Einträge der Rubrik ‘Was tun?!’


Sportlerin Friedrich und die mediale Rezeption sexueller Belästigung

24. April 2012 von Nadia

Seit einigen Tagen wird Ariane Friedrichs Umgang mit einem Fall sexueller Belästigung im Social Web heftig diskutiert. Mehr noch: Friedrich wird von einigen Medien zur “Täterin” stilisiert. Sie hatte auf Ihrer Facebook-Seite ein Posting veröffentlicht, in dem sie einen User, der sie via Nachricht (inkl. Bilddatei) derb belästigt hatte, mit Namen und Wohnort nennt. Sie sei es leid, ständig solche Vorfälle zu erleben und dann darüber zu schweigen, und sie habe mit dieser Aktion beschlossen, sich zu wehren: “Es ist Zeit zu handeln, es ist Zeit, mich zu wehren. Und das tue ich. Nicht mehr und nicht weniger.” Eine kleine Medienrezeption zeigt allerdings, wo wir im Umgang mit sexueller Belästigung von Frauen stehen.

Die Diskussion ist erhitzt: Neben der Problematik, dass der betreffende User mit seinem Namen nicht der Einzige in seiner Region ist, wird der “Pranger-Effekt” angemäkelt. Interessant ist, wie in manchen Berichten aber auch gefordert wird, Frauen sollten die Situation mit dem Belästiger doch bitte erstmal selbst “aufklären” – heißt: Zum Beispiel in Kommunikation mit ihm treten. (weiterlesen …)


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Familienplanung und Repräsentation von afrikanischen Frauen

11. April 2012 von Helga

Letzte Woche war die Reihe TEDxChange zu Gast in Berlin und ich mit einigen anderen Bloggerinnen (u.a. Milena) eingeladen – unter dem Label „The Big Picture“ ging es neben Nachhaltigkeit vor allem um Frauengesundheit und Familien­planung (anzuschauen hier, auch auf Deutsch, leider ohne Untertitel).

Ein dunkelblaues Plakat mit der Aufschrift BIG PICTURE

Zunächst sprach Jeff Chapin von Ideo über den Design- und Vertriebsprozess für Sanitäranlagen in Entwicklungsländern. Auch wenn viele Leute sehr begeistert waren, ein gewisses „Duh“ oder „ne ernsthaft?“ kann ich mir nicht verkneifen, angesichts der Erkenntnis, dass Produkte nicht immer so verwendet werden, wie Designer_innen es sich gedacht hatten. Wenig Begeisterung weckte auch der Talk von Sven Giegold, Mitglied des EU-Parlaments für die Grünen. Das wichtige Thema „Energiewende“ vermittelte er den Zuhörenden leider nicht im Big Picture, sondern verzettelte sich in kleinteiligen Informationen.

Zwischenapplaus bekam dagegen Theo Sowa (PDF), die derzeit für den African Women’s Development Fund arbeitet und sich für Frauen- und Kinderrechte einsetzt. Sie erzählte von Konferenzen, die sich mit dem Einfluss von HIV und AIDS auf afrikanische Frauen beschäftigen, dabei aber keine afrikanische Frau anhören oder auf ihre Erfahrung zurückgreifen. Schuld daran sei, dass afrikanische Frauen immer noch als Opfer und schwach gesehen werden und niemand Opfern zuhören wolle. Mit Felicia Darkwa, Ida Mukuka und Gisele Yitamben stellte sie dann gleich drei Frauen vor, deren Arbeit viel bewirkt hat und auf die dringend gehört werden müsse.

