“Seitenwechsel”: Der Vorzeige-Homo ist nicht die Lösung

9. März 2011 von Nicole
Dieser Text ist Teil 50 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek


Schwarzer Buchtitel mit weißem Fußball und pinker Schrift: Seitenwechsel. Coming-out im FußballEs stehen viele wichtige Dinge drin in Tanja Walther-Ahrens‘ Buch Seitenwechsel. Coming-out im Fußball. Auf 176 Seiten geht es hier ein­mal durch die schwul-lesbische, queere Sport- und Lebenswelt, durch die homophoben und sexistischen Strukturen insbesondere des Fuß­balls, persönliche Erfahrungen von Sportler­_innen, Schiedsrichter_innen und Journalisten, garniert mit kleinen Crashkursen zu Judith Butler oder den europäischen Anti­dis­krimi­nie­rungs­richt­linien und eingeleitet mit einem Vor­wort von Theo Zwanziger, Präsident des Deut­schen Fußball-Bundes.

Tanja Walther-Ahrens weiß, wovon sie schreibt. Sie ist selbst ehemalige Bundesligaspielerin, arbeitet heute hauptberuflich als Lehrerin, ist „neben­bei“ als Aktivistin bei der EGLSF (Euro­pean Gay and Lesbian Sports Federation) unter­wegs. Dass Homophobie nicht nur beim DFB, sondern auch in der Fanszene und in den Medien inzwischen ein Thema und nicht mehr nur ein Tabu ist, ist zu einem nicht geringen Teil ihr Verdienst. Irgend­wann dazwischen hat sie dann noch Zeit gefunden, dieses Buch zu schreiben, das sich nicht nur an ein Nischenpublikum richtet, wie sie selbst im Interview sagt:

Ich habe das Buch für eine breitere Masse geschrieben: für diejenigen aus der Community, die selbst mit Sport zu tun haben, und für die, die sagen „Nee, Sport, damit kannst du mich jagen.“ Aber eben auch für Leute, die aus dem Sportbereich kommen und denen das Thema Homo­sexualität nur wegen Martina Navratilova über den Weg gelaufen ist.

(weiterlesen …)


Facebook | |


Überflüssige Orgasmen und Hysterie – über die Erforschung der Frau

30. Dezember 2010 von Helga
Dieser Text ist Teil 49 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

Weißes Buchumschlagbild mit goldener Schrift: Woman - Darunter klein und schwarz: An Intimate Geography – Ein aus 3 Strichen stilisierter weiblicher Intimbereich – NATALIE ANGIER Winner of the Pulitzer PrizeAls „eine wissenschaftliche Fantasie des Frauseins“ versteht Autorin Natalie Angier ihr Werk “Woman: An Intimate Geography”. Tatsächlich dreht sich alles um den Teil der Menschheit, der von der Wissenschaft bis heute noch zu oft vernachlässigt wird: Die Frau und alles, was sie ausmacht.

Warum gibt es einen weiblichen Orgasmus und warum wird die Durchschnittsbrust seit Jahrzehnten immer umfangreicher? Nur einige von zahlreichen Fragen, deren Antwort noch immer ausstehen. Hier fasst Angier die verschiedenen Theorien und Beweise zusammen, gibt Einblicke in die (männlich geprägte) Wissenschaftsgeschichte und zeigt die komplexen Verwicklungen mit Alltagskultur und Politik auf. Auch die Geschichte der weiblichen Hysterie, ausgehend von der Gebärmutter (griech. ὑστέρα/hystera) darf da nicht fehlen. Dabei geht es nicht nur um die harten Fakten von Gebärmutter und Genetik, sondern auch die gesellschaftliche Einordnung. Die Frau als schwaches, passives und weiches Wesen – naturgegeben sei das nicht.

