Der „neue Mann“ und die Brutalität

29. März 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 20 von 30 der Serie Neues vom Quotenmann

Nach den jüngsten Prügelattacken in Hamburg und Berlin werden sich wahr­scheinlich die Befürworter zunehmender Sicherheitsmaßnahmen erneut zu Wort melden. Denn tatsächlich scheinen solche Zwischenfälle in der letzten Zeit immer öfter aufzutreten. Dabei prügeln einzelne Männer oder Männergruppen meistens andere, ihnen völlig unbekannte Männer – so extrem, dass die die Opfer ins Kran­ken­haus müssen, oder sogar ums Leben kommen. Die Gewaltszenen geschehen in öffentlichen Verkehrsmitteln oder auf der Straße, und die Täter haben oft keinen auch nur im Ansatz nachvollziehbaren Grund.

Die Medienberichte darüber klingen in vielen Fällen banal, oder thematisieren in rassistischer Weise die ethnische Herkunft der Tatverdächtigen. Panikmache und neue Forderungen nach mehr Überwachung sind oft das einzige Ergebnis der Mediatisierung. Wichtige und unangenehme Fragen bleiben dabei ausgeklammert. Denn, auch wenn die Anzahl der Gewaltüberfälle und Körperverletzungen laut den letzten offiziellen Statistiken gesunken ist und keinen Grund zur Panik bietet, bleibt jede Gewalttat natürlich eine zu viel. Letztendlich sind viele von uns nicht bereit zu akzeptieren, dass Männer seit eh und je andere Männer verprügeln und dies einfach auch weiterhin tun werden.

Die Zwischenfälle deuten selbstverständlich auf viele wirtschaftliche und soziale Faktoren hin, die unter dem Motto „Prekarisierung“ und „Verrohung der Gesellschaft“ verstanden werden und überall in den europäischen Großstädten zu beobachten sind. Doch darüber hinaus wird dadurch offensichtlich, dass „der neue Mann“, über den die deutschen Medien so oft schöne Features und Reportagen schreiben, noch lange keine Selbstverständlichkeit ist. Dieser neue Mann, der von denselben Kommentatoren immer wieder zum Opfer des Feminismus erklärt wird, scheint vielmehr allzu oft in der U-Bahn dem „alten Mann“ zum Opfer zu fallen. Der zeigt ihm regelmäßig, was ein richtiger Mann kann.

Was wir tatsächlich brauchen, sind also nicht weitere Überwachungsmaßnahmen, sondern mehr Klarheit über die Ziele unserer Bildungssysteme und die Ver­wirk­lich­ung einer modernen, antipatriarchalen und konsequenten Geschlechts­politik, die Machismo und Gewalt niemals toleriert oder verharmlost.


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Die Quote nützt allen

1. März 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 19 von 30 der Serie Neues vom Quotenmann

In der jüngsten Folge der deutschen Debatte um die Frauenquote wurde meiner Meinung nach ein interessantes Argument zwar skizziert, aber nicht vollständig und prägnant genug entwickelt: Die Quote, endlich eingeführt nicht nur für die Aufsichtsräte und Vorstände der Großunternehmen, sondern auch für andere männerdominierte Institutionen, würde ein wichtiges indirektes Demo­krati­sierungs­poten­tial mit sich bringen, von dem die ganze Gesellschaft profitieren könnte.

Mit mehr Frauen in Führungspositionen könnte es tatsächlich mehr Demokratie in den wirtschaftlichen und in anderen immer noch stark hierarchisch organisierten Strukturen geben. Nicht weil Frauen a priori oder von ihrer Natur her konsens­orientierter, einfühlsamer und weniger autoritär seien, als Männer. Wer so argumentiert, egal wie wohlgemeint, öffnet den alten Stereotypen eine Hintertür. Vielmehr würde die Quote diese Strukturen einfach deshalb lockern, weil sie mehr Vielfalt bedeutet und zu einer Koexistenz unterschiedlicher Lebensprojekte zwingt.

