Einträge der Rubrik ‘Uncategorized’


Doing Gender am Mittagstisch

12. Dezember 2008 von Susanne

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat die Bedürfnisse und das Essverhalten von Frauen und Männern untersucht und miteinander verglichen. Dabei haben sie so allerlei Unterschiede festgestellt, glauben aber nicht an das Märchen, dass Frauen per definitionem und quasi schon in den Genen nun mal so und Männer nun mal ganz anders seien. Stattdessen:

Die unterschiedlichen Geschmäcker beim Essen und Trinken seien hauptsächlich auf traditionelle und soziale Strukturen zurückzuführen, glauben die Ernährungswissenschafter. Männer zum Beispiel äßen viel zu viel Fleisch. Sie hätten zwar einen erhöhten Bedarf an Eiweiß, weil sie mehr Muskeln hätten als Frauen, der Anteil an Fleisch in ihrer Kost sei aber bei Weitem zu hoch, sagen sie.

(…)

Männer hingegen essen kaum Obst, und wenn, dann verarbeitet, etwa im Apfelstrudel. Auch das liege eher an Traditionen, urteilen die Forscher. Die latente Ablehnung von Obst bei Männern lasse sich rein physiologisch nicht erklären. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern beim Obstverzehr sei bereits in der Kindheit vorhanden und bleibe bis ins hohe Alter erhalten. Das Verhalten sei wohl hauptsächlich auf Erziehung zurückzuführen.

Vor allem beim Essen betreiben viele Menschen (unbewusst?) eine Art Geschlechterselbstvergewisserung. Damit sie sich als „richtige“ Frau fühlen, greifen die Ladys gern zu Salat, Joghurt und Schokolade. Ein „echter“ Mann zu Fleisch und fettigen Nahrungsmitteln. Das unterschiedliche Essverhalten ist weniger Ausdruck biologischer Tatsachen, sondern oftmals der Versuch, seine geschlechtliche Identität auszudrücken – kurz: Doing Gender.


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Im Wagen vor mir …

8. Dezember 2008 von Anna

Vor ein paar Wochen waren mein Auto und ich zur jährlichen Inspektion. Mein kleiner Flitzer ist mir inzwischen seit knapp 10 Jahren treu und ich möchte gerne, dass er sich noch eine Weile tapfer hält.

Ich mag mein Autohaus. Nicht nur, weil ich dort Kaffee bekomme, solange ich auf mein Auto warte. Sondern vor allem deswegen, weil man dort, von der Tresenkraft bis zum Werkstattmeister, anständig mit mir umgeht. Und das, obwohl ich eine Frau bin und eine junge noch dazu.

Ich glaube, als ich begann Auto zu fahren, habe ich das erste Mal erlebt, dass ich wirklich offensichtlich wegen meines Geschlechts benachteiligt, konkret gesagt, für dumm gehalten und verkauft wurde. Es waren kleine und große Situationen, am Anfang begriff ich oft gar nicht, was da passierte.

Da war z.B. der Werkstattmeister in meinem ersten Autohaus, der mich regelmäßig konsequent ignorierte. Anfänglich dachte ich, das sei eine Charaktersache. Bis ich ihn im Umgang mit männlichen Kunden erlebte. Und spätestens nachdem die Autoinspektion eines männlichen Verwandten nicht – wie es bei mir regelmäßig geschah – ohne Entschuldigung über eine Stunde länger dauerte als angekündigt, war mir klar, dass da etwas nicht stimmte und ich wechselte zu einem anderen Fachhändler.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Oder dieser Unfall – ich war knapp über 18 – als mir ein Mann ins Auto fuhr und versuchte, mich sehr von oben herab über den Tisch zu ziehen und zur Anerkennung einer Teilschuld zu bewegen. Ich bestand darauf, die Polizei dazuzurufen, woraufhin er versuchte, mich vor dieser als ein dummes, kleines Mädchen dastehen zu lassen („Tut mir leid, dass sie da nun Arbeit haben, ich wollte das ja unter uns regeln, aber die junge Dame bestand darauf, sie zu holen.“). Am Ende half das alles nichts und er musste unter großem Gemurre meinen Schaden komplett übernehmen.

