Im Wagen vor mir …

8. Dezember 2008 von Anna
Dieser Text ist Teil 16 von 26 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Vor ein paar Wochen waren mein Auto und ich zur jährlichen Inspektion. Mein kleiner Flitzer ist mir inzwischen seit knapp 10 Jahren treu und ich möchte gerne, dass er sich noch eine Weile tapfer hält.

Ich mag mein Autohaus. Nicht nur, weil ich dort Kaffee bekomme, solange ich auf mein Auto warte. Sondern vor allem deswegen, weil man dort, von der Tresenkraft bis zum Werkstattmeister, anständig mit mir umgeht. Und das, obwohl ich eine Frau bin und eine junge noch dazu.

Ich glaube, als ich begann Auto zu fahren, habe ich das erste Mal erlebt, dass ich wirklich offensichtlich wegen meines Geschlechts benachteiligt, konkret gesagt, für dumm gehalten und verkauft wurde. Es waren kleine und große Situationen, am Anfang begriff ich oft gar nicht, was da passierte.

Da war z.B. der Werkstattmeister in meinem ersten Autohaus, der mich regelmäßig konsequent ignorierte. Anfänglich dachte ich, das sei eine Charaktersache. Bis ich ihn im Umgang mit männlichen Kunden erlebte. Und spätestens nachdem die Autoinspektion eines männlichen Verwandten nicht – wie es bei mir regelmäßig geschah – ohne Entschuldigung über eine Stunde länger dauerte als angekündigt, war mir klar, dass da etwas nicht stimmte und ich wechselte zu einem anderen Fachhändler.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Oder dieser Unfall – ich war knapp über 18 – als mir ein Mann ins Auto fuhr und versuchte, mich sehr von oben herab über den Tisch zu ziehen und zur Anerkennung einer Teilschuld zu bewegen. Ich bestand darauf, die Polizei dazuzurufen, woraufhin er versuchte, mich vor dieser als ein dummes, kleines Mädchen dastehen zu lassen („Tut mir leid, dass sie da nun Arbeit haben, ich wollte das ja unter uns regeln, aber die junge Dame bestand darauf, sie zu holen.“). Am Ende half das alles nichts und er musste unter großem Gemurre meinen Schaden komplett übernehmen.

Natürlich kann man nun einwerfen, dass das auch jedem jungen Mann so gegangen wäre. Kann natürlich sein. Andererseits kennen wahrscheinlich die meisten der Leserinnen diese ganz bestimmten Situationen mit diesen ganz bestimmten Männern, in denen man auf einmal merkt: „Okay, hier geht es wohl gerade wirklich darum, dass ich eine Frau bin“.
Neben Autohäusern trifft man diese Sorte Mann zum Beispiel gerne im Baumarkt an. Oder sie kommen zu uns nach Hause, wenn unsere Heizung, die Waschmaschine oder der Herd nicht funktionieren, scheinen aber die exakt gleiche Informationen zu den Fehlern des Gerätes aus dem Mund unseres Freundes irgendwie besser zu hören, als wenn wir ihnen sagen, was nicht stimmt.

Was mein Auto angeht, ärgere ich mich vor allem deswegen über solche Männer, weil ich weiß, dass gut Auto fahre. Ich kann auch einparken, das sogar besonders gut. Und ja, ich könnte meinen Platten selber wechseln und ja, ich weiß auch, wo und wie ich den Ölstand prüfe.

Auto fahren mit allem was dazu gehört ist ein typischer Bereich des Lebens, in denen viele Frauen sich selber entmündigen („das kann ich sowieso nicht“ – ähnlich wie beim Heimwerken übrigens) oder auch aus Bequemlichkeit darauf verzichten, den ganzen Idioten da draußen zu zeigen, dass sie es eben doch können.

Allerdings habe ich mich auch selber neulich dabei ertappt, dass ich zum Gespräch mit dem Heizungsinstallateur meinen Freund vorgeschickt habe („der Idiot hört mir eh nicht zu“), anstatt beharrlich selbst die Aufmerksamkeit des Fachmanns einzufordern. Manchmal geht der Wunsch nach einer schnellen Lösung des Problems eben doch vor.
Aber dafür habe ich inzwischen einen tollen Werkstattmeister!


