Selbermach-Sonntag (1.8.2010)

von Helga

Sepiabild eines kleinen Mädchens beim Spielen Der Juli ist vorbei und es ist wieder Zeit für den Selbermach-Sonntag. Was ist bisher übersehen worden, was hat Euch aufgeregt oder vielleicht war ja auch etwas supertoll? Dann ab damit in die Kommentare!




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Eintrag geschrieben: Sonntag, 1. August 2010 um 9:45 Uhr unter Verlinkt. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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16 Kommentare

  1. Hannah sagt:

    Ich bin in einem selbst verwalteten studentischen Kulturzentrum aktiv, gestern war dort Mitgliederversammlung, wofür auch immer sehr viel gekocht wird.
    Dabei sind mir gleich mehrere seltsame Sachen passiert.

    1.Wir kommen an (mein Freund und ich). Zuerst wird mein Freund gefragt, ob er nicht Forellen putzen könne, der verneint. Als ich zusage, das zu machen, kommt der Kommentar „Endlich mal ein Mann“.

    2. Und hier kommt der unverschämte Teil. Einer derjenigen, die quasi immer kochen, ist ein Alter Hase von mindestens Mitte 40. Ich war also allein in der eigentlichen Küche (gekocht wurde im Thekenraum, dort ist mehr Platz), dieser alte Hase kommt in die Küche „Hm, was wollte ich denn, ach ja dir an den Hintern fassen“ daraufhin tut er das auch tatsächlich, sucht dann noch was er eigentlich wollte und geht. Später bin ich am Bratkartoffeln braten und suche dafür noch einen Bräter. Derselbe Alte Hase muss an mir vorbei (der Spalt ist eher eng). er quetscht sich also an mir vorbei, begrabscht mich und meint nur, hach das ist einfach immer wieder schön.

    Ich war in beiden Situationen einfach sprachlos und hab nix gesagt. das ärgert mich im Nachhinein noch viel mehr.

  2. Ben sagt:

    Greta Christina geht bei AlterNet der Frage nach, wie Männer durch Sexismus beeinträchtigt werden (ohne deshalb gleich die Frauen aus dem Blick zu verlieren):
    http://www.alternet.org/story/147626/5_stupid%2C_unfair_and_sexist_things_expected_of_men?page=entire

    Und die Mädchenmannschaft verlinkt einen Vortrag zu queerem BDSM und Macht:
    http://maedchenblog.blogsport.de/2010/07/27/queer-bdsmmuss-sex-immer-gv-und-orgasmus-heissen/

  3. Ben sagt:

    @Hannah
    Manche Leute haben echt ’ne Schraube locker!
    Auch wenn das jetzt Geschlechterklischees reproduziert und die Situation gesellschaftlich betrachtet nicht besser macht: Du hattest doch Deinen Freund dabei. Hätte der dem Alten Hasen nicht ordentlich die Löffel langziehen können? Oder, wenn Du sowas lieber selbst machst: in Küchen stehen doch genug Werkzeuge herum, mit denen man sich Respekt verschaffen kann. Musst ja nicht gleich ein Kochmesser zwischen seinen Rippen versenken. ;-)
    Ich hoffe nur, dass sowas nicht wieder passiert!

  4. Laura sagt:

    @Hannah: o_O da wär ich wohl auch zu perplex, um was zu sagen. aber hinterher ansprechen solltest dus schon. gibts in diesem kulturzentrum keine gender-verantwortliche oder eine allgemeine ombudsstelle? und wenn nicht: sollte es das vielleicht geben, wenn offensichtlich nicht alles post-gender ist? vielleicht ein thema für die nächste mitgliederversammlung?

    Ich hab heute einen spannenden Artikel in der NZZ am Sonntag gelesen. Terrorismus sei, laut einer Studie, weniger ein Problem der Religion oder des sozialen Gefälles, sondern die Gewalt(bereitschaft) entstünde vielmehr aus sexueller Frustration. Spannend fand ich die Argumentationskette „Polygamie = weniger Frauen auf dem Heiratsmarkt = mehr frustrierte Männer = mehr Gewaltbereitschaft = Terrorismus“, das dann kombiniert mit dem ohnehin bestehenden Männerüberschuss, weil Mädchen weniger wertvoll sind, et voila!
    Was meint ihr dazu?

    >leider finde ich den Artikel nicht gratis online, deswegen kopier ich ihn in den nächsten Kommentar (hab Zugriff aufs kostenpflichtige NZZ-online-Archiv).