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Neues über die Europäische Schutzanordnung

28. März 2012 von Franziska
Dieser Text ist Teil 19 von 19 der Serie Post aus Brüssel

Salut,

im vergangenen Oktober hatte ich euch bereits über die Europäische Schutzanordnung berichtet, die für besseren grenzüberschreitenden Opferschutz sorgen soll. Die Schutzanordnung ist jedoch nur ein Teil aus dem sogenannten Opferschutzpaket, das die Europäische Kommission am 18. Mai 2011 vorgestellt hat. Dieses besteht aus insgesamt drei Teilen:

  • einem Vorschlag für eine Richtlinie über Mindeststandards für die Rechte und den Schutz von Opfern von Straftaten sowie für die Opferhilfe,
  • einem Vorschlag für eine Verordnung über die gegenseitige Anerkennung von Schutzmaßnahmen in Zivilsachen und
  • einer Mitteilung zur Stärkung der Opferrechte.

Auf meiner Homepage sind alle Teile noch mal näher erklärt.

Illustration: (c) Eva Hillreiner

(c) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Die Richtlinie über Mindeststandards, also Teil 1 des Pakets, ist derzeit der einzige konkrete Gesetzesvorschlag auf EU-Ebene, der sich mit Gewalt gegen Frauen befasst. Hier gibt es jetzt Fortschritte zu vermelden. Der Vorschlag formuliert einheitliche Mindeststandards für den Opferschutz auf europäischer Ebene und zeichnet sich vor allem durch seinen horizontalen Ansatz aus. Damit soll sicher gestellt werden, dass jedes Verbrechensopfer entsprechend seiner besonderen Bedürfnisse unterstützt wird. Ein Schwerpunkt wird dabei auf die Informationsrechte gelegt: Das Opfer soll bereits bei der ersten Kontaktaufnahme mit einer zuständigen Behörde über seine rechtlichen Möglichkeiten und sonstige Unterstützungsangebote sowie ggfs. über das weitere Verfahren seines Falles informiert werden. Der Bericht dazu wird im Europäischen Parlament gemeinsam vom Innen- und Gleichstellungsausschuss erarbeitet. Die mehr als 100 eingebrachten Änderungsanträge zeigen, dass es noch Diskussionsbedarf zum Thema gibt.

Es ist grundsätzlich positiv zu werten, dass die Rechte der Opfer stärker ins Visier rücken – und nicht wie bisher nur die Rechte der TäterInnen, zum Beispiel auf ein faires Verfahren. Außerdem finde ich es gut, dass geschlechtsspezifische Gewalt explizit erwähnt wird, allerdings wäre es wünschenswert, dass diese konkret als “Gewalt gegen Frauen” definiert würde. Gewalt gegen Frauen ist immer noch viel zu oft unsichtbar und wird unterschätzt. Dabei erfordert gerade die Tatsache, dass die meisten Delikte von dem Opfer nahestehenden Personen verübt werden, was häufig zu schweren Traumata führt, besonderen Schutz und fachliche Unterstützung der Opfer. Weiterhin muss allen Frauen, die Opfer von Gewalt werden, der gleiche Schutz zugestanden werden, unabhängig von ihrem (Migrations-)Hintergrund und Aufenthaltsstatus in einem Land. Sehr umstritten ist die Frage, ob nach unschuldigen und schuldigen Opfern unterschieden werden soll. Ist eine Frau, die sich als Prostituierte bewusst in Menschenhandel begibt, ein weniger schützenswertes Opfer als eine Frau, die dazu gezwungen wird? Ich finde nicht, aber einige meiner KollegInnen im Gleichstellungsausschuss sehen das anders. Ihr könnt die spannende Abstimmung über den Bericht hier verfolgen.

Viele Grüße,
eure Franziska


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Open Data – Chance für Emanzipation?

20. März 2012 von Helga

Wörterwolke zum Thema Open Data

CC-BY Open Knowlegde Foundation Deutschland

„Öffentliche Daten nützen, private Daten schützen.“ (CCC hackerethics)

Während sich die Debatten im Internet lange mit dem zweiten Teil dieses alten Satzes beschäftigten, rückt langsam auch der Erste wieder ins Bewußtsein. Open Data oder auch Open Government sind die Schlagworte, unter denen mehr Transparenz und Offenlegung von (vor allem) staatlichen Stellen gefordert werden. Ob statistische Erhebungen, Budgets oder Geoinformationen – wenn Daten öffentlich gemacht werden, ermöglichen sie Information, Kontrolle und Teilhabe von Bürger_innen im Staat.