Diese Lebensprojekte lassen sich nicht auf unterschiedliche Kombinationen der zwei klassischen Ziele, Familie und Karriere, reduzieren. Das alte Dilemma ist genauso revisionsbedürftig geworden wie seine beiden Komponenten. Die Ein­führung der Quote könnte zum Beispiel eine Chance sein, die gängige Vorstellung von Karriere als schnurgeradem Aufstieg in einer strikten Hierarchie neu zu überdenken. Der Grund liegt aber wieder nicht darin, dass Frauen „als Mütter“ unfähig seien, so Karriere zu machen, sondern eher in der einfachen Tatsache, dass diese Vorstellung der heutigen Realität in der Arbeitswelt nicht mehr entspricht. Ständige Weiterbildung, Outsourcing und unterschiedliche Arbeitsorte, flexible Arbeitszeiten und Hierarchien gehören zum Alltag einer globalisierten Wirtschaft. Allein schon diese Forderungen nach immer mehr Flexibilität lassen sich mit dem Begriff einer lückenlosen Karriere kaum vereinbaren.

Die Quote wäre also nicht nur das Richtige vom Standpunkt der Gleich­berechtigung und Gerechtigkeit. Sie könnte auch zu mehr Demokratie am Arbeitsplatz beitragen, indem sie die Machtverhältnisse neu definiert, verkrustete Hierarchien ablöst und vielleicht mehr Gestaltungsraum für selbstständige Entscheidungen der MitarbeiterInnen schafft. Von einem Abbau der veralteten Strukturen in den eher konservativen Wirtschaftsmilieus könnten nicht zuletzt auch viele Männer profitieren, die täglich mit den Launen manch eines vorgestrigen Vorgesetzten klarkommen müssen. Für andere würde eine Umgestaltung in den Führungsetagen vielleicht sogar mehr Freiheit bedeuten, mehr Emanzipation von falschen Sachzwängen, mehr Zeit für das Private.

Natürlich bietet die Quote allein noch keine absolute Garantie für eine Demo­kratisierung der Arbeitsverhältnisse. Sie wäre aber eben ein wichtiger Schritt, den die deutsche Regierung noch einmal verpasst hat. Stattdessen wurde den Bür­ger­Innen wieder das alte Märchen erzählt. Das Märchen von einem ruhigen, mono­kulturellen und sparsamen Industrieland, in dem Männer exportorientiert Karriere machen, weil nur Frauen Familie haben.


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Passt besser auf euch auf

24. Januar 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 18 von 30 der Serie Neues vom Quotenmann

Kurz vor Silvester hat Bill Patrick in seinem profeministischen Blog 15 Neujahrsvorsätze für (hetero) Männer vorgeschlagen. Die Liste ist ziemlich lang und könnte meiner Meinung nach besser strukturiert werden. Sie umfasst sowohl sehr konkrete Punkte („Richtig Wäsche waschen!“), als auch wichtigere, aber eher vage definierte Aufgaben („Die eigene Homophobie bekämpfen!“). Der Autor meint (zu Recht), dass sich viele seiner Vorschläge genauso gut für nicht-heterosexuelle Männer eignen.

Wie es mit den guten Vorsätzen so läuft, wissen wir alle aus eigener Erfahrung. Also, keine Illusionen. Ein paar Punkte aus Bills Liste sind aber eine Diskussion wert, gerade weil der gut gemeinte Optimismus der Feiertage jetzt vorbei ist. Warum gibt es immer noch so viele Männer, die sich mit den elementaren Aufgaben des Haushalts und des sozialen Lebens einfach überfordert fühlen? Die offensichtliche Antwort (dass diese Aufgaben traditionell den Frauen aufgezwungen wurden und vielerorts immer noch werden) hilft nur teilweise. Denn das Ungeschicklichkeits- und Abneigungsgefühl scheint oft anzudauern, obwohl die heutige Realität – zumindest in westlichen Großstädten – völlig anders aussieht.

