Schaffe, schaffe häusle baue

von Verena
Dieser Text ist Teil 43 von 130 der Serie Die Feministische Bibliothek

Verdammt erschreckende Tatsachen legen Helma Sick und Renate Fritz in ihrem Finanzratgeber auf den Tisch: In den letzten 20 Jahren hat sich bei Frauen in Sachen Altersvorsorge nicht viel verändert. Dabei glauben fast 94 Prozent der Frauen, die staatliche Rente reiche nicht für das Alter und müsse mit privater Vorsorge aufgepolstert werden. Geld zur Seite legen trotzdem nur die Hälfte. Zu wenig Geld, Keine Zeit oder Lust sind genauso gängige Ausreden wie der Satz, der Partner sei für die Altersvorsorge zuständig. Pustekuchen!, wissen die Autorinnen, denn nicht nur aufgrund jeder zweiten geschiedenen Ehe sollten Frauen ihre Geldgeschäfte in die eigene Hand nehmen. Und klar, je früher desto besser.

Helma Sick arbeitet zusammen mit ihrer Kollegin Renate Fritz als selbständige Finanzberaterin und berät außerdem seit Jahren die Brigitte-Leserinnen mit ihrer Finanzkolumne. Von daher ist anzunehmen, dass sich „Schöne Aussichten. Wie Frauen am besten vorsorgen“ leicht und verständlich lesen lässt. Auch für so Zahlen-Legasthenikerinnen wie mich.

Denn mit der Ausrede, mir ist das alles zu kompliziert, bin ich besonders eng befreundet. Also Scheuklappen ab und aufsitzen für den Ritt durch den Vorsorge-Dschungel. Dabei machen es einem die Autorinnen leicht, zuerst für die Notwendigkeit des Themas aufzurütteln, um dann individuelle Spar- und Anlagekonzepte vorzustellen – jeweils mit dem Tipp, was von dem einzelnen Modell zu halten ist oder eben nicht.

Sick und Fritz schreiben unterhaltsam und verständlich, bis auf einige Besserwisserlektionen, wenn sie einem vorrechnen, dass der Coffee To Go das schmale Budget unnötigerweise belaste oder sie männlichen Finanzstrategien einen Seitenhieb verpassen, wenn es heißt „Selbstüberschätzung bei der Geldanlage ist eher eine Domäne der Männer“.

Dass sind aber auch die einzigen Kritikpunkte an einem gut strukturierten Ratgeber, der die Dinge beim Namen nennt und Hintergründe liefert. Sick/Fritz erkennen die Altersarmut nach wie vor als Frauenphänomen und sehen die Ursachen sowohl in politisch-wirtschafltichen Strukturen wie geringerem Gehalt, Teilzeit, mangelnde Kinderbetreuung als auch in der falschen Vorstellung davon, dem Partner als Hausfrau den Rücken frei halten zu wollen.
Das eine sind staatlich zu regulierende Maßnahmen, der Rest liegt in unserer eigenen Verantwortung. „Schöne Aussichten“ beschreibt den Status Quo, entlarvt Ausreden, stellt die richtigen Fragen und gibt praktische Tipps. So ist ein festverzinsliches Wertpapier sicherlich die bessere Anlage fürs Alter als die teure Faltencreme.

Mit konkreten Beispielen und Rechenexempeln schließen die Autorinnen Versorgungslücken und klären genauso über den Aktienmarkt auf, wie über staatliche und private Rücklage-Maßnahmen, welche Versicherungen frau braucht und was es über Risiken und Chancen all dessen zu wissen geben muss: Rürup, Riester, VL, Investmentfonds, Zertifikate – alles wird ausführlich mit Vor- und Nachteilen vorgestellt und die Meinung der Finanzexpertinnen als Fazit empfohlen. Ganz frei von Kopfschwirrern sind die Kapitel natürlich nicht, aber das Gefühl, och nö, ich leg das jetzt lieber mal wieder zur Seite hält immer nur kurz an, weil die Autorinnen übersichtliche und kurze Themenstrecken schaffen.

Da die einzelnen Anlagemodelle in übersichtlichen Kapiteln angeordnet sind, hilft das Buch auch beim schnellen Nachschlagen: Wie war das noch mal mit dem Bonitätsrisiko? Selbst Fragen rund um den grünen Anlagemarkt wie Öko-Aktien und Öko-Rentenfonds werden erörtert.

Dabei folgen Sick/Fritz dem Rat „Kaufen Sie nichts, was Sie nicht verstanden haben“, der seit der letzten Krise jeden Finanztipp begleitet. Transparenz und Eigenverantwortung sind die Schlüssel für den Erfolg der eigenen Altersvorsorge. Dass sie der Anlegerin die Entscheidung nicht abnehmen können, macht das Buch von Anfang an klar. Wer hofft, dass sich seine finanziellen Angelegenheiten mit Lesen regeln lassen, irrt sich natürlich. Aber einmal in die Welt der Zahlenjonglage versunken, verzieht sich – wie meistens bei den Dingen, vor denen wir unnötigen Respekt haben – die Unsicherheit und macht Platz für Wissen und Know-How. Und damit haben die Autorinnen wohl ihr dinglichstes Ziel erreicht: Frauen, die für ihre Finanzen Verantwortung übernehmen.

„Schöne Aussicht – Keine Angst vorm Alter! Wie Frauen finanziell am besten vorsorgen.“ Heyne Verlag; kartoniert – 240 Seiten; 8,95 Euro

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Eintrag geschrieben: Freitag, 2. April 2010 um 9:56 Uhr unter Ökonomie. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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Ein Kommentar

  1. jo sagt:

    klingt gut. danke für die empfehlung.