Also, Daten einfach freigeben und alles wird super? So einfach ist das nicht, wie vor kurzem ComputerWeekly anmerkte. Um wirklich etwas verbessern zu können, müssten einige Voraussetzungen erfüllt werden. Ansonsten droht auch die Open Data-Bewegung, nur bestehende Machtverhältnisse zu festigen und soziale, wie digitale Unterschiede zu vertiefen.

Zum Einen bedürfe es verwertbarer Formate, in denen die Daten ausgegeben werden. Wie man „offene Daten“ ziemlich unbenutzbar machen kannte, hat zuletzt Facebook demonstriert. Als Student Max Schrems seine Daten einforderte, bekam er eine CD mit 1.222 Seiten im PDF-Format zugesandt. Durchzulesen sind soviele Seiten kaum und die Nutzung aus einem PDF heraus ist äußerst aufwendig. In konkreten Fall war ein Programmierer eine Woche beschäftigt, die Daten aufzubereiten, um die Weiterverarbeitung zu ermöglichen.

Hier wird bereits das zweite Problem deutlich: Bisher ist die Nutzung und Verarbeitung von offenen Daten fast ausschließlich Programmierer_innen vorbehalten. Einem gesellschaftlich breit angelegtem Umgang steht nötiges Spezialwissen entgegen. Ändert sich an dieser Stelle nichts, festigt sich der Status der „Informationshüter_innen“ nur weiter. Verloren gehen kreative Ansätze von „außen“, wie auch Umsetzungen in Gemeinschaften – von den Betroffenen selbst.

Über die maschinenlesbare und einfach zu verwendende Formate ist die Diskussion schon eine Weile im Gange. Ebenfalls angekommen sind Überlegungen zum Spannungsfeld, was veröffentlicht werden darf und was nicht. Nur die Frage, wer eigentlich mit den Daten umgehen kann und wie möglichst viele Menschen einbezogen werden können, wird bisher verdrängt. Dabei sind gerade hier neue Ideen und Ansätze nötig, um die Möglichkeiten von Open Data ausnutzen zu können.


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Sexismus, Rassismus – von allem zu viel: Die Blogschau

3. März 2012 von Verena
Dieser Text ist Teil 147 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Ohne Axe hätten FeministInnen nur halb so viel zu tun. Bezugsgruppe Beckham kommentiert die jüngste Kampagne der Deo-Stinker. Und die jüngste H&M-Unterwäschenkampagne kriegt auch einen geklebt.

Sexistische Kackscheisse passiert natürlich nicht nur in der Werbung, auch die Comics sind prädestiniert, weibliche Körper in einer Art und Weise darzustellen, die nicht nur Anatomie-Experten kotzen lässt. Die Eschergirls kotzen mit.

Den Unternehmerinnen und KünstlerInnen des Berliner Sigmaringer 1-Zentrums droht die Räumung. Am 8. März wird über den Kauf des Gebäudes entschieden. Im Blog gibt es alle Infos, warum der Erhalt des Zentrums dringend notwendig ist.

Wolkenkuckucksblog macht sich anhand dieses Beitrags auf Social Images Gedanken über die mangelnde Diversität sogenannter Mamablogs

Das Ende des Sex äußert sich zur Stellungsnahme des deutschen Ethikrates zur Intersexualität und bemängelt nicht nur die bedenkenswerte medizinische Terminologie, mit der Intersexualität noch immer als Krankheit stigmatisiert wird sondern auch die Laxheit im Umgang mit dem medizinischen Forschungsstand an sich.

Über ihre geschlechtsangleichende Operation berichtet Michaela Werner in ihrem Blog – inklusive Blick vom Krankenhausbett aus und Podcast.

