Einträge der Rubrik ‘Studien’


Frauenarmut in den USA: Tendenz steigend

4. Oktober 2011 von Magda

Die akuellen Erhebungen des United States Census Bureau zum durch­schnitt­lichen Haus­halts­einkommen in den USA im Jahre 2010 weisen einen deut­lichen Trend auf: Die Armuts­quote unter Frauen wächst und gipfelt in der höchsten Armutsrate seit 17 Jahren. Besonders davon be­troffen sind Women of Color: Jede vierte Schwarze Frau und jede vierte Latina lebte 2010 in Armut, so Ms. Magazine.

Von den Frauen, die eine Familie haben, lebt insgesamt jede Vierte unter der Armuts­grenze. Mehr als die Hälfte aller von Armut betroffenen Kinder – insgesamt jedes fünfte in den USA lebende Kind – wächst in Familien mit allein­er­ziehenden Müttern auf. Jede fünfte Frau unter 65 Jahren hatte 2010 keine Kranken­ver­sicherung, Tendenz steigend. Und auch der Lohn­unter­schied bewegt sich keinen Milimeter: Immer noch ver­dienen Frauen 77ct für jeden Dollar, den ein Mann nach Hause bringt, laut National Women’s Law Center. Allein­er­ziehende Mütter sind also einem enormen Armuts­risiko ausgesetzt. Zusammen­gefasst hat diese Daten Sarah Richardson für Ms. Magazine in einer Info-Grafik:

Infographik zu Frauen und Armut in den USA (mit freundlicher Genehmigung von Sarah Richardson)

Die Zahlen und Fakten sprechen eine erschreckend ein­deutige Sprache – nur die US-amerikanischen Medien scheint es kaum zu interessieren. So titelte Leslie Bennetts in The Daily Beast mit “Frauen – Die unsichtbaren Armen” und fasst die Zahlen noch einmal zusammen:

Was diese Statistiken aussagen, ist, dass mehr als 17 Millionen Frauen im letzten Jahr unter der Armuts­grenze lebten, verglichen mit 12.6 Millionen Männern. Wie immer spielt Alter eine ent­scheidende Rolle: Verglichen mit Männern lebten doppelt so viele Frauen über 65 in Armut (übersetzt aus dem Artikel).


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Wissen, wie es geht

30. September 2011 von Verena
Dieser Text ist Teil 20 von 20 der Serie Sex am Morgen

Sex – wir alle glauben zu wissen, wie es geht und doch gibt es immer mehr, vor allem junge Menschen, die kaum etwas über die biologischen Vorgänge im Körper wissen und ergo keine Ahnung von Verhütung haben. Vom weiblichen Orgasmus haben auch immer noch viel zu viele Leute keine Ahnung. Nur den G-Punkt, den hat die Schönheitschirurgie für sich entdeckt. Die Vulva-Spots der Woche:

Vom 25. bis 29. Oktober findet in Kiel das 4. Fetisch Film Festival statt. Ich bin zwar nicht so fetisch-filmerfahren, um Empfehlungen abzugeben, aber Filme wie “Profane” oder “Tenderloin Tramp” klingen vielversprechend. Ein Star-Aufgebot gibt es auch: Mit “Eine dunkle Begierde”, in dem Keira Knightley und Viggo Mortensen die Hauptrollen mit freudschem Fetisch spielen.

Na, noch auf der Suche nach dem G-Punkt? Dann lasst doch einfach mal den/die Schönscheitschirurg_in ran. Nicht nur schnippeln die ÄrztInnen immer öfter an den Schamlippen rum, nun werden sogar die G-Punkte aufgespritzt. Nennt sich dann ‘G-Shot’. Darüber und über die gängigen Vulva-OPs für bescheuerte Designer-Vaginas berichtete Anfang September frauTV. Zu sehen ist der Beitrag auch auf der Internetseite der Sendung. Aber wieso sagen die immer ‘da unten’?!

