Einträge der Rubrik ‘Wissenschaftlicher Quatsch’


Kritik an Zwangsehen-Studie des Familienministeriums

28. November 2011 von Nadia

Anfang November veröffentlichte das Familienministerium die Ergebnisse einer Studie zum Thema “Zwangsheirat in Deutschland”: Es gäbe “bislang nur wenige wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse in Deutschland” zum Thema, weswegen das Ministerium die Studie in Auftrag gegeben habe. Bereits kurz nach Veröffentlichung der Studienergebnisse wurden vehement erste kritische Stimmen laut – unter anderem meldete sich Sakine Subaşı-Piltz zu Wort: Sie wies darauf hin, dass bereits 2007 eine von ihr und Yasemin Karakaşoğlu durchgeführte Studie („Ausmaß und Ursachen von Zwangsverheiratungen in europäischer Perspektive“) das Feld beleuchtete und u.a. zu dem Ergebnis kam, dass Religion keine spezifische Rolle bei Zwangsverheiratungen spiele. Zudem fasst sie zusammen:

“Während einige Leute sich über die „harten Fakten“ in diesem Zusammenhang freuen, finde ich die Situation eher besorgniserregend, dachten wir doch in unseren Communities, dass dieses Phänomen heute nahezu ausgestorben ist. Selbst arrangierte Ehen sind heute eher rar. Doch heute scheinen uns Zwangsverheiratungen wieder einzuholen. Die Debatte über Zwangsverheiratungen dreht sich seit Jahren im Kreis, in dem auch heute noch der Fokus auf die (islamische) Religion gelegt wird. Zu unterschiedlich sind die Religionen (beispielsweise Hinduismus – Christentum), denen die Menschen angehören, die wiederum andere Menschen zwangsverheiraten oder zwangsverheiratet werden. Gläubigkeit stellt sich in diesem Zusammenhang als ein viel zu allgemeiner Wert dar.”

Auch der Blog Aktionsbündnis muslimischer Frauen e.V. wies u.a. und sehr ausführlich auf methodologische Mängel und inhaltliche Problematiken der Studie hin: Zudem wird auf potentielle Interessenlagen des Familienministeriums in Bezug auf die Studie verwiesen.

Nun haben die Wissenschaftler_innen der Zwangsheiratstudie eine Stellungnahme verfasst, in der sie sich von den Präsentationstechniken der Familienministerin distanzieren und zudem darauf hinweisen, dass bereits während der Arbeit an der Studie kontrovers diskutiert wurde, da Missverständnisse erwartet wurden. Migazin hat den genauen Wortlaut der Stellungnahme veröffentlicht; u.a. tun die Wissenschaftler_innen ihre Verwunderung über den Umgang mit Ergebnissen kund: (weiterlesen …)


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Facepalming am Morgen – Ich hab die Glamour gelesen

25. Oktober 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 39 von 48 der Serie Meine Meinung

Liebe Glamour,

ich weiß nicht, warum man mir den folgenden Link geschickt hat: „Die Top Ten Liebestöter“ – Anweisungen für Singlefrauen. Damit ich mich aufrege? Denn soviel heterosexistische Kackscheiße hat man lange nicht gesehen. Ob die Verdrehung wissenschaftlicher Erkenntnisse nun aus Ahnungslosigkeit oder als bewußte Instrumentalisierung geschehen ist, ich weiß es nicht.

Schon nach dem ersten Tip Eurer Klickstrecke kann jede vernünftige Singlefrau nur wegklicken. Liebestöter Karriereambitionen? Ernsthaft? Weil Männer „nur zu 5 Prozent Wert auf Bildung und Einkommen der Partnerin“ legen? Aus „sie muss nicht reich sein“ macht ihr also ein „sie darf nicht erfolgreich werden wollen“. Dass ein Viertel der Männer eine Frau mit ähnlichem Energielevel (unspezifiziert) sucht, aber Frauen keine Couch-Potatoes sein dürfen, übersehe ich dank des Katzenbildes erst mal großzügig.