Richtig miesen Rassismus hat High On Clichés gefunden: Der Jahreskalender der Deutschen Polizeigewerkschaft greift mit grotesk überzeichneten Stereotypen von Schwarzen und Migrant_innen völlig daneben. Aber Rassismus? Nah!

Auch Afrika Wissenschaft ärgert sich über rassistische Stereotype, gefunden in der Modefotostrecke des aktuellen Missy Magazines. Die haben mittlerweile auch schon drauf reagiert.

Das Missy Magazine dagegen freut sich über ihren März-Blogger: Hans-Georg Nelles vom Väter-Blog, passend zur aktuellen Ausgabe, in der der Feminismus mit Eiern näher begutachtet wird.

“Hate Crime vs. Hate speech?”, fragt Karnele und berichtet über die Anklage dreier Lesben in den USA, die einen Schwulen zusammen geschlagen haben sollen – nicht aus Schwulenfeindlichkeit sondern als Reaktion auf dessen rassistische Beschimpfungen.

Queernews berichtet über die Entscheidung des philippinischen Supreme Court, die Homosexualität eines Richters nicht als unmoralisch zu werten.

Die Aktion, mit der mehr 350 Journalistinnen vergangene Woche eine Quote von 30 Prozent Frauenanteil in redaktionellen Führungspositionen gefordert haben, habt ihr wahrscheinlich mitbekommen. Antje Schrupp hat den Aufruf nicht unterzeichnet. Warum und was sie stattdessen tut, erklärt sie in ihrem Blog.

Eine neue Folge von previously ist da: der Radiosendung, die TV-Serien auf ihren Umgang mit Sexismus, Rassismus etc untersucht. Die früheren Folgen + Transkripte findet ihr ebenfalls jeweils auf der Startseite.


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Männliche Vergewaltigungsopfer? Dänemark diskutiert

24. Februar 2012 von Verschiedenen
Dieser Text ist Teil 25 von 26 der Serie Der Kommentar

Verena Haßler ist vor eineinhalb Jahren nach Dänemark gezogen, wo sie für ihr Studium bevorzugt europäische Fragestellungen aus der Genderperspektive heraus analysiert. Im Moment schreibt sie an ihrer Masterarbeit über Intersektionalität in der Kommunalpolitik im deutsch-dänischen Vergleich. Sie freut sich, dass in ihrer Wahlheimat feministische Diskurse eine vergleichsweise breite Öffentlichkeit mit einschließen, beobachtet aber mit Sorge, wie das ehemalige Vorreiterland gleichstellungspolitisch immer mehr den Anschluss an seine skandinavischen Nachbarn verliert. In ihrer Freizeit trainiert sie Taekwondo und arbeitet ehrenamtlich für das Frauenmuseum in Aarhus.

[Triggerwarnung] Ein sexualisierter Übergriff in der dänischen Version der Reality-TV-Show “Paradise Hotel” (Staffel 8, Folge 9) hat in der letzten Woche zu heftigen Diskussionen in den dänischen Online-Medien geführt. Paradise Hotel ist ein Reality-TV-Format, das ursprünglich aus den USQ stammt und gezielt auf die Überschreitung sexueller Grenzen setzt. Eine Gruppe von Single-Frauen und –Männern konkurriert darum, bis zum Ende der Show in einem Luxus-Hotel in südlichen Gefilden bleiben zu dürfen. Unter anderem werden die teilnehmenden Männer und Frauen jede Woche zu Pärchen zusammengesetzt, die dann ein Hotelzimmer teilen müssen.

In der besagten Ausstrahlung sieht man, wie Show-Teilnehmer Julian betrunken auf einer Bank einschläft. Dort entdecken ihn zwei andere Teilnehmerinnen, die sich ihm mit den Worten “Sollen wir ihn vergewaltigen?” nähern. Eine der jungen Frauen setzt sich rittlings auf ihn, während die andere versucht ihn zu küssen und schließlich seine Genitalien berührt. Im weiteren Verlauf öffnet Julian schließlich die Augen und schläft nach einem kurzen Gespräch mit einer der Frauen zusammen mit ihr ein.