Erika Lust stellt in ihrem Blog Orgasmus-Coach Nicole Deaaedone vor, die weibliche Orgasmusprobleme für kein biologisches sondern ein kulturelles Problem hält: Zu viel Arbeit, zu viele Diäten, Unruhe und sozialer Druck seien die Umstände, die Frauen ihren Höhepunkt versagen. Jezebel empfiehlt zum Thema die positiven Nebeneffekte beim Yoga und Deadone stellt ihr Orgasmus-Manifest bei TED vor:

Global Voices unterhält sich mit der us-amerikanischen Kulturwissenschaftlerin Katrien Jacobs über ihr jüngstes Buch “People’s Pornography”, in dem sie das D.I.Y. chinesischer Internetpornographie untersucht. Sehr spannend, weil die – überwiegend – jungen Chinesen damit doppelt gegen das Gesetz verstoßen: Sie haben Sex, wie es ihnen gefällt und sie laden ihn auch noch hoch. Weniger erfreulich dagegen ist die weit verbreitete männliche Fantasie, mit minderjährigen Mädchen Sex zu haben, um sich in ihrer männlichen Macht-Position bestätigt zu fühlen.

Die Porno-Recyclerinnen von Hazel Glory kommen bei  jetzt.de zu Wort. Ist nicht ganz neu, SpOn hat auch schon mal drüber berichtet. Warum sich die zwei Schweizerinnen dem 70er Jahre Porno verpflichtet sehen, begründet Sabine Fischer sehr sympathisch:

Die 70er waren auch das sogenannte „Golden Age of Porn“. Es war eben noch die Zeit vor Videos und es gab somit keine Schnellproduktionen. Heute dreht man an einem Nachmittag einen Porno: In einem kargen ekligen Raum mit tonnenweise Make-Up machen zwei Leute Sex und das war’s dann.

Laut einer internationalen Studie mit mehr als 6.000 Jugendlichen aus 26 Ländern wissen junge Menschen immer weniger über Verhütung und die Risiken ungeschützen Verkehrs und trauen sich auch nicht, ihre Eltern danach zu fragen. Reuters zitiert die Studie, nach der allein ein Drittel der befragten ÄgypterInnen annahm, nach dem Sex zu duschen verhindere eine Schwangerschaft…


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Die Mädchenmannschaft wird erforscht – und du kannst mitmachen!

28. September 2011 von Magda

Laura Gruber studiert im Doktorat Kommunikations­wissen­schaft an der Universität Salz­burg und schreibt eine Dissertation zum Thema „Die Verhand­lung von Geschlecht/-lichkeit(en) im Inter­net“. Ihre Arbeit deckt dabei feministische Öffent­lich­keiten im Internet ab.

Bild des Logos der Mädchenmannschaft: Ein Mund mit pinker FlüstertüteSo sollen auch die Leser_innen der Mädchen­mannschaft in einer Umfrage zu Wort kommen. Die Befragung ist eine Vor­erhebung – eine breiter angelegte Studie soll im nächsten Jahr folgen (dann auf einer Viel­zahl von Weblogs). Bei der aktuellen Umfrage geht es um mehrere Fragen, so Laura Gruber: “Wieso lesen Menschen feministische Weblogs? Wie kommen sie zu diesen (Suchmaschinen, Twitter, Facebook …)? Beteiligen sie sich an Debatten auf den Web­logs und verbreiten sie aktiv die Inhalte?”

Noch bis zum 17. Oktober 2011 könnt ihr bei der ca. 5-10 minü­tigen Mädchenmannschaft Leser_innen-Befragung mitmachen. Die Er­­geb­nisse der Studie werden nach Be­endigung hier auf dem Blog vor­gestellt.


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Unverheiratet, keine Kinder, und dann?

21. September 2011 von Helga

Eine Reihe an Erkenntnissen über Singles hat Tara Parker-Rope für ihr Blog Well bei der New York Times zusammengetragen. So seien auch männliche Singles ihren Familien verbunden und riefen gern mal an (verheiratete Männer überliessen das ihren Frauen). Und weibliche Singles engagierten sich stärker politisch als verheiratete Frauen.

Da die Zahl der Singles immer wächst, ergäbe sich in den USA aber derzeit ein immer größeres Problem, so Parker-Rope. Der Fokus der Politik läge zu oft auf Familien und Kindern und übersähe Singles – dabei tragen diese oft stärker zu ihren Gemeinschaften bei als Familien. Verheiratete und Eltern kümmerten sich mehr um ihre enge Familie und vernachlässigten Freunde und ihr soziales Umfeld. Ihr gesellschaftliches Engagement beziehe sich oft auf nur schulische Aktivitäten, bzw. die ihrer Kinder.

In Deutschland verschiebt sich der Blick der Familienpolitik langsam weg von der Ehe, hin zu „Familie ist, wo Kinder sind“. Unverheiratete Alleinstehende bleiben also auch hier weiter aussen vor und damit auch das (latente) Vorurteil, mit ihnen sei etwas „falsch“. Auch die alten Stereotype, Singles seien neurotisch oder selbstsüchtig bestehen weiter. Ein Phänomen, das die Forscher_innen “Singlism” (Singlismus?) getauft haben. Besonders davon betroffen: Singlefrauen.

