Einträge der Rubrik ‘Körper’


„Statt behinderte Kinder ‚abzuschaffen‘, würde ich gern unsere behindertenfeindliche Gesellschaft abschaffen.“

5. Dezember 2016 von Magda
Dieser Text ist Teil 121 von 122 der Serie Die Feministische Bibliothek

Buchvover von "Alles inklusive" von Mareice KaiserEin Kind wird geboren und benötigt mehr Aufmerksamkeit als die meisten Kinder, eine intensive Betreuung und spezielle Hilfsmittel zum Leben, ja, Überleben. Und damit nicht genug: Die Ärzt_innen, die Therapeut_innen und auch engste Familienmitglieder runzeln die Stirn, ignorieren permanent persönliche Grenzen und sagen: „Ich könnte das ja nicht.“ Die Rede ist von Greta, einem mehrfachbehindertem kleinen Mädchen, dass seine Eltern ab Geburt an auf Trab halten wird. Die vielen Tränen, die andauernden Streits mit der Krankenkasse oder die Geldknappheit gehen allerdings nicht auf das Konto von Greta, sondern sind einer Gesellschaft zuzuschreiben, die „Inklusion“ höchstens auf schöne Broschüren schreibt, aber nicht allumfassend verankern mag.

Die Journalistin Mareice Kaiser erzählt in ihrem vor wenigen Wochen erschienenen Buch „Alles Inklusive“ (Fischer, 2016) ohne Beschönigung aus dem Familienalltag mit ihrem Partner Thorben und ihrer ersten Tochter, Greta, später auch mit der Zweitgeborenen, Momo. Es ist ein Alltag, der aus Krankenhausaufenthalten, piepsenden Sauerstoffgeräten und Darmproblemen besteht. Mareice Kaiser lässt uns teilhaben an den Ängsten, Erschöpfungen und psychischen Krisen ihrer Familie und stellt doch immer wieder klar: Das Problem ist nicht Greta. Ab und zu blitzt der Wunsch nach einem „normalen“ Leben durch. Schwer verdaulich sind diese Sätze, weil sie verdeutlichen: Viele Menschen ohne (Mehrfach-)Behinderungen definieren „normal“ immer noch als Abwesenheit von Krankheiten und Behinderungen. Es gibt wenige gesellschaftliche Strukturen, die Eltern unterstützt, die mit Kindern leben, die (mehrfach-)behindet sind. Im Gegenteil: Krankenkassen lehnen regelmäßig lebensnotwendige Hilfsmittel ab. Und teilweise fremde Menschen teilen ohne Skrupel ihre behindertenverachtenden Überzeugungen. Andere wiederum nehmen aus einem liberalen Verständnis von Gleichheit heraus die besonderen Bedürfnisse von Greta nicht wahr und verharmlosen ihre Situation. Ein Schnupfen stecken andere Kinder vielleicht gut weg, kann aber für Greta lebensgefährlich sein.

Das Leben mit Greta, und später auch mit ihrer nicht-behinderten Schwester Momo, lässt Mareice und Thorben wachsen. Mareice thematisiert zunehmend die behindertenfeindlichen Verhältnisse, den Sexismus, der hinter der Annahme steckt, dass sie sich voll und ganz für ihre Tochter aufgeben müsse (während im Alltag Thorben die meisten Pflegetätigkeiten übernimmt) und reflektiert ihre eigenen Annahmen, wie ein Familienleben zu sein hat. Letztendlich bringt sie es auf den Punkt: „Statt behinderte Kinder ‚abzuschaffen‘, würde ich gern unsere behindertenfeindliche Gesellschaft abschaffen.“


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Was Hillary Clintons Gesundheitszustand mit deinen Krankentagen zu tun hat

13. September 2016 von Charlott

Sonntag. Es ist warm in New York. Hillary Clinton befindet sich auf einer Gedenkveranstaltung zum 11. September. Sie verlässt diese frühzeitig. Wenige Zeit später ist überall ein Video zu sehen, wie Clinton kurz vorm Einsteigen in ein Auto zusammen sackt und gestützt wird. Eien Frage, die unverholen in den Raum geworfen wird: Kann Clinton überhaupt Präsidentin werden, wenn sie doch so offensichtlich (gesundheitliche) Schwäche zeigt?

Hillary Clintons Gesundheitszustand ist nicht erst seit Samstag Thema, bereits seit längerem brodelt die Gerüchteküche ihrer politischen Gegner_innen und Diagnose nach Diagnose wird in den Topf geworfen. Die Episode am Wochenende aber ließ diese Debatten erneut aufflammen – nicht nur auf rechten Nischen-Blogs oder einer neuen Trump-Rede, sondern unter einem weit verbreiteten Hashtag und in den landesweiten Tagesmedien. Auch deutschsprachige Medien halten nicht zurück, berichten von einem „Malheur“ und finden die Spekulationen verständlich, da es in New York warm aber doch nicht „tropisch heiß“ gewesen wäre.