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Männer und Hunde …

24. November 2008 von Anna
Dieser Text ist Teil 15 von 26 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Als ich letzte Woche vom Büro Richtung Bushaltestelle lief, fiel mir ein kleiner Junge auf, ungefähr im Grundschulalter. Dieser stand mit Ranzen auf dem Rücken ein wenig seltsam in der Gegend herum und ich brauchte eine Weile, bis ich kapierte, was er da machte: Der Junge pinkelte in die Grünanlagen und das sehr öffentlich an einer Kreuzung von zwei mehrspurigen Straßen.
Den ganzen Weg nach Hause und noch ein wenig länger grübelte ich immer wieder über dieses Geschehen. Ich gestehe es einem Kind in diesem Alter wirklich zu, dass es sich mit seiner Blase einfach mal vertut und auf dem Weg von der Schule merkt, dass es kein Halten mehr gibt. Das kann passieren und in diesem Fall war der Kleine wohl einfach nur froh, sich so einfach Erleichterung verschaffen zu können.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Trotzdem blieb und bleibt ein fader Beigeschmack. Für den kann der Junge in erster Linie nichts, für den können aber all die erwachsenen Männer etwas, denen ich schon beim Pinkeln zusehen durfte. Um es vorweg zu nehmen: Nein, das ist nicht der Neid der Besitzlosen!
Den kenne ich auch, ganz klar. Den kenne ich von Festivals mit dreckigen Dixies, den kenne ich von Campingausflügen, von verschmutzen Autobahnraststätten oder Feten in irgendwelchen Holzhütten mitten im Wald. Unvergessen z.B. die Geschichte, als sich meine Freundin Doro bei einer dieser Feiern in Brennnesseln hockte. Heute lachen wir darüber, damals hat sie ganz schön geflucht und natürlich, als Mann wäre das nicht passiert.

Aber wenn ich samstagabends auf dem Heimweg dem dritten strullernden Mann begegnet bin, nein, dann bin ich nicht neidisch, dann bin ich, ja, angepisst. Mich nervt das, verdammt! Ich frage mich, warum ich an einem durchschnittlichen Wochenende eben nicht dauernd auf den Gehweg pinkelnden Frauen begegne, wohl aber Männern! Ja, auch ich weiß, wie sich eine volle Bierblase anfühlt. Komischerweise schaffe ich es trotzdem immer noch zur nächsten Toilette, genauso wie meine Freundinnen. Und wenn es mich wirklich mal überkommen sollte und absolut keine Toilette in der Nähe wäre, dann gehe ich doch hinter einen Busch, suche mir eine versteckte Ecke im nächsten Park, wasweißich. Aber ich pinkel doch nicht einfach an den erstbesten Baum?! Wobei man ja schon Glück haben kann, wenn es ein Baum und nicht das eigene Auto ist, das dann unter dem Gejohle der besoffenen Kumpels im Namen des heiligen Urinus getauft wird.

Jungs, Männer, was soll das? Bekommt ihr von klein auf beigebracht, dass es total okay ist für einen Mann, wo er gerade muss die Hose herunterzulassen? Wurde das vielleicht auch dem kleinen Jungen gelehrt, den ich beobachtet habe? Ist es einfach cool und frei, gar ausgesprochen männlich, überall wo man Lust hat, mal zu machen? Und wie findet Ihr das überhaupt, wenn Ihr an den Pinklern wobei kommt? Seid Ihr unangenehm berührt? Neidisch? Emotionslos? Ich kenne einige Geschichten von prüfenden Vergleichsblicken an Pissoirs – gibt’s die auch bei den Freilandpinklern?

Ist Euch das denn gar nicht peinlich? Nicht mal ein bisschen?

Uns Mädels bleibt wohl nur ausdauerndes Stehpinkeltraining. Und hoffentlich werden wir uns dann dieses neue Können für die dreckigen Klos aufheben und uns nicht mit den Männern an den Bäumen aufreihen!


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Liebe, Sex & Zärtlichkeit

11. November 2008 von Anna
Dieser Text ist Teil 14 von 26 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Heute müssen wir mal über Aufklärung sprechen. Und wenn ich persönlich über Aufklärung rede, dann komme ich um die Bravo nicht herum.
Ich komme auf dieses Thema, weil vor ein paar Tagen eine Freundin sinngemäß zu mir meinte, die Tatsache, dass die Jungs auch nicht immer Sex haben wollen (oder können) habe sie erst mühsam in ihren Beziehungen lernen müssen. Ich kann für mich sagen: Man kann der Bravo viel vorwerfen, aber das hat sie mir anders beigebracht!

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Aber beginnen wir von vorne:
Aufgeklärt im Sinne von „Woher kommen denn die kleinen Kinder?“ wurde ich von meiner Mutter mit einem Aufklärungsbuch, so im Grundschulalter, wenn ich mich recht entsinne. Irgendwann um meine erste Regel herum versuchte meine Mutter dann das erweiterte Aufklärungsgespräch. Das war mir aber erstens einfach nur peinlich und zweitens erzählte sie mir nichts, was ich nicht schon wusste, denn ich war ja eifrige Bravo-Leserin.

Angefangen hatte es damit, dass mein damaliger Star immer öfter das Cover schmückte. Also durfte ich sie kaufen, wenn ein Bericht über ihn darin war. Irgendwann hatte ich sie dann regelmäßig, der Markt war zu der Zeit auch noch nicht so überfüllt mit diesen Blättchen.

Damals hatten alle meine Freundinnen die Bravo, oft lasen wir sie zusammen, kicherten über Dr. Sommer, die berühmte in der Überschrift zitierte Doppelseite, lästerten über Boybands und fanden den Fotoroman meistens selten dämlich. Und ich kann sagen: Weisheiten wie „Immer Kondom benutzen“, „Rückzieher ist keine Verhütungsmethode“, „nur weil alle Freundinnen Sex haben, ist es trotzdem okay, wenn du noch keinen hast“, „auch während der Tage muss verhütet werden“, „guten Sex muss und kann man lernen“ oder eben „auch Jungs haben mal keine Lust“ hat die Bravo mit vermittelt. Druck hat sie mir trotzdem manchmal gemacht, wenn auch viel subtiler. Wenn Stars mit der Überschrift „Ich war ein echter Spätzünder“ angekündigt wurden und im Text stand, dass derjenige tatsächlich erst mit 13 das erste mal geküsst habe, dann saß ich da, 14 und ungeküsst und ganz wohl war mir nicht dabei. Wenn angeblich 12jährige die Frage stellten, ob sie nun blasen sollten oder nicht, dann fühlte sich das auch irgendwie seltsam an.