Als Mutter, die sich für ihre eigene Tochter ein noch besseres und gerechteres Leben wünscht, zeigt sich Angier auch als ausgesprochene Feministin, die unter den tausenden Jahren patriachaler Traditionen die Möglichkeit zu mehr globaler, weiblicher Solidarität sieht. Ausgehend von Naturvölkern oder unseren nächsten Verwandten, die Affen, leht sie sich hier etwas aus dem Fenster. Aber schließlich soll das Buch auch mehr sein, als nur das Vorstellen wissenschaftlicher Erkenntnisse, eben eine „Fantasie“. Und: viele populäre Annahmen stehen auf wissenschaftlich wackligeren Füßen. Die Verbindung von Aggression und Testosteron ist so wenig bewiesen, wie evolutionäre Psychologie sich auf historische Fakten berufen kann. (weiterlesen …)


Facebook | |


Für den langen Winterabend: Die Autobiographie von Emma Goldman

27. Dezember 2010 von Verschiedenen
Dieser Text ist Teil 48 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

Maike Landwehr, 1983 geboren und alleinerziehenderweise vom Vater großgezogen, erkannte schon früh die Idiotie von Geschlechterrollen. Auf die Verweigerung mit Puppen zu spielen und sich “niedlich” anzuziehen, folgte schließlich ein Studium in Hamburg, bei dem sie sich mit Männerphantasien und Frauenbildern in Geschichte und Literatur beschäftigt hat. Maike wird uns heute die Autobiographie „Gelebtes Leben“ von Emma Goldman vorstellen.

„Gelebtes Leben“ (im Original: Living my Life) – der Titel passt: Emma Goldman (1869-1940) hat ihr Leben gelebt, oft kompromisslos, häufig uneigennützig und immer unangepasst. Mit 20 Jahren betrat eine junge Frau die Großstadt New York, sie selbst zählte ihre Lebensjahre später von diesem Zeitpunkt an, denn die Stadt und die Menschen, die sie hier traf und kennenlernte, politisierten sie stark und weckten einen äußerst rebellischen Geist in ihr. In den damals noch jungen Vereinigten Staaten herrschte eine politische Realität, gegen die sie ihr Leben lang ankämpfen sollte.

Der so genannte Haymarket Riot war brutal und für mehrere der Mitorganisatoren tödlich niedergeschlagen worden und veranlasste neben Goldman noch viele andere, sich gegen die menschenverachtende Arbeitssituation in Fabriken und Betrieben zu wehren. Goldman war es dabei wichtig, nicht in einen starren Dogmatismus zu verfallen, sondern stets auch die Meinungen ihrer Mitstreiter_innen wie die ihrer Gegner_innen anzuhören. Ihr besonderes Anliegen war die Durchsetzung der Redefreiheit in ihrem Land. Einem Land, das sich selbst als Demokratie bezeichnete, dessen ständige Missachtung demokratischer Rechte Goldman jedoch täglich registrierte. (weiterlesen …)


Facebook | |


Das wird mir alles nicht passieren

11. November 2010 von Barbara
Dieser Text ist Teil 47 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

In ihrem neuen Buch „Das wird mir alles nicht passieren… Wie bleibe ich FeministIn“ erzählt die österreichische Autorin Marlene Streeruwitz (geboren 1950) von Situationen, die es häufig gibt: Eine Frau erfährt, dass ihr Liebhaber seine Ehefrau trotz vieler Versprechen nicht verlassen wird, eine Kranke wird von ihrem Mann mit der Pflegerin betrogen, ein Hausmann ist unglücklich neben seiner immens erfolgreichen Gattin. Die Geschichten sollen kein düsteres, trauriges Abbild des Lebens sein, sondern uns vielmehr aufrütteln, jeden Tag aufs Neue für Freiheit und das Recht auf Würde zu kämpfen. Und uns nicht von gut gemeinten Patentrezepten für ein perfektes Leben beirren lassen! Ich habe in Salzburg mit der Autorin gesprochen.

Haben Sie einen Ratschlag für die junge Frauen-Generation, die Berufsleben und Familienplanung noch vor sich haben? Gibt es Fehler, die zu vermeiden sind?

