Einträge der Rubrik ‘Netz(kultur)’


Einige Links zur Schwangerschaftsgewichtsdebatte

13. Februar 2014 von Lisa
Scan_bauch

(Collage: Fuckermothers)

Den Anfang (der aktuellen und medial wahrgenommenen Debatte) bildete der Text ‘Unguter Hoffnung‘ von Lara Fritzsche im ‘SZ-Magazin’. Darin kritisiert sie weibliche Schönheitsideale, die zunehmend auch - als Frauen wahrgenommene - Schwangere betreffen, und problematisiert, dass es immer mehr Mütter mit Essstörungen gibt. Am interessantesten fand ich diesen Ausschnitt zu den vielen Widersprüchen der Verhaltensnormen: “Schwangere Frauen sind ja Empfängerinnen vieler verschiedener – sich zum Teil widersprechender – Rollenanforderungen. Neben schlank bleiben gilt es ja auch, dem Nachwuchs keine wichtigen Nährstoffe zu verweigern. Sie sollen alle vier Wochen zur Vorsorge bei der Gynäkologin, (…), sollen bei der Arbeit Bescheid sagen, wann sie wieder arbeiten kommen, sollen Gelder beantragen, Krippenplätze organisieren, nicht blöde rumglucken und immer schön fickbar bleiben. Aber, ganz wichtig, das Wunder annehmen, sich auch mal fallen lassen, die Weiblichkeit umarmen und ständig in sich reinhören. Eine liebevolle Mutter werden eben.”

Danach entstand der Hashtag #alsichschwangerwar auf Twitter, auf dem verschiedene Menschen ihre Schwangerschaftserlebnisse und damit verbundene Normen beschreiben.

Glücklich Scheitern‘ berichtet von ihren eigenen Erfahrungen und allgemeinen Gedanken zu ‘Körpern und Schwangeren’. Dabei kritisiert sie auch einige Reaktionen auf Fritzsches Artikel, unter anderem Argumentationen, die “mit fraglichen definitionen von über- und normalgewichtig um sich werfen. oder frauen, die die schuld bei heidi klum und co. suchen, die kurz nach der geburt wieder mit schlanken körpern in die kamera lächeln. da mag ich  nicht mitmachen. für mich wird lediglich wieder mal deutlich: der körper einer frau ist nie ihre privatsache. der einer schwangeren erst recht nicht. die schuld bei denen zu suchen, die sich diesem diktat unterwerfen (beispiel heidi klum & co, aber auch den frauen, die aus angst vor den veränderungen vor einer schwangerschaft zurückschrecken) finde ich nicht weiterführend. so gar nicht. die mechanismen, die hinter diesen anrufungen und erwartungen an (schwangere) weibliche körper stecken stets bewusst machen und sich vor augen führen, das kann helfen. gegenseitige unterstützung statt bewertung, kritik an medialen, utopischen bildern und co – das wünsch ich mir mehr.”

In eine ähnliche Richtung geht auch der Beitrag von ‘Dr. Mutti’ namens ‘ich habe heute keinen dummen Spruch für dich‘: “Models im Allgemeinen und Heidi Klum im Besonderen sollen dafür verantwortlich sein, dass Schwangere sich mit einer Vielzahl verunsichernder oder beleidigender Sprüche konfrontiert sehen? Kann das wirklich sein? An dieser Stelle sollte einem doch etwas faul vorkommen. Das Problem ist nicht Heidi Klum. Das Problem ist eine Gesellschaft, in der man sich herausnimmt, über Frauen und ihre Körper, und ganz besonders über schwangere Frauen und ihre Körper, zu reden, als wäre es ein öffentliches Ereignis, zu taxieren und zu bewerten, ungefragt Tipps zu verteilen, zu verurteilen, beschämen oder beleidigen. Vielleicht ist Heidi Klum ein Opfer dieses gesellschaftlichen Diskurses, vielleicht ist sie auch nur ein Profi, die ihren Beruf ernst nimmt und deshalb viel investiert, um ihr Kapital – ihren normschönen Körper – zu pflegen. Warum muss sie dafür verurteilt werden, von anderen, “normalen” Frauen? Auch Heidi Klum ist letztlich nur eine Frau, die mehrfach schwanger war, und die in und nach diesen Schwangerschaften Entscheidungen für sich und ihren Körper getroffen hat. Und diese sind zu respektieren – auch von anderen Frauen. (…) Es geht also nicht darum, ob eine Frau dick oder dünn ist. Es geht darum, dass das Privatsache ist und man sich einfach verkneifen sollte, ungefragt dazu Stellung zu beziehen.”

