Sollten sich Frauen “männlicher” Mittel bedienen?

18. Juli 2008 von Katrin
Dieser Text ist Teil 8 von 18 der Serie Grundsatzfragen

Eine Frage, die gerade bei reinen Frauen-Diskussionen immer wieder auftaucht, ist: In wieweit müssen wir Frauen uns “männliche” Mittel aneignen, wenn wir Erfolg haben wollen?

Jüngst wieder gehört waren dazu auf einer Konferenz zum Thema die folgenden Argumente:

  • “Die” Frauen sind zaghafter als Männer und zurückhaltender, während “die” Männer sich eher überschätzen und mit dem Kopf durch die Wand gehen.
  • Wenn “die” Frauen Hilfe benötigen oder eine gute “Connection”, um etwas zu erreichen, machen sie sich viel mehr Gedanken über den Aufwand, den sie damit anderen bereiten, als “die” Männer, die unverholener alle Mittel ausreizen und eher bereit sind, andere für sich arbeiten zu lassen, um dann den Erfolg trotzdem für sich zu verbuchen.
  • “Die” Frauen haben einen zu fairen Diskussionsstil, “die” Männer ziehen Diskussionen gerne mit ihrer dominanten Art an sich, “die” Frauen müssen genauso aggressiv diskutieren, wie “die” Männer.

Um nur wenige Beispiele zu nennen. Ich denke, es wird klar, was Kern all dieser Überlegungen ist. Ein bisschen aggressiver, ein bisschen rücksichts- und schamloser, weniger zaghaft sollen “wir” werden, damit der Erfolg, den wir ja verdienen, sich einstellen kann. Damit “wir” sozusagen “bereit” für einen Konkurrenzkampf mit männlichen Kollegen werden.

Ich persönlich kann mit diesen Vorschlägen wenig anfangen. Denn:

  • Die Unterschiede zwischen “den” Männern und “den” Frauen werden mir zu sehr überbetont.
  • Die vorgeschlagenen Mittel finde ich genauso unsympathisch wie mein Mann, der lieber andere, “weibliche” Wege geht.

Wie seht ihr das? Müssen Frauen sich härtere Bandagen zulegen, wenn der Erfolg (Welcher Erfolg ist eigentlich gemeint?) sich einstellen soll?

Wenn ihr Vorschläge für Grundsatzfragen habt, dann mailt sie an mannschaftspost(at)web.de.


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Feminismus ist nicht nur für weiße Deutsche. Oder?

6. Juli 2008 von Meredith
Dieser Text ist Teil 7 von 18 der Serie Grundsatzfragen

In der aktuellen Ausgabe der Zeit kritisiert die Autorin Mely Kiyak die aktuelle Feminismusdebatte als realitätsfern. Die Frauen der weißen Mittelschicht Deutschlands gingen nur auf ihre eigenen, verhältnismäßig unproblematischen Probleme ein, schreibt Kiyak:

Die Frage, ob wir einen neuen Feminismus brauchen oder schon haben, scheint bereits beantwortet: Die Mitte der Gesellschaft redet doch schon lebhaft darüber!

Doch wo ist die Mitte der Gesellschaft? Nicht ein einziges Mal tauchte in der Debatte das Wort Migrantinnen auf. Immerhin hat inzwischen ein Fünftel der deutschen Gesellschaft eine nichtdeutsche Herkunft. Nicht ein einziges Mal tauchte der Hinweis auf, dass es Frauen in anderen sozialen Schichten gibt, die über die diskutierten Alternativen – zu Hause bleiben oder arbeiten, Kinder kriegen mit oder ohne Ehemann, allein erziehen oder doch noch einen Masterstudiengang dranhängen – gar nicht verfügen. Kein Wort davon, dass in unserer Gesellschaft Frauen leben, die über keine sexuelle Selbstbestimmung verfügen, die aufgrund ihrer Herkunft bei der Ausbildungs- und Arbeitsplatzsuche systematisch diskriminiert werden. Nichts über Frauen, die doppelt so häufig von häuslicher Gewalt betroffen sind wie diejenigen, über die die ganze Zeit gesprochen wird. Ganz zu schweigen von all jenen, die verheiratet sind und deren Ehemänner in befristeten Arbeitsverhältnissen stehen. Da können die Ehefrauen gar nicht auf die Idee kommen, zu Hause zu bleiben, weil sie finanziell gar keine andere Wahl haben.

