An Charlotte Roche. Und gegen den Unwillen zum Wissen!

19. August 2011 von Nadia
Dieser Text ist Teil 38 von 48 der Serie Meine Meinung
© Flickr Nenyaki “Schoßgebete”. Tausendfach im Feuilleton durchgenudelt, alles gehört und gesehen. Inklusive Alice-Schwarzer-Gezeter und Kuscheltalk bei Markus Lanz, Lobeshymnen und Tiraden. Und nun die Zeit, auch einfach mal das Wort mal direkt an die Schreiberin zu richten. Also: Liebe Charlotte!

Ich finde Dich ja eigentlich ganz süß und knuffig. Also, früher zumindest. Und irgendwie sind davon halt auch noch Restbestände vorhanden. Trotz Geschwafel über Sex in Yoga-Hosen (gähn…), Wirsing (schnarch…) und “Wie kann ich dafür sorgen dass mein Typ mich immer toll findet und wir für immer zusammen bleiben werden?” (Ach, ach… Egal… Egal…). Deswegen will ich Dir heute mal einen schwesterlichen Rat geben: Wenn Du das nächste Mal ein Buch schreibst – und wir alle ahnen ja schon, Du wirst es irgendwann wieder tun – dann lies doch vorher mal eins! Also, ein richtig gutes! Oder, sogar mehrere!

Weil, irgendwie soll es ja bei Dir ums deutsche Durchschnittsleben gehen – Mittelmaß und so, Linse knallhart draufgehalten, trotz dramatischer Vorkommnisse im Leben, trotz moderner Industriegesellschaft und Wandel von Familien- und Genderstrukturen und Individualisierung und so weiter und so weiter. Das finde ich insgesamt ein hehres Ziel, aber da muss man halt bei den Besten in die Lehre gehen. Richard Fords “Sportreporter”-Trilogie kann ich Dir da wärmstens empfehlen. Ford ist seinem Held Frank Bascombe ja zum Teil bis auf die Toilette gefolgt (Ja, ja! Und das vor Deinen “Polöchern”! Schau an, schau an! Voll innovativ, oder?), und das schon vor vielen vielen Jahren. Und um Prostata-Krebs ging es dann auch im letzten Teil: Du siehst also, der gute alte Richard griff auch irgendwie Pipikacke-Themen – ganz zu schweigen von fragilen Beziehungen, Patchworkfamilien und der Angst vor Einsamkeit – auf. Aber: Eben auf hohem literarischem Niveau! Und genau deswegen liest man seine Bücher auch ganz gerne! Weil da zwar irgendwie auch nicht wirklich viel passiert, aber sprachlich doch immerhin allerhand!

Und weil der Ford aber auch einigermaßen unverdeckt reaktionär ist – in Interviews redet er ja zum Beispiel immer total gerne über seine Ehe und dass ohne reproduktive Zweierbeziehungen ja quasi alles geradewegs auf dem Weg der Verdammnis oder zumindest der Unproduktivität landen muss – habe ich noch einen zweiten heißen Tip, und zwar ebenfalls eine Trilogie: Michel Foucaults “Sexualität und Wahrheit”. Da empfehle ich Dir insbesondere Band II und III, nämlich “Der Gebrauch der Lüste” (Original: L’usage des plaisirs) und “Die Sorge um sich” (Original: Le souci de soi). (Es gibt noch einen vierten Band, aber das ist eine Geschichte die mit “fragmentarisch” und “posthum” zu tun hat, aber das juckt uns jetzt nicht groß. Nur der Vollständigkeit halber.)

Auf jeden Fall untersucht unser Kumpel Michel nämlich unter anderem, wie das Sexualverhalten vom klassischen griechischen Denken als Bereich moralischen Ermessens und moralischer Wahl geprägt worden ist.  Und er stellt die These auf, dass Sexualität den Zugang zum Individuum erlaubt und die Bevölkerung kontrolliert. Und dass sie sowas wie eine Angelegenheit des Staates ist, unter anderem dem Gesundheitswesen und den Regeln einer Normalität untergeordnet.  Und es geht auch um Zwangsheterosexualität und Reproduktivitätsideologie und so. Abgefahren, oder? Ist das nicht der Knaller?! Und ich kann Dir sagen, hach, was sage ich, ich kann Dir versprechen, wer Dein Buch “krass” findet, ha, also der wird sich bei der Foucault-Lektüre wundern, wie ihm wieder die Füße aufwachen, die ihm vorher vor lauter Wirsing, Würmern, Popo-Kratzen und Heizdecken eingeschlafen sind! Achterbahn der Crazyness sage ich nur! Word!