Auf ‘Umstandslos‘ berichtet Autorin Eva von zwei ‘Highlights’ ihrer Schwangerschaft: “1. Mein eh schon unsympathischer Arbeitskollege, der mir erstaunt mitteilte, dass mein Bauch ganz schön dick ist. (Ach wirklich? Wäre mir gar nicht aufgefallen!) Und 2. der wildfremde Typ, der mir an der Bushaltestelle die Hand auf den Bauch legen wollte, und dabei seinem Freund erzählte, dass ihn das Wunder des Lebens immer wieder begeistert. (Nein, danke! Ich fass dir ja auch nicht an dein – sonst wohin, Arschloch!)”

Jerrys Welt‘ erzählt vom umgekehrten Phänomen, dem Wunsch zuzunehmen: “In der Schwangerschaft nahm ich knapp 12 kg zu, danach wog ich so 54 kg bei knapp 1,69 … ach Mensch glaubt mir  ich fühlte mich so wohl wie schon lange nicht mehr.
Das Gewicht konnte ich aber leider nur  n halbes Jahr halten.” Sie berichtet auch von einigen blöden Sprüchen, die sehr dünne Frauen oft hören müssen: “Es gibt die unterschiedlichsten Reaktionen. Der Klassiker ist jedenfalls ‘Ich wünscht ich hätte deine Figur!’ Oder wenn ich sage das ich zunehmen möchte ‘Ich geb dir ein paar meiner Kilos’ oder ‘Kindchen iss doch mal vernünftig’ oder ‘Kein Arsch, kein Tittchen so flach wie Schneewittchen!’ .. oder auch als ich letztes Jahr beim Orthopäden war wegen meinem Rücken, und der Arzt bin ich doch ehrlich darauf ansprach ob ich Magersüchtig sei (die Art und Weise war sehr unverschämt), zudem kommt das dies nicht das erste  Mal war.”

Was ich mich – auch durch ein Gespräch mit ‘AufZehenSpitzen’ – allerdings schon länger frage ist, was es für Möglichkeiten des Umgangs es mit solchen blöden Kommentaren und Verhaltensweisen gibt. Was ist die beste Erwiderung, wenn einem die sympathische Kollegin das zweifelhafte Kompliment macht, man hätte bis auf den Bauch ja gar nicht zugenommen? Wie lässt sich im Alltag ab besten gegen die Auf-den-Bauch-Fasser_innen vorgehen? Und wie auf das nicht immer unbedingt neutrale Verhalten und ungewollte Einmischungen von Ärzt_innen reagieren?


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Ist das Netz unser Bahnhof?

26. November 2013 von Maria
Dieser Text ist Teil 16 von 18 der Serie Feminismus im Recht

Der Hass, der im Internet sichtbar wird, nimmt zum Teil erschreckende Formen an. Die Reaktionen auf #aufschrei zeigen das erneut. Feministische und antirassistische Blogger_innen werden beleidigt, verleumdet, beschimpft, beobachtet, verfolgt, ihre Arbeitgeber kontaktiert und sie werden auf sonstige Art und Weise unter Druck gesetzt, weil sie in der Öffentlichkeit eine Meinung vertreten. Die Diskussion Safe Cyber Spaces am 21. November hat gezeigt, dass die juristischen Möglichkeiten, gegen diese Art von Einschüchterungen vorzugehen, sehr begrenzt sind.

Die Medienrechtsanwältin Ama Walton hat erklärt, wie strikt die Rechtsprechung bei Persönlichkeitsrechtsverletzungen ist. Der Jurist Simon Assion hat deutlich gemacht, dass zudem das gewünschte Ergebnis, wenn man sich juristisch wehrt, häufig auch nicht eintritt und man erst recht in das Fadenkreuz von Verfolgungen geraten kann. Ein Problem ist auch, dass die beschriebenen Shitstorms eine Wand aus Einzeläußerungen sind, die wenn sie allein stehen würden, vielleicht gar nicht so dramatisch wären. Sie fügen sich aber zusammen zu einer Wand aus überwiegend anonymem Hass, vor der die betroffene Person dann steht und zumindest juristisch kaum adäquate Möglichkeiten der Reaktion hat.

