Einträge der Rubrik ‘Klartext’


Oh, ohne Botox!

18. August 2010 von Verena

Weibliche Celebrities sind ja vor allem deshalb berühmt, weil sie so schön sind – im Fersehen, auf der Kinoleinwand, dem roten Teppich und all den Oh!-Wow!-Bildern in den bunten Blättern.

Dass diese Schönheit nicht immer mit rechten, sprich natürlichen, Dingen zugeht, versteht sich von selbst. Botox ist in Hollywood wahrscheinlich mindestens genauso beliebt, wie eine Maß Bier auf dem Münchner Oktoberfest. Um so erstaunlicher, wenn Schauspielerinnen und Co. nicht nur den Gebrauch des Nervengiftes zugeben, sondern ihm in aller Öffentlichkeit abschwören, wie es jüngst Desperate Housewife-Darstellerin Teri Hatcher getan hat.

Foto via Huffington Post

Sowohl die Huffington Post, als auch Spiegel Online griffen die “Nude”-Bilder auf, die Hatcher über facebook veröffentlicht hatte. Wir sehen: Eine 45-Jährige nach dem Duschen, vor dem Schlafengehen und ohne offensichtliches Make-Up – eine attraktive Frau. Sie wolle mit ein paar Wahrheiten über Schönheit aufräumen, um es Frauen einfacher zu machen, zu ihrem Alter zu stehen, wird Hatcher zitiert.

Foto via more.com

Mit einer ähnlichen Aktion hatte Jamie Lee Curtis vor einigen Jahren für Aufsehen gesorgt. Die für einen makellos durchtrainierten Körper bekannte Schauspielerin ließ sich mit 2002 in Unterwäsche und ohne Fotoshop-Nachbearbeitung fotografieren. Es sei eine heimtückische Angelegenheit, die Welt glauben zu lassen, sie sei die Glamour-Jamie mit dem perfekten Körper, blah, blah, blah. Stattdessen zeigte die damals 44-Jährige, wie Frauen nun mal unretuschiert aussehen. Ganz normal halt.

Dabei sind Botox und andere “Schönmacher”, genauso wie Schönheitsoperationen längst keine rein weibliche Angelegenheit mehr. Wäre doch interessant, wie das Medienecho ausfällt, würde sich Mickey Rourke von kosmetischer Instandsetzung distanzieren.


Drucken Drucken |


Nichts rechtfertigt eine Vergewaltigung. Niemals.

17. Juli 2010 von Helga

Das Vereinigte Königreich macht mobil gegen sexuelle Belästigungen und Vergewaltigungen. Erst startete in Wales die Kampagne One Step Too Far, vor kurzem hat Schottland nachgezogen. Die Kampagne Not Ever stellt klar, dass niemand jemals darum bittet, vergewaltigt zu werden, berichtete Broadsheet. Eine Studie der schottischen Regionalregierung hatte im Februar diesen Jahres alarmierende Einstellungen zum Thema Vergewaltigung gefunden. So befanden 17 Prozent der Befragten, eine Frau trage zumindest teilweise die Verantwortung für eine Vergewaltigung, wenn sie offenherzige Kleidung trage und immerhin 8 Prozent befanden, „viele” bekannte Sexualpartner einer Frau rechtfertigten eine Vergewaltigung.

Der folgende TV-Spot illustriert, wie absurd der Gedanke eigentlich ist, jemand würde darum bitten, vergewaltigt zu werden. Wir sehen eine hübsche Frau im kurzen Rock in einer Bar. Einer der Anwesenden kommentiert zu seinem Freund: “Check out that skirt — she’s asking for it!” (Guck dir mal den Rock an, die will es doch!) Nun sehen wir die Frau im Klamottenladen früher am Tag. Eine Verkäuferin fragt, ob sie Hilfe brauche. Ihre Antwort: “Yeah, thanks, I’m going out tonight and I want to get raped. I need a skirt that will encourage a guy to have sex with me against my will.” (Ja, danke. Ich gehe heute abend aus und will vergewaltigt werden.Ich brauche einen Rock der einen Mann dazu anhält, mit mir gegen meinen Willen Sex zu haben.) Sie begutachten einen blauen und einen rosa Rock und die Verkäuferin nickt zustimmend “The blue one. Definitely the blue one.” (Der Blaue. Definitiv der Blaue.)

Updates zu Not Ever gibt es auch bei Twitter und Facebook.


