Einträge der Rubrik ‘Stinkt zum Himmel’


Von Artamanen bis Zschäpe – Frauen in der rechten Szene

20. Mai 2013 von Charlott
Dieser Text ist Teil 1 von 1 der Serie Gender und Rechtsextremismus

Welche Bedeutung haben eigentlich Frauen in rechten Netzwerken? Wie bringen sie sich ein? Wie sind sie einzuschätzen?  Und aus welchen Gründen werden sie oftmals übersehen, werden ihre Taten kleingeredet? Was gibt es zu rechtem Gedankengut und Geschlecht zu sagen? Mit diesen Fragen, und sicher noch einigen mehr, wollen wir uns ab heute in einer neuen Artikelserie “Gender und Rechtsextremismus” auseinandersetzen. Für diese Reihe haben wir uns für den Begriff Rechtsextremismus entschieden, um ein Einstellungsmuster zu bezeichnen, wie es hier bei “Netz gegen Nazis” beschrieben wird. Als anderer und oft synonym verstandener Begriff wird im allgemeinen auch “Rechtsradikalismus” genutzt, der unserer Meinung nach jedoch verkürzt ist. Nach besseren Begriffsalternativen wird noch gesucht. Kritisch anzumerken bleibt, dass “Rechtsextremismus” ein Begriff der Extremismustheorie ist, die unseren politischen Anliegen entgegenläuft und rechtes Gedankengut als “Randproblem”, das mit linker Politik und linken Utopien gleichgesetzt werden könne, strategisch verharmlost.

Seit dem 06. Mai läuft nun der sogenannte “NSU-Prozess” gegen Beate Zschäpe sowie André E., Holger G., Carsten S. und Ralf Wohlleben. (Zu den UnterstützerInnen hat die Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung Informationen zusammengetragen.) Mit dem Beginn des Prozesses ging selbstredend auch die Berichterstattung weiter, die Beate Zschäpe vor allem hinsichtlich ihres Aussehens kommentierte (“Ihr langes Haar glänzt. Vermutlich war sie noch gestern beim Gefängnisfriseur.” FOCUS) oder sie als “Nazi-Braut” bezeichnete (BILD).

Zwei Beispiele von vielen die zeigen, dass die mediale Wahrnehmung von rechten Frauen immernoch bestimmt ist durch klare sexistische Stereotype. Dabei ist die Forschung zu dieser Thematik seit Jahren weiter. So antwortet auch “Anna” vom Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus im Buch “Fantifa. Feministische Perspektiven auf anti-faschistische Politik” auf die Frage, ob sich denn in den letzten zwanzig Jahren die Wahrnehmung rechter Frauen geändert hätte:

Da würde ich unterscheiden: In den Kreisen, die Recherchearbeit machen, Forschung betreiben und publizieren zum Thema extreme Rechte, hat sich einiges getan. Hier werden Frauen- bzw. Geschlechterthemen überhaupt inzwischen deutlich häufiger berücksichtigt, so mein Eindruck. [...]
In der allgemeinen Öffentlichkeit allerdings ist das Bild häufig noch das der Frau als Mitläuferin, wenn überhaupt. Oftmals auch in sexualisierter Weise: Sie ist nur als “Freundin von…” vorstellbar. Das wurde recht gut sichtbar, als im November 2011 die Taten und das Kernpersonal der so genannten Zwickauer Terrorzelle des NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) bekannt wurden. [...] Obwohl anfangs nichts klar war über die Beteiligung der einzelnen Mitglieder an der Mordserie des NSU, bezeichneten diverse Medien die Frau sofort als “Nazi-Braut” und “Betthäschen” der Mörder-Nazis.

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Demo in Berlin: “Keine Streichung bei FrauenLesbenTrans*-Projekten”

16. Mai 2013 von Nadine

Die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit & Soziales hatte vor wenigen Wochen angekündigt, dass die Lesbenberatung Berlin e.V. und das Familienplanungszentrum Balance jeweils 15.000 Euro im laufenden Haushaltsjahr einsparen sollen, um damit ein neu entstehendes Projekt zur psychologischen Begleitung wohnungsloser Frauen mitzufinanzieren (wir berichteten).