Du wirst sehen, Deine Geschichte wird dadurch keine bessere (und darum geht es ja auch nicht, Deine Geschichte ist Deine Geschichte, und deswegen belassen wir es dabei. Und niemals – so sagt es zumindest der gute alte Onkel Stephen King in “Das Leben und das Schreiben” – ist die Geschichte an sich wirklich schlecht, sondern nur die Umsetzung! Und das glaube ich gern, denken wir nur an den Story-Output von “Langoliers” - aber, ach, das ist ja auch wieder eine andere Geschichte! Was soll`s!). Wie auch immer: Du wirst sie beim nächsten Mal besser aufschreiben können. Bestimmt. Zumindest ein bisschen.

Deswegen, ich hoffe sehr dass Du Dir meine Tips vielleicht zu Herzen nimmst – ich auf jeden Fall würde mich sehr darüber freuen, weil, auch ich finde es immer ganz toll wenn die Leute mit Sachen konfrontiert werden, die ganz krass neu für sie sind und sie mal richtig vom Hocker reißen! Also, “schocken” wie Du vielleicht sagen würdest, und die auch so ein bisschen an den eigenen alten Denkmustern rütteln! Und: Die einen vor allem ein bisschen von der Pubertätsidee “Ich-kenne-mich-und-deswegen-kenne-ich-Euch-alle-und-ich-sage-Euch-jetzt-mal-wie-…”-Attitüde wegholen. Schöner ist ja immer irgendwie: Jetzt habe ich ordentlich geplappert, beim nächsten Mal habe ich aber mal wieder was dazu gelernt! Und zwar was Richtiges! Du wirst sehen!

Ich bin also schon mächtig gespannt auf Deine nächsten Papier-Geschosse, gucke mir bis dahin nochmal Dein Promo-Video zum neuen Besteller an (Glückwunsch übrigens!), warte auf die Zukunft und sage: In diesem Sinne, sincerely yours! Nadia.

Und P.S.: Alice, falls ich Dich auch erwische – für Dich gilt in weiten Teilen natürlich dasselbe. Und beim nächsten offenen Brief bitte nicht so rumschnauzen. Das war ja zum Ohrenkrebs kriegen, Dein Rumgemecker. Also. Weißte Bescheid!


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ARTE: Sommer ohne Grrrls

20. Juli 2011 von Nadia
Dieser Text ist Teil 37 von 48 der Serie Meine Meinung

Frauen, die in den letzten 50 Jahren Musikgeschichte geschrieben haben – diesem Topic nimmt sich ARTE an zehn Themenabenden im Juli und August an. Da geht einiges daneben, und die Hälfte wird auch noch vergessen. Deswegen, an dieser Stelle: Ein bisschen Entwicklungshilfe von uns.

Es hörte sich alles so hübsch an: Den weiblichen Koryphäen der Musikhistorie eine eigene Sommerreihe widmen, Judith Holofernes moderieren lassen und einen epochalen Rückblick auf fünf Jahrzehnte Frauen-Musik werfen – immer wieder dienstags. Eine ganz gute Idee hatte ARTE mit seinem „Summer of Girls“ – aber nicht überall, wo „Girls“ draufsteht, muss zwangsläufig auch was anderes außer Grütze drin sein. Gut, es gibt selbstverständlich Glanzmomente. Eine solide Kate Bush-Dokumentation zum Beispiel, oder den Janis Joplin-Themenabend inklusive des Highclass-Biopics „The Rose“ mit Bette Midler. Da kann man nicht meckern. Und trotzdem, manches scheint bei den ARTE-Menschen dann doch einigermaßen schief gewickelt zu sein. Dieser Eindruck entsteht zumindest, wenn man eine grobe Gesamtauswertung  des Programms vornimmt.

Der schlimmste und unverzeihlichste Fehler ist auf jeden Fall, dass im Rahmen der gesamten Themenreihe Punk außen vor bleibt. Das ist natürlich Schlawickel-Fail der übelsten Sorte und wurde auch schon an anderer Stelle völlig zu Recht bemängelt: 1976 bis 1981 komplett weggeblendet, und auch die Riot-Grrrl-Bewegung der 90er Jahre fehlt durchgängig. The Slits, Bikini Kill, Babes in Toyland, Le Tigre, und so weiter, und so fort: Fehlanzeige. Autsch. Das ist nicht gut. Eine Reihe, die sich der Musik von Frauen widmen will, bleibt zwangsläufig auf einem Auge blind, wenn sie die feministischen Wegbereiterinnen der Musikszene so hart ignoriert.

Ebenso nur halbwegs gelungen ist, eine Wahl der „Queen of Pop“ zu starten und in die Liste der zehn Anwärterinnen auf den Titel Beyoncé, Mariah Carey und Britney Spears zu packen. Naja, okay, die Auswahl hat das ARTE-Publikum zusammen getackert, da kann man wahrscheinlich nicht viel sagen, aber ein schaler Beigeschmack bleibt. Vor allem, da wichtige Glanzfiguren und kommerziell hocherfolgreiche Künstlerinnen in der Sommerreihe überhaupt nicht berücksichtigt werden: Tori Amos, Melissa Etheridge, Cyndi Lauper, Sarah McLachlan, Alanis Morrisette, Tracy Chapman. Um nur einige zu nennen. Und Björk. Die Nichtbeachtung der Island-Queen ist fast schon eine Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes. Mindestens.

