Einträge der Rubrik ‘Laberparty’


Der lange Arm der Pseudowissenschaft

4. Oktober 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 26 von 29 der Serie Neues vom Quotenmann

Immer wieder werden “den Unterschieden zwischen Mann und Frau“ lange Artikel in den Mainstream-Medien gewidmet. Auf Spiegel-Online gibt es sogar eine spezielle Themenseite, die den mehr oder weniger expliziten Anspruch hat, die wichtigsten Ergebnisse der Wissenschaft zu diesem beliebten Themenkomplex zu popularisieren. Doch sofort kommt der erste Schock durch das total stereotypische „Aufmacher-Bild“: Er und Sie, den aktuellen Schönheitsidealen perfekt entsprechende, weiße, junge, moderne Adam und Eva vor grünem Waldhintergrund, also vermutlich in Rousseaus Naturzustand.

Der erste Eindruck täuscht leider nicht: Bei den meisten Texten der Rubrik – und Spiegel-Online ist nur das bekannteste Beispiel – handelt es sich um leichte Lektüren, die sich bei Kaffee- und Cocktail-Party-Gesprächen schnell reproduzieren lassen und gut unter dem Motto „Die LeserInnen bloß nicht überfordern!“ stehen könnten. Einer der letzten Beiträge auf der Themenseite verspricht zum Beispiel eine Lösung für das Problem, warum Frauen besser über Kummer reden können. Doch schon der Lead-Absatz dämpft die Erwartungen: „US-Psychologen haben jetzt eine Erklärung gefunden. Aber ist die wirklich logisch?”.

Nach einer kritischen Lektüre des Artikels muss nicht nur festgestellt werden, dass die Antwort auf die ursprüngliche Frage völlig ausbleibt, und der Titel sich als billiger Trick entpuppt. Darüber hinaus wird klar, dass selbst die zu popularisierende „Wissenschaft“ oberflächlich und letztendlich nichtssagend ist. Jungs und Mädchen wurden gefragt, warum sie über persönliche Probleme reden, oder warum sie dies eben vermeiden; mehr Jungs als Mädchen geben an, dass sie solche Gespräche „sinnlos“ finden und dass sie sich dabei „weird“ fühlen; die „Wissenschaftler“ nehmen dies ernst und für bare Münze; es finden keine weiteren Tests und kein Interpretieren von Ergebnissen statt.

Ohne Wenn und Aber haben solche Texte – im Spiegel und in zahlreichen anderen Magazinen – einen ziemlich großen Einfluss auf die Mainstream-LeserInnen. Und mehrere Fragen liegen nahe: Wieso merkt niemand, dass hier der Unterschied zwischen dem vermeintlichen Anspruch und dem konkreten Inhalt lächerlich hoch ist? Warum fällt niemandem auf, dass eine solche „Studie“ wenig Ernstzunehmendes, geschweige denn Wissenschaftliches zu bieten hat? Dazu nur eine erste Konklusion: Aufklärung darüber, wie gute, kritische Sozialwissenschaft auszusehen hat, gehört als Priorität auf die feministische Agenda. Denn die Emanzipation von Pseudopsychologie ist ein wichtiger Teil der allgemeinen Emanzipation.


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re:publica 2011 – ein feministischer Rückblick

19. April 2011 von Magda

Vom 13. bis 15. April 2011 fand die diesjährige Blogger_innen-Kon­ferenz re:publica statt, für die wir bereits im Vor­feld interessante Teilnehmer­innen und ihre Panels vorstellten. Vielen fiel mehr oder weniger erfreut auf: (Cyber-)Feministische Themen waren auf dieser re:publica präsent.

Ein kurzes Fazit: Ja, der Frauenanteil der Vortragenden auf der re:publica war wohl höher als im letzten Jahr – im­mer wieder schwirrte die Zahl 30% durch den Raum. Anne Roth hat noch einmal nach­gezählt und kam auf rund 27% Speakerinnen-Anteil. Trotzdem hatten viele Besucher_­innen das Ge­fühl, es herrsche ein Über­schuss an “Frauen- und Feminismus“-Themen. Und das, obwohl nur insgesamt 14 Redner­innen dezidiert fe­ministische Themen be­handelten. So wird deutlich: Um Quantität geht es gar nicht. Es nerven die Frauen, die über feministische Themen sprechen.