Unsere Leserin SoE schreibt dazu:

Ein Vorwurf, der weder ganz neu, noch unbegründet aber meiner Meinung nach auch nicht 100% gerechtfertigt ist. Den meisten weißen, mehr oder minder christlichen Mittelstandsfrauen ist klar, dass es anderen Frauen noch viel schlechter geht als ihnen. Und auf Blogs werden diese Themen auch durchaus angesprochen. Aber wenn man sich so hinstellen und ein Buch schreiben oder bei irgendeiner Podiumsdiskussion darüber reden würde, wäre es im besten Fall nur unglaubwürdig, im schlechtesten würden sich die “Betroffenen”
bevormundet fühlen.

Ich persönlich sehe das genauso. Es ist meines Erachtens schon eine relativ große Herausforderung, die eigenen Umstände zu bestimmen und daraus Forderungen abzuleiten bzw. das für Menschen zu tun, von denen man meint, sie hätten in etwa dieselben Voraussetzungen. Tatsächlich ist es so, dass es mehr und lautere Stimmen von Frauen mit Migrationshintergrund in der Feminismusdebatte braucht. Gleichzeitig müssen dafür aber überhaupt Kanäle entstehen.

Deshalb ist die Grundsatzfrage von SoE sehr wichtig :

Wie schaffen wir es, dass der Feminismus tatsächlich als eine Bewegung für alle Frauen ins Bewusstsein rückt?

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Was lässt sich täglich tun?

30. Juni 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 6 von 18 der Serie Grundsatzfragen

Feminismus ist nicht nur eine Sache für Gender Studies-Seminare, für Diskussionen im WWW oder für politische Programme. Feminismus hat vor allem mit tausend kleinen Entscheidungen im Alltag zu tun.

In welchen alltäglichen Situationen handelt ihr feministisch? Und warum?

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Wie umgehen mit Misandrie?

20. Juni 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 5 von 18 der Serie Grundsatzfragen

Unser Leser Matthias stellt diese Frage zur Debatte. Er schreibt:

“Alice Schwarzer hat den Hass auf Männer begrüßt, Valerie Solanas wollte Männer am liebsten ausrotten. Wie sollte sich ein moderner Feminismus gegenüber solchen Positionen verhalten? Gibt es Misandrie heute noch? Ist Misandrie ein Problem? Sollte man als FeministIn Misandrie ignorieren (“Männer haben es trotzdem viel besser als Frauen, von daher brauchen die sich nicht zu beschweren”), sich davon distanzieren oder ihn entschieden ablehnen?

Ich persönlich bin der Meinung, dass die Anerkennung der Existenz von Misandrie und eine Ablehnung des Männerhasses dem Feminismus gut tun würde, da damit eines der ältesten männlichen Klischees über Feminismus widerlegt werden würde, Männer erleben, dass ihre Probleme als solche anerkannt werden und echten Feminismus-Gegnern der Wind aus den Segeln genommen werden würde.”

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Wie viel Verschiedenheit kann und muss der Feminismus aushalten?

9. Juni 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 4 von 18 der Serie Grundsatzfragen

Früher musste Feminismus kategorisch und oft auch ein Stück dogmatisch sein, um sich Gehör und Respekt zu verschaffen. Heute kann und muss der Feminismus verschiedene Ansätze integrieren können, um in der Mitte einen berechtigten Platz einnehmen zu können. Doch die Frage ist: Was kann der Feminismus aushalten? Manche schalten schon ab, wenn Charlotte Roche ihr Buch “Feuchtgebiete” feministisch nennt, manche drehen erst bei Lady Bitch Ray und ihrer Interpretation des Feminismus durch.

Also, was geht, was nicht? Und wer soll das bestimmen?

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Ist es noch sinnvoll, das Ding “Feminismus” zu nennen?

31. Mai 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 3 von 18 der Serie Grundsatzfragen

Thea Dorn empfindet den Begriff “Feminismus” als zu verbrannt, als dass man in Zukunft noch etwas Positives mit ihm anfangen könnte; sie wollte es lieber die “F-Klasse” nennen. Die Autorin Jana Hensel sagte im satt.org-Interview: “Ich mag das Wort, ehrlich gesagt, nicht besonders. Es klingt nach Bewegung, Kampf, schlechtem Gewissen und Besserwisserei. Ich vermeide es, so oft es geht.”

