Einträge der Rubrik ‘Weltspiegel’


“Für Assata” von Audre Lorde: “Ich träume von deiner Freiheit” (1977)

14. Mai 2013 von Sabine

Assata Shakur  (Bildnachweis: Flickr cc // Cau Napoli)Sie ist die erste schwarze Frau auf dieser Liste, die nach 9/11 erstellt wurde. Als Belohnung für Informationen, die zu Assata Shakurs Festnahme führen, dafür gibt es zwei Millionen Dollar. Am  2. Mai 2013 gibt das FBI auf einer Pressekonferenz bekannt, dass Shakur auf der “Top 10 Terror List” steht.

“An eben diesem Tag vor 40 Jahren wurde ein Auto, in dem Assata Shakur saß, angehalten. Es entwickelte sich eine Schießerei, in welcher zwei Personen starben und Shakur angeschossen wurde (unter anderem in den Rücken). Sie wurde schließlich für den Mord am Polizisten Werner Forester von einer vollständig weißen Jury zu lebenslanger Haft verurteilt.” (mehr zum Hintergrund bei Charlott: “Wanted: Assata Shakur”)

Die Rekonstruktion des Vorfalls am besagten 2. Mai 1973 und die Tat, welche Assata Shakur begangen haben soll, sind eingebettet in eine Zeit, in welcher das FBI den Krieg gegen schwarze Führungspersonen wie Malcolm X, Angela Davis, Stokley Carmichael, Martin Luther King*  und die Black Panther Bewegung erklärt hat und rassistische Polizeigewalt an der Tagesordnung stand (Bsp. 1992, L.A., Rodney King).

Shakur gelingt die Flucht aus dem Gefängnis. Dass ausgerechnet Kuba der Revolutionärin seit 1984 politisches Asyl gewährt, ist eine Ohrfeige für die USA. Erst vor kurzem war auch noch Jay-Z mit Beyoncé dort auf honey moon und zog mit seinem “Offen Brief“ das Embargo der USA gegen Kuba ins Lächerliche. Und dann sind da die Bosten-Attentate, welche die Bundesbehörde unter Druck setzen. Lächerlich will das FBI nicht wirken, auch vierzig Jahre später ein Zeichen setzen und die schwarze Protestbewegung nicht anerkennen. Jahre später keine Aussöhnung, sondern eine Fortführung und Abschreckung.

Audre Lorde (*1934- †1992), eine der wichtigsten Frauen feministischer Gegenwartsgeschichte, hat im Jahr 1977 auch ein Zeichen gesetzt, und ein Gedicht für Assata geschrieben. Ein Gedicht, dass unter die Haut geht, einer Aussichtslosigkeit innere Kraft und dem Begriff der Freiheit wieder eine Bedeutung schenkt, die Sinn ergibt.

For Assata

New Brunswick Prison, 1977

In this new picture your smile has been to war
you are almost obscured by other faces
on the pages
those shadows are sisters
who have not yet spoken
your face is in shadow
obscured by the half-dark
by the thick bars running across your eyes
like sentinels
all the baby fat has been burned away
like a luxury your body let go
reluctantly
the corners of your mouth turn down
I cannot look into your eyes
who are all those others
behind you
the shadows are growing lighter
and more confusing.

I dream of your freedom
as my victory
and the victory of all dark women
who forego the vanities of silence
who war and weep
rather than our enemies
something against our selves
in each other
rather than our enemies
falsehoods
Assata my sister warrior
Joan of Arc and Yaa Asentewa
embrace
at the back of your cell.

- Audre Lorde

Eine deutsche Übersetzung des Gedichts “For Assata” von Charlott Schönwetter findet ihr hier. (weiterlesen …)


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Wanted: Assata Shakur

9. Mai 2013 von Charlott

Vor einer Woche verkündete das FBI, dass die Aktivistin Assata Shakur auf die FBI Most Wanted Terrorist Liste aufgenommen wird. Für ihre Erfassung bietet das FBI nun 1 Million Dollar und die New Jersey State Police legt noch einmal 1 Million dazu. Die Verkündung dieser Fakten fand nicht an irgendeinem zufälligen Datum statt, sondern am 2. Mai. An eben diesem Tag vor 40 Jahren wurde ein Auto, in dem Assata Shakur saß, angehalten. Es entwickelte sich eine Schießerei, in welcher zwei Personen starben und Shakur angeschossen wurde (unter anderem in den Rücken). Sie wurde schließlich für den Mord am Polizisten Werner Forester von einer vollständig weißen Jury zu lebenslanger Haft verurteilt. Zwei Jahre später gelang ihr die Flucht aus dem Gefängnis und einige Jahre nach dieser tauchte sie in Kuba auf, wo sie bis heute lebt und Asyl bewilligt bekommen hat.

