Einträge der Rubrik ‘Ist das so?’


Hmpf, oder: Die Rückkehr von YPS als Männer-Magazin

25. April 2012 von Nadia

Die Freude währte irgendwie nur ganz kurz, als ich heute auf der Facebook-Seite von YPS folgenden Status entdeckte: “Ihr habt es geschafft! Wir kommen zurück: Am 11. Oktober 2012 erscheint YPS wieder!”

Bei Meedia gibt es nämlich nähere Infos über die neue Ausrichtung und Zielgruppe des Hefts:

“Nur diesmal mit neuem Konzept und als Magazin für Männer zwischen 30 und 45 Jahren. Chefredakteur wird der ehemalige FHM-Macher Christian Kallenberg. Das neue Yps will die Themen von früher “inhaltlich und optisch in die jetzige Lebenswelt der Leser” übersetzten. So soll das neue Heft “Gimmicks und Gadgets für Agenten, Forscher und andere Erwachsene” liefern.”

Die Neu-Positionierung des Klassikers, so glaubt der Verlag, könne nämlich sehr gut funktionieren, weil “die meisten der über 34.000 Fans von Yps auf Facebook [...] Männer zwischen 25 und 44 Jahren” sind. Nun denn (und wir erinnern uns, die Neuauflage vor ein paar Jahren funktionierte ja nicht). Das Herbst-Heft wird wie alle geplanten folgenden dann auch mit spitzenmäßigen Headlines ausgestattet, wie etwa: “Zauberei – zehn einfache Tricks für die nächste Party!”.  Außerdem im Fokus: Die Themenbereiche “Mode, Automobil und Technik”. Ich frage mich, ist das schon alles? Und liebe YPS-Fans, ist es das was Ihr wollt?


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Offline-Feminismus, Dickenfeindlichkeit und männliche Dominanz bei Twitter – die Blogschau

18. März 2012 von Nadia
Dieser Text ist Teil 149 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Sind weite Teile des zeitgenössischen Feminismus heute eigentlich primär Online-Phänomene? Und wie können Leute, die offline sind, Zugang zum Thema erhalten? Fragen über Fragen, in einem schönen Text von Kai mit dabei.

Eindrucksvoll zum Thema “Pro Frauenquote”, in Bezug auf den Journalismus: “Wie der Brief das Schweigen bricht” von Carolin Wiedemann.

Paternalistische Argumentation bei der geschäftlichen Rechtlosigkeit von Prostituierten, eine Kurzzusammenfassung der Berner Situation bei Sina.

Nele TablersLesbisch zwischen Misthaufen, Leichen und Netzfeminismus ist nun als eBook erhältlich.

Für Inklusion und Barrierefreiheit, gegen Stigma:  Auf Mein Augenschmaus gibt`s dazu Tacheles.

Die Diskussion um die Quote – oder eine Diskussion um Elite-Quote? Über soziale Ungerechtigkeit und prekäre Bechäftigungssituationen schreibt der Soziologie-Blog.

Auf Arge dicke Weiber wird ordentlich auf die Dickenfeindlickeit bei Ulla Popken geschimpft, und zwar mit Recht.

Popender, oder: Das passiert, wenn mensch Postgender nicht versteht – über die Genderkompetenz der Piraten.

Datenwerk liefert Vorschläge zur Überwindung der männlichen Dominanz bei Twitter.

Das Mädchenblog liefert die Kurzvorschau auf das neue “Wir Frauen”, praktischerweise inklusive Link zur Online-Version.

Wie ein Beitrag über “Apps für die Frau” schnell zum Klogriff werden kann, darüber spricht Sideglance.

Nicht schön: Der Pottblog berichtet über das homophobe Plakat auf der Südtribüne beim Spiel Borussia Dortmund vs. Werder Bremen.

Lisa schreibt über Lesben in den 1920er Jahren.

Stimmen der Roma geben Hinweise zu den Veranstaltungen des Debattenprogramms, und zwar hier.

