Einträge der Rubrik ‘International Arschlöcher’


Ernsthaft? Frauen zu blöd zum Beine überkreuzen?

22. Mai 2012 von Helga
Eine verschlungene Metallrutsche, die an einer Stelle steil nach unten führt

Hilfe, ich bin eine Frau, holt mich hier runter!

In Zeiten moderner Technik und Sicherheitsvorschriften bleibt nicht mehr viel, was in der Zivilisation so richtig gefährlich ist. Außer Rutschen. In Österreich sind die augenscheinlich so gefährlich, dass Frauen sich von ihnen fernhalten sollten. So warnt der Freizeitpark Area 47 vor der Benutzung der Rutsche FreefallAchtung: Nicht für weibliche Badegäste geeignet!“ – immerhin geht es mit bis zu 80 km/h in die Tiefe. Eine Beschwerde dazu liegt inzwischen beim Werberat vor, mit weiteren Erklärungen:

auf meinen darauffolgenden Anruf und die Frage hin, warum Frauen diese Rutsche nicht benutzen dürfen, wurde mir von einer Angestellten erklärt, dass Frauen sich leichter erschrecken und es viel gefährlicher für sie wäre. Diesem Argumentationsgang kann ich nicht ganz folgen, da meines Erachtens nach genauso Männer sich die Hoden prellen o.ä. Verletzungen davontragen können, wenn sie mit 80 km/h ins Wasser “donnern”. Auch wurde mir gesagt, dass die BenutzerInnen dieser Rutsche die Beine überkreuzen müssten. Mir war bis dato nicht klar, dass Frauen diese Technik des Überkreuzens nicht beherrschen…

1950 lässt grüßen. Frauen erschrecken sich viel zu leicht und sind zu blöd, ihre Beine richtig zu benutzen. Der Werberat hat dazu erklärt, es handele sich nicht um „Wirtschaftswerbung“, daher sei er nicht zuständig. Was diese Werbung nun genau sei, wird leider nicht erläutert.

(via @apo_)


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Putin: Machismo für alle Jahreszeiten

6. März 2012 von Silviu
Dieser Text ist Teil 18 von 19 der Serie Im Osten nichts Neues?

Wladimir Putin ist am Sonntag zum dritten Mal zum Staatspräsidenten Russlands gewählt worden. Schon im ersten Wahlgang, mit rund 60 Prozent der Stimmen. Trotz andauernder Proteste von Zivilgesellschaft, Oppositionsparteien und einfachen BürgerInnen. Der Wahlbetrug war massiv, doch auch ohne Fälschungen hätte der Autokrat gewonnen.

Das tut den demokratisch Gesinnten in und jenseits von Russland weh. Denn es ist nicht bloß eine billige Komödie, keine reine Selbstinszenierung eines Diktators, die sich schnell abtun ließe. Vielmehr zeigt das Ergebnis in einer bitteren Art und Weise die Grenzen und Komplikationen der Demokratie, die Fragilität der Institutionen, die inhärenten Schwächen der politischen Freiheit.

Putins Macht genießt populäre Unterstützung. Und zwar nicht nur, weil er (wie jeder Autokrat) ein vermeintliches Bedürfnis nach Ordnung, Stabilität, Disziplinierung und Uniformität, in einem Wort die Angst vor Freiheit bedient. Nicht nur, weil er – trotz krasser Ungleichheiten und trotz einer primitiven Form von Kapitalismus – durch die Kontrolle von Öl und Gas einen gewissen Grad Wohlstand garantiert. Nicht nur, weil er sich oft einem kruden nationalistischen und paternalistischen Imperialismus bedient, der schon zu sowjetischen Zeiten ein wichtiger Teil des offiziellen Diskurses ausmachte, da die Genossen scheinheilige Marxisten waren.

