Einträge der Rubrik ‘Weibsbilder Mannsbilder’


Selbstversuche: Die haarige Feministin

17. Mai 2012 von Helga

Ob Zeitschriftenregal oder Fernsehprogramm, allerorten wird frau gerade wieder an „den Sommer“ erinnert. Also all das, was Frauen nun zu erledigen und ihre Weiblichkeit zu konstruieren haben. Ein paar Kilos verlieren, Füße pflegen, Cellutites bekämpfen – und die Körperbehaarung entfernen. Beine, Achseln und Intimbereich, manchmal sogar die Arme. Alles was unterhalb des Kopfes nicht flauschig ist, muss weg!

Doch muss das wirklich? Und was passiert, wenn frau es lässt? Emer vom Vagenda Mag hat den Selbsttest gemacht und rasiert sich seit einem Jahr nicht mehr (mehr auf Deutsch bei diestandard.at). Sie beschreibt eindrücklich, wie sehr sich der Druck zur Haarentfernung eingebrannt hat, wie schwer es ist, ihre behaarten Körperteile wirklich öffentlich zu zeigen – obwohl die meisten Reaktionen positiv waren.

Fast den gleichen feministischen Selbstversuch habe ich letztes Jahr auch gestartet und seitdem meine Beine nicht mehr rasiert. Allerdings mit etwas anderen Ausgangsbedingungen, denn in meiner Familie war weibliche Körperbehaarung kein Thema. Bei meinen ersten Versuchen fragte man sich verwundert, warum ich das denn mache. Andere Freundinnen wurden dagegen von ihren Eltern angehalten, sich zu rasieren, bis hin zur Bikinizone (der alten, die nur umfasste, was aus dem Bikini rausguckt). Am Ende hat sich dann die Vorgabe zur enthaarten Frau in unseren Köpfen durchgesetzt. Insgesamt habe ich noch nicht einmal die Hälfte meines Lebens irgendwas enthaart, doch dagegen anzugehen, hat sich als erstaunlich schwer erwiesen.

Dass der letzte Sommer recht kühl und verregnet war, hat es mir bisher leicht gemacht, Beine und Achseln zu verstecken. Die wenigen Male in Shorts habe ich immerhin keine Kommentare bekommen. So hoffe ich einerseits für diesen Sommer auf mehr Sonne, andererseits frage ich mich, welche Reaktionen ich dann zu erwarten habe. Neulich ertappte ich mich bei dem Gedanken, jetzt immer die Fußnägel zu lackieren. Quasi als Ausgleichshandlung, die beweist, dass ich mich durchaus um mein Äußeres kümmere und weiblichen Konventionen entspreche. Bewußt wurde mir dabei wieder einmal, wie zeit- und geldaufwändig eigentlich Weiblichkeit ist. Rasierer, Rasierschaum, Creme… Und das alles, ohne zwangsläufig gut für den Körper zu sein. Im Gegenteil: Zumindest meine Beine sind weniger trocken, weniger gereizt und eingewachsene Haare gibt es auch keine mehr.

Nach einem Jahr halte ich nun fest, dass der größte Feind in meinem Kopf sitzt. Allerdings erhält er jeden Tag massive Unterstützung aus all den Zeitschriften, Webseiten und Fernsehsendungen, die mir nur haarlose Frauen zeigen und die besten Wege, genau so auszusehen.


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Hauptsache Anti Anti – die Blogschau

5. Mai 2012 von Verena
Dieser Text ist Teil 156 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Eine Nachlese zur Verschenkaktion ihres Buches hält Cronenburg und stellt fest, dass die Diskussion um Urheberrechte in dem Zusammenhang lebhaft, aber sachlich geführt wurde.

Babykram und Kinderkacke kotzt sich übers Betreuungsgeld aus. Nicht zum ersten Mal, aber manchmal hält die Übelkeit eben an. Und Achtung: Satire!

Das feministische Magazin an.schläge berichtet im Mai unter anderem über Intersexualität, Playboy-Fantasien und Louise Bourgeois.

Auf ryuus hort findet ihr einen Beitrag zu Femininität und Bisexualität in der Gothic-Szene.

Bei CDU-Watch hat mensch wahrscheinlich täglich etwas zu Lachen. Zuletzt über die Aussage des CDU-Stadtrates in Plauen, Dieter Blechschmidt, Schwule und Lesben könnten nichts für ihre Krankheit.