Inklusion und Pluralismus lassen sich allerdings nicht nur in Zah­len messen: Eine Ver­anstaltung, auf der sich über das Gewicht einer Speakerin lustig gemacht wird, auf der mehrmals die Frage aufkommt, was Shitstorms mit Feminismus zu tun haben und Frauen sich anhören müssen, dass (alle!) ihre Panels einen negativen Eindruck hinterlassen haben, wirkt auf po­tentielle In­teressent­innen, die kritische Beiträge bei der nächsten re:publica an­bieten möchten, viel­leicht nicht wahn­sinnig attraktiv. Eine Blogger_­innen-Konferenz, die für viele unerschwinglich ist und keine (offizielle) Kin­der­be­treuung anbietet, ist auch nicht für alle gleichermaßen zugänglich. Zah­len sind also das eine; an inklusiven Struk­turen muss darüber hi­naus ge­werkelt werden.

Bei aller Kritik ist zu vermerken, dass die Veranstalter_­innen (allen voran wohl Anne Wizorek) sich bemühten, ein paar grandiose Speaker­innen auf die Büh­ne des Frie­d­rich­­stadtpalasts zu bringen – u.a. die US-amerikanische feministische Aktivistin Jaclyn Friedman und die ägyptische Aktivistin Noah Atef.

Nach dem Klick findet ihr eine Reihe an Links zu Blogeinträgen, Videos, Interviews und Live­mit­schnitten von der re:publica 2011. Und obwohl wir so gerne Bullshit Bingo spielen, sehe ich davon ab, auf sexistische oder einfach nur strunz­dumme Blog­einträge zu ver­linken. (weiterlesen …)


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Die ostdeutsche Frau an sich

31. März 2011 von Anna

Reiner Haseloff

Reiner Haseloff
(Bild über Wikimedia Commons)

Reiner Haseloff ist CDU-Fraktionsvorsitzender in Sachsen-Anhalt und hat am letzten Wochenende mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) gesprochen. In dem Interview geht es hauptsächlich um Ostdeutschland. Wir lesen dort unter anderem:

»Herr Haseloff, […] was ist gut im Osten?

Die ostdeutsche Frau. Sie ist unkompliziert. Durch die Diktaturerfahrung setzt sie andere Prioritäten. Zum Beispiel diskutiert sie nicht stundenlang über Biofleischsorten, sondern es geht um Fleisch oder Nichtfleisch. Sie ist nüchterner.«

Warum die FAS Interviewerin hier nicht weiter nachfragt, darüber kann nur spekuliert werden. Vielleicht war sie selber sprachlos?

Jetzt müssen wir also selber versuchen uns zusammenzureimen, was Haseloff uns da mitteilen möchte. Also noch mal langsam: Die Frage ist, was „gut im Osten“ sei. So viele differenzierte und intelligente Antworten sind hier möglich und für was entscheidet sich Haseloff? Für Sexismus galore. Denn „gut im Osten“ ist: „die ostdeutsche Frau“. Die hat eine Diktatur erlebt und redet deswegen nicht über Biofleisch. Zusammenhang, anyone?

Was Haseloff uns eigentlich sagen will, ist folgendes: Frauen sind dann „gut“, wenn sie einfach sind. Nicht so viel diskutieren. Nicht anstrengend sind. Das Denken den anderen überlassen. Entweder den Diktatoren oder, wenn die gerade nicht greifbar sind, den Männern. Und dieses katastrophale Frauenbild alleine reicht nicht aus, nein, nonchalant werden alle Frauen aus den neuen Bundesländern beleidigt indem er behauptet, dass die Ostdeutsche an sich genau diesen Kriterien entsprechen würde. Sauber!

Wir danken den vielen Hinweisgeber_innen!


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Komm, Quote! Sogar von der Leyen findet Deutschlands Unternehmen langsam peinlich

19. Januar 2011 von Meredith

Wenn es um die wirtschaftliche und berufliche Gleichstellung von Frauen geht, ist Deutschland ein vor Trägheit und Selbstmitleid triefendes Häuflein Elend, das seit Jahren nicht von der Stelle kommt. Das hat Barbara zuletzt beschrieben und das hat jetzt wieder eine Studie des DIW gezeigt: Die Aufsichtsräte Vorstände der 100 wichtigsten Unternehmen dieses Landes können einen Frauenanteil von peinlichen 2, 2 Prozent vorweisen. In den 200 größten Konzernen sind es insgesamt gerade mal 3, 2 Prozent.