Der Programmdirektor von TV3 erklärte, die Szene sei senderintern diskutiert worden. “Vergewaltigung” sei ein heftiger Begriff, man sei sich jedoch einig gewesen, dass es sich in diesem Fall bloß um einen Begriff aus dem “Mädchenjargon” der Teilnehmerinnen gehandelt habe, die ja mehrmals darüber gesprochen hätten, dass sie sich gerne “auf die Jungs stürzen” wollen. Eine fragwürdige Begründung, wenn man mich fragt, fast so verharmlosend wie die Aussage eines anderen Debattenteilnehmers, wonach angeblich alle Männer gern von zwei hübschen Mädels “vergewaltigt” werden wollen, und wonach man eben akzeptieren müsse, dass es Unterschiede zwischen den Geschlechtern und deren Rolle im sexuellen Zusammenspiel gäbe.

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Was ist eigentlich… ACTA?

26. Januar 2012 von Helga

Mittwoch vor einer Woche waren vor allem englisch-sprachige Webseiten schwarz. Hintergrund war das drohende Gesetz SOPA. Wie der Name “Stop Online Piracy Act” verhiess, sollte es Piraterie im Internet eindämmen – es war allerdings so schwammig geschrieben, dass es zur Abschaltung beliebiger Webseiten ohne Gerichtsverfahren geführt hätte. Nach dem massiven Protest schwand aber die Unterstützung im US-Repräsentatenhaus und das Gesetz wird erst einmal überarbeitet. (Schmankerl am Rande: Der Autor des Gesetzes, Lamar Smith, hatte auf seiner Webseite selbst Bilder ohne Genehmigung verwendet.)

Damit allerdings ist das Thema „unliebsame Webseiten einfach abschalten“ noch lange nicht vom Tisch. Denn nun steht das internationale Handelsabkommen ACTA (Anti-Counterfeiting Trade Agreement) vor der Tür, wie das Kotzende Einhorn erinnert. Auch ACTA soll verhindern, dass im Internet das Urheberrecht verletzt wird – dies sollen bereits die Internetanbieter_innen machen, die dafür kontrollieren müssten, was ihre Kund_innen im Internet eigentlich machen. Nicht nur würde so massiv die Privatsphäre verletzt, auch die eigenmächtige Kappung von Internetzugängen durch die Provider steht im Raum: Sie würden zu privater Polizei und Richter_innen in einem. So hätte die Kontroverse um den Privilege Denying Dude auch mit der Sperrung des Internetzugangs für die Verantwortliche enden können, statt „nur“ mit einer Abmahnung.


Say no to ACTA von QuadratureDuNet

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Frauen in der Wikipedia: Die Debatte geht weiter

24. Januar 2012 von Helga

Wo sind eigentlich die Frauen in … der Wikipedia? Um diese Variation einer im Internet schon viel zu häufig gestellten Frage ging es bereits 2010/2011 und derzeit wieder bei bei netzpolitik. Auffällig war zunächst die unterirdische Repräsentation von Frauen auf den Wikipedia-Startseiten. In den Kommentaren wurde dabei schnell deutlich, dass auch die Autor_innenschaft eher eine Autorenschaft ist, die Schreiberinnen eher abschreckt. So vermutete Justine Cassell, dass die Wikipedia-spezifische Diskussionskultur es Frauen schwer mache, sich einzubringen. So müssten Einträge und Änderungen immer wieder verteidigt werden. Und auch wenn 2011 Amerikanerinnen sehr wohl in der Lage seien, sich auszudrücken und ihre Standpunkte zu verteidigen, würden sie immer noch schneller dafür negativ abgestempelt werden. Frei nach dem Klischee „Männer diskutieren, Frauen zicken“.

