Einträge der Rubrik ‘Inspiration’


Future Girls feat. Bernadette La Hengst

14. Januar 2017 von Magda

Ein Musikprojekt mit den ‚Future Girls‘ und Bernadette La Hengst, das den besten Satz der Musikgeschichte enthält: „Ich kann sehr gut Pizza essen“.

Durchgeführt von TRITTA e.V. – Verein für feministische Mädchenarbeit Freiburg.


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Haben Wollen: Feminist Killjoy-Geschenke

16. Dezember 2016 von Nadia

Feminist Killjoy-Geschenke die man jetzt und nächste Woche und nächstes Jahr noch verschenken kann! Ein paar habe ich schon mit Erfolg weiter verschenkt. Viel Spaß mit Wunsch- und/oder Einkaufsliste meines Vertrauens!

KILL YOUR LOCAL ALPHA MALE

Ein Patch dass nicht nur schön aussieht, sondern auch noch schön erschwinglich ist: Für 3,-€ pro Teil könnt Ihr Euren ganzen Squad ausstatten!

GHOSTBUSTERS-MERCH

Nicht nur ein tolles Geschenk, anscheinend auch eine gute Wertanlage: Die Preise der Mattel-Figuren steigen zum Beispiel rasant. (Ich habe mir Holtzmann als Altersvorsorge zugelegt.)

SCHMUCK VON ELSA P. UNDERWOOD

Elsa macht zwar grad Weihnachtspause, aber man kann ja durchaus auch Gutscheine für ihren tollen Schmuck verschenken! (mehr …)


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Samstagabendbeat mit SSE aka Naya Isso

3. September 2016 von Anna-Sarah

Mädchenkram forever! Via @frau_naijn


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Am ersten Tag des Neubeginns

29. August 2016 von Hannah C.

Es waren die drei besten scheiße anstrengenden Tage seit Monaten für mich: Ausbildungsbeginn an einem Berufskolleg

Ja, ich habe einen Ausbildungsplatz. Ich.
Die mit dem Schwerbehindertenausweis, dem Assistenzhund und dem 9 Jahre großen Loch im Lebenslauf.
In den nächsten 3 Jahren, werde ich dieses Kolleg besuchen und am Ende einen Beruf erlernt haben. Als Abschiedsbonbon gibts ein Fachabitur dazu.
Was für ein geiles Privileg!

Vor gut drei Wochen feierte ich meinen dreißigsten Geburtstag. Meine Mitschüler_innen ihren sechzehnten, siebzehnten, achtzehnten.
Sie kommen von Real- und Gesamtschulen in der Umgebung, dürfen ganz frisch “feiern gehen”, haben buntbunte Gedanken und mit mir den ersten näheren Kontakt mit einer behinderten Person, die einen Assistenzhund mit sich führt.

Für mich ist diese Situation nicht neu – und doch ist sie so noch nie gewesen.
Ich kenne das, wenn Menschen meine Hündin und mich auf der Straße sehen. Kenne das unbeholfene Gewühle nach Worten, wenn man versucht mich zu fragen, “was ich denn habe”. Ich spüre die Veränderung im Gesprächsklima, wenn ich ohne meine Hündin an der Seite sage, dass ich eine behinderte Person bin.
Was ich nicht so gut kenne, ist Akzeptanz. Anerkennung. Zugeständnisse von zusätzlichen Schleifen, Kraftaufwendungen, Erklärungen und Nötigkeiten.
Den Raum, mir die maximale Barrierefreiheit zu ermöglichen.

Das erklärte Ziel der Lehrenden ist der erfolgreiche Abschluß für alle Schüler_innen gleich und das spüre ich im Kontakt mit meinen Lehrer_innen. Nicht als Retterpose. Nicht als political-correctness-Feigenblatt für ein eigentlich peinliches Einzelprojekt.
Auch das kenne ich ziemlich gut. Menschen, die vor allem für sich selbst “Gutes tun” und “mit gutem Beispiel vorangehen”, statt sich damit auseinanderzusetzen, was genau sie dort eigentlich tun und warum.

So bewegte ich mich nun also durch den Einschulungstag mit meinem Begleitermenschen neben mir und meiner Hündin an der Leine.
Und fühlte mich so wundergut beliebig.

Für viele Menschen ist der erste Schultag furchtbar, weil sie niemanden kennen. Ganz allein sind. Gar nichts wissen und sich nicht auskennen. Für mich ist das die Zeit, in der ich am meisten mit meinen neuen Mitschüler_innen gemeinsam habe. In der ich mit allem, was ich tue und habe, genauso fremd bin, wie die Personen um mich herum, die ihre Behinderungen vielleicht weniger sichtbar kompensieren können und auch wie die Personen, die keine dauerhaften Behinderungen kompensieren müssen.