Was bedeutet das alles nun für das Recht und die Gesellschaft? Ich bin der Meinung, dass die beschriebenen Phänomene in erster Linie ein gesellschaftliches Problem sind und nicht in erster Linie ein Rechtsproblem. Wir haben es hier mit einer neuen und wichtigen Facette der öffentlichen Sphäre zu tun. Sich in diese Sphäre zu begeben als Mensch, der nicht zur Gruppe weißer Männer gehört, ist traditionell mit einem gewissen Risiko behaftet. Gerade junge Frauen, die diese Öffentlichkeit für sich und ihre Anliegen nutzen, machen diese Erfahrung.

Eine ältere feministische Juristin ohne Twitteraccount und Blog hat vor kurzem zu mir gesagt „Das ist doch klar, das Internet ist jetzt eben euer Bahnhof“. Der Bahnhof, meinte sie, war für viele Frauen (und ist es vielleicht immer noch) ein Ort, wo man nicht so gern hingeht, weil man dort Angriffen ausgesetzt sein kann, verbal oder körperlich. Nun können Menschen dann verschiedene Strategien entwickeln, wie damit umzugehen ist. Nicht hingehen, sich vorher überlegen, wie verhalte ich mich, nur zu bestimmten Tageszeiten hingehen… Das Problem sei aber das gleiche, online wie offline. In gewisser Weise ist das richtig. Es ist ein Privileg, sich mit dem selbstverständlichen Anspruch in die Öffentlichkeit zu begeben, respektiert und gehört zu werden, einfach so, als Mensch. Wie alle Privilegien wird auch dieses von denen, die es genießen, kaum wahrgenommen.

Wie jeder öffentliche Ort ist das Netz auch ein Ort, der die Gesellschaft und ihre Machtverhältnisse spiegelt. Auf der anderen Seite ist das Netz aber nicht unser Bahnhof – wir wollen und können nämlich nicht darauf verzichten, den Zug zu nehmen. Mobilität im alten wie im neuen Sinne ist ein menschenrechtliches Thema, vielleicht ist der Gedanke, auf öffentlichen Nahverkehr zu verzichten, aber auch ähnlich absurd wie der Verzicht auf Meinungsäußerungen im Netz.
Der Bahnhof, um in dem Bild zu bleiben, ist heute häufig ein sicherer und freundlicher Ort. Er ist in der Regel auch einer der überwachtesten öffentlichen Orte. Selbst das Verteilen von Flyern durch Aktivist_innen ist dort mitunter ein Problem und kann nicht stattfinden. Deshalb ist die Diskussion über Privatsphäre und Sicherheit der Debatten im Netz auch zu Recht immer verknüpft mit dem Anspruch, nicht mehr Kontrolle und Überwachung zuzulassen. Das macht auch die Ambivalenz aus der feministischen Perspektiven in dieser Diskussion mit aus – ich möchte die Freiheit im Netz nicht beschränken, aber ich möchte eine Gesellschaft ohne Diskriminierung und mit Partizipation für alle.

Trotzdem bin ich nicht pessimistisch. Das Netz bietet uns eine Öffentlichkeit für unsere Themen. Feministische Interventionen können gesellschaftliche Debatten prägen und neue Öffentlichkeiten zu erreichen. #Aufschrei hat das gezeigt, aber auch die Entwicklung der feministischen „Netzgemeinde“ davor. Feministische Räume im Netz machen thematische Angebote jenseits der Themen der etablierten Medien und Politik jenseits der etablierten Institutionen. Wenn mich jemand vor 10 Jahren gefragt hätte, wo eigentlich in Deutschland die Frauenbewegung ist, dann hätte ich gesagt, in den Gewerkschaften gibt es sie noch. Heute sind Feminist_innen und ihre Bündnispartner_innen vernetzt und haben wieder deutlich an Öffentlichkeit und Macht gewonnen.

Dieser Text ist eine überarbeitete Version des Statements von Maria bei der Podiumsdiskussion „SafeCyberSpaces“ am 21.11.2013 an der Humboldt Universität zu Berlin.


