Scheiß auf Diäten (und auf heuchlerische Firmen)

von Magda
Dieser Text ist Teil 6 von 44 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Der Brüller! Als ich diesen Werbespot das erste Mal sah, dachte ich, dass dieses satirisch erstklassige Werk die perfekte Parodie auf diese dumm-dreisten Diätwerbungen sei, die ich ertragen muss, sobald ich mein Fernsehgerät anschalte.

Weit gefehlt. Du Darfst meint es ernst. Denn – haltet euch fest – Du Darfst positioniert sich mit ihrer neuen Kampagne „F*** the Diet“ (zu deutsch: „Scheiß auf Diäten“) gegen den Diätenwahn und stellt ganz schockiert fest:

Wir haben mit Frauen in Deutschland über ihre Diäterfahrungen gesprochen. Hättet ihr gedacht, dass rund 80 % der deutschen Frauen Diäten viel zu kompliziert und absolut nicht alltagstauglich finden?

Eine Diät ist nicht alltagstauglich? Waaas?! Kalorien zählen, schlechtes Gewissen haben, überteuerte Diätprodukte kaufen, das Kleid eine Nummer kleiner bestellen („da werde ich bald reinpassen!“), dumme Sprüche von anderen Diätwütigen ertragen… verdammt noch mal, ja, das nervt ganz schön im Alltag. Bis dato dachte ich, dass Du Darfst mit Diätenquatsch ihr Geld verdient, aber weit gefehlt, denn nun präsentiert sich die Marke im neuen Kleid: Diätprodukte einfach mit gute-Laune-Bildern und eigentlich lobenswerten Anti-Diät-Botschaften verpacken, dann wird’s schon gekauft. Getreu dem Motto: Mit Feminismus Light die Kasse klingeln lassen. Bewaffnet mit Gouda unter 10% Fettanteil und Halbfettmargerine tönt die Firma weiter:

Wir wissen, dass die Gedanken bei vielen Frauen häufig um Kalorien und Gewicht kreisen – richtig glücklich macht das nicht! Das kennt ihr doch sicherlich auch? Und deshalb möchte Du darfst sich gegen den Diätenwahn stark machen.

Na mensch, wer hätte das gedacht?! Bei all der nervigen Werbung für Light-Produkte, die uns suggerieren, das unser Leben einfacher, schöner und wertvoller wird, wenn wir den Joghurt ohne Zucker nehmen – da kommt endlich Du Darfst daher und sagt uns, dass das alles Quatsch sei!

Während sich die einen über den „sprachlichen Verfall in Deutschland“ aufregen und die anderen den Kindern die Ohren zuhalten möchten, bin ich einfach nur genervt. Ja, ich will, dass Botschaften wie „Kampf dem Diätenwahn!“ salonfähiger werden. Auf der anderen Seite finde ich es verlogen, wenn eine Marke wie Du Darfst (übrigens aus dem Hause Unilever), die bereits in den 1970ern die ersten Light-Produkte auf den Markt warf, einfach mal schnell auf einen pseudo-emanzipatorischen Zug aufspringt, ein paar halbherzige Parolen wie „Stoppt den Diätenquatsch“ ausspuckt, obwohl es gar nicht um das Wohlbefinden der Kundinnen geht oder um die Akzeptanz von unterschiedlichen Körpern (der Spot zeigt ja auch wieder nur normschöne Menschen), sondern nur darum, die eigene Kampagne möglichst gewinnbringend zu platzieren. Heuchlerischer Mist. Meine Schlemmerpartys kommen ganz gut ohne überteuerten Magerkäse aus.

(via Yal)




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Eintrag geschrieben: Dienstag, 10. April 2012 um 9:13 Uhr unter Körper. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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15 Kommentare

  1. PoC sagt:

    Tja, die Wirtschaft will (und muss) Gewinne machen, nicht die Welt verbessern.
    Wer Weltverbessung will, muss etwas anderes Kritisieren.

  2. drikkes sagt:

    Überrascht von der alles umarmenden Inklusionskraft des Kapitalismus?

  3. accalmie sagt:

    Seit wann wird in den Kommentaren eigentlich so sinnentleert gepöbelt? Die feministische Kritik an Body-Image, Diätenwahn, Fat as Feminist Issue, sexistischer und zynischer Mediendarstellung und kapitalistischer Kyriarchie als kritikunwürdige Nebenwidersprüche abzutun, finde ich jedenfalls ganz schön nervig auf ’nem feministischen Blog.

  4. PoC sagt:

    @accalmie, ist „Kyriarchie“ das new wording for Hierarchie?

  5. accalmie sagt:

    @PoC: das darfst du selbst googlen.

  6. yetzt sagt:

    Spannend finde ich die Werbestrategie von Unilever: Bei Männern als Zielgruppe (Axe) gibt es Kackscheisse bis es raucht , wenn Frauen angesprochen werden sollen, Pseudoemanzipation. Schon allein deshalb ist das keinen Funken ernstnehmbar.

  7. yetzt sagt:

    Achja, Unilever deckt die ganze Palette ab: Von Landraub und Urwaldzerstörung in Indonesien für Lebensmittel über die erwähnten Sexismen bis zu Rassistischer Kackscheiße (http://tr.gy/QGcip) ist alles dabei. m(

  8. Yal sagt:

    Magda, danke für das schöne auseinanderpflücken!

  9. Magda sagt:

    @ PoC, drikkes

    In dem Artikel geht es darum, wie (pseudo)emanzipatorische Botschaften kapitalistisch verwertet werden. Ich bin weder „überrascht“ von der Inklusionskraft des Kapitalismus noch naiv, sondern versuche bestimmte Logiken aufzuzeigen, die vielleicht nicht allen Menschen auf den ersten Blick klar sind. Ich bitte daher von weiteren altklugen Bemerkungen abzusehen. Danke.

  10. Mihl sagt:

    Allein schon der bekloppte Name. Ja, ich darf. Alles essen was ich will nämlich und bestimmt keine Lightprodukte.

  11. Marion sagt:

    Alos diesen Sticker „Fuck the diet“ hätte ich schon gerne:-) Wenn es den zum Produkt gibt, kauf‘ ich mir sogar was von „Du darfst“.

  12. Die Propaganda ist schon so tief in den Köpfen drin, dass die Aufklärung nicht mehr gegen die Parolen ankommt. Die berechtigte Kritik an der offensichtlichen Manipulation durch einen weltweit agierenden Konzern als naive „Weltverbesserung“ zu verorten und das mit Kapitalismus zu begründen, spricht Bände.

    Nicht der Kapitalismus „umarmt“ alles und jeden, sondern die nicht vorhandenen Rahmenbedingungen und die Macht des Stärkeren. Womit wir im übrigen wieder beim Patriarchat und seinen Mechanismen wären, die Unilever beispielhaft für sich instrumentalisiert.

    Deshalb wird Magda wohl in Zukunft dazu sagen müssen, um was es ihr in den Artikeln geht die sie schreibt. Leider.

  13. […] Mädchenmannschaft beleuchtet die neue Werbekampagne der Firma Du darfst kritisch und zeigt auf, wie heuchlerisch sie […]

  14. wasmachtHeli sagt:

    Ich habe den Spot heute im TV gesehen und jetzt kommt der Satz mit dem F-Wort nicht mehr vor.
    Entweder gibt es zwei Versionen, eine für tagsüber und eine für abends, oder Du darfst hat wenigstens auf das Wort verzichtet. Der Spot selbst ist natürlich immer noch absolut lächerlich.

  15. miesje sagt:

    recht haste! mich kotzt diese sch..werbung auch aber sowas von an!