Eine Frage, die nicht gestellt wird: Warum ist der Gesundheitszustand überhaupt so ein Politikum? Die Antwort auf diese Frage nämlich betrifft bei weitem nicht nur eine Hillary Clinton oder andere Politiker_innen, die sich auf Machtpositionen bewerben, sondern rüttelt an grundsätzlichen Vorstellungen. Eine Antwort auf diese Frage könnte auch den Blick dafür öffnen, dass während viele Menschen voller Verve darüber diskutieren, wie krank der Körper von Politiker_innen sein darf, bei anderen Menschen an der Seitenlinie sich die Bauchschmerzen verstärken (oder auch Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, das Schwindelgefühl).

Präsident_innen sollen ein Land führen und gleichzeitig repräsentieren – nach innen und nach außen. Eigenschaften, die dafür als positiv besetzt gelten: durchsetzungsstark, viril, kraftvoll, leistungsfähig, jederzeit einsatzbereit. Das alles ist schon besonders schwer zu verkörpern für Frauen, ein gesunder Körper aber (und was genau gesund ist, wäre einen weiteren Artikel wert) ist in jedem Fall dafür Voraussetzung. Gesund sein wird gleichgesetzt mit Leistungsfähigkeit; Leistungsfähigkeit (zu dem noch oft gleichgesetzt mit Leistungswillen) ist eine Grundqualifikation. Und das gilt eben bei weitem nicht nur für Präsidentschaftskandidat_innen, sondern zum Beispiel auch für Arbeitnehmer_innen, die nicht zu viele Krankentage nehmen wollen oder Menschen mit Kinderwunsch und körperlichen Einschränkungen, denen nahe gelegt wird keine Kinder zu bekommen, da sie als „zu schwach“, „zu anfällig“ wahrgenommen werden. Ohne gesunden Körper lässt sich so ein Wettlauf in unserer Leistungsgesellschaft kaum (langfristig) gewinnen.

Diese Prämissen sind so fest etabliert, dass eben die Frage danach, ob der Gesundheitsstatus einer Präsidentschaftskandidatin genutzt werden sollte, um über ihre Fähigkeit das Amt auszuüben zu diskutieren, gar nicht erst gestellt wird und weiterreichende Fragen, wie jene danach, was überhaupt wünschenswerte Eigenschaften sind und wodran Leistung fest gemacht wird, noch viel weniger. (Und auch Clintons Kampagne wirft diese Fragen nicht wirklich auf, sondern Clinton zeigt sich stattdessen schnellstmöglichst wieder fröhlich in der Öffentlichkeit und macht deutlich, dass es ihr blendend geht.)

Die Debatte macht wieder einmal deutlich, gesunde Körper sind die anzustrebende Norm (was um so absurder scheint, um so länger eine_r darüber nachdenkt, könnte doch jede Person jederzeit erkranken, egal was healthy lifestyle Gurus uns versuchen weiszumachen). Gesunde Körper sind nicht nur gesund, sondern gelten als fähig und gut. Die neoliberale Leistungsgesellschaft hingegen muss sich mal wieder keine unbequemen Fragen stellen lassen.


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Fat Underground – Aktivismus gegen Dickenhass in den 1970ern

26. August 2016 von Magda
Dieser Text ist Teil 41 von 41 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Als Aktivist_in ist es hin und wieder hilfreich, sich mit Geschichte zu befassen: Wir sind nicht die ersten, die auf gesellschaftliche Missstände hinweisen und andere vor uns haben analysiert, diskutiert und gekämpft.

Eine der Aktivist_innen im Bereich dicker Diskriminierung und Empowerment, die unermüdlich auf aktivistische Geschichte aufmerksam macht, ist die britische Therapeutin und Aktivistin Dr. Charlotte Cooper. Mit ihrer Serie „100 Fat Activists“ stellt sie Akteur_innen, Gruppen, mediale Erzeugnisse etc. vor, um dickenaktivistische Geschichte einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Kürzlich veröffentlichte sie einen Beitrag über die Gruppe Fat Underground, eine Gruppe von dicken_fetten feministischen Aktivist_innen, die sich Anfang der 1970er Jahren in Kalifornien, USA, gründete. Nun hat Charlotte Cooper ein Video entdeckt und auf YouTube hochgeladen, was hoffentlich nicht so schnell verschwindet.

In dem Video sehen und hören wir die Aktivistinnen von Fat Underground, die u.a. Themen besprechen, die auch heute noch dringlich und aktuell, teilweise verschärft sind: Angesprochen werden Diskriminierung und Ignoranz von Ärzt_innen und engsten Verwandten sowie die US-amerikanische Diätindustrie, die damals nach Aussage einer Aktivistin ein Umsatzvolumen von 16-21 Milliarden Euro pro Jahr hatte (heute bereits über 65 Milliarden).