Und auch, dass wichtige Band-Fronterinnen keinen Raum bekommen, schmeckt nicht. Keine Nina Persson von den Cardigans, keine Skin von Skunk Anansie, keine Shirley Manson von Garbage. Und natürlich alle, die ich sonst noch vergessen habe. Und das Messer wird noch tiefer in die Wunde gedrückt, indem stattdessen an anderer Stelle vergleichsweise musikalische Band-Nullnumern wie die „No Angels“ oder „Atomic Kitten“ abgehandelt werden und zudem auf der ARTE-Webseite passagenweise völlig hinterwäldlerisch darauf rumgeritten wird, dass es ja sehr bemerkenswert sei, dass es auch weibliche Musik-Genies gibt. Hillbilly-Denken der bösesten Sorte.

Gleichermaßen beklagenswert: Einige der für die Themenabende produzierten Dokumentationen, die allein schon durch Flach-Titel wie „Kurz, knapp und sexy – der Minirock“ oder “Cheerleaders – Ein amerikanischer Mythos” nichts Gutes verheißen. Da kommt schon leichter Grusel auf – verstärkt auch beispielsweise durch die große Frage, warum eine Künstlerin wie Madonna einen Abend lang in die Kategorie „It-Girl“ gepresst wird.

Nein, da muss man sagen, das hätte man sich in weiten Teilen dann doch anders gewünscht. Bleibt zu hoffen, dass das Ganze einen guten Ausgang findet – etwa, indem Kate Bush den Titel der „Queen of Pop“ abgreift. Aber das ist natürlich nur vage Hoffnung, denn Lady Gaga steht natürlich auch noch zur Debatte. Insofern rate ich dazu: Das Programm genau checken, selektiv die besten Programmperlen auswählen und im Falle des Falles dann doch nochmal lieber in die eigene Plattensammlung stieren – denn da scheint mit Sicherheit mehr Vollständigkeit garantiert, als die schöne TV-Glitzerwelt der ARTE-Macher_innen sich jemals zusammen basteln kann. Und an dieser Stelle zum Abschluss deswegen auch nochmal: Musik.


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Don’t call me slut just because you meet me @ Slutwalk!

19. Juli 2011 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 36 von 48 der Serie Meine Meinung

Es ist schon bemerkenswert, mit welcher Hartnäckigkeit sich bestimmte Mythen darüber, was Slutwalk sei und worum es da gehe, in der medialen Darstellung halten. Dabei ist natürlich oftmals sehr durchsichtig, warum sich dort auf bestimmte Aspekte eingeschossen wird. Seitdem sich herumspricht, dass demnächst auch in Deutschland Slutwalks stattfinden werden, begegnet mir allerdings häufig Kritik an dieser Protestform, die in folgende Stoßrichtung geht: Das Anliegen, für welches da demonstriert werde, sei natürlich total legitim und wichtig und nachvollziehbar, aber die Form wäre ja doch sehr eigenartig – wahlweise auch zweifelhaft, sinnlos, kontraproduktiv oder gar komplett antifeministisch.

Inzwischen ist allerhand gedacht und geschrieben worden zum erklärten Ziel einiger Slutwalks, den Begriff Slut bzw. Schlampe zu “reclaimen”, also zurück zu fordern – einige halten viel von der Idee, andere gar nichts, für manche ist das gar nicht wichtig, und für alle diese Positionen gibt es oft gute Gründe. Ich bin allerdings der Auffassung, dass es gar nicht der springende Punkt ist, ob und unter welchen Umständen ein Begriffsreclaiming sinnvoll oder möglich ist – und (jedenfalls für viele von uns: Ich beziehe mich hier ausdrücklich nicht auf von Women of Color für den amerikanischen Raum dargelegte Positionen, an denen sich jegliche Anzweifelei aus einer weißen Perspektive heraus verbietet) auch kein Ausschlusskriterium bei der Entscheidung “Gehe ich zum Slutwalk oder nicht?” sein sollte.

Zunächst einmal: Das allgemeine Werben für das Verwenden des Wortes “Schlampe” steht gar nicht so weit oben auf der gemeinen Slutwalk-Agenda, wie manche Mediendarstellung glauben machen mag. Schon gar nicht geht es um ein obskures “Recht, Schlampe genannt werden zu dürfen” – wenn überhaupt, dann darum, sich selbst so bezeichnen zu können, ohne dass daraus irgendeine Legitimation für respektloses, gewalttätiges oder herabwürdigendes Verhalten durch andere erwüchse. (Übrigens gibt es durchaus Zusammenhänge, in denen eine Aneignung des Wortes bereits praktiziert wird, z.B. polyamoröse Szenen in den USA oder die Riot Grrrl-Bewegung).

