Einträge der Rubrik ‘Was tun?!’


Frauentag abschaffen?

8. März 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 14 von 14 der Serie Grundsatzfragen

Anlässlich zum Internationalen Frauentag schreibt Alice Schwarzer: “Schafft den 8. März ab!” Mit gewohnt spitzer Feder geht sie der Geschichte des Frauentages auf den Grund und konstatiert, dass dieser in einer frauenfeindlichen Tradition stehe – und deshalb abgeschafft werden sollte.

Der 8. März ist eine sozialistische Erfindung, die auf einen Streik von tapferen Textilarbeiterinnen zurück geht und 1910 auf der 2. Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen in aller Form beschlossen wurde. „Genossinnen! Arbeitende Frauen und Mädchen!“ schrieb Clara Zetkin 1911 in der (k)Gleichheit, „der 19. März (der später zum 8. März wurde, Anm.d.Red.) ist euer Tag. Er gilt eurem Recht!“

Doch gerade die Frauenbewegung entstand bekanntermaßen Anfang der 1970er Jahre im Westen nicht zuletzt aus Protest gegen die Linke. Eine Linke, die zwar noch die letzten bolivianischen Bauern befreien wollte, die eigenen Frauen und Freundinnen aber weiter Kaffee kochen, Flugblätter tippen und Kinder versorgen ließ. Und die realsozialistischen Länder waren in den obersten Etagen bekanntermaßen auch frauenfrei. Unter diesen Vorzeichen ist die Übernahme des sozialistischen Muttertags als „unser Frauentag“ für Feministinnen, gelinde gesagt, der reinste Hohn.

Schaffen wir ihn also endlich ab, diesen gönnerhaften 8. März! Und machen wir aus dem einen Frauentag im Jahr 365 Tage für Menschen, Frauen wie Männer.

Was denkt ihr? Ist die von Schwarzer konstatierte frauenfeindliche Tradition ein Grund, diesen abzuschaffen oder ist es wichtig, einen Internationalen Frauentag als Symbol für den Kampf um die Gleichberechtigung zu behalten?

In der Rubrik “Grundsatzfragen” diskutieren wir Grundsätzliches zum Feminismus. Wenn ihr Vorschläge für Grundsatzfragen habt, dann mailt sie an mannschaftspost(at)web.de.


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Live getwittert: Die eigene Abtreibung

26. Februar 2010 von Magda

“Hallo YouTube, hier ist Angie Anti-Theist. Ich habe vor einer Woche herausgefunden, dass ich schwanger bin. Aufgrund von gesundheitlichen Risiken entschied ich mich für eine Abtreibung – die ich gerade jetzt vornehmen lasse.”

So fängt ein vor vier Tagen auf YouTube veröffentlichtes Video von Angie Jackson (aka Angie Anti-Theist) an, Mutter eines 4-jährigen Sohnes, die sich für eine Abtreibung entschied und diese Entscheidung nun öffentlich machte - auf Twitter, ihrem eigenen Blog und YouTube.

Nachdem Jackson eine Woche zuvor herausfand, dass sie in der vierten Woche schwanger war – trotz Anwendung einer Spirale (welche wohl nach einer starken Monatsblutung unbemerkt rausgerutscht sein soll) – ging sie mit ihrem Partner zu Planned Parenthood (die amerikanische Version von Pro Familia), um sich die Abtreibungspille RU-486 verschreiben zu lassen.

In einem Interview sprach sie über ihre christliche Erziehung, die laut Jackson häufig nur zur Folge hat, Frauen zu verängstigen. Dabei sei eine Abtreibung “nicht so schlimm wie Wehen oder eine Geburt”. Der wahre Grund für ihren Gang in die Öffentlichkeit: Die Entmystifizierung von Abtreibung.

Ich bin etwas ratlos: Ist das gelungene (im wahrsten Sinne des Wortes) Öffentlichkeitsarbeit, um Abtreibung zu enttabuisieren oder einfach nur Aufmerksamkeitsgeheische? Denn letzteres könnte auch den umgekehrten Effekt haben: Einige reagieren vielleicht abweisend auf so viel offen zur Schau gestellte Privatheit und verschließen sich somit vollständig den Nöten von ungewollt Schwangeren.