Jamilah King schreibt bei Colorlines [Anmerkung: Alle zitierten Texte in diesem Blogpost sind englischsprachig. Alle Übersetzungen sind von mir]:

Shakur betont weiterhin ihre Unschuld und merkt an, dass selbst die Ermittlungen der bundesstaatlichen Polizei feststellten, dass sie keine Schießpulver-Rückstände an ihren Händen bei der Verhaftung gehabt habe. Sie bleibt weiterhin eine offene Kritikerin an Rassismus in den USA und ist ein ikonisches Symbol für viele in der racial justice community geworden. Ihr Buch “Assata: An Autobiography” ist nur ein Teil des immensen kulturellen Einfluss, den sie hatte.

King zeigt in ihrem Artikel auch die Geschichte der FBI Most Wanted Listen auf und in welchen Zusammenhängen diese mit Schwarzen Protestbewegungen stehen. Die ursprüngliche Most Wanted Liste wurde 1950 veröffentlicht. In den 1970igern fanden sich dann immer mehr und mehr Schwarze Aktivist_innen auf der Liste wieder. King schreibt:

Shakur ist die letzte auf einer langen Liste Schwarzer Revolutionäre, die für das FBI zu denen am meisten gesuchten kriminiellen Verdächtigen gehörten. Angela Davis schaffte es bekannterweise 1970 auf die Liste, H. Rap Brown kam ein Jahr später 1971 drauf; Twymon Myers von der Black Liberation Army kam 1973 auf die Liste, bevor er von der Polizei erschossen wurde; und Mutulu Shakur von der BLA wurde 1982 hinzugefügt bis er 1986 gefasst wurde. [...] “Die Black Panther Partei ist ohne Frage die größte Gefahr für die interne Sicherheit des Landes”, sagte FBI Direktor J. Edgar Hoover 1969 seine Verachtung für radikale Schwarze Aktivist_innen unterstreichend.

Shakur aber ist nicht auf der gleichen Liste zu finden, wie die bisher genannten. Sie ist die erste Frau, die Eingang fand auf die nach dem 11. September eingerichtete “Most Wanted Terrorist“-Liste. Eine Liste, auf der nach King neben Shakur nur eine andere Person steht, die in den USA geboren ist und wo auffälliger Weise keine der etwa 1000 weißen “hate groups” aufgeführt wird, welche in den gesammten USA agieren. Am letzten Freitag sprach Angela Davis zu dem spezifischen Terrorismus-Aspekt und was dieser auch mit race zu tun hat:

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“Party Like It’s 1945…”

8. Mai 2013 von accalmie

schrieb die High-Heel-Antifa, denn heute ist der achte Mai, also Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus, und des Endes der Shoah. Für Antifaschist_innen war schon immer klar, dass der Tag der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands Befreiung bedeutet(e); Eingang in einen breiteren gesellschaftlichen Diskurs fand die Idee der Befreiung vom Nationalsozialismus (und nicht einer zu betrauernden nationalkollektiven Niederlage) allerdings erst mit der Rede des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker im Jahr 1985. Die Mädchenmannschaft feiert mit und wünscht allen einen kämpferischen achten Mai – alerta, alerta, antifascista!


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Rehtaeh Parsons: Das Problem heißt nicht Social Media, sondern R*** Culture.

23. April 2013 von Viruletta

[Triggerwarnung: Gewalt gegen Frauen*, rape culture, sexualisierte Gewalt. Gilt auch für die Links.]