Weitergeklickt, nächster Tip: Aus „Konflikte einfach lösen“ wird „wenn Frauen Konfliktherde sind“. Hier habt ihr nicht mal mehr Probleme mit Korrelation und Kausalität, ihr habt einfach gar nichts verstanden. Und zieht das alte Klischee der anstrengenden Alten, die ihrem Macker täglich das Leben schwer macht, aus dem Hut. Unhinterfragte Stereotypen, gepaart mit etwas Frauenhass? You haz it! (weiterlesen …)


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Prenzelberg-Frauenhass, pseudo-wissenschaftlicher Quatsch und antisexistische Bierdeckel – Die Blogschau

17. Oktober 2011 von Nadia
Dieser Text ist Teil 129 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Nervt es Euch, das Rumgehacke auf den “Macchiatto-Müttern” und Prenzelberg-Frauen, zu finden unter anderem mal wieder im letzten taz-Text von Anja Meier (“Die Weiber denken, sie wären besser”)? Dann werdet Ihr Euch sehr über den Text der fuckermothers freuen, denn da ist mensch auch ziemlich angenervt von dem Gebashe. 

Ebenso auf VAGUE, wo zum Prenzelberg-Frauenhass festgehalten wird: “Menschen, die hier wohnen, gelten bei erstaunlich vielen anderen Menschen, die nicht hier wohnen, als so große Arschlöcher, dass die immer wieder darüber schreiben.”

Frauen in Filmen, Serien, Videospielen und Comics sind nicht selten “Manisch, feenhaft, dämonisch, allein unter Männern und aufgrund myteriöser Umstände schwanger” - und manchmal wird dann noch ein feministischer Komplott in die Handlung geflochten.

Wie mit dem Termini “Scheidungsdrama” und “Beziehungsstreit” Gewalt gegen Frauen verzerrt dargestellt wird, hat die Denkwerkstatt unter die Lupe genommen.

Feminismus für den gesamtdeutschsprachigen Raum oder doch ein bisschen spezifischer? Geschlechterchaos kündigt an, in Zukunft ein bisschen mehr den Blick auf Österreich zu richten und startet zudem einen Aufruf: “Wenn du aus Österreich bist, in Österreich lebst, über Österreich bloggst – insbesondere queer/feministisch/frauen- und/oder geschlechterpolitisch – dann melde dich!”

Antje Schrupp machte letzte Woche darauf aufmerksam, dass bei Wikipedia aktuell darüber diskutiert wird, den Artikel zum Stichwort “Matriarchatsforschung” zu löschen - und plädiert dafür, sich in die Diskussion einzumischen.

Hier gibt es ein sehenswertes Interview mit dem Macher/der Macherin von Trouble-X Comix.

“Black!… and not only beautiful!” ist ein neues Blog, das zukünftig afrodeutsche, schwarze Menschen und “schwarze” Kulturen* porträtieren und zudem Darstellungen von People of Color in Medien und Gesellschaft kritisch hinterfragen wird.

Über die Debatten um Evolutionsbiologie und “Pick Up” (“Pseudowissenschaft, die darauf abzielt, möglichst viele Geschlechtspartner zu bekommen”) hat Maren von Paper Cuts ein paar klare Worte geschrieben, und zwar hier.

Auch die Kaltmamsel fragt: Wann also wurde mir eigentlich klar, dass ich hetero bin?

Und last not least: Mal wieder die wunderbaren antisexistischen Bierdeckel.


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Der lange Arm der Pseudowissenschaft

4. Oktober 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 26 von 29 der Serie Neues vom Quotenmann

Immer wieder werden “den Unterschieden zwischen Mann und Frau“ lange Artikel in den Mainstream-Medien gewidmet. Auf Spiegel-Online gibt es sogar eine spezielle Themenseite, die den mehr oder weniger expliziten Anspruch hat, die wichtigsten Ergebnisse der Wissenschaft zu diesem beliebten Themenkomplex zu popularisieren. Doch sofort kommt der erste Schock durch das total stereotypische „Aufmacher-Bild“: Er und Sie, den aktuellen Schönheitsidealen perfekt entsprechende, weiße, junge, moderne Adam und Eva vor grünem Waldhintergrund, also vermutlich in Rousseaus Naturzustand.