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Feuerspuckende Drachen

10. Februar 2010 von Stephanie
Dieser Text ist Teil 6 von 7 der Serie Frauen bewegen

Sobald ich einen feuerspuckenden Drachen finde der perfekt zu meinem scharlachroten Rächerinnen Outfit passt, werde ich die Welt solange mit Schrecken überziehen bis sie mir freiwillig die gesamte Regierungsgewalt überträgt.

Letzte Woche Samstag erhielt ich eine Morddrohung per E-Mail. Darin beschrieb der Verfasser oder die Verfasserin, wie er/sie gedenkt, mich umzubringen – schlagen, aufhängen und verbrennen, zuzüglich Sexualisierungen.

Doch: Trotz der Drohung lebe ich noch. Warum eigentlich? Es wäre vermutlich nicht so schwer, mich umzubringen. Möglicherweise weil eben eine Morddrohung kein Mord ist, sondern eine Drohung und damit anderes bezweckt. Die drohende Person will mich vermutlich in Angst und Schrecken versetzen. (weiterlesen…)


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Aufruf zur Unterstützung des Autonomen Frauenreferats an der Uni Gießen

6. Februar 2010 von Magda

Gerade erreicht uns ein Aufruf zur Unterstützung des Autonomen Frauenreferats der Universität Gießen (pdf), welches massiv in seinem Stimmrecht und damit in seinem Mitspracherecht beschnitten werden soll. In dem Aufruf heisst es:

Hintergrund ist das Vorhaben des Studierendenparlaments der Justus-Liebig-Universität Gießen, sich eine neue Satzung zu geben – in dieser sollen die autonomen Referate zwar erwähnt werden, aber ihr Stimmrecht soll gravierend eingeschränkt werden. Bisher durften die Referentinnen (für das autonome Frauenreferat sind derzeit drei Referentinnen aktiv) noch mit einer Stimme pro Person an Abstimmungen des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) teilnehmen, nun soll sich jedes Referat mit einer Stimme begnügen. (…)

Daher ruft das autonome Frauenreferat der JLU Gießen zur Unterstützung auf: „Wir wollen uns nicht geschlagen geben und auf ein Wunder hoffen, wir brauchen Menschen, die zur Sitzung am 11.02. kommen, wir brauchen Presse, die vor Ort und/oder breit darüber berichtet, wir brauchen euch für alles, was euch zur Unterstützung einfällt. Denn wir wollen keine Unterdrückung mehr für Frauen, die sich selbst vertreten wollen!“ so Karoline Klamp-Gretschel, autonome Frauenreferentin im AStA der JLU. (…)

Der Autonome Frauenrat macht darauf aufmerksam, dass die Beschneidung des Stimmrechts nur der “erste Schritt auf dem Weg zur Abschaffung der autonomen Referate” sei. Neben dem Frauenreferat zählen dazu auch das Schwulenreferat und das Referat für behinderte und chronisch kranke Studierende. “Die weitere Marginalisierung dieser Gruppen wäre ein Skandal und muss verhindert werden” so Sarah Rögl, AStA-Frauenreferentin seit 2007.


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Versammeln wir uns!

18. Januar 2010 von Stephanie
Dieser Text ist Teil 4 von 7 der Serie Frauen bewegen

Eine deutschsprachige feministische Community mit viel Raum für Diskussion, Austausch und Aktionen? (M)Ein Traum wird wahr!

Anfang 2009 hatte ich mit der Gestaltung einer feministischen Community begonnen – das Projekt war mir allerdings eingeschlafen. Dann kam Ninas Kommentar, dass wir ein Campact für Feminismus brauchen und gab mir neue Energie und Motivation.

Unter www.feministisches-zentrum.de gibt es jetzt ein virtuelles feministisches Zentrum. Jede die sich anmeldet, kann sich mit anderen vernetzen – in Gruppen oder privat –, mit anderen diskutieren, z.B. im Forum, und vieles mehr.

Die Idee
FeministInnen im direkten Umfeld zu finden, ist vielerorts leicht – vor allem in größeren Städten. Viele finden jedoch in ihrem Ort keine feministische Infrastruktur vor, die es ihnen erleichtern würde, Kontakt zu knüpfen und zu diskutieren.
Auch in den größeren Städten besteht das direkte Umfeld oft vielleicht aus 10-20 feministisch Interessierten. Was aber wenn 40, 80, 150 oder 1000 FeministInnen gebraucht werden?