Kai ist jetzt auch mit dabei zählt seine ihre persönlichen Höhepunkte des Films “Miss Representation” auf, der die misogynistische Darstellung von Frauen in Medien thematisiert und welche Konsequenzen dies für die Gesellschaft hat.

Afrika Wissenschaft ärgert sich über das hashtag “firstworldproblems” und klärt über den”first world”-Begriff auf.

Mitgemacht werden kann auch beim Kreativwettbewerb von Terre de Femmes. Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahre sind aufgerufen, mit der eigenen kreativen Superheldin gegen Zwangsheirat aktiv zu werden. Einsendeschluss ist der 30. Juni.

Ein Klick auf das Blog Ich hab nicht angezeigt lohnt sich. Hier geht es um von sexualisierter Gewalt Betroffene, die keine Anzeige erstattet haben.

Back to the Basics: Grundsätzliche Gedanken zum Feminismus macht sich Johannas Blog.

Pin Up Kunst für Queers gibt es bei off the rocket.

Andreas Kemper verlinkt zum pdf einer Analyse von Anfang des Jahres, die den Androzentrismus bei Wikipedia dokumentiert.

andersdeutsch ist irritiert, dass die Deutsche Welle über die “Best Social Activism Campaign” als Antwort auf die Verhaftung der syrischen Bloggerin Razan Ghazzawi im Dezember 2011 berichtet, ohne zu erwähnen, dass Ghazzawi erneut inhaftiert wurde.

Am 6. Mai ist Internationaler Anti-Diät Tag. Bereits Ende April traf sich die Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung zur Tagung. ARGE Dicke Weiber berichtet.

Infos zum Internationalen Anti-Diät Tag findet ihr auch unter unseren Terminen: (weiterlesen …)


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Gender konstruieren in 42 Posen

17. April 2012 von Helga

Einen schönen Einblick in die Konstruktion von Geschlecht liefern die Vorschläge für Fotografien der „Digital Photography School“. Die 42 Beispielposen könnten auch als Illustration für „Frauen sind Sexobjekte und Männer sind Personen“ dienen – auch wenn die Überschriften etwas irreführend von Männern und „weiblichen Subjekten“ reden.

Eine gezeichnete Frau im Bikini, ein Bein etwas angewinkelt, die Hüfte schräg. Daneben ein gezeichneter Mann, die Beine etwas auseinander, die Hände in den Taschen.

Genderkonstruktion: Frauen balancieren auf einem Bein, Männer stehen breitbeinig.

Männer sollten ganz klassisch in Szene gesetzt werden: Verschränkte Arme, Blick in die Kamera, das Ganze fotografiert von vorne mit dem ganzen Körper im Bild. Gegenstände, die als Accessoires dienen könnten, sind vor allem Schreibtische und Bürostühle, aber auch Laptops, Bücher oder sogar Werkzeug! Die Vorschläge gelten dabei für offizielle und lockere Aufnahmen. Entsprechend sind die abgebildeten Männer immer in Freizeitkleidung oder sogar Anzügen gezeigt.

Dagegen gibt es wenig Ideen, wie Frauen in formaler Kleidung oder gar an ihrem Arbeitsplatz fotografiert werden könnten, aber jede Menge Bikiniposen. Ganz­körper­bilder von stehenden Frauen gibt es – wenn – nur mit geknickter Hüfte und angewinkelten Beinen, der feste Stand bleibt den Herren vorbehalten. Außer­dem funktionieren sie laut Angabe nur mit schlanken, athletischen Frauen, wie auch einige andere Posen. Unendlich scheinen dagegen die Möglichkeiten, sich auf dem Boden zu wälzen, an den Brüsten, den Haaren oder im Gesicht zu spielen; einmal wird sogar ausdrücklich darauf verwiesen, frau sollte ihren Körper ständig verdrehen.

Natürlich kommen diese Vorschläge nicht aus dem luftleeren Raum, sondern sind einfach Beispiele für den Sexismus, der uns jeden Tag überall begegnet. Auch in Schulbüchern und Fernsehserien werden Frauen seltener bei der Arbeit gezeigt als Männer. In Frauenzeitschriften und Makeover-Shows lernen wir, unsere Kurven zu betonen – aber nur wenn wir schlank genug sind, alle anderen haben ihre ver­meintlichen Fehler zu kaschieren. Schließlich könnten Frauen auch in den Männer­posen foto­grafiert werden, während die umgekehrte Version ungewohnt ist, wie zuletzt die Men Ups von Rion Sabean dokumentierten.


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Wird Sigmar Gabriel anworten?