Natürlich kann man nun einwerfen, dass das auch jedem jungen Mann so gegangen wäre. Kann natürlich sein. Andererseits kennen wahrscheinlich die meisten der Leserinnen diese ganz bestimmten Situationen mit diesen ganz bestimmten Männern, in denen man auf einmal merkt: „Okay, hier geht es wohl gerade wirklich darum, dass ich eine Frau bin“.
Neben Autohäusern trifft man diese Sorte Mann zum Beispiel gerne im Baumarkt an. Oder sie kommen zu uns nach Hause, wenn unsere Heizung, die Waschmaschine oder der Herd nicht funktionieren, scheinen aber die exakt gleiche Informationen zu den Fehlern des Gerätes aus dem Mund unseres Freundes irgendwie besser zu hören, als wenn wir ihnen sagen, was nicht stimmt.

Was mein Auto angeht, ärgere ich mich vor allem deswegen über solche Männer, weil ich weiß, dass gut Auto fahre. Ich kann auch einparken, das sogar besonders gut. Und ja, ich könnte meinen Platten selber wechseln und ja, ich weiß auch, wo und wie ich den Ölstand prüfe.

Auto fahren mit allem was dazu gehört ist ein typischer Bereich des Lebens, in denen viele Frauen sich selber entmündigen („das kann ich sowieso nicht“ – ähnlich wie beim Heimwerken übrigens) oder auch aus Bequemlichkeit darauf verzichten, den ganzen Idioten da draußen zu zeigen, dass sie es eben doch können.

Allerdings habe ich mich auch selber neulich dabei ertappt, dass ich zum Gespräch mit dem Heizungsinstallateur meinen Freund vorgeschickt habe („der Idiot hört mir eh nicht zu“), anstatt beharrlich selbst die Aufmerksamkeit des Fachmanns einzufordern. Manchmal geht der Wunsch nach einer schnellen Lösung des Problems eben doch vor.
Aber dafür habe ich inzwischen einen tollen Werkstattmeister!


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Selbermach-Sonntag (7.12.08)

7. Dezember 2008 von Susanne

La Woche ist um und jetzt seid wieder ihr dran: Was habt ihr in dieser Woche erlebt? Was habt ihr gelesen, das auch andere lesen sollen? Worüber sollten wir an dieser Stelle mal geredet haben?

Schönen Sonntag.


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Witz des Tages

5. Dezember 2008 von Susanne

Die Heiratsvermittlerin Christa Appelt scheint ein sehr lustiger Mensch zu sein. Denn sie sagt heute in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung Dinge wie:

„Es hat sich gezeigt, dass es Männer auf längere Sicht wichtig finden, dass ihre Partnerin nicht viel mehr verdient als sie. Männliche Klienten müssen also eher mehr verdienen. Eine Frau dagegen möchte zu ihrem Partner aufschauen, sie möchte keinen Mann, der finanziell schlechter gestellt ist. Das steckt in den Genen.

(…)

„Ich habe zahlreiche Ehen von Reichen und Erfolgreichen vermittelt, die meine Erfahrungen bestätigen. Selbst moderne Paare, die ein neues Rollenmodell ausprobieren, geraten oft in eine Krise, weil alte Klischees in ihnen mächtiger sind, als ihnen bewusst ist. Plötzlich merken sie, dass sie zwar emanzipiert denken, aber antiquiert fühlen.“

Lustigerweise erzählt sie dann aber im Rest des Gespräches recht viel von Augenhöhe und dass die Einkommen der beiden Partner ähnlich hoch sein müssten. Aber na gut. Mit langweiligen Erkenntnissen, wie „am besten haben Frau und Mann ähnliche Einkommen, Wertevorstellungen etc.“, kommt man halt nicht so leicht in die Zeitung.

Und wenn wir schon beim Verkuppeln sind: Wir hätten ja eine neue beste Freundin für Christa Appelt im Angebot – Baronin Nadine de Rothschild.


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Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an …

3. Dezember 2008 von Susanne

Wenn wahr ist, was der gute alte Udo Jürgens anno dazumal sang, dann geht es bei Alice Schwarzer jetzt erst so richtig los. Die feministische Vorreiterin wird heute nämlich 66 Jahre alt.

Die erste Aktion Schwarzers, die für großes Aufsehen sorgte, war 1971 das von ihr im Auftrag des Sterns organisierte öffentliche Bekenntnis von 374 Frauen „Wir haben abgetrieben!“ 1977 gründete Alice Schwarzer ihr feministisches Frauenmagazin Emma, 1987 initiierte sie die Anti-Pornografie-Kampagne „PorNo“. Sie veröffentlichte zahlreiche Biografien, unter anderem über Romy Schneider und Marion Dönhoff. Im Mai 2007 veröffentlichte sie mit „Die Antwort“ ihre Analyse zum aktuellen Stand des Feminismus‘.