Neben steuerlichen oder versicherungstechnischen Nachteilen gäbe es noch eine Reihe weiterer Probleme: Freund_innen oder Nachbar_innen haben es deutlich schwerer, von der Arbeit freigestellt zu werden, um sich um Kranke zu kümmern oder gar im Krankheitsfall Entscheidungen zu treffen. Wer keine nahen Angehörigen hat, muss sich im Zweifelsfall alleine helfen – allem eigenen Engagement zum Trotz.


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Ein schwules Dorf, Frauenradio und Afghanistan – kurz notiert

16. September 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 121 von 138 der Serie Kurz notiert

In Großbritannien ist eine Einschränkung der Abtreibungsgesetze erstmal vom Tisch. Freie Kliniken, die Abtreibungen durchführen, dürfen weiter Beratungsgespräche anbieten. Konservative Abgeordnete hatten das verbieten lassen wollen, um „unabhängige Berater_innen“ zu stärken – die allerdings oft von Abtreibungsgegnern finanziert werden, so der Guardian.

Gibt es einen typisch weiblichen Führungsstil? Nein, sagt eine neue Studie. Führungskompetenz ist eine Frage der Persönlichkeit, nicht des Geschlechts.

Ein Dorf nur für Schwule? Soll’s bald geben und zwar in Andalusien. Äußern soll sich das vor allem in rosa angestrichenen Häusern. Ähm ja. Die Frage ist ja eh, ob das wirklich ein schwules Dorf werden soll oder “gay” einfach nur mal wieder männlich übersetzt wurde. Aber wollen Lesben überhaupt ein eigenes Dorf? Und welche Farbe hätten die Häuser dort?

Bessere Nachrichten kommen aus Frankreich: Dort soll nun auch in Schulbüchern stehen, dass sexuelle Identität nicht nur durch die Biologie bestimmt wird.

“filia. die Frauenstiftung” bittet um Spenden für den ersten und bisher einzigen Frauenradiosender in Ägypten, die “Girls only Radio Station”. Am 28. September findet in Hamburg außerdem die Veranstaltung “Ägyptens Mädchen melden sich zu Wort” statt, ein Pressetermin mit Amani Eltunsi, Gründerin von “Girls Only Radio Station”.

In China ändert sich das Scheidungsrecht: Eine gemeinsame Wohnung wird jetzt nicht mehr zwischen den Partnern aufgeteilt, sondern soll an den registrierten Besitzer gehen. Das sind aber traditionell fast immer die Männer. Damit werden  junge Frauen zur neuen Immobilienverkaufszielgruppe und heiraten jetzt auch endlich alle nur noch aus Liebe und nicht mehr, um sich eine Wohnung zu erschleichen. Juhu!

Die Frauenfrage bei den Piraten, anlässlich der Berlinwahl mal wieder neu aufgerollt, diesmal von der taz.

Ebenfalls in der taz: Ein Interview mit der Aktivistin Noorjahan Akbar über die Situation von Frauen in Afghanistan und die Rolle und Verantwortung des Westens diesen gegenüber: “Da die westlichen Länder sich hier aber engagiert und den Frauen einige Freiheiten gebracht haben, können sie jetzt nicht so einfach gehen und alles wieder den Taliban überlassen.”

jezebel.com berichtet (auf Englisch) über die Suche von American Apparel nach einem so genannten “plus size model” und über Nancy, die sich als ein solches beworben hat. Mit guten Fotos und klugen Gedanken.

Die feministischen Parteien Europas wollen 2014 ins Europaparlament. Was die Vertreterinnen dieser Parteien bei ihrem Treffen Ende August sonst noch besprochen haben, steht bei dieStandard.

Sind Männer, die Frauen die Tür aufhalten Sexisten? Erika Lust kommentiert in ihrem Blog solche und andere Überlegungen.

Hugo Schwyzer im Gespräch mit dem Bitch Magazine über Männer unter Schönheitsdruck.

James Kaliardos ist “Makeup Artist” und ließ sich bei seinem letzten großen Job vom “afrikanischen Gesicht” inspirieren. Aha. Bei jezebel.com wurden wohl ebenfalls die Köpfe geschüttelt.