Dass 15.000 Euro für keine psychosoziale Einrichtung wie die Lesbenberatung leicht zu stemmen sind – mehr noch – sich die Einsparungen empfindlich auf die Arbeit der Lesbenberatung auswirken werden und damit die Gesundheitsversorgung von lesbischen, bisexuellen Frauen und Trans* gefährden, haben Senatsverwaltung und Berliner Abgeordnetenhaus bei ihrem Beschluss offenbar nicht bedacht.

Anlässlich der geplanten Kürzungen soll nun am Freitag, dem Internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie vor der Senatsverwaltung demonstriert werden. Außerdem sollen die bereits gesammelten Unterschriften gegen das Kürzungsvorhaben übergeben werden. Los geht es um 11 Uhr in der Oranienstraße 106. Kommt zahlreich, zeigt euren Unmut und unterstützt die Arbeit der Lesbenberatung!


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Trotz Kritik von allen Seiten: Notfallverhütung bleibt rezeptpflichtig

16. Mai 2013 von Anna-Sarah

Der Gesundheitsausschuss des Bundestags hat gestern beschlossen, dass die sogenannte “Pille danach” auch weiterhin in Deutschland nur auf Rezept erhältlich sein wird. Das bedeutet: Wer Notfallverhütung braucht, muss sich dafür in eine (Notfall-)Praxis, am Wochenende oder abends ggf. in ein Krankenhaus begeben und nicht selten eine Untersuchung über sich ergehen lassen, deren Notwendigkeit mehr als zweifelhaft ist. Erst danach kann das Rezept – wenn es denn ausgestellt wird – in einer Apotheke vorgelegt und das Medikament erworben werden – jedenfalls sofern sich die_der Apothekerin nicht aus obskuren “ethischen” Gründen weigert, es rauszugeben, was auch schon vorgekommen sein soll. Meiner Erfahrung nach werden da mindestens um die 20 Euro fällig, wenigstens kommt seit Anfang des Jahres keine Praxisgebühr mehr dazu.

Damit stellt sich der Bundestag gegen die Empfehlung verschiedener Expert_innengremien, unter anderem der Weltgesundheitsorganisation WHO. Die Begründung ist natürlich wieder mal in patriarchalisch-paternalistischer Manier der Schutz der Patient_in – fiele die Rezeptpflicht weg, so das Argument, sei es ja quasi vorprogrammiert, dass wir alle uns das Zeug wie Smarties reinpfeifen, leichtsinnig und uninformiert wie wir sind. Und was da nicht alles passieren kann… Komischerweise kriegen es potentiell von Schwangerschaft betroffene Menschen in anderen Teilen der Welt offenbar dennoch hin, ihren “Pille danach”-Konsum  halbwegs verantwortlich zu managen (und Mediziner_innen finden trotzdem ein Auskommen): In insgesamt 79 Ländern sind Notfallverhütungspräparate frei erhältlich, darunter sämtliche EU-Staaten außer Italien, Polen und eben Deutschland.

Wie es praktisch so laufen kann, wenn mensch sich in der Lage sieht, die “Pille danach” zu benötigen, beschrieb vor wenigen Tagen Nicole von Horst – und stellt die Idee in den Raum, auf einer online einsehbaren Karte zu verzeichnen, bei welchen Krankenhäusern und Ärzt_innen der Versuch, die Pille danach zu bekommen, mit Problemen verbunden war. Tolle Idee – Unterstützung wanted! (Persönlich könnte ich zwei Stellen beisteuern, wo es damals außer den Kosten keine Probleme, auch keine Untersuchung gab, zum Glück.) (weiterlesen …)


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Transphobe Limo-Werbung und Anti-Diät-Tipps – die Blogschau

11. Mai 2013 von Nadia
Dieser Text ist Teil 201 von 203 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Die Bionade: Jetzt nicht nur in der Plastikflasche, sondern auch transphob. Und deswegen auch bei Helga in der Liste diverser Vermeidungsprodukte.

Textprodüksiyon.net sammelt auf Ihrer Facebook-Präsenz Links zum NSU-Prozess.