  5. Laura sagt:

    Artikel aus der Neuen Zürcher Zeitung am Sonntag (NZZaS) vom 1.8.2010:

    M. Helg, mah
    Im Himmel ist es besser

    In die Vorgeschichten von Selbstmordattentaten spielt mit merkwürdiger Regelmässigkeit Sexuelles hinein. Einige der Täter des 11. September besuchten vor dem Anschlag einen Striptease-Klub. Der Hauptattentäter, Mohammed Atta, forderte in seinem Testament: «Derjenige, der meinen Körper rund um die Genitalien wäscht, sollte Handschuhe tragen.» Der Nigerianer Umar Farouk Abdulmutallab, der im Dezember 2009 im Northwest-Airlines-Flug 253 AmsterdamDetroit einen Sprengstoff in seiner Hose zu zünden versuchte, war in religiösen Internetforen mit sexuellen Notrufen in Erscheinung getreten: «Wenn ich mich einsam fühle, erwacht mein Sexualtrieb, und ich kämpfe damit, ihn zu kontrollieren.»

    Im Aufsatz «Sex and the Saheed» bestätigen die renommierten US-Politologen Bradley Thayer und Valerie Hudson den alten Verdacht: Von allen Erklärungen, die zum Verständnis von Selbstmordattentaten beitragen sollen, ist sexuelle Frustration die wohl überzeugendste. Zwar mag es naheliegender scheinen, die islamische Religion in die Verantwortung zu ziehen immerhin sind fast alle Selbstmordattentäter Muslime, und die Rede vom «heiligen Krieg» gehört zu den Standardfloskeln der Bekenner-Zeugnisse. Religiöse Rechtfertigung des Terrors ist indes scheinheilig. Der Koran ist in Fragen der Gewalt vieldeutig wie die Bibel, und den Selbstmord verbietet der Islam ebenso wie das Christentum.

    Es mangelt an Frauen

    Ebenfalls zu kurz greift die These, wonach der Terror westlichen Wirtschaftsimperialismus zu vergelten suche. Natürlich besteht bei Anschlägen auf amerikanische Botschaften oder europäische Metrozüge ein Wohlstandsgefälle zwischen Täter-Kultur und Opfer-Kultur, und natürlich muss dies die islamische Welt schmerzen angesichts ihrer kulturellen Überlegenheit in früheren Jahrhunderten. Doch erstens hinken auch Kulturräume Südostasiens oder Afrikas westlichem Standard hinterher, ohne sich mit Selbstmordattentaten zu rächen. Zweitens richtet sich nur eine Minderheit der Anschläge gegen westliche Ziele. Und drittens entstammen Attentäter wie jene des 11. September oft der Mittelschicht. Gemäss einer Untersuchung des amerikanischen Foreign Policy Research Institute wiesen von 400 Anhängern der Kaida 63 Prozent einen Hochschulabschluss aus. Auch der «Unterhosenbomber» Farouk Abdulmutallab war Student und hat einen Ex-Minister zum Vater. Zu den Entrechteten dieser Erde gehört er nicht.

    Wenn Armut den Terror dennoch nährt, dann womöglich deshalb, weil sie einen Überschuss an jungen Männern produziert. Der Völkermordforscher Gunnar Heinsohn stützt diese These auf eine Untersuchung in 70 Ländern. Sie ergab, dass es immer dort brenzlig wird, wo Mütter über Generationen 6 bis 8 Kinder haben, also 3 bis 4 Söhne, von denen höchstens zwei mit gesellschaftlichen Positionen versorgt werden können. Heinsohn nennt den vor allem in materiell benachteiligten Gesellschaften verbreiteten Überschuss an jungen Männern «Youth Bulge». Er behauptet, er verleite die überzähligen Söhne dazu, sich mit Gewalt Anerkennung zu verschaffen.

    Auch in sexueller Hinsicht sind die überzähligen Männer Verlierer. Ohne Einkommen finden sie keine Frauen, zumal in jenen polygynen Gesellschaften, in denen reiche Männer mehrere Frauen heiraten können. Hier kommt der Islam wieder ins Spiel: Nicht als Religion, Kultur, Ethnie, Sprache oder politische Stimme, sondern allein als Rechtssystem, das es Männern, die es vermögen, erlaubt, bis zu vier Frauen zu ehelichen. Die meisten mehrheitlich muslimischen Länder Ausnahmen sind Tunesien, die Türkei und Länder der früheren Sowjetunion lassen die Polygynie zu und leben sie auch. Weniger vermögende unverheiratete Männer sind mit einem Mangel an verfügbaren Frauen konfrontiert. Viele gehen leer aus und sehen sich auf Selbstgespräche zurückgeworfen, wie sie Umar Farouk Abdulmutallab im Internet festhielt: «Ich möchte verheiratet sein, damit ich nicht ständig erregt werde.»