Viele Männer (auch heterosexuelle) leben heute nicht mehr in den traditionellen Beziehungen ihrer Großväter, in denen die Frauen immer Sorge trugen oder tragen mussten. Viele leben – länger als ihre Eltern – in keiner Beziehung, oder eben zusammen mit anderen Menschen, die einfach keine Lust haben, jeden Tag ihre Partner zu verhätscheln. Trotzdem treffen wir immer wieder (auch unter den „neuen“ Männern) Exemplare der alten, überforderten Spezies, die kaum in der Lage sind, den Privatalltag effizient und (ja, bitte!) auch schön und angenehm zu organisieren.

Sicher gab es in den letzten 40 Jahren große Fortschritte. Sicher spielt falsche Erziehung eine echt fiese Rolle, denn sie hinterlässt tiefe Spuren und schafft die absurde Hoffnung, dass man(n) irgendwann doch eine Person finden wird, die sich um alles kümmert. Doch während diese Hoffnung im öffentlichen Leben spätestens mit der ersten Schulprüfung aufgegeben wird, bleiben die Strukturen des Privatlebens derart unterthematisiert und werden so unkritisch angenommen, dass realitätsferne Vorstellungen und erstaunliche Unfähigkeiten hartnäckig andauern. Zur Last vieler unserer Beziehungen.


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Der homosexuelle Mann und die Phallokratie

17. Dezember 2010 von Silviu
Dieser Text ist Teil 17 von 30 der Serie Neues vom Quotenmann

Die Vollversammlung der UNO hat im November entschieden, willkürliche und außergerichtliche Hinrichtungen aufgrund der sexuellen Orientierung nicht mehr ausdrücklich zu verurteilen. Auf Antrag mehrerer afrikanischer Abgeordneter wurde die explizite Erwähnung dieses Mordmotivs aus der diesjährigen Resolution gestrichen – ein enttäuschendes Ergebnis für die LGBTQ-Gemeinschaft und für die Menschenrechtsorganisationen.

Darüber informiert die taz unter dem Titel „Der homosexuelle Mann ist wieder zum Abschuss freigegeben“. Wer den Artikel liest, erfährt natürlich, dass in vielen Ländern nicht nur Schwule, sondern auch Lesben dem Mord immer noch zum Opfer fallen. Dass homosexuelle Männer ihr Privileg der Männlichkeit auch bei der Repräsentation in den westlichen Medien genießen, sollte spätestens mit einer Studie am Beispiel der Münchener Tageszeitungen klar sein. Während Lesben als Frauen für die Augen der Öffentlichkeit weiterhin nur wenig sichtbar bleiben, werden Schwule als Prototyp der Homosexualität dargestellt.

Die Ironie der Situation liegt aber vor allem darin, dass der taz-Artikel auch die mehr als 70 Länder erwähnt, in denen Homo-Sex als Straftat gilt. Die Liste dieser Länder und die Einzelheiten zur jeweiligen Rechtslage veröffentlicht nämlich ILGA in einem jährlichen Bericht. Und wer einen genaueren Blick in den letzten Bericht wirft, ist überrascht: Erstaunlich viele dieser Länder stellen zwar Schwule unter Strafe, nicht aber Lesben. Die umgekehrte Rechtslage kommt nirgendwo vor und, wenn Sex unter Frauen doch gesetzlich verboten ist, dann zeigt sich der homophobe Gesetzgeber meistens milder mit den Lesben.