Nach schlecht verhohlenem Lob für den Lichtenhagen-Pogrom nun ein opferbeschuldigender NSU-Entlastungsversuch: Publikative.org nimmt sich den Kommentar des FAZ-Redakteurs Jasper von Altenbockum vor.

“Ich sehe, wie in grellem Scheinwerferlicht, zehnfach vergrößert, die täglichen Details meiner Unterdrückung, die täglichen Details des Schmerzes anderer Frauen. Ich habe keine Abwehr mehr dagegen, keine Scheuklappen, ich sitze mittendrin wie ein Muscheltier ohne Schale.” Viruletta mit einem Zitat von Anja Meulenbelt aus dem Jahre 1976.

Charlott hat “Americanah”, den neusten Roman von Chimamanda Ngozi Adichie, rezensiert.

Vatertag, Geschlechterklischees und andere Schwierigkeiten bezüglich Bollerwagen und Trinkritual: mutterseelenalleinerziehend und Me, Myself and Child erklären nochmal, warum es da eigentlich nix zu feiern gibt.

Keine Diät/Ernährungsumstellung/Bauch-Beine-Po – Geschichten mehr! Fordert Identitätskritik. Und eine passende Anti-Diät gibt es auch noch, und zwar von der Arge Dicke Weiber.

Neuer Podcast bei heiter scheitern, u. a. zur Trans*-Tagung Gießen und zum The Knife-Konzert.

Ein Interview mit Miss Temple von “Some girls are bigger than others” könnt Ihr hier lesen.

Noch bis heute findet in Würzburg der evangelikale Kongress der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge statt. Das Bündnis „Kein Raum für Sexismus, Homophobie und religösen Fundamentalismus“ hat nun einen Blog, der diesen Kongress kritisch aufarbeitet und zum Beispiel Reader zur Verfügung stellt und Protest organisiert.

In Wien gibt es seit vorgestern eine feministische Hausbesetzung.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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“Das schöne an (trans*feindlicher) Bionade – mensch kann sie auch weglassen!”

10. Mai 2013 von Magda

… kommentierte Facebook-User_in Yori Gagarim unter einem vor wenigen Tagen ver­öffentlichten Posting auf der Facebook-Seite der Bionade GmbH, mit dem die Firma ganz stolz ihren neuen Werbe­spot anpries. Beworben werden soll die neue Bionade Cola. Was folgt ist ein Video, in dem eine Person wahrscheinlich gerade eine Bühne verlässt, in den Backstage-Bereich geht und angeklebte Finger­nägel und Wimpern, Perücke und Ohr­ringe abnimmt und das Make-Up vom Gesicht abwischt. Kommentiert wird dies so: ”Das Schöne an künstlichen Zusätzen: Man kann sie auch weglassen. Rein natürlich. Weniger süß. Typisch Bionade.”

Wenn es hier lediglich um ein Getränk ginge, dass ohne künstliche Zusatz­stoffe verkauft werden soll, könnte es mir ja egal sein. In dem Werbe­spot wird aber eine ganz bestimmte, sehr problematische Geschichte erzählt. So nehmen die Verantwortlichen des Werbespots an genau zu wissen, welche Geschlechter­performances “natürlich” und welche “künstlich” seien. Im Werbespot wird “Künstlich­keit” gleich­gesetzt mit der Geschlechter­performance eines als Mann gelesenen Menschen, der Ohrringe, Perücke und Make-Up trägt. Erst als er_sie diese Accessoires abnimmt, wird das Auftreten der Person als “natürlich” eingeordnet und durchweg positiv dargestellt, denn das Motto lautet ja: “Das Schöne an künstlichen Zusätzen: Man kann sie auch weglassen.”

Die Zuschauer_innen lernen also: Als Männer gelesene Menschen wirken in ihrer Geschlechts­identität erst dann “natürlich”, wenn sie das, was von den Werbemacher_innen als Verkleidung dargestellt wird, ablegen. Das heisst, dass Menschen, die (oftmals sogar falsch!) als “Männer” gelesen werden, genau dann als “unnatürlich” und “künstlich” gelten, wenn sie Make-Up und eine Perücke tragen. Die Botschaft: “Natürliche” (oder wohl eher: unhinterfragte und hegemoniale) Männlich­keit verträgt sich halt nicht mit funkelnden Ohrringen, denn das ist ja weiblich konnotiert. Muss also Verkleidung sein. Für eine komplexe Idee von Geschlecht und Geschlechts­identitäten jenseits von hetero­normativer Zwei­geschlecht­lichkeit fehlt dement­sprechend die Vorstellungs­kraft.