Spannend am Video sind die Erzählungen der von den Aktivistinnen durchlaufenden Prozesse: Alle berichten von diskriminierenden und demütigenden Erlebnissen (hier auch der Hinweis, dass im Video über den katastrophalen Umgang mit Betroffenen sexualisierter Gewalt berichtet wird). Daraufhin begannen die Aktivistinnen, sich über Körpergewicht, Gesundheit, möglichen Krankheiten und Diäten zu informieren und fanden Studien und Texte, die das ärztliche (Un-)Wissen zu Dicksein in Frage stellte: Die eigene Gesundheit und das Wohlbefinden sind nicht zwangsläufig vom Gewicht abhängig und Diäten sind weder eine Lösung, noch der Gesundheit besonders zuträglich. So begannen die Frauen Unterstützungsgruppen zu bilden, um sich Wissen anzueignen und sich gegenseitig zu bestärken. Außerdem planten sie Aktionen, zum Beispiel anlässlich des Todes von Cass Elliott, die nach Sicht der Aktivistinnen eines der bekanntesten Opfer der Diätindustrie gewesen sein soll.

Die Aktivistinnen präsentieren Analysen zu den Verschränkungen von Dickendiskriminierung, Kapitalismus und Sexismus. Ein gutes Stück aktivistische Geschichte!

Screenshot Fat Underground

Screenshot des englischsprachigen Films „Fat Underground“ (1979) über die gleichnamige fettpositive und feministische Gruppe. Ein Film von Marge Dean, gefilmt in Los Angeles inklusive einiger Szenen von Shirl Buss von 1975. Mit einem Klick auf’s Bild gelangst du zum YouTube-Video: Dean, M. and Buss, S. (1979). Fat Underground

 


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Mein epischer Körper

6. Mai 2016 von Magda
Dieser Text ist Teil 40 von 41 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Happy, happy Internationaler Anti-Diät Tag! Bereits die ganze Woche sind anlässlich diesen Tages beim Missy Magazin Texte zum Thema Diäten, Dicksein und Fat Empowerment erschienen, auf Twitter entstand der Hashtag #YesAllWampen. Auch ich steuerte einen Text bei: Mein epischer Körper, der hier noch einmal erscheint: 

Meine erste Diät machte ich noch vor meiner Einschulung, das muss 1992 gewesen sein. Bereits in diesem Alter hatte ich so oft gehört, dass ich „zu dick“ sei, dass ich mir fest vornahm, bis zum Schulanfang einige Kilos zu verlieren. Insbesondere meine Mutter – auch dick – musste sich ständig vor Ärzt*innen und Schulpersonal rechtfertigen, die das hohe Gewicht ihrer Kinder „besorgniserregend“ fanden. So besuchte ich mein erstes Diätcamp. Bevor ich lesen oder schreiben konnte, zählte ich also Kalorien.

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Meine Wampe! #YesAllWampen #AllSharksAreBeautiful #InternationalNoDietDay

Ich diätete mich von der Grundschule in die Oberschule und führte penibel Gewichtstabellen. Im Hort bekam ich spezielles Diätessen und saß am Tisch der ebenfalls diäthaltenden Erzieherinnen. Das klingt jetzt furchtbar und traurig (und ist es auch), aber ich war kein unglückliches Kind und beschäftigte mich auch mit anderen, schöneren Dingen. Die ständigen Gedanken um mein Gewicht stressten mich zwar und suggerierten, dass das mein ultimativer „Makel“ sei. Es war allerdings ein Stress, den ich kaum hinterfragte. Er gehört(e) einfach zum Alltag.

Mein erstes Diätcamp sollte nicht mein letztes bleiben. Ich erinnere mich an eins, in dem wir jede Woche gewogen wurden. Wie eine Versagerin fühlte ich mich, weil ich in der ersten Woche „nur“ ein Pfund abnahm. Der einzige Lichtblick war meine dicke Tante E., die meinen kleinen Bruder und mich einmal vom Camp abholte und mit uns Erdbeerkuchen mit einem dicken Klecks Sahne aß. Noch heute denke ich mit Herzchen in den Augen an diese Tante, wenn ich genüsslich in ein saftiges Stück Erdbeerkuchen beiße.

Etwa zur gleichen Zeit, 1997, trafen sich wichtige AnzugträgerInnen in Genf zu einer Konferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Das ist jene Organisation, die queeres Begehren bis 1992 als „Krankheit“ klassifizierte und bis heute Trans* und nicht-binäre Menschen pathologisiert. Nicht gerade sympathisch also.

Eine ExpertInnengruppe der WHO diskutierte angeregt darüber, wie die „weltweite Epidemie“ namens „Adipositas“ (auch „Fettleibigkeit“ genannt) eingedämmt werden könne. Wenn AnzugträgerInnen (meinen) Köper als „Epidemie“ oder „krankhaft“ beschreiben, horche ich natürlich kritisch auf. Epidemie klingt zwar wie episch, meint aber leider etwas anderes, nämlich „ansteckende Massenerkrankung“.