Eine Beispiel: Eine Freundin, Verena, hat immer jede Menge Aktionsfelder auf dem Schirm. Für diese sucht sie beständig nach Menschen, die mitmachen und/oder mitorganisieren wollen. Momentan sind das vor allem zwei Themen: Prostitution und Preisgestaltung bei FriseurInnen. Beide hat sie bereits ins Forum geposted um Mitstreiterinnen zu finden und neue Ideen zu entwickeln, wie das jeweilige Ziel am Besten erreicht werden kann.

(weiterlesen…)


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Jetzt mal konkret

13. Januar 2010 von Verena

Für alle, die sich seit der vergangenen re:publica Gedanken über weibliche und männliche Blogger machen, schubst Annalist noch mal das Argumente-Karussel an:

Seit ich mich im November über die Frage ausgelassen habe, warum in Deutschland wichtige Blogs nur von Männern geschrieben werden, steht der Gedanke im Raum, ob Deutschlands wichtigstes Blogger-Treffen auch mal mit dieser Frage konfrontiert werden soll

Wer über Pro und Contra diskutieren oder Ideen und konkrete Vorschläge einbringen will, der kann das dort oder in der Girls on Web Society tun. Der Call for Papers für die re:publica 2010 läuft noch bis Ende Januar.


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Wir brauchen große Ideen!

18. Dezember 2009 von Susanne

In der gerade erschienenen Januar-Ausgabe des Magazins Neon stellen die Autorin Vera Schroeder und der Autor Benedikt Sarreiter zehn Forderungen auf, wie Frauen und Männer gleichberechtigter leben könnten. Unter anderem sind das:

Frauen und Männer, überdenkt euer Männerbild! Männer, Gourmetkochen reicht nicht! Feministinnen, schaut nach vorne! Arbeitgeber, lasst die Männer Väter sein! Staat, ändere deine Gesetze! Männer und Frauen, kämpft!

Da Punkt Sechs, die Forderung an die Feministinnen, an uns und euch gerichtet ist, ein Auszug:

Letztes Jahr beschäftigte sich die komplette feministische Szene mit einer amerikanischen Studie, die besagte, dass sich Frauen in der 70ern glücklicher einschätzten als heute. Natürlich macht Freiheit nicht unbedingt glücklicher, weil es anstrengend ist, immer mehr Entscheidungen selbst treffen zu müssen. Oder zeigt das Ergebnis, dass man ganz von vorne über das Ziel Gleichberechtigung diskutieren muss? Wenn sich Feministinnen immer wieder an solchen Fragen abarbeiten, haben sie ein Rechtfertigungsproblem. Ihr als die Speerspitze solltet stattdessen dafür sorgen, dass euer Thema auch jenseits der eigenen Küchenzeile und des deutschen Büroalltags weiter vorangetrieben wird. Wie schafft man es, dass auch weniger gebildete Schichten sich in den Kampf um bestehende Ungerechtigkeiten einschalten? Was kann man gegen häusliche Gewalt tun? Was könnt ihr als westliche Aktivistinnen international gegen die Unterdrückung der Frau erreichen? Feministinnen, wir brauchen große Ideen!

Die Geschichte ist lesenswert, die Diskussion auf Neon.de, die es heute zu diesem Artikel gibt, zu weiten Teilen eher schräg, aber ein paar interessante Vorschläge werden auch dort gemacht.


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Entschuldigung, dass ich auch was sage

16. Dezember 2009 von Verena
Dieser Text ist Teil 21 von 23 der Serie Wilde Mädchen

Nachdem Anne Roth vor zwei Wochen in ihrem Blog und beim Freitag die Frage nach der Wahrnehmung weiblicher Macherinnen in der Blogosphäre stellte, habe ich mir zahllose Klicks lang Gedanken gemacht. Genauso wie vor und neben mir schon Teresa Bücker beim Freitag oder Nikola Richter in der Blogmacherei.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Statt uns gegenseitig die Abkotz-Tüten zu reichen, überlegte ich, warum eigentlich konfrontieren wir die selbsternannten Alpha-Blogger nicht mit unserer Kritik und zeigen Präsenz in der Diskussion: Hey, wir sind auch noch da! Philip Banse, der seine Interviewserie ausschließlich mit meinungsmachenden Männern besetzt hat, muss vielleicht einfach sehr deutlich darauf hingewiesen werden, dass auch Bloggerinnen Meinungen haben und machen.