Der homosexuelle Mann riskiert also vielerorts tatsächlich mehr als die homosexuelle Frau, und es scheint, dass Lesben nicht nur in westlichen Medien, sondern auch in patriarchalen Strafgesetzbüchern einfach mal weggelassen werden. Die interessante Frage ist natürlich, wie sich die überraschend asymmetrische Kriminalisierung erklären lässt. Zumindest zum Teil liegt es meiner Meinung nach an den durchaus phallokratischen Begriffen, die solche Rechtstexte verwenden. Um die vermeintliche Straftat gesetzlich zu kodifizieren, brauchen die Wächter der Moralität in 76 Ländern einige Definitionen. Was gilt zum Beispiel als Sex? Man(n) scheint trotz aller kulturellen Unterschiede unwillig oder unfähig, über die Idee hinwegzukommen, dass Sex zwangsläufig Penetration durch einen Phallus bedeutet. Alles andere hält das internationale Patriarchat – wie mancher westliche Schwule – entweder für „Sexersatz“, oder für gar keinen Sex.

Den Phallus zelebrieren die Japaner beim jährlichen Kanamara Matsuri (Festival des Eisenpenis), wie hier 2009 in Kawasaki


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Wickeltische für die Gleichberechtigung

4. September 2009 von Werner
Dieser Text ist Teil 16 von 30 der Serie Neues vom Quotenmann

Benachteiligungen Anderer fallen einem nicht auf. Das merke ich immer wieder, wenn ich mit anderen Männern über Benachteiligungen diskutiere. In den meisten Diskussionen werde ich sogar oft entsetzt angesehen und gefragt, ob ich dass nun nicht albern finde, in Deutschland noch von einer Benachteiligung der Frauen zu reden.

Quotenmann

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Es ist wohl einfach so, dass Benachteiligungen anderer erst auffallen, wenn sich mit ihnen bewusst auseinander gesetzt wird. Ich bin da ja auch nicht besser. Neulich als ich bei Ikea einkaufen war, hab ich auf der Herrentoilette einen Wickeltisch entdeckt. Ich hab so was vorher noch nie auf einer Männertoilette gesehen und deshalb fiel es mir direkt auf – und ich war auch echt begeistert, bis ich drauf kam, dass nicht dieser Wickeltisch toll, sondern die fehlenden Wickeltische schlimm sind.

Erziehung von Kindern, und damit auch das Wickeln, ist in Deutschland nach wie vor die Aufgabe der Frauen. Männer sehen sich als Ernährer, sie müssen das Geld nach Hause bringen, das zeigen Umfragen und Studien immer wieder. Der fehlende Wickeltisch auf der Männertoilette mag da nur ein sehr marginales Zeichen sein, aber er ist eines. Es ist nur besonders doof, dass es eben der fehlende Wickeltisch ist, denn dadurch ist dieses Zeichen wieder einmal nicht sichtbar und es merkt keiner. Ganz nach Michael Kimmel sieht ein Mann, wenn er in den Spiegel guckt, eben einen „Menschen“, eine Frau eine „Frau“ und eine schwarze Frau eine „schwarze Frau“ – was bedeutet, dass das Geschlecht für den Mann „unsichtbar“ ist. (Gilt übrigens auch weiter gedacht: der weiße, gesunde, westliche Mann ist die Norm und folglich normal.)

Das ist sehr schade, denn was nicht gesehen wird, kann nicht angeprangert und verändert werden. Dass nun mit lauter Wickeltischen auf Männertoiletten das ganze Problem der Ungleichbehandlung zwischen Mann und Frau aufgehoben wird, glaube ja noch nicht einmal ich. Aber mehr deutliche Zeichen würden vielleicht einigen Männern die aktuelle Situation deutlicher machen – Wickeltische können dabei wohl nur einen kleinen Beitrag leisten. Aber warum werden beispielsweise die enormen Lohnunterschiede nicht deutlicher kommuniziert? Bei den Streiks der Erzieher_innen fiel mir stark auf, wie selten ich Lohnvergleiche mit Berufen, die in der Gesellschaft als „männliche Berufe“ angesehen werden, gefunden habe. Dann wäre nämlich klar geworden, wie viel mehr ein_e Automechaniker_in im Gegensatz zu einer Erzieher_in verdient. Ich will hier nicht den Beruf der Automechaniker_in abwerten, aber es liegt doch auf der Hand, dass Erzieher_innen so wenig verdienen, da es in der Gesellschaft als „Frauenberuf“ und somit als Zusatzeinnahme gilt. Eine Familie muss davon nicht ernährt werden können, dafür gibt es ja den Ernährer.