Termine gibts auch noch. Nach dem Klick:

(weiterlesen …)


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Anstieg von Hassverbrechen in den USA

14. September 2011 von Magda

So ziemlich genau vor einem Jahr er­schütterte eine Reihe von Selbstmorden unter Teenagern in den USA die US-amerikanische Gesellschaft. Rund zehn Jungen zwischen 13 und 19 Jahren nahmen sich innerhalb eines Monats das Leben, weil sie massiven homo­phoben Mobbings ausgesetzt waren. Die Kampagne It gets better, die LGBT-Jugend­lichen Mut machen sollte, ver­sprach, dass “alles besser werden würde” (das Pro­jekt selbst erntete neben einer Menge Lob auch Kritik, z.B. von der queeren Theoretikerin Jasbir Puar).

Vor einigen Wochen veröffentlichte die National Coalition of Anti-Violence Programs (NCAVP) nun ihren aktuellen Hate Violence-Report (PDF), in dem Gewalt­ver­brechen gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans­gender, Queers (LGBT*Q) und HIV-Infizierte in den USA doku­mentiert und als Hassverbrechen – so genannte hate crimes - sicht­bar gemacht werden. Hate crimes sind (Gewalt-)Ver­brechen an Menschen auf Grund ihrer zu­ge­schriebenen oder selbst­ge­wählten Identität.

Der Report zeigt auf, was viele bereits ver­muteten: Im Ver­gleich zu 2009 wurden 2010 13% mehr Hass­ver­brechen gegen LGBT*Q und HIV-Infizierte gemeldet – insgesamt 2.503 Betroffene. Die Zahl der Morde stieg um 23% von 22 auf 27 an. Von hate crimes betroffen sind über­durch­schnitt­lich oft Trans­gender und People of Color¹, ins­besondere Trans­gender of Color. Die Täter_innen, meist zwischen 19 und 39 Jahre alt, setzen sich zu zwei Dritteln aus Männern und einem Drittel Frauen zusammen – nur eine einzige Tat wurde von einer Trans Person verübt. Zu den am häufigsten aus­geübten Über­griffen ge­hören ver­bale Belästigungen, Dis­kriminierung, Ein­schüchterungen und tät­liche An­griffe (mit und ohne Waffen).

Die NCAVP betont jedoch, dass die Statistiken wohl nicht die Realität ab­bilden: Die genaue An­zahl der Ver­brechen gegen LGBT* und HIV-Infizierte lässt sich kaum er­mitteln. In Gefäng­nissen oder in (ländlichen) Ge­genden, in denen es keine oder schwer erreich­bare Anti-Gewalt Anlauf­stellen gibt, können die Taten auch nicht auf­ge­zeichnet wer­den – und landen somit nicht im Report.

via: an.riss international, “Hate Crimes” (an.schläge.at, 9/11).
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¹ Die Bezeichnung People of Color (PoC) ist eine selbst­be­stimmte Be­zeichnung von und für Menschen, die nicht weiß sind.


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Burkaverbote verhindern Emanzipation

13. September 2011 von Magda

Im Zuge der so genannten “Burka-Verbote” in Frankreich, Belgien und in Teilen Spaniens im letzten Jahr führten wir auf der Mädchenmannschaft heiße Diskussionen über den Sinn und Unsinn solcher gesetzlichen Vorstöße. In der Diskussion um das Ver­mummungs­verbot in Belgien fragte ich mich, wer eigent­lich von diesen Gesetzen profitiert: Sind es die Niqab- und Burkaträgerinnen, die sich nach dem Ab­legen der angeblich so unliebsamen Ganz­körper­verhüllung plötzlich in einer ach-so-emanzipierten Gesell­schaft befinden oder ist es nicht viel mehr die Mehr­heits­ge­sell­schaft, die sich eines un­liebsamen Kleidungs­stückes entledigt, das ihrer Meinung nach für den “gefährlichen” Islam und Frauenverachtung steht – ohne, dass die Trägerinnen selbst dazu befragt werden.

Kriker_innen der Verbote waren und sind sich einig: Gesetz­liche Maß­nahmen in Form von Verboten führen nicht zu Emanzipation, sondern zu erhöhter Stigmatisierung der Burka- und Niqabträgerinnen und nähren die bereits existierenden gesamt­gesell­schaft­lichen anti-islamischen Ressentiments. Nicht nur die Verbote, sondern bereits die Debatten um “den Islam”, “die verschleierten Frauen” oder “die unter­drückten Muslima” führen zu einer Verschärfung der klischee­beladenen und ein­dimensionalen Zu­schreibungen an Muslima und/oder Frauen mit (Voll-)Verschleierung, die teils zu skurrilen Koalitionen von zum Beispiel Rechts­populist_innen und diversen Frauen­rechtler_innen führt.