Wenn ich heute mal eine Bravo in die Finger bekomme, dann erschrecke ich manchmal ein wenig und fühle mich dann sehr schnell irgendwie alt. Besonders verstörend finde ich eine Reihe namens „That’s me!“, eine Doppelseite, auf der einen Seite ein nackter Junge, auf der anderen ein nacktes Mädchen. Diese Serie gab es in Ansätzen schon, als ich selber noch regelmäßige Leserin war. Allerdings sahen die Teilnehmer da noch ein wenig anders aus: Weder waren Genitalpiercings an der Tagesordnung, noch kompletter „untenrum-Kahlschlag“ (hier fehlt mir leider der Fachterminus, den es bestimmt gibt). Vor allem letzteres scheint heute eine Teilnahmevoraussetzung zu sein. Ohne dass ich eine Schamhaarrasurdiskussion heraufbeschwören will, aber ich persönlich finde es verstörend, wenn (beginnenden) Teenies vermittelt wird, dass all das, was da gerade erst vorsichtig anfängt zu sprießen, sofort wieder weg muss (mal ganz abgesehen davon, dass ich diesem Trend aus anderen Gründen sehr kritisch gegenüber stehe, aber das gehört hier nun wirklich nicht her).

Andererseits: Wie oft mussten wohl meine Mutter oder die Leiterinnen im Ferienlager schlucken, wenn sie eine meiner Bravos in den Händen hielten? Zumal ich die Aufklärungsteile nach wie vor insgesamt für gut und richtig erachte.

Wahrscheinlich ist das also schon alles irgendwie okay so.

Oder?


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Meine Suppe ess’ ich nicht!

27. Oktober 2008 von Anna
Dieser Text ist Teil 13 von 26 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Vor ein paar Wochen war ich bei einer Geburtstagsfeier, bei der fast nur Frauen waren. Wir trafen uns in einer Pizzeria und hatten einen netten Abend. Irgendwo zwischen Grappa und Tiramisu fielen mir zwei Dinge auf: Erstens hatten alle Frauen eine Pizza bestellt, niemand hatte sich für Salat entschieden oder die Pizza mit der Nebensitzerin geteilt. Zweitens hatten alle Frauen diese Pizza komplett gegessen. Ich sah den Tisch entlang und war erstaunt: Tatsache, nur leere Teller.

Warum ich erstaunt war? Viele Frauen essen in der Regel keine ganze Pizza. Die, die es tun, teilen vorher mehrmals ungefragt mit, dass sie heute „noch gar nichts“ gegessen hätten. Gleiches gilt natürlich auch für jede andere Art von Essen (außer Salat). Meistens hören sie trotzdem nach der Hälfte auf, weil sie „total satt sind“ und „echt keinen Bissen mehr“ essen können. Das trifft schlanke wie dickere Frauen gleichermaßen, auch wenn ich mir einbilde, die dünnen ein wenig häufiger.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Spätestens dann ist der Punkt erreicht, an dem ich selber beginne, ein wenig langsamer zu kauen und mir überlege, was ich nun mache. Ich habe Hunger, also sollte ich essen. Wenn ich aber in einer Runde von fünf, sechs Leuten oder mehr die einzige Frau bin, die tatsächlich ihren Teller leer isst, dann, ja, dann fühle ich mich komisch! Ich wünschte sehr, es wäre nicht so, aber ich kann es nicht abstellen, höchstens bewusst verdrängen und aus Trotz danach noch ein Eis bestellen.

Ich habe schon Freundinnen zum großen Geburtstagsbrunch eingeladen, nur um zuzusehen, wie nach drei Gabeln Tomate-Mozarella der Teller weggeschoben wurde. Ich saß da, mit meinem aufgeladenen Nudelsalat, Hummus und Sesamringen und in Gedanken schon beim Vanillesahnequark zum Nachtisch. Die Lust am Essen vergeht zumindest mir in solchen Momenten komplett.

Was ist da los? Wer ist da los? Liegt es wirklich nur an der Brigitte mit ihren Diät-Rezepten, Hollywoodschönheiten und Photoshop im Allgemeinen, dass Frauen nicht aufessen? Aber diese Frauen sind doch gar nicht alle auf Diät, zumindest nicht offiziell. Sie scheinen mehr eine seltsame Angst davor zu haben, als „verfressen“ oder „unbeherrscht“ zu gelten. So wie ein Säufer versucht, sich in der Öffentlichkeit zusammenzureißen (und im Geheimen die Wodkaflaschen leert). Je mehr Frauen dieses Spiel spielen, desto mehr andere versuchen, sich auch an die Regeln zu halten: „Oh, außer mir hat sich keine eine zweite Portion genommen, da lasse ich das lieber auch mal.“ Da ist es auch egal, ob man in reinen Frauenrunden oder in gemischten Gruppen unterwegs ist, die Mechanismen greifen. Und während die Mädchen sehnsuchtsvoll auf die immer kälter werdende, liegengelassene halbe Pizza schauen, sitzen am Nebentisch die Jungs und veranstalten ein „All you can eat – wer schafft am meisten?“-Wettessen und werden mit jedem verschlungenen Bissen cooler!

