Einträge der Rubrik ‘Was tun?!’


Die traurige Botschaft an Vergewaltigungsopfer

4. August 2010 von Magda

In der taz kommentiert Ines Kappert die am letzten Sonntag ausgestrahlte Sendung von Anne Will “Der Fall Kachelmann – Justiz-Alltag oder Promi-Pranger?” (Video), die sich u.a. mit der Frage beschäftigte, ob der Promifaktor einen Malus darstelle, wenn es um Vergewaltigung geht. Kappert kritisiert, dass diese Frage den Eindruck erwecke, dass eine große Anzahl von Opfern den Vorwurf der sexuellen Gewalt nur erhebe, um Männer – insbesondere Prominente – nachhaltig zu schädigen. Kappert argumentiert:

Eine 2009 an der Londoner Metropolitan University erarbeitete europäische Vergleichsstudie zu sexueller Gewalt geht davon aus, dass es in Deutschland jährlich zu rund 3 Prozent Falschbezichtigungen kommt. Die Ziffer mag bei Prominenten höher liegen – doch auch das rechtfertigte mitnichten die in der Öffentlichkeit verbreitete Annahme, Frauen tätigten regelhaft unzuverlässige Aussagen und müssten daher besonders hart in die Mangel genommen werden.

Kappert kritisierte auch Hansjürgen Karges Aussage, dass er seiner Tochter im Falle einer Vergewaltigung davon abraten würde, die Polizei einzuschalten.

[Dass Frauen, die eine Vergewaltigung anzeigen, eingehend geprüft werden] ist belegbare Praxis, weshalb der Ex-Generalstaatsanwalt Karge Frauen pauschal davon abriet, den Rechtsweg zu suchen. Als Staatsanwalt solle er so etwas zwar nicht sagen, aber: Die Frauen würden in einer Weise befragt – hätte er eine Tochter, er würde ihr diese Tortur nicht nahelegen. Das also war die Botschaft auf einem der besten TV-Sendeplätze: Frauen, egal was passiert ist, tut euch das nicht an. Hände weg von den Anzeigen wegen Vergewaltigung!

Als Anne Will fragte, ob das die “Botschaft des Falles Kachelmann sein soll”, bekam sie sowohl von Hansjürgen Karge als auch von Alice Schwarzer, ebenfalls Gast der Sendung, lediglich die Antwort: “Ja, leider!”.

via Mädchenblog.

Update: *Trigger Warnung*: Einige Kommentare enthalten detaillierte Beschreibungen und triggernde Bilder.


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Immer wieder: Mutter, Vater, Kind

3. August 2010 von Helga

Soeben hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass unverheiratete Mütter den Vätern den Umgang mit dem gemeinsamen Kind nicht mehr generell verweigern dürfen. Bei Unverheirateten liegt das Sorgerecht automatisch bei der Mutter, für das gemeinsame Sorgerecht müssen die Eltern eine gemeinsame Erklärung abgeben. Dabei war bisher die Zustimmung der Mutter explizit erforderlich, künftig können Familiengerichte die gemeinsame Sorge anordnen, so die FAZ.

Darüberhinaus gibt es Bestrebungen, das Sorgerecht bei der Geburt automatisch beiden Elternteilen zu geben, auch wenn diese nicht verheiratet sind. Bei Antje Schrupp gab es dazu schon eine hitzige Diskussion. So scheint die Abgabe der gemeinsamen Sorgerechtserklärung leider kompliziert und demütigend zu sein. Mit der „automatischen Vaterschaft” ergäben sich allerdings auch eine Reihe praktischer Probleme, etwa für lesbische Paare, die Frage neuer Pflichten und ganz grundsätzlich die Frage der Vaterschaft:

Grüner Hintergrund mit Tweet: Frage zum neuen Verfassungsurteil: Wenn eine Frau Sex mit mehreren Männern hatte, kann man sie zum DNA-Text zwingen zum Vater feststellen? - 36 minutes ago via TweetDeck - Reply Retweet - antjeschrupp - Antje Schrupp

Schließlich scheint es, als käme unter dem Deckmantel der Anerkennung moderner Lebenswirklichkeit vor allem eines: der Rückschritt zur heteronormativen Kleinfamilie.