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Wer ist hier eigentlich wir?

31. Mai 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 35 von 48 der Serie Meine Meinung

Über unsere Facebookseite kam der Hinweis auf die aktuelle Freundin und das „sommer special“. Wahrscheinlich ist das mal alles wieder nicht so gemeint, aber hier drängt sich der Eindruck auf, wir Meerjungfrauen (= die weiße schlanke Frau) schmückten uns mit Ethno-Accessoires im Großformat (= die fülligeren, nicht-weißen Frauen darum herum).

Bild aus der Freundin mit einer schlanken, weißen Frau in heller Kleidung, um sie herum fülligere, dunkelhäutige Frauen. Die Überschrift: Wir spielen Meerjungfrau

Screenshot von freundin.de

Liebe Freundin, ich finde das nur noch peinlich und ich will nicht in euer blödes „Wir Meerjungfrauen“ gehören und ich will, dass Ihr mit sowas aufhört. Der Kolonialismus ist seit Jahren out und das zu Recht. Inzwischen sollte auch Euch klar sein, dass all diese vermeinlich „orientalischen“ und „exotischen“ Menschen, wirklich Menschen sind. Die man, verdammt noch mal, auch wie Menschen behandelt. Aber stattdessen stellen sich Modezeitschriften weiter hin und benutzen nicht-weiße, nicht-schlanke Menschen als Hintergrunddeko, als Ethno-Accessoires, als Dinge. Im widerlichsten Fall dient Armut noch als die Leinwand, auf der der Luxusbekleidung mal so richtig gehuldigt wird. Das ist nicht originell, das ist respektlos und trotzdem wird es immer und immer wieder wiederholt. Hört auf damit!


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Warum es manchmal okay ist, Heteros doof zu finden.

17. Mai 2011 von Nadine
Dieser Text ist Teil 34 von 48 der Serie Meine Meinung

Heute ist Internationaler Tag gegen Homo- und Transphobie (IDAHO). Heute vor 21 Jahren wurde Homosexualität aus dem Diagnoseschlüssel der Weltgesundheitsorganisation gestrichen und damit nicht länger als Krankheit geführt. Weltweit finden heute unzählige Aktionen gegen die Ausgrenzung und Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*, Queers und Intersex statt. In mehreren (auch deutschen) Städten starten sogenannte Rainbow-Flashmobs, in Berlin gibt es zusätzlich einen Aktionstag der Gruppe “Queer in Bewegung”. Jena kann sogar mit einem einwöchigen Festival aufwarten. Chapeau!

Während viele Betroffene, Aktivist_innen und Gleichgesinnte am IDAHO Akzeptanz und Gleichberechtigung einfordern bei gleichzeitiger Erhöhung der Sichtbarkeit von nicht ausschließlich heterosexuellen Lebensweisen, lohnt es sich dennoch, einmal die Perspektive zu wechseln. Nämlich auf diejenigen, die sich in einer heteronormativen Welt meistens sehr wohl fühlen: heterosexuell lebende Cisgender. Neben all den Annehmlichkeiten der herrschenden Gesetzgebung, stellt sich der Alltag für sie relativ unbeschwert dar. Unbeschwert, weil diese Menschen keinen neugierigen Blicken ausgesetzt sind und keine Angst vor Diskriminierung und Gewalt bezüglich der eigenen Sexualität und (zugeschriebenen) Geschlechtszugehörigkeit haben müssen. Sie können anderen distanzlose und intime Fragen zu deren sexuellen Vorlieben, Familienplänen und Lebensrealitäten stellen. Sie können LGBT*I und Queers nach Aussehen und Habitus kategorisieren und bewerten, ohne, dass diese ständigen Othering-Prozesse sanktioniert würden.

Kurz gesagt: Heterosexuelle, deren binäre Geschlechtszugehörigkeit nie in Frage gestellt wird, leben in einer Welt, die für sie eingerichtet ist. Sie leben entlang einer willkürlich gesetzten Norm, die die Welt in “Mann” und “Frau” einteilt, während sich beide konstruierten Geschlechter auch noch hauptsächlich gegenseitig toll finden müssen. Diese Heteronormativität ist für alle, die ihr nicht gerecht werden können oder wollen mit schmerzlichen Ausschlüssen, Diskriminierung und Gewalt verbunden, mindestens jedoch mit Einschränkungen, die (ausschließlich) heterosexuell lebende Männer und Frauen nicht erfahren. Und weil diese Norm suggeriert, es sei normal, die Welt in Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität zu denken, hinterfragen die meisten Heteros diese, also auch ihre eigene, konstruierte Normalität nicht. Die Unsichtbarkeit der Heteronormativität lässt viele in einer Blase aus Selbstverständlichkeit agieren, die natürlich nicht für andere gelten darf. “Ich finde es unangenehm, dass Homosexuelle ihr Privatleben öffentlich leben müssen”, sagt das Heteropärchen, während es ungeniert in der Straßenbahn rumknutscht. “Kinder brauchen Vater und Mutter”, sagt das getrennte Heteropärchen, während es über die Höhe des Unterhaltes streitet.