No Retreat, no surrender – Bühnenwatch kämpft weiter gegen Blackface: Hier wird der aktuelle Stand der Diskussion mit dem Deutschen Theater zusammengefasst.

Und ein Veranstaltungshinweis: Die FrauenSommerUniversität 2012 findet vom 19. bis 22. September 2012 in Wien statt.
Ideen können bis spätestens 03. Juni 2012 am besten per E-Mail an fsu.wien@gmail.com gesendet werden.


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Das Ende des Heterosexismus?

24. Februar 2012 von Christoph
Dieser Text ist Teil 28 von 29 der Serie Neues vom Quotenmann

Homophobie verschwindet immer mehr. So jedenfalls das Fazit, das Soziologe Mark McCormack gegenüber Salon.com zieht. Genauer gesagt geht es um die Ergebnisse einer Studie, die McCormack an britischen Schulen durchgeführt hat und die er nun als Buch veröffentlicht. Ein Jahr lang hat er die Interaktionen von männlichen britischen Teenagern beobachtet und dabei entdeckt, dass “schwul” (gay) als Schimpfwort nur noch sehr, sehr selten vorkommt. Dies sieht er als Hinweis, dass Homophobie im Allgemeinen rückläufig sei. Im Interview gibt er zu, dass die USA im Vergleich zu Großbritannien Jahre hinterher hinken – auch durch die unterschiedlich starke christliche Rechte. Doch verschwindet Homophobie wirklich? Ich wünschte es wäre so.


Ich frage mich, wie die Zahlen in Deutschland aussehen. Ich kann zumindest unter Leuten meines Alters oder jünger nicht feststellen, dass “schwul” als Schimpfwort rückläufig ist. Es ist immer noch im Gebrauch – wie auch das ableistische “behindert”.

Außerdem, selbst wenn die Gesellschaften weniger homophob werden, so sind sie doch noch immer zu homophob oder heterosexistisch. Es sagt auch einiges aus, dass seine Studie sich mit Männern und Beleidigungen gegenüber männlichen Homosexuellen befasst. Die Sache sieht wahrscheinlich für lesbische Frauen – die Art des Heterosexismus ist anders, zudem kommt noch Sexismus hinzu – und bisexuelle Menschen ganz anders aus. Und die Lage für Trans*menschen ist … furchtbar.

Ich würde McCormack vorsichtig zustimmen, wenn er sagt, dass einige Kämpfe gewonnen werden. Die Sache ist nur die – die Kämpfe, die gewonnen werden, gehen um Dinge, die im 21. Jahrhundert mehr oder wenig selbstverständlich sein sollten. Zum Beispiel gleichgeschlechtliche Ehe: Es ist toll, dass sich die Dinge zum Guten wenden in dieser Angelegenheit. Ich möchte auch die Bedeutung von gleichgeschlechtlicher Ehe nicht kleinreden, ich unterstützte die Gleichheit in der Ehe voll und ganz und es gibt in diesem Bereich auch noch viel zu tun. Aber die Frage der gleichgeschlechtlichen Ehe ist doch verhältnismäßig – hier fehlt mir das richtige Wort – einfach. Viele Menschen können verstehen, wieso das wichtig ist – im Grunde genommen geht es doch nur darum, eine gut eingeführte Institution für mehr Leute zu öffnen. Leute, die sind “wie du und ich”, außer dass sie eben schwul oder lesbisch sind. Dies ist ein überfälliger Sieg.

Es ist eine Schande, dass generelle Gleichheit in der Ehe noch nicht erreicht ist – weil es für die Gesellschaft noch beschämendere Dinge gibt, gegen die es zu kämpfen gilt: Rape culture. Ausradierung von Identitäten. Diskriminierung queerer Lebensentwürfe. Benachteiligung außerehelicher Beziehungsmodelle. Die vielen, vielen furchtbaren Dinge, gegen die Trans*menschen noch immer kämpfen. Für mich ist die Vorstellung, dass meine Identität von der Gesamtgesellschaft negiert, ausradiert wird noch viel schlimmer als die Vorstellung, dass ich nicht heiraten darf.