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Das Problem der Mehrfachdiskriminierung in der Praxis

22. Juli 2010 von Stephanie
Dieser Text ist Teil 10 von 10 der Serie Frauen bewegen

„Wer weiß, wie sich Diskriminierung anfühlt, diskriminiert nicht.“ – Diese Idee von Gerechtigkeit dürften viele kennen. Es ist schwer sich vorzustellen, dass Menschen einander Dinge antun, die sie selbst als schmerzhaft oder als falsch erlebt haben. Dass Menschen die Marginalisierung erfahren, auch selbst diskriminieren, darauf hat zuletzt z.B. Judith Butler beim diesjährigen CSD Berlin öffentlich Aufmerksam gemacht.

Diskriminierung muss nicht immer Absicht sein, das wird bei der Diskussion darüber häufig vergessen. Vermutlich sind die meisten Fälle von Diskriminierung schlicht fehlender Aufmerksamkeit geschuldet. Das macht es jedoch nicht besser: Es hat etwas von „Oh, ich hatte vergessen, dass es für Kinder gefährlich ist, auf der Autobahn zu spielen.“ – Totschlag ist es trotzdem. Somit ist Aufmerksamkeit für (Mehrfach-)Diskriminierung eines der „Heilmittel“ zu einer netteren Welt.

Das Minderheiten und marginalisierte Gruppen meist in nur wenigen Merkmalen Gemeinsamkeiten haben, ist theoretisch offensichtlich. Dass Aufmerksamkeit für Unterschiedlichkeit, Diskriminierung vorbeugen kann, ist zumindest in der Diskussion um Mehrfachdiskriminierung bekannt. Wie schwierig sich dies jedoch in der Praxis leben lässt, hat mir beispielhaft die Frauenvollversammlung der Studentinnen der Uni Mainz im Sommersemester 2010 gezeigt: (weiterlesen…)


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Mehr Geld für Hebammen – genug?

7. Juli 2010 von Helga

Heller Hintergrund mit blauer Überschrift: Geburtshilfe ohne Hebammen? - darunter die lila Silhouette einer Schwangere und die blaue Silhouette einer zweiten Frau - darunter ein blauer Kasten mit gelber Schrift: Unterstützt die Online-Petition des Deutschen Hebammenverbandes! Forderung erfüllt. So könnte man die Einigung der Krankenkassen und Hebammen bezeichnen, von der die Zeit gestern berichtete. schließlich gibt es für eine außerklinische Geburt künftig 100 Euro mehr und der Satz für eine Krankenhausgeburt steigt um 8 Euro. Im Vergleich zum ersten Angebot (14,19 Euro bzw. 4,39 Euro) immerhin eine deutliche Steigerung.

Doch schaut man sich die Zahlen genauer an, bleibt nicht viel übrig. Die sogenannten Belegstationen in Krankenhäusern ohne feste Geburtenstation werden sich kaum retten lassen, wenn Hebammen statt 224 Euro nun 232 Euro verdienen, der jährliche Beitrag zur Haftpflichtversicherung aber trotzdem auf fast 3700 Euro steigt. Zudem sind weitere Steigerungen der Prämien absehbar.

In seinem Rundbrief zeigt sich der Deutsche Hebammenverband daher deutlich unzufrieden:

Die Schiedsstellenverhandlung ist, unter dem Vorsitz von Frau Prof. Dagmar Felix, nach zähen sechsstündigen Verhandlungsrunden mit einem enttäuschenden Resultat zu Ende gegangen. Das erzielte Ergebnis bleibt weit hinter den Erwartungen der Berufsverbände zurück. […]
Das Schiedsstellenergebnis ist nicht nur unbefriedigend, es ist im Grunde katastrophal.

Obwohl bereits seit Monaten bekannt war, dass die Prämien zum 1. Juli steigen, gab es monatelang keine Einigung. Die Erhöhung kommt daher für einige Hebammen bereits zu spät. Sie hatten aufgrund der ungewissen Zukunftsaussichten ihre Haftpflicht zum Monatsanfang gekündigt. Um überhaupt eine Lösung zu finden, musste schließlich die Schiedsstelle beauftragt werden. Deren unabhängige Vertreter warfen den Hebammen vor, unwirtschaftlich zu arbeiten und verlangten stattdessen, mehr Geburten zu betreuen. Für viele Eltern sei ein wichtiger Grund, sich von einer Hebamme begleiten zu lassen, die intensive Betreuung mit Rufbereitschaft rund um die Uhr. Mit „Auftragssteigerungen” werde die Betreuungsqualität deutlich leiden und sei daher nicht umsetzbar, so die Hebammen.