Putins Macht ruht auch auf einer guten Dosis Machismo und Phallokratie. Die feministischen Proteste der Femen-Aktivistinnen sind also nicht nur als opportune Aktionen zu interpretieren. Die performative Kritik des Machismo hat tatsächlich sehr viel mit den Wahlen und dem System Putin zu tun. Denn der Machismo des Autokraten – und das ist auch eine sehr unangenehme Erkenntnis – gehört zu den wesentlichen Gründen seines Erfolgs. Seine WählerInnen wünschen sich einen „starken“, „männlichen“ Präsidenten, sie drücken ihre politischen Vorlieben in einer Sprache aus, die durchaus von einer sexualisierten traditionellen Symbolik geprägt ist. Ohne Zweifel tragen die russischen Medien und die PR-Maschinen der Macht massiv dazu bei. Putins ständige Potenzshow wird überall übertragen bis zum Erbrechen: Putin in der tiefen See, Putin mit den wilden Tigern, Putin im hohen Gebirge. Putin bietet seiner Wählerschaft Machismo für alle Jahreszeiten.

 


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Münchener Polizei bedient Vergewaltigungsmythen

27. Februar 2012 von Nadine

Ein Münchener Kulturzentrum, der örtliche Frauennotruf sowie das Jugend­kultur­werk wollen mit einer neuen Plakat- und Flyerkampagne auf sexualisierte Gewalt in Clubs und die Problematik von K.O.-Tropfen aufmerksam machen: “Nein meint Nein”, soll weibliche Gäste ermutigen “in heiklen Situationen ‘Nein’ zu sagen und sich Hilfe zu holen”, so sueddeutsche.de.

Es lässt sich darüber streiten, warum sich eine Kampagne gegen sexualisierte Gewalt in erster Linie an (potentiell) Betroffene und nicht an (potentielle) Täter richtet, viel skandalöser ist allerdings die Tatsache, dass die lokale Polizei die Kampagne nicht unterstützt:

Man sei überrascht, sagt Rainer Samietz vom Kommissariat zur Be­kämpfung von Sexualdelikten. Er kennt die Problematik mit den K.-o.-Tropfen; eine Häufung der Fälle kann er aber nicht bestätigen. Samietz sagt, dass auch Frauen “wahnsinnig viel trinken und dann nichts mehr wissen”. Würde weniger getrunken, hätte man weniger Fälle von sexuellen Übergriffen.

Wir erinnern uns an die Aussage eines kanadischen Polizisten, der Frauen riet, sich nicht wie “Schlampen” zu kleiden, damit sie nicht vergewaltigt würden. Dieses Victim Blaming löste die weltweite Protestwelle der SlutWalks aus. Auch Rainer Samietz bedient sich der gleichen Argumentation, wenn er Frauen rät, weniger Alkohol zu trinken. Schlimm genug, dass so jemand beim Kommissariat zur Be­kämpfung von Sexualdelikten arbeitet, wo sich die Polizei bei der Bekämpfung von sexualisierter Gewalt nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Es scheint nach wie vor völlig legitim zu sein, den Fokus nicht auf eine konsequente Täterarbeit zu richten, sondern potentiell Betroffenen Ratschläge zu erteilen, um ihnen im Fall eines Übergriffs deren Nichtbefolgung vorzuwerfen und somit eine Mitschuld an sexualisierter Gewalt zu geben. Alkoholkonsum, Kleidung und Aussehen von Betroffenen zählen nach wie vor zu den beliebten Erklärungsmustern, wenn es um Vergewaltigung geht. Dass diese jedoch allesamt Mythen sind zur Verharmlosung sexualisierter Gewalt, davon scheint ein Polizist im Kommissariat zur Bekämpfung von Sexualdelikten noch nichts vernommen zu haben.


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Zusammen für ein gerechtes Rumänien

9. Februar 2012 von Silviu
Dieser Text ist Teil 17 von 19 der Serie Im Osten nichts Neues?

In Rumänien wird zum ersten Mal seit der Wende spontan protestiert. Seit mehr als einem Monat sammeln sich BürgerInnen aller sozialen Schichten und Altersgruppen, um gegen drastische Sparmaßnahmen und extreme Ungleichheiten zu demon­strieren. Es fing heftig an. Staatspräsident Traian Basescu und seine rechtsliberale Regierungsmehrheit wollten – unter dem Vorwand der vom IWF (Internationaler Währungsfonds) verlangten Haushaltssanierungen und hinter dem Rücken der Öffentlichkeit – das ganze Gesundheitssystem privatisieren. Es flogen Steine, Schaufenster von Banken und Geschäften gingen zu Bruch, Menschen lieferten sich erstmals seit 20 Jahren handfeste Auseinandersetzungen mit der Gendarmerie.