Um das „Ausmaß“ der frisch entdeckten Epidemie zu veranschaulichen, schufen die WHO und ihre Verbündeten der Pharmaindustrie bei dieser Konferenz eine einheitliche und weltweit verbindliche Definition für Körpergewichtskategorien und bemühten dafür den bereits existierenden Body Mass Index, besser bekannt als BMI. Bereits existierende Werte wurden einfach runtergesetzt und zu neuen Werten vereinheitlicht: Ab 1997 galt mensch mit einem Wert von 25 als „übergewichtig“ und ab einem Wert von 30 „krankhaft übergewichtig“ bzw. „adipös“. (Ich tippe dies übrigens mit meinen adipösen Fingern, die zu meinem adipösen Körper gehören.)
Innerhalb weniger Jahre übernahmen „weltweit praktisch alle staatlichen Gesundheitsministerien, -institute, -behörden und unabhängige Gesundheitsorganisationen die neuen Grenzwerte“. In den USA, in denen bis 1998 viel höhere BMI-Werte als Maßstab dienten, wachten eines morgens also 35 Millionen Menschen als so genannte „Übergewichtige“ auf, und das ohne auch nur ein einziges Pfund zugelegt zu haben. Das Runtersetzen der Werte folgte einem wirtschaftlichen Kalkül: Es braucht eben eine wachsende Zielgruppe für (sinnlose) Diätnahrung und (mitunter gefährliche) Diätpillen.

Dass die Angst vor der so genannten „Übergewichts-Epidemie“ und mein teilweise von Ärzt*innen verordnetes Diätverhalten nicht zufällig zeitlich zusammenfielen, verstand ich erst viele Jahre später. Über die politische Dimension von Körpergewicht nachzudenken, hat mir in den letzten Jahren sehr geholfen, nicht mehr meinen Körper, sondern lieber gesellschaftliche Verhältnisse zu dissen. Am Internationalen Anti-Diät-Tag feiere ich die Schritte, die ich in meinem Leben schon gegangen bin und respektiere die Unsicherheiten, die vielleicht für immer bleiben werden. Ich feiere meinen epischen epidemischen Körper.
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Mehr Zum Thema Dicksein & Fat Empowerment gibt es in unserer Serie Mein Fett ist Politisch. Außerdem versende ich regelmäßig den FAT STUFF Newsletter, einfach Mail an: magda(at)maedchenmannschaft.net.

Die Angaben zum Body-Mass-Index für diesen Text stammen aus dem Buch „Dick, doof und arm. Die Lüge vom Übergewicht und wer davon profitiert“ von Friedrich Schorb, erschienen 2009 bei Droemer Knaur.


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California Dreamin‘. Eine Graphic Novel über Cass Elliot: „Ich werde die berühmteste Dicke der Welt“

18. April 2016 von Magda
Dieser Text ist Teil 117 von 122 der Serie Die Feministische Bibliothek

Wer kennt es nicht oder hat es sogar schon selbst am Lagerfeuer gesungen?

„All the leaves are brown / And the sky is gray /
I’ve been for a walk / On a winter’s day…“

California Dreamin' - CoverDer Klassiker von The Mamas & the Papas pflanzt sich freiwillig oder unfreiwillig ins Ohr und ruft melancholische Assoziationen von Hippies, Blümchen & Weltfrieden hervor. Die KünstlerInnen hinter dem Song sind weniger bekannt, am ehesten noch die grandiose Sängerin Cass Elliot („Mama Cass“), die bereits mit 32 Jahren verstarb. Ihrem Leben und ihrem musikalischen Erbe ist ein im März auf Deutsch erschienener Graphic Novel gewidmet: „California Dreamin‘. Cass Elliot und The Mamas & the Papas“ (Carlsen) von der französischen Comic-Zeichnerin Pénélope Bagieu.

Cass Elliot wurde 1941 als Ellen Cohen in Baltiore (Maryland, USA) in eine aus Russland emigrierte jüdische Familie geboren. Gesang, Schauspiel und Unterhaltung werden früh zu ihren Leidenschaften. Schnell wird im Buch das Spannungsfeld Selbstbild und gesellschaftliche Anrufungen thematisiert: Die junge Ellen liebt den großen Auftritt und weiß ganz genau „Ich werde ein Star“. Das Selbstbewusstsein eines jungen Mädchen mit musikalischen Ambitionen trifft dann auf Sexismus und Dickenfeindlichkeit, was Cass zwar den geraden Weg ins Showbiz verunmöglicht, ihre Entschlossenheit aber kaum trübt.

„Ich werde die berühmteste Dicke der Welt“

Mit 19 bricht sie die Schule ab und geht nach New York City. Die nächsten Jahre sind von kleineren Schauspiel- und Musik-Jobs bestimmt und von Managern, die von Cass verlangen, dass sie abnehmen soll. Drogen, Alkohol, Dauer-Diäten bei gleichzeitigem Hass auf Diäten, eine unerwiderte Liebe, chronischer Geldmangel, aber viele schöne, maßgeschneiderte Kleider (♥) sind die Begleiterinnen ihrer anfänglichen Karriere. Obwohl Cass so viel Abwertung entgegenschlägt, scheint sie nie an ihren gesanglichen Qualitäten zu zweifeln (glücklicherweise). Die selbstherrlichen Hippie-Macker, die zwar gerne Cass‘ Ideen klauen, aber ihr keine Credits geben wollen, haben mich beim Lesen einige Nerven gekostet.