Die im Mai gestartete Petition des Hebammenverbandes hatten über 180.000 Menschen unterstützt und so eine Anhörung im Petitionsausschuss erreicht. Von dort gibt es allerdings noch keine Ergebnisse. Auch die Gesundheitsminister_innenkonferenz Anfang des Monats hatte das Thema auf der Tagesordnung, wollte aber vor konkreten Maßnahmen die Einigung der Schiedsstelle abwarten.


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Küssen für die Gleichberechtigung?

17. Mai 2010 von Nadine

Heute ist Internationaler Tag gegen Homophobie. Weltweit finden dazu Veranstaltungen, Aktionen und Demonstrationen statt, um auf die noch immer währende Ungleichbehandlung von LGBT hinzuweisen und Gleichberechtigung einzufordern. 2010 steht der IDAHO (International Day against Homophobia) unter dem Motto “Religionen, Homophobie, Transphobie” und thematisiert damit die Stigmatisierung von LBGT-Lebensweisen sowie die Rechtfertigung von Gewalt, Zwangssterilisationen und Diskriminierung durch religiöse Vertreter_innen.

In den deutschen Medien und in der Mehrheitsgesellschaft findet der Tag so gut wie keine Aufmerksamkeit, lediglich in lesbischwulen und Trans* Kontexten können sich Interessierte informieren und an entsprechenden Veranstaltungen teilnehmen. Das ist schade, denn es ist gerade mal 20 Jahre her, dass Homosexualität weltweit nicht mehr zu den psychischen Störungen zählt. Im Kampf gegen Diskriminierung und Intoleranz ist allerdings ein breites öffentliches Interesse gefragt. Hierzu muss ein Weg gefunden werden, die Mehrheitsgesellschaft von der Wichtigkeit der LGBT-Problematiken zu überzeugen und damit eine Breitenwirkung zu erzielen, die politisches Handeln notwendig macht. Von der tatsächlichen Gleichberechtigung kann nämlich auch in Deutschland keine Rede sein: Mehr als die Hälfte aller Deutschen lehnt die Gleichstellung von homo- und heterosexuellen Lebensweisen ab.

Foto: Federico Navaro auf Flickr (CC-BY-NC-SA)

Da überrascht es, dass eine der rar gesäten Aktionen zum IDAHO erneut der flashmob-artige Kuss-Marathon “Protect every Kiss” in Berlin ist. Hauptorganisator ist Maneo, das schwule Anti-Gewalt-Projekt der Hauptstadt. Jedes Jahr sind Städte weltweit dazu aufgerufen, solch einen Kuss-Marathon zu veranstalten. Diese Protestform soll die Ungleichbehandlung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Trans* weltweit sichtbar machen. Wahrscheinlich soll sich die heteronormative Mehrheitsgesellschaft davon irgendwie angesprochen fühlen. Irgendwie ja, nämlich mit denselben abschätzigen, abwertenden und belustigten Reaktionen, die LGBT sonst so begegnen, wenn Intimitäten in der Öffentlichkeit ausgetauscht werden. Von wachsender Akzeptanz und Verständnis für die besondere Gefährdungslage von LGBT kann bei solch einer relativ inhaltsleeren Demonstration von Andersartigkeit keine Rede sein. Das bewusste Betonen des Anderen ist nichts, was diesen Kuss-Marathon von Marginalisierungstaktiken der heteronormativen Mehrheitsgesellschaft unterscheidet, außer dass sich die sonst zu einer abweichenden Gruppe Konstruierten selbst als abweichend und anders konstruieren.

In diesem Jahr findet das Berliner Kiss-In vor der ugandischen Botschaft statt, um Solidarität mit den in afrikanischen Ländern bedrohten und verfolgten LGBT zu zeigen und gegen das geplante Anti-Homosexuellen-Gesetz in Uganda zu protestieren. Statt politische Forderungen zu stellen, Heteronormativität und seine katastrophalen Folgen für queere Lebensweisen anzuprangern,  und die Unterstützung gesamtgesellschaftlich zu ermöglichen, wird Uganda als einziges zu beackenders “Homophobie-Feld” inszeniert, während die breite homophobe Mitte der Gesellschaft ausgespart bleibt. Nicht einmal das Motto des diesjährigen IDAHO wird ersichtlich. Sonst hätte Maneo das Kiss-In nämlich direkt vor Kirchen und fundamentalen christlichen Organisationen organisieren können, die maßgeblichen Einfluss auf homophobe Tendenzen in Afrika haben.