Daran haben auch alle gut gemeinten Selbstverpflichtungen nichts geändert: Vor zehn Jahren haben Unternehmen einen Pakt mit der Bundesregierung beschlossen, das eklatante Missverhältnis der Geschlechter einzuebnen. Seitdem ist wenig bis nichts geschehen, denn, das darf man nicht vergessen. Deutschland ist nicht nur traurig, es hat auch die Hosen voll vor der großen, bösen und natürlich immer inkompetenten Quotenfrau. Immerhin raffte sich im letzten Wahlkampf die SPD auf, eine Quote für Aufsichtsräte einzufordern, aber wie wir alle wissen, hat am Ende doch die “Lass die Wirtschaft es selbst regeln”-Koalition die Wahl gewonnen.

Jetzt kommt die Nachricht, dass sich bald trotzdem etwas tun könnte. Die Rächerin der so genannten modernen Frau, Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen hat in der neuesten Ausgabe des Manager-Magazins etwas für ihre Partei ganz Unerhörtes getan: Sie hat der Wirtschaft g-e-d-r-o-h-t. Die solle entweder in den nächsten fünf Jahren ihrer eigenen Selbstverpflichtung Folge leisten. Oder es gibt eben doch ein Gesetz. Der Wechsel im Ton könnte auch mit dem Druck, den die EU-Kommission langsam auf das größte MItgliedsland mit den schlechten Gleichberechtigungszahlen macht, zusammen hängen. Vielleicht hat Frau von der Leyen aber auch die Schnauze voll von “Es gibt einfach keine guten Frauen” und “Die Frauen wollen diese Jobs nicht” und anderen Lippenbekenntnissen. Zeit wäre es auf jeden Fall, auch wenn eine Maßnahme, die der so genannten Wirtschaft irgendetwas vorschreibt, mit der FDP wahrscheinlich sowieso nicht zu machen ist.


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Von Putzfrauen und Staatsmännern

17. Januar 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 4 von 19 der Serie Im Osten nichts Neues?

Zwei ungleiche Geschichten aus Polen haben es in den letzten Wochen in die deutschen Medien geschafft. Die eine ist die jüngste Folge des großen militärpolitischen Dramas um den abgestürzten Präsidenten Lech Kaczynski und seinen Zwillingsbruder Jaroslaw, der sich gerade wieder im Wahlkampf befindet. Die andere ist die viel kleinere und kaum bemerkte Geschichte Justynas – „Unter deutschen Betten“. Fangen wir aber mit der ersten an.

Polnische Piloten sind tapfer! Sie schrecken vor keiner Gefahr zurück. Polnische Luftwaffengeneräle kennen keine Angst vor Nebel und Gewitter, Alkohol wirkt auf sie kaum – und, wenn überhaupt, dann macht er sie noch stärker, wagemutiger, glorreicher. Polnische Offiziere zeigen sich Vorgesetzten gegenüber nie unterwürfig, sie bangen nicht um ihre Ämter und Ränge – nein! Stets dienen sie ihrem Vaterland mit großer Ehre und Würde. Echte polnische Staatsmänner sind fest entschlossen, zielstrebig, unversöhnlich. Sie sind doch keine Schwuchtel!

Weil aber diese ruhmvolle Bravur manchmal schiefgehen kann, und weil man(n) bei vielen Wählern so eine schlechte Figur gemacht hat, dass die Umfragen auf nahenden Absturz hindeuten, bevorzuge ich eine bescheidenere Selbstinszenierung – die einer polnischen Putzfrau. Justyna, eine osteuropäische „Gastarbeiterin“ wie hunderttausend andere, verrät Schmutziges aus den „westlichen“ Haushalten. Sie erzählt von Ausbeutung, sexueller Belästigung und Diskriminierung – und von möglichen Gegenstrategien. Wie viel literarischer Wert und wie viel Klischee in ihrem Buch steckt, lässt sich nur nach vollständiger Lektüre einschätzen.

