Einträge der Rubrik ‘Uncategorized’


eine unsichtbare Barriere

18. September 2015 von Hannah C.

In meinem Blog kann man lesen, dass ich eine nicht sofort sichtbare Behinderung in mein Leben integriere. Was man da seltener lesen kann ist, was wann in meinem Umfeld für mich zur Barriere wird und was die Folgen sind.

Ich werde bemitleidet, wenn ich sage, dass ich nur selten ausgehe. Mein fast ausschließlich übers Netz stattfindendes Sozialleben wird bedauert. Man spricht von einer “Einsamkeit der Opfer”, von Isolation und, dass meine Depressionen vermutlich genau daher kommen, dass ich teilweise tagelang keinen einzigen Menschen treffe. Das “Krieg doch einfach den Arsch hoch” – das “Red doch einfach mit Leuten” – das “Mach doch einfach, was ich immer mache/was andere mit deiner Problematik machen/was ich dir vorschlage”, schwingt dabei jedes Mal wie eine Keule auf mich zu und oft genug trifft es mich auch.

Das Problem ist in dem Fall häufig nicht einmal Ignoranz oder Empathielosigkeit, sondern schlicht das Denken, dass ich für die Dinge, die mich daran hindern, Dinge zu tun, verantwortlich bin, weil sie in mir liegen bzw. von mir wahrgenommen werden und für mich ein Problem sind.
Für mich ist das Neoliberalismus.
Aber Alltag. Haken dran und weiter machen.
Ich habe nicht die Kraft jedes Mal darauf aufmerksam zu machen. Und mein Umfeld ist meist dann doch heimlich schon längst davon genervt, dass ich “schon wieder irgendwas habe”, was niemand versteht.

Manchmal sind Menschen ehrlich und sagen, dass sie mein Problem nicht verstehen. Das tut weh und ich fühle mich wie ein Alien – aber immerhin weiß ich so, dass mein Gefühl allein mit einem Problem zu sein, begründet und nicht eingebildet ist. Hmyeay?

Schwierig: Ich kann folglich nicht sagen, dass sich an der Stelle eine Barriere für mich auftut. Denn wenn es nur für mich ein Ding ist, dann ist es subjektiv. Subjektivität wird gern abgewertet und nicht ernst genommen.
Ich bin in der Erfassung und auch der Begradigung von Barrieren des zwischenmenschlichen Umgangs davon abhängig, dass auch andere Menschen diese ernstnehmen und als solche betrachten. Erst wenn zwei drei vier … Menschen das Gleiche sehen und darin übereinkommen, was man tun kann, ist die von mir benannte Barriere wahrhaft im Sinne von objektiv.

In meinem Leben ist es so, dass so richtig niemand glauben kann oder mag, was für mich alles ein Ding ist.
Nicht einmal ich selbst mag wirklich darüber nachdenken, weil mir darüber mit einer schmerzlichen Wucht meine Probleme und Barrieren im Alltag bewusst werden, und ich gleichzeitig weiß: “Ich kann die nicht wegmachen. Es gibt (im Augenblick) keine Möglichkeit für mich diese zu umgehen.”.

Ich wäre ja oft gerne cooler, up-to-dater, offener, lockerer, sozialer – einfach mal nicht so verkrampft, auf der Hut, überanstrengt und nach Kontakt mit Menschen einfach einmal nicht so furchtbar überladen – aber, was ich dafür brauche, kann ich nicht einfordern, wenn die Barrieren dahin gar nicht erst verstanden werden und heimlich auch eigentlich nur Abnerv darüber in den Menschen auftaucht.

Mir tut es leid, dass ich nie über Popkultur mitreden kann. Dass mich Essen nicht auf die gleiche Art interessiert wie andere. Dass ich Spielfilme in aller Regel nicht aushalte. Dass ich keine Beziehungskistenserien lange durchhalte. Dass es schlicht kein einziges Thema, das (auch) die intuitive Einschätzung sozialer Interaktion nötig macht, beherrsche. Und es tut mir leid, dass ich nicht die Kraft habe, den Menschen in meinem Umfeld klar zu machen, wieviel von dem, was sie tun, völlig unabhängig davon wie es ihnen geht, immer auch etwas von ihnen erfordert, das sie intuitiv können und ich eben nicht.
Das Wort für dieses Nichtkönnen ist neu in meinem Leben. Das Wort ist: “Autismus”.
Dieses Wort bedeutet genau wie meine Traumafolgen: Man sieht es nicht und alle Wahrnehmung ist subjektiv. Immer. Bei allem.