Inzwischen versuche ich solche Situationen zu meiden. So gibt es zum Beispiel nur eine ausgewählte Zahl von Freundinnen, mit denen ich essen gehe. Sollte vermeiden mal nicht möglich sein, dann übe ich mich im kühlen Schulter-Zucken und bemühe mich, innerlich drüberzustehen. Das gelingt, so ehrlich will ich sein, mal mehr, mal weniger gut. Aber ich stehe immerhin nicht mehr hungrig vom Tisch auf.

Deswegen sage ich: Wehrt Euch, Mädels! Esst auf! Und zwar mit Genuss und ohne schlechtes Gewissen und Entschuldigungen!

(PS: Ich weiß, dass nicht alle, die mal ihre Pizza nicht schaffen, eine Essstörung haben. Trotzdem möchte ich die Gelegenheit nutzen und auf diese Seite aufmerksam machen. Dort gibt es auch Hinweise zum Thema „Männer und Essstörungen“.)


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Emanzenouting

13. Oktober 2008 von Anna
Dieser Text ist Teil 12 von 26 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Neulich unterhielt ich mich mit einer jüngeren Kollegin, die gerade in Gehaltsverhandlungen mit einem neuen Arbeitgeber steckte. Wir sprachen über dies und anderes, scherzten ein wenig und in einem Zusammenhang, der nicht weiter wichtig ist, sagte sie lachend folgenden Satz: „Nein, das mach ich mal lieber nicht, sonst denkt die neue Chefin noch, ich sei so eine Emanze!“ Ich grinste ein wenig schief und erwiderte: „Pfft, na und?!“, was sicherlich nicht die souveränste Reaktion war.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Und jetzt frage ich mich: Wann ist der Punkt in einem kollegialen Verhältnis, in einer neuen Freundschaft, sich als Feministin zu outen? Und zwar nicht verschwurbelt verschämt, sondern mit der klaren Aussage: Ja, ich bin Feministin und eine Emanze sowieso!

Ich selber war noch nicht so oft in der Verlegenheit, das noch mal klarstellen zu müssen. In der Schule hatte ich in der 8ten Klasse mal einen Aufsatz über Gleichberechtigung geschrieben und in der Klasse vorgelesen. Es ging um gleichen Lohn für gleiche Arbeit, darum, dass Mädchen Schlampen sind während Jungs sich die Hörner abstoßen und darum, dass Frauen meist nicht die Wahl haben, ob sie zu Hause bleiben oder nicht. Nichts besonders aufregendes, keine Schwanz-ab!-Parolen, aber es reichte, um mir einen „Namen“ zu machen. Das störte mich nicht so sonderlich, verwirrte mich aber. Irgendwie dachte ich bis dahin immer, was ich da vorgetragen hatte, wäre sozusagen ein allgemeines Wissen. Dass es Menschen gab, die diese Dinge nicht wussten oder anzweifelten, Frauen gab, die mit dem Wort Feminismus wohl etwas anrüchiges verbanden, erstaunte mich. So selbstverständlich war das alles bis dahin für mich gewesen. Ab da lebte ich in der Schule nach dem Motto „ist der Ruf erst ruiniert“… Besagter Ruf eilte mir die gesamte Schulzeit voraus und noch in der Oberstufe wurde ich, obwohl ich tatsächlich nicht mehr wirklich auffällig geworden war in dieser Hinsicht, mal von jemand mir völlig unbekannten aus dem anderen örtlichen Gymnasium mit „ach, Du bist doch die Emanze von der XY-Schule“ begrüßt.

Man kann wohl (aus diesem und anderen Gründen) meine Erleichterung verstehen, als ich endlich dort weg ziehen konnte. Ab da hatte ich vor allem durch die Uni ein Umfeld, das eher links und (in der Folge?) unter anderem auch feministisch orientiert war. Ein völlig neues Gefühl, da dachten endlich mal Leute so wie ich und sahen mich nicht nur mit einem Blick irgendwo zwischen immerhin interessiert bis total schief an.

Das alles hat sich nun zum Uni-Ende wieder geändert. Kollegen kann man sich nicht aussuchen und viel Gelegenheit für private Gespräche oder politische Diskussionen (in denen dann doch sehr schnell klar ist, wie ich zu manchen Dingen stehe) hat man nicht. Leicht ist es noch, wenn zwischen Bratkartoffeln und Schnitzel der Klassiker „ich bin ja keine Feministin, aber …“ fällt. Hier kann man leicht reagieren, zum Beispiel einfach mal fragen „und warum bist du keine Feministin?“. Leider bekommt man nicht immer so eine Vorlage und ich frage mich, wie andere Feministinnen (und noch spannender: Feministen) das handhaben, im beruflichen wie privaten?
Etwa so: „Hallo liebe neue Kollegen/Chefs/Schwiegereltern, ich bin Marlene und ich bin Feministin!“?
Wohl eher nicht, oder?