Aber offensichtlich müssen erst diese verhältnismäßig kleineren Kämpfe wie die Öffnung der Ehe gewonnen werden, bevor wir die ganz großen Probleme angehen können. Homophobie und Heterosexismus gehen vielleicht langsam zurück – Trans*phobie noch längst nicht.

Read this text in English on clarity + chaos


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Starke Schmerzen

19. Januar 2012 von Verschiedenen
Dieser Text ist Teil 22 von 26 der Serie Der Kommentar

Teresa Bücker, im Netz auch unter Fräulein Tessa bekannt, ist Femininja und bloggt seit mehreren Jahren auf Flannel Apparel. Seit einiger Zeit schreibt sie für die FAZ-Online-Kolumne Deus Ex Machina über Kommunikation, Beziehungen und Digitales und arbeitet nebenher für die SPD. Ihre Kritik an den kürzlich in großen Medien erschienenen Artikeln über Männer/bilder in der Krise veröffentlichen wir hier mit freundlicher Genehmigung.

Mich hat in den Reaktionen, die ich zu Nina Pauers Text über Schmerzensmänner beobachtet habe, besonders irritiert, wie viele Männer ihr zustimmten und einstimmten in einem Kanon à la: “Nur Arschlöcher bekommen Frauen ab, die netten Jungs nicht.” (Schuld daran sind natürlich die bösen Frauen)

Das Gelabere von der “Krise der Männlichkeit” (Wir erinnern uns: The Atlantic: “The End of Men”, oder Claudius Seidl, der in der FAS gar vom “November der Männer” sprach) verschleiert eine Kernaussage unter einer versuchten Mitleidserregung für “weichere” Männer: durch den Wandel der Geschlechterrollen und das Erstarken von Frauen in der Gesellschaft seien Männer in Zweifel an ihrer Rolle geraten. Um diese wieder zu stabilisieren, braucht es eine Rückkehr in traditionelle Rollenmuster << das ist die Hidden Agenda.

Wo aber bleibt der Diskurs unter Männern über die vielfältigen Rollen, die sie einnehmen könnten (und auch schon immer tun).

Eine Rückkehr in alte Rollenmuster wünscht sich scheinbar auch Nina Pauer. Schade. Wir sind immer alle so emanzipiert (in der Theorie) und sobald es hart auf hart kommt, nämlich in Beziehungen, wenn Menschen Familien gründen, bröckelt es. Ja, da können Frauen sich fragen, warum es ihnen plötzlich doch etwas ausmacht, den ersten Schritt zu machen, das Haupteinkommen zu verdienen, die Kinder loszulassen. Das kann aber nicht losgelöst davon gesehen werden, dass Frauen nach wie vor in diese Position gedrängt werden. Dass Frauen auf den kühnen Prinz warten, ist harte Sozialisation.

Dass "Männlichkeit" in vielen Facetten gelebt werden kann und akzeptiert wird, dafür ist jedoch nicht der Feminismus zuständig. Wie das geschehen kann, sollten Männer (laut) überlegen. Ich bin gespannt. Denn das Verlangen nach starken Männern zeigt zweierlei: es braucht den Feminismus noch, und zwar sehr. Aber auch eine Entsprechung für die Herren.

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Hinweis: Der Spiegel schreibt über die “Verweichlichung einer Generation junger Männer” und in der FAZ sind die “Geschlechterrollen im Wandel”.


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Eierkraulen, Zwangssterilisation und ein Golden Girl – kurz verlinkt

18. Januar 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 135 von 153 der Serie Kurz notiert

Männliches Eierkraulen ist in Popstarkreisen alltäglich. Rihanna tut es dem Potenz-Habitus gleich und greift sich in ihrem neuen Video korrekt in den Schritt. Der Guardian nimmt das näher unter die popkulturelle Lupe.