Ende 2012 stirbt eine Frau in Delhi, Indien, an den Folgen einer brutalen Gruppenvergewaltigung. Westeuropäische und us-amerikanische Medien berichten flächendeckend darüber. Sie machen die indische Kultur für die Tat und ihr Ausmaß verantwortlich. Dass es so etwas wie eine rape culture (Vergewaltigungskultur) gibt, scheint zumindest im Bezug auf Indien offensichtlich zu sein.

Im März 2013 werden in Steubenville, USA, zwei Täter verurteilt. Sie haben eine Mitschülerin im Jahr 2012 mehrfach vergewaltigt, dabei gefilmt und die Videos im Internet verbreitet. Die oben genannten Medien schweigen zu diesem Prozess. Stattdessen berichten sie weiter über Vorfälle sexualisierter Gewalt in Indien.

Im April 2013 nimmt sich die 17-Jährige Rehtaeh Parsons in Halifax, Kanada, das Leben. Sie ist zuvor ebenfalls von mehreren Mitschülern vergewaltigt und dabei fotografiert worden. Auch die Fotos dieser Tat sind  im Netz verbreitet worden, woraufhin Rehtaeh Opfer von massivem Mobbing geworden ist. Die besagten Medien berichten nur vereinzelt darüber. Wo sie es tun, steht der Aspekt des Cyber-Mobbings im Vordergrund.

Aber (und darauf hat Charlott auch schon in ihrem Steubenville-Artikel hingewiesen): Es geht hier nicht um die Gefahr sozialer Netzwerke. Um moderne, brutalere Formen von Mobbing. Es geht um sexualisierte Gewalt und den gesellschaftlichen Umgang damit. Und zwar (auch) jenseits von Indien. (weiterlesen …)


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Gute Nachrichten aus Frankreich – mit kleinen Abstrichen

15. April 2013 von Gastautor_in

Der folgende Text ist ein Gastbeitrag von Henrike Dessaules, die sonst (unter anderem) auf  Discipline and Anarchy bloggt. Vielen Dank dafür!

Aus Frankreich gibt es in letzter Zeit viel Erfreuliches zu berichten. Nicht nur, dass letzte Woche das Gesetz zur Legalisierung “gleichgeschlechtlicher” Ehen und Adoption im Senat durchgewunken wurde, auch die Regelung zur hundertprozentigen Erstattung von Schwangerschaftsabbrüchen und Verhütungsmitteln tritt nun in Kraft.

Was heißt das genau? Seit dem 31. März bekommen alle Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen, sämtliche dadurch anfallende Kosten zurückerstattet. Dies war bislang nur bei Minderjährigen der Fall; alle anderen mussten mit Kosten zwischen 80 bis 200 Euro rechnen. In Zeiten, in denen Familienplanungszentren aus Geldmangel schließen müssen und Abtreibungsgegner_innen durch die Pariser Straßen marschieren, ist das auch im liberalen Frankreich keine Selbstverständlichkeit.

Des Weiteren werden für junge Frauen zwischen 15 und 18 Jahren die Kosten für die Verhütung ebenfalls zu 100% übernommen. Hier muss man allerdings betonen, dass es bei dieser Regelung nicht nur eine (etwas willkürlich anmutende) Altersbeschränkung gibt: Erstattet werden nur hormonelle Verhütungsmethoden – die Pille und das Implantat. Sollte es sich aber bei dieser Maßnahme laut Gesundheitsministerin Marisol Touraine tatsächlich um eine „Entscheidung zugunsten der allgemeinen Gesundheit“ handeln, sollten dann nicht auch gerade Verhütungsmittel, die gegen Geschlechtskrankheiten schützen, kostenlos zur Verfügung gestellt werden?

Mir geht das Gesetz daher nicht weit genug. Davon abgesehen, dass junge Frauen auch unter 15 Jahren sexuell aktiv sind, werden alle, die von diesen Vorzügen Gebrauch machen wollen, automatisch zu einer Methode gedrängt, die von Frauenärzt_innen ohnehin schon oft als alternativlos angeboten wird. Auch ist unklar, inwieweit minderjährigen Frauen bei der Beschaffung die Anonymität ermöglicht werden kann. Planning Familial, das französische Pendant zu Pro Familia, kritisierte die Gesetzgebung daher ebenfalls als unzulänglich.

