Einträge der Rubrik ‘Kommerz’


“Jetzt zupacken!”?

20. Juli 2011 von Anna-Sarah

Manchmal ist es fast schon lustig (“lustig gemeint” ist das ja sowieso immer alles, nur leider versteh ich als humorlose Feminazi immer keine Satire) – da hat mensch gerade frisch zum Thema Slutwalk und sexuelle Selbsbestimmung gebloggt, kommt nach Hause, schaut in den Briefkasten und findet sowas hier:

Werbezettel von kingdom of sports: Ein Hintern in roten Hotpants, darüber der Spruch *Jetzt zugreifen!*

 

Da wollte das “kingdom of sports” wohl mal ganz vorne mit dabeisein, indem es sich werbetechnisch bei Topanbietern wie Media Markt und -  besonders frappierend -  Astra bedient.  Mein persönlicher Fitnesstipp: Ab ins nächste Kampfsportstudio, falls mal wieder jemand deinen Hintern mit “übertragbarer Mitgliedschaft”, “echt flexiblen Öffnungszeiten” oder “auf Wunsch: Solarium- und Getränkeflat” verwechselt…


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Die Kumpels wissen schon, warum

12. Juli 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 11 von 19 der Serie Im Osten nichts Neues?


Immer häufiger taucht in den rumänischen Medien krass sexistische Werbung auf. Seit Jahren bekannt für die großangelegte Verstärkung der Gender-Stereotypen sind die Fernsehspots für Bergenbier, eine lokale Billigbiermarke. Die rumänischen Werbekampagnen möchten gerne ihre Zielgruppe davon überzeugen, dass die Marke perfekt ins idealisierte Selbstbild des „echten“ Kerls von nebenan passt: „Die Kumpels wissen schon, warum“, lautet der Werbespruch, der inzwischen zur allgemein bekannten Redewendung geworden ist. Die DrehbuchautorInnen versuchen ab und an, durch (selbst)ironische Übertreibung zu retten, was (an Selbstachtung) aus dieser unappetitlichen Mischung von üblen Vorurteilen noch so einigermaßen zu retten ist:

Meistens bleiben die aber immer schön brav und auftragstreu: Plumper Stil,  klare Ansagen, wie der Spot zum diesjährigen „Männertag“ – in Rumänien einem von Bergenbier initiierten und gesponserten Event – zeigt:

Wer an dem starken gesellschaftlichen und kulturellen Einfluss von Unternehmen und an der Verstrickung von Marketing und Genderfragen noch zweifelte, hat jetzt ein Paradebeispiel aus dem osteuropäischen Wildwest-Kapitalismus. Die Marke Bergenbier, die bis 2009 der weltweit größten Brauereigruppe Anheuser-Busch InBev (Becks, Stella Artois, Staropramen) gehörte und seitdem im Besitz eines multinationalen Investmentfonds ist, zählt in Sachen Gender-Mainstreaming vieleicht zu aggressivsten im Lande, steht jedoch keinesfalls alleine da. Die Konkurrenz von SAB Miller, dem weltweit zweitgrößten Brauereikonzern, verschmutzt nicht nur Bukarests Stadtlandschaft mit ihren Riesenplakaten (das machen fast alle Großunternehmen, weil die Stadtverwaltung dabei ein Auge zudrückt). Sie verschmutzt auch die gesellschaftlichen Verhältnisse mit ihren Pseudo-Retrowerbung à la 1950. Und die Reaktion darauf bleibt bisher eher leise.

© Dagmar Gester


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Puh!

24. Juni 2011 von Verena
Dieser Text ist Teil 47 von 54 der Serie In Bildern: Das denkt die Welt

Wer ist schon gut Freund mit der Telekom? Aber nun positioniert sich das Unternehmen nicht nur mit Abzocke und unfähigem Kundendienst, dieses Mal hat sich die T-Mobile-Werbeabteilung etwas ganz Feines ausgedacht. Noch nie da gewesen, total originell und überhaupt nicht sexistisch:

Ja, wie soll man denn auch sonst für so eine tolle Übersetzungs-App werben?


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Es geht nicht ohne pink

17. Juni 2011 von Helga

Aus der Reihe „Pinkifizierung“ heute ein weiteres Schmuckstück. Leser_in Christian wies uns auf die neuesten Audiointerfaces der Firma RME hin. Die Geräte der Reihe „Babyface“ sind besonders klein und neben silber und blau nun auch in pink erhältlich.