Eine vor einigen Monaten veröffentlichte Studie mit 32 Burka- und Niqab­trägerinnen in Frankreich be­stätigt die An­nahmen der Kritiker_innen: Die unter der Lei­tung von Naima Bouteldja und von der Open Society Foundation durch­ge­führte Studie beschreibt die zum Teil entwürdigenden Erlebnisse der Teil­nehmerinnen nach dem In­kraft­treten des Ver­bots in Frankreich. Fast alle Studien­teil­nehmerinnen berichten von sexistischen und rassistischen Be­leidi­gungen, wenn sie in der Öffent­lich­keit unterwegs sind – teils auch von anderen Muslim_innen. Einige erlebten gar körperliche Angriffe, z.B. das Herunter­reißen der Schleier. Durch die medial an­ge­heizte Diskussion und das Verbot werden Mitmenschen auf der Straße also plötzlich zu Hüter_innen von Recht und Ordnung. Die mögliche Konsequenz: Jene Frauen, die vom Gesetz betroffen sind, meiden öffentliche Ein­richtungen und Plätze, um den An­feindungen aus dem Weg zu gehen. Die Möglichkeiten zur Aus­übung eines Berufes oder einer ehrenamtlichen Tätigkeit sind dadurch enorm ein­ge­schränkt: Voll­verschleiert fallen diese Optionen weg.

Das Fazit der Studie: Durch das französische Ver­bot sind Niqab- und Burkaträgerinnen einer erhöhten Stigmatisierung ausgesetzt, hören vermehrt diskriminierende Äußerungen, sind teilweise von körper­lichen Über­griffen und von (räumlicher) Isolation betroffen. Emanzipation? Sieht wohl nicht so aus.

Links und Beiträge zum Thema:


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Verfehlt: die jahrelange Panik um Gebärstreiks

6. September 2011 von Helga

„Die deutschen Akademikerinnen im Gebärstreik“ oder „Die Deutschen sterben aus“ – an reißerischen Schlagzeilen hat es in den letzten Jahren kaum gemangelt, wenn es um die „deutsche Gebärfreudigkeit“ ging. Die Frauen bekämen zuwenig Kinder so der Tenor (von den sich verweigernden potentiellen Vätern war weitaus seltener die Rede). Der Erfolg des Elterngelds wurde quasi minütlich überprüft.

Bereits 2009 wies die ZEIT auf die Unberechenbarkeit der tatsächlichen Kinderzahl im Mikrozensus hin: Mütter ohne Kinder im Haus zählten wieder als kinderlos, besonders betroffen von dieser Nichtbeachtung waren dabei studierte Mütter. Für Aussagen über (vermeintliche) Gebärstreiks seien die jahrelang verwendeten Zahlen des Mikrozensus schlicht nicht zu verwenden. Dahinter vermuteten Forscher_innen gar politische Absicht:

Es sei absichtlich verhindert worden, dass die Daten ein realistisches Bild der Kinderlosigkeit zeichnen könnten. Das konservative Familienbild mit der Mutter am Herd lasse sich eben besser aufrecht erhalten, wenn es so aussehe, dass die Familienplanung emanzipierter junger Akademikerinnen grandios scheitere.

Nach neuen Berechnungen, die sich auf Krankenhausdaten stützen, so eine AFP-Meldung gestern, stiege die Geburtenrate nun aber wieder an. Dabei stellten sie einen weiteren Faktor fest, der schon seit Jahren in der Diskussion war: Frauen werde immer später Mütter, besonders jüngere. Berücksichtigt man dies in Untersuchungen, stiege die Kinderzahl sogar auf 1,6 Kinder pro Frau.

Ob die Debatte um unsere Gebärmütter und unsere Entscheidungen darüber nun beendet ist, bleibt allerdings fraglich.


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Nicht wegen Feminismus oder so – die Blogschau

27. August 2011 von Nicole
Dieser Text ist Teil 122 von 144 der Serie Genderissimi: Die Blogschau


Heute im Programm: Kinder, Liebe, Umfragen. Und ein Leben als Petit Four. Vielleicht.

Luise Pusch berichtet bei fembio über ihre neue Twitter-Seite und schreibt, warum sie keine „follower“ haben wird.

