Einträge der Rubrik ‘Working Girl’


Inge Hannemann freigestellt

22. April 2013 von Nadia

Fast schon war es zu erwarten, heute ist es passiert – Inge Hannemann ließ über ihre Facebook-Präsenz mitteilen, dass sie ab sofort von ihrer Tätigkeit im Jobcenter teamarbeit hamburg freigestellt ist:

“Inge Hannemann, die für Menschenrechte und die Einhaltung des Grundgesetzes eintritt, wurde mit sofortiger Wirkung von der Geschäftsführung der teamarbeit hamburg freigestellt. Ihren Schlüssel musste sie sofort abgeben, ein Jobcenter darf sie nicht mehr betreten.” (weiterlesen …)


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Bahnbrechende Erkenntnisse: Kinderbetreuung hat Einfluss auf Erwerbstätigkeit

18. April 2013 von Charlott

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Ich kann den Namen ja kaum mehr sagen ohne entweder in vollkommen unangebrachtes Gelächter zu verfallen, mit den Augen zu rollen oder verzweifelt die Hände in die Luft zu werfen.

Dieses Ministerium also hat uns diese Woche mal wieder bahnbrechende Erkenntnisse mitgeteilt. In einer Studie, die das ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V. durchgeführt hat, kam unter anderem heraus:

Zentrale Erkenntis: Mütter mit Kindern unter sechs Jahren, die ihre Kinder betreuen lassen, nehmen eher eine Erwerbstätigkeit auf oder dehnen diese aus als Mütter, deren Kinder keine öffentlich geförderte externe Kinderbetreuung in Anspruch nehmen.

Vielleicht erinnert ihr euch an den 8. Familienbericht, der sich hauptsächlich mit dem Thema Zeit – Zeit für Familie, Sorgearbeit und Zeitsouveränität von Arbeitnehmer_innen – auseinandersetzte, welcher in erster Linie durch seine Unentschiedenheit auffiel. Maria schrieb damals sehr passend:

Der Bericht liest sich stellenweise so, als hätte eine Gruppe älterer Herren zähne­knirschend Gleichstellungsziele als halbwegs legitim akzeptiert, sich aber nicht einigen können, was das nun im Einzelnen bedeuten soll.

Aber selbst in diesem Bericht, sahen sich die Sachverständigen ™ gezwungen als Empfehlung ausszusprechen, dass es mehr öffentliche Kinderbetreuung zur Entlastung von Eltern geben sollte. Das war im Jahr 2011. Und schon “damals” eine reichlich später Erkenntnis.

Nun sind wir im Jahr 2013 und dem BMFSFJ wurde wieder bestätigt, was wir irgendwie ja auch alle wissen: Die Möglichkeiten zur Kinderbetreuung erhöhen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Aber, ich bin mir sicher, dass sich das Ministerium und allen voran Kristina Schröder weiterhin nicht von Fakten verunsichern lassen wird. Lieber weiter das Betreuungsgeld fördern. Schließlich geht ja auch den Staat die “private Rollenverteilung in einer Partnerschaft” nichts an.

Heute stimmt übrigens auch der Bundestag zum Thema “Frauenquote” in Aufsichtsräten ab. Der Vorschlag der Opposition sieht vor bis zum Jahr 2018 20% (das ist nicht mal die so genannte “kritische Masse” von 30%) Frauen in diesem Gremium zu haben. Aber auch da wird sich die Regierung sicher nicht weiter irritieren lassen. Weiterlesen zum Thema könnt ihr zum Beispiel hier und hier.


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Equal Pay Day 2013

21. März 2013 von Charlott

Heute ist also auch wieder Equal Pay Day. Jener Tag, der darauf aufmerksam machen soll, wie groß die Einkommenschere in Deutschland zwischen Männern und Frauen ist. Zur Zeit beträgt der Unterschied ganze 22%. Das heißt dann eben, dass Frauen, um das gleiche Einkommen zu erhalten, fast drei Monate auf ein Jahr gerechnet mehr als Männer arbeiten müssen. Eben bis zum 21. März.

Collage an roten Taschen

Symbol des Equal Pay Day: die rote Tasche

Im letzten Jahr haben wir für euch ein ganzes Dossier zum Thema zusammengestellt. Dort findet ihr zum Beispiel Fakten (mit vielen weiterführenden Lesetipps) zum Gender Pay Gap, den Hinweis, dass ungleiches Einkommen nicht ausschließlich eine Frage des Geschlechts ist und einen Artikel, der klar macht, dass der Einkommensunterschied nicht am “Versagen” von Frauen liegt.

