Einträge der Rubrik ‘Ist das so?’


Frauen und Schuhe, äh, Technik

13. September 2011 von Anna-Sarah

In unserem Postfach fand sich kürzlich der Hinweis auf das österreichische Blog des Elektronikhandels Conrad. Unter der verheißungsvollen Überschrift “10 gute Gründe, warum Frauen bei Conrad einkaufen sollen” finden sich dort super Tipps für “alle Frauen dieser Welt” – die anscheinend vordringlich daran interessiert sind, mittels eigenartiger Techniken (“Einfach den hilflosen Blick aufsetzen, ihn um seine Meinung fragen”) Männer kennen zu lernen, wo sie gehen und stehen. Das “riesige Conrad Sortiment” wird deshalb auch erst an dritter Stelle angepriesen: nach dem “Flirtfaktor männliche Conrad Kunden” und dem “Flirtfaktor männliche Conrad Verkaufsberater”. Auch sonst wimmelt es in dem sicherlich mal wieder total witzig-augenzwinkernd gemeinten Artikel von Klischees, wie z.B. der Rat, im Zweifelsfall doch einfach Schuhe kaufen zu gehen… Besonders Spaß macht deshalb auch Grund Nr. 8:

Auch im 21. Jahrhundert ist es noch immer so, dass Frauen nicht ernst genommen werden – insbesondere auch im technischen Bereich. Anders bei Conrad: Hier sind technikaffine Kundinnen stets willkommen!

Kleiner Tipp: Wenn “weibliche Technik-Freaks bei Conrad erwünscht” sind, wäre es vielleicht ganz clever, ein bisschen sparsamer mit solchem Klischeequatsch zu hantieren und sich tatsächlich lieber auf “den technischen Bereich” zu konzentrieren… Im allerbesten Fall muss ich über diese Art der Werbung jedenfalls nicht schmunzeln, sondern einfach nur herzhaft gähnen. Ernst genommen werden fühlt sich irgendwie anders an.


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Alles Schlampen!

23. August 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 25 von 29 der Serie Neues vom Quotenmann

Paula hat recht: Die Mainstream-Berichterstattung über die Slutwalks ist ein gutes Beispiel jener Art von Sensationsjournalismus, der von seinen LeserInnen wenig hält. Zuspitzung, Vereinfachung und letztendlich die Verstellung der Realität, über die berichtet wird. Schlimmer noch ist, dass, wenn selbst in einem Bericht über dieses Thema ein kleiner Teil des Gesamtbilds gleich als Gesamtbild dargestellt wird, stehen die Chancen äußerst schlecht, dass Stereotype und Vorurteile je überwunden werden können.

Ich möchte aber argumentieren, dass das nur halb so schlimm ist. Tatsächlich passiert jedes Mal, wenn die Mainstream-Medien über den CSD berichten, ein ähnliches Phänomen: Obwohl die überwiegende Mehrheit der TeilnehmerInnen ganz alltäglich gekleidet sind, laufen im Fernsehen immer wieder die gleichen Bilder von „abgefahrenen Kostümen“ und „halbnackten Körpern“. Und insofern, dass dadurch Stereotype und Allgemeinplätze bestätigt, ja verstärkt werden, läuft das nicht nur gegen die minimalen Regeln eines kritischen Journalismus, sondern vor allem gegen die Hauptziele der Veranstaltung selbst. Das ist natürlich ärgerlich, aber auch witzig, denn das heißt, dass die JournalistInnen eigentlich gar nicht verstanden haben, worum es hier geht.

Doch der Grundgedanke von performativen politischen Statements wie den Slut Walks oder den (ursprünglichen) CSDs lautet: Stereotype aneignen und sie durch Zuspitzung und Übertreibung entkräften. Vereinfachung durch den (medial vermittelten) Blick der Anderen gilt hier als wichtiger strategischer Moment in der Kommunikation, und gleichzeitig als Ausgangspunkt für die performative Dekonstruktion dieses Blicks: „Wir sind doch alle Schlampen, aber wie!“

„Schlampe“, genau wie „queer“ oder „Tunte“, funktioniert hier weniger als sachlicher Begriff, der als mögliche Beschreibung auf die Realität zutrifft oder eben nicht. Vielmehr haben diese Wörter von vornherein eine performative Funktion: Wer sie verwendet, gestaltet die soziale Realität.