So wird Homophobie auch in diesem Jahr eher als Randproblem dargestellt. Schade um die vertane Chance.


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Von Katholiken lernen? DFB & AIDS

13. Mai 2010 von Nicole

Der Deutsche Fußball-Bund engagiert sich auch in sozialen Projekten und schickt seine Nationalspieler los, um sich bei entsprechenden Aktionen und Projekten zu zeigen und Werbung zu machen. Das ist erst einmal eine gute Sache. Kurz vor dem Start der Weltmeisterschaft in Südafrika gibt es gleich eine ganze Palette von Themen und Initiativen, die sich anbieten. Eines davon ist AIDS. Südafrika gilt als eines der Länder mit der größten Ausbreitung von HIV-Infektionen und AIDS und so ist es gut, dass der DFB vor diesem Thema nicht die Augen verschließt.

Für die entsprechende PR-Aktion vor dem heutigen Länderspiel wurde als Kooperationspartner mit „missio“ allerdings ausgerechnet ein katholisches Hilfswerk ausgewählt, um vier der für die WM nominierten Spieler in seinem „AIDS-Truck“ über seine Projekte in Afrika zu informieren. Vor einem Jahr  hatte der Papst auf einer Afrika-Reise die Haltung der katholischen Kirche zur Kondomfrage noch einmal deutlich gemacht: Kondome würden das AIDS-Problem nicht lösen, sondern sogar verschärfen. Eine Meinung, die – natürlich – auch missio-Präsident Klaus Krämer, der den deutschen Kickern in Sachen AIDS und Afrika Nachhilfe gibt, teilt.

Die konkrete Hilfsarbeit katholischer Initiativen vor Ort mag anders aussehen, von mehr Pragmatismus und Einsicht in die realen Lebensbedingungen und Zwänge, gerade auch der betroffenen Frauen, geprägt sein und demzufolge darin bestehen, Kondome nicht zu verdammen, sondern zu verteilen. Bei der Organisation öffentlichkeitswirksamer Aktionen zum Thema AIDS in Afrika hätte der DFB sich jedoch ruhig noch etwas weiter umschauen und über den missio-Truck hinausblicken dürfen.


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In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?

20. April 2010 von Stephanie
Dieser Text ist Teil 8 von 10 der Serie Frauen bewegen

In meinem Blogbeitrag „Feuerspuckende Drachen“ habe ich von meiner ersten Morddrohung berichtet und was diese mit mir gemacht hat. Genau 6 Wochen nach der Ersten kam eine Zweite Morddrohung, diesmal mit Massenvergewaltigungsphantasien, die mit meinem Tod enden.

Inzwischen weiß ich, dass ich nicht die Einzige bin, die vom selben Täter gewalttätige E-Mails erhält. Seit über zwei Jahren tyrannisiert dieser verschiedene Feministinnen im Internet, häufig aus demselben Internetcafe in Innsbruck.

Den Mainzer Ermittlungsbehörden liegen 2 weitere Fälle desselben Täters vor. Wir hatten Hoffnung, dass die Vernetzung der Fälle zu verstärkter Aufmerksamkeit führen würde. Doch: Am 30.01. habe ich Anzeige erstattet, am 01.04. erhalte ich Nachricht, dass mein Verfahren eingestellt (StPO §170) wurde, da der Täter nicht ermittelt werden konnte. (weiterlesen…)


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she:publica 2010: Sexismus im Netz

10. April 2010 von Verena

Der Countdown läuft: Am 14. April startet in Berlin die re:publica 2010. Dieses Jahr mit zahlreichen Frauen auf Podien und Panels. Damit ihr euch vorab einen Überblick verschaffen könnt, wer, wo, was macht, stellen sich euch in den folgenden zwei Wochen einige der Ladies@re:publica mit ihrem Programm vor:

Heute: Anne Roth, die als annalist bloggt


1. Wie heißen du und deine Veranstaltung?

Ich heiße Anne Roth, und die Veranstaltung “Das andere Geschlecht. Sexismus im Netz” (der Titel ist ein bisschen auch der Kürze der Eingabefelder der re:publica geschuldet). Mit mir diskutieren werden Anna Berg, Mädchenmannschaft, und Klaus Schönberger, Dozent für Kultur- und Gesellschaftstheorie an der Uni Zürich.