Drucken Drucken |


Jetzt hat der Feminismus auch noch Kachelmann auf dem Gewissen

30. Juni 2010 von Verena

Über Schuld oder Unschuld zu spekulieren, ohne das endgültige Urteil abzuwarten, das tun die Medien seit Wochen über den TV-Metereologen Jörg Kachelmann. Auch die ZEIT kaut den Vorwurf der Vergewaltigung ordentlich durch und spült ihn mit ein paar Schlucken Feminismus-Kritik runter.

Dabei steht für ZEIT-Autorin Sabine Rückert fest, dass Kachelmann auch bei einem Freispruch nicht länger den lustigen Wetteransager mimen könne, denn

Wer könnte dabei vergessen, dass der Mann vor der Wetterkarte mit dem Vorwurf einer Vergewaltigung kontaminiert ist? Oder dass er durch Gefühlskälte und Gewissenlosigkeit eine Frau in die äußerste Verzweiflung getrieben hat?

Interessant, dass die Journalistin die Motive der Anklägerin so genau zu beurteilen vermag. Auch wenn sie sich auf Aussageprotokolle und psychologische Gutachten bezieht, ihr Bericht zeichnet in erster Linie das Bild einer Frau, die auf den “Luftikus” Kachelmann emotional reingefallen ist.

Dort wartete auch die blonde Simone aus Schwetzingen. Elf Jahre auf Stand-by, sich an Versprechungen klammernd, auf bessere Zeiten hoffend. Sie war 26 Jahre alt, als sie Kachelmann nach einem Interview ihre Visitenkarte gab, knapp 37 Jahre, als sie ihn anzeigte. Andere Frauen heiraten in dieser Lebensspanne, bekommen Kinder, bauen Häuser, gehen ins Ausland, machen Karriere. Bei Simone tat sich nicht viel. Sie saß in Schwetzingen und blieb ihm treu. Reduzierte sogar ihre Arbeitszeit bei dem Privatradio deutlich, um noch einfacher abrufbar zu sein.

Und sie ist nicht die Einzige, nein ganze Wagenladungen an sich-in-seinem-Glanz-sonnender Damen habe er geblendet. Was natürlich nicht seine Schuld ist, sondern die der Frauen:

Wartete Aschenputtel früher auf den Märchenprinzen, so verzehrt es sich heute nach dem Mann vor der Kamera. So manche Kachelmann-Freundin, die sich jetzt als sein Opfer fühlt, wird mindestens ebenso Opfer ihrer eigenen Sucht geworden sein, von seinem Glanz zu profitieren. Wer schönen Schein wollte, hat ihn von Kachelmann bekommen. Viel mehr gab es nicht.

Plötzlich kommt die “Liebesrache” zur Sprache, die Verfolgung Kachelmanns durch “enttäuschte Frauen” und schwupps wird noch die Bibel herbeigeholt, mit der Geschichte von der “Vergeltungssucht der zurückgewiesenen Frau” aus dem 1. Buch Mose. Aber den Knaller bringt Rückert mit dem letzten Absatz ihres Artikels, in dem es doch eigentlich um die Frage ging, inwiefern es Kachelmann – den Nachweis seiner Unschuld vorausgesetzt – gelingen kann, seinen Ruf wiederherzustellen.

Die Akte Kachelmann ist deshalb auch ein Dokument weiblicher Selbsterniedrigung, in ihr stellen sich junge, attraktive Frauen unserer Zeit selbst dar wie die Mätressen eines Fürsten. Sie zeigt, dass 50 Jahre Feminismus zwar bewirkt haben, dass Männer sich heute bei Delikten gegen die weibliche Selbstbestimmung als wütende Strafverfolger betätigen, dass aber die Idee vom aufrechten Gang ganze Teile der Frauenwelt nicht erreicht hat.