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Das Netz ist kein machtfreier Raum

28. Oktober 2013 von Magda

Dieser Text erschien unter dem Titel “Sexismus im Zeitalter des Avatars” in der aktuellen Ausgabe des prager frühling mit dem Schwerpunkt “Wo Strom ist, ist auch Widerstand — Digitaler Protest und elektronische Demokratie”.

Als ich 2008 anfing, mit Klarnamen als feministische Bloggerin aktiv zu werden, suchte ich nach spannenden Diskussionen und einem neuen Ort für gesellschaftskritische Ideen. Heute, über fünf Jahre später, nach tausenden Beleidigungen, hunderten kräftezehrenden Diskussionen und dutzenden Drohungen ist meine anfängliche Euphorie ziemlich gedämpft.

Was wurde nicht geträumt und theoretisiert: Das Netz, der Ort, an dem soziale Konstruktionen wie Geschlecht aufgelöst werden können, Diskriminierung und Hierarchien abgebaut und Bündnisse über Ländergrenzen hinweg möglich werden. Binäre Ideen von Geschlecht und somit Konstrukte wie „Mann“ und „Frau“ sollten der Vergangenheit angehören. Donna Haraways postmoderner Cyborg, ein Hybrid aus Mensch und Maschine, wurde zur Leitfigur cyberfeministischer Utopien. Ein Cyborg passt nicht in binäre Schemata. Ein Cyborg agiert nicht nach festgeschriebenen identitären Mustern, sondert bildet Verbindungen nach Verbundenheitsgefühl, nicht nach vermeintlich essentialistischen Kategorien.

Die Vorstellung, mit Identitäten zu spielen oder eindeutige geschlechtliche Zuschreibungen zu verwischen, Geschlecht in seiner Wirkmächtigkeit gar zu entkräften, blieb bloße Utopie. Vielleicht ist das nicht verwunderlich, denn hinter den Laptops sitzen reale Menschen, die ihre gesellschaftlichen Vorannahmen, was Geschlecht und andere soziale Kategorien angeht, auch ins Netz übertragen. So kann mensch auf Facebook bei der Anmeldung nur „männlich“ und „weiblich“ ankreuzen, obwohl es kein technischer Aufwand wäre, mehrere Möglichkeiten oder gar ein freies Feld zur Auswahl zu stellen. Aber so bleibt auch im Netz Zweigeschlechtlichkeit strukturell verankert: Eine komplexe Gesellschaft eingequetscht in zwei Boxen, die Identitäten jenseits dieser Kategorien gar nicht erst benennt, sondern unsichtbar macht. Die Idee, dass es nur zwei Geschlechter gibt und diese die einzigen sind, die soziale Netzwerke wie Facebook zur Auswahl stellen, ist Produkt von einengenden heteronormativen Geschlechterverhältnissen, stellt allerdings nicht den einzigen Ausschlussmechanismus dar.

geschlecht - männlich, weiblich, geschäftlich unterwegs

Wahrscheinlich eher ungewollt kreativ ist das Design eines Flyers des Best Western Hotels in Leipzig: Unter “Ich bin…” kann mensch folgende Optionen ankreuzen: “männlich”, “weiblich” und “geschäftlich unterwegs”. Foto: Magda Albrecht

Gesellschaftliche Machtverhältnisse strukturieren das Netz in Hinblick auf Zugang, Themensetzung und Definitionsmacht. Zugang wird nicht nur darüber bestimmt, wer einen Internetanschluss, einen PC und das dazugehörige Wissen hat, sondern auch darüber, ob eine_r sich im Netz pudelwohl fühlen kann oder mit diskriminierenden Inhalten rechnen muss. Sprechen Betroffene von Diskriminierung über ihren Alltag, werden diese Erfahrungen häufig hinterfragt und als „subjektiv“ eingeordnet. Welche Themen als „objektiv“ wichtig und somit politisch relevant kategorisiert werden, orientiert sich ebenfalls an sexistischen, rassistischen und anderen diskriminierenden Maßstäben.

Glücklicherweise bietet das Netz Möglichkeiten zum Widerstand. Die zehntausenden Twitternachrichten unter dem Hashtag #aufschrei Anfang dieses Jahres, die alltägliche sexistische Belästigung thematisierten, konnten auch die Massenmedien irgendwann nicht mehr ignorieren. Eine Sexismus-Debatte folgte – auch wenn diese kaum an die Komplexität gegenwärtiger queer-feministischer Diskussionen anknüpfte. Aktuell werden rassistische Erlebnisse unter dem Hashtag #schauhin gesammelt, um das Ausmaß von Alltagsrassismus zu verdeutlichen. Aktivist_innen im Netz schaffen sich also Möglichkeiten, um innerhalb dieser Sphäre zu agieren. Der Gegenwind bleibt. Das Netz ist auch unser Raum. Wenigstens gibt es dort – im Gegensatz zum Alltag auf der Straße – für diskriminierende Inhalte eine Löschtaste.