Immerhin, ein Wahlversprechen hat der derzeitig eher unbeliebte französische Präsident Francois Hollande damit eingelöst. Und eins steht außer Frage: Im Vergleich zu Deutschland und vor allem auch Irland ist Frankreich in Bezug auf reproduktive Rechte deutlich um Einiges voraus. Während wir in Deutschland immer noch auf ein Rezept für die „Pille danach“ angewiesen sind und in Irland das Abtreibungsverbot nach dem Tode von Savita Halappanavar nur schleichend abgemildert wird, trifft sich die französische Frauenrechtsministerin Najat Vallaud-Belkacem mit Planning Familial Filialen, um darüber zu diskutieren, wie Jugendlichen der Zugang zu Verhütung und Schwangerschaftsabbrüchen weiterhin erleichtert werden kann.


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Feministische Bündnisse über Grenzen hinweg

26. März 2013 von Charlott

Noch sind wir alle, die wir das vergangene Wochenende bei “Mobilize! International Activism Conference” verbrachten, ganz schön geschafft, beim Verarbeiten aller Erlebnisse, den bereichernden Gesprächen, dem Anknüpfen an feministische, netzpolitische Debatten über Grenzen hinweg, im off, und an neue Kontakte, die entstanden, aber auch beim Kritikformulieren, zum Beispiel am abrupten Abbruch der folgenden Diskussion.

Trotzdem wollen wir euch  die Videoaufnahme zu dem von uns gehosteten Panel zu feministischen Bündnissen nicht vorenthalten. Denn da saßen wundervolle Aktivistinnen zusammen und hatten viel Wichtiges zu sagen. Neben Sabine von der Mädchenmannschaft, die moderierte, nahmen auf dem Podium platz:

  • Miss Kaewmala von thaiwomantalks.com, Thailand
  • Elizabeth Ngari von Women in Exile, Deutschland
  • Sheena Gimase Magenya von Sister Namibia, Namibia
  • Arevik Martirosyan von heghaforum, Armenien
  • Lala Aslikyan, LGBTIQ-Aktivistin, Psychologin, Armenien

Für diejenigen, die sich das Panel lieber anhören möchten, gibt es hier die Tonaufnahme.


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Heute: Internationaler Tag gegen Rassismus

21. März 2013 von Anna-Sarah

Heute ist der Internationale Tag gegen Rassismus: Seit 1966 wird dieser Gedenk- und Aktionstag am 21. März begangen. Zusätzlich wurde 1979 der Tag durch die Einladung der Vereinten Nationen an ihre Mitgliedstaaten ergänzt, eine alljährliche Aktionswoche der Solidarität mit den Betroffenen und Bekämpfer_innen von Rassismus zu organisieren.

Warum der 21. März?

Sharpeville, Südafrika: Am Vormittag des 21. März 1960 finden sich an verschiedenen Orten der kleinen Stadt 50 km südlich von Johannesburg rund 20.000 Menschen zusammen. Sie folgen einem Aufruf des Pan African Congress (PAC), der eine fünftägige gewaltfreie und friedliche Protestaktion angekündigt hatte.

Die Menschen demonstrieren gegen die Passgesetze des Apartheid-Regimes. (…) Passgesetze regelten das “Aufenthaltsrecht” der schwarzen Südafrikaner, die Anzahl der Schwarzen in den Städten sollte so auf ein Minimum beschränkt werden, ihre Arbeitskraft aber weiter zur Verfügung stehen.

Die Demonstrierenden setzen sich in Richtung Polizeitstation im Sharpeviller Zentrum in Bewegung. Die Polizei hält die friedlich demonstrierende Menge mit niedrig fliegenden Flugzeugen und Tränengas in Schach. Um kurz nach 13 Uhr eskaliert dann schließlich die Situation: Angeblich als Reaktion auf Steinwerfer schießt die Polizei in die Menge. Die Menschen fliehen in Panik, die Polizei schießt weiter. 69 Menschen werden getötet, darunter acht Frauen und zehn Kinder. Viele – die Angaben variieren von 180 bis über 300 Personen – werden verletzt, teilweise schwer.

Als Gedenktag an das Massaker von Sharpeville wurde sechs Jahre später, 1966, der 21. März von den Vereinten Nationen zum “Internationalen Tag zur Überwindung von Rassendiskriminierung” ausgerufen.