Also, Ihr da draußen, nun sagt, wie habt ihr’s mit dem Feminismus?


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Erziehungsfragen

29. September 2008 von Anna
Dieser Text ist Teil 11 von 26 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Stellen wir uns folgende Situation vor:
Ein paar Männer sitzen um einen Tisch, sie unterhalten sich, trinken Bier. In der Küche der Wohnung klappert die Freundin des Gastgebers mit Geschirr, dann schaut sie kurz ins Zimmer: „Na, Männer, braucht ihr noch was? Alle glücklich?“ Die Herren nicken, bedanken sich. Die Frau verschwindet im Arbeitszimmer, sie hat noch zu tun. Die Männer stoßen an und einer fragt den Gastgeber, wie es denn so läuft gerade. Dieser antwortet: „Super! Sie kocht sehr gut und auch gerne. Außerdem kann sie bügeln und sonntags holt sie immer Brötchen“. Die Männer nicken anerkennend und einer von ihnen sagt: „Na, die haste aber gut erzogen!“ Die anderen grinsen wissend.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber würde ich so ein Gespräch mitbekommen, hätte ich irgendwelche „gekauftes Thai-Mädchen“ Assoziationen und würde mich insgesamt über so ein herablassendes Verhalten ziemlich ärgern.

Die Sache ist nur:
Ich war schon bei vielen solcher Gespräche dabei! Nur saßen da nicht Männer, sondern Frauen zusammen.

Viele werden sie kennen, die Sprüche über den Mann, der erzogen werden muss, den man gut er-/gezogen hat. Oft geht es in solchen Unterhaltungen darum, dass ein Mann etwas klassisch „unmännliches“ getan hat, der Frau „ihre“ Arbeit erleichtert hat. Wenn ein Mann (natürlich völlig überraschend!) z.B. in Sachen Haushalt(sführung) mitdenkt, dann kommt er der Satz, vorgetragen in einem anerkennenden Ton, in dem immer ein wenig Belustigung mitschwingt über dieses kleine, possierliche Tierchen namens Mann. Lustigerweise wird er – so zumindest meine Beobachtung – meistens vorgetragen von Frauen jeder Altersgruppe, die selbst insgesamt sehr klassische Beziehungsmodelle bevorzugen, Beziehungen, in denen meistens er im weiteren Sinne „die Hosen an hat“.

Es steht außer Frage, dass wir uns in Beziehungen entwickeln und verändern, dass man in einer guten Beziehung von einander lernt und Rücksicht nimmt. Dass man sich manche Macke versucht abzugewöhnen, weil genau diese eine Kleinigkeit den Partner total wahnsinnig macht. Aber erziehen? Kann eine Beziehung, in der eine den anderen „erzieht“ wirklich auf gleicher Augenhöhe funktionieren?
In meiner Familie kursiert der Spruch „Menschen ab 16 kann man nicht mehr erziehen“. Ich denke, da ist was wahres dran. Erziehung funktioniert immer von oben nach unten. Vom Älteren zum Jüngeren, von Eltern zu Kind, von Lehrern zu Schülern. Der Erziehende weiß (meint zu wissen) wo’s lang geht.

Warum stellen manche Frauen die Augenhöhe ihrer (oder einer fremden) Beziehung durch solche Sprüche in Frage? Warum versuchen sie sich wenigstens für eine Mittagspausenlänge über ihrem Mann zu positionieren und zeigen sie damit nicht genau das Gegenteil? Und ist es nicht interessant, dass oft Frauen ein Kompliment zu ihrer „Erziehung“ bekommen, die selber nie davon reden würden, dass sie ihren Mann erzogen hätten? Folgt daraus nicht völlig logisch, dass der beste Weg, einen „gut gezogenen“ (also einen aufmerksamen, interessierten) Partner zu haben der ist, sich gegenseitig zu respektieren und auf gleicher Höhe zu agieren? Die eigenen Wünsche zu äußern, nach den Bedürfnissen des anderen zu fragen, nachzugeben und Kompromisse auszuhandeln, also eine gleichberechtigte Beziehung zu führen, in der sich keiner über- oder unterlegen fühlen muss?

Mein Vorschlag wäre, in Zukunft einfach mal sagen: „Du hast ja einen tollen Mann!“
Ohne Erziehung, ohne Machtfragen. Einfach nur so, weil er eben auch ein toller ist!