Passend zum Equal Pay Day möchte ich euch als Lesestoff aber auch noch einmal unsere Serie zu “Ökonomie_Kritik” ans Herz legen.

Wer_welche heute die rote Tasche packen und auf eine Veranstaltung gehen möchte, findet sicher etwas passendes auf der Seite des Equal Pay Days. Dort gibt es eine interaktive Karte mit über 700 Aktionen deutschlandweit.


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Frauen gegen Quote. Mal wieder.

14. Januar 2013 von Charlott

Zum 20. Geburtstag schenkt sich das Magazin “Focus” einen ganz besonderen Titel: “Wir wollen keine Frauenquote!”. Und da es natürlich nicht so fein ist, wenn Männer das herausposaunen, hat die Redaktion eine Reihe von “starken Frauen” ™ aufgetan, die Stellung beziehen.

Die erzählte Geschichte hören wir ständig. (Und wurde von Feminist_innen schon genau so häufig auseinandergenommen und kritisiert.) Frauen seien “die Gewinner am Arbeitsmarkt”, schließlich ist die Erwerbstätigkeit auf 72% gestiegen. Warum sich das nicht auch in den Führungsetagen widerspiegelt? Frauen studieren eben das Falsche (meint: nicht Arbeitsmarktkonform genug). Und da das Versagen eindeutig bei den Frauen liegt, ist eine Quote auch unnütz. Schließlich wollen die “erfolgreichen Frauen” ™ nicht “vom Leistungsprinzip lassen”. Katharina Wagner gibt sich sicher:

Die Mädels meiner Generation haben eine solche Quote überhaupt nicht nötig.

Ganz vorn mit dabei, also auch auf dem Titel: Kristina Schröder. Dass diese keine Befürworterin einer Quote ist, hat sie schon häufig und gern an prominenter Stelle kundgetan. Da lässt sie auch diese Gelegenheit nicht aus. Egal wie obskur es wirkt, wenn eine Ministerin, die entscheidenen Einfluss hat, neben einem Untertitel prangt, der ankündigt: “Starke Frauen rebellieren gegen Staatsdiktat und Gleichmacherei”. Zu den anderen Frauen stellte Lara Fritzsche bei Twitter fest:

Im Innenteil merkt dann noch Veronica Ferres an, die übrigens Germanistik, Theaterwissenschaft und Psychologie studiert hat:

Die Quote diskriminiert Männer und schadet uns Frauen.

Davon abgesehen, dass ich ja ganz heimlich glaube, dass es eine Veronika-Ferres-Quote in deutschen Fernsehproduktionen gibt, bin ich angenervt von der Debatte. Immer wieder die gleichen “Argumente”, immer wieder Energie die reingesteckt wird um dagegen zu argumentieren. Auch von mir. Dabei bin ich nicht einmal die größte Freundin einer Quote, so wie sie derzeitig diskutiert wird, bleibt doch die Frage, welche Frauen überhaupt unter welchen Bedingungen profitieren und in welchem System, zu sehr am Rande. Viel lieber würde ich mich mit weitergehenden Ideen auseinandersetzen, denn gerade feministische Ökonomiekritik macht sehr viel mehr als Quotendiskussionen.

Doch die Bilder, die re_produziert werden, mit jedem neuen Artikel, mit jedem Titelbild, welches aus all den Zeitungskiosken entgegenstrahlt, sind mächtig. Darum noch einmal ganz klar: Diskriminierung hat immer etwas mit Macht zu tun. Die aktuelle Wirtschaft funktioniert auch jetzt nicht nach dem/ einem Leistungsprinzip – eine Quote könnte das also auch gar nicht ändern. Aber es bleibt auch bezeichnend wie groß der Widerstand ist und wieviel Raum dieser einnimmt gegen Forderungen, die nicht einmal sonderlich radikal sind.


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Was kann feministische Ökonomie leisten?

6. Dezember 2012 von Franca
Dieser Text ist Teil 8 von 9 der Serie Ökonomie_Kritik

Dies ist ein Bericht von der Tagung “Schneewittchen rechnet ab. Feministische Ökonomie für anderes Leben, Arbeiten und Produzieren”. Insgesamt waren sechs Bloggerinnen auf der Tagung und haben von ihren Eindrücken berichtet – alle Berichte findet ihr auf gender-happening.de.