Ich würde ihnen raten, keine Angst vor Fehlern zu haben, weil in den Fehlern das Leben natürlich am meisten enthalten ist. Aber sie sollten versuchen, die Fehler so zu minimieren, dass sie sie managen können. Also, dass es nicht zu viele Fehler auf einmal gibt, und dass dieses große Unglück, das wir ja kennen in Frauenbiografien, dass das nicht über sie hereinbricht.

Ich würde auch immer raten, dass Frauen darauf achten, dass ihre Partner sie nicht zwingen, ihre eigenen Welten aufzugeben. Wenn jemand das verlangt, bedeutet das, das Eigene aufzugeben und sich eben hinzugeben. Das ist ein Machtverlust, der sehr genau zu überlegen ist.

Ich hatte beim Lesen Ihres Buches das Gefühl, das die von Ihnen beschriebenen Beziehungen auch daran scheitern, dass Menschen sich in Abhängigkeiten gebracht haben. Romantik hin, Romantik her, wie kann man das denn schaffen, dass man sich selbst in einer Partnerschaft nicht vergisst?

Wir wollen alle ein schönes Leben führen, wir wollen ein spannendes Leben führen, wir wollen ein sexuelles Leben führen, wir wollen ein erotisches Leben führen … Natürlich ist es ganz unrealistisch anzunehmen, dass uns das alles gelingen wird. Deshalb müssen wir immer wieder die Grundfrage stellen: „Ist das jetzt alles richtig für mich?“

Wir brauchen Personen, die durchgängig als Beobachter und Zeugen des eigenen Lebens existieren. Die gute Freundin oder die guten Freundinnen sind für eine Frau sehr wichtig, weil daran gesehen werden kann, wie weit sich eine Person von sich selbst entfernt. Zum Beispiel, um mit einem Mann mitzukommen. Mit einer solchen Unterstützung kann sie sagen, „…ist das jetzt gscheit oder ist es nicht gscheit“. Und ich finde auch, wenn eine Frau sagt, „es ist nicht gscheit“, aber es zahlt sich aus für sie, und sie weiß, welche Konsequenzen es sind, dann sollte sie es selbstverständlich machen. Denn diese Angst vor Unglück, darum kann es nicht gehen. Das ist auch etwas, was ich an diesen Emanzipations-Ratgebern nicht mag. Unglück ist eine selbstverständliche Folge von selbstverständlichem Leben und muss halt bewältigt werden.

Marlene Streeruwitz, „Das wird mir alles nicht passieren… Wie bleibe ich FeministIn“. Fischer-Verlag, 9,95 EUR. Auf der Website http://wie.bleibe.ich.feministin.org/ kann über die Geschichten diskutiert werden, sie können sogar online weiter geschrieben werden … und die Autorin liest und diskutiert mit.

ANZEIGE:
Das Buch über diesen Link zu bestellen, unterstützt die Mädchenmannschaft.

libri Das wird mir alles nicht passieren… jetzt bestellen


Facebook | |


Spuren ins Jetzt: Hedwig Dohm – eine Biografie

19. Oktober 2010 von Verschiedenen
Dieser Text ist Teil 46 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

Maike Landwehr, 1983 geboren und alleinerziehenderweise vom Vater großgezogen, erkannte schon früh die Idiotie von Geschlechterrollen. Auf die Verweigerung mit Puppen zu spielen und sich “niedlich” anzuziehen folgte schließlich ein Studium in Hamburg, bei dem sie sich mit Männerphantasien und Frauenbildern in Geschichte und Literatur beschäftigt hat. Maike wird uns heute die Hedwig Dohm Biographie “Spuren ins Jetzt” von Isabel Rohner vorstellen.

Die Frage „Wer war eigentlich Hedwig Dohm?“ ist hier schon einmal beantwortet worden. Diese Frage widmet sich auch die aktuelle Biographie der Literaturwissenschaftlerin und Mitherausgeberin der “Edition Hedwig Dohm“, Isabel Rohner.