    Da eine restriktive Sexualmoral zudem aussereheliche Beziehungen verunmöglicht, ist die Chance gross, dass sich unter muslimischen Singles sexuelle Frustration breitmacht. Gewalt verspricht Kompensation. Alan S. Miller und Satoshi Kanazawa schreiben in «Psychology today»: «Polygynie macht Männer aller Gesellschaften gewalttätig und erhöht die Zahl der Morde und Vergewaltigungen.» Gemäss einer im Aufsatz von Thayer/Hudson zitierten Studie sind 97 Prozent der islamischen Selbstmordattentäter single.

    Jungfrauen oder Trauben?

    Selbstmordattentate haben unter den Gewalttaten wohl den stärksten psychologischen Effekt. Terroristen, die ihren Körper als Waffe benutzen, verwandeln ihre Ohnmacht für einen Augenblick in Allmacht da sie den Tod nicht fürchten, fürchten sie gar nichts. Ziel und Ausmass der durch sie verursachten Zerstörung sind sekundär. In einer Bar in Haifa zog ein Attentäter über dem Sprengstoff das Hemd hoch und fragte die Kellnerin, ob sie wisse, was das sei. Bevor er die Bombe zündete, wartete er, bis alle ins Freie stürzten.

    Die beste Kompensation für sexuelle Frustration versprechen die Jungfrauen, die laut dem Koran auf Märtyrer warten ein Gedanke, der auf Männer säkularer Gesellschaften beschränkten Reiz ausüben mag. Für den Selbstmordattentäter, der sich von dieser Paradiesvorstellung leiten lässt, stellen sich allerdings zwei Probleme. Zum einen ist unklar, ob ein Selbstmörder als Märtyrer gelten darf. Zum andern könnte es sich bei den Jungfrauen um eine Fehlinterpretation der Übersetzer handeln. Dies zumindest behauptet ein deutscher Forscher mit dem Pseudonym Christoph Luxenberg. In seiner Lesung des einschlägigen Koranverses sind mit dem Wort huri nicht Jungfrauen gemeint, sondern weisse Trauben Früchte, die auch für Polygynie-Verlierer schon im Diesseits verfügbar sind.

    88870, NZZS, 01.08.2010

  6. Ich war wieder tätig und habe einen wunderbaren Roman rezensiert, der SM, Polyamorie aber hauptsächlich zwischenmenschliche Kommunikation thematisiert, intelligent geschrieben ist und zudem auch noch wunderbar menschliche, nachvollziehbare und auf ihre Art starke wenn nicht unfehlbare Protagonistinnen beinhaltet: http://les-petits-plaisirs.blogspot.com/2010/08/rezension-spieler-unter-sich-cornelia.html

    Letztens bin ich über den „Secret Ceres“ gestolpert: Einen Peeling-Stab für die Vagina, welcher diese reinigt, verengt, verjüngt und überhaupt zu etwas besserem macht. http://les-petits-plaisirs.blogspot.com/2010/06/secret-ceres-schonheits-und.html

  7. @Hannah: So Situationen – also solche, in denen man einfach nicht richtig reagieren kann, kenne ich selbst leider auch zu genüge! Es ist echt immer schlimm – vor allem im Nachhinein, wenn man schlicht weg und ergreifend nicht souverän das Ganze gemeistert hat. Es gibt Leute, die können das richtig gut. Und ich denke mir dann auch immer, dass es ja doch nicht so schwer sein kann! Aber im Nachhinein merkt man doch immer, dass man da ganz anders mit hätte umgehen sollen und es fällt einem oft auch später ein, was man hätte tun sollen.
    Diesem Mann solltest Du allerdings wirklich mal was sagen, bzw. da Schritte einleiten. Das ist einfach nicht ok.

  8. Philipp sagt:

    @Hannah
    Dass du im Moment zu perplex warst um etwas zu sagen, kann ich gut nachvollziehen. Manchmal wird man von der Dreistigkeit anderer Menschen einfach überrumpelt. Wenn du irgendwie die Möglichkeit hast, beschwer dich über den Typ. Sowas geht einfach nicht und ist auch keine Lappalie. Wenn er das mit seinen 40 Jahren noch nicht kapiert hat wird es höchste Zeit, dass es ihm mal deutlich gesagt wird.

    @Laura
    Es gibt inzwischen ja auch weibliche Selbstmordattentäterinnen. Sind die dann auch sexuelle frustriert? Die Gründe für solche Taten nur auf sexuelle Frustration runter zu brechen scheint mir zu einfach. Was mir unmittelbar einleuchtet ist, dass jemand der ungebunden ist, also keinen Ehemann, Ehefrau, Kinder hat eher zu einer solchen Tat bereit ist.