29. März 2012 von Helga

Seit Mittwoch sind es nicht nur Politikerinnen, denen Fragen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie gestellt werden: „Trauen Sie sich als frisch gebackener Vater die Leitung des Bundestagswahlkampfes zu?“ und „Mehr noch: Kann ein junger Vater Kanzler werden?“ – das wollen die Unterzeichnerinnen eines offenen Briefes von SPD-Politiker Sigmar Gabriel wissen. Eine davon ist Anke Domscheit-Berg, die in der deutschen Politik Nachholbedarf sieht:

Die taz berichtete schon am Dienstag über die Aktion und verwies auf die immer gleichen Fragen und Debatten, denen sich in den letzten Jahren hochrangige Politikerinnen ausgesetzt sahen. Ob Kristina Schröder oder Andrea Nahles, gerade in der Politik gelten Kinderbetreuung und Familienpflichten als „Frauensache“. Das wollen die Initiatorinnen nun ändern.

Sie haben eine wunderbare Chance, als Vorsitzender der SPD das Leitbild einer partnerschaftlichen Familie öffentlich wirksam vorzuleben und ihm damit neue Wege zu bahnen. Wir würden uns freuen, wenn Sie diese Chance wahrnehmen. Dürfen wir uns auf Ihre Antwort freuen?

Bisher ist die Reaktion leider verhalten. Statt die Chance wahrzunehmen und ein gesellschaftliches Umdenken anzustoßen, gibt es von Seiten der SPD keine offizielle Antwort. Im Gegenteil, so schreibt die taz, wurde die Aktion „intellektuell unterkomplex“ genannt. Fortschritt und echte Geschlechtergerechtigkeit sehen anders aus!

Inzwischen ist der offene Brief auf openpetition.de erschienen und kann dort von Interessierten mitunterzeichnet werden.


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Wie könnten neue Männlichkeiten aussehen?

26. März 2012 von Christoph
Dieser Text ist Teil 29 von 29 der Serie Neues vom Quotenmann

In letzter Zeit wurde vermehrt in der Öffentlichkeit über „Männlichkeit,“ gar über „Männlichkeiten“ diskutiert. Endlich! Dachte ich zunächst, wünsche ich mir persönlich doch seit längerem eine Diskussion über neue Männlichkeiten jenseits von dem, was man im Englisch-sprachigen Raum „toxic masculinity“ nennt – toxische, schadhafte, destruktive Männlichkeit.

Doch zu früh gefreut. Hauptauslöser der Diskussion war ein Zeit-Artikel der Autorin Nina Pauer mit dem Titel „Die Schmerzensmänner.“ Pauers Artikel hat ein Problem – das Zusammenstoßen von neuen und alten Männlichkeitsstereotypen. Der „Schmerzensmann“ wird definiert als Mann, der sich selbst ständig reflektiert, sich passiv an seinem Bier festhält und nicht weiß, wann er „den move“ anzusetzen hat. Angeblich sei dies ein Problem für Frauen, so Pauer, denn wer will so einen schon als Partner? Der für mich problematischste Kern des Textes offenbart sich in einem Satz: „Spiegeln gleich stehen sich die Geschlechter gegenüber und hyperreflektieren ihre Beziehung zu Tode, bevor sie überhaupt angefangen hat.“ Da ist es wieder: Es ist falsch für den Mann zu viele stereotypisch feminine Züge anzunehmen. Das „Hyperreflektieren“ einer keimenden Beziehung gehört meines Erachtens zum Stereotyp ‘junge romantische Frau’. In vielem ist der Schmerzensmann das Gegenteil eines anderen männlichen Stereotyps: Dem ‘Player’, dem jagenden Macho, der seine weiblichen Opfer analysieren zu können glaubt und „den move“ perfektioniert hat. Persönlich ist mir ja der Schmerzensmann lieber, aber darum soll es in diesem Text gar nicht gehen.