Zu Recht verdient Rohner den Preis für die erste wirkliche Biographie über Hedwig Dohm, denn sie lässt sich nicht dazu hinreißen, das fiktive Werk einer Radikalen der ersten deutschen Frauenbewegung mit dem Leben der Person Dohm zu verwechseln und zu vermengen. Das erfreuliche Ergebnis ist eine kenntnisreiche Annäherung an eine faszinierende Frau, die als eine der Ersten bereits 1873 für die totale politische Gleichstellung der Frau eintrat und vehement aktives und passives Wahlrecht für sich und ihre Geschlechtsgenossinnen forderte. (weiterlesen …)


Facebook | |


Frauen als Täterinnen und die Kategorie Gender als Gewaltakt

30. September 2010 von Nadine
Dieser Text ist Teil 45 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

Frauen als Täterinnen und Unterstützer­innen eines patriarchal organisierten Ge­walt­systems wurden seit Beginn der Frauen­bewegung immer wieder benannt, doch selten führte diese Benennung zu einer methodologischen und epistemologischen Ver­änderung innerhalb feministischer Forschung und Kritik. Unversalisierbar schien die Auffassung, das Patriarchat stelle eine allumfassende aus­schließlich von Männern initiierte und ausgeübte Form der Unter­drückung von Frauen dar. Zu tief saßen Trauma und Scham über die Gewalt­verbrechen und Menschen­rechts­ver­letzungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, an denen Männer und Frauen im gleichen Maße beteiligt waren, unter denen Männer und Frauen im gleichen Maße litten.

Die Täter-Opfer-Dichotomie begann erst in den 1980er Jahren brüchig zu werden, als kritische Feminist­_innen die These der Mit­täter­innen­schaft nachhaltig innerhalb feministischer Diskurse etablieren konnten und so eine selbst­kritische Perspektive auf das Geschlechter­verhältnis eröffneten. Christina Thürmer-Rohr trug einen wesentlichen Teil dazu bei, das feministische Selbst­bild zu überdenken und feministischer Forschung einen anderen methodologischen Zugang an die Hand zu geben, Herrschafts- und Machtformen zu analysieren und zu hinterfragen.

In „Die unheilbare Pluralität der Welt – von Patriarchats­kritik zur Totali­ta­ris­mus­forschung“ fasst Thürmer-Rohr den feministischen Diskurs des 20. Jahr­hunderts grob zusammen und erläutert in chronologischer Abfolge politisches Denken und Handeln des Feminismus mit seinen jeweiligen Epistemen in Bezug auf Gewalt, Macht und Herrschaft. Weiter verknüpft sie Erkenntnisse der Totalitarismus- und feministischer Forschung und rekurriert dabei immer wieder auf Hannah Arendt, die Anerkennung von Dialog und Pluralismus forderte und in der Vielfalt und Verschiedenheit von Menschen ein Mittel gegen totalitäre Bewegungen, Systeme und Denkansätze sah.

Die inhaltliche Nähe zu Arendts Erkenntnissen zu Formen totaler Herrschaft fußt auf Thürmer-Rohrs eigener Biografie: Ihr Vater war in der Zeit des Nationalsozialismus Offizier der Wehrmacht. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs beginnt Thürmer-Rohr sich kritisch mit ihren eigenen traumatischen Erfahrungen und ihrer Rolle als Frau in einem totalitären System, als Familienmitglied eines seiner Unterstützer_innen und dem Funktionieren des Systems selbst auseinander zu setzen. Später wendet sie sich gegen ihren Vater.
(weiterlesen …)


Facebook | |


Sex gleich Fastfood?

11. Mai 2010 von Verena
Dieser Text ist Teil 44 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

Wer von zunehmender Sexualisierung und Pornofizierung der Gesellschaft spricht, muss sich oft den Vorwurf gefallen lassen, prüde zu sein.

