß, obwohl man durchaus Bock darauf hätte, dem Mann mit dem eigenen Geld ein paar Pommes zu spendieren. Dass Optik und Auftreten besagter Russinnen vor allem dem Zweck diene, sich einen reichen Mann zu angeln, bemerkt auch die Autorin an. Und egal, ob die Damen auch in der Ehe und mit Kindern berufstätig bleiben – ihren Lebensstil hat der Mann zu finanzieren. Sogar in sogenannten Flirtschulen können sich die Frauen ausbilden lassen – in der Kunst, ein „böses Mädchen“ zu sein. Wie jetzt?! Gerade noch zerbrechlich und unterwürfig, und jetzt böse?

Ja, klar, Diven- und Zickengehabe sind genauso Teil der Inszenierung „Weiblichkeit“ wie die körperbetonte Kleidung, lange Haare und die Schmollmundschnute. Und zu welchem Zweck? Einzig, um einen Mann abzukriegen. Ergo, Frauen in Hosen und ohne Mann sind gar keine Frauen. Mensch, da muss ich doch gleich mal gucken, ob zwischen meinen Beinen noch alles weiblich ist.

Wow, so muss eine Frau aussehen, um als solche erkannt zu werden

Wow, so muss eine Frau aussehen, um als solche erkannt zu werden

Selbst die Sprinterin Caster Semenya, deren Gewinn der WM-Medaille aufgrund ihres „zweifelhaften“ Geschlechts umstritten ist, wird für das Cover einer Modezeitschrift auf weiblich getrimmt. Damit jede und jeder sehen kann, die Sportlerin muss nur ein enges Kleid tragen und die Haare ein bisschen offen tragen, nicht zu vergessen, ein Lächeln auflegen, und schon greifen sie wieder die stereotypen Gechlechtscharakteristika.


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All On My Own

19. August 2009 von Verena
Dieser Text ist Teil 17 von 25 der Serie Wilde Mädchen

Immer wieder und von allen Seite heißt es, uns Frauen ständen doch alle Wege offen. Wir können frei entscheiden, Kinder zu bekommen oder nicht; arbeiten zu gehen, oder zu Hause zu bleiben; Single, mono,- oder polygam zu existieren. Aber oft geht es dabei nicht nur darum, was wir tun könnten, sondern wie wir dabei angesehen werden, wenn wir es tun. Und dafür reicht es manchmal schon, als Frau alleine unterwegs zu sein und Spaß zu haben. Willkommen im wilden Alltag!

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Allein auf der Straße hat eine Frau nur etwas zu suchen, wenn sie von a nach b unterwegs ist, ihren Hund ausführt oder durch den Park joggt. Und klar, wie konnte ich das bloß vergessen, wenn sie shoppt…

Oft genug werde ich überrascht angeguckt, dass ich allein ins Kino oder Kaffee trinken gehe. Völlig baff sind die meisten, wenn ich noch eins drauf setze: Ja, ich ziehe am Wochenende auch allein durch Clubs oder Bars. Oder sitze mal abends an irgendeiner Theke bei Bier oder Rotwein. Oft mit Lektüre, manchmal aber auch einfach nur so. Und nein, ich bin dabei nicht auf Männerfang. Obwohl genau die Vermutung zum Anlass genommen wird, näher an mich ranzurücken oder sich direkt außer Reichweite zu platzieren. Eine Frau kann nur auf der Suche nach einem Mann sein, sonst bleibt sie doch zuhause und kuschelt mit ein paar Duftkerzen.

Unabhängigkeit fängt nicht erst beim Konto oder der eigenen Wohnung an. Oft zeigt sie sich viel subtiler darin, dass wir die eigenen Pläne verfolgen, ohne sie von anderen abhängig zu machen. Wenn meine Freunde am Wochenende lieber zuhause abhängen wollen, ich aber ausgehen möchte, ok, dann ziehe ich halt alleine los. Gibt es niemanden, der mit mir in den Urlaub fahren kann, ok, traue ich mir einen Solotrip zu. Egal, wie selbstbewusst unser Auftreten im Job oder sonstigen Alltag ist, es kann ganz schön schrumpfen, wenn es mit Dekolletee als einzigem Anhang dort unterwegs ist, wo es als ungewöhnlich auffällt.

Dabei sehe ich aber Massen an männlichen Alleingängern, die mehr oder weniger gelangweilt an Tanzflächen oder Theken rumlungern. Schief angesehen werden die bloß, wenn ihr Rumlungern einen bedenklichen Alkoholspiegel aufweist. Und auch in Restaurants, ist ein Mann sicherlich auf Geschäftsreise, dafür muss er nicht mal nen Anzug tragen. Als Frau bekommt man selbst im Business-Look oftmals noch mitleidige Blicke. Ist es tatsächlich so, dass es für erwachsene Frauen ein Problem ist, alleine „rauszugehen“?!