Fazit: Herausgekommen ist ein trans*feindlicher, hetero­normativer Werbespot, der glücklicher­weise bereits eine Menge kritischer Kommentare generierte, die es lohnt durchzulesen. Kritiker_innen fordern die Absetzung des Werbe­spots und eine selbst_kritische Auseinander­setzung mit dessen trans*feindlichen Botschaften.

Auch ihr könnt Bionade eure Meinung sagen: Auf Facebook, Twitter, via E-Mail: info@bionade.de oder im Kontaktformular.

Und für den nächsten Einkauf seid daran erinnert: Das schöne an (trans*feindlicher) Bionade – mensch kann sie auch weglassen!


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Wanted: Assata Shakur

9. Mai 2013 von Charlott

Vor einer Woche verkündete das FBI, dass die Aktivistin Assata Shakur auf die FBI Most Wanted Terrorist Liste aufgenommen wird. Für ihre Erfassung bietet das FBI nun 1 Million Dollar und die New Jersey State Police legt noch einmal 1 Million dazu. Die Verkündung dieser Fakten fand nicht an irgendeinem zufälligen Datum statt, sondern am 2. Mai. An eben diesem Tag vor 40 Jahren wurde ein Auto, in dem Assata Shakur saß, angehalten. Es entwickelte sich eine Schießerei, in welcher zwei Personen starben und Shakur angeschossen wurde (unter anderem in den Rücken). Sie wurde schließlich für den Mord am Polizisten Werner Forester von einer vollständig weißen Jury zu lebenslanger Haft verurteilt. Zwei Jahre später gelang ihr die Flucht aus dem Gefängnis und einige Jahre nach dieser tauchte sie in Kuba auf, wo sie bis heute lebt und Asyl bewilligt bekommen hat.

Jamilah King schreibt bei Colorlines [Anmerkung: Alle zitierten Texte in diesem Blogpost sind englischsprachig. Alle Übersetzungen sind von mir]:

Shakur betont weiterhin ihre Unschuld und merkt an, dass selbst die Ermittlungen der bundesstaatlichen Polizei feststellten, dass sie keine Schießpulver-Rückstände an ihren Händen bei der Verhaftung gehabt habe. Sie bleibt weiterhin eine offene Kritikerin an Rassismus in den USA und ist ein ikonisches Symbol für viele in der racial justice community geworden. Ihr Buch “Assata: An Autobiography” ist nur ein Teil des immensen kulturellen Einfluss, den sie hatte.

King zeigt in ihrem Artikel auch die Geschichte der FBI Most Wanted Listen auf und in welchen Zusammenhängen diese mit Schwarzen Protestbewegungen stehen. Die ursprüngliche Most Wanted Liste wurde 1950 veröffentlicht. In den 1970igern fanden sich dann immer mehr und mehr Schwarze Aktivist_innen auf der Liste wieder. King schreibt:

Shakur ist die letzte auf einer langen Liste Schwarzer Revolutionäre, die für das FBI zu denen am meisten gesuchten kriminiellen Verdächtigen gehörten. Angela Davis schaffte es bekannterweise 1970 auf die Liste, H. Rap Brown kam ein Jahr später 1971 drauf; Twymon Myers von der Black Liberation Army kam 1973 auf die Liste, bevor er von der Polizei erschossen wurde; und Mutulu Shakur von der BLA wurde 1982 hinzugefügt bis er 1986 gefasst wurde. [...] “Die Black Panther Partei ist ohne Frage die größte Gefahr für die interne Sicherheit des Landes”, sagte FBI Direktor J. Edgar Hoover 1969 seine Verachtung für radikale Schwarze Aktivist_innen unterstreichend.