Auch ohne Beziehungskontext fallen Heteros oft unangenehm durch Ignoranz und Borniertheit auf: “Wer ist denn bei euch Mann oder Frau?”, “Habt ihr richtigen Sex?”, “Boah, das ist doch total traurig, meine/n Partner/in ständig verstecken zu müssen” – Es wäre auf jeden Fall schon mal wesentlich besser ohne diese dämlichen Fragen und Sätze. Ich würde mich auch riesig darüber freuen, wenn Heteropärchen nicht ständig meiner Partnerin und mir die Sitze in der U-Bahn streitig machen oder unseren Sitzplatzgewinn mit verständnislosen Blicken à la “Hallo, wir sind Heteros, wir gehören zusammen, wir müssen immer alles zusammen machen, auch sitzen” kommentieren würden. Ich wäre entzückt, bekäme ich kein Pfeifen, kein Lechzen, kein Gaffen. Es wäre der Sechser im Lotto, ich könnte meine Sexualität ohne Kommentare und Wertungen leben. Kommentare und Wertungen, die es nicht gäbe, würde diese fiese Heteronormativität nicht den Hetero-Horizont so stark einschränken. Ich hab’s ja schließlich auch geschafft, mal über den Tellerrand zu schauen.

Es gibt Tage, da finde ich Heteros und ihr selbstverständliches Dasein doof. Da bin ich undifferenziert, neidisch, traurig, gemein, belustigt und all diese Dinge, obwohl ich es besser weiß: dass bei weitem nicht alle so sind und Heteros auch nichts dafür können, dass sie von einem System profitieren, das sie sich nicht ausgesucht haben. Trotzdem wirken so viele daran mit, indem sie davon ausgehen, Heterosexualität sei normal und sich entsprechend verhalten. Als lesbische Frau kann ich mich in den seltensten Fällen auf meine gesellschaftlich akzeptierte Normalität berufen. Und solange dieses Ungleichgewicht existiert, das so viele Menschen (auch Heteros) einschränkt und gegen das viel zu wenige protestierten, ist es manchmal okay, Heteros doof zu finden. Oder die richtigen Fragen zu stellen.


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Was fehlt: Ein hatr für Werbung

21. April 2011 von Anna
Dieser Text ist Teil 33 von 48 der Serie Meine Meinung

Es vergeht fast keine Woche, in der wir nicht ein bis zwei Hinweise auf sexistische Werbung im Postfach haben. Plakate mit überdimensionierten Brüsten, Fernsehspots mit nackigen Popos oder sinnlich-lasziv dreinblickende Models mit der entsprechenden anzüglichen Unterzeile. Beworben werden in den seltensten Fällen BHs, Schlüpfer oder ein neuer Lippenstift. Sondern Duschgels, Margarine, Blumenkohl oder Handys. Das Produkt ist egal, Hauptsache Körperlichkeit, Hauptsache Objektivierung, Hauptsache nackt. Sexistische Kackscheiße wohin man schaut.

Ich kann’s nicht mehr sehen! Und ich will es auch nicht mehr. Ich hab keine Lust mehr, dass sich ein gefühlter Großteil meiner täglichen feministischen Arbeit mit sexistischer Werbung beschäftigen muss. Das kann doch einfach nicht sein! Ich kann nicht glauben, dass es diese Art von Werbung immer und immer und immer wieder noch gibt. Und noch viel weniger will ich glauben, dass es immer noch Menschen gibt, die einfach nicht begreifen, warum Brüste und Joghurt in keinem direkten Zusammenhang stehen und warum es sexistisch ist, diesen zu erstellen.

Und es sind ja nicht nur die Brüste und die Popos. Hat mal jemand eine Waschmittelwerbung gesehen in letzter Zeit? Eine für Putzmittel? Oder eine für Bier? Es braucht keine nackte Haut, um sexistische Stereotypen in einer Art und Weise zu (re-)produzieren, dass selbst meiner Uroma schlecht werden würde! Zieht den Schauspieler_innen andere Kleider an, gebt ihnen eine Zigarette in die Hand und diese Werbung ist nur noch schwer von einer Folge „Mad Men“ zu unterscheiden.

Was sollen wir tun? Hat jemand eine Idee? Ich rege mich auf über diese Spots. Jedes Mal aufs Neue. Aber ich kann doch nicht jedes Mal was dazu schreiben. Mir geht auch langsam die Phantasie aus. Wie soll man all den Unsinn immer wieder aufs Neue kreativ, bissig und unterhaltsam kommentieren? Ich könnte höchstens ein Video von mir hochladen, wie ich immer wieder den Kopf auf die Tischplatte schlage.