Ja, also echt, sollen sich mal nicht so anstellen die Frauen…


Drucken Drucken |


Judith Butler und die schwul-lesbische Dekonstruktion

22. Juni 2010 von Nadine

Judith Butler lehnt den Zivilcourage-Preis des CSD ab – was für die Medien ein Eklat, ist für die Veranstalter_innen des Berliner CSD und dem Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) nicht mal eine Stellungnahme wert. Bis zu diesem Zeitpunkt findet sich auf beiden Homepages keine offizielle Entgegnung zu den Vorwürfen, die Butler an die deutsche schwullesbische Bewegung heranträgt. Das ist ärmlich. Lediglich CSD-Sprecherin Claudia Rische beklagt, dass sich Butler nicht vorher mit den Veranstalter_innen unterhalten hätte, Robert Kastl, Geschäftsführer CSD-Veranstalter-Komitees, will von Rassismus innerhalb der Community nichts wissen und Jan Feddersen, von 2005 bis 2009 Mitorganisator des CSD in Berlin, hängt sich lieber daran auf, dass Butler den Business-Class-Flug genoss, statt den Preis im Vorfeld abzulehnen und damit natürlich auch auf ihre Rede am Samstag hätte pfeifen können. Ich sehe hier keine konstruktive Auseinandersetzung mit Butlers Kritik, kein Aufgreifen ihrer Gedanken, nicht mal eine plumpe Rechtfertigung. Schlimmer noch: Subalterne Stimmen von LesMigras, GLADT, Suspect, ReachOut und dem Transgenialen CSD werden in der medialen Auseinandersetzung erneut unsichtbar gemacht, sogar negiert.

Doch noch einmal kurz zurück auf Anfang. Was hat die Butler denn nun eigentlich kritisiert? Neben der fast schon obligatorischen Kritik am CSD Berlin – eine zu kommerzielle, mainstreame und unpolitische Ausrichtung – hält Butler den Veranstalter_innen vor, rassistisch zu sein bzw. sich nicht von Rassismen innerhalb der schwul-lesbischen Community zu distanzieren, insbesondere anti-muslimische Ressentiments würden gepflegt, das Thema Mehrfach- oder auch intersektionelle Diskriminierung nicht berücksichtigt.

(weiterlesen…)


Drucken Drucken |


Wie „macho” ist die EU?

31. Mai 2010 von Helga

Dass in der Europäischen Kommission nicht nur Männer vertreten sind, war ein Kraftakt – schließlich ist doch ein Drittel mit Frauen besetzt worden. Wie Julien Frisch berichtet, gibt es nun eine Interviewserie mit den Kommissarinnen. Die Journalistin und Bloggerin Prune Antoine fragt nach, warum es so wenige hochrangige Politikerinnen gibt, wie „macho” die EU und ihre Institutionen sind und was sich ändern sollte.

So erklärt etwa die griechische Kommissarin für maritime Angelegenheiten und Fischerei Maria Damanaki:

… it is considered a challenge to be a working mother, and rightly so. I know that at first hand as I have three children. Why then, is it not generally considered to be an equal challenge to be a working father? Is anybody going to ask a male politician about his father experience?

Zu deutsch: Es wird zu Recht als Herausforderung gesehen, eine arbeitende Mutter zu sein. Ich weiß das aus erster Hand, da ich drei Kinder habe. Warum wird es dann allgemein nicht als gleiche Herausforderung gesehen, ein arbeitender Vater zu sein? Fragt irgendjemand einen männlichen Politiker nach seiner Erfahrung als Vater?

Die Interviews sind bisher leider nur in Englisch oder Französisch erschienen. Links zu oder Übersetzungen gerne an post(at)maedchenmanschaft.net schicken.

Vielen Dank an Kirsten für den Hinweis.

Julien Frisch hat sich netterweise die Mühe gemacht und das erste Interview mit Viviane Reding übersetzt:
“Wenn wir Barrosos Mädchen sind, dann ist er genauso unser Junge”

Den Sprung in den Frühling…verpasst. Berlin, 4. Mai 2010: Die Mützen haben noch Ausgang und Röcke fallen noch immer über Leggins; am Alex sind es bloß 10 Grad im Schatten. Um die Atmosphäre aufzuwärmen habe ich euch eine Reihe exklusiver Interviews mit den lustigen Damen von der zweiten Barroso-Kommission zusammengemixt. Acht Frauen wurden für die 27 Posten ernannt, ein eher „symbolisches” Drittel des Entscheidungsorgans der EU. Denn wenn tatsächlich die Gleichheit von Mann und Frau hochtrabend als „gemeinsamer Wert der EU” ausgerufen wird, dann sind die Statistiken doch wenig schmeichelhaft: Geringere Beschäftigungsquote, unterrepräsentiert in Politik und Wirtschaft, Ungleichheit bei der Aufteilung der Heimarbeit, höhere Armut… Das Leben des schwachen Geschlechts auf dem Kontinent ist manchmal wenig rosig. Aber was denken die Damen Kommissarinnen? Ihre Sicht auf den Alltag des sehr männlichen europäischen Universums, ihre Kämpfe und ihre Überzeugungen in fünf Fragen. (weiterlesen…)