Shakur aber ist nicht auf der gleichen Liste zu finden, wie die bisher genannten. Sie ist die erste Frau, die Eingang fand auf die nach dem 11. September eingerichtete “Most Wanted Terrorist“-Liste. Eine Liste, auf der nach King neben Shakur nur eine andere Person steht, die in den USA geboren ist und wo auffälliger Weise keine der etwa 1000 weißen “hate groups” aufgeführt wird, welche in den gesammten USA agieren. Am letzten Freitag sprach Angela Davis zu dem spezifischen Terrorismus-Aspekt und was dieser auch mit race zu tun hat:

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Berliner Politik zückt den Rotstift: Gesundheits- versorgung von Frauen, Lesben und Trans* gefährdet

7. Mai 2013 von Nadine

Der Lesbenberatung Berlin sollen mitten im laufenden Haushaltsjahr Gelder in der Höhe von 15.000 Euro gestrichen werden. So entschied vor einigen Tagen die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales nach einem Beschluss des Berliner Abgeordnetenhauses. Zusammen mit weiteren 15.000 Euro, die dem Familienplanungszentrum Balance gekürzt werden, sollen die Zuwendungen einem neuen Projekt zur psychologischen Betreuung von wohnungslosen Frauen zur Verfügung gestellt werden.

Somit treffen die Einsparungen ausgerechnet zwei Projekte, die ihre Angebote insbesondere auf Frauen/Lesben/Trans* Gesundheit ausrichten, obwohl Mittel beispielsweise aus der Wohnungslosenhilfe zur Förderung des neuen Projektes herangezogen werden könnten. Die Lesbenberatung Berlin schreibt zur Situation in einer offiziellen Mitteilung:

Die Berliner Abgeordneten vernachlässigen mit ihrer Entscheidung die Gesundheitsversorgung von Lesben, bisexuellen Frauen und Trans* und schränken die schon jetzt nicht ausreichenden finanziellen Mittel massiv ein. Gerade auch für LBT*, die Mehrfachdiskriminierung erfahren, ist die Lesbenberatung Berlin e.V./ LesMigraS mit ihrem Angebot und dem Fokus auf Rassismus, Trans*Diskriminierung und Homophobie, und ihrer Arbeit gegen strukturelle Diskriminierung und Gewalt auf vielen gesellschaftlichen Ebenen in Berlin und anderen Bundesländern diese Landes nahezu allein stehend. Klient_innen und Nutzer_innen suchen gezielt die Lesbenberatung auf, weil sie unsere Arbeit und unsere Ansätze schätzen. Diese, sich über 30 Jahre bewährte Arbeit wird nun, durch die Kürzungen des Senats für Gesundheit und Soziales und den Berliner Abgeordneten, mit Füßen getreten.

[...]

Da das neue Projekt des Abgeordnetenhauses z.T. die gleiche Zielgruppe bedient, werden Gelder nur umverteilt und nicht neu zur Verfügung gestellt. So muss eine lesbische wohnungslose Frau womöglich auf ihr wöchentliches Gruppenangebot in der Lesbenberatung verzichten, das dazu beiträgt, soziale Isolation zu
überwinden, die durch die Folgen von Diskriminierung und Gewalt hervorgerufen wurde. Die beiden Einrichtungen können sich also nur ergänzen. Beide Einrichtungen sind aufeinander angewiesen und können nur als Netzwerk funktionieren. Identität kennt kein Entweder-Oder. Krisenarbeit auch nicht. Ohne die Finanzierung der Lesbenberatung wird diese Zusammenarbeit untergraben. Die Lesbenberatung als unverzichtbare Schnittstelle zwischen Präventions- und Krisenarbeit in Berlin wird ausgehebelt.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband, ein Dachverband, dem die Lesbenberatung angehört, formuliert ebenfalls drastisch:

Frei nach dem Motto “Frauen sollen für Frauen blechen” sollen jetzt beide Organisationen ihre psychosozialen Angebote für Frauen zusammenstreichen, damit woanders ein neues Angebot für wohnungslose Frauen entstehen kann. Sowohl die Lesbenberatung als auch das Familienplanungszentrum unterstützen unter anderem Frauen in Krisensituationen, um sie vor Obdachlosigkeit zu bewahren. Wenn nötig vermitteln sie in Einzelfällen Plätze in Krisenwohnungen. Will man durch die Streichungen Klientinnen für die neue Beratungsstelle schaffen?