Pauer’s Schmerzensmann ist ein Stereotyp, ein überzeichneter noch dazu, eine neue Schublade in die der ‘neue Mann’ gesteckt werden soll. Explizit geht es um die heterosexuelle, romantische Zweierbeziehung, impliziert wird ein gesellschaftliches Zusammenstoßen von Weiblichkeiten und Männlichkeiten, das etwas anders formuliert auch in ihrem Buch „Wir haben keine Angst“ stattfindet. Wieder der zu passive Mann, der nichts auf die Reihe bekommt und sein Potential ausnutzt, und die zu aktive Frau, die sich bemüht Erfolg zu haben und dabei fast vor Druck zerbricht. Beides stereotype Charaktere, die unsere Gesellschaft zugegeben hervor gebracht hat. Sie sind beide Exemplare der „graduates with no future,“ der Absolventen ohne Zukunft, wie sie Paul Mason in seiner Analyse der letztjährigen Revolutionen und Aufständen „Why It’s Kicking Off Everywhere“ beschreibt: Junge Menschen, gut ausgebildet aber ohne direkten Zukunftsplan. Junge Menschen, die zwischen den Rollen, die ihnen vorgelebt und vorhergesagt wurden, hängen. (weiterlesen …)


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Sexismus, Rassismus – von allem zu viel: Die Blogschau

3. März 2012 von Verena
Dieser Text ist Teil 147 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Ohne Axe hätten FeministInnen nur halb so viel zu tun. Bezugsgruppe Beckham kommentiert die jüngste Kampagne der Deo-Stinker. Und die jüngste H&M-Unterwäschenkampagne kriegt auch einen geklebt.

Sexistische Kackscheisse passiert natürlich nicht nur in der Werbung, auch die Comics sind prädestiniert, weibliche Körper in einer Art und Weise darzustellen, die nicht nur Anatomie-Experten kotzen lässt. Die Eschergirls kotzen mit.

Den Unternehmerinnen und KünstlerInnen des Berliner Sigmaringer 1-Zentrums droht die Räumung. Am 8. März wird über den Kauf des Gebäudes entschieden. Im Blog gibt es alle Infos, warum der Erhalt des Zentrums dringend notwendig ist.

Wolkenkuckucksblog macht sich anhand dieses Beitrags auf Social Images Gedanken über die mangelnde Diversität sogenannter Mamablogs

Das Ende des Sex äußert sich zur Stellungsnahme des deutschen Ethikrates zur Intersexualität und bemängelt nicht nur die bedenkenswerte medizinische Terminologie, mit der Intersexualität noch immer als Krankheit stigmatisiert wird sondern auch die Laxheit im Umgang mit dem medizinischen Forschungsstand an sich.

Über ihre geschlechtsangleichende Operation berichtet Michaela Werner in ihrem Blog – inklusive Blick vom Krankenhausbett aus und Podcast.

Richtig miesen Rassismus hat High On Clichés gefunden: Der Jahreskalender der Deutschen Polizeigewerkschaft greift mit grotesk überzeichneten Stereotypen von Schwarzen und Migrant_innen völlig daneben. Aber Rassismus? Nah!

Auch Afrika Wissenschaft ärgert sich über rassistische Stereotype, gefunden in der Modefotostrecke des aktuellen Missy Magazines. Die haben mittlerweile auch schon drauf reagiert.

Das Missy Magazine dagegen freut sich über ihren März-Blogger: Hans-Georg Nelles vom Väter-Blog, passend zur aktuellen Ausgabe, in der der Feminismus mit Eiern näher begutachtet wird.

“Hate Crime vs. Hate speech?”, fragt Karnele und berichtet über die Anklage dreier Lesben in den USA, die einen Schwulen zusammen geschlagen haben sollen – nicht aus Schwulenfeindlichkeit sondern als Reaktion auf dessen rassistische Beschimpfungen.

Queernews berichtet über die Entscheidung des philippinischen Supreme Court, die Homosexualität eines Richters nicht als unmoralisch zu werten.

Die Aktion, mit der mehr 350 Journalistinnen vergangene Woche eine Quote von 30 Prozent Frauenanteil in redaktionellen Führungspositionen gefordert haben, habt ihr wahrscheinlich mitbekommen. Antje Schrupp hat den Aufruf nicht unterzeichnet. Warum und was sie stattdessen tut, erklärt sie in ihrem Blog.

Eine neue Folge von previously ist da: der Radiosendung, die TV-Serien auf ihren Umgang mit Sexismus, Rassismus etc untersucht. Die früheren Folgen + Transkripte findet ihr ebenfalls jeweils auf der Startseite.