Der erste Eindruck täuscht leider nicht: Bei den meisten Texten der Rubrik – und Spiegel-Online ist nur das bekannteste Beispiel – handelt es sich um leichte Lektüren, die sich bei Kaffee- und Cocktail-Party-Gesprächen schnell reproduzieren lassen und gut unter dem Motto „Die LeserInnen bloß nicht überfordern!“ stehen könnten. Einer der letzten Beiträge auf der Themenseite verspricht zum Beispiel eine Lösung für das Problem, warum Frauen besser über Kummer reden können. Doch schon der Lead-Absatz dämpft die Erwartungen: „US-Psychologen haben jetzt eine Erklärung gefunden. Aber ist die wirklich logisch?”.

Nach einer kritischen Lektüre des Artikels muss nicht nur festgestellt werden, dass die Antwort auf die ursprüngliche Frage völlig ausbleibt, und der Titel sich als billiger Trick entpuppt. Darüber hinaus wird klar, dass selbst die zu popularisierende „Wissenschaft“ oberflächlich und letztendlich nichtssagend ist. Jungs und Mädchen wurden gefragt, warum sie über persönliche Probleme reden, oder warum sie dies eben vermeiden; mehr Jungs als Mädchen geben an, dass sie solche Gespräche „sinnlos“ finden und dass sie sich dabei „weird“ fühlen; die „Wissenschaftler“ nehmen dies ernst und für bare Münze; es finden keine weiteren Tests und kein Interpretieren von Ergebnissen statt.

Ohne Wenn und Aber haben solche Texte – im Spiegel und in zahlreichen anderen Magazinen – einen ziemlich großen Einfluss auf die Mainstream-LeserInnen. Und mehrere Fragen liegen nahe: Wieso merkt niemand, dass hier der Unterschied zwischen dem vermeintlichen Anspruch und dem konkreten Inhalt lächerlich hoch ist? Warum fällt niemandem auf, dass eine solche „Studie“ wenig Ernstzunehmendes, geschweige denn Wissenschaftliches zu bieten hat? Dazu nur eine erste Konklusion: Aufklärung darüber, wie gute, kritische Sozialwissenschaft auszusehen hat, gehört als Priorität auf die feministische Agenda. Denn die Emanzipation von Pseudopsychologie ist ein wichtiger Teil der allgemeinen Emanzipation.


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Let’s Work It

29. August 2011 von Verena
Dieser Text ist Teil 19 von 20 der Serie Sex am Morgen

Dieser Morgen-Sex ist ein richtig hartes Stück Arbeit. Die Vulva-Spots verlinken dieses Mal nicht nur fluffig-leichtes Zeug für nen Quickie, sondern auch lange und interessante Texte, die mehr euren Kopf als euren Körper beschäftigen dürften. Das gilt auch fürs Kopfrechnen, denn es gibt gute Methoden, im Internet die Kohle zu kriegen, um mit den eigenen Projekten dem sexuellen Mainstream etwas entgegen zu setzen.

Eine neue US-Studie will heraus gefunden haben, dass Promiskuität bei jungen Frauen einen messbar negativen Einfluss auf ihr Bildungsniveau habe. Haha, da kann man echt nur drüber lachen. Das Magazin “Materialien und Informationen zur Zeit” (MIZ) tut genau dies und enttarnt in einem äußerst lesenswerten Artikel die christliche Keuschheitsbewegung, die hinter solchen Erkenntnissen steckt.

Rachel Rabbit White bloggt über “(A)sexual”, die Dokumentation über den New Yorker Asexuellen-Aktivisten David Jay.  Toll, dass ausgerechnet eine Sex-Bloggerin schreibt, das keinen Sex zu haben auch völlig in Ordnung sei – auch wenn es Gegenstimmen gibt, die sagen, wer keinen Sex habe bzw. sich nicht sexuell fühle, unterdrücke etwas. Da sind wohl noch einige Fragen offen – weiß auch White und stellt diese einfach mal in die UserInnen-Runde.