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Von falschen Namen und Pronomen

22. Oktober 2013 von Charlott

“Aber…” ist nie eine gute Reaktion, wenn eine Person dich freundlich bittet, die richtigen Pronomen und Geschlechtszuschreibungen für sie zu benutzen.

Dieses Zitat, im Orginal auf Englisch, ist bisher der am meisten geteilte Beitrag der Seite # when people misgender me. Das Tumblr, mit dazugehörigem Twitteraccount, Hashtag und Facebookseite wurden eingerichtet, um sichtbar zu machen, was passiert, wenn Menschen immer wieder falsch gegendert werden und Betroffenen Raum zu geben, ihre Erfahrungen zu teilen.

Dabei geht es oftmals um Erlebnisse in den eigenen Freund_innenkreisen, dem familiären Umfeld oder tägliche Interaktionen mit fremden Menschen. Nachzulesen sind Aussagen wie “Meine Pronomen können sich ändern, aber du hast sie nicht zu verhandeln.” oder “Wenn Leute, die genau wissen, dass ich trans bin, Dinge wie “Hey, Mädels!” sagen, wenn sie mich und eine Gruppe von Freundinnen ansprechen! Das nervt mich mehr als das Nutzen falscher Pronomen!” und “Ich wurde so oft falsch gegendert, dass wenn Leute mich heute falsch gendern, ich nur noch müde werde. Ich bin es so Leid zu korrigieren und erklären.”.

Allein in der ersten Woche wurden auf dem Tumblr 134 Beiträge gepostet, davon waren 15 Einsendungen. Eigene Erfahrungen können auf unterschiedlichen Wegen eingebracht werden:

  • bei Tumblr unter Submit
  • bei Facebook, entweder als Post auf der Seite oder als PM an die Seite
  • bei Twitter als Tweet an @mis_gender oder in dem ihr den Hashtag #whenpeoplemisgenderme benutzt

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Warum deutsche Journalisten Edward Snowden lieben

28. August 2013 von Lisa

Anmerkung der Redaktion:

Hier hatten wir vorhin einen ursprünglich bei den Fuckermothers erschienen Gastbeitrag gepostet. Der Text stellt wichtige Fragen:

Wer wird von der Männermannschaft in den großen Zeitungen eigentlich zum Helden geschlagen? Was sind die Kriterien, und wer bestimmt, was als „politische Handlung“ definiert und wahrgenommen wird, und was nicht?

 Wir halten es jedoch  für problematisch und auch widersprüchlich, in einer solchen Analyse  nicht auf die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Julian Assange und deren  zutiefst sexistische mediale Rezeption zu verweisen. Wenn Assange sich als Whistleblower betätigt, wird das als politisch wahrgenommen und er zum Helden erklärt – auch in besagtem Blogbeitrag. Wenn er sexualisierte Gewalt  ausübt, wird dem ganzen seine politische Dimension aberkannt und das Helden-Narrativ bleibt unangetastet.  In diesem Zusammenhang kann es auch nicht unerwähnt bleiben, dass der Heldinnenstatus hier wenn dann viel eher der im Text gänzlich entwähnten Chelsea Manning zukäme, die die fraglichen Daten gesammelt und Wikileaks/Julian Assange zur Verfügung gestellt hat. Chelsea Manning wurde gerade zu 35 Jahren Gefängnis verurteilt und wird während ihrer Haft umso mehr Gewalt und Übergriffen ausgesetzt sein, während Julian Assange, der  Mannings  Materialien lediglich veröffentlicht hat, glorifiziert und protegiert wird (u.a. erhält er Schutz in Botschaften), auf seine Staatsbürgerrechte pochen kann und sich offenbar relativ unangefochten und sicher zu fühlen scheint.  Diese Zusammenhänge in einer Analyse darüber, wer warum medial zum Helden erklärt wird und auf wessen Kosten, zu entnennen, finden wir  unverständlich und problematisch. Daher haben wir uns dafür entschieden, den Text hier von der Seite zu nehmen.