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Männliche Vergewaltigungsopfer? Dänemark diskutiert

24. Februar 2012 von Verschiedenen
Dieser Text ist Teil 25 von 26 der Serie Der Kommentar

Verena Haßler ist vor eineinhalb Jahren nach Dänemark gezogen, wo sie für ihr Studium bevorzugt europäische Fragestellungen aus der Genderperspektive heraus analysiert. Im Moment schreibt sie an ihrer Masterarbeit über Intersektionalität in der Kommunalpolitik im deutsch-dänischen Vergleich. Sie freut sich, dass in ihrer Wahlheimat feministische Diskurse eine vergleichsweise breite Öffentlichkeit mit einschließen, beobachtet aber mit Sorge, wie das ehemalige Vorreiterland gleichstellungspolitisch immer mehr den Anschluss an seine skandinavischen Nachbarn verliert. In ihrer Freizeit trainiert sie Taekwondo und arbeitet ehrenamtlich für das Frauenmuseum in Aarhus.

[Triggerwarnung] Ein sexualisierter Übergriff in der dänischen Version der Reality-TV-Show “Paradise Hotel” (Staffel 8, Folge 9) hat in der letzten Woche zu heftigen Diskussionen in den dänischen Online-Medien geführt. Paradise Hotel ist ein Reality-TV-Format, das ursprünglich aus den USQ stammt und gezielt auf die Überschreitung sexueller Grenzen setzt. Eine Gruppe von Single-Frauen und –Männern konkurriert darum, bis zum Ende der Show in einem Luxus-Hotel in südlichen Gefilden bleiben zu dürfen. Unter anderem werden die teilnehmenden Männer und Frauen jede Woche zu Pärchen zusammengesetzt, die dann ein Hotelzimmer teilen müssen.

In der besagten Ausstrahlung sieht man, wie Show-Teilnehmer Julian betrunken auf einer Bank einschläft. Dort entdecken ihn zwei andere Teilnehmerinnen, die sich ihm mit den Worten “Sollen wir ihn vergewaltigen?” nähern. Eine der jungen Frauen setzt sich rittlings auf ihn, während die andere versucht ihn zu küssen und schließlich seine Genitalien berührt. Im weiteren Verlauf öffnet Julian schließlich die Augen und schläft nach einem kurzen Gespräch mit einer der Frauen zusammen mit ihr ein.

Der Programmdirektor von TV3 erklärte, die Szene sei senderintern diskutiert worden. “Vergewaltigung” sei ein heftiger Begriff, man sei sich jedoch einig gewesen, dass es sich in diesem Fall bloß um einen Begriff aus dem “Mädchenjargon” der Teilnehmerinnen gehandelt habe, die ja mehrmals darüber gesprochen hätten, dass sie sich gerne “auf die Jungs stürzen” wollen. Eine fragwürdige Begründung, wenn man mich fragt, fast so verharmlosend wie die Aussage eines anderen Debattenteilnehmers, wonach angeblich alle Männer gern von zwei hübschen Mädels “vergewaltigt” werden wollen, und wonach man eben akzeptieren müsse, dass es Unterschiede zwischen den Geschlechtern und deren Rolle im sexuellen Zusammenspiel gäbe.

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Sexismus, David Beckham und Klischees über Veganer_innen – die Blogschau

11. Februar 2012 von Nadine
Dieser Text ist Teil 144 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

I do give a damn setzt sich mit Klischees über Veganer_innen auseinander.

High On Clichés gibt Tipps, wie mensch sich widerständig gegenüber rape culture positionieren kann. Teil 1, Teil 2.

Manu bloggt geht der Reproduktion von Zweigeschlechtlichkeit in Spielzeugläden nach.

Das Missy Magazine hat die Macherinnen vom Girl Gang Zine interviewt.

Die Spielfeldschnitte bedankt sich bei Thees Uhlmann für eine kritische Nachfrage in Sachen Sexismus.

Die Fuckermothers kritisieren die Bilder-Politik von Facebook, Fotos von stillenden Müttern aufgrund von Verletzungen gegen die Nutzungsbedingungen zu löschen.

Diana analysiert die aktuelle H&M-Werbekampagne mit David Beckham und ist erstaunt über die veränderten Blicke und Brüche in der sonst so eintönig heteronormativen wie sexistischen Werbelandschaft.

Rheinsalon stellt fest: Wenn Väter sich mehr an der Haus- und Erziehungsarbeit beteiligen, haben ihre Kinder in der Schule bessere Noten.

Anders Deutsch fasst noch einmal die Debatte um die Diskriminierung eines Trans*Kindes zusammen, dem keine Hormonbehandlung zugestanden wird.