In den USA fand vergangenen Sonntag erneut der Oben-ohne-Tag statt, der die Gleichberechtigung weiblicher Oberkörperfreiheit fordert. Focus.de zeigt einen Video-Beitrag, der – ähnlich wie bei den Slutwalks – das geil-auf-nackte-Haut-Interesse dokumentiert. Lieber mal bei gotopless.org umschauen und, wie es aussähe, wenn Männer ihre Oberkörper mit Bikinis verdecken müssten.

Moskau hat sein erstes Sex-Museum jubelt sueddeutsche.de. Da steht zwar ein Riesen-Phallus am Eingang, aber die Vulva lässt sich nur an den Darstellungen von Stripper-Puppen und anderen ‘sexy’ Exponaten erahnen. Überhaupt, Russland pflegt die übliche Doppelmoral, traditionelle Werte hochzuhalten und gleichzeitig Bikini-Mädchen und Miss-Wahlen für öffentliche Veranstaltungen zu nutzen.

An ein Projekt glauben, aber kein Geld für die Realisierung haben? Crowdfunding, also Geld übers Internet sammeln, könnte die Lösung sein. In nur zwei Tagen konnten Designer so einen neuartigen Vibrator finanzieren lassen, auch der ‘PorNeofilm’ “Hotel Desire” mit Schauspielern wie Clemens Schick und Anna Maria Mühe konnte so realisiert werden.


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Es gibt sie wirklich, die bisexuellen Männer

24. August 2011 von Helga

Ein weißer Mann mit blondierten Haaren und einer blauen Gitarre

Bildet sich seine Bisexualität nicht nur ein: Billie Joe Armstrong (Bild von Walkingonadream / Wikimedia Commons)

Man glaubt es kaum, aber die Existenz bisexueller Männer war in Forscher­_innen­kreisen bisher umstritten. So ergab eine Studie 2005, dass sie eigentlich verkappte Homo­sexuelle sein. Damals waren allerdings Probanden über Anzeigen in schwulen und „alternativen“ Publikationen rekrutiert worden und dann anhand eines Standard­fragebogens (sagt schon einiges) in die Kategorien hetero-, bi- und homosexuell eingeteilt worden.

Nun, so die New York Times, wurden für eine neue Untersuchung tatsächlich selbst identifizierte bisexuelle Männer ausgesucht. Und, tada, hier zeigte sich Erregung bei Schwulen- und Lesbenpornos. Diese gaben die Männer nicht nur an, sie wurde auch noch über die Messung der genitalen Erregung bestätigt. Eine andere Studie, die sich mit der Erregung beim Ansehen von heterosexuellen Pornos beschäftigte, unterstreicht demnach das Ergebnis. Dabei seien bisexuelle Männer stärker erregt gewesen als die Hetero- und Homosexuellen.

[An dieser Stelle denkt Euch bitte einen Rant darüber, dass Selbst­beschreibungen in der Wissenschaft bis heute viel zu oft ignoriert und abgetan werden, solange sie nicht in vorhandene Modelle passen. Dass diese Modelle aber unsere Gesellschaft prägen und den Betroffenen dann das Leben verflixt schwer machen können, weil sie auf einmal zum „anderen“, zum „nicht-passenden“ werden. Dass Wissenschaftler_innen noch viel kritischer sein müssten, wenn es um ihre eigenen Vorannahmen, Studiendesigns und Auswertung geht. Und dass es irgendwie verdammt schwierig ist, sexuelles Begehren in hübsche, passgenaue Kästchen zu zwingen und dann ein Label draufzupappen.]


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Muschis mit Köpfchen

5. August 2011 von Verena
Dieser Text ist Teil 18 von 20 der Serie Sex am Morgen

Manchmal weiß man gar nicht, ob man sich lieber ins Gesicht oder zwischen die Beine schauen will, um den aktuellen Stand der Dinge zu klären. Klar, das größte Sexualorgan liegt zwar zwischen den Ohren, aber nicht alle sexuellen Erkenntnisse oder Studien beweisen besonders viel Köpfchen. Diese Woche in den Vulva-Spots einige Kopfschüttler und doch, auch ein paar gute Dinge.

Nur noch selbstbewusst ins Bett: Gute Neuigkeiten für heterosexuelle Paare offenbart eine aktuelle US-Studie, die Jezebel vorstellt. Demnach sind Männer durchaus stark daran interessiert, dass ihre Partnerin auf ihre erotischen Kosten kommt. Für alle gilt, je selbstbewusster, unabhängiger und empathischer man sich auf einander stürzt, desto mehr profitiert die sexuelle Zufriedenheit.

