Schlechte Noten in Geschlechterpolitik

von Barbara

Im Interview mit der Berliner Zeitung spricht Franz Müntefering von “Instrumenten” “auf Zeit”, die helfen, Deutschland gleichberechtigter zu machen.

“Wir müssen auch darüber sprechen, warum relativ wenig Frauen in führenden Positionen sind. Ist es zum Beispiel sinnvoll, etwas zu tun, was in vielen Parteien lange gedeckelt worden ist? Klammer auf Quote Klammer zu. Manchmal muss man auf Zeit solche Instrumente anwenden, um ein Ziel zu erreichen.”

Sehr zaghaft, dieser Quoten-Vorstoß, mit vielen Hintertüren gepolstert: Klammer, auf Zeit, manchmal. Hier will jemand nicht wirklich. Eine Watschn für diese Form Geschlechterpolitik kriegt er von Taz-Redakteurin Heide Oestreich. Münteferings Interview-Andeutungen, dass eine Quote vielleicht doch eine gute Idee sei, erscheine unglaubwürdig, betrachte man die Geschlechterpolitik-Historie der Sozialdemokratischen Partei.

Einer Partei fällt nach zehn Regierungsjahren auf, dass man ein Gleichstellungsgesetz brauchen könnte? Derselben Partei, die vor acht Jahren dieses Gesetz bereits vorgelegt hatte und es dann selbst per Kanzlerdekret wieder einkassierte? Darin wurden übrigens nicht feste Quoten gefordert, sondern flexible Zielmarken und fein austarierbare Instrumente. Dass Müntefering nun pauschal von Quoten spricht, zeigt, dass er sich mit der Materie offenbar nicht ernsthaft zu beschäftigen gedenkt.

Oestreich wittert berechtigt andere Pläne, “das Absägen von weiblichem Spitzenpersonal und geschlechterpolitischen Leuchttürmen”, eine Kampfansage also an die Unions-Frauen Merkel und von der Leyen. Schöne Geschlechterpolitik, Herr Müntefering!


Facebook | |

Tags: , , , ,

Eintrag geschrieben: Freitag, 6. Februar 2009 um 10:04 Uhr unter Frauenfakten, Klartext. RSS 2.0. Kommentieren. Trackback.



Anzeige



5 Kommentare

  1. Lara sagt:

    Die Kampfansage verstehe ich nicht. Was den Kommentar aus der taz angeht: Ob es jetzt so intelligent ist, zu kritisieren, dass ein Politiker möglicherweise seine Meinung geändert hat… finde ich eher nicht.
    Zudem ist es ideologische Augenwischerei Quote und Gleichstellung gleichzustellen. Ich für meinen Teil bin übrigens kein Merkel-Fan, obwohl sie eine Frau ist und ich mich als Frau ja im Sinne der “Gleichstellung” dafür begeistern müsste, dass sie in einer derart unumstrittenen Spitzenposition sitzt. Wie kann es überhaupt sein, dass eine Frau einen derartigen Posten bekommt. So ganz ohne Gleichberechnungs-Quote.

  2. Matze sagt:

    Die gesamte SPD, die LINKE und sogar die “feministischen” Grünen haben dem weiblichen Spitzenpersonal aus der Union den Kampf angesagt: Sie wollen Angela Merkel und Ursula von der Leyen vor Jahresende noch aus ihren Ämtern drängen.

    Echt gaaanz tolle Geschlechterpolitik, die diese drei Parteien da betreiben.

    So, und jetzt warte ich auf den ersten, der “Aber die Männer …” greint.

  3. access denied sagt:

    “Sie wollen Angela Merkel und Ursula von der Leyen vor Jahresende noch aus ihren Ämtern drängen.”

    Heisst auch Politik
    Daraus einen Rückschluss zum Feminismus zu ziehen, ist sehr weit hergeholt

  4. Schnatterinchen sagt:

    Wenn Müntefering ehrlich daran interessiert wäre, mehr Frauen in Spitzenpositionen zu sehen, dann dürfte er Merkel und von der Leyen in der Tat nicht absägen wollen, da hat Matze schon recht. (Zumal D gerade zum beliebtesten Land der Welt gewählt wurde, was ganz sicher auch mit Frau Merkels Außenwirkung zu tun hat.)

    Klar weiß auch Müntefering, dass das Absäg-Spielchen Politik und nicht Feminismus heißt, und er weiß vermutlich noch viel mehr zum Thema Komplexität von Gleichberechtigungsfragen – was alles zusammengenommen der Grund dafür sein mag, dass er beim Thema Quoten so rumdruckst und keine klare Holzhammerlinie fährt.

  5. Lara sagt:

    Weil Müntefering in der SPD ist, hat er durchaus ein Interesse daran Merkel (und auch von der Leyen) abzusägen, Frauenpolitik hin oder her. Außerdem: Eine Frau im BMFSF ist ja nun wirklich nichts Revolutionäres.

Kommentar schreiben

Wir achten in diesem Weblog auf einen vernünftigen Umgangston. Du bist dir unsicher, welche Regeln fürs Kommentieren gelten? Dann lies unsere Netiquette. Mit deinem Kommentar willigst du in die Speicherung deiner Mail- und IP-Adresse ein. Diese verwenden wir für keinerlei Marketingzwecke und geben sie nicht an Dritte weiter.

Du kannst deinen Kommentar mit HTML aufhübschen.
Zitieren kannst du per blockquote-Befehl.