Ohne Zweifel ist aber die Erfahrung von Menschen wie Justyna wichtig und interessant – die Erfahrung der OsteuropäierInnen, die deutsche Toiletten putzen, spanische Tomaten pflücken und oft in Westeuropa bleiben, weil sie hier trotz ewig vorgestriger Vorstellungen mancher Einheimischen keine „Gäste“, sondern einfach zu Hause sind. Natürlich läuft nicht alles glatt. Natürlich gilt es, die Stereotypen der anderen und vor allem die eigenen Vorurteile loszuwerden. Natürlich ist das schwierig, wenn frau nicht in einer Großstadt aufgewachsen ist. Aber solche kleine Menschen tun eben mehr für die Völkerversöhnung, mehr für Europa als hundert eher bornierte osteuropäische Staatsmänner und hundert Prominente des polnischen Heeres.


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Dieses Hygieneprodukt hält besser dicht als Wikileaks

17. Dezember 2010 von Meredith

Kurze Lachpause zum Thema Wikileaks, präsentiert von einem Bindenhersteller aus Pakistan:
Werbeschild in Karachi - Links eine weiße Binde mit Flügeln vor rotem Grund und der Schrift: WikiLeaks - rechts weißer Hintergrund und rote Schrift: Butterfly Doesn't

Das sieht man jetzt angeblich überall in Karachi.
Bei BoingBoing gibt es auch eine Erklärung, die sie von dem Blog Kabobfest haben:

Pakistan’s been a major player in the whole Cablegate fiasco. From the U.S being terrified of nuclear weapons falling into the hands of extremists to false leaks, heavily anti-Indian and conspiratorial, being spread throughout the country vis a vis some of the most respected newspapers in the region.

Thus, it’s only natural and appropriate that Pakistanis would try to have some fun with this.

Update: Übersetzt heißt das etwa: Pakistan gehört zu den Hauptprotagonisten des ganzen Fiaskos um den Außenministeriumsskandal. Das geht von der Furcht der USA davor, dass Waffen in die Hände von Extremisten fallen könnten, über falsche Leaks, die von den seriösesten Zeitungen des Landes verbreitet werden und extrem anti-indisch und verschwörungstheoretisch sind.
Somit ist ist nur natürlich und angemessen, dass die Pakistaner versuchen, mit der ganzen Sache ein bisschen Spaß zu haben.

Bild via BoingBoing.net


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Rassistische Pornos und queere Ermächtigung – die Blogschau

27. November 2010 von Nadine
Dieser Text ist Teil 69 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Philipp Khabo Köpsell, ein afrodeutscher Spoken-Word-Künstler und Autor von “Die Akte James Knopf“, einer ‘poetischen Verhandlung afrodeutscher kultureller Identität’ (Klappentext), betreibt zu seinem Buch ein ausgesprochen tolles Blog. In seinem aktuellen Beitrag nimmt Philipp sogenannte Interracial-Pornos und rassifizierte sexuelle Vorlieben unter die postkoloniale Lupe.

Theoretische Diskussionen über “das Internet” drehen sich momentan häufig um Netzneutralität und das (gewollte) Ende der Privatsphäre. Dass das zuweilen ein sehr privilegierter Diskurs ist, zeigt der Aspekt, den Anne Roth auf ihrem Blog anspricht: Wer stellt eigentlich uns eigentlich den Background Verfügung, mit dem das freigeistliche Sinnieren über Netzutopien überhaupt erst möglich wird?

Egal, ob offenes Geheimnis oder streng gehütete Büchse der Pandora: Menschen entscheiden selbst, vor wem und in welchem Rahmen sie ihre sexuelle Identität öffentlich machen. Warum Zwangsouting immer uncool ist, schreibt Nele Tabler auf.

Work-Life-Balance und Vereinbarkeitsmodelle gehören zu den großen Themen der Geschlechterdemokratie, doch außer Spesen nichts gewesen? ”Kurz und gut: Es gibt keine „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“, konstatiert Antje Schrupp.

Die Nichtregierungsorganisation Intersexuelle Menschen e.V. hat ihren Schattenbericht zum UN-Sozialpakt eingereicht. Auf 39 Seiten stellt der Parallelbericht zur Bundesregierung an die UN fest: Menschenrechtsverletzungen und (institutionelle) Diskriminierung von Intersex-Menschen gehören in Deutschland zur Tagesordnung.

Postmigrant_in? Migrant_in der x-ten Generation? Migazin geht der Frage noch, was eine migrantische Identität ausmacht und nimmt noch einmal Bezug auf die aktuelle “Integrationsdebatte”.

