Samstagabendbeat: W:O:A-Special mit Feminismus im Pott

von Nadia

Es war die Liebe zu Metal, aber letzten Endes der Feminismus der mich in diesem Jahr nach Wacken trieb, but how? Dafür muss ich zurückspulen ins Jahr 2015: Damals lernte ich Lilli von Feminismus im Pott in Bochum auf einer Veranstaltung kennen, bei der wir beide auf dem Podium saßen. Was keine von uns damals wusste: Es war der Beginn einer großen Freundinnen-Liebe und 2017 sollten wir uns aufmachen zu einem unserer lustigsten Road- und Camping-Trips aller Zeiten: Nach WACKEEEEN!

Ready to go! Das Armband musste ich jedoch an Tag 2 beim Sicherheitspersonal vor Betreten des Festival-Geländes abgeben – zu große Waffenähnlichkeit.

Es muss im März oder April diesen Jahres gewesen sein, als Lilli vorschlug zusammen zum W:O:A zu fahren. Sie war letztes Jahr schon dabei, ich kannte die Bilder nur aus dem Fernsehen und Internet und von Horror-Geschichten von Freund_innen vor allem das Wetter betreffend: Schlamm. Gewitter. Regen. Regenwasser überall. Noch mehr Schlamm. Wasser im Zelt. Aber egal, einmal dabei sein. Lilli sagte, mit vernünftigen Gummistiefeln sei alles machbar, sie hätte noch die komplette Ausrüstung vom letzten Jahr, ich sagte „ok“ und wir ergatterten auf Metaltix unter Restbeständen mit einigermaßen viel Glück noch unsere Tickets. Kurz darauf begann unsere nicht ganz so minutiöse Planung des Trips – wobei wir uns größtenteils auf Verpflegungs-, Material- und Spotify-Playlist-Themen konzentrierten, ungefähr in dieser Reihenfolge (und damit auch genau richtig lagen).

Unser Beitrag zu Hair Metal. © Lilli Boheme

Wir planten bereits am Mittwoch, dem Tag vor dem offiziellen W:O:A-Beginn, anzureisen – und zwar relativ früh, um nicht im berühmten Wacken-Stau zu landen und um das Zelt bestenfalls noch bei Tageslicht aufbauen zu können. Die Mission gelang uns – nach ein paar Stunden Fahrt ruckelten wir am späten Mittag durch das berühmte Dorf und waren nur gefühlte Minuten später auf der uns zugeteilten Camping-Parzelle angekommen. Mit vereinten Kräften und auch dank unserer kompetenten Metalhead-Nachbarin Mareike stand kurze Zeit später das Zelt, und wir machten uns auf zum Festival-Gelände, das uns noch relativ schlammfrei empfing – was sich aber ab Donnerstag schlagartig änderte.

There will be mud.

Als reines Girls-Camp bildeten wir allerdings die große Ausnahme auf dem 75.000-Besucher_innen-starken Wacken Open Air – fühlten uns aber immer sicher, Tag und Nacht. Es ist halt doch ein bisschen was dran am Wacken-Mythos. Unerfreuliche Geschichten gab es vereinzelt natürlich dennoch, aber auch legendäre Stories: Wie zum Beispiel die Frau die einen Typen, der sie belästigte, zum Fall für die Sanitäter_innen prügelte. Wer immer Du bist: We salute you! <3

Unser neues Hobby: Coole Frauen fotografieren.

© Lilli Boheme

Ansonsten waren unsere Tage straff durchorganisiert: Pie mal Daumen 20 Konzerte haben wir uns an den W:O:A-Tagen reingezogen, und dafür durchschnittlich 15 bis 20 Kilometer am Tag zurückgelegt – ab dem zweiten Tag dann auch durch den berühmten Schlamm, denn der berüchtigte Sommerregen machte natürlich auch vor Norddeutschland keinen Halt. Magnesium, literweise Wasser und ab und zu eine Ibu gegen den schlimmsten Muskelkater waren Freunde. Was das betrifft braucht man sich halt nichts vormachen: Ein Wacken-Festival-Urlaub ist fast sowas wie ein Wanderurlaub, nur statt auf Wanderschuhe greift man lieber auf Gummistiefel zurück und es gibt feine Musik.