Es entschädigen die lebendigen, oftmals schnörkelig-skizzenhaften Bilder und die coole Darstellung von Cass. Beschrieben wird ihre Person und ihr Leben aus den jeweiligen Perspektiven der Menschen, die mit ihr aufgewachsen, befreundet oder sie verehrt haben und oft frage ich mich: Was hätte Cass dazu gesagt?

In den Monaten vor ihrem Tod hatte sie durch Hungern 80 Pfund abgenommen. Ihr früher Tod durch Herzinfarkt kurz nach einem Konzert in England wird auf die vielen Crash-Diäten zurückgeführt. Dass sofort Gerüchte die Runde machten, dass sie an einem Schinken-Sandwich erstickt sein soll, zeigt, wie respektlos auch nach ihrem Tode über sie gesprochen wurde. Dagegen formierte sich aber auch Widerstand: Fat Aktivist_innen organisierten kurze Zeit später in Los Angeles eine Gedenkveranstaltung. Auch dieses Buch ist ein Lichtblick und ein tolles Werk für diejenigen, die sich für das Leben und das musikalische Vermächtnis von Cass Elliott und für Musikgeschichte im Allgemeinen interessieren.

Zwei Wochen vor ihrem Tod gab Cass Elliot ein wunderbares Interview:


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Samstagabendbeat mit Lizzo

12. Dezember 2015 von accalmie

Die großartige Rapperin und Sängerin Lizzo aus Minneapolis feiert mit ihrem neuen Lied „My Skin“ Körper aller Größen, Formen und Pigmentierungen: „I woke up in this – in my skin.“ Mehr von Lizzo, ihrem vor zwei Jahren erschienenen Debütalbum, „Lizzobangers“, sowie ihrem neuen Album, „Big Grrrl Small World“, findet ihr auf ihrer Homepage.


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Lesbisch_queere Bücherwelten: Dickenfeindlichlichkeit und Einsamkeit oder: Odyssee durch Berlin im Krimiformat

27. November 2015 von Julia
Dieser Text ist Teil 113 von 122 der Serie Die Feministische Bibliothek

Rezension zu Regina Nössler: Endlich daheim

Berlin-Kreuzberg. Die dreizehnjährige Kim steht vor ihrem Hauseingang und muss feststellen: Ihr Schlüssel passt nicht mehr und das Klingelschild mit ihrem Namen ist verschwunden. Überhaupt stimmt keines der Klingelschilder mehr. „Endlich daheim“ von Regina Nössler erzählt Kims Odyssee durch Berlin, in der die akute Notsituation der Dreizehnjährigen ihre alltägliche Verlorenheit und Einsamkeit zu Tage fördert. Aber auch ungeahnte Verbündete betreten die Bühne.

Zum mystischen Verschwinden der Namensschilder gesellen sich weitere Hinweise darauf, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht: Kims verschwundene Mutter, ein Unfall im Innenhof des Hauses, ein rätselhafter Mann auf einem Dachboden. Der Erzählaufbau lädt zum Miträtseln ein, und bis zum Schluss bleibt völlig offen, wie all das zusammenhängt und ob überhaupt, ob kriminelle oder übersinnliche Kräfte am Werk sind – oder ob sich alles als völlig harmlos erweisen wird.

Nössler gelingt es auch dieses Mal wieder, einen originellen und spannungsreichen Krimi/Thriller zu schreiben, der mehr ist und mehr will als das. Während die Autorin in ihren beiden zuvor erschienenen Romanen (Auf engstem Raum; Wanderurlaub, Kurzrezension dazu) das Thema Arbeitsverhältnisse ‚mitlieferte‘, ist es diesmal: Dickenfeindlichkeit und generell ‚Andersein‘ und Diskriminierung – und daraus resultierende jugendliche Einsamkeit. Im Mittelpunkt steht Kim: Sie liebt Zahlen, ist stolz darauf, keine Heulsuse zu sein, sie denkt viel nach, und sie ist einsam. Von ihren MitschülerInnen wird sie gemobbt, weil sie bestimmten Schönheitsnormen nicht entspricht: Sie ist dick. Während sie durch verschiedene Viertel Berlins irrt, ängstlich, rastlos und allein, lernen die Leser_innen Kim kennen und die Beziehung zu ihrer Mutter, zu ihrer lesbischen Tante, zu ihrem Freund Peter, den es gar nicht gibt, und zu ihrer Freundin Merle, die eigentlich keine Freundin ist.

Eine wichtige Vertraute Kims ist Felicitas, ihre Tante: Lesbe und prekäre Künstlerin, frisch getrennt, in einer akuten Lebenskrise. Und dann wäre da noch Alex, der coole Typ aus der Schule, ein paar Jahre älter, der Schwarm ihrer Nicht-Freundin Merle. Ihm läuft Kim zufällig über den Weg, nachts im Park, wo sich Alex allein die Nächte um die Ohren schlägt. Alex ist schwul, unverstanden von seinem schulischen Umfeld. In ihm findet sie überraschend einen Verbündeten.