Die Regierung versuchte, die Wut der BürgerInnen mit Zugeständnissen ab­zu­wenden, doch das funktionierte nicht mehr. Aus einem monothematischen Protest wurde bald eine Bewegung. Trotz Schnee und klirrender Kälte demonstrieren hunderte, manchmal tausende Leute in den Großstädten und vor allem auf dem Universitätsplatz in Bukarest, jenem Ort, wo auch 1989 protestiert wurde. Von Anfang an forderten sie den Rücktritt der Regierung und Anfang der Woche ist diese auch tatsächlich zurückgetreten. Angesichts der katastrophalen Umfragewerte und der anstehenden Wahlen gab es kaum andere Optionen.

Doch den „armen Schluckern“ von der Straße, wie ein Abgeordneter der rechts­liberalen Mehrheit sie nannte, geht es nicht nur um ein arrogantes Kabinett und seinen kläglichen Premier. Sie wollen ein Ende des Wildwest-Kapitalismus, der nach der Wende viele Länder Osteuropas plagt. Und sie kämpfen für viele kleinere, aber wichtige Ziele: Ernstzunehmende Umweltschutzprogramme, ein Ende des umstrittenen Bergbauprojektes von Rosia Montana, eine anständige Finanzierung von Bildung und Gesundheit statt massiver Privatisierungen, eine Diskussion statt einer sofortigen Ratifizierung des ACTA-Abkommens.

Die feministische Gruppe Filia, aber auch viele BloggerInnen und AktivistInnen beteiligen sich täglich an den Protesten und zeigen, dass Gender-Ungleichheiten, Sexismus und Homophobie auf die politische Agenda gehören und kein vermeintlich privates Problem darstellen. Die autistische neoliberale Spar- und Privatisierungspolitik und ihre konkreten Konsequenzen für Frauen als eine der am meisten betroffenen Gruppen werden dadurch endlich problematisiert. Ebenfalls wird der Regierungsmehrheit zu Recht vorgeworfen, dass sie in den letzten Jahren wenig bis nichts für mehr Gleichheit und Gleichberechtigung getan hat. Es werden keine Wunder über Nacht geschehen, doch diese breite Front an Protest ist ein guter Anfang.


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Gute Nachrichten und zu viel Sexismus – kurz notiert

4. Januar 2012 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 133 von 153 der Serie Kurz notiert

Skepchick Rebecca Watson hat wieder einmal Sexismus in der atheistischen Community angekreidet. Diesmal wurde ein 15-Jähriges Mädchen mit Kommentaren zu ihrer „Fickbarkeit“ überschüttet, nachdem sie versucht hatte, sich einzubringen (auch unter Atheist_innen kommt regelmäßig die Frage auf, wo „die Frauen“ sind. Kate Harding führt die Antwort auf „was soll’s? Im Internet sind halt blöde Leute unterwegs“ noch einmal genauer aus. (Das Beispiel kam auch in Helgas Vortrag bei dem Kongress zum „Ende der Privatsphäre“, der Spackeriade, vor.)

Zwischen Weihnachten und Neujahr trafen sich in Berlin wieder einmal Haecksen und Hacker zum Chaos Communication Congress – Sexist_innen und Nazis waren leider auch dabei. So entwickelte sich eine Diskussion um den „Balls of Steel“-Award von Fefe. Auch side-glance war dabei und hat darüber gebloggt.

Ein tolles neues Projekt ist “I’m feminist enough to…” das schwarzen Frauen eine Stimme gibt:

Der Kinofilm „Romeos“ darf nun doch bereits ab 12 gezeigt werden. Die FSK hatte zuerst Angst, die homosexuellen und transgender Charaktere könnten hetero­sexuelle, cisgender Teenager verwirren (wir berichteten). Nach ernomer Kritik wurde die Entscheidung nun revidiert, so queer.de – allerdings mit der Einschränkung, den Film nicht an stillen Feiertagen zu zeigen.