Auf der Podiumsdiskussion im Nachmittagsblock „Alternativen & Utopien“ stellten die Soziologin Dr. Christa Wichterich, die Volkswirtin Dr. Friederike Habermann und die Politologin Christine Rudolf ihre unterschiedlichen Auffassungen von feministischer Ökonomie als Konzept und Strategie zur Diskussion.

Für Christa Wichterich ist feministische Ökonomie ein Ansatz, der das Ganze der Ökonomie in den Blick nimmt. Sowohl die Produktivität der Natur als auch die Sorgearbeit sollen als Produktionsfaktoren anerkannt werden. Da soziales Geschlecht durch Ökonomie produziert und diese wiederum von Geschlechterverhältnissen geprägt ist, sollen Ungleichheitsmomente als Prozess in der Ökonomie erkannt werden. Das Ziel ist, sowohl die einzelnen Atkeur_innen wie auch übergreifende Machtstrukturen im globalen Kontext sichtbar zu machen. Hierbei steht die Logik von Versorgung und sozialer Reproduktion im Vordergrund, anhand derer Kritik an der kapitalistischen Verwertungslogik geübt wird. Wichterich betont, dass die feministische Ökonomie kein abstraktes Analyseinstrument ist. Sie sei eine Strategie, mit der Konflikte in als nicht system-relevant gewerteten Bereichen aufgefangen und mit der Möglichkeiten zur Veränderung der Mainstream-Ökonomie aufgezeigt werden können. Als Beispiel hierfür nennt sie die Unterstützung und Sichtbarmachung der Arbeitskämpfe von Hebammen und Kita-Angestellten. Als wissenschaftliches Konzept sei feministische Ökonomie in so fern wichtig, als sie der neo-klassischen Ökonomie, also dem hegemonialen Konzept an Universitäten, eine wissenschaftliche Alternative entgegensetzt.

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Sex-arbeitende Mütter

5. Dezember 2012 von Lisa

Der folgende Text erschien letzten Sonntag bei fuckermothers.

Die feministischen Sex-Kriege waren lang und blutig. Naja, wirklich blutig waren sie nicht, aber ich fand den Eingangssatz so schön dramatisch. Lang, das waren sie jedenfalls. Sie begannen Ende der 1970er Jahre, endeten offiziell  in den neunzigern, einzelne Scharmützel gibt es aber heute noch. Eine verkürzte Darstellung der Fronten: Auf der einen Seite standen diejenigen, die gegen Pornographie und Prostitution waren, weil diese per se ein Ausdruck patriarchaler Unterdrückungsverhältnisse und männlicher Sexualität darstellen sollten. Zu ihnen gehörte unter anderem Catherine MacKinnon und auch Alice Schwarzer mit ihrer PorNo-Kampagne.

Auf der anderen Seite standen die sex-positiven Feministinnen, zu denen unter anderem Gayle Rubin gehörte. Sie betonten Individualismus, Handlungsfähigkeit und Selbstbestimmtheit von Frauen. Während erstere Prostituierte in erster Linie als beklagenswerte Opfer sahen, waren sie in den Augen der zweite Gruppen (meist) aktiv entscheidende und handelnde.

Ich finde das wichtig, um die Debatte um sex-arbeitende Mütter einordnen zu können. Denn Eva Schless richtet sich in ihrem Artikel ‘Sex worker & mother‘ gegen die erste Position. Ausgangspunkt des Textes war ein Bemerkung, dass Sex-Arbeit Ausbeutung sei und nie wirklich selbstbestimmt sein könne, da eine sex-arbeitende Mutter schließlich niemals ihrer Tochter zu diesem Job raten würde. Schless erklärt, sie wolle ihre Tochter ermutigen den Beruf zu ergreifen, den sie sich wünsche.

Ihre Ansicht: “ I cannot stand the uninformed and ignorant rant that sex work is not empowering or a real ‘choice’. I am going to put it in a very simple way: I love sex. I f*cking LOVE it. I have loved it before I even knew what it was or that there was such a thing as the patriarchy. All I knew was that something down there felt really good. As I grew up and learned more about it – I loved it even more. And as I started to do it… I realised I was really, really good at it. So, something I really enjoy, am good at and can be paid to do is somehow NOT my choice?”