Erst wenn Ungerechtigkeiten sichtbar sind, können sie registriert werden, dass kann der unbenutzte Wickeltisch auf der Männertoilette, aber auch Lohntabellen und –vergleiche sein.


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Diagnose: Weichei – Die Deserteure outen sich

5. November 2009 von Thomas
Dieser Text ist Teil 15 von 30 der Serie Neues vom Quotenmann

Wenn innerhalb einer Gesellschaft eine neue Geisteshaltung entsteht, ist das zunächst ein Problem für die Gemeinschaft, denn es weiß ja keiner, ob man dieser “Bewegung” überhaupt trauen kann. Wenn man ganz ehrlich ist, so ist man auch meistens nicht wirklich im Stande diese Frage selber zu beantworten. Die Realität ist komplex und vor allem in der heutigen medialen Zeit kaum noch zu überschauen. Konsequenterweise bleibt einem nur die Unsicherheit, die aus den verschiedensten persönlichen Motiven entsteht, und der erste intuitive Versuch diese Unsicherheit wieder los zu werden ist oftmals die Ablehung des Neuen. Das Festhalten an dem bisherigen Weltbild gibt einem Sicherheit. Der Grad der Unsicherheit entscheidet dann darüber, ob man der neuen Geisteshaltung einfach nur skeptisch gegenüber tritt oder sie aktiv bekämpft.

Quotenmann

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Diejenigen, die bei der Frauenbewegung in den 70er Jahren dabei waren haben diese aktive Ablehung ja nur all zu gut erfahren dürfen. Mittlerweile hat sich die Situation entschärft und jedermann weiß heute, dass es emanzipierte/feministische Frauen gibt. Das gilt allerdings noch nicht für feministische Männer. Irgendwie ist unsere Anwesenheit noch unbemerkt geblieben. Wenn ich einem Komillitonen erzähle, dass ich Feminist bin, so blickt mich dieser oft nur total verwundert an – nach fünfminutiger Wartezeit, in der er sich wieder fängt, werde ich dann gefragt: “wie…. Feminist…. Hä?”. “Mann” und “Feminismus” – wenn diese Wörter heutzutage in einem Satz zusammen auftauchen stiftet das nicht selten größere Verwirrung, hat man doch bisher nur von “Emanzen” und “Feministinnen” gehört. Die Reaktionen sind mannigfaltig. Zu der gerade erwähnten Variante, einfach ins Wachkoma zu fallen, gibt es natürlich noch viele Alternativen.

Fängt man bei den Männern an, so habe ich bisher drei Varianten erlebt. Die wenigen Gleichgesinnten finden es toll, Unentschiedene gucken einen wie oben beschrieben verwirrt an. Und die Nicht-Gleichgesinnten klären einen darüber auf, dass man Feminismus nicht mehr brauche, noch nie gebraucht habe (“Warum soll man Frauen noch mehr bevorzugen, als sie es sowieso schon werden?”) oder behandeln uns oftmals wie “Verräter” – an was genau ist mir auch nicht ganz klar. Das Strafmaß für diesen Verrat ist vielseitig und der Phantasie sind hierbei keine Grenzen gesetzt: Feministen seien Weicheier, keine richtigen Männer und natürlich Typen, so wird uns prophezeit, die niemals ein erfülltes Sexualleben haben werden. Das ist schon ziemlich hart und offenbar das Pendant zu der Phrase, „dass Frauen ja nur zu Feministinnen werden, weil sie hässlich sind und keinen richtigen Mann abbekommen haben“. Es ist eigentlich beeindruckend, wieviele Hassgefühle man mit einer frauenfreundlichen Geisteshaltung hervorzurufen vermag. Wir tun doch keinem weh! Ich denke, dass bei der letzten Variante die Unsicherheit eben am größten ist und folglich auch der Grad der Ablehnung, schließlich kann man sich von feministischen Männern nicht mehr so einfach distanzieren, wie von Frauen. Das Wort “Deserteur” passt also ganz gut.