Auf ihrer Webseite schreibt Schwarzer: „Schön auch, nicht angestellt zu sein und mit 65 automatisch in Pension gehen zu müssen, sondern seine eigene Herrin zu sein.“ Klingt danach, als ob wir wirklich gespannt sein können, was sie in den nächsten Jahren anpacken wird.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

(Foto geliehen bei AliceSchwarzer.de)


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Vergiss AIDS nicht II: Erinnerungen und Einblicke

1. Dezember 2008 von Katrin

Quelle: wikimedia commons
Am heutigen Welt-AIDS-Tag wird eine Krankheit in Erinnerung gerufen, die viele Menschen gerne verdrängen. Dabei sterben jährlich fast drei Millionen Menschen daran, über vier Millionen infizieren sich neu und knapp 40 Millionen leben mit dem Virus in sich. Vergessen und verdrängt wird sie vor allem deshalb gerade in unserer Gesellschaft sehr leicht, weil die meisten Infizierten auf dem vergessenen Kontinent leben: Afrika. In manchen südlichen Afrikanischen Ländern, wie Botswana, Namibia, Südafrika und Simbabwe liegt der Anteil der mit dem HI-Virus infizierten Erwachsenen über 15 teilweise bei fast 20 Prozent. Die Zahl könnte drastisch gesenkt werden, würden Politik und Weltgesellschaft sich endlich konsequent des Problems annehmen, das beweist das Beispiel Uganda: Innerhalb von 10 Jahren, in der Zeit von 1990 und 2000, konnte in Uganda die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) von HIV bei schwangeren Frauen von 30 auf 20 Prozent gesenkt werden, Sexualkundeunterricht, Kampagnen zum Gebraucht von Kondomen und HIV-Tests, deren Ergebnisse noch am selben Tag bekannt gegeben wurden führten zu diesem Erfolg. Aufklärung und Entstigmatisierung – gerade auch für Frauen! – sind der Weg.

Ausbreitung wikimedia commons

Verbeitung von HIV weltweit – Quelle: wikimedia commons (beide Bilder)

Doch auch wenn die Immunschwächekrankheit auf dem afrikanischen Kontinent ein viel größeres Problem darstellt, als bei uns, dürfen wir die Augen nicht davor verschließen. Jedes Jahr stecken sich auch hierzulande immer mehr Menschen mit dem Virus an, über 60.000 Menschen tragen ihn in sich. War die Zahl der Neuinfektionen viele Jahre lang stabil (ca. 2.000 pro Jahr) so gibt es seit einigen Jahren einen Anstieg, was auf eine größere Gleichgültigkeit und weniger Vorsicht zurückschließen lässt.

Was mich ganz persönlich heute in Bezug auf dieses Thema berührt hat, waren zwei Artikel, die ich euch kurz vorstellen möchte.

Der eine Artikel mit dem Titel „Kondome statt Progrome“ erschien in der Rubrik einestages bei Spiegel Online. Der Autor Guido Vael erinnert sich an die AIDS-Hysterie, die Anfang der 80er in Deutschland ausbrach, als die Krankheit auch hier ankam und vor allem konservative Politiker sich unfassbare Methoden ausdachten, ihr zu begegnen: Im Fokus standen natürlich die Schwulen. Schließlich hieß die Krankheit in den USA nicht umsonst GRID, also „Gay Related Immun Deficiency“. Peter Gauweiler (CSU) muss sich dieses Thema besonders zu Herzen genommen haben: Mit einem berühmtberüchtigten Maßnahmenkatalog, der dann auch in der Stadt München umgesetzt wurde, verordnete er Zwangs-Tests und Absonderung von Infizierten. Vael schreibt in seinem Text dazu:

„Gauweiler hatte Angst, mit Praktiken der Nazis, mit der Erinnerung an Konzentrationslager in Verbindung gebracht zu werden. Aber er sagte uns wortwörtlich, dass sein Ziel sei, die Schwulen-Infrastruktur zu zerschlagen.“

Der zweite Artikel erschien in der heutigen Taz. Waltraud Schwab schreibt unter dem Titel „Hetero, Mutter, HIV-positiv“ über die Stigmatisierung HIV-infizierter Frauen in Deutschland und wie diese langsam versuchen, das Tabu zu brechen, indem sie reden. Marianne Rademacher von der Deutschen AIDS-Hilfe erklärt in diesem Artikel, dass mehr Frauen als Männer heute weltweit mit dem HI-Virus infiziert sind und sagt dazu:

„Wenn mehr Frauen positiv sind als Männer, dann muss nicht nur HIV neu gedacht werden. Dann müssen auch die sozialen, ökonomischen und emotionalen Abhängigkeiten der Frauen von Männern auf den Tisch.“

Schwab portraitiert eine deutsche Infizierte, 50 Jahre, zwei Kinder. Sie erzählt ihren Alltag, beschreibt die Vorurteile, die Häme, die über sich ausgeschüttet werden; erzählt von den Nebenwirkungen der Medikamente und warum diese bei Frauen viel heftiger sind (weil nämlich die Medikamente nur an Männer getestet werden). Sie beschreibt eindringlich, wie schwer es für eine Frau sein kann, neben all dem sich selber zu lieben. In zwei weiteren Kurzportraits schildern Frauen ihren Umgang mit der Infektion und warum es wichtig ist, darüber zu reden. Denn:

„Stigmatisiert werden die HIV-Positiven, weil alle, die kein HIV haben, meinen, es geht sie nichts an. Das allerdings meinen sie, weil Leute wie wir nicht darüber sprechen.“


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Vergiss AIDS nicht

1. Dezember 2008 von Susanne

Heute ist Weltaidstag. In ganz Deutschland finden Aktionen statt, du kannst Veranstaltungen besuchen oder dich selbst engagieren.

In Deutschland stagniert die Zahl der Aidskranken auf hohem Niveau, wenn man so will, kann man das schon als gute Nachricht lesen. Denn in vielen Regionen der Erde explodieren die Zahlen der Neuinfizierten und Erkrankten regelrecht. Zum Beispiel in der Ukraine gibt es mehr Kranke als in allen anderen europäischen Ländern.

Die überwiegende Mehrheit aller infizierten lebt in Entwicklungsländern. Laut Unicef starben zwischen 2005 und 2007 mehr als 1,2 Millionen Kinder unter 15 Jahren an den Folgen von Aids. Deutschland will in Zukunft denjenigen unter ihnen die Staatsschulden erlassen, wenn sie die freiwerdenden Gelder für die Aids-Bekämpfung nutzen.

Also, sprecht mit euren Freundinnen und Freunden, Partnerinnen und Partnern, Geschwistern, Kindern über AIDS und

Benutzt Kondome!

 


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Selbermach-Sonntag (30.11.08)

30. November 2008 von Susanne

Another Selbermach-Sonntag: Schreibt auf, was euch in dieser Woche in Sachen Geschlechterfragen gefreut, geärgert oder erstaunt hat.

Schönen Sonntag!


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Kein Spielraum, nirgends: Ein Rückblick auf die Frauen der US-Präsidentschaftswahl

26. November 2008 von Meredith

2008 ist immer wieder in den Medien als „Jahr der Frauen“ bezeichnet worden und das liegt insbesondere an der starken weiblichen Präsenz im US-amerikanischen Wahlkampfjahr. Im New York Magazine analysierte Amanda Fortini vor kurzem, wie sehr dieses Jahr weibliche Stereotypen verfestigt hat:

Erst verkeilte sich Hillary Clinton über Monate mit Barack Obama – sie galt ursprünglich als absoluter Favorit für die Nominierung, hatte einen harten Block treuer Anhängerinnen und Anhänger und einen durchaus werthaltigen Erfahrungsschatz. Sie machte einige Fehler und sich selbst bei vielen nicht gerade beliebt. Weil Clinton ihre Weiblichkeit eher herunterspielte und sich als Schwerstarbeiterin und harte Politikerin gerierte, wurde sie – vor allem von Konservativen – immer wieder als eine „Nussknackerin“ karikiert, letztlich als „tough bitch“.

Statt ihr setzte sich eine ganz andere Frau – völlig mühelos und ohne große eigene Leistungen – durch. Das war Sarah Palin, die über Monate lang die Nation und alle anderen Interessierten zwischen obsessiver Faszination und völlig irrationalem Hass oszillieren ließ (mich nicht ausgeschlossen, ich sag euch, ich war ein Wrack).