Eine ähnliche Meinung  vertritt ‘ThisIsYourDaughter’: “Es gibt Menschen, die wollen Sexarbeiter sein. Und es gibt Menschen, die diese Dienstleistung in Anspruch nehmen. Und wenn diese Menschen miteinander Verträge schliessen, wenn Dienstleistungen gegen eine angemessene Vergütung zu fairen Konditionen erbracht und bezahlt werden, wenn das zwischen zwei erwachsenen Menschen bewusst und klar umrissen geschieht, dann ist für mich nichts Schlimmes daran. Im Gegenteil. Das ist anständige Arbeit gegen anständiges Geld, und damit ist es in meinen Augen eine gute Sache.Das ist anständiger, als Leiharbeiter für sechs, sieben Euro auszubeuten. Das ist anständiger, als Frauen, weil sie Kinder haben immer nur von einem befristeten Arbeitsverhältnis ins nächste zu hetzen.”

‘Mutterseelenalleinerziehend’ sieht das mit der Wahl dennoch k0mplizierter und betont gesellschaftliche Strukturen: “Die heterosexuelle Prostitution ist in der Regel weiblich und sie bedeutet, dass das Geld eines Anderen über den Körper einer anderen verfügen darf. (…) Ich respektiere diese Frauen als Menschen. Ich will sie weder stigmatisieren, noch für verkehrt erklären. Aber ich bin eine Visionärin und möchte klarstellen, dass es in einer Welt mit größerer Statusgleichheit und weniger Geldsorgen vermutlich gar keine Prostitution geben würde. Das ist in meinen Augen die einzig wichtige Frage: Würdest Du diesen Beruf auch machen, wenn ich Dir jeden Monat 8000 Euro überweise?”

Ich frage mich, ob man bei der Diskussion um ‘Sex-Arbeit’ weniger auf den ‘Sex’ und mehr auf die ‘Arbeit’ und deren Bedingungen schauen sollte. Wenn die Arbeitsbedingungen allein von Kapitalismus und Ausbeutung geprägt sind, ist die Arbeit wohl kaum selbstbestimmt und empowering. In anderen Kontexten jedoch ist sicherlich eine freie und befriedigende Arbeit möglich. Ich schliesse also mit einer Banalität: Sex-Arbeit ist nicht gleich Sex-Arbeit und sollte, wie alles, differenziert betrachtet werden.


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“Das ist für mich schon das Gegenteil kapitalistischer Ideen”

3. Dezember 2012 von Nadine
Dieser Text ist Teil 7 von 9 der Serie Ökonomie_Kritik

Dies ist ein Interview mit Julia Lemmle zur der Tagung “Schneewittchen rechnet ab. Feministische Ökonomie für anderes Leben, Arbeiten und Produzieren”. Insgesamt waren sechs Bloggerinnen auf der Tagung und haben von ihren Eindrücken berichtet – alle Berichte findet ihr auf gender-happening.de.

Julia, du hast “Schneewittchen rechnet ab…” mitorganisiert und warst für das künstlerische Programm verantwortlich. Warum Performancekunst auf einer Tagung zu feministischer Ökonomiekritik?

Weil jede Reflexion und Kritik ganzheitlich stattfinden muss. Etwas kognitiv und abstrakt zu verstehen, ist nur eine Seite, auf die mir viel zu oft viel zu viel Gewicht gelegt wird. Die meisten Menschen wissen darüber Bescheid, dass die Länder des Nordens auf Kosten der Länder des Südens leben, endliche Ressourcen verschwenden usw. Das heißt nicht, dass das zu einer Veränderung der eigenen Prioritäten führt. Das hat damit zu tun, dass mein Leben und die Entscheidungen die ich treffe, nicht nach rein „logischen“ Prinzipien erfolgen. Jede Person hat eine andere Normalität erfahren, hat andere emotionale Zugänge und Reaktionen auf die gleichen Themen. Anzunehmen, dass Themen, die die Lebenswirklichkeit von allen betreffen, rein durch akademische Diskurse abgehandelt oder angemessen behandelt werden könnten, halte ich für einen Trugschluss. Außerdem führt ein solches Vorgehen zu Ausschlüssen. Fremdwörter, der universitäre Habitus und die Annahme, dass ein bestimmtes angelesene Wissen das relevante Wissen darstellt, schließen eine große Gruppe von Interessierten von vornherein aus.