Mittwoch, Tag 1: So much Wacken, so little mud!
© Lilli Boheme

Überhaupt ist man auf dem W:O:A schnell angezogen: Wacken-Shirt, Jogginghose und Gummistiefel sind hier ein prächtiges Fest-Outfit in dem man nicht weiter auffällt. Nie war es leichter overdressed zu sein! Weiterer Vorteil: Durch die Wacken-Kluft wird man weitestgehend von optischen Cultural Approbiation-Belästigungen verschont: Ein paar Wurstehaare vermerkten wir auf unserer Trefferliste, aber das war es dann auch schon.

Grrrls-Love @ W:O:A: Thundermother; © Lilli Boheme

Unser großes Grrrls-Band-Highlight hatten wir dann direkt am Donnerstag: Auf einer der kleineren Stages spielte die All-Girl-Band Thundermother aus Stockholm – und die Show war so gut dass wir direkt die Häfte des Europe-Gigs schwänzten.

Ansonsten war der Anteil an female-besetzten Acts (erwartungsgemäß) eher schmal. Dementsprechend freuten wir uns über alles, unter anderem einen weiteren Höhepunkt des W:O:A: Nita Strauss, die Gitarristin von Alice Cooper.

Und dennoch, wir hatten an allen Tagen unfassbar viel Spaß und haben unfassbar gute Bands gesehen (unter anderem Kryptos, eine ganz ausgezeichnete Thrash-Metal-Band aus Indien oder auch einen erfreulich unmackerigen Gig von Katatonia), und planen im nächsten Jahr wieder zu kommen – dann mit einer ganzen Grrrls-Kolonne. Wir halten Euch frühzeitig auf dem laufenden, falls sich jemand von Euch uns anschließen möchte. Schaut auch bei den Kolleg_innen bei Feminismus im Pott vorbei für weitere und vor allem feministische News. Und bis dahin: Rock on! <3




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Eintrag geschrieben: Samstag, 12. August 2017 um 18:54 Uhr unter Kultur. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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2 Kommentare

  1. belinka sagt:

    Hi!

    freut mich, dass es für euch so ein tolles Erlebnis war. Ich habe 2005 mein erstes Wacken erlebt (und fand es damals großartig!!!) habe mich aber bis zu meinem letzten Besuch 2009 dort immer unwohler gefühlt. Meine Erfahrungen in Richtung Sicherheit waren vor 8 (Oha!) Jahren also eher gegenläufig zu deinen heute. Vielleicht immer noch „harmloser“ als andere Festivals aber nicht genug, dass ich mich dort sicher fühlen würde.

    Die Male die ich blöd angemacht, angegrapscht wurde, sexistische Kommentare von der Bühne hörte („Gebt die schönen Frauen doch nach vorne durch“ …etc.) haben sich von Mal zu Mal gesteigert (vielleicht auch nur meine Awareness dafür). Zudem der Auftritt von rechten Bands für die dann auch noch ordentlich Promo gemacht wurde. (z.B.Freiwild) – Da hilft mir auch ein „Metalheads against Racism“ Banner nichts. Für mich ändert sich die Stimmung auch sehr je nach „Nachbarschaft“ auf dem Festivalgelände und je nach auftretenden Bands (rechte Bands, mehr rechte Besucher).
    Da die Menschenmassen immer größer wurden, wurde es auch immer schwieriger sich vor der Bühne von übergriffigen Personen zu entfernen.

    So langer Rede kurzer Sinn, ich selbst fahre da nicht mehr hin. Auch weil ich mich körperlich nicht mehr in der Lage sehe, mich im Falle eines Falles ausreichend zur Wehr setzen zu können. (Gut für die Frau, die dazu in der Lage war!)
    Weißt du, ob es irgendwelche Teams gibt, die sich mit Problemen wie Sexismus/ Rassismus auseinandersetzen? Irgendwelche Anlaufstellen? In den letzten Jahre wurde ja bestimmt doch einiges verändert. (Habe gehört es gibt jetzt z.B. Seelsorge-Zelte?)

  2. Nadia sagt:

    Hey liebe Belinka, wir hatten wahrscheinlich Glück in diesem Jahr – was Du erlebt hast hört sich echt be***issen an u_U – sehr schade! Es gab in diesem Jahr sehr zentral einen „Metalheads against bullying“-Stand einer skandinavischen Aktivist_innengruppe, die sich auch (zwar nicht hauptgründig) gegen harrassment und Sexismus und Rassismus positionierten. Ansonsten war es wahrscheinlich nur Glück in der richtigen Campingnachbarschaft zu landen. Und: Frei.Wild, üargs. Wir haben dieses Jahr aber auch drei, vier Menschen in Frei.Wild-Shirts gesehen. NICHT SCHÖN.