Skandalös ist die Entscheidung der Berliner Politik neben den genannten Gründen auch vor dem Hintergrund der schleichenden Kürzungen im psychosozialen und Antidiskriminierungs-/Antigewalt-Bereich der letzten Jahre, obwohl der Bedarf solcher Anlaufstellen stetig zunimmt. Das Vertrauen in staatliche Institutionen zur Bekämpfung von Diskriminierung und Betreuung von Betroffenen ist gering, wie kürzlich eine Studie, die die Lesbenberatung/LesMigraS durchgeführt hat, bestätigte. Umso deutlicher stehen Politiker_innen in der Verantwortung, die bestehenden Angebote mit weiteren Ressourcen auszustatten.

Die betroffenen Projekte wollen die geplanten Kürzungen nicht hinnehmen und setzen derzeit alle Hebel in Bewegung, die drohende Finanzierungslage abzuwenden. Oppositionsparteien in Berlin haben bereits ihre Unterstützung zugesichert. Auch Rechtsmittel werden aktuell geprüft.

Die Lesbenberatung hat eine Online-Petition eingerichtet, die ihr mitzeichnen könnt, um den öffentlichen Druck auf die Berliner Politik zu erhöhen. Außerdem sammelt die Organisation 1000 Gründe für die Berliner Politiker_innen, warum die Arbeit der Lesbenberatung wichtig ist und auf keinen Fall gekürzt werden darf. Mehr denn je ist die Lesbenberatung auf Spenden angewiesen.


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Beim NSU-Prozess, da ging es doch um Frauenzeitschriften, oder?

30. April 2013 von Charlott

Gestern haben sich viele mal herzlich auf die Schenkel geklopft, ein ganz großer Witz wurde erzählt. So wusste die Tagesschau zu berichten: “Eine Frauenzeitschrift im Gerichtssaal, da können alle nur noch lachen.”

Für die Tagesschau (und viele andere) ist das auch selbsterklärend: Eine Frauenzeitschrift ™, hier die Brigitte, kann per Defintion gar nicht über Politik, hier der NSU-Prozess, berichten. Geschenkt, dass die Brigitte durchaus einen Politikteil hat. Der Witz ist doch klar?

Es ist sehr aussagekräftig, wenn Journalist_innen es unglaublich lustig finden, dass die Brigitte einen Platz in der Auslosung der Journalistenplätze beim Prozess ergattert hat, aber sie gleichzeitig anscheinend RTL2 und die BILD als sinnvolle Berichterstatter_innen erachten. Zumindest sind diese Medien keine Lacher wert. Das allein macht deutlich, worum es hier nicht geht: Qualität der berichtenden Medien. Und an der Brigitte gäbe es natürlich eine ganze Reihe von Dingen zu kritisieren. Dies geschieht aber nicht im Lachanfall der versammelten Journalist_innen-Crew. Gelacht wird über eine angenomme Absurdität, der Gedanke, dass ein Magazin, welches sich klar an Frauen richtet, auch über Politisches schreiben soll.

Aber dann auch die Frage: Welchen deutschsprachigen Medien kann mensch eine wirklich gute Berichterstattung zutrauen? Jenen, die monatelang den menschenverachtenden Begriff “Döner-Morde” re_produzierten? Jenen Medien, die nun weiterhin die Debatte um die Journalist_innen-Plätze an erster Stelle sehen und dabei kaum mehr präsent halten, um was es eigentlich geht: den Prozess? Stattdessen Wundenlecken der deutschsprachigen Malestreammedien und etwas Nabelschau? Vielleicht der taz, die ja keinen Platz zugelost bekam? Aber gerade die ist ja nun in den letzten Woche (Monaten, Jahren) auch nicht immer als antirassistisch aufgefallen. Aber der NSU-Prozess wäre vielleicht einfacher, weil die linken Feindbilder klarer und einfacher sind, nämlich “Nazis” und Verfassungsschutz?