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Schönheit von früher bis heute

16. September 2008 von Anna
Dieser Text ist Teil 10 von 26 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Die größte Feindin im Leben einer Frau ist ihre Nachbarin. Die Nachbarin heißt Frau B. und sie sieht immer „scharmant“ aus.
Woher ich das weiß? Aus dem Büchlein „Schönheitspflege von sechzehn bis sechzig“, einem kleinen Ratgeber, der sich hauptsächlich mit Schönheitspflege beschäftigt und nebenbei psychologische Tipps für die Haus- und Ehefrau in den 60ern liefert.
Also, das Problem mit Frau B. ist, dass ich als tüchtige Hausfrau mir den Arsch aufreiße dass ich mit meinen hausfraulichen Tätigkeit, die „wie kaum eine andere die schönste Berufung einer Frau ist“ vollkommen ausgelastet bin. Und obwohl meine Kittelschürze strahlend weiß und mein Haar gekämmt ist, merkt mein Gatte nur an, dass eben Frau B. doch stets so reizend sei … Dabei ist Frau B. nur halb so tüchtig wie ich! Während ich meinen Mann zwar zu Recht darauf hinweise, dass ich für Firlefanz keine Zeit habe, nagt es trotzdem in mir. Wie schafft Frau B. das denn alles?

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Nun, meine Nachbarin heißt Frau L. und mein Freund hat mich bis jetzt noch nicht darauf hingewiesen, dass Frau L. („Sabine“) immer so reizend sei. Trotzdem. Mal schauen, was das Büchlein mir noch so bieten kann.

Wie kann ich mich zum Beispiel im Alltag schicker machen? Das Buch übt sich in positiven Botschaften, meint, ich sei sicher schon sehr adrett.
Ich schaue an mir herunter. Jogginghose und verwaschenes Shirt. Nicht gut. Also vielleicht mal eine Jeans? Zu Jeans äußert sich das Buch leider nicht. Aber ich erfahre zu meinem Erstaunen, dass „mollige Frauen“ (zu denen das Buch mich bestimmt zählt) Hosen wenn überhaupt nur in der Wohnung und bitte, bitte nicht in der Öffentlichkeit tragen.
Oha. Das war mir nicht bekannt. Allenfalls bei großer Kälte darf ich mich im Freien in einer Hose sehen lassen!
Und da ich als Frau wahrscheinlich ständig angespannt bin, sollte ich auf jeden Fall vor dem Schlafengehen eine Tasse Nervenberuhigungstee trinken (oder ein Glas Bier mit einem darin verquirlten Ei – das allerdings geht natürlich sofort auf die Hüften und ist somit nichts für die molligen Frauen).

Frau B. übrigens empfängt ihren Mann natürlich nicht im Arbeitskittel, sondern in einer „lustigen Coctailschürze“, sie tupft das vom Kochen erhitzte Gesicht noch schnell mit Zitrone ab, legt ein wenig Make Up auf. Sie wiegt sich einmal in der Woche, um „Probierspeck“ zu vermeiden (der allerdings wegen der wöchentlichen Gymnastik gar nicht auftreten dürfte). Es gehört zur Diplomatie (!) einer guten Ehe, die Schönheitspflege wichtig zu nehmen: „Schönheit will erobert sein! Also spannen wir unsere ganze Willenskraft ein, unseren Körper zu pflegen […] Wenn wir die Schultern hängen lassen, den Rücken krumm machen, […] und nachlässig im Gang sind, hilft uns Sauberkeit nichts – wir werden niemals das erreichen, was wir so gern möchten: unseren Mitmenschen gefallen!“

Puh, da haben wir aber Glück gehabt, dass diese Zeiten vorbei sind, was? Mit dem heutigen Abstand kann man da wunderbar drüber lachen! Die waren vielleicht schräg drauf.

Deswegen zum Abschluss ein kleines Quiz! Wer kann die folgenden Zitate richtig zuordnen: sind sie a) aus besagtem Buch oder b) aus aktuellen Frauenzeitschriften? Die Zeit läuft…

1) „Müdigkeit ist noch lange kein Grund, ihr nachzugeben und sie offen zu zeigen.“
2) „Cremen Sie Ihre Füße am Vorabend ein, ziehen Sie Baumwollsocken über und lassen Sie die Pflege eine ganze Nacht lang einwirken. Sie erwachen mit perfekt gepflegten Füßen.“
3) „Das Make-Up für den Tag muss so unauffällig wie möglich sein, keine starken Farben, nur zartes Lippenrot.“
4) „Nicht jede Frau ist eine Venus, aber jede Frau kann schön sein!“
5) „Einfach eine Tablette nehmen und damit den Stoffwechsel so auf Trab bringen, dass man abnimmt, ohne auf etwas zu verzichten – wäre das nicht schön?“
6) „Neben warmem Schweineschmalz gibt auch Sauerkraut, locker aufs Gesicht verteilt, der Haut wieder Nährstoffe zurück.“
7) „Gleichermaßen hilft die Maske der Freundlichkeit, wenn sich Nachbarn über die Kinder beschweren. Unsere Mitmenschen mit Ärger, Angst oder Wut zu konfrontieren, würde das Leben nur komplizierter machen.“
8) „Ein Mann, der Familie haben will, muss genügend Geld verdienen. Nicht nur für die ganz normalen Ausgaben, sondern auch für die Extrawünsche der Frau, die nicht selten äußerst kostspielig sind.“
9) „Wenn wir abends ausgehen oder Gäste erwarten, sollten wir uns vorher zwanzig Minuten hinlegen und erst dann an die Restaurierung unseres Make-Up denken.“
10) „Deshalb ist es nicht schwierig zu verstehen, was Männer brauchen.“

PS: Frau B. gibt es heute auch noch. Nur ist sie jetzt die „Studienfreundin von früher“ oder „die Ex, mit der er sich immer noch so gut versteht“ …


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Der Herr zahlt

1. September 2008 von Anna
Dieser Text ist Teil 9 von 26 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Liebe Leserinnen, liebe Leser, da ich derzeit sehr viel arbeite, muss die Kolumne heute ein wenig kürzer ausfallen.