Im Laufe der Erzählung macht Kim die Erfahrung sexualisierter Gewalt. Die Angst vor weiteren Übergriffen begleitet sie durch die Berliner Nacht und macht sie Unbekannten gegenüber misstrauisch. Die Alltäglichkeit sexualisierter Gewalt und was das bedeutet für das Sich-im-Stadtraum-Bewegen, wird eindrücklich deutlich. Auf einen ermächtigenden Dreh warten die Leser_innen jedoch vergeblich. Was bleibt, ist Angst. Das mag dem Spannungsaufbau förderlich sein, politisch bleibt die ansonsten in vielerlei Hinsicht überzeugende Geschichte an dieser Stelle fragwürdig.


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Trans*feindlichkeit im Stadtbad Neukölln

10. November 2015 von Gastautor_in

SchwarzRund bloggt, poetisiert und workshoppt aus Schwarzer, cis, queerer, latin@, fat und neurodiverser Perspektive. A. bat sie darum das gemeinsam Erlebte niederzuschreiben.

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»Wellness ist ein Akt des Wiederstandes«, dieses Zitat von Audre Lorde wird oft und gerne zitiert. Wie sehr dies aber wortwörtlich den Alltag Schwarzer Trans*personen in Deutschland beschreibt, wurde uns am 3.11.15 im Stadtbad Neukölln erneut deutlich gemacht.

Das Stadtbad Neukölln (bekannt aus der Fernsehserie „Sense 8“, in der unter anderen die Transfrau Jamie Clayton eine der Hauptrollen spielt) hat neben seiner einzigartigen imposanten Bauweise einen weiteren Alleinstellungsfaktor in Berlin: Das Wasser ist immer angenehme 30°C warm, somit kriegt mensch ein recht bezahlbares Wellnesserlebnis.

Wir betraten also den binären Umkleidebereich (einen anderen gibt es nicht), sofort zischte uns eine Person entgegen, dass »hier der Frauenbereich ist«, wir bedankten uns für die Information und betraten den Kabinenbereich. A. verschwand in die erstbeste Kabine, in der Hoffnung, sich dieses mal ohne weitere verbale Angriffe umziehen zu können. Als ich in meine Umkleide wollte, stürmte eine weiße Person auf uns zu. Lauthals und agressiv erklärte sie, dass es so nicht gehe, dass, hier der Frauenbereich sei. A. erklärte erneut und ruhig, dass A. eine Trans*person ist und somit sich hier umzieht, aufgrund der Selbstidentifikation Frau. A. ging erneut in die Einzelkabine, die agressive Frau trat mit mir in den Dialog. Sie würde jetzt die Badleitung rufen, dass es letzte Woche schon erklärt worden sei, dass sie Angst um ihre Kinder hätten, wenn Männer hier seien, dass nackte (Cis-)Frauen sich von A.’s Anwesenheit belästigt fühlten… Es wurde immer gewaltvoller, jedweder Hinweis auf ihre Grenzüberschreitungen, Stigmatisierungen, Trans*feindlichkeiten und Beleidigungen wurden beantwortet mit Misgendering und der rassistischen Annahme, dass wir ja aggressiv seien, weil wir nicht diskussionslos solche Verletzungen hinnahmen.

Die Badleitung kam hinein, in Begleitung zweier Männer, die unhinterfragt den Umkleidebereich betreten durften. Frau K. forderte uns mehrfach auf, ihr die Hand zu geben und uns vorzustellen, wir blieben bei einem „Hallo“, zu ängstlich in diesem gewaltvollen Raum unsere Namen zu sagen. Wir wiesen darauf hin, dass wir gerne schwimmen gehen würden und keinen Bedarf hätten, mit der Badleitung zu reden. A. erklärte erneut das eigene Trans- und Frausein und die daraus resultierende Berechtigung für diesen Bereich. A. erklärte auf Nachfrage, was denn los sei, dass es eneut zu verbalen Übergriffen im Umkleidebereich kam. Wir wurden aufgefordert, den Umkleidebereich zu verlassen um über die Situation zu sprechen, leicht bekleidet in Badesachen wurden wir also vom Schwimmbadpersonal abgeführt. Nur widerstrebend wurde zugestimmt, dass A. erstmal die eigenen Sachen im Frauenumkleidespint lassen durfte.