Bei den Frauen herrscht unterdessen noch eine gewisse Unentschlossenheit. Manche finden Feminismus auch in der heutigen Zeit etwas übertrieben und blicken einen ebenfalls verwundert an. Diese Reaktion habe ich z.B. während meiner Schulzeit sehr oft erlebt – ist ja auch irgendwie verständlich – denn in der Schule gibt es keine gläserne Decke mehr, die eine vom Abitur abhält. Wozu hier noch Feminismus? Andere Frauen sind total begeistert und loben unseren Werdegang. Ferner gibt es noch diejenigen, die es garnicht einsehen, warum man Männer jetzt auch noch dafür loben soll, dass sie sich endlich auch so benehmen, wie es für Frauen seit langem selbstverständlich ist.

Und irgendwie ist es schon verzwickt – wie soll denn eine Frau, die, und das setze ich jetzt einfach mal voraus, mit feministischen Männern etwas anfangen kann, mit ihnen umgehen? Sicherlich ist positives Feedback wichtig – das gilt in der Kindererziehung genau wie bei Erwachsenen. Aber andererseits führt dies ja wieder zu einer Polarisierung in der Beziehung. Wenn er den Müll rausbringt, den Abwasch macht und den Kinderwagen im Stadtpark herumschiebt bekommt er dafür Anerkennung und Lob. Für seine Frau gilt das nicht. Sie kann noch so viel im Park herumirren, ein „Schatz ich finde es klasse, dass du dich so viel um unser Kind kümmerst!“ wird sie sicher seltener zu hören bekommen. Und eigentlich sollte doch solches Lob für ihn auch garnicht nötig sein – schließlich kann es doch keinen anderen Grund für eine feministische Einstellung (bei Männern) geben, als die schlichte Einsicht, dass das einfach richtig ist. Wozu dann noch Lob? Es ist irgendwie nicht einzusehen, warum ein männlicher Feminist gleich zur heiligen Kuh erklärt werden sollte.

Aber andererseits bedeutet es auch viel Widerstand und Spott, wenn man sich als Mann zum Feminismus bekennt – ist das kein Lob wert? Dann muss man sich aber auch fragen: “Lobe ich z.B. (m)eine Frau dafür, dass sie Feministin ist und sich emanzipiert hat?” Die Situation ist wieder einmal unübersichtlich und der goldene Mittelweg kaum zu erkennen. Die Lösung muss also wieder jeder selber herausfinden. Ich glaube, dass es sich lohnt, den goldenen Mittelweg zu suchen: Lob fürs Müllrausbringen ist überflüssig und verfehlt, Anerkennung dafür, seine Karriere einzuschränken, um ein Kind großzuziehen ist angebracht – und zwar auf beiden Seiten!


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Mythen aus der Frauenwelt

8. Januar 2010 von Thomas
Dieser Text ist Teil 14 von 30 der Serie Neues vom Quotenmann

Auf Guardian.co.uk ist vor ca. 2 Monaten ein etwas sonderbarer Artikel mit dem Titel „’Useless stay-at-home men’ a female myth“ (zu Deutsch: „‘Nutzlose Hausmänner‘ ein Frauenmythos“) erschienen. Es geht um die Anfang November 2009 veröffentlichte Studie ‘The Female Breadwinner: Phenomenological Experience and Gendered Identity in Work/Family Spaces’ der University of Missouri (durchgeführt in den USA von Dr. R. Meisenbach) über Familien bzw. Partnerschaften, in denen die Frauen den größten Teil des Einkommens verdienen.