„Warum ignoriert ihr diese Werbung dann nicht einfach?“ fragen jetzt vielleicht einige. Wir ignorieren das nicht, weil es sexistische Kackscheiße ist und diese sichtbar gemacht und benannt werden muss. Wir ignorieren das nicht, weil es anscheinend immer noch nötig ist, darauf hinzuweisen, dass Margarine nichts mit nackten Körpern zu tun hat und dass das Anpreisen des gleichen Produktes mittels einer weichgespülten heteronormativen Familienidylle auch keine wirkliche Alternative darstellt.

Ich wünsche mir ein Hatr für Werbung. Da könnte man den ganzen Müll dann hin schicken und alle würden sehen, was für ein Dreck das ist. Aber ich müsste keine Zeit mehr damit verbringen, es auch noch aufschreiben zu müssen.

Update: Wenn das mit den Wünschen nur immer so einfach ginge! deus ex macchiato hat ein entsprechendes tumblr eingerichtet. Wer mitmachen will schreibt an: stegosaurus.restoration[at]gmail.com
Außerdem hat ryuu ein ähnliches Projekt verlinkt: *istische Kackscheiße!


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‘Frauen’ oder Themen sichtbar machen im Netz?

11. März 2011 von Nadine
Dieser Text ist Teil 32 von 48 der Serie Meine Meinung

Liebe Leser_innen,

wahrscheinlich langweile ich Sie, wenn ich dieses leidige Thema wieder aufgreife, zu dem es sogar schon Studien und Diplomarbeiten gibt. Warum ‘Frauen’ so wenig wahrgenommen werden in der deutschsprachigen Blogosphäre. Vielleicht, weil sie einfach über andere Sachen schreiben, diese ‘Frauen’. Vielleicht, weil sie neben Erwerbsarbeit auch noch Reproduktionsarbeit leisten und einfach nicht so häufig im Netz unterwegs sind wie die ‘Männer’. Vielleicht, weil ‘Männer’ zu lautstark sind. Der männliche Habitus, hegemoniale Männlichkeit, Sexismus im Netz, Troll-Gedöns, Morddrohungen, blablabla. Sie kennen das schon. Wenn nicht, googlen Sie es.

Dass sich Herrschaftsverhältnisse der “Offline-Welt” im Netz reproduzieren und genau dieser Fakt nicht mit “Ist doch nur das Internet, alles halb so wild” wegzuschieben ist, sollte für uns alle keine Neuigkeit sein. Wenn doch, dann empfehle ich, mit offenen Augen und einer Portion (Selbst)Kritik mal durch die Blogs zu surfen (und überhaupt: Welche Blogs lesen Sie und warum keine anderen?), gern auch ein paar Kommentare unter Postings zu lesen. Vieles wird Ihnen bekannt vorkommen. Bekannt aus diesem Reallife.

Auch Sascha Lobo weiß das alles und dachte sich zum 100. Jubiläum des Frauenkampf- und Feminist_innentages, dass er dieser Ungerechtigkeit Abhilfe verschaffen will. Indem er in seiner Blogroll eine Frauenquote einführt. Vorschläge dafür sollten von den Leser_innen selbst kommen. Frauen sichtbar machen. Eine feine Sache. Fanden auch viele Leser_innen, verlinkten eifrig und freuten sich riesig.

Nun ja. Ich redete dagegen, gewohnt nicht immer sehr freundlich. Sascha kommentierte seinerseits etwas fragwürdig (für meine Begriffe). Dennoch macht es Sinn, sich mal mit dem Sichtbarkeitsargument auseinander zu setzen.

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Wir sind frustriert, nicht feige!

8. Februar 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 31 von 48 der Serie Meine Meinung

Bascha Mika ist frustriert. Mit der Gesellschaft, mit den patriachalischen Strukturen und das am Ende immer alles so weiter geht, wie es schon lange weiter geht. Und an wem lässt sie es aus? Na klar, an den Frauen. „Die Feigheit der Frauen“ heißt ihr Buch und damit möchte sie anscheinend Frauen animieren, endlich mal mehr auf Gleichberechtigung zu pochen. Als Beispiele nennt sie im taz-Interview, dass Frauen immer noch eher ihrem Partner hinterher ziehen, mehr Hausarbeit machen und seltener Ansprüche auf Führungsstellen geltend machen.

Ich bin auch frustriert. Allein dieser Titel frustriert mich schon wieder unendlich. „Jetzt seid ihr Frauen dran“ – als ob an dieser Aussage irgendwas neues wäre. „Nein nein nein“, möchte ich da nur noch schreien. Warum ist es denn nie genug, was wir Frauen tun und getan haben? Warum muss es immer noch einen mehr sein? Frust, Frust, Frust. Mehr zu fordern ist so einfach, doch der Teufel lauert heute im Detail und: dort versteckt er sich einfach klasse. Große Ungerechtigkeiten sind selten geworden, der Kampf ist nicht mehr so plakativ wie der fürs Frauenwahlrecht.