2. Was wird auf deiner Veranstaltung passieren?

Ich werde Anna und Klaus ein paar Fragen dazu stellen, warum Frauen im scheinbar völlig gleichberechtigten Netz an zentralen Stellen deutlich unterrepräsentiert sind. Oder andersrum: warum auch im Netz vor allem deutsche Männer mit akademischer Ausbildung, im mittleren Alter in der Öffentlichkeit als wichtig wahrgenommen werden (es wird erstmal nur um das deutschsprachige Netz gehen).

Obwohl beispielsweise in den deutschen Blogcharts, einem von vielen Rankingsystemen, die zur Bewertung und Sortierung der Blogosphäre herangezogen werden, Frauen fast nicht vorkommen, wird das Problem von vielen negiert. Mir begegnet häufig die Frage, ob das denn (im Netz) überhaupt wichtig sei: welches Geschlecht jemand hat. Sind wir nicht längst darüber hinaus? Diese “Post-Gender-Haltung” ist völlig diskrepant zur realen Situation. Deswegen wird es sicher auch um ein paar Beispiele von deutlich sichtbarem Sexismus im Netz gehen. Etwa in Kommentaren unter feministischen Artikeln, um reale Gewalt(-androhung), um die Notwendigkeit, anonym bleiben zu können. Und um den nicht so deutlichen Sexismus in Strukturen und hinter den Kulissen.

Zum Thema gehört aber auch die Frage, ob es richtig ist, im Jahr 2010 die Welt noch in Frauen und Männer einzuteilen und ob es Frauen nicht eigentlich egal sein sollte und könnte, ob sich ein paar Männer gegenseitig wichtig finden oder nicht.

3. Wieso liegt dir das am Herzen?

Ausgangspunkt ist ein Rant, den ich im November geschrieben habe, nachdem Philipp Banse bei dctp.tv eine Serie gestartet hat, die den Titel “Meinungsmacher” trägt. Vorgestellt wurden in der ersten Staffel vier wichtige Blogger. Alles Männer. Ich habe mich gefragt, wie diese Wahrnehmung zustande kommt, dass ausgerechnet diese vier, und dann auch die nächsten vier (Männer) wichtig sind in der Blogosphäre. Das hat eine Debatte ins Rollen gebracht, die nicht neu ist, aber wohl immer wieder nötig: wer ist relevant? Wie wird Relevanz gemessen? Ist das wichtig und für wen?

Das Thema wurde im Mikrokosmos der sich mit Genderthemen beschäftigenden BloggerInnen aufgegriffen und führte zu einer neuen kleinen Bugwelle an Artikeln. Dazu die von Euch initiierte Wahl zur Bloggerin des Jahres, vulgo ‘Bloggermädchen’ (die Bezeichnung hat dann zu einer eigenen, durchaus interessanten Debatte geführt), und ein eigenes Blog. Schließlich hat mich dann Philipp Banse auch für die Meinungsmacher-Serie interviewt.

Ich selber blogge eigentlich nicht hauptsächlich zu feministischen Themen und halte mich auch nicht für eine Expertin auf dem Gebiet. Ich habe mich vor vielen Jahren in meinem Politik-Studium auch mit dem beschäftigt, was damals Frauenforschung hieß (bevor Judith Butler die Geschlechter dekonstruierte). Mittlerweile beschäftige ich mich mit Netzpolitik und Medienkritik, vor allem aber Innenpolitik, und freue mich darauf, mit Anna und Klaus zwei ExpertInnen Fragen stellen zu können, zu denen die beiden sicher viel zu sagen haben werden.

Hier noch die Links zu meinen GesprächsparnterInnen:
Anna Berg: Ihr durchtriebenen, miesen Fotzen!
Klaus Schönberger: Doing Gender, Kulturelles Kapital und Praktiken des Bloggens

4. Wo und wann geht es los?

Am Donnerstag, 15. April, findet das Panel um 16 Uhr im Großen Saal der Kalkscheune statt


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blau, blau, blau…

29. März 2010 von Verena
Dieser Text ist Teil 2 von 8 der Serie Sex am Morgen

… sind alle meine Binden. Hä? Die V-Spots dieses Mal mit einem Rundumschlag in Sachen prüder Medienkompetenz, unverschlossener Bordelle und exotischem Fruchtsex.