Die darauf folgenden dreißig Minuten im Gespräch mit der Badleitung wurden immer schmerzhafter. Wir wurden immer wieder unterbrochen im Gespräch, unsere Körper gegendert und A. gemisgendert – »Wie ich Sie jetzt sehe sind Sie ein Mann«. Jedwede Aufklärungsversuche über das Gleichbehandlungsgesetz wurden weggewischt mit dem Hinweis auf die Badeverordnung (die wohl nach Frau K’s Einschätzung über deutsche Gesetze erhoben ist). Die Lösung die uns vorgeschlagen wurde war ein Fernhalten von Trans*körpern aus den Umkleiden, eine eingeschränkte Nutzung des Schwimmbades (»Sie wollen eh nur in die kleine Halle, oder?«) und beeinhaltete den stark geäußerten Wunsch, dass A. ja einfach mit der Trans*gruppe schwimmen gehen könnte, die sich einmal monatlich trifft. So sehr ein solches Angebot zu begrüßen ist, einmal im Monat für zwei Stunden in ein kaltes Schwimmbad in einem ganz anderen Stadtteil gehen zu dürfen (für einen erhöhten Preis von 5€), ist nicht zu vergleichen mit jener Nutzungsmöglichkeiten der öffentlichen Bäderanstalten für Cispersonen.

Wie sieht es aus, wenn Trans*personen Sportschwimmen wollen? Hier reicht ein einmaliges Schwimmen im Monat kaum aus. Oder es körperliche Gründe gibt, bei denen Schwimmen eine gute Form der Selbsttherapie sind? Gerade in einem Land, in dem Trans*personen einen so stark eingeschränkten Zugang zur Gesundheitsversorgung haben, sollten eben solche Orte des Wellnesses, des Sports und der Öffentlichkeit nicht versperrt bleiben.

Als wir erfragten, ob wir, wenn wir uns auf ihren Vorschlag einließen, der beinhaltete, dass wir zum Wechsel zwischen den Schwimmhallen durch den gegenderten Bereich müssen, im Gegenzug wenigstens mit der Unterstützung gegen Übergriffe durch die Badleitung rechnen könnten, wurde versucht nicht zu antworten. Am Ende sollten wir abgespeist werden mit einem »Ich denke darüber nach, aber es ist sehr schwierig«.

So sehr es der Badeleitung auch missfällt, das Argument, »dies könne nicht hier geklärt werden, sondern muss woanders politisch geregelt werden« reicht nicht aus. Auch die Antwort, dass sie sich nun seit letzter Woche ja auch informiert habe, reicht nicht aus. Sie in ihrer Funktion als Badeleitung in einem öffentlichem Schwimmbad müssen ihrer Aufgabe nachkommen allen Nutzer*innen dies zugänglich zu machen, derzeit finanziert Berlin mit 50 Mio Steuergeldern die Berliner Bäderlandschaft. Dass einer Gruppe ebenjene nicht zugänglich gemacht werden, ist nicht tragbar. Berlin wirbt mit seinem bunten, queerfreundlichen Image, die Realität sieht aber anders aus. Nur Initiativen ist es zu verdanken, dass von 62 Berliner Schwimmbädern wenigstens eines einmal im Monat für zwei Stunden die Nutzung für Trans*Personen ermöglicht.

Beim Verlassen des Schwimmbades versuchte Frau K. unsere Namen zu erfragen, wollte ihren nur nach siebenfacher Aufforderung mitteilen. Es wurde versucht, unsere Tickets einzubehalten. Die Kitabetreuerin weigerte sich, ihren Namen oder den Namen der Kita mitzuteilen, sie wies nur darauf hin, daxs »solche Leute« immer so aggressiv seien.

Wir fordern von allen zuständigen Stellen in Berlin, dass Wellness und Sporttreiben allen zugänglich gemacht wird. Nicht Täter*innen trans*feindlicher Übergriffe benötigen ihre Unterstützung, sondern die Opfer von Cissexismus.


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„Für mich bist du nicht behindert“

2. November 2015 von Hannah C.

Da gibt es einen Menschen, dessen Fußspitzen in meinem Leben sind. Der meint es gut, wenn er sagt: “Für mich bist du nicht behindert. Ich behandle dich wie alle anderen.”. Der denkt, das sei Inklusion und schließlich sei genau das ja das, was alle™ immer™ wollen.

Ich frage mich, was „anders behandelt werden“ ist und, ob es das ist, was er tut, wenn er meine Behinderungen aus seinem Blick auf mich unterschlägt und mich anspricht, wie alle Menschen, die er kennt. Und ich nicht. Weil wir nicht im gleichen Umfeld leben.
Was meint “anders behandeln” für ihn?
Er sagt, es ginge um Samthandschuhe, extra viel Rücksicht und spezielle Sprachen. Er sagt, es ginge darum über Dinge nachzudenken, die mich im Besonderen fokussieren.

Er wird nicht konkreter und lässt mich damit in der Luft hängen.
Ich weiß nicht, in welchen Aspekten unseres Miteinanders ich ihn nun um Rücksicht bitten kann bis er meint, der Punkt von “extra viel Rücksicht” sei erreicht. Seine Sprache ist für mich schon immer eine spezielle Sprache.
Ich behandle ihn immer anders, weil er nicht auf die gleiche Art begrenzt ist wie ich.

Mein Standard ihm gegenüber in Ansprache und Miteinander ist für mich von Anfang an ganz klar ein spezieller gewesen, nicht ausschließlich, aber doch schon, weil er ein Mensch ist, der anders ist als ich. Wie alle anderen Menschen auch.
Am Ende ist es eine Frage des Bewusstseins um diese Unterschiedlichkeit, die alles verändert und vor der er sich sträubt, weil er Unterschiede anzunehmen für einen falschen Akt hält und das Gegenteil einer subjektiv wahrgenommenen Massenbewegung von ihm generell als richtiger eingestuft wird.