Das Magazin der österreichischen HochschülerInnenschaft, Progress, blickt hinter die Kulissen des Missy Magazines und porträtiert Mitbegründerin Sonja Eismann.

Der NDR berichtet über ein Hamburger Mädcheninternat, das technikbegeisterte Abiturientinnen ein Jahr in verschiedene Studiengänge und Hochschulen reinschnuppern lässt.

Schon mal vormerken: Am 25. Januar geht es bei den Berliner Grünen um die „Situation in Deutschland 10 Jahre nach Verabschiedung des Gewalt­schutz­gesetzes“. Anmeldeschluss ist allerdings schon der 11. Januar!

Vom 20. bis 22. Januar steigt in Wien das „Make me Eclectic“-Festival zu Hard- und Software Hacking.

Am 2. Februar feiert Sookee in Berlin die Release-Party zu ihrem neuen Album Bitches Butches Dykes & Divas.


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Die Social-Media-Arschkarte

26. Oktober 2011 von Helga
Dieser Text ist Teil 54 von 54 der Serie In Bildern: Das denkt die Welt

Besonders „originell“ wollte wohl Chapstick (das US-amerikanische Pendant zu Labello) sein. Ganz im Sinne des Social-Media-Hypes wirbt die Firma derzeit dafür, sich auf seiner Facebookseite „Gehör zu verschaffen“. Leider ist das Anzeigenmotiv so furchtbar (siehe unten), dass es von vielen Frauen Kritik hagelte.

Eine hellbeige Sofalandschaft, eine schlanke Frau in dunkelblauen Jeans beugt sich über die hintere Kante, so dass ihr Hintern mit gespreizten Beinen prominent gezeigt wird.

Social Media also nicht nur als billige Lobhudelei sondern echte Interaktion? Damit konnte die Firma augenscheinlich nicht umgehen und löschte kritische Kommentare, sichtbar blieben natürlich die anzüglich sexistischen. Dokumentiert wurden die Klogriffe, wie auch die kritischen Kommentare aber von einer neuen Facebookseite, die Chapstick die Arschkarte zeigt. So geht „sich Gehör verschaffen“.


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Weibliche Computerspielcharaktere? Nein, Betthäschen.

26. Oktober 2011 von Helga

Beiträge über die (fehlende) Repräsentation von Frauen in Computerspielen haben hier schon ab und an lange Diskussionen ausgelöst. So klar wie die Aussage von Art Director Jonathan Jacques-Bellêtete (Deus Ex: Human Revolution) bei der New Yorker Comic Con, wurde es bisher aber nicht:

In describing his influences, Jacques-Bellêtete mentioned he was heavily influenced by Metal Gear and Final Fantasy. Then he went into a two minute riff about “always trying to have very beautiful female characters,” noting that these were characters he would want to sleep with.

Bei der Beschreibung seiner Einflüsse erklärte Jacques-Bellêtete, dass er stark von Metal Gear und Final Fantasy geprägt sei. Anschließend ergoss er sich zwei Minuten wie er „immer versuche, sehr hübsche weibliche Charaktere zu haben“, anmerkend, dass dies Charaktere seien, mit denen er schlafen würde.

Wie Latoya Peterson auf Kotaku erklärt, endlich mal eine ehrliche Erklärung für eine Reihe an unglaublich sexistischen Charakteren. Auf ihre Nachfrage hin, wie diese Einstellung in Design und Präsentation der weibliche Charaktere fließe, antwortete er eher ausweichend – dass mehr Frauen im Entwicklungsteam eines Spiels die Repräsentation von Frauen im Spiel verbessern. Zum Abschluss des Panels zeichnete Jacques-Bellêtete dann Lightening, die Hauptfigur von Final Fantasy XIII. Und entblödete sich nicht, nur ihr Dekolleté zu zeichnen.