Vergewaltigungen sind in den USA weiter verbeitet als Rauchen, so preventconnect

In den USA definiert das Justizministerium Vergewaltigungsdelikte neu – jetzt werden auch Männer als potentielle Opfer ins Auge gefasst.

Bei der brasilianischen Big-Brother-Reihe gab es womöglich einen Fall sexuellen Missbrauchs. Jezebel weist darauf hin, dass die Video-Bänder, die zur Aufklärung beitragen könnten, vom Sender unter Verschluss gehalten werden.

Ein Fotoshop-Video geht um die Welt:

“Schön ist anders” bei der Süddeutschen: Nicht ganz neu, aber die Fotostrecke von gephotoshoppten Magermodels und den Reaktionen darauf (“Schön!”) ist nach wie vor hochaktuell.

Respect my Fist im Interview: Bassistin Nadine Lantzsch über das mittlerweile zwei jahre junge Hardcorepunk/Postpunk-Projekt. Und Betty White – die letzte Überlebende (schnief) der Golden Girls im Gespräch.

Zwangssterilisation. Gibt`s nicht? Gibt`s doch. In Schweden. Und eine Initiative dagegen. Und wie sieht überhaupt eine Klitoris aus? Hat mensch da spontan ein Bild vorm geistigen Auge? “Denkt mal drüber nach!”, sagt auch io9.

Nach dem Klick noch ein Haufen Termine:

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Nice Guy. Oder wie das Patriarchat unsere Beziehungs- und Begehrensformen einschränkt

12. Januar 2012 von Nadine
Dieser Text ist Teil 40 von 48 der Serie Meine Meinung

Was mich an Nice Guy, Friendzone und Pick-Up extrem nervt (neben der patriarchalen Anspruchshaltung, eine Frau* habe irgendwie die Bedürfnisse eines Typen zu befriedigen – wie auch immer sich diese Bedürfnisse artikulieren), ist der heterosexistische und androzentrische Gehalt an der Sache.

Offenbar kommt es vielen Typen nicht in den Sinn, dass es Menschen gibt, die einfach wenig mit Typen anfangen können, sie nicht begehren, sexuell attraktiv finden oder sonst wie mit ihnen sozial interagieren wollen. Das mag verschiedene Gründe haben (Gewalterfahrungen, Formulierung eigener autonomer Sexualität – Bisexualität, Asexualität, Homosexualität, Unlust, lieber Masturbation statt Körperlichkeit mit einem Typen) und diese werden einfach negiert. Stattdessen liegt der Fokus auf dem armen Mann, der keine Frau abbekommt.

Die meisten Menschen kennen das Gefühl, einen anderen Menschen zu begehren (muss ja nicht immer sexuell sein) und dieses Begehren nicht erwidert zu bekommen. Ich habe in meiner Jugendzeit ähnliche Erfahrungen gemacht. Ich habe mich schlecht und ungeliebt gefühlt, ich wurde depressiv (mag sicherlich auch mit anderen Faktoren zusammengehangen haben), zog mich zurück, ich entwickelte Hass und Wut (manchmal sogar Aggressionen) gegen die Person, die mich nicht wollte und stattdessen lieber mit diesem Vollpfosten durch die Gegend zog, der sie zudem schlecht behandelte. Ich wurde sogar von diesen Vollpfosten verspottet. Ich kenne also die Gedanken- und Gefühlswelt eines “Nice Guys”, obwohl ich eine Frau bin. Für viele der Macker, Sexisten und Machos unter den sogenannten Nice Guys mag das vielleicht nicht vorstellbar sein. Dass es außer ihrer egozentrischen und selbstverliebten Perspektive noch andere Erfahrungswelten gibt.

Ich denke, dass wir durch diese Erfahrungen lernen (können), wie sich partnerschaftliche, romantische Beziehungen, Liebe und Sex, Freund_innenschaften artikulieren können und dass zu einer erfüllten Beziehung zu einem oder mehreren Menschen (egal wie diese aussiehen) noch mehr gehört als Befriedigung eigener Bedürfnisse. Diese Erfahrungen sind kostbar, denn sie machen uns zu sozialen Wesen (selbst, wenn wir uns selbst als “beziehungsunfähig”, “asozial” oder “inkompetent” labeln).