Wir haben schließlich Argumente, oder? Aber ach, wahrscheinlich würden diese schulterzuckend abgetan. Wir kennen das ja, oft entgleiten uns in Diskussionen unsere Argumente wie ein glitschiger Holzhammer, der die Richtung wechselt und uns mit dem einen Totschlagargument zum Schweigen bringt: „Mädchen komm mal runter“ – will sagen: „Sei nicht albern, hysterisch, zickig, dumm, aggressiv…” – Alles beliebte Rückhandschläge, je nach Wahl und Grad unserer Argumentation. Wenn wir wild werden heißt es, wir seien hysterisch, wenn wir ruhig bleiben, sind wir zickig, wenn wir nicht nachgeben, sind wir uneinsichtig. Man knebelt uns mit Attributen und versucht dadurch Offensichtlichkeiten zurück in die Ecke zu stellen. Ein Erfahrung, die auch vomHonig neulich gemacht hat.

Vermutlich ist es unsere Schuld, wenn wir den Mund aufmachen – wir kennen einfach unsere Grenzen nicht:

Im  Sommer saß ich in einer Veranstaltung, in der ein selbstgefälliger Referent über seinen Job bei einem Magazin berichtete, dessen Marketing sich ausschließlich an einer männlichen Zielgruppe orientiere. Ob sie von Frauen nicht gelesen würden, fragte ich. Doch, doch, sogar zu einem nicht unerheblichen Prozentsatz, aber das Marketing auf Frauen abzustimmen vergraule ihnen die männlichen Leser. Ach was, dachte ich und brachte sachlich noch einige Argumente vor, auf die der Referent keine rechten Antworten wußte, außer: Wenn ich weniger aggressiv wäre, ließe sich die Unterhaltung ja fortsetzen. Herrje, ich hatte wohl vergessen, meine Fragen mit einem zuckrigen Lächeln zu pudern. Das irritiert männliche Gegenüber erstaunlicherweise immer wieder. Aber auch einige Frauen, die mit in der Veranstaltung saßen, reagierten genervt – wieso musste ich bloß auf den “süßen” Typen so einsticheln…
Abends hatte ich eine ähnlich unangenehme Begegnung, in der ein Typ mir wirklich blöd kam und ich – jetzt tatsächlich – aggressiv reagierte. Sehr zum Erstaunen aller Anwesenden. Es ist eben immer noch so, dass wir Frauen uns zwar bitte nicht alles gefallen lassen brauchen, aber dieses Missfallen adrett verpacken sollen. Ich weiß nicht, wie oft ich meine 1,58 Meter auf den Tanzflächen dieser Welt vor Typen aufbauen musste, die ein demonstratives Weggucken nicht akzeptieren wollten. Aber das ist schon fast ein anderes Thema.

Aber nur ‘fast’ – denn egal, ob wir im beruflichen und gesellschaftlichen Umfeld unseren Standpunkt vertreten wollen oder einfach nur nachts auf der Straße, Argumente und Sachlichkeit helfen oft genauso wenig wie Freundlichkeit. An erster Stelle benötigen wie ein dickes Fell, an dem Ignoranz und sexistische Querschläge abprallen. Das gilt besonders im Web 2.0; ob auch in der Diskussion zwischen Alpha-Bloggern und Beta-Bloggerinnen – das gilt es noch heraus zu finden…


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From the Ministry of the Bloody Obvious

14. Dezember 2009 von Helga

Manchmal fragt man sich, warum manche Studien überhaupt in Auftrag gegeben werden. So zum Beispiel die neue Studie der University of Minnesota. Hier untersuchte man, ob casual sex (also zwanglos, nichts festes) junge Erwachsene beinträchtigen würde. „Überraschenderweise” zeigte sich, dass die Probandinnen und Probanden mit der losen Moral im Alter von 18 bis 21 Jahren nicht alle der Depression anheim fielen, sondern ganz normale, glückliche Menschen waren.

Aufgeschlüsselt nach ganz zwanglos, fest aber nicht-exklusiv, fest und verlobt/verheiratet zeigte sich, dass Männer in festen, nicht-exklusiven Partnerschaften etwas mehr Selbstmordgedanken haben. Hier handelt es sich aber um eine Korrelation, nicht Kausalität, die anderen untersuchten Werte waren außerdem nicht abweichend.