Ich dachte, ich erzähle Euch mal von einem Erlebnis, das ich neulich hatte und das irgendwie auch einer der Gründe ist, warum ich viel arbeiten gehe…

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Es war so:
Ich hatte das Projekt „neue Schuhe“ mal wieder in Angriff genommen. Da die Auswahl an Schuhen ohne rosa Glitzer ja recht begrenzt gewesen war, fand mich nun doch im Adidas-Store wieder. Und nach einer Weile anprobieren, Sohlen einlegen und hin und her, hatte ich mich entschieden. Nachdem der nette Verkäufer meine alten Treter in der neuen Kiste verstaut hatte („ich behalte die neuen gleich an“), fragte er folgendes: „Und jetzt, ist es wie üblich? Sie tragen, der Herr zahlt?“ Ich war einigermaßen sprachlos, hatte mich aber so weit im Griff um „nein, danke, ich zahle meine Schuhe selbst“ zu antworten. Der Verkäufer grinste weiter vor sich hin, in seinen Augen hatte er wohl einen sehr guten Witz gemacht.

Im Nachhinein habe ich mich total geärgert. Darüber nicht schlagfertiger gewesen zu sein, aber noch mehr natürlich über diesen dummen Spruch. Ich gehe los um ein paar Turnschuhe zu kaufen, ich habe bestimmt keinen Sugar-Daddy an meiner Seite und werde so etwas gefragt???

Meine Kollegin, der ich am nächsten Tag davon erzählte, konnte meinen Ärger zwar verstehen, meinte aber auch: „Na, überleg doch mal, letztendlich hat der wahrscheinlich nur das geschildert, was er dort täglich erlebt…“

Hat sie recht? Sind Frauen die ihre Schuhe oder vielleicht auch die DVD-Box ihrer Lieblingsserie selber zahlen wirklich so selten? Und warum? Wegen Sugar-Daddy, wegen wirtschaftlicher (ungewollter) Abhängigkeit vom Mann (die Theorie meiner Kollegin), wegen … ?

Was sagt Ihr?


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Jede vierte Frau

18. August 2008 von Anna
Dieser Text ist Teil 8 von 26 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Ich wusste viel über Christinas bewegtes Leben. Sie hatte einiges an Erfahrungen gesammelt und ich dachte, wirklich schocken könnte mich nichts mehr. Da wusste ich noch nicht, dass sie eine vierte Frau war.

Laut dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hat jede vierte Frau zwischen 16 und 85 Jahren, die in einer Partnerschaft gelebt hat, körperliche oder sexuelle Gewalt durch den Partner erlebt. Ein- oder mehrmals.

„Er hat mich liegen lassen. Hinterher habe ich erfahren, dass er dachte, ich seit tot.“ Ich sage nichts. Christina sieht mich herausfordernd an, fast ein wenig trotzig. Ich schweige noch einen Moment. „Und dann?“ – „Die anderen haben mich irgendwann gefunden und sich um mich gekümmert.“

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Wir sitzen an diesem Abend noch lange zusammen. Christina erzählt, ich höre zu. Sie spricht mit klarer, fester Stimme. Ab und an muss sie etwas tiefer Luft holen. Sonst fehlt jede Emotion. Sie erzählt, wie es war, sich nicht lösen zu können. Verprügelt zu werden. Zu glauben, dass es nie wieder passieren würde. Und wieder geschlagen zu werden.

Frauen, die zum Opfer häuslicher Gewalt werden, schämen sich. Sie schämen sich vor sich selbst, die schämen sich vor den Nachbarn, ihren Arbeitskollegen. Oft geben sie sich selbst die Schuld. Je nach dem wie tief die Abhängigkeit vom Partner ist, versuchen sie Entschuldigungen oder Erklärungen für sein Verhalten zu finden: „dieser Mann ist kein Schläger“, „eigentlich lieben wir uns, führen eine liebevolle Beziehung“, „er hatte einen schweren Tag“, „ ich habe ihn gereizt“. Sie glauben ihm, dass er es nie wieder tun wird. Weil sie es glauben wollen.

In den Tagen danach wirbelten viele Fragen durch meinen Kopf. Ich fragte mich, warum Frauen geschlagen werden. Warum sie bei Männern bleiben, die sie schlagen. Immer wieder.
Gibt es die „klassischen Opfer“? Frauen, die einfach ihr Leben lang Opfer sein werden? Opfer der prügelnden Mutter, Opfer des schlagenden Freundes, Opfer ihrer selbst?