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…alles was Mann gerne ist (isst?)

17. August 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 49 von 54 der Serie In Bildern: Das denkt die Welt

Ich bin immer noch etwas verwirrt, ob Mann nun gerne Halberstädter oder tatsächlich Gelber Erbseneintopf ist. Aber das liegt bestimmt nur daran, dass ich eine Frau bin. Den Facepalm das Tages hat Paula gefunden:

Blaue Verpackung einer Dose Gelben Erbseneintopfs der Firma Halberstädter. Unter dem Firmenlogo steht: Alles was Mann gerne ist.

Foto via @puzzlestuecke

[Achtung, dieser Eintrag kann Spuren von Ironie enthalten.]


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Bevor es gleich auf die Straße geht: Die Blogschau

13. August 2011 von Verena
Dieser Text ist Teil 121 von 157 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Endlich ist es also soweit: In zahlreichen deutschen Städten finden heute erstmalig Slutwalks statt. Zum Aufwärmen schnell noch ein Blick in die Blogs und dann nichts wie raus auf die Straße!

Klirrr entdeckt in einem Pariser Wissenschaftsmuseum die erste Frau im All: Walentina Wladimirowna Tereschkowa. Die Russin tummelte sich nur zwei Jahre nach Weltraum-Pionier Yuri Gagarin im All und schaffte einige Erdumrundungen mehr als der Kollege.

Fuckmothers stellen Jeremy Adam Smith vor: Der Autor bezeichnet sich als profeministischen Vater und hat einige Fragen unter diesem Label zusammengestellt. Unter anderem geht es um die schwindende Freiheit von Frauen, sobald sie Mütter werden und die Schwierigkeit, linke Ideale im Alltag zu leben.

Über den Slut Walk wird sich auch beim Mädchenblog noch Gedanken gemacht: rather_ripped erklärt, warum sie als (Queer-)Feministin nun doch an den Aktionen teilnimmt.

Die SlutWalk-Bewegung ist noch sehr jung und es ist an uns allen gelegen, sie mit Inhalten zu füllen. Das große mediale Interesse an diesem Protest (bzw. seiner Form) schafft uns die Möglichkeit, wichtige Inhalte in die Mitte der Gesellschaft(en) zu tragen und Menschen zum Nachdenken zu bewegen, die sich bisher noch nie mit diesen Themen befasst haben. Der Kampf ist altbekannt, nur die Dimension ist neu.

Am Beispiel von Astrid Lindgren und Mark Twain setzt sich Anatol Stefanowitsch bei scilogs mit der Nachbearbeitung sprachlich oder inhaltlich diskriminierender Texte auseinander und nennt verschiedene Varianten der Überarbeitung.

Antje Schrupp liest ein Buch über die Erinnerungen an die Frauenbewegung der 70er Jahre und konstatiert, “was unterwegs verlorgen gegangen ist”. Es geht unter anderem um den §218, die Organisation von Erwerbs- und Hausarbeit und ‘gleichen Lohn für gleiche Arbeit’. Mehr als die Dinge, die Schrupp unter ‘verlorgen gegangen’ aufzählt, stimmen mich die Forderungen nachdenklich, die sich von den heutigen kaum unterscheiden: Mehr Kinderbetreuung zum Beispiel.

Changinglifestyle stößt das aktuelle Werbeplakat einer Turnschuhmarke übel auf. Kein Wunder, ist dort doch mehr Arsch und Bein vom Model zu sehen als der Tunrschuh. Werbung halt.

L-Talk berichtet über den israelischen Club “Bar Noar”, der das einzige Jugendzentrum in Tel Aviv für homo- und bissexuelle, trans und queer Jugendliche ist. Nach einem Attentat vor zwei Jahren, bei dem zwei Menschen starben, steht das Zentrum nun vor dem finanziellen Aus.

