Schön, schöner, weiß

von Magda

In den letzten Jahren hat Jezebel die New Yorker Modeszene intensiv beobachtet: Obwohl Models of Color* zeitweise vermehrt für Laufstege gebucht wurden, hat dieser Trend offensichtlich nicht angehalten. Die traurige Bilanz: Die Modewelt ist und bleibt weiß dominiert. Die Dominanz eines weißen Schönheitsideals wird nicht nur anhand der geringen Anzahl von People of Color deutlich, sondern auch in der Art und Weise, wie diese abgebildet werden. Besonders Frauen werden oft im Kontext von Exotik, Wildheit und/oder Natur dargestellt. Darüber hinaus werden sie an Kriterien gemessen, die sich an einem weißen Ideal orientieren – je näher die Hautfarbe an diesem Ideal, desto besser gebucht und desto öfter fotografiert.

Folgende Nachricht mag in diesem Kontext wenig überraschen: Die über die indischen Grenzen bekannte Bollywood-Schauspielerin und ehemalige Miss World Aishwarya Rai Bachchan war auf der Dezember-Ausgabe des indischen Elle Magazins abgebildet, und zwar regelrecht „weiß gewaschen“ (engl: whitewashing). Laut diverser Quellen soll die bekannte Darstellerin nicht erfreut gewesen sein, dass ihr Bild mittels Airbrushing und Photoshop stark verfälscht wurde. Gerüchte besagen, dass Bachchan überlegt, das Magazin wegen der Nachbearbeitung des Coverfotos zu verklagen. Eine Petition von change.org kann bereits unterschrieben werden.

Das so genannte „Weißwaschen“ ist in Indien ein lukratives Geschäft. So gibt es diverse Cremes, die die Haut angeblich verändern sollen und sogar eine Facebook-Application, die die Profilbilder automatisch „weiß macht“.

Das Magazin Elle wird übrigens nicht zum ersten Mal beschuldigt, an der Hautfarbe eines Models herumzudoktern. Im September war die Schauspielerin Gabourey Sidibe („Precious“) auf dem Cover der amerikanischen Ausgabe der Elle zu sehen – und zwar auch deutlich „weißgewaschen“.

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* Models of Color ist von der Bezeichnung People of Color (PoC) abgeleitet, eine selbstbestimmte Bezeichnung von und für Menschen, die nicht weiß sind.




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Eintrag geschrieben: Donnerstag, 20. Januar 2011 um 16:45 Uhr unter Körper. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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7 Kommentare

  1. Ich kann mich noch daran erinnern, als ich vor Jahren das erste Mal in einem afrikanischen Shop in Graz eine Creme zur Hautaufhellung gesehen habe… Wirklich zum Kotzen, diese Praxis…

  2. […] Jedenfalls lese ich bei der Mädchenmannschaft zu ersten Mal etwas über das “Weißwaschen&#82…. So ist das also: Die Models werden in den Vollwaschgang gesteckt und kommen alle mit der gleichen Schattierung wieder heraus. Kein Wunder, dass ich mir schwer tue, sie von einander zu unterscheiden. Januar 20th, 2011 in Fundstücke, Gedanken, Leben | tags: Frauen, Gender, Medien, Schönheit, Video […]

  3. Magda sagt:

    @tessa

    Danke für den Link, sehr interessant!
    Aber „Neue Mode – gezeigt von Migrantinnen“ – ui, ui, platter Titel.

    Was dann wohl interessant ist: Ist das ein einmaliges Feature oder hat die Brigitte öfter women of color auf dem Cover oder in den Modestrecken?

  4. Judith sagt:

    Leider muss ich mich hier mal ordentlich blamieren: Was bedeutet denn „women of color“ im internationalen/deutschen/nicht-us-amerikanischen Kontext? Wo müssen denn in Deutschland Migranten herkommen um „of color“ zu gelten? Und was bedeutet „weiß“ (in Deutschland)? Sind beispielsweise Italiener, Türken, Afghanen weiß oder eher „of color“? Ich versteh die Kategorien nicht, zumindest nicht wenn sie auf Deutschland übertragen werden. Könnten ihr mir da einen Link-Tip geben?

  5. Judith sagt:

    Wow, danke, das ging ja schnell!