Da Rassismus trotz der politischen Umwälzungen, die in Südafrika seither erwirkt wurden, so präsent ist wie eh und je, gerade auch in Deutschland, ist es mit reinem Gedenken nicht getan. Auf den Internetseiten des Interkulturellen Rats Deutschland findet sich ein umfangreicher Veranstaltungskalender.

In Berlin lädt heute Abend das Bündnis gegen Rassismus zur Podiumsveranstaltung “Grenzenlos und unverschämt”, Titel eines Gedichts von May Ayim, über antirassistische Widerstände in Deutschland ein (auch als Facebook-Event).

Es sollte unnötig sein zu sagen, dass Rassismuskritik und entsprechende Aktivitäten jeden Tag gebraucht werden. Der 21.3. soll auch jene Privilegierten, die nicht durch ihre Lebensrealität ohnehin andauernd mit der Nase darauf gestoßen werden, daran erinnern, dass das Bewusstsein für tiefgreifende rassistische Strukturen und solidarisches Handeln gegen Alltagsrassismus sich nicht in einer Aktionswoche erschöpfen können.


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Was wir von Steubenville über r*p*e culture lernen

20. März 2013 von Charlott

[Inhaltswarnung: sexualisierte Gewalt, Victim Blaiming, R*p* Culture; Auschreibung von r*p* - gilt auch für alle Links]

In den deutschsprachigen Medien wird immer noch gern davon berichtet, dass wieder furchtbare Fälle von sexualisierter Gewalt in Indien vorgefallen sind. Diese Geschichten passen einfach zu gut in westliche Diskurse, wie ja auch schon Viruletta hier feststellte:

Denn eben diese Berichterstattung spielt Argumentationsmustern in die Hände, die den sogenannten “Westen” als zivilisiert, fortschrittlich und überlegen darstellen und die von ihm kolonialisierte Welt dagegen als barbarisch, rückständig und minderwertig inszenieren.

Um so größer ist das Schweigen der deutschen Medien zum Prozess in Steubenville, Ohio, wo am 17. März zwei Jugendliche verurteilt wurden. Die ZEIT berichtete online am 16., 17., 18. und 19. März über sexualisierte Gewalt in Indien. Es gibt keinen einzigen Text zu Steubenville. Bei SpiegelOnline und der Süddeutschen sind relativ kurze Artikel versteckt in der Rubrik “Panorama”. Panorama.

Am 11. August 2012 erfährt eine 16-jährige Schülerin nach einer Party von zwei gleichaltrigen Mitschülern mehrfach sexualisierte Gewalt. Teile dieser Gewaltakte werden darüber hinaus gefilmt und fotografiert. Aufnahmen werden im Internet und über Handys verbreitet. Es gibt offensichtlich beistehende Personen. Die Taten werden wiederholt über unterschiedlichste Social Media Kanäle kommentiert, die Schülerin wird immer weiter beschimpft. Am Sonntag nun wurden die Haupttäter verurteilt, beide haben ein Jahr für die V*rg*w*lt*g*ng bekommen, einer der Täter noch ein zusätzliches Jahr für das Verbreiten von Nacktbildern einer Minderjährigen. Später im Frühjahr wird noch eine Große Jury entscheiden, ob weitere Anklagen erhoben werden.

Eigentlich sollten wir an dieser Stelle schließen können. Mit ein paar solidarischen Worten für die Betroffene. Mit Wut über die Tat. Mit dem Gefühl, dass wenigstens einmal Täter sexualisierter Gewalt verurteilt wurden. (Obwohl sich das Strafmaß sicher streiten lässt.) Aber so einfach ist das alles wie immer nicht, denn der Steubenville-Fall entwickelte sich in den letzten Monaten zu einem Paradebeispiel dafür, wie rape culture funktioniert.