Schwierig ist der Selbstbezug, den ablierte Menschen versuchen, wenn sie sich mit behinderten Menschen auseinandersetzen wollen.
Manche überlegen sich, wie das wohl wäre, wenn sie als Nichtrollstuhlnutzer_innen immer und immer einen nutzen müssten. Der Fehler in diesem Denken liegt schon darin, sich über bestehende bzw. nicht bestehende Funktionen in die subjektive Er-Lebensrealität anderer hineinversetzen zu wollen – und nicht über das, was mit Funktion bzw. Nichtfunktion einhergeht oder über das, was Funktion voraussetzt. Zum Laufen braucht man nicht nur Beine, sondern auch die Fähigkeit sie zu bewegen und diese Bewegung zu kontrollieren und manche Menschen brauchen vorrangig überhaupt einen für sie echten Anlass irgendwohin zu laufen.

Ich verstehe Menschen nicht. Menschen haben mich gedemütigt, verletzt und ausgebeutet. Menschen überreizen mich. Menschen verstehen mich nicht. Menschen machen mir Angst. Menschen überfordern mich mit ihrer Normalität.
Und trotzdem versuche ich jeden einzelnen Tag irgendwie mit einigen davon zu interagieren.
Nicht zuletzt auch deshalb, weil ich im Gegensatz zu ihnen merke, wie abhängig ich von einem Anteil ihrer Fähigkeiten und der daraus resultierenden Handlungsmöglichkeiten bin.

Diese Abhängigkeit nicht anzunehmen, nicht an sich zu reflektieren und mich dafür allein verantwortlich zu machen, ist für mich eine der größten unsichtbaren Barrieren im zwischenmenschlichen Interagieren. Sie erfordert ein Handeln von mir, dass ich aufgrund meiner Behinderung (und meiner Anpassungen aufgrund von Lebenserfahrungen noch) nicht kann und ermöglicht ablierten Menschen einen Raum der Ignoranz und des Vermeidens, der so viel bequemer ist, als die anstrengende Interaktion mit jemandem, den man nicht versteht.

Von mir wird oft erwartet eine verzehrfertige Lösung zu servieren.
Ich habe keine.
Ich kann nur darum bitten, weniger genervt zu sein. Mitzudenken. Sich auseinanderzusetzen. Weniger Eskapismus vor unbequemen Themen zu versuchen. Weniger mit Schuld und Verantwortung für Dinge zu arbeiten, die völlig außerhalb von Schuld- und Verantwortungsdynamiken passieren. Fragen zu stellen. Zuzuhören. Sich zu widmen. Ehrlich zu sein, wenn man all das nicht möchte.


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Ich will ich sein, anders will ich nicht sein

20. Februar 2009 von Werner

Im Magazin der Süddeutschen Zeitung hat sich Daniel Craig zu seiner Rolle als James Bond und zu der Rolle von Männern in der Gesellschaft geäußert. Ein tolles Interview, gerade weil Craigs Ansichten so gar nicht zu denen des Martini-trinkenden Supermannes passen. Für mich steht James Bond für so gut wie alles, was ich als Mann nicht ausleben will. Ich mag keine schnellen Autos, ich fahre lieber Bahn. Ich habe ungern Uhren aus denen Pfeile geschossen kommen, ich würd mich wahrscheinlich damit selbst erledigen und wie gut ich im Nahkampf bin, weiß ich nicht, ich hab es noch nie getestet. In seinem Interview beschreibt Craig vieles, was eher dem „modernen Mann“ zugeschrieben wird, ganz im Gegensatz zum „zum alten Mann“ der ja dann eher durch James Bond verkörpert wird.