Drucken Drucken |


Pop, Friteusen und Schlager: Unsere kleine Wochenschau

23. Mai 2010 von Meredith
Dieser Text ist Teil 60 von 73 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Letzte Woche in den deutschsprachigen Blogs:

Barbara von Popkontext sinniert darüber, warum der so gennante Popdiskurs in Publikationen und auf Podien vor allem aus männlichen Mündern quillt. Ich bin zwar nicht sicher, ob es “kaum einen gesellschaftlichen Bereich, in denen die Diskursmacht noch so sehr in männlicher Hand ist wie beim Reden über Musik”, gibt – aber für alle, die sich in dieser Welt bewegen, ist der Text sicher aufschlussreich.

tattooflavouredgirl hat das Ergebnis einer Erhebung veröffentlicht, deren Frage war: Für wen würden Lesben im Grand Prix stimmen? So viel sei schonmal verraten: Unter den Top Drei befindet sich auch ein kleiner Satellit.

Jörg Rupp, der das Männermanifest der Grünen mitgeschrieben hat, schimpft über die Geschlechtervorstellungen von Kochbuchverfasser_innen.

Luise F. Pusch schlägt vor, das Wort Mädchen zu neutralisieren, in dem man überall Diminuitive dran hängt. Damit erledigt sich dann auch das Problem der Pluralisierung, wenn man nicht mehr die Anwälte sondern die Anwältchen schreiben kann.

leonie erklärt auf dem Mädchenblog, warum Kristina Schröder mit ihrem Plan, die Pflege noch stärker im Privaten zu verankern, Frauen schadet.

Das Wiener Frauenzentrum hat am 29. Mai eine Vernissage mit der neoexpressionistischen Künstlerin Doris Stuber. Alle Informationan dazu hier

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter post(at)maedchenmannschaft.net Bescheid.


Drucken Drucken |


Islam Konferenz 2010: Gleichberechtigung und deutsches Unrechtsempfinden

19. Mai 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 8 von 9 der Serie Frauen & Religion

Zur Zeit tagt das neue Plenum der 2006 ins Leben gerufenen Islam Konferenz. Das umstrittene “Prestigeprojekt der CDU” soll als Annäherungsversuch zwischen dem deutschen Staat und Muslim_innen fungieren und dient laut Initiator Wolfgang Schäuble (CDU) dazu, “dass Muslime [und Musliminnen] verstehen, dass sie in unserem (sic!) Land willkommen sind”.

Im Mittelpunkt der Islam Konferenz 2010 stehen insbesondere drei Themenkomplexe: Zum einen existiert der Wunsch nach einer “institutionalisierten Kooperation zwischen Staat und Muslimen”. Diskutiert wird auch die “Prävention von Extremismus, Radikalisierung und gesellschaftlicher Polarisierung”. Ebenfalls auf der Agenda befindet sich Geschlechtergerechtigkeit, anscheinend neue Herzensangelegenheit des Innenministers Thomas de Maizière (CDU).

Unter den Teilnehmenden sind die iranische Theologin Hamideh Mohagheghi und die in Deutschland geborene und in Bosnien-Herzegowina aufgewachsene Armina Omerika, Islamwissenschaftlerin an der Universität Bochum, welche im Vorfeld in der taz u.a. über das Kopftuch, die Auslegung des Korans, Gleichberechtigung und die teils problematischen Ansätze in der Islamdebatte in Deutschland diskutierten.

(weiterlesen…)


Drucken Drucken |


Sex gleich Fastfood?

11. Mai 2010 von Verena
Dieser Text ist Teil 44 von 44 der Serie Die Feministische Bibliothek

Wer von zunehmender Sexualisierung und Pornofizierung der Gesellschaft spricht, muss sich oft den Vorwurf gefallen lassen, prüde zu sein.

Die Niederländerin Myrthe Hilkens hat es trotzdem gemacht. In „McSex. Die Pornofizierung unserer Gesellschaft“, klagt sie den zunehmenden Sexismus in Werbung und Popkultur sowie seinen gesellschaftlichen Nachwirkungen an. Und dabei geht es der Autorin keineswegs um den moralischen Zeigefinger, sondern um einen genaueren und verantwortungsvolleren Blick hinter das Motto „Ich vögel also bin ich“, das heute zu einseitig zur Identifikationsfindung genutzt werde.