Schwarzer Hintergrund mit rosa Audiointerface mit angeschlossenen Kopfhörern

Symbolbild ohne Beauty Bag (Kopfhörer sind nämlich nicht inklusive)

Um es ganz deutlich zu sagen: Ich habe nichts gegen pink oder pinke Produkte. Ich kenne Frauen, die gerne pinke Sachen kaufen. Aber: Ich kenne auch Männer, die pinke Dinge mögen. Daher muss es wirklich nicht sein, dass das neue pinke Audiointerface auch einen neuen Namen bekommen hat: Ladyface. Denn es ist „auf die Kundenbedürfnisse von Künstlerinnen“ zugeschnitten. Die Ausstattung ist übrigens die gleiche wie vorher, man kriegt aber statt der normalen Tragetasche eine Beauty Bag(?) und ein weißes(!) Kabel.

Wir lernen mal wieder: Pink ist nur für Frauen und Schönheit ist für Frauen alles. Ne danke!


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Phänomen Alice Schwarzer und Frauenzeitschriften – die Blogschau

11. Juni 2011 von Nadine
Dieser Text ist Teil 112 von 157 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Antje Schrupp macht sich Gedanken über Homo- und Heterosexualität im Kontext von Liebe, Sex, Ehe und Elternschaft.

Tapfer im Nirgendwo definiert das “Alice-Schwarzer-Phänomen“: “die Fixierung einer extremen aber für die Pluralität einer demokratischen Meinungsgesellschaft notwendigen anderen Meinung auf eine relativ bekannte Person, obwohl sie diese bestimmte Meinung niemals geäußert hat, sie aber zum Erhalt des bestimmten Diskurs als Trägerin der Meinung unbedingt notwendig ist.”

Hollaback Berlin gibt Tips zur Bekämpfung von sexueller Übergriffe.

Die AG Queerstudies haben mehr als 1000 Unterschriften für Barrierefreiheit gesammelt.

Anarchie und Lihbe berichtet über den Vortrag von Heinz-Jürgen Voss, der sich aus naturwissenschaftlicher Perspektive kritisch mit der Herstellung von Zweigeschlechtlichkeit und deren Folgen auseinandersetzt.

Die Fuckmothers haben die Autobiografie von Evelyn McDonnells, einer Vertreterin der Riot Grrrl Bewegung rezensiert.

Das Mädchenblog ärgert sich über neuerliche Auslassungen der SPIEGEL-Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen nach dem Urteil im Kachelmann-Fall.

Die neue Stieg-Larsson-Verfilmung “The Girl with the Dragon Tattoo” ist Gegenstand einer kritischen Analyse der Buttkicking Babes.

Fräulein Tessa ärgert sich im FAZ-Blog “Deus Ex Machina” über Frauenzeitschriften: “Satt von Stuss und Sternchen“.

Helga hat sich den Film “I can’t think straight”, die Liebesgeschichte einer Muslimin und einer christlich-arabischen Palästinenserin, angesehen.

Die Deutsche Welle hat mit der Direktorin der Girls Only Radio Station in Kairo, Amani Eltunsi, gesprochen.

Anne Roth stieß auf folgendes Video, das sich kritisch mit der Objektivierung von Frauen in der Werbung auseinandersetzt:


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Axe mal wieder – seufz

27. Mai 2011 von Verschiedenen

Hach, was würden wir Sexismus-HasserInnen bloß ohne die tollen WerberInnen von Axe machen?! Wir könnten weniger rummotzen, wie Nadine und Verena und wir würden nicht so tolle Mails bekommen wie die von Margarete, die mal aufgeschrieben hat, wieso Werbungen wie diese gar nicht gehen – danke dafür!

Weil Waschen und Sauberkeit Frauensache sind, und weil Männer sexgierige, schmutzige, wilde Jäger sind, sind die neuen Duschgels von Axe genau das Richtige, um willige, heiße Mädels mit sportlichen, frischen Kerlen zusammenzubringen. Oder so. Ist das die Botschaft der neuen „Axe Showergels“? Der Werbespruch „Je sauberer du bist, desto schmutziger wird’s“ mit dem dazugehörigen Werbespot und Plakaten suggeriert das zumindest auf eine ziemlich unkreative Art:

Ein Mann duscht am Strand mit Axe-Duschgel, alle Frauen in seinem Umfeld werden ganz heiß und fangen an, ihre Bikinis auszuziehen. Always available. Der Duscher freut sich. Bestimmt wird es gleich eine ganz wilde Strand-Orgie geben, aber da ist der Spot dann auch leider schon vorbei.