Quotenmann

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Die Vokabeln alt und modern darf hier auch ruhig wertend verstanden werden. Ich finde es gut, wenn auch mal Männer, wie Craig im Interview, zugeben können, das sie Nachts vor Sorgen nicht durchschlafen können, wenn sie sich als Mann nicht automatisch als Familienoberhaupt sehen oder eben androgyne Männer zum Vorbild haben. Ich finde es klasse, dass es eben nicht mehr nur ein klares Rollen(vor)bild gibt und entweder du ensprichst diesem oder du wirst ausgegrenzt. Viele andere Männer – zumindest nehme ich dies derzeit so wahr – bemängeln jedoch gerade dieses Fehlen eines klaren Vorbildes häufig. Auch im Interview wird Craig zu dieser Thematik angesprochen:

SZ: Ist es für junge Männer heute schwerer als in Ihrer Jugend, eine klare Rolle in der Gesellschaft zu finden?
Craig:
Ich glaube schon. Zumindest machen junge Männer heute auf mich oft einen, wie soll ich sagen, ratloseren Eindruck als früher.

Die Frage ist tricky, denn sie suggeriert, dass das Suchen und Finden etwas Schlechtes sei. Denn meiner Meinung nach stimmt es ja, dass es schwerer geworden ist, eine klare Rolle zu finden, aber ich finde das sogar gut! Ich finde es gut, dass ich als Mann heute die Freiheit habe – zumindest mehr als früher – meine Rolle in der Gesellschaft selbst zu finden. Dass ich mich mit mir auseinandersetzen muss und mein Verhalten und mein „Mann-Sein“ so auslebe, wie es zu mir passt. Etwas suchen zu müssen heißt nämlich, dass es eben nicht da bzw. vorgegeben ist. Dass ich eben die Freiheit habe, mich nicht für Autos zu interessieren oder mich nicht mit anderen Männern zum Saufen auf Parkplätzen treffen und bescheuerte Witze über Frauen, Schwule oder Weicheier reißen muss. Aber klar: etwas selber zu finden – gerade sich selbst – ist immer schwerer, als wenn es ein anderer für mich tut.

Natürlich ist Suchen nicht immer einfach. Jeder muss sich mit sich selbst beschäftigen, und das noch in der Pupertät, da ist sowieso schon alles ein bisschen schwerer. Aber klare Rollenvorgaben haben immer nur denen genützt, die gerne so sein wollten. Für alle anderen waren sie ein Ballast. Sie mussten sich anpassen oder wurden zum Außenseiter. Und ein Außenseiter in der Pubertät zu sein, war noch nie schön und wird es auch nie werden. Deshalb verstehe ich es nicht, wenn gesagt wird, dass fehlende Rollenvorbilder zu mehr Gewalt führen. Wenn ich von meiner Elterngeneration höre, wie sie in Bayern auf dem Land mit Andersartigkeit umgegangen sind, dann bin ich sprachlos. Ich will die Gewalt heuzutage nicht verharmlosen oder leugnen. Aber ich glaube nicht, dass diese von einem fehlendem Männerbild herführt. Ich glaube viel eher, dass dieses „alte“ Bild noch zu sehr in unserer Gesellschaft vertreten ist. Denn für mich gehört zu diesem Bild ganz klar, der Stärkere zu sein und wenn nötig auch mal drauf zu schlagen, ganz nach dem Motto: „Jungs dürfen sich ruhig mal prügeln.“

Für mich kann die Zerstörung der Rollenklischees gar nicht weit genug gehen. Und das sage ich nicht als ein komplett femininer Typ. Ich habe einige Eigenschaften, die landäufig wohl eher den Männern zugeschrieben werden: Ich habe keine Angst vor Spinnen, ich repariere gerne Gegenstände, bin handwerklich nicht komplett ungeschickt, kann mich räumlich orientieren und was weiß ich noch so. Aber das ist eben nur ein Teil von mir und ich bin froh, den anderen auch ausleben zu dürfen. Ich bin eben für die Zerstörung der Rollenklischees, da ich von jedem das will, was für mich am besten ist. In meiner Kindheit hatte ich oft das Gefühl, dies nicht machen zu dürfen. Wenn ich lieber mit meiner Freundin mit Barbies (Ich war vier und wusste noch nicht mal, wie Feminismus geschrieben wird!) als mit meinem Freund Fußball gespielt habe, wurde ich dafür gehänselt. Gerade in der Schulzeit war es wichtig, ein richtiger „Mann“ zu sein. Und ich habe nicht im Geringsten das Gefühl, dass sich seitdem so viel verändert hat.