Medienkompetenz ist das Stichwort, das die Menschheit davon abhalten soll, peinliche Partyfotos und brüsteblitzende Profilbilder ins Internet zu stellen. Neu im Diskurs, wie bewahre ich die Jugend vor Schaden im Internet, ist die “Pornokompetenz”, die die Erziehungswissenschaftlerin Karla Etschenberg in einem Interview mit dem Schweizer Tagesanzeiger fordert. Im Unterricht soll  SchülerInnen anhand von ausgewählten Szenen Verhaltensschemata, Praktiken und Hintergründe von Pornofilmen vermittelt werden, auch um diese durch den direkten Zugang zu “entzaubern”:

Ich frage mich, was gefährlicher ist: Ein klares Sprechen über Pornografie, sodass beim Porno-Konsum das Wissen eines Erwachsenen mitschwingt. Oder der Porno-Konsum ohne Kommentar oder Begleitung. Alle beklagen sich doch über die Pornos im Internet und auf Handys und die Pornografisierung des Sexualverhaltens bis hin in den Kindergarten. Schon da werden teilweise Gruppenvergewaltigungen nachgespielt. Die Bilder haben die Kinder doch nicht aus dem Bilderbuch.

Apropos Medienkompetenz: Wer klärt junge Mädchen eigentlich darüber auf, dass ihre Monatsblutung rot und nicht blau ist. Denn in Tampon- und Bindenwerbung wird immer noch mit dieser unsinnigen Ersatzflüssigkeit gearbeitet. Die Sache bloß nicht bei der Farbe zeigen bzw. beim Namen nennen. Das geht soweit, dass in der us-amerikanischen TV-Werbung auch das Wort Vagina verboten ist, wie der freitag berichtet. Herrje! (weiterlesen…)


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Frauentag abschaffen?

8. März 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 14 von 14 der Serie Grundsatzfragen

Anlässlich zum Internationalen Frauentag schreibt Alice Schwarzer: “Schafft den 8. März ab!” Mit gewohnt spitzer Feder geht sie der Geschichte des Frauentages auf den Grund und konstatiert, dass dieser in einer frauenfeindlichen Tradition stehe – und deshalb abgeschafft werden sollte.

Der 8. März ist eine sozialistische Erfindung, die auf einen Streik von tapferen Textilarbeiterinnen zurück geht und 1910 auf der 2. Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen in aller Form beschlossen wurde. „Genossinnen! Arbeitende Frauen und Mädchen!“ schrieb Clara Zetkin 1911 in der (k)Gleichheit, „der 19. März (der später zum 8. März wurde, Anm.d.Red.) ist euer Tag. Er gilt eurem Recht!“

Doch gerade die Frauenbewegung entstand bekanntermaßen Anfang der 1970er Jahre im Westen nicht zuletzt aus Protest gegen die Linke. Eine Linke, die zwar noch die letzten bolivianischen Bauern befreien wollte, die eigenen Frauen und Freundinnen aber weiter Kaffee kochen, Flugblätter tippen und Kinder versorgen ließ. Und die realsozialistischen Länder waren in den obersten Etagen bekanntermaßen auch frauenfrei. Unter diesen Vorzeichen ist die Übernahme des sozialistischen Muttertags als „unser Frauentag“ für Feministinnen, gelinde gesagt, der reinste Hohn.

Schaffen wir ihn also endlich ab, diesen gönnerhaften 8. März! Und machen wir aus dem einen Frauentag im Jahr 365 Tage für Menschen, Frauen wie Männer.

Was denkt ihr? Ist die von Schwarzer konstatierte frauenfeindliche Tradition ein Grund, diesen abzuschaffen oder ist es wichtig, einen Internationalen Frauentag als Symbol für den Kampf um die Gleichberechtigung zu behalten?

In der Rubrik “Grundsatzfragen” diskutieren wir Grundsätzliches zum Feminismus. Wenn ihr Vorschläge für Grundsatzfragen habt, dann mailt sie an mannschaftspost(at)web.de.


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