Eine ausgeklügelte Kombination von alten Gender-Stereotypen, Hygienefetisch und einer traurigen Vorstellung von Sex (vorher duschen bitte, sonst wird es nix). Abgesehen davon, dass der Typ im Werbespot den ganzen Strand mit seinem Badeschaum vollmacht. Die Werbeabteilung des Unilever-Konzerns scheint seit ihrer Deo-Kampagne „Reizt die Frauen, nicht die Haut“ nichts dazu gelernt zu haben. Nee, Axe: Sauber geht anders. Und witzig auch.


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Was fehlt: Ein hatr für Werbung

21. April 2011 von Anna
Dieser Text ist Teil 33 von 48 der Serie Meine Meinung

Es vergeht fast keine Woche, in der wir nicht ein bis zwei Hinweise auf sexistische Werbung im Postfach haben. Plakate mit überdimensionierten Brüsten, Fernsehspots mit nackigen Popos oder sinnlich-lasziv dreinblickende Models mit der entsprechenden anzüglichen Unterzeile. Beworben werden in den seltensten Fällen BHs, Schlüpfer oder ein neuer Lippenstift. Sondern Duschgels, Margarine, Blumenkohl oder Handys. Das Produkt ist egal, Hauptsache Körperlichkeit, Hauptsache Objektivierung, Hauptsache nackt. Sexistische Kackscheiße wohin man schaut.

Ich kann’s nicht mehr sehen! Und ich will es auch nicht mehr. Ich hab keine Lust mehr, dass sich ein gefühlter Großteil meiner täglichen feministischen Arbeit mit sexistischer Werbung beschäftigen muss. Das kann doch einfach nicht sein! Ich kann nicht glauben, dass es diese Art von Werbung immer und immer und immer wieder noch gibt. Und noch viel weniger will ich glauben, dass es immer noch Menschen gibt, die einfach nicht begreifen, warum Brüste und Joghurt in keinem direkten Zusammenhang stehen und warum es sexistisch ist, diesen zu erstellen.

Und es sind ja nicht nur die Brüste und die Popos. Hat mal jemand eine Waschmittelwerbung gesehen in letzter Zeit? Eine für Putzmittel? Oder eine für Bier? Es braucht keine nackte Haut, um sexistische Stereotypen in einer Art und Weise zu (re-)produzieren, dass selbst meiner Uroma schlecht werden würde! Zieht den Schauspieler_innen andere Kleider an, gebt ihnen eine Zigarette in die Hand und diese Werbung ist nur noch schwer von einer Folge „Mad Men“ zu unterscheiden.

Was sollen wir tun? Hat jemand eine Idee? Ich rege mich auf über diese Spots. Jedes Mal aufs Neue. Aber ich kann doch nicht jedes Mal was dazu schreiben. Mir geht auch langsam die Phantasie aus. Wie soll man all den Unsinn immer wieder aufs Neue kreativ, bissig und unterhaltsam kommentieren? Ich könnte höchstens ein Video von mir hochladen, wie ich immer wieder den Kopf auf die Tischplatte schlage.

„Warum ignoriert ihr diese Werbung dann nicht einfach?“ fragen jetzt vielleicht einige. Wir ignorieren das nicht, weil es sexistische Kackscheiße ist und diese sichtbar gemacht und benannt werden muss. Wir ignorieren das nicht, weil es anscheinend immer noch nötig ist, darauf hinzuweisen, dass Margarine nichts mit nackten Körpern zu tun hat und dass das Anpreisen des gleichen Produktes mittels einer weichgespülten heteronormativen Familienidylle auch keine wirkliche Alternative darstellt.

Ich wünsche mir ein Hatr für Werbung. Da könnte man den ganzen Müll dann hin schicken und alle würden sehen, was für ein Dreck das ist. Aber ich müsste keine Zeit mehr damit verbringen, es auch noch aufschreiben zu müssen.

Update: Wenn das mit den Wünschen nur immer so einfach ginge! deus ex macchiato hat ein entsprechendes tumblr eingerichtet. Wer mitmachen will schreibt an: stegosaurus.restoration[at]gmail.com
Außerdem hat ryuu ein ähnliches Projekt verlinkt: *istische Kackscheiße!