Ich wäre sehr froh gewesen, weniger „männliche“ Erwartungen erfüllen zu müssen. Und ich kann gar nicht sagen wie froh ich bin, dass ich derzeit selbstbewusst und ausgeglichen ein Leben führen darf, in dem ich bin wie ich bin. Und das ich ein Mann bin, kann mein Arzt bestätigen.


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Herman bald wieder im TV

18. Februar 2009 von Susanne

Eva Herman könnte bald wieder als Moderatorin arbeiten, angeblich hat ihr ein großer Privatsender ein Angebot gemacht. Das wäre nicht weiter interessant, wenn nicht im Bericht zu ihrem Comeback folgender Satz auftauchen würde:

Auch ihr bald zwölfjähriger Sohn habe gemeint: „Mama, jetzt wird es aber Zeit, dass du mal wieder ins Fernsehen gehst“.

Interessant, dass Hermans Sohn emanzipierter zu sein scheint als seine Mutter. Im Gegensatz zu ihr denkt er ja anscheinend, dass Frauen auch berufstätig sein sollten. Oder er will einfach mal zu Hause seine Ruhe?


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Ein bisschen Sehnsucht …

16. Februar 2009 von Anna

Vor so ungefähr zwei Jahren hatte ich Besuch von meiner Cousine. Die war damals 12 Jahre alt und ein fast fertiger Teenie. Bei einer der obligatorischen Shoppingtouren kaufte sie unter anderem das gerade erschienene neuste Buch einer bestimmten Reihe und außerdem das Hörbuch zum ersten Band. Ab da versank sie fast jede freie Minute in besagtem Wälzer. Natürlich wollte ich wissen, worum es in diesen Büchern ging. Vampirgeschichten seien das, meinte sie, und zwar sehr spannende.

Aufmerksame LeserInnen werden vielleicht ahnen, worum es ging: Richtig, dieser Cousinenbesuch war mein erster Kontakt mit der Twilight-Saga.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Ich lieh mir damals das Hörbuch aus, um einen Eindruck zu bekommen. Twilight war sowohl mir als auch den Menschen um mich herum völlig unbekannt. Meine Cousine hatte noch andere Teenager-Bücher dabei, bei denen es um Vampire und Liebe ging, ich meinte also einen neuen Trend zu erkennen. Ich selber habe sämtliche Grundschulfaschingsfeiern im Vampirkostüm verbracht, fremd war mir diese Welt also nicht. Nur bei mir hatte sich das alles dann recht schnell verwachsen, außer „Der Kleinen Vampir“ gab es nichts wirklich altersgerechtes zu dieser Zeit.

Jetzt, zwei Jahre später, ist Twilight wohl fast jedem und vor allem jeder ein Begriff! Das liegt natürlich auch an der Promo für den entsprechenden Film. Aber nicht nur. Denn es ist nicht der Film, der Freundinnen tagelang quasi nicht ansprechbar macht, es ist nicht der Film, der Kolleginnen in wilde Diskussionen in der Kantine ausbrechen lässt und es ist nicht der Film, der seitenlange Diskussionen in Internetforen – wohl gemerkt keine reinen Fanforen – hervorruft. Nein, es sind die Bücher, die im Moment reihenweise um mich herum verschlungen werden.

Obwohl ich sowohl eine Affinität zum Thema selber als auch zu leichter Unterhaltung habe, stehe ich sehr ratlos vor diesem Phänomen. Ich kenne nur den ersten Band und diesen auch nur als Hörbuch. Als ich jedoch bei amazon die empörten Rezensionen las, dass dieses leicht gekürzt sei, war ich ein wenig erleichtert, denn gegen Ende war ich dieser doch recht simplen Boy meets Girl-Story ein bisschen müde gewesen. Daran konnten auch die ganzen spannenden Abenteuerelemente nichts mehr ändern, sowohl sprachlich als auch von den Handlungssträngen her hatte ich zwar einen interessanten Einblick gewonnen, aber begeistert war ich nicht.