Aufgeschlossen aber nicht mit sperrangelweit geöffneten Türen nähert sich die Autorin ihrer These der pornofizierten Gesellschaft, zu der es schon im Vorwort der wunderbaren Mithu Sanyal heißt, Problem sei nicht, dass Sexualität gezeigt werde, sondern wie.

Selber als Musikjournalistin mit dem täglichen Gepimpe und Gehoe im HipHop-Videos konfrontiert, ist Myrthe Hilkens einerseits müde ob des Mangels an Kreativität und Erneuerungsdrang in der Populärkultur, andererseits attestiert sie Jugendlichen den immensen Druck, all dem entsprechen zu wollen. Die Jugendlichen nicht dumm zu halten, aber auch nicht mit einem – dem individuellen Entwicklungstempo unangemessenem – Angebot zu überfüttern, das ist Hilkens’ Ansatz.

Hilkens wechselt zwischen gesellschaftlicher Historie und ihrer eigenen Familiengeschichte, persönlichen Eindrücken und Anekdoten sowie jüngere Studien und Veröffentlichungen zum Thema. Dazwischen finden sich Gesprächsprotokolle oder Emails von überwiegend Jugendlichen, die ihre sexuellen oder pornographischen Erfahrungen schildern. Dadurch wirkt „McSex“ locker und umgänglich geschrieben, entbehrt aber nicht das theoretische Fundament, auf das emotional geführte Diskussionen nun mal besser aufbauen.

Angreifbar macht sich Hilkens trotzdem. Denn zum einen bewegt sich sich doch recht stark in dem ihr bekannten Umfeld der Musik- und Videoclipkultur und spannt den Bogen kaum über Jugendkulturphänomene wie Pornoflatrateparties oder den Internetpornokonsum hinaus. Zum anderen vermitteln vor allem die ausgewählten Emails und Berichte der Jugendlichen eine start auf Betroffenheit ausgelegte Auswahl – ein Versuch, auch mal einen Blick auf die andere Seite der Medaille zu werfen und positive Aussagen aufzugreifen, wäre wünschenswert gewesen. Immerhin widmet sich die Autorin in einem Kapitel auch den Möglichkeiten „guter“ Pornos, der PorYes-Bewegung und unterstreicht darin noch mal in Anliegen, keinesfalls die Spielverderberin sein zu wollen. Aber der Rest scheint einfach von dieser aufgestauten Wut der Autorin geprägt, die sich nun endlich mal all das von der Seele geschrieben hat, was sie seit Jahren ankotzt. Das muss kein Fehler sein, trübt aber bisweilen die klare Sicht.

Denn solange Hilkens es mit „McSex“ nicht darauf angelegt hat, ein Grundlagenwerk zum Thema „Pornofizierung und Gesellschaft“ zu schreiben, ist ihr Buch trotzdem eine Bereicherung. Und auch wenn man manche Ansichten oder Forderungen Hilkens’ anders sehen sehen kann, ist sie so gut wie nie besserwisserisch oder rechthaberisch, aber kämpferisch für ihre Sache eintretend. Und das steckt zweifellos an.

ANZEIGE:
Das Buch über diesen Link zu bestellen, unterstützt die Mädchenmannschaft.

libri McSex. Die Pornofizierung unserer Gesellschaft jetzt bestellen

““


Drucken Drucken |


Achtung, Achtung: Frauen mögen Sex!

10. Mai 2010 von Magda

Dafür brauche ich eigentlich keine Studie, aber bitte sehr: Viele Frauen haben oft und gerne unverbindlichen Sex.

Jocelyn Wentland, Masterstudentin am Institut Family Relations and Human Development an der Guelph University in Ontario in Kanada stört es schon seit Längerem, dass Studien zum Thema Sex und Frauen häufig sexuelle “Fehlfunktionen” erforschen, nicht mehr aktuell sind und/oder das Thema Sex sehr geschlechtsstereotyp behandeln.

Wentland beobachtet außerdem, dass sexuelle Verhaltensweisen, die nicht den traditonellen Erwartungen an das männliche und weibliche Geschlecht entsprechen, (immer noch) als Anomalie dargestellt werden. Eine Frau, die sich nicht wie das ‘nette Mädchen’ verhält und die nur Sex hat, wenn sie in einer festen Beziehung ist, bekommt den Vorwurf, sie verhalte sich ‘wie ein Mann’. Bei Männern gilt wohl umgekehrt: Eine 25jährige männliche Jungfrau ist vielleicht nicht gerade der Obermacker der Truppe.