Das heißt, dass ich vor ihm und seinen über Sprache für mich unklar ausgesprochenen Grenzen in der Luft hängen bleibe ist okay, weil mir über konkretere Sprache und darüber extra freigesetzte Rücksicht geholfen werden würde, was ich, laut seinen Annahmen über die Dinge, die “die Behinderten” so fordern, ja gar nicht wollen kann, weil ich ja selbst und eigenständig klarkommen will.
Was wiederum in seinem Leben bedeuten würde, sich ganz selbstverständlich einzufordern, eine konkrete Ansage zu bekommen – in seinem Urteil über meine Forderungen hingegen etwas anderes ist. Weil ich ja die Behinderte bin und „Behinderte ja immer irgendwas fordern, was man aber nicht zu hundert Prozent geben darf, weil eigentlich…“.

Der Mensch meint es gut, weil er mich gut findet. Vielleicht auch, weil meine Performance und mein Körper eigentlich gar nicht behindert wirkt [whatever that means?!]. Weil ich ja trotzdem ganz viel schaffe. Wobei er die Dinge, trotz derer ich Dinge schaffe, noch nie mit- und/oder selbst erlebt hat.

Und während ich mich in ihn und seinen Blick auf mich hineinversetze und mit Samthandschuhen, extra viel Rücksicht, ob seiner Defizite in der Perspektive auf mich und Behinderte allgemein, eine spezielle Sprache benutze, um mit ihm einen halbwegs respektvollen Umgang zu leben, labelt er seine bewusste und gezielte Ignoranz als Akt der Inklusion.

Und da fragt er sich in einem späteren Moment, warum es ein Ding für mich ist, als Behinderte in Kontakt zu treten mit denen, die sich als Nichtbehindert sehen …

long story short:
Inklusion ist nicht, wenn es egal ist, ob man mit einer Behinderung lebt [insert  also: gender, ‘race’, class, age, religious beliefs, bodyform, habitus, status and all I’ve missed here], sondern, wenn die Unterschiedlichkeiten eines jeden Menschen keinen Unterschied in Bezug auf die volle Gewährung und Erfüllung von Menschenrechten macht.

Wer nicht weiß was Menschenrechte sind: bitte hier klicken.


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Die guten Dicken™

12. Oktober 2015 von Magda
Dieser Text ist Teil 39 von 41 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Die Diskriminierung von dicken_fetten Menschen ist allgegenwärtig – und doch betrifft sie uns unterschiedlich: Je nachdem, welche anderen Formen von Diskriminierung mit der Abwertung von Dicksein zusammenspielen und je nachdem, welche Strategien wir bewusst oder unbewusst entwickelt haben, um etwas leichter (ha!) durch den Alltag zu kommen, kann sich das Erleben von Dickenfeindlichkeit stark unterscheiden. Manche Strategien orientieren sich an gesellschaftlichen Normen und bewirken, dass der_die Dicke dadurch etwas „Aufwertung“ erfährt. Die Dicken halt, die es ein bisschen richtiger, ein bisschen besser machen – die „Guten Dicken“ eben! („Gut“?! Selbstverständlich nur aus der Perspektive der Norm!).

Es ist (meist) nicht schlimm, zu den „Guten Dicken“ zu gehören. Jeder Mensch erfüllt auf die eine oder andere Art bestimmte gesellschaftliche Normen, weil wir komplexe menschliche Wesen sind, duh! Aber es ist ein Problem, dass dieses Konstrukt der „Guten Dicken“ ständig gegen uns verwendet werden kann, denn die damit verbundenen Normen schaden allen, die sie nicht erfüllen können oder wollen. Und sie lauern überall.

Hinweis: Folgende Passagen können dicke Portionen von Sarkasmus und Ironie enthalten.

"Ich bin dick, aber… ich werde kein_e "Gute_r Dicke_r" sein, nur damit dickenfeindliche Nervensägen mich vielleicht nicht hassen" von Rachele Cateyes

„Ich bin dick_fett, aber… ich werde kein_e „Gute_r Dicke_r“ sein, nur damit dickenfeindliche Nervensägen mich vielleicht nicht hassen“ von Rachele Cateyes

Die Gute Dicke isst nicht viel. Jedenfalls nicht mehr als diejenigen, mit denen sie Mittag oder Abendbrot isst. Es ist auch nicht schlecht, eine Mahlzeit einfach wegzulassen. Was bei schlanken Menschen besorgniserregend wäre, macht eine Dicke eben zu einer Guten Dicken – denn Gewichtsverlust ist ja das einzige, wofür sie lebt! Ständig darüber zu sprechen, dass sie abnehmen will, macht die Gute Dicke eben ein bisschen erleuchteter als all die anderen willenlosen und faulen Säcke.

(mehr …)


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