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Deine Mutha! Ein Linktipp

27. August 2013 von Lisa

Eine alternative Mutter fragt sich, ob sie überhaupt wirklich alternativ sein will, die ‘bizzarsten’ Erlebnisse in der Schwangerschaft – vom veränderten Geschmack der Pussy bis zum Ausgeliefertsein in den Wehen – werden geteilt und eine Autorin schreibt über ihre ‘Reise zur Mutterschaft‘, bei der auch eine Abtreibung auf dem Weg lag. Das alles ist im englischsprachige Mutha-Magazin nachzulesen, das diesen Monat online ging.

Gründerin ist die Feministin und Schriftstellerin Michelle Tea, die bereits ihre Versuche dokumentierte, als queere Frau schwanger zu werden. Dabei fiel ihr auf, dass es wenig Informationen und Role-Models für alternative Erfahrungen von Elternschaft gab.   Deswegen gründete sie mit Freund_innen und Bekannten ihre eigene Seite. Dort soll es laut ‘About‘ um Babynamen, Umstandsmode, feministische Kindererziehung, Punk-Mütter, Hip-Hop-Mütter, Mommy-Wars und eigentlich alles gehen.


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I Started A Blog And All I Got Was This Lousy T-Shirt

19. August 2013 von Anna-Sarah
Dieser Text ist Teil 59 von 59 der Serie In Bildern: Das denkt die Welt

Shirts mit irgendwelchen Sprüchen und Slogans drauf können ja eine prima Sache sein. Ich kann damit etwas, das mich bewegt, zum Ausdruck bringen, mich der Welt als Person mit bestimmten Vorlieben oder Ansichten präsentieren, kann zeigen was ich wichtig finde und wer ich bin. Wenn ich also z.B. mit jemandem aus der Digital Bohème romantisch involviert bin, kann ich das – sofern ich irgendwas zwischen Größe 34 und 42 trage – mit dem passenden C&A-Oberteil zeigen. Top.

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Screenshot vom C&A-Onlineshop

An der Aussage “I’m in love with a blogger” ist ja auch so erstmal nichts Schlimmes dran. Verliebt in eine_n Blogger_in, why not? Ich selbst kenne so einige Bloggerinnen, die zu den hinreißendsten Menschen gehören die ich je getroffen habe. Und was ich so wichtig finde, dass ich es der Welt qua T-Shirt-Aufdruck über mich mitteilen möchte, ist ja auch erstmal meine Sache.

Es überrascht wenig, dass man bei C&A dasselbe Motiv in der Männerabteilung vergebens sucht. Denn es ist weder sonderlich spannend noch identitätsstiftend, in wen so ein Typ verliebt ist, da interessieren mehr Musikgeschmack oder bevorzugte Sportart, das sagt doch viel mehr über den Menschen als solchen aus. Außerdem zeigen heterosexuelle Männer – alle anderen sind ja nunmal Minderheit und daher marketingtechnisch vernachlässigbar – bekanntlich ihre Gefühle  nicht  gern so direkt – die machen das eher  subtil, mittels objektifizierter Frauenkörper(teile), das ist aber wertschätzend gemeint. Und weil Frauen sich für Computer nicht so interessieren,  gibt es bestimmt eh nur ganz wenige Bloggerinnen, geschweigedenn solche, in die man(n) sich verlieben könnte…

Außerdem, mal ehrlich: Also klar, “Blogger”, im Englischen ist das geschlechterübergreifend, und außerdem generisches Maskulinum – aber so’n bisschen missverständlich ist das vielleicht doch, wenn so ein Typ sich “I’m in love with a blogger” auf die Brust schreibt, hihi, und das lassen wir dann vielleicht lieber mal, das kommt bei der Kundschaft wohl nicht so gut an.  Androzentrisch und heterosexistisch ist das Shirt und die Tatsache, an wen es (nicht) vermarktet wird, allerdings null, denn wie gesagt, “Blogger” kann ja auch Bloggerin heißen, also da sind keinesfalls nur heterosexuelle Frauen mitgedacht!