Ich fand es seltsam, dass Bella, die eigentlich als sehr klug und taff geschildert wird, immer wieder in „bitte rette mich“-Szenen geschrieben wurde, man fragt sich irgendwann, wie sie überhaupt 17 Jahre alt werden konnte ohne ein tödliches Unglück oder mindestens ein Leben im Rollstuhl. Dann Auftritt des starken und tapferen Helden Edward, der sie unerschrocken aus der Gefahr holt und natürlich hinterher eindringlich-väterlich ermahnt, besser auf sich aufzupassen. Bis zur nächsten Rettung. Szenen nach diesem Muster wiederholten sich immer wieder und das wohl auch in den anderen Büchern, wie mir in Blick in die Zusammenfassungen verriet. Natürlich verlieben sich Edward und Bella, Bella will mehr als nur Händchenhalten, doch Edward, der unnahbare Held, muss stark bleiben. Ja, nicht mal richtig küssen kann er sie, aus Angst, sich nicht „beherrschen“ zu können. Dies ist in meinen Augen allerdings ein guter Kniff der Mormonin Stephenie Meyer: Denn die Frage „Sex vor der Ehe“ stellt sich so gar nicht, aus Edwards Angst heraus, im Überschwang der Gefühle die Kontrolle zu verlieren. Bella, das unvernünftige, höchst emotionale Ding, möchte jedoch nichts mehr, als gebissen werden, aber der gewissenhafte Edward widersteht. Natürlich. Die Leserin „Bidisha“ nennt in einer Onlinerezension auf independent.co.uk den letzten Teil der Reihe „sick-makingly sexist“.

So weit, so schön das Teenie-Buch. Was aber macht die Faszination dieser Bücher für erwachsene Frauen aus? Was bringt gestandene Endzwanzigerinnen (und nach den amazon-Rezensionen auch diverse Mütter) dazu, sich mit Bella zu identifizieren („Bidisha“: „Bella Swan lives to serve men and suffer”) und wenigstens ein paar Tage lang ein wenig für Edward zu schwärmen? Der einzige Unterschied zu Millionen Teenagern scheint nur zu sein, dass diese sich wohl kaum so explizit ausmalen, was sie alles mit Edward machen würden, wenn sie die Gelegenheit hätten…

Ist das nur Eskapismus? Oder haben wir, allem Feminismus zum Trotz, in uns doch eine tiefe Sehnsucht nach einem Beschützer, einem, der immer da ist, um uns – im Wortsinne – aufzufangen? Der immer das richtige tut und sagt, uns körperlich und charakterlich überlegen ist und das auch immer wieder demonstriert? Nach einem, der vernünftig genug für uns beide ist, so dass wir emotional und unvernünftig sein dürften und der nebenbei noch total geheimnisvoll ist, ein Mann, den man erstmal „knacken“ muss? Wenn nein, woher kommt diese Begeisterung dann? Und wenn ja, sagt das nicht mehr über unsere Emanzipation aus als das jahrelange Emma-Abo?

Mädels, erklärt’s mir bitte!

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Bonustrack


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Die Schönheit der Anderen

10. Januar 2009 von Meredith

Wenn Frauen über Frauen reden, kann es ruckzuck unangenehm werden. Vor allem, wenn es um Äußerlichkeiten geht. Dann wird entweder verherrlicht: „Ach, die hat so eine tolle Figur, so würde ich auch gern aussehen“ oder verachtet: „Also mit solchen Beinen sollte man vielleicht nicht unbedingt Leggins tragen“. Ganz merkwürdig ist auch die Art, wie Frauen miteinander über ihr Äußeres sprechen – ihr eigenes und das der Gegenüber. Es gibt wenig schlimmeres als eine Gruppe von Frauen, die in kollektiven Selbsthass auf Grund von Nebensächlichkeiten wie delligen Pobacken oder einem Busen der nicht der aktuellen DIN entspricht.  Hinter der gemeinschaftlichen Selbstkasteiung ist natürlich immer auch ein kleiner Wunsch versteckt, irgendjemand möge einem die eigene Attraktivität doch versichern.