Der obere Teil eines weißen Balls aus Puzzleteilen, in der Mitte ein großes W (aus dem Wikipedia-Logo)

CC-BY-2.0 jaaron

Was also ist zu tun? Kommentatorin Angelika wies damals schon auf einen Artikel von Sue Gardner hin, der aufzeigt, wie Frauen fürs Programmieren (und damit auch Wikipedia) gewonnen werden können. Einige kamen schon in den 4 Wegen, Frauen und Technik zusammen zu bringen vor, etwa: Hürden erkennen und abbauen, gezielt Frauen ansprechen und eine frauen-freundliche Arbeitsumgebung schaffen (z.B. auf sexistische Witze verzichten).

Einiges hat sich seitdem getan. So zweifelte noch 2011 Slate, ob der geringe Autorinnenanteil wirklich ein Problem sei. Wohingegen die New York Times es problematisch fand, dass preisgekrönte Autorinnen nur kurz erwähnt werden, während männliche Computerspielcharaktere ausführlich dargestellt werden. Diese Debatten sind verstummt, inzwischen wurde eine Mailingliste zum Gender Gap eingerichtet, Diversität soll eines der Hauptthemen der Wikipedia Academy 2012 werden, wie auch die Diskussionskultur bei der Wikimania 2012. (weiterlesen …)


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Sexistisch in den Advent und anderes Erhellendes in der Blogschau

26. November 2011 von Verena
Dieser Text ist Teil 135 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

denkwerkstatt regt sich über die Titelgeschichte des Magazings profil auf, wonach jede zweite Österreicherin an den Rückzug zu Kindern und Küche denke. Was das für die finanzielle Sicherheit dieser Frauen bedeutet ist klar: Vertrauen in die Partnerschaft.

paper cuts überlegt, warum sie sich als “beinharte Feministin” bezeichnet, obwohl sich ihr referentieller Lesekonsum in Grenzen hält. Aber statt Theorie hat sie jahrelange praktische Erfahrung damit, was es heißt “ein Mädchen” zu sein. Und ein paar Wünsche für eine besser Zukunft außerdem.

Ein Fremwörterbuch hinterfragt – nicht zum ersten Mal – Rassismus als Randproblem und als in der rechten Szene verortetes Problem. Zwar setze langsam eine stärkere Sensibilisierung unter “Migranten, Deutschen mit Migrationshintergrund und engagierten autochtonen Deutschen”, aber was wir brauchen ist die ehrliche Auseinandersetzung in der Mehrheitsgesellschaft.

Piratenweib hält Ausschau nach Weihnachtsgeschenken und entdeckt jede Menge sexistische Kackscheisse. Das zieht jede Menge Fragen nach sich, zum Beispiel warum sexistische Werbung Männer ins Lächerliche zieht und Frauen ins Sexuelle?

In würgende Weihnachtsstimmung bringt sich auch kopfweh statt rausch mit einem Blick auf die Werbung für den nahenden Axe Weihnachtskalender. Jaja, die Geschenke von unseren Freunden der Deo-Vermarkung sind uns ohnehin die liebsten…

Die kleine Ethnologin hat sich durch die Zeitungen und ihre Darstellung von Frauen in der rechten Szene gelesen und kommentiert die Berichte auf SpOn, in der Sz und taz.

Astrodicticum Simplex geht in Deckung angesichts pink-mit-grusel Spielsachen, die Mädchen Wissenschaft näher bringen sollen. Das ist auch ein gutes Beispiel für Clarke’s Law for Girls’ Toys.

Wikimedia-Geschäftsführerin Sue Gardner war gerade in Deutschland zu Besuch und hat in unterschiedlichen Interviews eine Erhöhung der Autorinnenquote bei Wikipedia gefordert. Warum es nicht so leicht ist, in dem Männerclub einen Pumps auf den Boden zu kriegen, erklärt Andreas Kemper  im Blog von der Freitag.

Adrians Blog wägt die Vorteile einer (pro)feministischen Männerorganisation ab. Neben theoretischen Aspekten wie Reflexion und Männlichkeitsforschung könnten Demos und Engagement in Gruppen und im Netz auch aktionistisches Potential entfalten.