Spiegel Online schrieb jedenfalls apokalyptisch: “Mit dieser Regelung hat das Gericht glücklicherweise viele türkische Leser hinzu gewonnen, aber Millionen deutsche Leser ausgesperrt. Das wäre nicht nötig gewesen.”. Ich bin fest davon überzeugt, dass es eine ganze Reihe deutscher Staatsbürger_innen gibt, die hervorragend türkisch können und sich über türkischsprachige Berichterstattung freuen. Das sagt aber auch schon viel über das Bild, welches der Spiegel Online von “Deutschen” hat. Super Voraussetzung für diesen Prozess, oder? Und dann: suggeriert die Berichterstattung ständig, alle  Medien hätten gleichermaßen um die Plätze konkuriert, dabei gab es unterschiedlichste Lostöpfe. Eine Brigitte hat somit schon einmal nicht den Platz der taz “weggenommen”.  (Die Ruhrbarone wiesen auch darauf hin, dass die taz schlimmere Homestories über Beate Zschäpe als die Brigitte zu ihrer Anwältin schreibt.) Außerdem ist es auch durchaus möglich, dass Leser_innen unterschiedliche Medien konsumieren und sich nun beispielsweise bei der NZZ informieren. Aber das ist nur so ein Gedanke.

Vielleicht kommt überhaupt alles ganz anders, denn die Plätze dürfen auch weitergegeben werden. Eigentlich wird schon gemunkelt, dass statt einer Brigitte-Journalistin jemand vom Stern den Platz einimmt. Das Geschachere [Danke für den Hinweis.] Aushandeln, das Hin-und Herschieben von Plätzen hat also erst jetzt wirklich begonnen. Und das macht dieses ganze Verfahren noch unwürdiger, als es eh schon ist. Denn es ist ja nun auch von Anfang an nicht überraschend gewesen, dass eben dieser Prozess von großem – auch internationalem – Medieninteresse begleitet werden wird. Denken wir stattdessen an den Stammheim-Prozess gegen Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe. Nicht nur, dass dort die Namen aller Angeklagten bekannt waren, für deren Prozess wurde eine eigene Halle errichtet. Dies geschah zum einen aus “Sicherheitsgründen”, zum anderen wurde so aber auch sehr viel Platz für berichtende Medienvertreter_innen geschaffen. Ein Vergleich der beiden Verfahren macht auch noch einmal deutlich, welchen Stellenwert scheinbar das Verfahren zur NSU hat. Das Gefühl, dass er klein gehalten werden soll, kann kaum verdrängt werden und passt einfach in das Bild, welches die bisherigen Arbeiten zu dem Fall erzeugt haben.

In dieser Debatte kommt also vieles zusammen. Wichtig aber wäre doch nicht zu vergessen, weswegen dieser Prozess geführt wird, in welchen Strukturen die Taten stattfanden, die Ermittlungsarbeit (nicht) durchgeführt wurde und eben auch um Sitzplätze gestritten wird. Und dann sind dort auch immer noch die Angehörigen der Mordopfer, die auf den Beginn des Prozesses harren.


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Rehtaeh Parsons: Das Problem heißt nicht Social Media, sondern R*** Culture.

23. April 2013 von Viruletta

[Triggerwarnung: Gewalt gegen Frauen*, rape culture, sexualisierte Gewalt. Gilt auch für die Links.]

Ende 2012 stirbt eine Frau in Delhi, Indien, an den Folgen einer brutalen Gruppenvergewaltigung. Westeuropäische und us-amerikanische Medien berichten flächendeckend darüber. Sie machen die indische Kultur für die Tat und ihr Ausmaß verantwortlich. Dass es so etwas wie eine rape culture (Vergewaltigungskultur) gibt, scheint zumindest im Bezug auf Indien offensichtlich zu sein.

Im März 2013 werden in Steubenville, USA, zwei Täter verurteilt. Sie haben eine Mitschülerin im Jahr 2012 mehrfach vergewaltigt, dabei gefilmt und die Videos im Internet verbreitet. Die oben genannten Medien schweigen zu diesem Prozess. Stattdessen berichten sie weiter über Vorfälle sexualisierter Gewalt in Indien.