Die Niederländerin Myrthe Hilkens hat es trotzdem gemacht. In „McSex. Die Pornofizierung unserer Gesellschaft“, klagt sie den zunehmenden Sexismus in Werbung und Popkultur sowie seinen gesellschaftlichen Nachwirkungen an. Und dabei geht es der Autorin keineswegs um den moralischen Zeigefinger, sondern um einen genaueren und verantwortungsvolleren Blick hinter das Motto „Ich vögel also bin ich“, das heute zu einseitig zur Identifikationsfindung genutzt werde.

Aufgeschlossen aber nicht mit sperrangelweit geöffneten Türen nähert sich die Autorin ihrer These der pornofizierten Gesellschaft, zu der es schon im Vorwort der wunderbaren Mithu Sanyal heißt, Problem sei nicht, dass Sexualität gezeigt werde, sondern wie.

Selber als Musikjournalistin mit dem täglichen Gepimpe und Gehoe im HipHop-Videos konfrontiert, ist Myrthe Hilkens einerseits müde ob des Mangels an Kreativität und Erneuerungsdrang in der Populärkultur, andererseits attestiert sie Jugendlichen den immensen Druck, all dem entsprechen zu wollen. Die Jugendlichen nicht dumm zu halten, aber auch nicht mit einem – dem individuellen Entwicklungstempo unangemessenem – Angebot zu überfüttern, das ist Hilkens’ Ansatz.

Hilkens wechselt zwischen gesellschaftlicher Historie und ihrer eigenen Familiengeschichte, persönlichen Eindrücken und Anekdoten sowie jüngere Studien und Veröffentlichungen zum Thema. Dazwischen finden sich Gesprächsprotokolle oder Emails von überwiegend Jugendlichen, die ihre sexuellen oder pornographischen Erfahrungen schildern. Dadurch wirkt „McSex“ locker und umgänglich geschrieben, entbehrt aber nicht das theoretische Fundament, auf das emotional geführte Diskussionen nun mal besser aufbauen.

Angreifbar macht sich Hilkens trotzdem. Denn zum einen bewegt sich sich doch recht stark in dem ihr bekannten Umfeld der Musik- und Videoclipkultur und spannt den Bogen kaum über Jugendkulturphänomene wie Pornoflatrateparties oder den Internetpornokonsum hinaus. Zum anderen vermitteln vor allem die ausgewählten Emails und Berichte der Jugendlichen eine start auf Betroffenheit ausgelegte Auswahl – ein Versuch, auch mal einen Blick auf die andere Seite der Medaille zu werfen und positive Aussagen aufzugreifen, wäre wünschenswert gewesen. Immerhin widmet sich die Autorin in einem Kapitel auch den Möglichkeiten „guter“ Pornos, der PorYes-Bewegung und unterstreicht darin noch mal in Anliegen, keinesfalls die Spielverderberin sein zu wollen. Aber der Rest scheint einfach von dieser aufgestauten Wut der Autorin geprägt, die sich nun endlich mal all das von der Seele geschrieben hat, was sie seit Jahren ankotzt. Das muss kein Fehler sein, trübt aber bisweilen die klare Sicht.

Denn solange Hilkens es mit „McSex“ nicht darauf angelegt hat, ein Grundlagenwerk zum Thema „Pornofizierung und Gesellschaft“ zu schreiben, ist ihr Buch trotzdem eine Bereicherung. Und auch wenn man manche Ansichten oder Forderungen Hilkens’ anders sehen sehen kann, ist sie so gut wie nie besserwisserisch oder rechthaberisch, aber kämpferisch für ihre Sache eintretend. Und das steckt zweifellos an.

ANZEIGE:
Das Buch über diesen Link zu bestellen, unterstützt die Mädchenmannschaft.

libri McSex. Die Pornofizierung unserer Gesellschaft jetzt bestellen

““


Facebook | |


Differenz, Dekonstruktion oder Gleichheit?

3. Mai 2010 von Nadine
Dieser Text ist Teil 43 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

Welche der drei wesentlichen Paradigmen der Frauen- und Geschlechterforschung können substanzielle Chancengleichheit garantieren und verwirklichen? Wie funktionieren die drei Konzepte in ihrer praktischen Umsetzung? Wo liegen Stärken und Schwächen der Konzepte und wo schlagen sie sich in aktuellen Gleichstellungspolitiken nieder?