Palin erfuhr eine völlig andere Behandlung durch die Öffentlichkeit – wegen ihres Hintergrundes, ihres Auftretens, und ihrer Selbstdarstellung: Sie gab die attraktive „just a Hockey-Mom“, die keinen intellektuellen Aufwand betrieb, viele Kinder gebar und „zwinker, zwinker“ vor allem charming war. Palin war für manche Frauen eine ideale Identifikationsfigur, für die meisten aber war ihre Nominierung ein Fanal, da John McCain gezeigt hatte, dass er Frauen vor allem als Repräsentationsfiguren sieht und keinen Wert auf ihre Inhalte legt. Doch in den Medien wurde diese Kritik kaum laut. Erst als sich herausstellte, dass Palin mittelfristig nicht in der Lage war, sich in die Herzen und Hirne der Amerikaner zu zwinkern und sie einen Fehler nach dem anderen machte, als nach dem Verlust der Wahl bekannt wurde, dass sie wirklich keinen blassen Schimmer von Geografie und Politik hat und ihre Position unter anderem missbraucht hatte, um viel Geld auszugeben, das ihr nicht gehörte (eine Tradition, die sie übrigens in Alaska begonnen hatte) – hagelte es auch von konservativer Seite Missachtung. War sie als hübsche Vorzeige-Sarah noch gut genug, wurde Palin nun auch auf der rechten zur Caribou Barbie degradiert. Damit war der Fall geklärt, die Frau und Politikerin egal.

Es scheint, als gäbe es nur zwei Rollen, die eine Frau in der breiten medialen Öffentlichkeit spielen kann, schreibt Fortini, wenn es um Macht und Karriere geht: Entweder die Bitch oder die Tussi. Selbst Michelle Obama, die als selbstbewusste, eigenständige Persönlichkeit mit einer tollen Karriere anfangs noch aneckte, habe sich jetzt ihrer Rolle als Mutter und Präsidentengattin verschrieben.

Obwohl ich persönlich dazu neige, die Angelegenheit nicht ganz so schwarz-weiß zu sehen – ich glaube es gibt da mehr Spielraum als hier aufgemacht wird, und rechtskonservative Kommentatoren dürfen nicht als das Maß aller Kritik gelten – finde ich vor allem das Detail um Michelle Obama bemerkenswert. Dabei verstehe ich sogar, dass man sich in dieser Situation auf die Familie konzentrieren will, und sei es nur, um alles Mögliche zu tun, um diese Familie durch so eine Zeit zu bringen. Aber traurig ist es doch, dass wir wohl wieder keine alternativen Entwürfe, was Familiensituation betrifft, im Weißen Haus sehen werden. Wir müssen uns mit der Hoffnung begnügen, dass dies auf vielen anderen Ebenen eine bemerkenswerte Präsidentschaft wird, eine angenehme Abwechslung zu den letzten, ähm, 25 Jahren wird es allemal. Doch was die Frauen angeht, wird es eben noch noch viele dieser sogenannten Jahre brauchen, bis über echte Fortschritte geschrieben werden kann.


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Am Ball beteiligt

26. November 2008 von Verena

Der Ball ist rund – keine Frage. Aber dass er rollt, scheint mittlerweile vor allem der Verdienst von Frauen zu sein. „Frauen machen Fußball zur Wachstumsbranche“ hieß es diese Woche in einer dpa-Meldung. So das Ergebnis einer Erhebung unter 1.000 sportinteressierten Bundesbürgern, die das Kölner Marktforschungsinstitut „Sport und Markt“ durchgeführt hatte. Demnach hat sich die Zahl der weiblichen Fußballfans seit 1991 von 5,9 auf 12,5 Millionen mehr als verdoppelt. Außerdem seien fast ein Viertel (23 Prozent) der Stadionbesucher von Erstligaspielen Frauen.

Klingt doch super! Vor allem der Blick hinter die Nachricht: Frauen sind ein entscheidender Wirtschaftsfaktor für den deutschen Fußball! Hartmut Zastrow, Vorstand des Marktforschungsunternehmens „Sport und Markt“, bestätigt: „Die Erstligavereine haben in der Saison 2007/2008 mehr als 100 Millionen Euro durch Frauen und Mädchen eingenommen.“ Bei männlichen Fans sei die Begeisterung dagegen weitgehend „ausgereizt“.

Bleibt abzuwarten, wie der Markt auf dieses Zeichen reagiert und Frauenzeitschriften um ein Sport/Fußballressort erweitert werden oder der Kicker beim Gynäkologen im Wartezimmer ausliegt.


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