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Wie LEGO vom Kinder- zum Jungenspielzeug wurde

10. Februar 2012 von Helga

Ein Mädchen mit roten Haaren und Jeanslatzhose hält ein buntes Legohaus in den Händen. Davor die Aufschrift: What it is is beautiful.Vor einiger Zeit erst wurde eine alte Legowerbung durch die Twitter- und Blogosphäre gereicht. Eine Werbung aus der „guten alten Zeit“, als Lego noch für Kinder war. Bis heute scheint es aber für Mädchen uninteressant geworden zu sein, denn kurz darauf verkündete Lego, endlich eine Produktserie für Mädchen aufgelegt zu haben.
Wer jetzt schlimmes ahnt – ja, es ist alles pink, die Figuren sehen mehr aus wie Barbies und der Bastel- und Baueffekt ist völlig in den Hintergrund getreten. Vor allem ist es nichts Neues, wie Anita Sarkeesian in Feminist Frequency anschau­lich darstellt, sondern reiht sich ein in mehrere gescheiterte Versuche, Lego zu „pinkifzieren“. (Beim Klick auf CC gibt es Untertitel, auch in Deutsch.)

Aber warum stehen Mädchen heute so wenig auf Lego? Zufall war es nicht. Dahinter stehen jahrelange Marketingkampagnen, die Lego ein eindeutiges Image als „Jungenspielzeug“ gaben: (weiterlesen …)


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Sag mir, wie soll ich fühlen?

10. Februar 2012 von Jennifer
Dieser Text ist Teil 42 von 48 der Serie Meine Meinung

Der Hype um die „Twilight“-Saga ebbt allmählich ab – stark angesagt bei jungen Leserinnen ist dafür derzeit die „Tribute von Panem“-Trilogie. Und die hat endlich mal eine starke, selbstbewusste junge Heldin zu bieten. Oder?

So langsam ist es ja auch mal gut mit der schönen Bella und ihrem keuschen Vampir. Der letzte Band der „Twilight“-Reihe ist schon eine Weile auf dem Markt, der erste Teil seiner auf zwei Folgen angelegten Verfilmung kam im letzten Winter in die Kinos. Weil Bella darin ihrem schönen Blutsauger Edward das Ja-Wort gab, durfte sie auch endlich mit ihm Sex haben – musste sich dann aber ganz klassisch gleich wieder für ihr ungeborenes Vampirkind opfern. Denn eine Abtreibung kommt in der von einer Mormonin erdachten Geschichte natürlich auch bei Lebensgefahr für die Mutter nicht in Frage. Der zweite Teil soll nun im kommenden Winter die Leinwände erobern. Wer die Bücher gelesen hat, weiß, dass sich am Rollenbild – hier der starke, beherrschte und sich über seine Gefühle stets im Klaren befindliche Mann und dort die emotionale und unsichere, aber durch ihre Intuition alles richtende Frau – nichts mehr ändern wird.

Aber dafür gibt es ja jetzt eine neue Romanreihe für jugendliche Leserinnen. Und für „Die Tribute von Panem“ (im Original „The Hunger Games“) hat sich die Autorin Suzanne Collins wenigstens mal eine starke weibliche Heldin ausgedacht: Die 16-jährige Katniss lebt in einer nahen Zukunft in Panem, dem einstigen Nordamerika, das von Naturkatastrophen und Bürgerkriegen verwüstetet wurde.

Beherrscht wird Panem vom grausamen „Capitol“. Um das Volk gefügig zu halten, haben sich die Tyrannen ein besonders perfides Mittel ausgedacht: die Hungerspiele! Jedes Jahr werden aus allen Distrikten je ein Junge und ein Mädchen ausgelost, die in einer Arena gegeneinander antreten müssen – auf Leben und Tod. Dem Sieger winkt ein Leben in Saus und Braus, doch bis er die anderen zwangsrekrutierten Gladiatoren niedergemetzelt hat, sind alle Einwohner Panems verpflichtet, sich die Spiele live vor dem Fernseher anzuschauen.

Als das Los auf Katniss’ kleine Schwester Prim fällt, meldet stattdessen sie selbst sich freiwillig. Immerhin kann sie mit Pfeil und Bogen umgehen, ihre Chancen stünden also vielleicht gar nicht so schlecht. Nur mit einem hat die eigentlich so toughe Katniss nicht gerechnet: Dass der andere Kandidat aus ihrem Distrikt ausgerechnet ihr netter Klassenkamerad Peeta sein könnte. Und dass Peeta, der eigentlich doch ein tödlicher Konkurrent ist, sich im Verlaufe der Spiele auffallend um sie bemüht, ihr sogar das Leben rettet … (weiterlesen …)


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