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Magie für Mädchen, Kämpfe für Jungen

12. April 2011 von Helga

Wir reden oft über den Einfluss der „Medien“, doch wie sieht sowas eigentlich konkret aus? The Achilles Effect hat sich der Spielzeugwerbung einmal angenommen. Mit welchen Schlagwörtern werden „typische“ Jungen- und Mädchenspielzeuge in Fernsehwerbungen bepriesen? Nach der Durchsicht von jeweils rund 30 Spots waren bereits deutliche Unterschiede in der Ansprache sichtbar.

So gehören zu den häufigsten Wörtern die an Jungen gerichtet sind: battle (Kampf), power (Macht, Kraft) und heroes (Helden), sowie jede Menge weiterer kampf-betonter Begriffe.

Schwarzer Hintergrund mit bunten Wörtern, am größten sind: battle, power, heroes, stealth, beat

Bild über www.achilleseffect.com

Bei den Mädchenspielzeugen stehen dagegen love (Liebe), friendship (Freundschaft) und magic (magisch) im Vordergrund. Spaß (fun) und Parties scheint man Jungen nicht zu gönnen, ansonsten drehen sich die Schlagwörter überwältigend oft ums Aussehen und um Babies.

Schwarzer Hintergrund mit bunten Wörtern, am größten sind: love, magic, fun, girl

Bild über www.achilleseffect.com

Außerdem wird im Vergleich deutlich, dass „männlich“ weiter als Standard gesehen wird, „weiblich“ als das Abweichende: Bei Mädchenspielzeugen wird darauf hingewiesen, dass sie für girls (Mädchen) sind, bei den Jungenspielzeugen findet sich dagegen kein Hinweis auf Geschlechterzugehörigkeit.


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Let’s talk about McSex

18. März 2011 von Katrin
Dieser Text ist Teil 21 von 21 der Serie Freitagsgedanken

Der Konsum von “Fast Sex” im Internet schlägt auf die Psyche, gerade so wie Fast Food sich auf den Körper auswirkt. Was wir brauchen, ist eine neue sexuelle Befreiung.

(c) Frl. Zucker

Internet-Sex ist ungesund! – Diese These klingt in der sogenannten modernen Welt absurd und abwegig. Ein Mensch, der Pornos im Internet schaut, gilt als normal. Dabei ist es unerheblich, welches Ausmaß der Konsum annimmt. Oder welche Praktiken in den Filmen dargestellt werden. Pornografie ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Pornografie-Kritik gilt als gestrig. Diese Sichtweise basiert auf zwei grundsätzlichen Annahmen:

  • Der Mensch ist ein Triebwesen, er “braucht” das einfach. Und es ist eine große Befreiung, das endlich in allen Facetten ausleben zu können.
  • Das sogenannte “Appetitmachen” in der Cyberwelt steht in keiner Beziehung zum “Zuhauseessen”. Pornokonsum und gelebte sexuelle Beziehung haben keine Verbindung miteinander, sie sind sauber getrennt.

Oder?

Für die britische Feministin Natasha Walter ist diese Bagatellisierung und Normalisierung des Konsums von Internetpornografie eine Gefahr – ein Angriff auf die Würde der Frauen und ein Angriff auf tatsächliche Intimität in sexuellen Beziehungen. Laut ihrer Einschätzung “ist es nicht von der Hand zu weisen, dass der übermäßige Konsum von Pornographie tatsächlich viele erotische Beziehungen bedroht”. Überdramatisierung? Hysterie? Zwei Vokabeln, die schnell zur Hand sind, wenn jemand die Harmlosigkeit von Internet-Sex infrage stellt. Und dann auch noch eine Feministin!

Die therapeutische Praxis

Erotische Beziehungen sind das Spezialgebiet von Hannie van Rijsingen. Die Sexualtherapeutin behandelt seit dem Erscheinen ihres Buches Seks, alles of niets (erschienen auf Niederländisch) viele Paare, in denen Männer ein zweites Sexualleben im Internet begonnen haben. Die Männer kommen freiwillig in ihre Praxis, oder werden von ihren Frauen “geschickt” – van Rijsingen gilt als Expertin auf diesem sehr delikaten Gebiet. Dabei wollte sie ursprünglich etwas ganz anderes wissen: Ihr Verlag hatte sie gebeten, ein Buch über Männer zu schreiben, die keine Lust mehr auf ihre Partnerin haben.