Quotenmann

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Schon die Lektüre der ersten Zeilen lässt nichts Gutes ahnen:

If there is one thing on which many working mothers agree, it is that their partners do not pull their weight on the domestic front.
But research to be published this week reveals that men are being unfairly accused and working women are advancing the myth of the “useless man” so they can feel more feminine.

zu Deutsch: Wenn es eine Sache gibt, über die sich viele arbeitende Mütter einig sind, dann ist es die Tatsache, dass sich ihre Partner nicht ausreichend im Haushalt beteiligen. Allerdings enthüllt nun eine Studie, die in dieser Woche veröffentlicht wird, dass Männer zu Unrecht beschuldigt werden und arbeitende Frauen den Mythos des „Nutzlosen Mannes“ propagieren, um sich weiblicher fühlen  zu können.

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Das Männerhaus

9. Dezember 2009 von Thomas
Dieser Text ist Teil 13 von 30 der Serie Neues vom Quotenmann

1976 eröffnete das erste Frauenhaus in Deutschland, welches von häuslicher Gewalt und ähnlich schlimmen Krisen betroffenen Frauen Zuflucht bot. Mittlerweile sind es schon mehr als 400 bundesweit. Was es allerdings bisher nur einmal gibt, ist ein Männerhaus. Es wurde 1995 von Horst Schmeil in Berlin-Spandau gegründet und steht mittlerweile im brandenburgischen Ketzin, wo es neben seinem Gründer noch von Dietmar Gettner betreut wird. So ähnlich wie bei Frauenhäusern dient es als Zufluchtsort für Männer, die Opfer häuslicher Gewalt oder anderer Krisen geworden sind.

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(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Auch Frauen können zuschlagen, wobei die Wahrscheinlichkeit dafür besonders in Trennungsphasen und extremen Streitsituationen am größten ist. Allerdings scheint das niemanden besonders zu stören, denn oft passiert auch nichts – die Verletzungsgefahr ist für den Mann in der Regel gering und er bräuchte sich meist nicht mal besonders anzustrengen, um den Angriff abzuwehren oder die Angreiferin an einem Weiteren zu hindern. Wenn man nun auch noch zu denjenigen Männern gehört, die ihr Selbstbewusstsein in Emotionslosigkeit begründen, was durch Rollenklischees und Erwartungshaltungen unserer Gesellschaft durchaus gefördert wird, ist die Sache auch nicht weiter tragisch, oder etwa doch? Der aktuelle Gender Datenreport des Bundesfamilienministeriums berichtet sogar, dass in heterosexuellen Partnerschaften angeblich ähnlich viele Männer von häuslicher Gewalt betroffen sind wie Frauen (wobei aber nach wie vor der Großteil der anderen Körperverletzungen von Männern begangen werden). Zu beachten ist hierbei auch, dass Frauen in der Regel zu leichteren Formen der physischen Aggression neigen, etwa Schubsen und dergleichen. Dennoch gibt es nur ein Männerhaus in Deutschland, das zudem noch schlecht besucht ist. Auch wenn die Folgen häuslicher Gewalt gegen Männer nicht so verheerend sind wie bei Frauen – ich glaube kaum, dass die Gefühlswelten von dermaßen vielen Männern in Deutschland einen physischen Angriff der Partnerinnen unverletzt überstehen, vor allem wenn es öfter vorkommen sollte.
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Männer sind Schweine …

6. März 2010 von Werner
Dieser Text ist Teil 12 von 30 der Serie Neues vom Quotenmann

Um junge Frauen vor ungewollten Schwangerschaften zu beschützen, hat eine amerikanische Kampagne (sexreally.com) auf ihrer Website ein Video veröffentlicht, in dem gezeigt wird, wie Männer „wirklich“ sind: verdorben, sexgeil und hormongesteuert. Im Grunde sagt das Video, dass Männer immer nur an Sex denken und lässt die Darsteller sagen, dass Frauen in knappen Kleider doch selber schuld sind wenn sie nur als „Objekt“ gesehen werden und all die anderen Klischees.