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Black History Month: An Schwarze (deutsche) Geschichte erinnern

7. Februar 2013 von Nadine

Wie jedes Jahr findet im Februar der Black History Month statt, der auf den Historiker Carter G. Woodson zurückgeht. Er initiierte 1926 eine Veranstaltungsreihe, “um die breite Öffentlichkeit in den USA über Schwarze Geschichte und die kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leistungen der afro-amerikanischen Bevölkerung aufmerksam zu machen.” (Quelle: ISD)

Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V. (ISD) organisierte 1990 erstmalig eine Veranstaltungsreihe zum Black History Month in Hamburg. Seitdem organisieren Afrodeutsche, Schwarze und People of Color, die in Deutschland leben, jährlich Veranstaltungen in größeren deutschen Städten, um die Geschichte Schwarzer Menschen (und ihres politischen Engagements) zu würdigen. Nadia hat bereits am Montag damit angefangen und auf den 100. Geburtstag von Rosa Parks hingewiesen.

Nachfolgend findet ihr eine kleine Veranstaltungsübersicht zu Hamburg, Frankfurt a.M. und Berlin. Falls ihr Termine in eurer Stadt parat habt, die hier nicht aufgelistet sind, freuen wir uns über Ergänzungen in den Kommentaren. Hier findet ihr eine umfangreiche Übersicht zu Organisationen, die sich postkolonialer und antirassistischer Erinnerungskultur widmen.

Wir wünschen euch einen empowernden Monat!

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Opfer-Abo.

16. Januar 2013 von Charlott

Ich hatte in meinem Kopf schon einen halben Artikel. Ich wollte über die Verleihung des “Unwort des Jahres” berichten, kurz beschreiben, welches Wort es geworden ist und dann den Anlass nutzen um über die Kampagne der “Initiative für Gerechtigkeit bei sexuelle Gewalt” für das Wort “Opferindustrie” zu schreiben. Stattdessen eine freudige Überraschung – Überraschung auch deswegen, da die meisten Mainstream-Medien Vorschläge wie “Opferindustrie” und “Opfer-Abo” ent_wähnten. Also aus ihrer Berichterstattung wegließen. Unsichtbar machten.

Zwar wurde nicht die von der Initiative vorgeschlagene “Opferindustrie” gewählt, aber das aus dem gleichen Kontext stammende “Opfer-Abo”. Die Jury begründet die Wahl wie folgt:

Im Herbst 2012 sprach Jörg Kachelmann in mehreren Interviews (z.B. im Spiegel vom 8.10.2012) davon, dass Frauen in unserer Gesellschaft ein „Opfer-Abo“ hätten. Mit ihm könnten sie ihre Interessen in Form von Falschbeschuldigungen – unter anderem der Vergewaltigung – gegenüber Männern durchsetzen. Das Wort „Opfer-Abo“ stellt in diesem Zusammenhang Frauen pauschal und in inakzeptabler Weise unter den Verdacht, sexuelle Gewalt zu erfinden und somit selbst Täterinnen zu sein. Das hält die Jury angesichts des dramatischen Tatbestands, dass nur 5-8 % der von sexueller Gewalt betroffenen Frauen tatsächlich die Polizei einschalten und dass es dabei nur bei 3-4 % der Fällen zu einer Anzeige und einem Gerichtsverfahren kommt, für sachlich grob unangemessen. Das Wort verstößt damit nicht zuletzt auch gegen die Menschenwürde der tatsächlichen Opfer. Die Jury urteilt damit in keiner Weise darüber, ob und inwiefern Einzelpersonen von Verleumdungen betroffen sein können und somit auch nicht über den Fall Kachelmann. Sie kritisiert vielmehr einen Wortgebrauch, der gängige Vorurteile in Bezug auf eine Vortäuschung von Vergewaltigungen oder eine Mitschuld der Frauen bestätigt. Ausdrücke dieser Art drohen letztlich den zivilgesellschaft-lichen und juristischen Umgang mit sexueller Gewalt in bedenklicher Weise zu beeinflussen.

Und warum freue ich mich nun über die Wahl? Es hat ein Begriff geschafft, der gerade durch feministische Kritik problematisiert wurde. Die Wahl zeigt ein Wort auf, welches zum einen durch die auch in Deutschland herschende rape culture ermöglicht wird (vor allem in der ständigen Re_produktion) und zum anderen diese Kultur mit verfestigt. Die Begründung kritisiert dies eindeutig. Es geht hier nicht um ein ästhetisch wenig ansprechendes Wort, sondern gegen den sexistischen Normalzustand.


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