Isamu Kamikokuryo, der im gleichen Comic Con-Panel saß und Lightening mit entworfen hat, erklärte den Entwicklungsprozess übrigens so: „Wir haben beim Designen lange darüber nachgedacht, was wir mit jedem Charakter ausdrücken wollten.“

Ach, wie schön es wäre, wenn so alle Entwickler_innen von Computerspielcharakteren denken würden. Bis dahin gilt das Fazit eines Kotaku-Kommentators:

I’ve heard men complain that there aren’t enough geeky women out there. They’re right, but what they can’t seem to get through their thick skulls is that THIS IS WHY, or at least, it’s a major factor.

Ich habe Männer gehört, die sich beschweren, dass es zu wenig geekige Frauen gibt. Sie haben recht, aber was sie nicht in ihre dicken Schädel zu kriegen scheinen ist, dass DIES DER GRUND ist, oder zumindest ein großer Faktor.


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Polen: Verwässerte Frauenquote bringt wenig

19. Oktober 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 14 von 19 der Serie Im Osten nichts Neues?

Die Frauenquote hat bei den polnischen Parlamentswahlen am 9. Oktober wie erwartet wenig gebracht. Wie erwartet, weil das eine verwässerte Version der ursprünglichen Vorschläge aus den progressiven Zivilgesellschaftsecken ist. Zwar müssen 35 Prozent der Parteilisten mit Frauennamen gefüllt werden, doch nichts garantiert, dass zumindest einige Kandidatinnen auch vorne genug auf den Listen stehen, um eine realistische Chance zu haben. Ergebnis: Ein neuer Sejm, der ähnlich wie der alte von Männern dominiert ist und in dem Frauen nur 23 Prozent darstellen.

Das Armutszeugnis gilt für die meisten Politiker des Landes, die – wie es nur so oft auch in Deutschland passiert – nur eine halbe Reform verabschiedet haben. Doch keine Partei konnte bei diesem Thema Jaroslaw Kaczynskis PiS an Heuchelei übertreffen. Nachdem der rechtskonservative Oppositionspolitiker und ehemalige Premier monatelang die Initiative mit Scheinargumenten bekämpft hatte, stellte er kurz vor der Wahl seine Kandidatinnen vor: Alles junge, stereotyp hübsche und völlig unerfahrene Grazien, die harmlos von den Wahlplakaten lächelten.

Der Trick hat Kaczynski freilich nichts geholfen: Er bleibt höchstwahrscheinlich vier weitere Jahre in der Opposition. Diese Salamitaktik erwies sich dagegen als relativ erfolgreich in den Medien und wurde gerne in Talkshows debattiert. Ab und zu auch in Anwesenheit der besagten chancenlosen Kandidatinnen, die ins Kreuzfeuer der konservativen und liberalen Öffentlichkeit gerieten. Ein peinliches Spektakel.

Nachdem die Reformprojekte mehrerer feministischen Organisationen, sowie von SozialwissenschaftlerInnen ignoriert, bzw. abgeschwächt wurden, fordern jetzt Teile der Zivilgesellschaft eine radikalere Änderung. Bei den nächsten Wahlen soll 50 – 50 Parität und das sogenannte Reißverschlussprinzip (Mann – Frau – Mann – Frau…) auf den Parteilisten gelten. In Polen sind laut Umfragen die Bürger (auch die Männer) für Parität im Parlament. Die Männer im Parlament sind es nicht.


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Frau schlägt Mann – was eine Nachricht alles hergibt

30. September 2011 von Helga

Weil er keinen Sex wollte, hat in Iowa eine Frau in ihrer Wohnung randaliert und ihren Freund geschlagen, soweit die Nachricht in der Ärztezeitung. Dabei fallen gleich mehrere Dinge auf. Das fängt schon damit an, dass es überhaupt eine Nachricht ist. Körperliche Gewalt, die von Frauen ausgeht, passt einfach nicht in das weiter prägende Bild der schwachen, zu beschützenden Frauen. Genauso wenig passt es, dass ein Mann keinen Sex will. Sie will, er nicht – eine Situation auf die unsere Gesellschaft bis heute keine Antwort hat. Schließlich auffällig: Während schlagende Männer oft die „Kontrolle verloren haben“ heißt es hier, die Frau sei „außer Kontrolle geraten“. Ganz so, als sei es die Aufgabe ihres Freundes gewesen, sie zu kontrollieren. So wird die Täterin wieder ein Stück weit aus der Verantwortung entlassen, sie wieder als Objekt dargestellt und gleichzeitig seine Männlichkeit noch ein Stück weiter demontiert.