Genderbender, Trans*, Queers, Geeks, Nerds, Frauen, Butches, Femmes, Männer, Lesben, Boytoys, Feminist_innen, Schwule, alle und solche, die auf Bezeichnungen pfeifen: Das Gendercamp geht in die nächste Runde. Im Mai 2011 gibt es die zweite Ausgabe des kollektiven Karaoke-Clashs mit Tischtennis, Bauernhof und Club Mate. Auch die Mädchenmannschaft wird  nach einem erlebnisreichen Trip 2010 im kommenden Jahr wieder dabei sein! Wer jetzt schon mitorganisieren und sich einbringen will, meldet sich einfach in der Mixxt-Community an.

Wir haben hier bereits über die Kampagne “It get’s better” berichtet, die queeren und homosexuellen Jugendlichen Mut machen soll. Reteaching Gender and Sexuality von Put this on map wirft ein anderes Licht auf die Zwänge von Heteronormativität und Queerphobie.

Reteaching Gender and Sexuality from PUT THIS ON THE MAP on Vimeo.

Zum Schluss noch ein Terminhinweis, der sich ausschließlich an Schwarze Menschen, Migrant_innen und People of Colour richtet. Es gibt noch freie Plätze für einen viertägigen Empowerment-Workshop des Antidiskriminierungs- netzwerkes Berlin des TBB im Dezember. Die Anmeldefrist wurde bis zum kommenden Montag verlängert.

Alle weiteren Termine für Dezember folgen in den kommenden Tagen! Stay tuned!


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Von Schmetterlingen und Ponys: Kristina Schröder spricht mit dem Spiegel

8. November 2010 von Anna

Kristina Schröder, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, hat dem Spiegel ein Interview gegeben. Dieser wiederum hat eine Vorankündigung dieses Interviews online gestellt und seitdem die draußen ist, überschlagen sich die Kommentatorinnen und Kommentatoren auf Twitter und in Blogs geradezu.

Inzwischen ist das Interview in gesamter Länge bekannt und die Reaktionen schwanken zwischen „noch schlimmer als erwartet“ und „kein mann dieses landes hätte solch ein perverses interview über sich ergehen lassen müssen.“.

Aber um was geht es nun eigentlich in dem Interview? Es geht um Schröders Verhältnis zum Feminismus, um Jungsförderung, darum, dass sie bei der Hochzeit ihren Namen abgegeben hat, um Helmut Kohl … alles keine überraschenden Fragen und auch bei den Antworten ist keine dabei, die wirklich überrascht. Das hat man alles so oder so ähnlich von der Ministerin schon mal gehört.

Gehen wir also gleich in die Vollen und beginnen mit dem Teil, der durch die Vorankündigung viel Aufmerksamkeit und Widerspruch hervorrief. Schröder sagt ziemlich zu Anfang des Interviews:

SPIEGEL: Wie finden Sie Alice Schwarzer?
Schröder: Ich habe viel von ihr gelesen – „Der kleine Unterschied“, später dann „Der große Unterschied“ und „Die Antwort“. Diese Bücher fand ich alle sehr pointiert und lesenswert. Etliche Thesen gingen mir dann aber doch zu weit: zum Beispiel, dass der heterosexuelle Geschlechtsverkehr kaum möglich sei ohne die Unterwerfung der Frau. Da kann ich nur sagen: Sorry, das ist falsch.
SPIEGEL: Warum?
Schröder: Es ist absurd, wenn etwas, das für die Menschheit und deren Fortbestand grundlegend ist, per se als Unterwerfung definiert wird. Das würde bedeuten, dass die Gesellschaft ohne die Unterwerfung der Frau nicht fortbestehen könnte.
SPIEGEL: Dachten Sie, Feministinnen würden Beziehungen zwischen Männern und Frauen grundsätzlich ablehnen?
Schröder: Es gab in der Tat eine radikale Strömung, die in diese Richtung argumentiert hat und die die Lösung darin sah, lesbisch zu sein. Dass Homosexualität jetzt aber die Lösung der Benachteiligung der Frau sein soll, fand ich nicht wirklich überzeugend.