 


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Muschis mit Köpfchen

5. August 2011 von Verena
Dieser Text ist Teil 18 von 20 der Serie Sex am Morgen

Manchmal weiß man gar nicht, ob man sich lieber ins Gesicht oder zwischen die Beine schauen will, um den aktuellen Stand der Dinge zu klären. Klar, das größte Sexualorgan liegt zwar zwischen den Ohren, aber nicht alle sexuellen Erkenntnisse oder Studien beweisen besonders viel Köpfchen. Diese Woche in den Vulva-Spots einige Kopfschüttler und doch, auch ein paar gute Dinge.

Nur noch selbstbewusst ins Bett: Gute Neuigkeiten für heterosexuelle Paare offenbart eine aktuelle US-Studie, die Jezebel vorstellt. Demnach sind Männer durchaus stark daran interessiert, dass ihre Partnerin auf ihre erotischen Kosten kommt. Für alle gilt, je selbstbewusster, unabhängiger und empathischer man sich auf einander stürzt, desto mehr profitiert die sexuelle Zufriedenheit.

Die Vagina, keine Frage, ist großartig. Das sieht auch die Business-Man-Katze im folgenden Video und plädiert dafür, alles, was sonst als großartig, übermenschlich, wunderbar gilt, schlicht als ‘vaginal’ zu bezeichnen.

Ganz so geil, wie man denken könnte, ist dieses Setting nicht. Wie Bust ganz richtig anmerkt, uns von einer auf männlichen V.I.P. getrimmter Katze dozentenhaft über die Großartigkeit unserer Geschlechtsteile aufklären zu lassen, brauchen wir nicht. Noch zweifelhafter: Hinter dem Spot steht ein Unternehmen, das weibliche Hygienartikel produziert. Total geschmacklos das Ganze. Aber das wollen solche Firmen mit unseren Vaginas ja wohl erreichen: geruchs- und geschmacksfrei. Na danke!

Auch nicht besser ist, was jezebel nun in einem Beitrag des Journal of Sexual Medicine las: Anhand der Ausgeprägheit der Erhebung in der Mitte der weiblichen Oberlippe ließe sich das individuelle Orgasmuspotential erkennen. Bevor ihr jetzt nen Spiegel holt… schon bei Deep Throat war man irrigerweise der Meinung, die Klitoris liege im Rachen.

Heise.de stellt in einem Interview mit Stefan Volk dessen Buch “Skandalfilme” vor, das sich mit den ‘cineastischen Aufregern gestern und heute’ beschäftigt. Für Wirbel sorgten dabei weniger Nacktheit und Geschlechtsteile in Action als Geschlechterbilder:

Letztlich aber ging es meistens gar nicht so sehr darum, wie viel Haut gezeigt wurde, sondern vielmehr um das geschlechtliche Rollenbild, das die Filme vermittelten. Wenn man so mag also weniger um “Sex” als um “Gender”. Frauen stießen da viel schneller an Grenzen als Männer.

Mit gängigen Pornomythen räumt Cyndi Gallop auf. Ihr Internet-Projekt makelovenotporn stellt jeweils ein Porno-Klisschee auf den realitätstauglichen Prüfstand. So wird erklärt, dass weder alle Frauen von Natur aus rasiert sind, noch dass ins Gesicht spermen das Highlight jeder Penetration ist, oder dass Frauen immer und dauernd kommen, obwohl nichts von dem, was passiert, in der Nähe der Kitoris stattfindet. Eine super Seite, lustig und ohne moralisches Gedöns. Was Gallop zu ihrem Projekt so zu sagen hat, findet ihr auch beim SZ-Magazin verlinkt.


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Vulva verzweifelt gesucht

29. Juli 2011 von Anna-Sarah

Kürzlich berichtete der Mädchenmannschaft eine Mutter, dass bei ihrer 8 10jährigen Tochter im BiologieSachunterricht gerade das Thema „männliche und weibliche Anatomie“ auf dem Plan stehe. Dabei würde allerdings auf den entsprechenden Lehrmaterialien die Klitoris komplett unterschlagen. Dass sowas in der Schule passiert, ist tatsächlich bemerkenswert – generell aber nicht wahnsinnig überraschend angesichts der Tatsache, dass die sogenannten weiblichen Geschlechtsorgane sprachlich und bildlich gerne mal auf ein Loch oder eine Ritze, auf das Fehlen von Etwas reduziert werden. Wie Mithu M. Sanyal in ihrem Buch „Vulva – die Enthüllung des unsichtbaren Geschlechts“ (Rezension Mädchen­mannschaft), einer „Suche nach dem symbolischen Ort [...], den die Vulva in unserer Kultur besetzt”, schreibt:

“Anatomisch betrachtet besteht das primäre weibliche Geschlechtsorgan aus drei Einheiten: dem sichtbaren, äußeren Teil: der Vulva; der Körperöffnung, die den äußeren und den inneren Teil miteinander verbindet: der Vagina; sowie dem inneren, nicht sichtbaren Teil: dem Muttermund, der Gebärmutter und den Eierstöcken. In der Umgangs- und Fachsprache kommt die Vulva jedoch nahezu nicht vor. Stattdessen wird der Begriff Vagina verwendet. Dadurch bleibt von dem sichtbaren weiblichen Genitale nur ein Loch übrig.”

Hartnäckig hält sich der Mythos vom mängelbehafteten „nach innen verlegten Penis“ – analog entsprechender anatomischer Befunde aus der Renaissance – wider längst verfügbares besseres Wissen von der Komplexität dieses Organs, sowohl im wissenschaftlichen Kontext als vor allem auch in der Alltagssprache und -symbolik.

Kinder beginnen von dem Moment an, in dem sie anfangen, sich für diese Dinge zu interessieren, einen ganz bestimmten Blick auf die Geschlechtsorgane einzuüben – bestimmte Dinge zu sehen, andere eben nicht. Angeleitet werden sie dabei durch Eltern und Bezugspersonen, die ihrerseits oft versuchen, sich zu informieren, wie sie dem Kind dabei  zur Seite stehen können. So hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) eine Broschüre herausgegeben mit dem Titel „Liebevoll begleiten… Körperwahrnehmung und körper­liche Neugier kleiner Kinder“, die als Ratgeber für Eltern zur kindlichen Entwicklung vom 1. bis zum 6. Lebensjahr dienen soll. (weiterlesen …)


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Die feministische Frage der Männlichkeit

26. Juli 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 24 von 29 der Serie Neues vom Quotenmann

In ihrem Post „Look, Kitten, I Am Too a Feminist! Fauxminism and Men“ diskutiert die US-Bloggerin Megan Milanese das Problem der falschen männlichen Feministen und listet direkt noch zehn Kriterien auf, woran jene Pseudo-Alliierten erkannt werden können. Der Quotenmann findet den Ansatz richtig, ist aber eben deshalb wenig geneigt, selber eine Theorie über den Unterschied zwischen echten und falschen Feministen zu präsentieren. Denn das wäre nicht nur zwangsläufig eine Art Plädoyer in eigener Sache, sondern würde auch gegen eine zentrale – und durchaus vernünftige – Intuition der Autorin stoßen:

“While men certainly have a place in feminism, they need to understand that this place will be radically different from the place they currently enjoy in the current social climate.”

(zu deutsch: “Auch wenn Männer selbstverständlich ihren Platz im Feminismus haben, müssen sie verstehen, dass dieser sich radikal von dem unterscheiden wird, den sie im gegenwärtigen sozialen Klima genießen.”)

Vielmehr möchte der Quotenmann seine LeserInnen einladen, sich mit dieser allgemeinen Frage zu beschäftigen, während er sich hier auf einen einzigen Aspekt der Diskussion konzentriert. Milanese hat recht, wenn sie klarstellt, dass die Probleme der Männer für eine feministische Theorie (ebenso wie für eine Frauenministerin) gar nicht in den Vordergrund gehören. Wer – wie manche LeitartiklerInnen in den deutschen Medien – dies bezweifelt oder relativiert, hat das große Bild aus dem Blick verloren und schwelgt in einer angeblichen Opferrolle. Die Zusammenhänge sind aber aus einer konstruktivistischen Perspektive wohl etwas komplizierter. Die Autorin schreibt:

“While it is true the Patriarchy Hurts Men, Too™, the fact of the matter is that the problems that men face that don’t stem from class, race, sexuality, or able-bodiedness issues tend to stem from socially ingrained misogyny. It is a systemic devaluation of femininity that creates the rigidly defined masculinity by which men must abide. If men have a problem with masculinity as it currently exists, perhaps they should consider increasing the social status and viability of femininity in all people. They could also address the notion that femininity and masculinity are not mutually exclusive.” (weiterlesen …)


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Ob Schlampe oder nicht: Warum ich SlutWalk unterstütze

12. Juli 2011 von Magda

Seit der Entstehung der SlutWalk Gruppen in Grrrlmany (eine liebevolle Umbezeichnung für Deutschland), erfreuen sich die SlutWalks großer medialer Aufmerk­samkeit. Neben zahl­reichen Interviews und Artikeln zum Thema, die wir in den letzten Wochen zum Beispiel in der taz oder in der Jungle World lesen oder auf Motor FM hören konnten, freuen sich die Organisator_innen des Berliner SlutWalk schon über 1800 potentielle Teilnehmer_innen. Andere Städte zogen nach und planen ebenfalls am 13. August einen SlutWalk, damit deutschlandweit an diesem Tag Demon­strationen stattfinden. Ob ein SlutWalk in deiner Stadt stattfindet, kannst du auf slutwalkberlin.de nachlesen.

Im Zuge der Berichterstattung zu Jörg Kachelmann und Dominque Strauss-Kahn, die den sexistischen und biologistischen Diskurs zum Thema sexuelle Gewalt an zwei konkreten Bei­spielen offen­barte, etablieren sich die SlutWalks in Deutsch­land genau zur rechten Zeit: Viele haben die Nase voll dem immer wieder auf­gewärmten Mythos der rachsüchtigen Frau/Freundin und den gängigen Vergewaltigungsentschuldigungen.

Die Slut Walks haben aber auch einige kontroverse Debatten angestoßen, die sich einerseits um den Namen, aber auch um die Inhalte und Bot­schaften drehen, die ein feministischer Aktivismus in Form von SlutWalks in den Mainstream trägt. Viele dieser Dis­kussionen habe ich in den letzten Wochen privat oder online geführt; einige davon würde ich auch gerne hier zur Diskussion stellen:

  1. “Es macht keinen Sinn, ein sexistisches Wort wie ‘Slut’ positiv zu besetzen”
  2. SlutWalk spricht eher jüngere Frauen an (und schließt daher ältere Frauen und sich nicht als Frauen definierende Menschen aus)”
  3. “Bei den SlutWalks geht es um Sexyness (und nicht etwa um die Bekämpfung von Sexismus).”

(weiterlesen …)


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Wann werden Kinder endlich über Heterosexualität aufgeklärt?

22. Juni 2011 von Nadine

Seit mehr als einem Jahr läuft die Initiative “Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt” der Berliner Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales, Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung. Zu dieser Initiative gehört ein umfangreiches Maßnahmenpaket, das unter anderem diese fragwürdigen Plakate hervorgebracht hat. Jetzt soll auch in Berliner Grundschulen darüber aufgeklärt werden, dass Homosexuelle “ganz normale Menschen” sind:

Es gehe um die Normalität des Anders-Seins, um Akzeptanz, um Geschlechterrollen. Die Kinder sollen soziale Kompetenz, Empathie und Sensibilität lernen. Dazu stellt die Bildungsverwaltung den Grundschulen neue Unterrichtsmaterialien zur Verfügung – ein Koffer voll, insgesamt 25 Bilderbücher, ein Memory-Spiel und eine Hör-CD mit Begleitbuch.

[...]

Die Schulen sollen das Thema fächerübergreifend unterrichten und dabei eine positive Einstellung zu Liebe und Sexualität vermitteln, wobei auch auf Homo-, Bi- und Transsexualität eingegangen werden soll. Über sexuelle Vielfalt könnten die Lehrer zum Beispiel im Ethik-, Sachkunde- oder Deutschunterricht mit den Kindern sprechen.