Ich möchte außerdem verschiedene Felder, die sich leider zu wenig im Austausch befinden, zusammenzubringen. Bei den Feldern Kunst und Politik erlebe ich häufig eine wechselseitige grundsätzliche Ablehnung und Unterschätzung. In der Theaterlandschaft zeigt allein schon das Label “politisches Theater” das offenbar Theater normalerweise nicht als politisch gesehen wird. Diese Grundannahme ist mir völlig unverständlich, weil sie Theater als freien Raum, der über den Dingen schwebt und lediglich “berichtet”, verkauft. So eine Sichtweise führt dann auch zu einer expliziten Entpolitisierung der eigenen künstlerischen Tätigkeit. Das konnten wir ganz gut bei der Blackface-Debatte beobachten, wenn weiße Theatermacher (in der Hauptsache waren es Männer, darum lasse ich das so stehen) die Kunstfreiheit als Argument gebrauchen, um nicht über die Reproduktion rassistischer Bilder nachdenken zu müssen.

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Ökonomie: (De)Koloniales Setting und feministisches Selbstverständnis

30. November 2012 von Franca
Dieser Text ist Teil 6 von 9 der Serie Ökonomie_Kritik

Dies ist ein Bericht von der Tagung “Schneewittchen rechnet ab. Feministische Ökonomie für anderes Leben, Arbeiten und Produzieren”. Insgesamt waren sechs Bloggerinnen auf der Tagung und haben von ihren Eindrücken berichtet – alle Berichte findet ihr auf gender-happening.de.

Der dritte und letzte Teil der Tagung „Schneewittchen rechnet ab“ hatte den Themenschwerpunkt „Vernetzen / Verarbeiten / Alternativen entstehen lassen“. Die Form des Open Space wurde gewählt, um im Anschluss an die Ausführungen der Expert_innen Raum für die Ideen und Kompetenzen der Teilnehmenden zu schaffen. Auch eventuelles Unbehagen sollte hier einen Platz finden. An diesem Punkt konnten eigene Themenvorschläge gemacht werden, um dann mit der Hilfe anderer Interessierter die Umsetzung der eigenen Projektideen zu planen.

Die Moderatorin stellte Open Space als eine Methode vor, die auf dem Konsensprinzip beruht. Durch die Struktur eines Hierarchie-freien Raums sollen die Mechanismen des patriarchalen Kapitalismus ausgehebelt werden, die Art der Teilnahme war den Einzelnen freigestellt. Sie konnten sich aussuchen, ob sie nach dem „Schmetterlingsprinzip“ nur kurz bei einem Projekt reinschauen, weiterziehen und dann nochmal wiederkommen oder nach dem „Hummelprinzip“ mit dem Inhalt des einen zum nächsten gehen wollten, um so eine inhaltliche Verbindung zwischen den Projekten zu schaffen. Als Strukturierungshilfe wurde festgelegt, dass auf einen Input eine kurze Vorstellung, das Notieren der Projektidee und die Verwaltung der jeweiligen Projektplanung folgen sollten. Im Anschluss an den Open Space fand ein Rundgang statt, an dem die ausgearbeiteten Projektideen den anderen vorgestellt wurden.

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Wachstumskritik und Alternativen in der Feministischen Ökonomie

27. November 2012 von Nadine
Dieser Text ist Teil 5 von 9 der Serie Ökonomie_Kritik

Dies ist ein Bericht von der Tagung “Schneewittchen rechnet ab. Feministische Ökonomie für anderes Leben, Arbeiten und Produzieren”. Insgesamt waren sechs Bloggerinnen auf der Tagung und haben von ihren Eindrücken berichtet – alle Berichte findet ihr auf gender-happening.de.

Wachstum gilt innerhalb der Mainstream-Ökonomie und in der heutigen westlich geprägten Wirtschaftspolitik als erstrebenswertes Ziel. Gerechtfertigt wird die Orientierung an Wachstum innerhalb einer nationalstaatlich und kapitalistisch organisierten Gesellschaft mit allerlei Gründen: Wachstum führe zu einer höheren Bedürfnisbefriedigung und zu einem erhöhten Steueraufkommen, was wiederum dem Wohlfahrtsstaat diene und deshalb Frieden und Demokratie schütze. Arbeitsplätze würden durch Wachstum gesichert, Maßnahmen zum Schutze der Umwelt können ermöglicht und bezahlt werden, Umverteilung von Reichtum geschehe in einer Wachstumsgesellschaft von oben nach unten. Wachstum gelte als zutiefst „menschlich“, weil der Mensch an sich angeblich stets nach mehr und Höherem strebe.