„Bei ihrer Kritik machte die jüngste Ministerin der schwarz-gelben Bundesregierung auch vor der Ikone der deutschen Frauenbewegung, Alice Schwarzer, nicht Halt.“ schrieb Spon dazu.
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Frauen, die fliegen, vögeln und für die BILD schreiben

12. September 2010 von Meredith
Dieser Text ist Teil 55 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Was so gebloggt wurde:

Judith Rauch findet es gut, dass Alice Schwarzer für die Bildzeitung den Kachelmann-Prozess kommentiert. Ich finds auch gut, wenn Berufsfeministinnen mit Berufssexisten zusammenarbeiten, und im Namen der eigenen Verbreiungs- und Geltungssucht einen großen (Text-)Haufen auf das, was man früher mal politische Integrität nannte, setzen.

Opalkatze nimmt das Tagebuch eines “Rome”, der seine so genannten Erkenntnisse über Frauen über 30 ins Internet kritzelt, zum Anlass, Klartext zu schreiben: Frauen über 50 haben ihrer Erfahrung nach nämlich kein Faible für peinliche Pick Up-Artisten und haben dafür umso mehr Sex und das, was man echte Gefühlen nennt.

Absolut hinreissend: Der Beitrag auf anders-anziehen über Kopftücher. Aus Istanbul schreibt Smilla klug und reflektiert über ihre eigene Haltung zu Religion (skeptisch aber interessiert) und die Schwierigkeiten, die das islamische Kopftuch für Feministinnen präsentiert. Besonders toll sind aber die vielen Bilder von unterschiedlichen Frauen und deren unterschiedlichen Kopftuchstyles in Istanbul. Ein angenehm gut gelaunter Beitrag zu einem Thema, bei dem vielen unserer Kolleginn_en hauptsächlich Negatives einfällt.
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Aus den Blogs

19. Juni 2010 von Barbara
Dieser Text ist Teil 88 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Trotz WM-Fieber wurde geschrieben – aber auch über Fußball. Zum Beispiel im Mädchenblog – da herrscht Vorfreude für ein Frauenfußballturnier, das der Verein Fußball und Begegnung e.V. vom 6.-13. Juli 2010 veranstalte. Um latenten Frauenhass im Fußball geht es bei Moderne Mädchen, und um die Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein.

Bei queernews.at geht es um den Gaydar, also den “sechsten Sinn”, mit dem Homosexuelle andere Schwule oder Lesben in einer Personengruppe erkennen. Dieser Sinn wurde wissenschaftlich nachgewiesen. Na ja, mit einem Zwinkern. Auf jeden Fall ist die kleine Studie darüber vielseitig interpretierbar.

Missy wird jetzt interaktiv und ruft  zum Bomben bauen, Kuchen backen auf. Erste tatsächliche Aufgabe: Lass dir eine Girl Band temporär auf den Körper tätowieren. Dokumentation bitte an Missy schicken.

Im Väterblog geht es um eine Studie, die sich um das traurige Phänomen der “Übermutter-Falle” gekümmert hat. Bei Nieslreden geht es um ein schwules Pärchen, dem im Pratergarten Berlin der Zutritt verwehrt wurde. Sina bloggt über eine Brasilianerin, die einen schwerst behinderten Fötus nicht abtreiben darf.

Termine:

Nächste Woche, am 23. Juni 2010, organisiert der Deutsche Ethikrat ein “Forum Bioethik” in Berlin unter dem Titel “Inters*xualität – Leben zwischen den Geschlechtern”.

In Hamburg bietet DENKtRäume am Samstag, dem 26. Juni einen Workshop zum Thema “Frauen und Macht” vor dem Hintergrund Hannah Arendts an.

Und am selben Tag, 26. Juni 2010, gibt es ein Solikonzert fürs Ruby Tuesday Rock Camp für Mädchen, mit karo, petethepiratesquid und the mokkers in der raumerweiterungshalle, Markgrafendamm 24c, 10245 Berlin-Friedrichshain ab 21 Uhr.

Und ab dem 30. Juni gibt es im Frauenmuseum in Bonn eine Ausstellung zum Gabriele Münter Preis 2010 (läuft bis zum 5. September 2010). Aus der Pressemitteilung: “Kunst von Frauen ist erstklassig!” sagt Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder zur Ausstellungseröffnung des Gabriele Münter Preises. Eh klar!

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter post(at)maedchenmannschaft.net Bescheid.


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