Und ihr? Bezeichnet ihr euch als Feministin oder Feminist? Oder bevorzugt ihr eine Alternative? Wenn ja, warum?

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Kann Feminismus Spaß machen?

19. Mai 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 2 von 18 der Serie Grundsatzfragen

Im Jugendmagazin Neon, dessen Juni-Ausgabe seit heute am Kiosk liegt, stehen folgende Sätze:

Die neuen Feministinnen gehen jedenfalls immer noch gerne auf Partys, aber nicht nur, denn Spaß macht es mittlerweile auch wieder, sich zu engagieren. Deshalb schreiben sie Bücher, die sie »Wir Alphamädchen. Warum Feminismus das Leben schöner macht«, »Neue deutsche Mädchen« oder eben auch »Feuchtgebiete« nennen, gehen mit diesen Büchern auf Lese- und Interviewtour und betonen, dass Feminismus jetzt wieder cool und außerdem sehr spaßig sei. Die Frage ist nur: Kann er das überhaupt sein?

Für mich ist ja der amerikanische Feminismus der beste Beweis, dass die Antwort JA lauten muss. Wer regelmäßig Zeit auf feministe.us, feministing.com oder Bitch Ph.D. verbringt oder Jessica Valentis “Full Frontal Feminism” gelesen hat, wird mir vielleicht zustimmen.

Mir kommt bei dieser Art von Diskussion immer der leise Verdacht, dass deutsche Journalisten (ach nee, wir sind ja selbst welche), also vielleicht die Deutschen allgemein, nicht glauben wollen, dass man ernsthafte Themen nicht immer nur mit bitterer Miene und in verklausulierter Sprache angehen kann.

Man merkt das ja, wenn man wissenschaftliche und auch feministische Literatur aus dem angelsächsischen und dem deutschen Sprachraum vergleicht. Während die Amerikaner es schaffen, unterhaltsame und zugleich fundierte Bücher zu komplexen Themen zu schreiben, gibt es in Deutschland sofort eins mit der Keule “Populäres Sachbuch” drauf – oder ist eben kaum lesbar.

Mit der feministischen Diskussion scheint es ähnlich zu sein: Wer etwas ernst meint, muss gleichzeitig ein Bekenntnis zur Spaßbefreiung ablegen, könnte man meinen. Die These “Feministisches Denken und Handeln ist wichtig und kann Freude bereiten und dein Leben bereichern” scheint für viele Leute nicht zum Aushalten zu sein.

Wie seht ihr das, liebe Leserinnen und Leser? Kann Feminismus Spaß machen, darf er das? Oder wird die Sache dadurch aufgeweicht?

P.S:: Wir können schon mal sagen: Dieses Weblog macht zwar viel Arbeit, aber – Überraschung! – Spaß macht es uns auch, und zwar sehr.

(In der Rubrik “Grundsatzfragen” diskutieren wir Grundsätzliches zum Feminismus. Wenn ihr Vorschläge für Grundsatzfragen habt, dann mailt sie an mannschaftspost(at)web.de.)


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Welcher Mittel soll sich ein moderner Feminismus bedienen?

8. Mai 2008 von Susanne
Dieser Text ist Teil 1 von 18 der Serie Grundsatzfragen

In der Rubrik “Grundsatzfragen” wollen wir ab sofort regelmäßig Grundsätzliches zum Feminismus diskutieren. Wenn ihr Vorschläge für Grundsatzfragen habt, dann mailt sie an mannschaftspost(at)web.de.

Die Einstiegsfrage da oben geht mir momentan im Kopf herum, heraufbeschworen durch die öffentliche Diskussion, in der immer mal wieder anklingt, dass gar nicht so richtig klar ist, wie junge Frauen und Männer für mehr Gleichberechtigung kämpfen können. Ich habe schon recht früh für mich beschlossen, meinen Beruf auch immer für gesellschaftliche Themen zu nutzen; zum Beispiel für den Feminismus.

Aber das ist natürlich nur eine Form der Meinungsäußerung. Mit welchen anderen kann heute etwas erreicht werden? Was bringen “klassische” Protestformen wie Demos, Proteste, Petitionen und Arbeitszirkel? Für welche Aktionen könntet ihr euch begeistern? Was macht ihr schon?


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