Anarchie und Lihbe berichtet, wie sie der sexuellen Belästigung während ihrer Ägyptenreise mit einer hässlichen Gummifratze begegnete. Lustig ist das nicht, eher verwirrend und von nachdenklichen Fragen begleitet.

Genderverrückt nennt sich ein neues Gender-Blog, geschrieben von jemandem “meist als männlich gelesen” mit dem Ziel “ohne Pathos und eher der Konvention gerecht: Hegemoniale Männlichkeit dekonstruieren, männliche Identität queeren.”

So Let’s Have A Baby zeigt ein Schauspiel in drei Akten: SAT 1 und die Frage, warum Homos eigentlich keine Kinder adopieren können. In den Hauptrollen: eine lesbische Frau, ein schwuler Mann und zwei – das Gesetz Gottes – vertretende Christen.

Und noch ein aktueller Termin:

Am 1. Dezember stellen im Audimax der Uni Halle ab 19 Uhr  Gesa Mayer und Robin Bauer in ihren Vorträgen die Monogamie sowohl in hertero- als auch homosexuellen Beziehungen als romantisiertes Ideal in Frage.


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Rumänische FeministInnen protestieren gegen Gewalt

22. November 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 15 von 19 der Serie Im Osten nichts Neues?

Am 25. November, dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, organisiert die rumänische AktivistInnen-Gruppe FILIA eine Protestaktion gegen die Verdrängung dieses Themas in der lokalen Öffentlichkeit. Mit einer Demo vor dem Parlament in Bukarest will die universitätsnahe feministische Initiative konkrete Gesetzesänderungen erreichen. So soll in Fällen von physischer Gewalt der frühzeitige Einsatz der Behörden erleichtert, das Netz von Frauenhäusern ausgebaut und die Täter tatsächlich bestraft werden. Vor allem wollen aber die akademisch geprägten AktivistInnen ein Zeichen setzen und das Problem endlich auf die politische Agenda bringen.

Plakat der Organistaion FILIA: Das Gesicht einer jungen blonden Frau mit einem großen Bluterguss auf der Wange

Aufruf zum Stopp von Gewalt gegen Frauen. Copyright FILIA

Das ist eine durchaus sinnvolle Idee, die mittlerweile eine breitere Unterstützung – unter anderen auch bei den schwulen und Roma-Organisationen – gefunden hat. Denn schon die offiziellen Statistiken erzählen eine grausame Geschichte. Zwischen 2004 und 2008 wurden in Rumänien fast 50.000 Frauen Opfer häuslicher Gewalt, die in rund 700 Fällen tödliche Folgen hatte: Im Durchschnitt wurde also alle zwei Tage eine Rumänin umgebracht. Im Jahr 2009 stieg die jährliche Opferzahl noch einmal dramatisch um acht Prozent auf 12.000 an. War es die Wirtschaftskrise, die viele Menschen in die Arbeitslosigkeit und Armut getrieben hat und die reale Opferzahl steigen ließ? Oder war es im Gegenteil ein erhöhtes Problembewusstsein, ein moderneres Selbstverständnis, das immer mehr Frauen den Mut gab, das Schweigen zu brechen?

Wir wissen es nicht. Diese schreckliche Zahl lässt sich schwer einschätzen. Armut scheint auf dem ersten Blick keine wichtige Rolle zu spielen. Zwar verdienen 60 Prozent der Opfer weniger als das rumänische Durchschnittseinkommen (das sind im Monat 350 Euro netto). Aber das ist ja eben das „normale“ Verhältnis für Frauen. Fakt ist, dass das finanzielle Argument in vielen Fällen schwer wiegt, wenn es darum geht, zu entscheiden, ob frau sich weiterhin schlagen lässt, oder plötzlich auf der Straße landet. Die aktuell verfügbaren Plätze in Frauenhäusern decken nämlich keine fünf Prozent des offiziellen Bedarfs.


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