Auf der Tagung „Schneewittchen rechnet ab. Feministische Ökonomie für anderes Leben, Arbeiten und Produzieren“ wurde den gängigen Begründungen, warum Wachstum erstrebenswert sei, etwas entgegengesetzt. In einem Panel zu „Wachstumskritik in der Feministischen Ökonomie“ kritisierten Dr. Tanja von Egan-Krieger und Dr. Barbara Muraca Wachstum dahingehend, dass die wirtschaftspolitische Orientierung an Wachstum eigene Produktionsgrundlagen gefährde und nicht berücksichtigt werde, dass Ressourcen und Produktionsmittel weder aus dem Nichts entstehen noch einer Gesellschaft unbegrenzt zur Verfügung stehen. In der Mainstream-Ökonomik seit Adam Smith sei Warenwohlstand zentrales Thema, deshalb müssten ständig Waren produziert werden, um Wohlstand zu sichern. Deshalb gelte lediglich Erwerbsarbeit als produktiv. „Soziale und ökologische Produktivität werden somit aus der ökonomischen Mainstream-Theorie herausgetrennt oder bestenfalls in den sogenannten reproduktiven Bereich verbannt“, führt von Egan-Krieger aus.

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Wie sieht “das gute Leben” aus?

20. November 2012 von Magda
Dieser Text ist Teil 4 von 9 der Serie Ökonomie_Kritik

Dies ist ein Bericht von der Tagung “Schneewittchen rechnet ab. Feministische Ökonomie für anderes Leben, Arbeiten und Produzieren”. Insgesamt waren sechs Bloggerinnen auf der Tagung und haben von ihren Eindrücken berichtet – alle Berichte findet ihr auf gender-happening.de.

Seit Wochen freue ich mich auf den Workshop zur Vier-in-Einem Perspektive der linken Soziologin und Philosophin Frigga Haug, die ihre Ideen, wie ein ‚gutes Leben’ aussehen könnten, konsequent mit Geschlechter­gerechtig­keit zusammen­denkt. Gestärkt vom Mittag und dem nächsten Kaffee begebe ich mich in den kleinen Seminar­raum, in dem am Vormittag auch der Workshop von Deborah Ruggieri zu „Zukunftsmusik. Warum Ökonomie die Gender­perspektive braucht“ statt­fand. Da Haug leider krank geworden war, übernahm Anna Conrads, Politikwissenschaftlerin und Politikerin der LINKE, die Leitung des Workshops. Ich war sehr dank­bar über die ruhige und sehr angenehme Vortrags­art von Conrads, denn zu diesem Zeitpunkt sausten in meinem Kopf schon tausend Ideen und Fragen, obwohl erst knapp die Hälfte der Tagung um war.

Leben für die (Lohn-)Arbeit…?

Conrads begann ihre Ausführungen mit einer zentralen Frage: Welchen Stand­punkt nehmen wir bei unserer Vorstellung eines guten Lebens ein? Zur Zeit sei die Ver­einbarkeit von Familie und Beruf (einhergehend mit der stetigen Perfektionierung des eigenen Zeit­managements) und der Wunsch nach Voll­beschäftigung diskurs­bestimmend. Überall wird geklagt, dass es nicht genügend Arbeits­plätze für alle gäbe, dabei sei dies doch ein Zeichen für wirtschaftlichen Reichtum, so Conrads. Wenn die Produktivität dank des technischen Fortschritts hoch ist, könnten Menschen ja rein theoretisch auch weniger (erwerbs-)arbeiten. Dennoch wird dieser Umstand nicht als: ‘Yeah, mehr Freizeit!’ gedeutet, sondern als ‘Mangel an Arbeit’ definiert. Diese Perspektive bleibt aller­dings inner­halb der jetzigen profit- und wettbewerbs­orientierten Strukturen, die Erwerbs­arbeit zum Zentrum allen Interesses macht.

Weniger (Lohn-)Arbeit für das Leben: Die Vier-in-Einem Perspektive

Die Vier-in-Einem Perspektive will aus diesen Logiken ausbrechen und einen neuen Arbeits­begriff etablieren. Haugs Perspektive nimmt im wahrsten Sinne des Wortes das Leben als Grundlage. Die 16 Stunden, die wir nicht schlafend verbringen, werden möglichst gleich­berechtigt in vier Teil­bereiche auf­geteilt:

  • Erwerbsarbeit
  • Arbeit von Menschen an Menschen, Tieren oder Natur
  • Politarbeit
  • Betätigung aller Sinne (Kunst, Musik, Muße, Sprachen…)

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