Schwestern – ein Politikerinnen-Buch

von Barbara
Dieser Text ist Teil 2 von 44 der Serie Die Feministische Bibliothek

Silvana Koch-Mehrin, (c) Econ Verlag Silvana Koch-Mehrins Buch “Schwestern – Streitschrift für einen neuen Feminismus“, das bereits im vergangenen Jahr im Econ Verlag veröffentlicht wurde, thematisiert die aktuellen Probleme von jungen Frauen: Kinder, Karriere, Beziehung, Familie – wie geht das zusammen? Die Autorin, 1970 geboren, ist FDP-Europapolitikerin. Promovierte Volkswirtschaftlerin, Ehefrau, Mutter zweier Mädchen.Koch-Mehrin bietet Lösungen für die oben genannten Probleme. In ihrem Buch fordert sie junge Frauen, die Kinder haben und arbeiten möchten, etwa auf, sich doch einfach als Rabenmütter zu bekennen:

“Das Bild der Rabenmutter kommt daher, dass junge Raben beim Verlassen des Nestes sehr unbeholfen wirken (…) Deshalb müssen ihre Eltern sie in die Welt schubsen (… )beschützen sie aber weiterhin vor Feinden. Was kann man Kindern Besseres angedeihen lassen als eine gute Mischung aus Loslassen und Haltgeben?”

Die Flucht nach vorne hilft, so die Autorin, in den meisten Situationen. Denn mutige Frauen, die sich auch nicht scheuen, Kontra zu geben, werden ernst genommen.

Neben diesen manchmal etwas altbackenen Ermunterungen liefert Koch-Mehrin Fakten über Modelle von berufstätigen Eltern aus europäischen Nachbarländern und kritisiert die Familienpolitik der Bundesrepublik:

“In Deutschland sind die Frauen mit der Frage der Kinderbetreuung allein gelassen. Es ist mehr als überfällig, endlich die Krippen und auch das Tagesmütter-System auszubauen. Mit verbindlichen Qualitätsstandards und Ausbildungsgängen.”

Doch nicht nur in der Bundespolitik lauern Feinde, auch in den deutschen Medien. Neben der früheren Moderatorin Eva Herman sind das “arrivierte Herren mit grauen Schläfen”, “Großkopferte” wie Spiegel-Feuilletonchef Matthias Matussek oder Frank Schirrmacher, FAZ-Herausgeber, die Theorien über die Gefährdung der Deutschen durch die gebärstreikenden Frauen, über die Bewusstseinsübernahme der Deutschen durch mächtige Fernsehtalkerinnen und über die vom Aussterben bedrohten richtigen Männermänner kolportieren.

“Es ist wieder salonfähig, einen miefig-moralisierenden Überbau zu konstruieren. (…) Jedoch meinen diese selbsternannten Demografen aus der Tiefe ihrer ledernen Clubsessel nun nicht nur zu wissen, was gut ist für Deutschland, sondern speziell, was gut ist für Kinder und, nachrangig, für Frauen.”

“Schwestern” ist die Streitschrift einer jungen, aktiven Frau, der die Gegenwart in vielen Punkten stinkt. Neben der Kritik bietet sie Lösungen, indem sie sich in den europäischen Ländern umsieht und sich die Rosinen aus dem Teig der Möglichkeiten herauspickt – die Kompetenzen einer Europapolitikerin.

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