Quotenmann

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass so auch nur eine ungewollte Schwangerschaft verhindert wird, wundere ich mich mal wieder über die Art und Weise wie hier a) mit dem Thema Sex und b) mit der Rollenverteilung zwischen Mann und Frau umgegangen wird. Ich kann es nicht nachvollziehen, warum Sex immer noch so verklemmt besprochen werden muss. Nachdem ich in den letzten Wochen alle fünf Staffeln „Six Feet Under“ gesehen habe, stelle ich wieder einmal fest, dass im (amerikanischen) Fernsehen eher gezeigt wird, wie zwei Brüste mit einem Schwert abgeschnitten werden, als das sie geküsst werden. Es gab wirklich viele Sexszenen aber in jeder hatte die Frau beim Sex einen BH an. Sex ist was Schönes – wenn beide bzw. alle Beteiligten es wollen. Ja, ich habe gerne Sex, ich kenne aber auch sehr viele Frauen, die sehr gerne Sex haben. Aber ich kann auch noch an andere Sachen denken, sogar mehrere Stunden am Stück.

Nicht falsch verstehen, ich bin für Safer-Sex und für Aufklärung – aber nur den Männern die Schuld in die Schuhe zu schieben, wenn mal was nicht so läuft, wie es geplant war, muss zwangsläufig in die Hose gehen. Wer junge Menschen vor ungewollten Schwangerschaften oder vor Geschlechtskrankheiten schützen will, muss ehrlich mit diesem Thema umgehen. Da wird es nicht helfen, die eine Seite nur zu verteufeln und die andere nur zu verherrlichen. Auch Frauen werden geil und auch Frauen kommen in Situationen, in denen sie eher handeln als denken … junge Menschen müssen lernen, genau dann richtig zu handeln – und zwar alle Beteiligten.

Es darf doch nicht sein, dass die Frau nur die Wahl zwischen dem naiven Dummchen oder der sexgeilen Schlampe hat und dem Mann am Ende noch nicht mal die Wahl gelassen wird. Menschen sind so unterschiedlich – egal ob Mann oder Frau. Und Sex ist nichts Abnormales. Wie er gestaltet wird müssen aber die Regeln, die involviert sind, den anderen geht das erst mal nichts an.


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„Bei gleicher Qualifikation werden Frauen bevorzugt …“

6. Februar 2010 von Werner
Dieser Text ist Teil 11 von 30 der Serie Neues vom Quotenmann

Gerade schließe ich mein Studium ab und beginne somit, eine Arbeitsstelle zu suchen. Nach den ersten drei Ablehnungen kann ich definitiv sagen: Es gab schon erbaulichere Phasen in meinem Leben, aber keine Angst, ich bin fest davon überzeugt, dass das schon noch wird.

Quotenmann

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Ob es an den ArbeitgeberInnen liegt, bei denen ich mich bewerbe, oder ob es sich wirklich schon flächendeckend so eingebürgert hat, weiß ich nicht, aber den Spruch „… bei gleicher Qualifikation werden Frauen bevorzugt …“ finde ich in jeder Stellenausschreibung. Und ich muss sagen, ich finde das gut – selbst wenn ich dadurch einen Job mal nicht bekommen sollte. Lustig finde ich aber schon, dass ich schon von mehreren Seiten auf diese Tatsache angesprochen wurde – und dies meist im Brustton der Empörung.

Ich kann mich dem nicht anschließen und das hat auch seinen Grund. Gehen wir doch einmal davon aus, dass beide wirklich gleich qualifiziert sind, warum dann den Mann bevorzugen? Frauen wurden und werden in unserer Gesellschaft und explizit auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt und diskriminiert, diese Benachteiligung schrittweise abbauen zu wollen, finde ich mehr als nur fair. Und wenn beide „gleich“ sind, muss ja einer bevorzugt werden.

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