Frauen sind oft nicht wahnsinnig gut darin, sich ehrlich Komplimente zu machen oder diese anzunehmen. Frauen belauern sich nämlich oft gegenseitig, vergleichen sich zu gern miteinander, wittern ständig Konkurrenz. Komplimente werden daher oft mit einem Vorbehalt gemacht; und selbst wenn nicht, werden sie vielfach nur unter Vorbehalt angenommen. Schließlich gehört es zu den großen Unannehmlichkeiten des weiblichen sozialen Lebens, von einer Frau, sei sie befreundet oder nicht, prüfend gemustert zu werden.

Andererseits ist es natürlich ein Herrliches, von einer Freundin oder auch einer Fremden auf der Clubtoilette ein gutes Kompliment zu bekommen. Neulich traf ich eine entfernte Bekannte, die meine neue Frisur spontan mit „Sieht ja saugeil aus!“ kommentierte. Ich ging danach mindestens drei Stunden auf einem Wolkenteppich. Und umgekehrt ist es auch schön, wenn man jemanden so hervorragend oder besonders findet, dass man nicht an sich halten – und ihr dann eben so einen Teppich ausrollen kann.

Die Kosmetikfirma Dove hat ein sehr hübsches (Werbe-)Filmchen produziert. Darin schauen sich Frauen Videoaufnahmen fremder Frauen an und sagen, was sie über die denken. Dabei kommen ein paar fiese, aber hauptsächlich unheimlich nette Dinge herau. Zum Beispiel sagt ein Mädchen über ein anderes: „Sie hat tolle Sommersprossen und Leberflecken. Ich liebe Sommersprossen und sie hat ganz viele.“ Eine andere lobt die „winzigen Augenbrauen“ einer Frau etc. Sie finden immer irgendetwas völlig originelles und liebenswürdiges, was sie übereinander sagen können. Das Ganze macht beim Zusehen das gute Gefühl, dass wenn Frauen über Frauen reden, es auch sehr freundlich und aufgeschlossen zugehen kann. Auch wenn es hier natürlich um Werbung für Kosmetik geht…


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Unser Jahresrückblick 2008

31. Dezember 2008 von der Mädchenmannschaft

Sprachlosester Moment des Jahres: „the winner of the award for the best weblog in german language is Mädchenmannschaft“
Irritation des Jahres: Lady Bitch Ray überreicht Oliver Pocher ein Döschen Fotzensekret.
Was 2008 irgendwie so war wie immer: Bei den Querelen in Hessen ist das Verhalten von Roland „brutalstmögliche Aufklärung“ Koch angemessen und verständlich, Andrea Ypsilanti hingegen wird zur nervigen Frau, die endlich zur Vernunft kommen soll.
Die gute Wahl 2008: Der alternative Nobelpreis für Monika Hauser.
Skeptisch gemacht hat mich 2008: Die Kampagne zur HPV-Impfung.

Ein wunderbares 2009 wünscht Euch Anna. Lasst es krachen!

+ + + +

Die Entscheidung des Jahres ist für mich die Berufung von Hillary Clinton als US-amerikanische Außenministerin.
Der beschissenste Trend des Jahres ist die Auffassung, Kinder seien ein Status-Symbol, das jetzt auch die Coolen cool fänden.
Der Mutmacher des Jahres ist das neben dem BOB-Award für maedchenmannschaft.net als Bestes Deutsches Weblog 2008 die Ankündigung, dass es im Februar 2009 eine 2. Ausgabe von Missy geben wird.
Was ich aus 2008 definitiv nicht vermissen werde,
ist der medial inszenierte Generationenstreit zwischen Feministinnen unterschiedlichen Alters.
Was 2009 endlich kommen muss,
ist ein Round-Table-Gespräch mit Alice Schwarzer und jungen Feministinnen.

Viele Grüße, alles Gute für 2009, lasst den Feminismus nicht sterben, sondern hochleben, wünscht Barbara