Die Vagina, keine Frage, ist großartig. Das sieht auch die Business-Man-Katze im folgenden Video und plädiert dafür, alles, was sonst als großartig, übermenschlich, wunderbar gilt, schlicht als ‘vaginal’ zu bezeichnen.

Ganz so geil, wie man denken könnte, ist dieses Setting nicht. Wie Bust ganz richtig anmerkt, uns von einer auf männlichen V.I.P. getrimmter Katze dozentenhaft über die Großartigkeit unserer Geschlechtsteile aufklären zu lassen, brauchen wir nicht. Noch zweifelhafter: Hinter dem Spot steht ein Unternehmen, das weibliche Hygienartikel produziert. Total geschmacklos das Ganze. Aber das wollen solche Firmen mit unseren Vaginas ja wohl erreichen: geruchs- und geschmacksfrei. Na danke!

Auch nicht besser ist, was jezebel nun in einem Beitrag des Journal of Sexual Medicine las: Anhand der Ausgeprägheit der Erhebung in der Mitte der weiblichen Oberlippe ließe sich das individuelle Orgasmuspotential erkennen. Bevor ihr jetzt nen Spiegel holt… schon bei Deep Throat war man irrigerweise der Meinung, die Klitoris liege im Rachen.

Heise.de stellt in einem Interview mit Stefan Volk dessen Buch “Skandalfilme” vor, das sich mit den ‘cineastischen Aufregern gestern und heute’ beschäftigt. Für Wirbel sorgten dabei weniger Nacktheit und Geschlechtsteile in Action als Geschlechterbilder:

Letztlich aber ging es meistens gar nicht so sehr darum, wie viel Haut gezeigt wurde, sondern vielmehr um das geschlechtliche Rollenbild, das die Filme vermittelten. Wenn man so mag also weniger um “Sex” als um “Gender”. Frauen stießen da viel schneller an Grenzen als Männer.

Mit gängigen Pornomythen räumt Cyndi Gallop auf. Ihr Internet-Projekt makelovenotporn stellt jeweils ein Porno-Klisschee auf den realitätstauglichen Prüfstand. So wird erklärt, dass weder alle Frauen von Natur aus rasiert sind, noch dass ins Gesicht spermen das Highlight jeder Penetration ist, oder dass Frauen immer und dauernd kommen, obwohl nichts von dem, was passiert, in der Nähe der Kitoris stattfindet. Eine super Seite, lustig und ohne moralisches Gedöns. Was Gallop zu ihrem Projekt so zu sagen hat, findet ihr auch beim SZ-Magazin verlinkt.


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Schön Blöd

22. Juli 2011 von Verena
Dieser Text ist Teil 54 von 60 der Serie Die Feministische Bibliothek

Als Natasha Walter Ende der 90er ihr Buch „The New Feminism“ veröffentlichte, war sie optimistisch, dass die sexistischen Kämpfe der Frauenbewegung gewonnen seien und sich nun auf die politische und soziale Gleichstellung konzentriert werden könne. Ein Irrtum, wie die Britin einräumt: „Living Dolls“ beschreibt eine Generation von Frauen, die von Kindesbeinen an in eine rosa Puppenwelt gedrängt werden, die sie auch als Erwachsene nicht loslässt. Walter nennt es die „steckengebliebene Revolution“ und zeigt anhand zahlloser Beispiele auf, wie erstrebenswert es für junge Frauen heute offenbar ist, ein Leben als Puppe zu führen oder auf die erotische Ausstrahlung reduziert zu werden.