Eine weitere „Eigenheit”, die die Forscher fanden: 29 Prozent der Teilnehmer aber nur 14 Prozent der Teilnehmerinnen bezeichneten ihren letzten Geschlechtsverkehr als casual sex. Ob die Teilnehmerinnen Angst hatten, als vermeintliche Schlampen dazustehen, oder öfter mal Unklarheit besteht, wo man jetzt in seiner Beziehung steht, wurde nicht erforscht. Vielleicht gibt es auch immer noch Menschen, die den Anschein erwecken, die Beziehung wäre ernst, obwohl sie das für sich anders bewerten.

Interessant ist die Studie vor allem für die Zukunft der abstinence-only Sexualerziehung. Die kümmert sich zwar heute schon kein bißchen um wissenschaftliche Erkenntnisse und behauptet häufig, Kondome hälfen nicht gegen Geschlechtskrankheiten, aber nun könnte es schwieriger werden, die Finanzierung zu sichern.


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Ohne Infrastruktur ist kein Staat zu machen

12. Dezember 2009 von Stephanie
Dieser Text ist Teil 2 von 7 der Serie Frauen bewegen

Eine Bewegung entsteht, weil Bewusstsein für mindestens eine Problemlage vorhanden ist – sei es, weil ein „nicht-bemerken“ der Problemlage unmöglich ist (zum Beispiel Hunger oder Armut) oder weil die theoretische Arbeit, das Problem zu sehen, geleistet und vermittelt wird (zum Beispiel foebud).

Betrachte ich also susimaus´ Kommentar „die frauen sind zu satt für die ’straße’. es besteht für viele gar kein anlass mehr für feminismus“ unter meinem letzten Beitrag unter diesem Blickwinkel, besteht eine wesentliche Aufgabe der dritten Welle des Feminismus in der Vermittlung der Problemlage an die Frauen bzw. Basis.

Antje Schrupp sah als einen der Ansatzpunkte, um das Politische ins Private zu tragen, Folgendes: „Es kommt darauf an, die persönliche Verhandlungsstärke von Frauen zu erhöhen, damit sie dort in Konflikte gehen können, wo sie privat/persönlich werden und ihnen kein Gesetz helfen kann: Stichworte Selbstsicherheit, Rückhalt in konkreten Beziehungen usw.“

Geht es also um die Vermittlung der Problemlage, geht es immer auch darum, mit dieser Problemlage umzugehen bzw. gegen das Problem anzuarbeiten. Dabei ist eine vielschichtige Herangehensweise notwendig: Blogs erhöhen die Aufmerksamkeit auf das Thema, Bücher bieten ein Mehr an Information, die Politik wird über verschiedene Personen und Organisationen sensibilisiert …

Ein wesentlicher Punkt fehlt jedoch in dieser Aufzählung: Das erreichen der Basis vor Ort.

Die Zweite Frauenbewegung hat in diesem Bereich Unglaubliches geleistet: Frauenzentren, -beratungsstellen, -kulturzentren, -büros, -buchhandlungen, – bildungsorte usw. wurden aufgebaut – einige konnten sich bis heute halten. Noch besteht eine weitflächige Infrastruktur, die es für die Dritte Frauenbewegung zu erobern gilt.

Feminismus vor Ort verdeutlicht im konkreten Leben der Einzelnen den Anlass für Feminismus und bietet gleichzeitig die Möglichkeit, sich feministisch auszubilden und die eigene Stärke zu erhöhen. Dennoch: Erobern wir uns nicht die Frauenorganisationen, haben wir auch keinen Einfluss auf das Programm.

Um aus der dritten Welle des Feminismus eine Dritte Frauenbewegung zu zaubern und damit die Gesellschaft bzw. den Staat zu schaffen, den wir haben wollen, braucht es die Infrastruktur des World Wide Web, der Printmedien, der Politik und der Frauenzusammenhänge vor Ort.

Alleine ist Keine: Damit wir nicht als Einzelkämpferinnen in den verschiedenen Handlungsfeldern der dritten Welle des Feminismus dahinvegetieren, fände ich es toll, über die Kommentare zu erfahren, wo zum Beispiel du dich engagierst? Wo braucht es tatkräftige Unterstützung, um einer dritten Frauenbewegung Kraft zu verleihen? Wo hat die dritte Welle des Feminismus bereits „einen Fuß in der Tür“?


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