+ + + +

Schönster unpolitischer Moment des Jahres, war ein Konzert der wunderbaren Gustav unter freiem Himmel
Schönster politischer Moment des Jahres, war Claudia Roths inbrünstige und flammende Rede auf der Landesfrauenkonferenz der Berliner Grünen, in der sie ihre Freude über den Jungen Feminismus äußerte
Persönlicher Triumph des Jahres: auch ein kleiner Junge kann sehr gefühlvoll, verschmust und sprachbegabt sein! – Erziehung ohne Gender-Stereotype kann gelingen.
Der herzhafteste Lacher des Jahres entwich mir, als ich Feuchtgebiete (mit all den angeekelten Rezensionen im Hinterkopf) las und Helen ihr selbstgemachtes Tampon genussvoll im Krankenhausfahrstuhl deponierte…
Plädoyer für 2009: Bitte habt auch ein ♥ für Männer
Erkenntnis des Jahres: Ich bin Feministin – Hooray!
Eigener Ruf in diesem Jahr: Katrin ist Dr. Sex der Mädchenmannschaft
Ey, wenn nächstes Jahr nicht endlich… diese Große Koalition abgelöst wird, und mit ihr diese miserable Gender-Politik, dann geb ich mir aber die Kugel!!

Prost meine Lieben! Ich freue mich auf ein diskussions- und aktionsreiches neues Jahr! Eure Katrin

+ + + +

Persönlicher feministischer Yiha!-Moment des Jahres: Als mir ein sehr wichtiger Mensch sagte, er sei jetzt übrigens auch Feminist. Weil dieser Mensch vor einem Jahr noch darauf beharrt hatte, Humanismus sei doch viel wichtiger als Feminismus.
Professioneller feministischer Top-Moment des Jahres: Als nach unserer Buchpräsentation in München zwei junge Damen auf mich zukamen und sich für „Wir Alphamädchen“ bedankten, mit den Worten, sie fänden sich darin absolut wieder.
Langweiligstes und schlimm überstrapaziertes Wort des Jahres: „Zickenkrieg„, s. a. NEON und EMMA.
Größte Irritation 2007: Wenn ich mich entscheiden muss, dann war das die Aussage einer relativ prominenten Feministin, sie sei ja sowohl Maskulinistin als auch Feministin. Da hab ich kurzfristig oxymoronischen Schluckauf bekommen.
Die ermüdenste feministische Debatte fand für mich gar nicht in Deutschland statt, sondern in den USA, wo sich Frauen darüber die Köpfe einschlugen, ob sie Hillary Clinton per Geschlecht zu unterstützen hatten.
Aufgepasst in 2009: In 2008 haben sich Abtreibungsgegner ziemlich intensiv bewegt. Es kommen möglicherweise wieder größere Konflikte auf uns zu.
Deprimierendste Person des Jahres: Sarah Palin.
Meine Kunst-Entdeckung des Jahres: Pipilotti Rist.
Frau des Jahres: Chris Köver, Mit-Macherin von Missy Magazine.
Der schreibende Mann, der mich 2008 immer wieder echt froh gemacht hat: Alex Rühle.

Liebe Leserinnen und Leser, danke für spannende Diskussionen, Feedback und Inspiration. Ich wünsche euch allen eine tolle Feierei. Viel Freude und Fortschritt 2009! Meredith

+ + + +

Da konnte 2008 gegenüber 2007 trumpfen: Man kann wieder über Feminismus sprechen, sich sogar „Emanze“ nennen, ohne sich ins gesellschaftliche Abseits zu katapultieren. Da ist am Ende des Jahres was Gutes von dem ganzen Hype übrig geblieben.
Hat dieses Jahr brutal genervt: die Erhöhung des Kindergeldes um wieder 10 Euro ab dem 1. Januar 2009. Man fragt sich, wann die Bundesregierung mal den Empfehlungen der EU und dem Vorbild der Nachbarländer folgen wird und diese verdammten zehn Euro in eine bessere Kinderbetreuung steckt. Zehn Euro mehr im Portemonnaie hilft Eltern nur sehr bedingt; ein gesetzlich garantierter Betreuungsplatz mit ausgebildetem (ergo: gut bezahltem) Personal dagegen viel.
Die erstaunlichste Leistung des Jahres: brachte die 8-jährige Nojoud Muhammed Nasser, die sich von ihrem 30-jährigen Ehemann scheiden ließ.
Auf den Punkt gebracht: Jutta Allmendinger hat in „Das zweite Geschlecht steht auf“ geschrieben, was in der diesjährigen Debatte über berufstätige Frauen mal gesagt werden musste.
2008 war nur der Anfang: für Sarah Haskins. 2009 dann „The Daily Show“? Dank Sarah und „Target Women“ haben wir 2008 wieder eine Menge über uns Frauen gelernt.
Kurz vor Schluss noch mal richtig nett zu uns: die Blogger um Thomas Knüwer und Franziskript, die uns am Montag zum „Besten Themenblog“ gekürt haben.
2009 braucht: mehr Krawall & Remmidemmi