    Ich habe vor kurzem das Buch Heldendämmerung von Ute Scheub gelesen. Sie geht darin auch auf die „youth bulge“-Theorie ein. Sie argumentiert, dass Gesellschaften mit „Männerüberschuss“ oft streng patriarchalisch organisiert sind und Jungen/Männer zur Gewaltbereitschaft erzogen werden. Es ist also so eine Art Henne-Ei Problem. Führt eine streng patriarchale Gesellschaft zu Männerüberschuss, der in Gewalt endet. Oder werden in einer streng patriarchalen Gesellschaft Männer zur Gewaltbereitschaft erzogen.

  9. Laura sagt:

    @Philipp: spannende Gedanken dazu, danke! Ich hab das Buch bisher nicht gelesen, sollte eventuell auf meine Liste.

  10. Der Ekelbaron sagt:

    Die Sex-Terror-Geschichte ist ein ziemlich alter Hut… Stammt, soviel ich weiß aus der konservativen Ecke der philosophischen Anthropologie, deren Protagonisten damit den Krieg aus der Natur des Menschen heraus erklären wollten.
    Von den Fakten stimmt da schon vieles. Es wird in der Theorie bloß ein Problem patriarchaler Gesellschaften als unverrückbares Naturphänomen hingestellt.

  11. Gan-Chan sagt:

    @ Hannah:

    Leider sind Belästigungen dieser Art traurige und alltägliche Realität.
    Ich kenne Frauen die sind in solchen Situationen genauso perplex wie Du. Und ich kenne Frauen, die sofort reagieren. Sei es eine Ohrfeige oder eine verbale Reaktion. Haben diese Frauen die Schlagfertigkeit erst erlernt? Hatten sie vielleicht eine weniger patriarchale Erziehung und haben deshalb das Rollenbild der patriarchalen Gesellschaft nicht verinnerlicht? Die Fragen finde ich schon interessant.

    Vielleicht macht es in Deinem konkreten Fall auch Sinn nachträglich etwas zu unternehmen. For Your Sake. Du könntest ihm beispielsweise in den Schritt greifen und eine abwertende Meinung kundtun. Falls er dennoch glaubt, Du willst ‚etwas‘ von ihm, dann stellst Du ihn vor allen Leuten bloss.

  12. Sina sagt:

    @Hannah, so etwas ist mir auch einmal passiert. Ich rege mich heute immernoch darüber auf dass ich zu perplex war um denen eine saftige Ohrfeige zu geben.. ich war beim Bahnhof am Ticketautomat, neben mir sassen 3 Jungs. Plötzlich klatscht mir der eine auf den Hintern, alle drei lachen. Ich brachte nur ein halbherziges „was soll der scheiss“ hervor, dann ging ich mit hochrotem Kopf weg. Argh!

  13. Angelika sagt:

    @Hannah – leider, solche übergriffe sind für mich jenseits von worten. ich habe lange gebraucht von wg. schlagfertigkeit weil ich mich hilflos, fassungslos und verletzt usw. fühlte.

    darf ich einen praktischen hinweis aus eigener erfahrung einbringen ?
    unterdessen trage meinen universalschlüssel zusammen mit einer (lauten) hundepfeife immer bei mir (ich kaufe nur noch miniröcke mit taschen, da lässt sich das unverlierbar mittels band an einer gürtelschlaufe dran festmachen) wenn ich meine whg. verlasse.
    denn auf „hilfe-rufen“ reagiert wohl im jahre 2010 (in dld.) niemand mehr.
    den tip dazu fand ich im blog einer amerikanerin : also „feuer“ rufen und dann laut trillerpfeifen.

    was noch hilft : so etwas ganz für frau alleine üben, z.b. im auto am waldrand wo sich keine nachbarn „gestört“ fühlen könnten (oder musikraum nach unterricht usw.)
    dasselbe üben mit partnerIn von wg. solch einer situation wie dir passiert.

    good luck !

  14. Felizia sagt:

    Mich hat die berichterstattung in der taz zum vaginagel genervt. Darin wird dargestellt wie dieses Gel getestet wurde, ohne diese Art des Verfahrens zu hinterfragen. Afrikanische Frauen wurden als Versuchsobjekte benutzt. Wie kann sowas erlaubt sein, das ist doch menschenunwürdig. Ich verstehe das nicht.

  15. Laura sagt:

    Im Tagesanzeiger ist eine Buchbesprechung zum Buch „Pornland“ der Soziologin und Feministin Gail Dines erschienen. Klingt „gut“: http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/Pornos-Salonfaehige-Brutalitaet/story/13212314