Frauen, die Opfer körperlicher und/oder sexueller Gewalt in einer Partnerschaft werden, weisen meist folgende Risikofaktoren auf:
Gewalterfahrungen in der Kindheit und Jugend. Trennung oder Trennungsabsicht. Laut BMFSFJ sind Bildung, Einkommen oder Schichtzugehörigkeit „nicht entscheidend für die Ausübung bzw. Betroffenheit von Gewalt in Paarbeziehungen“.

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In a Barbie world?!

4. August 2008 von Anna
Dieser Text ist Teil 7 von 26 der Serie Auf einen Kaffee mit Anna

Neulich habe ich beschlossen, dass ich mich mehr bewegen muss. Man wird ja nicht jünger und mein Rücken zeigt mir leider inzwischen sehr deutlich, wann mal wieder ein wenig Gehopse und „Step Touch“ angesagt sind. Doch zwischen mir und der vermehrten Bewegung stand ein Stück Stoff: Meine alten Jazzpants (Nein, nicht die Unterwäsche. Die Turnhose.). Diese sind leider inzwischen doch sehr in die Jahre gekommen, die Nähte gehen auf und lassen sich nicht richtig flicken. So konnte ich mich nicht sehen lassen, es musste etwas neues her.

Ich steuerte also einen großen Karstadt Sport an und warf mich ins Getümmel. Die Frauensportecke war schnell gefunden, es leuchtete schon von weitem weiß, rosé und blö. Naja, würde noch was anderes geben.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Nein, gab es nicht. Frauen scheint es nicht erlaubt zu sein, in dunklen Farben Sport zu treiben. Zumindest, wenn man keine 80 Euro für ein popliges Oberteil übrig hat, sondern auf die Hausmarken angewiesen ist. “Ich komme mir vor, als wäre ich in eine bebe-Werbung geraten”, so mein Freund mit staunenden Augen. Frustriert verließ ich den Laden. Immerhin konnte ich in einem anderen Geschäft noch eine schwarze Hose erstehen, entschied mich aber auch dort gegen ein Oberteil in Pastelltönen.

Ich war sauer. Auch deswegen, weil ich das gleiche Spiel ein paar Wochen vorher mit Turnschuhen gehabt hatte. Denn nicht nur kleine Mädchen, auch Frauen tragen wohl nur noch weiße Turnschuhe mit Glitzersteinchen, weiße Turnschuhe ohne was oder weiße Turnschuhe mit rosa Applikationen. Wenn es mal einen schwarzen Schuh gab (wenn!), so wurde diese wohl zu unweibliche Farbe mit – genau! – rosa Glitzersteinchen wieder aufgehübscht.

Ich möchte niemanden persönlich angreifen, aber ich bin definitiv keine Glitzersteinchenfrau. Auch irgendwelcher Kram mit rosa passt eher nicht zu mir. Wenn ich mich weiblicher fühlen will, dann trage ich keine rosa Turnschuhe, sondern (schwarze) Schuhe mit Absatz. Es ist nicht nur so, dass mir diese Farben nicht gefallen, ich weiß auch, dass sie bestimmt nicht gut aussehen an mir. Ich habe schon einen Friseursalon unverichteter Dinge wieder verlassen, weil die Dame dort der Meinung war, ein paar “goldene Strähnchen” würden mir bestimmt total gut stehen. Ich war mir sicher, sie würden es nicht.

Ich fand rosa mal gut. Da war ich sechs und mein ganzer Stolz war mein rosa Amigo-Ranzen. Allerdings hat sich in den über zwei Jahrzehnten seit dem einiges getan. Ich bin gewachsen. Ich trage meine Bücher nicht mehr auf dem Rücken, sondern in einer meiner zahlreichen Umhängetaschen herum. Diese sehen alle recht verschieden aus, aber sie haben eines gemeinsam: Sie sind nicht rosa! Denn auch mein Farbgeschmack hat sich geändert. Wobei ich sagen muss, dass ich mich auch nicht erinnern kann, als Kind babyblau oder weiß gut gefunden zu haben.

Ich wüsste gerne, wer Schuld an dieser Misere ist. Klar, die Pastellsachen gab es immer. Aber seit wann gibt es ausschließlich sie? Haben sich das Frauen gewünscht? Und sind diese Frauen die gleichen wie die, die sich goldene Strähnen in die Haare machen? Die, die bei H&M die ganzen Strings und Push-Up-BHs kaufen? (Auch so unerträgliche Moden, denen ich mich strikt verweigert habe. Und nein, ich glaube einfach nicht, dass ein Faden Zahnseide in der Poritze bequem ist!)

Ist das irgendeine Rückbesinnung auf Weiblichkeit in wirtschaftlich schweren Zeiten (in denen ja bekanntermaßen auch mehr Lippenstift verkauft wird)? Und wo kaufen all die anderen ihre Sportkleidung, ihre Schuhe und Shirts? Ich habe mich mit vielem abgefunden. Ich ertrage Hüfthosen und an diese langen, vorne schmalen Schuhe habe ich mich auch gewöhnt. Aber muss ich mich wirklich in ein pastellfarbenes Schicksal fügen?

Ich sage nein und ziehe einfach ein altes Shirt meines Freundes zum Sport an.


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