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Solidarität, aber bitte ohne Sexismus – ein paar Gedanken zur Occupy-Bewegung

2. November 2011 von Magda

Ich muss ja gestehen, dass mein Herz ein wenig aufging, als die Occupy Wall Street Proteste in den USA los­gingen. Ich schaute mir herz­zerreißende Videos an, die Massen an Menschen zeigten, die in einem gemeinsamen Protest die unterschiedlichsten gesell­schaft­lichen Miss­stände an­prangerten: Die Hin­richtung von Troy Davis, die exemplarisch für das rassistische Justiz­systems der USA steht; die Kriege, in denen die USA ver­strickt sind; eine banken- und wirtschafts­freundliche Politik; ein Kapitalismus, der nie allen Menschen nützen kann; die Polizei­gewalt gegen die Demonstrierenden etc. Die simple Bot­schaft: “Wir sind die 99% und nehmen die ‘Gier’ der 1% nicht mehr hin”. Nun ja, extrem ver­kürzt und populistisch, aber: eine Bot­schaft muss einfach ver­daulich sein, höre ich ja immer wieder.

Doch als ich mich durch die Solidaritäts­bekundungen der Demonstrierenden klickte, die in Video- oder Fotoform durch das Internet schwirren, kamen die ersten Zweifel auf: Wer ist das eigentlich genau, diese 99%? Was fordern sie denn? In Hin­blick auf die deutsche Occupy Wallstreet Bewegung fasst Nadia mein ungutes Gefühl auf Philibuster zusammen:

“Mir persönlich fehlt der Inhalt, die Positionierung, der theoretische oder zumindest der intellektuelle Überbau”.

Auch auf Stop! Talking gibt es einen sehr lesens­werten (englischen) Artikel, der mein Unbehagen gut zusammen­fasst. Darin beschreibt accalmie die möglichen Probleme, die auf­treten können, wenn eine Bewegung so “offen” und ver­meintlich inklusiv organisiert ist, wie dies bei Occupy-deine-Stadt der Fall ist: Wenn alle an­gesprochen werden sollen und der einzige gemeinsame Nenner die Wut auf die “1%” sein soll, klingt das selbstverständlich wie ein Protest für alle. In der Theorie ist das toll, aber für die Praxis heisst das: Dann müssen auch gewisse Standards (z.B. ein anti-sexistischer Anspruch) verankert sein, um gesamt­gesellschaft­lichen sexistischen Tendenzen ent­gegen­zu­wirken.

Interessiert, was die deutsche Occupy-Bewegung so macht, klickte ich mich also durch die Occupy-Germany Seite und fand auch flugs den Hinweis, dass es “keine Hierarchien” in der Bewegung gäbe. Meine Alarm­glocken glühten dunkelrot, denn eine Bewegung, die gesell­schaftliche Miss­stände anprangert und von nicht-existenten Hierarchien schwafelt, offenbart leider, dass sie keine gesell­schaftliche Analyse hat. Ich kenne keine Gruppe, keine Vereinigung, keine Bewegung, die frei von Hierarchien ist, denn diese sind gesell­schaftlich verankert, formen unser Handeln, bestimmen unsere Sprech­position. Auch bekleckert sich die Occupy-Bewegung nicht mit Ruhm, wenn sie eigentlich nur die männliche Form kennt, Frauen aber auf einmal doch auf­tauchen:

“Wir sind Wissenschaftler, Politiker, Studenten, Schüler und Haus­frauen.”