Gudrun-Axeli Knapp* versucht in ihrem Text “Gleichheit, Differenz, Dekonstruktion: Vom Nutzen theoretischer Ansätze der Frauen- und Geschlechterforschung für die Praxis” Antworten auf diese Fragen zu finden, und kommt zunächst zu sehr nüchternen Ergebnissen: Noch immer dienen Erfahrungswissen und pragmatische Herangehensweisen als Grundlage von Gleichstellungspolitik für Frauen und Männer. Zu selten, und wenn überhaupt stark verkürzt, wird auf fundiertes Wissen der Frauen- und Geschlechterforschung bei der Gleichstellungsarbeit zurückgegriffen. Das führt nicht selten dazu, dass Gleichstellungspolitik in einer Sackgasse landet, nicht zielführend ist und zum Teil das Gegenteil erreicht: Eine Festschreibung von Geschlechterdifferenzen.

Sie plädiert für eine „theoretisch reflektierte Praxis“, die Wissenschaft und Politik nicht einander entgegenstellt, sondern beide als einander inkludierende und interdependente Vorgehensweisen betrachtet. Dabei genügt es nicht, aktuelle Erkenntnisse der Wissenschaft für Gleichstellungsarbeit zu operationalisieren: Für Knapp sind Erkenntnisse der Frauen- und Geschlechterforschung keine starren Patentrezepte für die Umsetzung von Chancengleichheit und Gleichbehandlung.

Diese können je nach Kontext, in den sie eingebettet sind, variieren und je nach (Anwendungs-)erfahrung und Betrachtungsweise eine gewisse Eigendynamik entwickeln. Auch Geschlechter- verhältnisse sind immer wieder im Wandel begriffen und Differenzen zwischen den Geschlechtern historisch gewachsen. Und können sich trotzdem in verschiedenen Gesellschaften und Gruppen unterschiedlich repräsentieren. Praxiserfahrungen von Gleichstellungspolitiken und wissenschaftliche Erkenntnisse beziehen sich also wechselseitig aufeinander, während sie sich selbst verändern und verändert werden.

(weiterlesen …)


Facebook | |


Schaffe, schaffe häusle baue

2. April 2010 von Verena
Dieser Text ist Teil 42 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

Verdammt erschreckende Tatsachen legen Helma Sick und Renate Fritz in ihrem Finanzratgeber auf den Tisch: In den letzten 20 Jahren hat sich bei Frauen in Sachen Altersvorsorge nicht viel verändert. Dabei glauben fast 94 Prozent der Frauen, die staatliche Rente reiche nicht für das Alter und müsse mit privater Vorsorge aufgepolstert werden. Geld zur Seite legen trotzdem nur die Hälfte. Zu wenig Geld, Keine Zeit oder Lust sind genauso gängige Ausreden wie der Satz, der Partner sei für die Altersvorsorge zuständig. Pustekuchen!, wissen die Autorinnen, denn nicht nur aufgrund jeder zweiten geschiedenen Ehe sollten Frauen ihre Geldgeschäfte in die eigene Hand nehmen. Und klar, je früher desto besser.

Helma Sick arbeitet zusammen mit ihrer Kollegin Renate Fritz als selbständige Finanzberaterin und berät außerdem seit Jahren die Brigitte-Leserinnen mit ihrer Finanzkolumne. Von daher ist anzunehmen, dass sich „Schöne Aussichten. Wie Frauen am besten vorsorgen“ leicht und verständlich lesen lässt. Auch für so Zahlen-Legasthenikerinnen wie mich.

Denn mit der Ausrede, mir ist das alles zu kompliziert, bin ich besonders eng befreundet. Also Scheuklappen ab und aufsitzen für den Ritt durch den Vorsorge-Dschungel. Dabei machen es einem die Autorinnen leicht, zuerst für die Notwendigkeit des Themas aufzurütteln, um dann individuelle Spar- und Anlagekonzepte vorzustellen – jeweils mit dem Tipp, was von dem einzelnen Modell zu halten ist oder eben nicht.