Ab dem ersten Tag hab ich als Frau schon weniger in der Lohntüte – klar kann ich da sofort nachfragen und riskieren, am Ende ohne Job darzustehen. Warum verflixt noch mal muss ich da überhaupt noch hinterher sein, dass man mich anständig behandelt? Wer macht denn endlich mal denen das schlechte Gewissen, die bewußt diskriminieren oder, irgendwie genauso schlimm, sich noch nie Gedanken gemacht haben?

Und wenn ich schon ab dem ersten Tag weniger verdiene, kommt der Rattenschwanz an persönlichen Entscheidungen leider von ganz alleine. Wenn der Mann mehr verdient, bessere Aufstiegschancen hat, dann wird es irgendwann zum Selbstgänger. Oft genug bleibt frau nach dem Mutterschutz nur der Wiedereinstieg auf einen Abschiebeposten – da kann frau täglich mit ihrem Mann für eine bessere Gesellschaft streiten oder erstmal versuchen, ihrer Familie das Überleben zu sichern. Frust kommt übrigens in beiden Fällen auf.

Wobei wir beim letzten Punkt wären, der sicher schon viele (heterosexuelle) Frauen hat verzweifeln lassen. Denn auch wenn es 2011 ist und Männer mehr denn je im Haushalt machen: Auch aus dem emanzipiertesten Männermund kommt irgendwann ein unüberlegter Witz, ein unreflektierter Anspruch, ein Relikt patriachalischer Traditionen. Und frau steht da, völlig frustriert und könnte schon wieder kotzen oder weinen oder schreien. Wenn frau überhaupt einen Mann gefunden hat, der Abwasch und Wäsche macht, ohne Applaus zu verlangen. Zu einer Frau, die in einer Partnerschaft mehr häusliche Pflichten übernimmt, gehört schließlich ein Mann, der ihr diese Pflichten einfach überlässt. Aber was solls, schuld sind wir dann ja irgendwie doch, jeder Macho hatte eine Mutter, die ihn hat verkommen lassen.

Für Gleichberechtigung und Gleichbehandlung zu kämpfen ist ein 24-Stunden-Job, es kostet Kraft und Nerven, es frustriert, denn viel zu oft scheint es einfach gar nichts zu bringen. Pamphlete an die Männer, für den gleichen Lohn ihrer Kolleginnen zu kämpfen, sich für Elternzeit und Teilzeitjobs einzusetzen, sind weiter rar. Manchmal raten vielleicht noch Männerzeitschriften, seiner Ehefrau beim Abwasch zu helfen, sei einer sicherer Weg für weniger Frust und mehr Sex zu sorgen. Und dann kommt Bascha Mika und nennt uns auch noch feige. Na danke.

Heute abend ist Bascha Mika übrigens im Fernsehen; Zusammen mit Anke Domscheit-Berg, Miriam Gruß von der FDP und Quotengegnerin und Erbin Marie Christine Ostermann wird sie mit Pinar Atalay diskutieren. Um 22:15 Uhr heißt es in der PHOENIX-Runde „Wir müssen draußen bleiben – Woran scheitern Top-Frauen?”


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Reden wir doch mal über die Männerquote!

1. Februar 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 30 von 48 der Serie Meine Meinung

Seit etwa zehn Jahren gilt die so genannte “freiwillige Selbstverpflichtung” für Unternehmen, die dem Zwecke dient, den Frauenanteil in Führungspositionen zu steigern. Diese Selbstverpflichtung sei, laut Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), “krachend gescheitert”. Sie fordert, dass eine gesetzliche Quote her müsse - jetzt! – die in den nächsten fünf Jahren umgesetzt werden soll (wir berichteten).

Ein kurzer Blick in die Statistiken bringt Klarheit in den undurchsichtigen Wirtschaftssumpf: In den Vorständen der deutschen Unternehmen ist der Frauenanteil sage und schreibe zwei Prozent. Das ist ein Witz. Aber weil wir uns so an die Unterrepräsentanz weiblicher Führungskräfte gewöhnt haben, hilft hier vielleicht mal ein Perspektivwechsel, um dem Thema etwas mehr Brisanz zu verleihen.

Wenn wir die Frauenquoten-Debatten mal für eine Minute ruhen lassen und darüber nachdenken, warum die von der Leyens und Schröders dieser Welt noch nie die eigentlich viel dramatischere  Quote – die Männerquote – thematisiert haben, merken wir schnell: Eine Männerquote von 98% in den deutschen Vorständen könnte keine der Ministerinnen plausibel erklären, ohne über die Strukturen des Arbeitsmarktes, Diskriminierung, Sexismus und nicht zuletzt das verlässliche Old Boys Network zu sprechen. Aber das wäre ja unbequem. Dann würde es ja nicht mehr nur um Quoten gehen. Dann müssten wir uns gesamtgesellschaftlich die Frage stellen, ob wir so leben und arbeiten wollen. 50 – 60 Stunden die Woche unter Erfolgsdruck schuften? Familienfeindliche Strukturen? Eine nach einer männlichen Erwerbsbiographie ausgelegten Arbeitswelt? Nicht sehr attraktiv, mit oder ohne Quote.