„Wie sieht es hinter der poststrukturalistischen Rhetorik der Piraten mit den ‚Geschlechterrollen‘ innerhalb der Partei aus?“ fragt Regina Frey beim genderbüro anlässlich der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 18. September.

Antje Schrupp denkt bei Über Liebe und Freiheit gemeinsam mit Franziska zu Reventlow über … na klar … die Liebe und deren Geschlecht (oder auch nicht) nach.

Missy-LeserInnen sind zur Teilnahme an einer Umfrage zum Missy Magazine – ein Diplomarbeitsprojekt an der Uni Erlangen – aufgerufen. Dauert etwa 15 Minuten.

Auf eine weitere Studie in Entstehung weist Katrin Rönnicke hin. Es geht um die Darstellung der Geschlechter im Kinderfernsehen, Eltern zum Mitmachen gesucht.

„Mädchen auch zu den Autos und Jungs auch zu den Puppen“ – das ist doch nicht so schwer. Manu bloggt den Beschwerdebrief ihres Sohnes (7) und der macht Hoffnung für die Zukunft.

Eine aktuelle Linksammlung rund um Mütter, Schwangerschaft und Eltern findet sich bei dem ohnehin empfehlenswerten Blog fuckermothers. feministische Perspektiven auf Mutterschaft.

rasha h. khaya, die West-Östliche Diva, ruft uns die „Women 2 Drive“-Kampagne in Saudi-Arabien wieder ins Gedächtnis.

Beate Hausbichler war für diestandard.at beim Girls Rock Camp in Niederösterreich und hat unter anderem dieses Argument aufgeschnappt, warum rein weibliche Räume manchmal gut sind: „Nicht wegen Feminismus oder so, aber jede kann sich so besser verwirklichen.“

Paula von Puzzlestücke spielt ein Adventure Game und ärgert sich über die Sprüche der Figuren – Lookism galore.

Michaela schreibt bei Erlebnisse und Gedanken über ihre Freundin Farah und deren Diplomarbeitsprojekt über die Diskriminierung transidenter Menschen.

Und zum Schluss: Beim blogabsatz gibt es einen schönen kleinen Text über das Leben, die Arbeit und mögliche Alternativen.

Termine
Das 2. bundesweite Netzwerktreffen junger Feministinnen innerhalb und außerhalb der Mädchenarbeit vom 2. bis 4. September in Darmstadt. Mehr Infos gibt’s hier.


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Es gibt sie wirklich, die bisexuellen Männer

24. August 2011 von Helga

Ein weißer Mann mit blondierten Haaren und einer blauen Gitarre

Bildet sich seine Bisexualität nicht nur ein: Billie Joe Armstrong (Bild von Walkingonadream / Wikimedia Commons)

Man glaubt es kaum, aber die Existenz bisexueller Männer war in Forscher­_innen­kreisen bisher umstritten. So ergab eine Studie 2005, dass sie eigentlich verkappte Homo­sexuelle sein. Damals waren allerdings Probanden über Anzeigen in schwulen und „alternativen“ Publikationen rekrutiert worden und dann anhand eines Standard­fragebogens (sagt schon einiges) in die Kategorien hetero-, bi- und homosexuell eingeteilt worden.

Nun, so die New York Times, wurden für eine neue Untersuchung tatsächlich selbst identifizierte bisexuelle Männer ausgesucht. Und, tada, hier zeigte sich Erregung bei Schwulen- und Lesbenpornos. Diese gaben die Männer nicht nur an, sie wurde auch noch über die Messung der genitalen Erregung bestätigt. Eine andere Studie, die sich mit der Erregung beim Ansehen von heterosexuellen Pornos beschäftigte, unterstreicht demnach das Ergebnis. Dabei seien bisexuelle Männer stärker erregt gewesen als die Hetero- und Homosexuellen.

[An dieser Stelle denkt Euch bitte einen Rant darüber, dass Selbst­beschreibungen in der Wissenschaft bis heute viel zu oft ignoriert und abgetan werden, solange sie nicht in vorhandene Modelle passen. Dass diese Modelle aber unsere Gesellschaft prägen und den Betroffenen dann das Leben verflixt schwer machen können, weil sie auf einmal zum „anderen“, zum „nicht-passenden“ werden. Dass Wissenschaftler_innen noch viel kritischer sein müssten, wenn es um ihre eigenen Vorannahmen, Studiendesigns und Auswertung geht. Und dass es irgendwie verdammt schwierig ist, sexuelles Begehren in hübsche, passgenaue Kästchen zu zwingen und dann ein Label draufzupappen.]


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