(weiterlesen …)


Facebook | |


Wir sind kein Mädchenverein

29. März 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 41 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

Liebe zartbesaitete Seelen, Kriegsdienstverweigerer oder Pazifist_innen: Dieses Buch ist keine zerschmetternde Kritik an der Institution Bundeswehr. Dem Reflex, die Bundeswehr als Ganzes zu kritisieren oder gar deren Abschaffung zu fordern, wird hier nicht nachgegeben. Es ist vielmehr eine Mischung aus persönlichen Erlebnisberichten, Hintergrundfakten und in gewisser Weise auch ein Plädoyer an die Männer und Frauen, die laut der Autorin “nicht nur von Gerechtigkeit reden, sondern auch handeln”. Durchatmen und abtauchen in die Welt der Bundeswehr:

Mit ihrem Buch Wir sind kein Mädchenverein – Frauen in der Bundeswehr stellt Andrea Jeske die erste Generation der Frauen vor, die in der Bundeswehr einen lukrativen Arbeitsplatz fanden, nachdem der Europäische Gerichtshof vor zehn Jahren beschloss, alle Laufbahnen der Bundeswehr uneingeschränkt für Frauen zu öffnen. Mittels Interviews und gründlicher Hintergrundrecherche erforscht Jeske, was Frauen dazu bringt, den Dienst an der Waffe aufzunehmen und welche Rollen die Soldatinnen in der Bundeswehr spielen.

Zum einen wird deutlich, dass die Entscheidung, Frauen in alle Bereiche der Bundeswehr zuzulassen, zwar einerseits aus der Erkenntnis erwuchs, sie sollten gleichberechtigt neben Männern kämpfen dürfen (dürfen, nicht müssen). Andererseits wurden Frauen aber auch als neue Zielgruppe entdeckt, um die Nachwuchsprobleme der Bundeswehr zu lösen. Wenn die jungen Männer ausgemustert werden oder sich in den sozialen Dienst retten, kommen die in diesem Buch dargestellten Frauen gerade recht: Auf der Suche nach Gemeinschaftsgefühl, Disziplin, Abenteuer und nicht zuletzt einen sicheren Arbeitsplatz nehmen Soldatinnen ihren Platz in der Bundeswehr ein – als Stabsärztin, im ABC-Abwehrregiment, bei der Marine, in der elektronischen Kampfführung, beim Transporthubschrauberregiment oder gar als Kompaniechefin. Viele von ihnen waren oder sind im Ausland stationiert – in Afghanistan, Djibouti oder im Kosovo.

Die interviewten Frauen verdeutlichen, dass der Stereotyp der friedfertigen Frau begraben gehört. „Typisch weibliche“ Eigenschaften oder Attribute sind hier nicht erwünscht, wie die meisten der Soldatinnen betonen. Sie stellen klar, dass “aufgetakelte Tussis“ mit Lippenstift und Handtasche nichts in dieser rauen Welt verloren haben. Frauen haben die patriarchalen Bundeswehrstrukturen also wenig verändert. Ganz im Gegenteil: Gerade diese Strukturen lockten die Soldatinnen in den Dienst. Das Recht des Stärkeren bleibt bewahrt, nur dass Frauen nun an diesen Kämpfen teilnehmen dürfen. Laut Jeske pflegen viele der Soldatinnen einen „männlichen Habitus“ und bejahen die Härte der Ausbildung in der Bundeswehr – vielleicht auch, um gegen die Vorurteile anzukämpfen, die auch heute noch herrschen: Frauen seien generell körperlich ungeeignet und zu weich; sie nehmen Männern nur „ihre“ Jobs weg und können unmöglich dann auch noch ihre Vorgesetzte sein!

(weiterlesen …)


Facebook | |



Anzeige