Puh. Als Feministin schlackern mir da gewaltig die Ohren. Die Haus­frau am Ende der Auf­zählung zeigt erst, wie wenig das Paradigma “In der männlichen Form sind doch alle mitgemeint!” zutrifft. Und bevor ich jetzt die ersten “Spalterinnen!”-Rufe höre von Menschen, die genervt davon sind, dass Feminist_innen linke Bewegungen auf ihr feministisches Potential abklopfen, stelle ich mal die rhetorische Frage: Sollten feministische Ziele nicht selbst­verständlich Teil linker Kämpfe sein?

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Der lange Arm der Pseudowissenschaft

4. Oktober 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 26 von 29 der Serie Neues vom Quotenmann

Immer wieder werden “den Unterschieden zwischen Mann und Frau“ lange Artikel in den Mainstream-Medien gewidmet. Auf Spiegel-Online gibt es sogar eine spezielle Themenseite, die den mehr oder weniger expliziten Anspruch hat, die wichtigsten Ergebnisse der Wissenschaft zu diesem beliebten Themenkomplex zu popularisieren. Doch sofort kommt der erste Schock durch das total stereotypische „Aufmacher-Bild“: Er und Sie, den aktuellen Schönheitsidealen perfekt entsprechende, weiße, junge, moderne Adam und Eva vor grünem Waldhintergrund, also vermutlich in Rousseaus Naturzustand.

Der erste Eindruck täuscht leider nicht: Bei den meisten Texten der Rubrik – und Spiegel-Online ist nur das bekannteste Beispiel – handelt es sich um leichte Lektüren, die sich bei Kaffee- und Cocktail-Party-Gesprächen schnell reproduzieren lassen und gut unter dem Motto „Die LeserInnen bloß nicht überfordern!“ stehen könnten. Einer der letzten Beiträge auf der Themenseite verspricht zum Beispiel eine Lösung für das Problem, warum Frauen besser über Kummer reden können. Doch schon der Lead-Absatz dämpft die Erwartungen: „US-Psychologen haben jetzt eine Erklärung gefunden. Aber ist die wirklich logisch?”.

Nach einer kritischen Lektüre des Artikels muss nicht nur festgestellt werden, dass die Antwort auf die ursprüngliche Frage völlig ausbleibt, und der Titel sich als billiger Trick entpuppt. Darüber hinaus wird klar, dass selbst die zu popularisierende „Wissenschaft“ oberflächlich und letztendlich nichtssagend ist. Jungs und Mädchen wurden gefragt, warum sie über persönliche Probleme reden, oder warum sie dies eben vermeiden; mehr Jungs als Mädchen geben an, dass sie solche Gespräche „sinnlos“ finden und dass sie sich dabei „weird“ fühlen; die „Wissenschaftler“ nehmen dies ernst und für bare Münze; es finden keine weiteren Tests und kein Interpretieren von Ergebnissen statt.

Ohne Wenn und Aber haben solche Texte – im Spiegel und in zahlreichen anderen Magazinen – einen ziemlich großen Einfluss auf die Mainstream-LeserInnen. Und mehrere Fragen liegen nahe: Wieso merkt niemand, dass hier der Unterschied zwischen dem vermeintlichen Anspruch und dem konkreten Inhalt lächerlich hoch ist? Warum fällt niemandem auf, dass eine solche „Studie“ wenig Ernstzunehmendes, geschweige denn Wissenschaftliches zu bieten hat? Dazu nur eine erste Konklusion: Aufklärung darüber, wie gute, kritische Sozialwissenschaft auszusehen hat, gehört als Priorität auf die feministische Agenda. Denn die Emanzipation von Pseudopsychologie ist ein wichtiger Teil der allgemeinen Emanzipation.


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Was Frauen wollen

19. September 2011 von Anna-Sarah

Männer als Experten für die weibliche Sexualität als solche heranzuziehen ist immer gut. Männer, z.B. Urologen, wissen ja anscheinend oft auch am besten, was Frauen sexuelle Befriedigung verschafft. Die Dimensionen des Penis ihres Partners  sind es demnach schonmal nicht. Überhaupt scheint eigentlich das ganze Profan-Körperliche eher unwichtig für Frauen zu sein, denn:

“Frauen sind viel klüger und – was Männer leider oft nicht wissen – sehen ihre sexuellen Wünsche ganz überwiegend nicht durch die Größe eines Organs erfüllt, sondern vielmehr durch angemessene emotionale Zuwendung”.