Fehlt da nicht was? Wann werden Kinder endlich über Heterosexualität aufgeklärt, statt beigebracht zu bekommen, dass “Anders-Sein” irgendwie auch voll okay ist? Diskriminierung fängt schließlich nicht erst bei körperlicher Gewalt und dummen Sprüchen aufgrund von Homo- und Trans*phobie an. Ausgrenzung und Gewalt beginnen dort, wo Abweichungen von der heteronormativen Matrix als anders identifiziert, markiert und dieser untergeordnet werden.

Solange der Konstruktionscharakter von Heterosexualität und die Wirkmächtigkeit von Heteronormativität nicht mitreflektiert werden, bleiben solche Hierarchisierungsprozesse unsichtbar. Das hat zur Folge, dass die Ursachen für Homo- und Trans*phobie nicht geklärt werden können. Denn die liegen viel tiefer als in der fehlenden Akzeptanz des vermeintlich Anderen.

Weiterhin ärgerlich an diesem Projekt ist die Ineinssetzung von sexuellem Begehren und Gender. Es impliziert, dass Transsexuelle und Transgender keine heterosexuellen Beziehungen führen können. Auch die Reproduktion des Stereotyps, die sexuelle Orientierung sei den Menschen “an der Nasenspitze anzusehen”, wird damit eifrig vorangetrieben. Das (biologische) Geschlecht, die Geschlechterrolle oder Genderperformanz haben rein gar nichts mit der sexuellen Orientierung eines Menschen zu tun.

Wenn Kinder mit Bildungsangeboten sensibilisiert und selbstbestimmt in die Welt entlassen werden sollen, dann gilt es die vermeintliche Normalität von Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität zu hinterfragen. Ihnen beizubringen, dass sie “denen da” Toleranz entgegenbringen sollen, hilft jedenfalls nicht.


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Schuldig im Sinne des Sex

8. Juni 2011 von Verena
Dieser Text ist Teil 17 von 20 der Serie Sex am Morgen

Vergangene Woche war ich für eine Geschichte in Barcelona am Set von Erika Lusts neuem Film, der im Oktober herauskommt. Nicht nur habe ich eine tolle Feministin und Pornoregisseurin samt Crew getroffen, sondern bin auch auf die großartige Lianda Dahl gestoßen, die ihre eigenen Videos im Netz verbreitet und ein ebenso tolles Blog hat.

Apropos Porno: Straßen aus Zucker hat sich in einem sehr lesenswerten Beitrag so ihre Gedanken gemacht und stellt Sex-Posititivität, die auch in Pornos ihren Ausdruck finden kann, den negativen Aspekten wie Gewalt und Sexismus gegenüben – inklusive historischen Notizen und einem Blick auf die jüngere Por-Yes-Bewegung.

Erika Lust beim Dreh - ihr neuer Film erscheint im Oktober

Die ewige Frage: Sind weibliche Sex-Fantasien und Feminismus vereinbar? Mit dieser Frage beschäftigt sich Miranda Huba in ihrem Theaterstück “Dirty Little Machine”. Zwar lief das gerade im fernen New York, aber Bust rezensiert das Geschehen und stellt die relevanten Inhalte vor, wie die Frage, ob die eigenen Sextapes zu verkaufen feministisches Empowerment ist, oder nicht.

BoingBoing verweist auf eine Studie, nach der Sex bei Christen Schuldgefühle auslöst. Auf einer Skala von eins bis zehn liegen katholische und evangelische Schuldgefühle um die sechs. Die Mormonen sind noch ärmer dran: Die schämen sich auf eine 8,2. Solche Nachrichten bestätigen mal wieder diejenigen, die schon vor Jahren aus der Kirche ausgetreten sind. Wobei es dafür natürlich noch ganz andere – feministische – Gründe gibt.

Zensiert wurde bei der us-amerikanischen Buchhandelskette Barnes & Noble das Cover der Zeitschrift Dossier. Dort zu sehen ist der nackte Oberkörper von Model Andrej Pejic, über dessen androgynen Look wir schon berichteten. Ob dieser verhüllt wird, weil Pejics Style mit Lockenklammern im Haar zu feminin wirkt oder weil sein Oberkörper nicht den gängigen Darstellungen von Männern auf Magazintiteln entspricht, jezebel und skepchick diskutieren das eifrig.


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