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Ein schwules Dorf, Frauenradio und Afghanistan – kurz notiert

16. September 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 121 von 153 der Serie Kurz notiert

In Großbritannien ist eine Einschränkung der Abtreibungsgesetze erstmal vom Tisch. Freie Kliniken, die Abtreibungen durchführen, dürfen weiter Beratungsgespräche anbieten. Konservative Abgeordnete hatten das verbieten lassen wollen, um „unabhängige Berater_innen“ zu stärken – die allerdings oft von Abtreibungsgegnern finanziert werden, so der Guardian.

Gibt es einen typisch weiblichen Führungsstil? Nein, sagt eine neue Studie. Führungskompetenz ist eine Frage der Persönlichkeit, nicht des Geschlechts.

Ein Dorf nur für Schwule? Soll’s bald geben und zwar in Andalusien. Äußern soll sich das vor allem in rosa angestrichenen Häusern. Ähm ja. Die Frage ist ja eh, ob das wirklich ein schwules Dorf werden soll oder “gay” einfach nur mal wieder männlich übersetzt wurde. Aber wollen Lesben überhaupt ein eigenes Dorf? Und welche Farbe hätten die Häuser dort?

Bessere Nachrichten kommen aus Frankreich: Dort soll nun auch in Schulbüchern stehen, dass sexuelle Identität nicht nur durch die Biologie bestimmt wird.

“filia. die Frauenstiftung” bittet um Spenden für den ersten und bisher einzigen Frauenradiosender in Ägypten, die “Girls only Radio Station”. Am 28. September findet in Hamburg außerdem die Veranstaltung “Ägyptens Mädchen melden sich zu Wort” statt, ein Pressetermin mit Amani Eltunsi, Gründerin von “Girls Only Radio Station”.

In China ändert sich das Scheidungsrecht: Eine gemeinsame Wohnung wird jetzt nicht mehr zwischen den Partnern aufgeteilt, sondern soll an den registrierten Besitzer gehen. Das sind aber traditionell fast immer die Männer. Damit werden  junge Frauen zur neuen Immobilienverkaufszielgruppe und heiraten jetzt auch endlich alle nur noch aus Liebe und nicht mehr, um sich eine Wohnung zu erschleichen. Juhu!

Die Frauenfrage bei den Piraten, anlässlich der Berlinwahl mal wieder neu aufgerollt, diesmal von der taz.

Ebenfalls in der taz: Ein Interview mit der Aktivistin Noorjahan Akbar über die Situation von Frauen in Afghanistan und die Rolle und Verantwortung des Westens diesen gegenüber: “Da die westlichen Länder sich hier aber engagiert und den Frauen einige Freiheiten gebracht haben, können sie jetzt nicht so einfach gehen und alles wieder den Taliban überlassen.”

jezebel.com berichtet (auf Englisch) über die Suche von American Apparel nach einem so genannten “plus size model” und über Nancy, die sich als ein solches beworben hat. Mit guten Fotos und klugen Gedanken.

Die feministischen Parteien Europas wollen 2014 ins Europaparlament. Was die Vertreterinnen dieser Parteien bei ihrem Treffen Ende August sonst noch besprochen haben, steht bei dieStandard.

Sind Männer, die Frauen die Tür aufhalten Sexisten? Erika Lust kommentiert in ihrem Blog solche und andere Überlegungen.

Hugo Schwyzer im Gespräch mit dem Bitch Magazine über Männer unter Schönheitsdruck.

James Kaliardos ist “Makeup Artist” und ließ sich bei seinem letzten großen Job vom “afrikanischen Gesicht” inspirieren. Aha. Bei jezebel.com wurden wohl ebenfalls die Köpfe geschüttelt.

Termine gibts auch noch. Nach dem Klick:

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