Frauen, klar, die definieren sich schon viel über ihre Männerbeziehungen – Tochter des, Freundin von und so. Und wenn der Lover einen coolen Job hat oder ein Hobby, das was hermacht, das ist ja auch ein Statussymbol und sagt etwas über den Wert seiner Partnerin aus.  Und natürlich sind Blogger cool! Und natürlich ist für Frauen Liebe ganz ganz wichtig.

Übrigens im C&A-Frauensortiment nicht auffindbar: ein Shirt mit der Aufschrift “I’m a blogger” oder meinetwegen “I’m in love with my blog”. Aber ich versteh das schon, Frauen bloggen eben kaum, und es ist natürlich auch wesentlich interessanter, in wen eine Frau verknallt ist als was sie selbst so macht – und außerdem, was, über das eine Frau bloggt, sollte wohl so spannend sein, dass sie damit auf einem Shirt hausieren gehen wollen würde? Das ist jetzt einfach eine Beobachtung, mit Sexismus hat das nichts zu tun .

Ich persönlich habe eigentlich – abgesehen von den vermutlich skandalösen Produktionsbedingungen – gar nichts einzuwenden gegen dieses Shirt, im Gegenteil: Ich überlege, es meinem Boyfriend zu schenken.


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Gedanken zur Revolution – Lieblingstweets

11. Juni 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 6 von 6 der Serie Feminist_innen zwitschern

Unsere Rubrik “Feminist_innen zwitschern” aus der Ecke gezottelt, ordentlich abgestaubt und mit einigen unserer Lieblingstweets der letzten vier Wochen gefüllt:

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Facebooks Feminismusproblem

29. Mai 2013 von Gastautor_in

Inge Kleine lebt in München. Sie ist u.a. damit beschäftigt, gegen geschlechtsspezifische Zuschreibungen an Menschen vorzugehen – in allen ihren Formen. Letztes Jahr um diese Zeit machte sie mit Daniela Oerter und Sabina Lorenz die Aktion #ichhabnichtangzeigtFür den Artikel und auch die verlinkten Texte gilt eine Inhaltswarnung (Beschreibung von sexistischen und gewaltverherrlichenden Inhalten und sexualisierte Gewalt).

Seit dem 21. Mai läuft eine Kampagne durch’s Netz. Ansprechpartner: Werbekunden bei Facebook. Ziel: Facebook endlich auf seine eigenen Richtlinien verpflichten. Mittel: Facebook Werbeeinnahmen entziehen.

Oft läuft es bei Facebook nämlich so: Stillende Mütter – raus. Aufklärungs- und Ermutigungsbilder nach Brustentfernung wegen Krebs – raus. Links mit Anleitungen zum selber Brust abtasten – raus. Politische Aktionen mit nackten Brüsten – mindestens verpixeln. Feministische Bloggerinnen – wochenlang gesperrt. Wenn es um Brüste geht, ist Facebook streng. Schließlich fallen die unter „Inhalte für Erwachsene“ und widersprechen damit ganz klar den von Facebook selbst aufgestellten Richtlinien.

Objektifizierende Bilder von Frauen sind dagegen in Ordnung. Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist auch kein Problem, solange irgendwo dabei steht, dass es sich ja nur um „Scherze“ handelt.

Diese Erfahrung machten Nutzer_innen und Administrator_innen feministischer Seiten, wenn sie brutale Bilder oder ganze Seiten an Facebook meldeten. Praktischerweise hat Facebook dazu ja einen einfach zu findenden Link, rechts neben dem Bild oder dem Rädchen bei „Nachricht“: „Seite melden“ anklicken, „enthält Hassreden“ anklicken, abschicken und fertig. Dankenswerterweise funktioniert das bei manchen Gruppen, z.B. Neonazis, ganz gut.  Bei Bildern, die Vergewaltigungen und Partnerschaftsgewalt gegen Frauen verharmlosen oder verherrlichen, leider nicht. Stattdessen erscheint in einer Antwort auf die Meldung eines (Achtung!) gewaltverherrlichenden Bildes folgende Erläuterung:

„Thanks for your report. We reviewed the photo you reported, but found it doesn’t violate Facebook’s Community Standard on hate speech, which includes posts of photos that attack a person based on their race, ethnicity, national origin, religion, sex, gender, sexual orientation, disability, or medical condition.”

Facebook-Richtlinien zu sogenannten Hassreden, also zu Angriffen auf Personen aufgrund von rassistischen Zuschreibungen, Ethnizität, nationaler Herkunft, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung, Behinderung oder Krankheit – würden bei dem oben verlinkten Bild nicht verletzt.