Laut Wendland sei die langweilige dichtome Vorstellung eines sexhungrigen und nimmersatten Mannes und einer zu erobernden, treuergebenen Frau nicht nur in den Köpfen der Menschen sondern auch immer noch in der Wissenschaft präsent. Um den Frauen eine Stimme zu geben, die nicht dem Bild der sexuell passiven Frau entsprechen, konzipierte Wentlands eine Online-Umfrage, die sie bewusst auf Seiten zur Verfügung stellte, auf denen sie sexuell aufgeschlossene Frauen finden würde. Ihre Ergebnisse sind demnach nicht repräsentativ für “die Durchschnittsfrau”, sondern bieten einen Einblick in die Erfahrungswelten von über 1.500 sex-positiven Frauen, von denen die Hälfte zwischen 20 und 30 Jahren ist. Hier sind ein paar ihrer Ergebnisse (Achtung, es wird heiß!):

93% der Befragten finden, dass Sexfantasien erregend sind
91% der Befragten haben kein schlechtes Gewissen beim Masturbieren
90% der Befragten machen gerne den ersten Schritt
88% der Befragten sind leicht sexuell zu erregen
82% der Befragten genießen es bis zum Orgasmus zu masturbieren
70% der Befragten berühren sich beim Sex gerne selbst
58% der Befragten mögen Sexspielzeuge
55% der Befragten benutzen Sexspielzeuge mit ihren Partner_innen
42% der Befragten, die gelegentliche Beziehungen führen, haben einen fuck buddy
32% der Befragten, die gelegentliche Beziehungen führen, haben einen regelmäßigen Sexpartner oder eine Sexpartnerin, mit dem oder der sie keine Beziehung führen
27% der Befragten haben ein oder zweimal die Woche Sex


Drucken Drucken |


Die „genuin weibliche Kompetenz“

28. April 2010 von Katrin
Dieser Text ist Teil 20 von 22 der Serie Muttiblog

Liebe LeserInnen, dies ist eine freundliche Übernahme: Weil Mutti Erna momentan viel Stress und wenig Zeit zum Bloggen hat, übernehme ich diese Ausgabe unserer Serie „Mutti-Blog“. Ich habe nämlich auch ein Mutti-Thema, das mich seit Samstag beschäftigt:

Am Freitag besuchte ich die Tagung “Deutschland sucht den „Super-Papa“. Impulse für eine moderne Väterpolitik“ in Köln, wo ich auf dem Eröffnungspanel zusammen mit Thomas Gesterkamp und Sven Lehmann über Männlichkeiten, Väter und Feminismus diskutierte. Als ich am Samstag daraufhin in meinen Twitter-Account schaute, erblickte ich einen Tweet, an mich gerichtet, mit folgendem Inhalt: „@DieKadda: Wir Frauen sollten stolz auf unsere exklusive generative Kompetenz sein. Schluss mit der Entwertung genuin weiblicher Leistungen.“ Dieser Tweet beschäftigte meine Gedanken für die Einschlafphasen der letzten zwei Nächte und ich muss einfach etwas dazu sagen.

Als erstes las ich diesen Tweet meinem Mann vor und fragte ihn, was er dazu meine. „Wahrscheinlich will sie dir damit sagen, dass du stolz auf deine Gebärfähigkeit sein sollst.“ Für mich ist das aber etwa so absurd, wie stolz darauf zu sein, Deutsche zu sein. Zu meiner Gebärfähigkeit habe ich nämlich nichts beigetragen. Sie wurde mir in die Wiege gelegt. Ausgesucht habe ich sie mir nicht. Mein Mann fand den Vergleich seltsam und fand, dass es schon etwas anderes sei, als stolz darauf zu sein, Deutscher zu sein. Immerhin sei Schwangerschaft und Gebären ja auch eine Leistung. Also drehte ich die Gedanken weiter, um dem Grund näher zu kommen, warum ich finde, dass ich auf meine „exklusive generative Kompetenz“ nicht stolz sein kann. Ich landete bei der Kuh auf der Weide: Auch sie hat diese „exklusive Kompetenz“ und kommt aber nicht nur, weil sie eine Kuh ist, nicht auf die Idee, stolz darauf zu sein. Sie macht das eben, weil das die Natur sich so ausgedacht hat. Niemand bewundert sie groß dafür. Sie wird statt dessen noch ausgebeutet und gibt uns ihre – eigentlich exklusiv dem Kälbchen zustehende – Milch ab. (weiterlesen…)


Drucken Drucken |



Anzeige