Im April 2013 nimmt sich die 17-Jährige Rehtaeh Parsons in Halifax, Kanada, das Leben. Sie ist zuvor ebenfalls von mehreren Mitschülern vergewaltigt und dabei fotografiert worden. Auch die Fotos dieser Tat sind  im Netz verbreitet worden, woraufhin Rehtaeh Opfer von massivem Mobbing geworden ist. Die besagten Medien berichten nur vereinzelt darüber. Wo sie es tun, steht der Aspekt des Cyber-Mobbings im Vordergrund.

Aber (und darauf hat Charlott auch schon in ihrem Steubenville-Artikel hingewiesen): Es geht hier nicht um die Gefahr sozialer Netzwerke. Um moderne, brutalere Formen von Mobbing. Es geht um sexualisierte Gewalt und den gesellschaftlichen Umgang damit. Und zwar (auch) jenseits von Indien. (weiterlesen …)


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Bügeln Gehen mit Deniz Yücel

23. April 2013 von accalmie

Ach, Deniz, Du trollst so unkreativ. Du bist ein halbes Jahr zu spät dran und originell ist Deine letzte Kolumne auch nicht (und Deiner Verlinkung zur Mädchenmannschaft, die offenbar verdeutlichen soll, wie lächerlich Triggerwarnungen seien, fehlt auch die Pointe – das tut bei Dir aber natürlich nichts zur Sache).

Erst gestern hat Sula einen Text zu den Vorfällen beim “tazlab” des vergangenen Wochenendes und den darauffolgenden Reaktionen veröffentlicht – und schon holst Du zum verbalen Gegenschlag aus. Von einer kleinen Pause zur Selbstreflektion könnte man ja gar profitieren, also musste es schnell gehen mit der eigenen Eklat-Eskalation. Du findest nämlich, dass sich mit dem N-Wort weiterhin wunderbar provozieren lässt. Das gibt traffic (gerngeschehen!) und man bleibt im Gespräch. Das Gespräch, lieber Deniz, wird an dieser Stelle leider redundant, daher nur schnell noch was zum Abschluss:

Du schreibst, dass „alle auf dem Podium […] um den Zusammenhang von Sprache und Herrschaft,“ wüssten und dass „niemand“ das „Fortleben von Rassismus“ bestreite. Angesichts der Berichte dessen, wie die Podiumsdiskussion am Samstag unter Deiner Leitung ablief (denen Du nicht widersprichst), und angesichts dieses jetzigen Zusammenwurfs (Kolumne ist ja ein Euphemismus, wa…) ignoranter Phrasendrescherei, scheinst zumindest Du nicht gewusst noch gelernt zu haben, dass auch Du Herrschaft mithilfe von Sprache putzmunter reproduziert hast und es weiterhin tust, und dass durch sowohl Deine Verhaltensweise bei und nach der Diskussion das Fortleben von Rassismus illustriert wird. Antirassist_in zu sein ist kein Zustand – es ist ein Prozess. Zu verkünden, dass „wir“ (wer?) ja alle auf einer Seite stünden, ist nicht mehr als ein belustigendes bis erschreckendes – in Deinem Fall heuchlerisches – Lippenbekenntnis, wenn Du im gleichen Atemzug es nicht lassen kannst, trotz der Hinweise von durch Rassismus Betroffene, rassistische Sprache zu reproduzieren. Deine Handlungen zeichnen Deinen Antirassismus aus. Und gerade angesichts der Tatsache, dass Du PoC schlecht verhohlenen Essentialismus vorwirfst (der dazu führe, dass alle armen deutschen, weißen, christlichen Männer* gar nichts mehr sagen dürften in solchen Debatten – all evidence to the contrary…), mutet es geradezu absurd an, dass Du “Antirassist_in” für einen Zustand hälst, der solche rassistischen Reproduktionen nicht nur dürfen muss, sondern auch einfach “ausgehalten” werden sollte.

Wer zuerst gebrüllt hat am Samstag, weiß ich nicht. Sula hat geschildert, dass bei Dir nicht nur die Tonstärke, sondern vor allem die lyrics die Musik machten. Dass Du Dir widersprechenden Frauen im Publikum sagtest, sie sollten doch “bügeln gehen“, spricht in jedem Fall für sich (merkste selber, ne?). “Antisexist_in” ist leider auch kein Zustand. (weiterlesen …)


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