Noch folgenreicher ist jedoch, dass das Idealbild weiblicher Schönheit, dem Frauen nacheifern sollen, in einem Großteil unserer Gesellschaft in immer höherem Maße durch Sexualität und erotische Ausstrahlung definiert wird

Als „Living Dolls“ im vergangenen Jahr in England erschien, erzeugten Walters Thesen auch hierzulande ein Echo. Dass nun mit der deutschen Übersetzung eher wenig in den Medien passiert verwundert. Denn auch wenn Walter mit Glamour Modeling für Billo-Zeitschriften wie Nuts oder die aus dem Boden schießenden Table Dance Bars  auf britische Verhältnisse konzentriert, ihrer Beobachtungen gelten auch für uns. Und Walter wühlt ordentlich mit dem Zeigefinger in der sexuellen Pseudo-Befreiung unserer Zeit:

Meines Erachtens ist es an der Zeit, die übertriebene Weiblichkeit, die den Frauen dieser Generation als Ideal vermittelt wird, in Frage zu stellen. Das muss einerseits durch eine Kritik am Wiederaufleben des biologischen Determinismus geschehen, der uns einredet, Gene und Hormone legten und unausweichlich auf die traditionellen Geschlechterrollen fest. Zum anderen müssen wir die klaustrophobische Kultur, die vielen jungen Frauen weismacht, sie könnten nur durch Ausnutzen ihres Sex-Appeals Macht erlangen, auf den Prüfstand stellen.

Walter unterteilt ihr Buch in zwei Themenblöcke: „Der neue Sexismus“ und „Der neue Determinismus“. Im ersten Teil taucht sie ein in die Szene von Stripparties im herkömmlichen Clubbetrieb, Glamour Modeling und Lapdance-Bars; lässt junge Mädchen zu Wort kommen genauso wie ChefredakteurInnen, HerausgeberInnen und PR-ExpertInnen. Dabei sind es vor allem die zum Teil selbstentlarvenden Sätze der MedienmacherInnen als auch die resignierenden Erkenntnisse junger Mädchen, die mehr sagen als Walter es mit einer Analyse der Gegebenheiten tun könnte. So erklärt eine junge Frau:

Man braucht sich nur die Lapdance-Clubs anzuschauen, das sagt so viel über unsere Kultur aus. Die Männer darin sind ‚seriös’, sie tragen einen Anzug und haben ein Bankkonto, die Frauen sind ‚unseriös’, sie sind nackt und haben Schulden. (weiterlesen …)


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Phänomen Alice Schwarzer und Frauenzeitschriften – die Blogschau

11. Juni 2011 von Nadine
Dieser Text ist Teil 112 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Antje Schrupp macht sich Gedanken über Homo- und Heterosexualität im Kontext von Liebe, Sex, Ehe und Elternschaft.

Tapfer im Nirgendwo definiert das “Alice-Schwarzer-Phänomen“: “die Fixierung einer extremen aber für die Pluralität einer demokratischen Meinungsgesellschaft notwendigen anderen Meinung auf eine relativ bekannte Person, obwohl sie diese bestimmte Meinung niemals geäußert hat, sie aber zum Erhalt des bestimmten Diskurs als Trägerin der Meinung unbedingt notwendig ist.”

Hollaback Berlin gibt Tips zur Bekämpfung von sexueller Übergriffe.

Die AG Queerstudies haben mehr als 1000 Unterschriften für Barrierefreiheit gesammelt.

Anarchie und Lihbe berichtet über den Vortrag von Heinz-Jürgen Voss, der sich aus naturwissenschaftlicher Perspektive kritisch mit der Herstellung von Zweigeschlechtlichkeit und deren Folgen auseinandersetzt.

Die Fuckmothers haben die Autobiografie von Evelyn McDonnells, einer Vertreterin der Riot Grrrl Bewegung rezensiert.

Das Mädchenblog ärgert sich über neuerliche Auslassungen der SPIEGEL-Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen nach dem Urteil im Kachelmann-Fall.

Die neue Stieg-Larsson-Verfilmung “The Girl with the Dragon Tattoo” ist Gegenstand einer kritischen Analyse der Buttkicking Babes.

Fräulein Tessa ärgert sich im FAZ-Blog “Deus Ex Machina” über Frauenzeitschriften: “Satt von Stuss und Sternchen“.

Helga hat sich den Film “I can’t think straight”, die Liebesgeschichte einer Muslimin und einer christlich-arabischen Palästinenserin, angesehen.

Die Deutsche Welle hat mit der Direktorin der Girls Only Radio Station in Kairo, Amani Eltunsi, gesprochen.