Frauen haben also Sex mit Männern, um emotionale Zuwendung zu erhalten, körperliche Befriedigung spielt eine untergeordnete Rolle? Und die beiden Aspekte lassen sich sauber voneinander trennen? Und natürlich sind Frauen “viel klüger”, als dass sie irgendwie Gefallen an großen Penissen finden könnten, was natürlich praktisch wäre, weil sich Männer dann nicht diesem ätzenden Körperperfektionsdruck ausgesetzt fühlen müssen? Sicher… Entsprechend realitätsnah fällt dann auch der Expertentipp aus für Männer, die wegen vermeintlich unzureichender sexueller Performance an sich zweifeln könnten:

“Männer sollten also viel (m)eh(e)r über die weibliche Sexualität nachdenken und nachlesen als die sexuelle Boulevardpresse zu konsumieren.”

Ja, im Ansatz eine absolut prima Idee – aber dann bitte nicht ausschließlich bei heterosexuellen Cismännern nachlesen, denn die Expert_innen zu diesen Dingen finden sich woanders… Noch zielführender als jede Fachlektüre und Denkakrobatik könnte  außerdem sein, die betreffende Frau einfach mal zu fragen, was es mit ihrer Sexualität so auf sich hat. “Die weibliche Sexualität” gibt es nämlich natürlich genauso wenig wie “die ideale Penisgröße”. Ja, leider, Männer: Es kommt vor, dass einer Frau ein Penis auch mal “zu klein” ist. Es kommt auch vor, dass der Penis überhaupt nicht so eine wichtige Rolle beim Sex spielt, egal wie groß oder klein, weil es zwischen Penisfixierung und emotionaler Zuwendung auch noch andere Faktoren gibt, die beim Sex wichtig sein können – auch beim Heterosex. Beides ist im jeweiligen persönlichen Einzelfall für Beteiligte vielleicht manchmal sehr doof, traurig und frustig. Aber  bevormundendes Beruhigungsgeschwafel und Mythenstreuung darüber, was “die” Frauen im Bett angeblich wollen, helfen keinen Deut weiter. Und ich will mir meine angebliche Sexualität auch nicht immer wieder von Männern erklären lassen.


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Ficken! Ja, ist denn das überhaupt was für Frauen?

16. September 2011 von Verena

Es gibt Sätze, die möchte ich nicht mehr lesen. „Aber wollen Frauen überhaupt Sexdates?“ ist so einer, gesehen bei taz.de.

Dort geht es um die Dating-App Blendr, die nun für Heterosexuelle das möglich machen soll, was für schwule Männer schon sehr erfolgreich genutzt wird: Schnell mal die/den Fremde_n kontakten, die/der sich sexbereit in der Nähe befindet. Und nun die bescheuerte Frage, ob das Sinn mache, denn, genau „Aber wollen Frauen überhaupt Sexdates“. Ja, liebe taz, sie wollen, bloß spricht ihnen die Gesellschaft gerne ihre Hemmungslosigkeit ab.

Das sagt ja auch Martin Dannecker, den Sexualwissenschaftler, den ihr befragt habt. Bloß habt ihr es so geschickt gedreht, dass es immer noch aussieht, als würden Frauen nur für den Heiratsantrag die Beine breit machen. Und Dannecker sagt noch etwas, nämlich dass auch Casual Sex nicht ohne Beschnuppern funktioniert – egal ob für Mann oder Frau, egal ob homo- oder heterosexuell.

Und „schwule Mädchen“, der Begriff taucht dann auch noch auf, gibt es nicht nur als ‚witzigen’ Songtitel , sondern das sind Frauen, die von schwulen Männern angeturnt sind, emotional wie sexuell. So!


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