Ja, die unionsgeführten Ministerien für Arbeit und Familie debattieren nun endlich über die Frauenquote. Aber: Wenn selbst die CDU sich zu Frauenförderung äußert, sollte man hellhörig werden. Und besonders auf die Argumentationslinien achten.

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Alphamädchen an die Front!

20. Oktober 2010 von Katrin
Dieser Text ist Teil 29 von 48 der Serie Meine Meinung

Am Wochenende war ich im Rahmen meiner Arbeit für den Lehrstuhl Politische Theorie an der Durchführung des Kongresses “Offiziersausbildung für das 21. Jahrhundert” beteiligt. Veranstaltet von der Clausewitzgesellschaft und der Humboldt-Universität zu Berlin befassten sich etwa 130 Männer zwei Tage lang mit der Frage, welche Herausforderungen die Kriege des 21. Jahrhunderts an die Ausbildung von Offizieren stellen. In Retrospektive an Carl von Clausewitz, der in Vom Kriege beschrieb, was gute Kriegsführung bedeutet, und in Betrachtung der Geschichte der Militärausbildung in Deutschland, sollte eine Vision entworfen werden, wie Nato und Bundeswehr auf neue Herausforderungen, zum Beispiel in Afghanistan oder in den schweren Konflikten in Afrika, vorbereiten.

Bundeswehr-Fotos
(Bild via Bundeswehr-Fotos)

Professor Herfried Münkler, der mit seinem Buch Die Neuen Kriege (Video der Bundeszentrale für Politische Bildung) beschrieben hat, was genau das Neue und Gefährliche an den Kriegen des 21. Jahrhunderts sind, diskutierte mit diesen – hauptsächlich älteren – Männern, es wurden Vorträge von Wissenschaftlern und von Kommandeuren gehalten, und von wissenschaftlichen Kommandeuren und Generälen. Die wenigen Frauen im Publikum waren größtenteils mitgereiste Gattinnen. Nur vereinzelt mischte sich auch einmal eine Frau in die Diskussion ein. Für jemanden wie mich war die Sache zwar überaus spannend, weil ich Einblicke in eine mir sonst fremde Welt bekam, aber ich fragte mich auch, was das für eine moderne Zukunft sein soll, wenn Frauen beim Militär nach wie vor so selten sind.

Ehrlich, was diese Sache angeht, müssen wir echt mal aus den Puschen kommen. Wolf-Dieter Löser, Generaloberst vom Nato Defence College war so mutig, in seiner Vision der neuen Soldat_innen eine Frau zu wählen, die diese Vision verkörperte. Und jetzt kommt’s: Keiner der alten Herren monierte das! Man will uns kluge, junge Frauen gerne dort! Aber wollen wird das denn auch?

Frauen sind friedlich. Frauen an der Waffe? – Nur für ganz hartgesottene Mannweiber denkbar, oder? Krieg? ihhh bäh! Mal ehrlich: Wir drücken uns vor dieser Herausforderung. Während wir Role Models in Hülle und Fülle entwerfen, in die Chefetagen drängen und in die Parlamente, obwohl die Hälfte der Macht in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft für uns eine selbstverständliche Forderung ist, drücken wir uns vor einem Engagement im Militär. Warum? Wegen der Kinder? Aber wollen wir nicht, dass Männer und Frauen in Bezug auf die Kinder gleichgestellt werden? Wegen des Pazifismus? Aber müssen wir nicht dafür Verantwortung übernehmen, dass die Krisen in der Welt, die Neuen Kriege, bei denen Vergewaltigungen von Zivilisten-Frauen durch die Kriegsparteien an der Tagesordnung sind, dass diese Konflikte gelöst werden? Dass sie auch in unserem Sinne gelöst werden? Geht das nicht uns alle an?

Eine ganze Reihe Frauen wird seid einigen Jahren als “Alphamädchen” gehandelt und wir sind selbstbewusst, klug, gut gebildet und scheuen uns nicht vor Herausforderungen. Oder doch?

Natürlich ist es eine rein persönliche Entscheidung, welchen Lebensweg jede von uns geht. Genauso persönlich, wie die Entscheidung zwischen Männern und Frauen, wer in der Babyzeit zu Hause bleibt. Doch wenn eine ganze Masse sich auf eine bestimmte Art und Weise verhält und dieses Verhalten unter der Zielsetzung von Gleichstellung ein politisches Problem wird, dann sollten wir uns vielleicht doch einmal ganz ernsthaft selbst fragen, ob wir uns eine Karriere beim Militär nicht doch vorstellen können.


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