Anne Roth stieß auf folgendes Video, das sich kritisch mit der Objektivierung von Frauen in der Werbung auseinandersetzt:


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Kritik an Polyamorie, Queer und Androzentrismus – Links der Woche

26. Januar 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 91 von 153 der Serie Kurz notiert

MuslimaMediaWatch und Gender Across Borders suchen Autor_innen! Interessieren euch Friedensprozesse und die Situation von Frauen im Mittleren Osten oder habt ihr einfach Lust schreibend an einem feministischen Projekt mitzuwirken? Dann ran an die Tasten!

Terre des Femmes fordert die Bundesregierung auf, nicht an der Ehebestandszeit zu rütteln. Im Rahmen eines neuen Gesetzes zur Bekämpfung von Zwangsheirat ist geplant, diese von zwei auf drei Jahre zu erhöhen. Demnach müssten Verheiratete, die dem_der Ehepartner_in nach Deutschland gefolgt sind, ein Jahr länger auf die Möglichkeit einer unabhängigen Aufenthaltserlaubnis verzichten. Trennen sich beide in dieser Zeit, bedeutet das für den_die zugezogene Ehepartner_in die sichere Abschiebung ins Herkunftsland. Die restriktive Zuwanderungs- und Asylpolitik Deutschlands wäre allein schon Grund zum Ärger, doch Opfer häuslicher Gewalt würde diese Regelung besonders hart treffen.

Warum Männer eine deutlich geringere Lebenserwartung als Frauen haben, ist schon oft diskutiert worden. Die FAZ berichtet, was vermutlich daran schuld ist: Zigaretten.

Queer ist tot!? – Im Interview mit dieStandard.at erklärt Soziologin und Philosophin Roswitha Scholz, warum Queer Theorie angeblich nicht an herrschenden Geschlechterverhältnissen und gesellschaftlichen Strukturen gerüttelt hat. Auch andere neuere feministische Theorien bekommen ihr Fett weg: Sie seien lediglich defizitäre Erklärungs- und Lösungsansätze in Krisenzeiten. Die Kategorie Geschlecht müsse neu und stets fundamental (mit)gedacht werden.

Im Clutch Magazine schreibt Dan Tres Omi, wie er schwarzer Feminist wurde und wie sich das Leben zwischen männlichem Privileg und Rassismus gestaltet.

Bei den Studierenden und den Promotionen haben Frauen heute weitestgehend gleichgezogen, danach aber sinkt ihr Anteil im akademischen Betrieb immer noch deutlich. Inside Higher Ed präsentiert eine neue Studie, die das teilweise erklärt. So müssen Assistenzprofessorinnen US-amerikanischer Unis mit Nachteilen rechnen, wenn sie Bachelorprogramme betreuen, für ihre männlichen Kollegen gilt das nicht. Außerdem klagen sie schon lange, überproportional häufig Service- und Gremienaufgaben übertragen zu bekommen, die dem akademischen Aufstieg ebenfalls nicht zuträglich sind. Auch diese Klagen konnte die Studie untermauern.

MsMagazine freut sich (und wir uns mit), dass die belgische Tennisspielerin Kim Clijsters keine Abwertungen ihres Körpers akzeptiert. Sie konfrontierte einen Interviewer mit einem charmanten Lächeln vor fast 40.000 Zuschauern mit seinem Sexismus und Lookism.

Polyamorie nur für die Eliten? Soziologe Thomas Schroedter erklärt im Gespräch mit Jungle World, warum sich nicht jede_r eine polyamoröse Beziehung leisten kann und inwiefern sich in dieser Beziehungsform bürgerliche Werte und Vorstellungen von Liebe spiegeln.

Je erfolgreicher und selbstbewusster Frauen sind, desto geringer sind angeblich ihre Chancen bei Männern. Männer und ihre Angst vor Frauen mit Macht, wurde schon mehrfach wissenschaftlich untersucht. Androzentrismus galore. Gähn. Trotzdem gibt es dazu mal wieder eine neue Studie, die Molly Lambert von theHairpin.com sarkastisch und humorvoll kommentiert.

Aufrufe und Termine nach dem Klick


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