Sie fand schnell heraus, dass ein Großteil dieser Männer nur auf diese spezielle Partnerin keine Lust mehr hatten – im Geheimen aber ein Sexleben führten: mit dem Computer. Van Rijsingen fiel es wie Schuppen von den Augen: “Das hatte ich früher nicht gesehen!”, sagt sie heute. “Das kommt häufig vor.” Dabei ist van Rijsingen weit entfernt davon, die Männer an den Pranger zu stellen. Ihr geht es um Veränderung und um Hilfe. Unter ihrer Leitung trifft sich eine Gruppe Männer, um in einem geschützten Raum ihre Erfahrungen auszutauschen. Alle sind internetsexsüchtig.

Van Rijsingen hat aus ihren Gesprächen zwei wesentliche Erkenntnisse mitgenommen:

  • Jeder der Männer, die übermäßig häufig Pornografie im Internet konsumieren (also in der Regel täglich mehrere Stunden), tat dies als Flucht. Sie alle flohen vor Schwierigkeiten und Stress am Arbeitsplatz oder in der Beziehung.
  • Jeder dieser Männer trug die Bilder, die sich in seinem Kopf festsetzten, in die Sexualbeziehung mit der Partnerin hinein. Rief sie ab, wenn er “leisten” sollte – brauchte sie, um leisten zu können. “Der Kontakt mit der Partnerin geht verloren”, stellt die Therapeutin fest, “denn man hat nun Kontakt mit den Bildern. Zwei Personen sind damit beschäftigt, einen Orgasmus zu erreichen, aber der Kontakt zwischen ihnen fehlt.” Der Sex wird zum Stress-Ventil. Um ein erfülltes körperliches erleben mit der Partnerin geht es kaum noch. Die Männer versuchen ein emotionales Loch zu füllen.

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Stolz und Vorurteil

4. März 2011 von Susanne
Dieser Text ist Teil 11 von 11 der Serie Die Farbe Lila

Für Anfang Mai hat sich ein Kind angekündigt, also brauchen der Mann und ich Babysachen. In einen Laden mussten wir dafür noch nicht, denn erstaunlicherweise kommen die Sachen zu uns: Freundinnen und Freunde, Schwestern und Kollegen schicken, schenken und leihen uns, was das Kind benötigt, um sich fröhlich und ausgiebig vollspucken zu können.

Nur ein einziges Mal geben wir etwas Geld aus: für einen Kinderwagen. Eine Bekannte des Mannes überlässt ihn uns für ein lächerliches Drittel des Neupreises – deswegen kommen wir nicht einmal ansatzweise auf die 1400 Euro, die Eltern heutzutage im Schnitt für die Erstausstattung ihres Kindes ausgeben. Ich bin dankbar dafür, denn meine Vorstellung vom Kinderhaben hat wenig mit Selbstverwirklichung durch Babyausstattungskonsum zu tun.

Brauner Hintergrund mit 2 Bäumen und 3 Pilzen. Ein Wolf liegt blutend auf dem Boden. Im Vordergrund steht ein Mädchen mit lila Käppchen und einem blutigen Messer in der Hand. Es sagt: I don't need to be saved. I can do that myself.

(c) Frl. Zucker

Als wir den Kinderwagen abholen, sitzen wir Tee trinkend in der Küche der Bekannten und sie gibt zu, wie schwer sie sich von ihm trennen kann, er sei für sie mehr als nur ein Kinderwagen. Die Bekannte ist alleinerziehend, „mein Mann und ich haben uns noch in der Schwangerschaft getrennt“, sagt sie. „Ich zog in eine neue Stadt und fing einen neuen Job an. Für den ich ständig reisen musste, was ich dann meistens mit meiner Mini-Tochter, Koffer und Kinderwagen unterm Arm tat. Der Wagen ist so leicht, praktisch, einfach auseinanderzunehmen und so fröhlich-orange – in dieser Zeit war ich sowieso immer den Tränen nahe, da war ich froh, wenigstens nicht wegen irgendwelcher Treppen heulen zu müssen.“ Sie lacht über sich selbst und sagt dann: „Mit dem Kinderwagen war alles leichter, ich hatte manchmal das Gefühl, der Bugaboo ist mein Lebensretter.“

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