Falsch. Die Bilder und vor allem die Texte neben ihnen tun das – sie greifen Menschen aufgrund ihres Geschlechts an. Facebook lässt eine Vielzahl an gewaltverherrlichenden und (hetero-)sexistischen Bildern stehen. Vergewaltigungskultur lässt grüßen

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#Aufschrei Revisited

23. Mai 2013 von der Mädchenmannschaft

Am Montag fand die vom Missy Magazine initiierte Diskussionsrunde zu #Aufschrei statt: “There is more to sexism than meets the eye“. Explizit sollten an diesem Abend Perspektiven Raum bekommen, die in der #Aufschrei-Debatte zu kurz gekommen sind, im Sinne von: Sexismus kann nie getrennt von anderen Unterdrückungen betrachtet werden und existiert immer in Verbindung mit z.B. Rassismus, Heteronormativität und Lookism. Eingeladen wurden Nana Adusei-Poku (Theoretikerin der Visual Culture & Postcolonial Studies), Angela McRobbie (Kulturtheoretikerin), Jasmin Mittag (Gründerin „Wer braucht Feminismus?“), Sookee (queere Rapperin) und Anne Wizorek (#aufschrei), moderiert hat Sonja Eismann (Missy Magazine-Herausgeberin).

Neugier, auch wie es nun nach #Aufschrei weitergehen kann, lockte die Besucher_innen ins Berliner Hau-Theater. Dieses war bis auf den letzten Platz ausverkauft. Vor dem Eingang gab es einige enttäuschte Gesichter, die keine Karte mehr ergattern konnten. Keine Frage: Es schien einer dieser feministischen ‘places-to-be’ zu sein an diesem Montagabend.

Angela McRobbie eröffnete die Veranstaltung mit ihrer Keynote. Sie beschrieb bilderreich, wie Sexismus durch krasse Schönheitsideale am Leben erhalten bleibt. Und wie sehr ein “ironischer” auf neoliberalen Logiken aufbauender Sexismus in den letzten Jahren boomte, einer der von Medienleuten zwar durchschaut, aber trotzdem gerne z.B. in der Werbung herangezogen wird – getreu dem Motto: anything goes. McRobbie wies auch auf neue Formen des Antifeminismus hin, die sich insbesondere durch Medien, Popkultur und die Zivilgesellschaft zeigen. Sie nannte populäre Aussagen wie etwa “Der Feminismus geht zu weit”, “das Ende des Mannes” und “die schlechten Leistungen der Jungs”, um feministische Forderungen zu entkräften. Weiter sprach sie von drei Aspekten, die Herausforderungen für heutige feministische Politik darstellen: 1.) Das durch Konsumkultur ständig aufrecht erhaltene, gewaltvolle “Gefangensein” im eigenen Körper bei gleichzeitiger Anrufung, nicht mehr das Opfer zu sein (oder sein zu wollen); 2.) der Aufschwung eines so genannten corporate feminism, der auf individuelle Erfolgsstories setzt und Misserfolge privatisiert (siehe: Sheryl Sandberg’s Buch “Lean In”, 2013) und 3.) die damit einhergehende Dethematisierung von sozialen Ungleichheiten und dem (meritokratischem) Mythos von weiblichem Erfolg allein durch Leistung.

Eine Frage aber drängte sich nach dem Vortrag auf: Warum wurde gerade diese Perspektive als Keynote gewählt? McRobbies Beitrag kritisierte zwar konsequent einen neoliberalen Individual-Feminismus, der sich perfekt in den Kapitalismus einbettet, liess aber an anderen Stellen Intersektionalität vermissen. Immer wieder machte sie eine Dichotomie zwischen “jungen Feminist_innen” und “alten Feminist_innen” auf – eine Perspektive, die gerade unterschiedliche Positionen unsichtbar macht. Zudem zielte McRobbies Kritik sehr auf die Sozialen Netzwerke ab, allen voran Facebook. Es fehlte aber eine differenzierte Betrachtung auch der Chancen dieser Medien, eben gerade für (feministischen) Aktivismus. Immerhin stand an diesem Tag die #Aufschrei-Aktion im Mittelpunkt, die ohne das soziale Netzwerk Twitter nicht hätte geschehen können.

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