Ich freu mich, wenn ihr uns auch im nächsten Jahr treu bleibt; viel Spaß beim Reinfeiern! Eure Susanne

+ + + +

Die Frau des Jahres ist für mich Charlotte Roche, weil sie der Muschidebatte mal ordentlich in den Hintern getreten hat
Der Mann des Jahres ist Barack Obama, weil er aus Idealismus Realismus machte
Der Erfolg des Jahres
ist Missy – das erste Popkulturmagazin für Frauen in Deutschland; Byte.fm – Internetradio mit hervorragenden Sendungen, auch von Frauen
Aufreger des Jahres: Die Erziehungsdebatte über Jungs
Musikerinnen des Jahres
: Cat Power, Gustav, Joan as a PoliceWoman, Yo Majesty, Bernadette La Hengst, Clara Luzia und und und …
Was ich aus 2008 nicht vermissen werde, sind keusche Disney-Retorten wie Hannah Montana und Jonas Brothers etc.

Eure Verena


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Selbermach-Sonntag (28.12.08)

28. Dezember 2008 von Susanne

Der letzte Selbermach-Sonntag im Jahre 2008: Habt ihr schon feministische Vorsätze für 2009? Wenn ja, was wollt ihr ändern? Wollt ihr in die Politik gehen? Eine große Aktion organisieren? Kunst oder Musik machen? Oder soll 2009 alles so bleiben wie es ist?


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Selbermach-Sonntag (21.12.08)

21. Dezember 2008 von Susanne

So, schnell noch, bevor es Weihnachten wird: eure Lesetipps und Themen aus der vergangenen Woche. In den Kommentaren.

Schönen Sonntag!


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Selbermach-Sonntag (14.12.08)

14. Dezember 2008 von Susanne

Woche rum, ihr seid dran.

Schönen Sonntag!


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Einen ganzen Tag vor der Glotze…

13. Dezember 2008 von Katrin

… könnte man morgen verbringen. Denn morgen bringt 3sat einen ganzen Thementag mit dem Motto: „Frauen an die Macht“. Von morgens um 6 bis morgens um 6, also ganze 24 Stunden, kommen Reportagen, Filme und Portaits über Frauen aus ganz Europa und ihre Geschichten. Hier ein kleiner Programmausschnitt:

  • 6.05 Uhr: Das Jahrhundert der Frauen
  • 7.00 Uhr: Mama machts möglich
  • 8.30 Uhr: Die Stunde der Frauen – Trümmerleben
  • 9.15 Uhr: Rosa Luxemburg – Aus der Reihe „Deutsche Lebensläufe“
  • 10.00 Uhr: Eine Pionierin aus Berufung – Die Frauenrechtlerin Gertrud Heinzelmann
  • 10.30 Uhr: Ein eigensinniges Volk: Annäherung an Appenzell
  • 11.20 Uhr: Das Weibernest
  • 12.50 Uhr: Der Verstand hat kein Geschlecht – Frauen in technischer Forschung
  • 13.35 Uhr: Ein Leben für die Physik: Felicitas Pauss
  • 14.05 Uhr: 1.000 Frauen und ein Traum: Das Nobelpreisprojekt
  • 15.00 Uhr: Weiblich, allein, über 50 sucht… – Frauen auf Partnerschau
  • 15.30 Uhr: Frauen, die Prosecco trinken
  • 17.00 Uhr: Ungeschminkt: Jane Fonda
  • 17.45 Uhr: Klug, stark und weiblich
  • 18.30 Uhr: Louise Bourgeois: Federleichte Gedanken
  • 19.10 Uhr: Alice Schwarzer imGespräch
  • 20.15 Uhr: Alles was Recht ist – 90 Jahre Frauenwahlrecht
  • 21.00 Uhr: Orlando
  • 22.30 Uhr: Simone de Beauvoir – Vordenkerin des Feminismus
  • […]

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