Ich habe schließlich auch alleine Sex, wenn gerade keiner zum Mitspielen verfügbar ist. Aber der findet auch zu Hause, nicht sichtbar für die Außenwelt statt. Vermutlich gibt es für alleinstehende Frauen eine Ausgehsperre nach 22 Uhr, die ich noch nicht bemerkt habe.

Dabei ist doch total schade, auf ein tolles Konzert, einen Kinofilm, eine Ausstellung oder die Party im Club zu verzichten, nur weil niemand mitgeht. Und was bleibt mir übrig, wenn die Freunde keine Zeit haben, der Partner entweder die Kinder hütet oder als Rockstar irgendeinen Club am anderen Ende der Welt füllt, oder ich eben Single bin? Die Option, zu Hause zu bleiben kann es jedenfalls nicht sein.


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Politisch untauglich

16. Juli 2009 von Verena
Dieser Text ist Teil 16 von 25 der Serie Wilde Mädchen

Es gibt Nachrichten, über die man sich freuen oder wundern kann. Ich bin erst mal für wundern gewesen, als ich Anfang der Woche las, wen Gabriele Pauli als Frauenbeauftragte in ihre neue Partei geholt hat: Kader Loth.
“Kader wer?”, fragen jetzt vermutlich 97,9 Prozent der LeserInnen dieses Blogs, die weitaus besseres zu tun haben, als versierte Boulevard-Kenner zu sein. Frau Loth ist bekannt geworden durch ihr Engagement in der Müll, äh Containershow „Big Brother“ und anderer ähnlich verpolter Produktionen.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Wo Mutter Natur bei Kader Loth versagt hat, half Vater Schönheitschirurg nach: rundgepumpte Brüste und aufgemotzte Schmolllippen, bloß den IQ hat sich Kader Loth nicht aufrüsten lassen.

Deshalb halte ich auch die Ankündigung der ehemaligen Fürther Landrätin Gabriele Pauli, mit Loth den Kader ihrer frisch gegründeten Partei “Freie Union” zu verstärken, bloß für den Griff in den Publicity-Notfallkoffer. Denn bis nächste Woche muss die Politikerin 20.000 Unterschriften gesammelt haben, um mit ihrer Partei überhaupt an der Bundestagswahl teilnehmen zu können. Und der Titten-Trick funktioniert immer, wie Schlagzeilen bei spiegel.de oder welt.online beweisen.

Bevor wir aber unsere IQs anstrengen, ob eine Frauenbeauftragte Kader Loth von den Krankenkassen unterstützte Busen-OPs einführen wird, oder ob High-Heels Trägerinnen dann bei der Vergabe von Kita-Plätzen bevorzugt werden, finde ich es viel interessanter, zu überlegen, warum wir einem ehemaligen Playmate von vorneherein ihre politische Kompetenz absprechen?! Und das tun wir doch, oder?

Welche Chance hat eine Frau, deren öffentliche Vergangenheit sexuell geprägt ist, überhaupt, in serösen Tätigkeitsfeldern ernst genommen zu werden? Ich würde mal sagen, gar keine. Denn einmal nackig gemacht, prägt der Stempel „unseriös“ jedes noch so zugeknöpfte Outfit die Trägerin.

Eine Ausnahme hätte die Italienerin Ilona Staller sein können. Gescheitert ist sie vermutlich daran, dass sie auch als Abgeordnete das Cicciolina in ihr nicht ablegen konnte und ihre Aussagen jeweils mit Nippeldemonstration verband. Wie gut, dass mit Silvio Berlusconi Sex-Skandale so gar keine Rolle mehr in der italienischen Politik spielen… Oder wer erinnert sich an den politischen Fehltritt Michel Friedmans, der mit Prostituierten und Drogen seinen Hotelzimmeraufenthalt würzte. Spricht heute kein Mensch mehr von. Anders Gabriele Pauli, die sich, damals noch CSUlerin und Edmund-Stoiber-Angreiferin, gefährlich in ein paar Latexhandschuhen verfing. Das hat niemand vergessen. Und so erinnert sich auch jede und jeder an Kader Loth als D-Promi mit E-Körbchen, die als Frauenbeauftragte einer deutschen Partei nur ein Verzweiflungswitz sein kann.

Ich weiß nicht, was unsouveräner ist, Brüste zeigen oder Prostituierte konsumieren. Über politisches Know-How sagt beides nichts aus. Aber das zu zeigen, dürfte wohl keine der Playmates und FHM-Girls Gelegenheit bekommen. Zu sehr gilt bei einer Frau entweder Verstand oder Körper – schade eigentlich.


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