Natürlich war ich “anders fremd” als alle anderen. Natürlich war ich “auffällig”. Aber es hat nicht weh getan und das ist, was mir das Gefühl gab, austauschbar in der Fremdheit zu sein.
Wäre ich nicht da gewesen, wäre da eine Person mit „mega vielen“ Pickeln “anders fremd” gewesen. Oder eine mit einer „verunglückten“ Frisur. Oder eine mit „komischer“ Stimme.

Am ersten Tag des Neubeginns sind alle Menschen gleich “anders fremd”.

Es tut mir gut, solche Momente im Leben zu haben und ich steige so tief in sie hinein, wie es geht.
Ich weiß, dass wir mit unterschiedlichen Er_Lebensweisen leben. Dass uns etwas trennt, was wir einander mitteilen, doch nie jeweils ganz erfassen können. Ich weiß, dass mir meine nicht dauerhaft behinderten Mitschüler_innen im Laufe der nächsten Wochen immer weiter weg erscheinen werden. Dass uns nicht viel verbindet. Dass meine Limits so sehr viele Dinge verunmöglichen, dass wir wenig Zeit und Raum außerhalb der Schule miteinander gestalten werden.
Ich weiß, was an sie herangetragen wird, wenn sie mich und meine Assistenzhündin irgendwo hin begleiten. Es gib so viel behindertenfeindliche Scheiße, der auch die Freunde, Helfer- und Begleiter_innen von sichtbar eine Behinderung kompensierenden Menschen, nicht entgehen können und der sich zu stellen nicht immer einfach ist.

Aber der Moment war da.
Und ich habe ihn genossen.

Und den anderen Moment auch.


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Wissenschaftliches Schreiben und Klassismus

21. April 2016 von Julia

Die Hochschule, an der ich die ersten Semester verbrachte, war finanziell recht gut ausgestattet, die Kurse waren klein, Lehre wurde durchaus ernst genommen und durch Tutorien ergänzt. Schreibkurse, Schreibberatungen oder Übungen zu wissenschaftlichem Schreiben, das gab es allerdings nicht. Immerhin habe ich mehrmals ausführliche Feedbacks zu meinen Hausarbeiten erhalten. Im ersten Semester empfahl uns ein Professor, uns Schreibvorbilder zu suchen. Dass ich mir diesen Tipp gemerkt habe, liegt vielleicht an der überaus wichtigen Botschaft, die er enthielt, nämlich: Wissenschaftliches Schreiben ist erlernbar.

Das ist viel. Eigentlich war es an den Hochschulen der Nullerjahre nicht eben üblich, wissenschaftliches Schreiben als etwas zu behandeln, das gelernt werden kann (und muss). Inhalte und Forschungsmethoden wurden gelehrt, Schreiben und wissenschaftliche Rhetorik mussten gekonnt werden. Als Lernkonzept ohnehin wenig überzeugend, hat diese Vorstellung eine fatale Klassendimension. Denn wenn wissenschaftliches Schreiben (und Denken und Sprechen) als etwas vermittelt wird, das eine_r von sich aus kann oder eben nicht, haben diejenigen, die in einem akademischen Umfeld aufgewachsen sind, einen „psychologischen“ Klassenvorteil.

Dazu muss ich ein kleines bisschen ausholen in Sachen Klassismus und Hochschule …
An der Hochschule willkommen und „richtig“ zu sein und mitzubringen, was dafür notwendig ist – wenn die Eltern Studienabschlüsse in der Tasche, vielleicht sogar eine eigene Doktor_innenarbeit im Schrank stehen haben, mögen dies alles in allem naheliegende Grundannahmen sein. An der Hochschule angekommen, führen klassistische Zugangsbeschränkungen und Normen dazu, dass Studierende und Lehrende bildungsbürgerlicher Herkunft in der Mehrzahl sind und den Umgangston ebenso prägen wie wissenschaftliche Konventionen. Die Folge: Das Sich-zu-Hause-Fühlen im Seminarraum ist ungleich verteilt, und das wirkt sich auch auf das Schreiben aus.

Für Studierende nicht-akademischer Herkunft kann wissenschaftliches Schreiben mit bestimmten Ängsten und Unsicherheiten besetzt sein. Negative Schreiberfahrungen (schlechte Noten, Schreibschwierigkeiten, negative Rückmeldungen) stellen schneller die eigene Identität als Studentin oder Wissenschaftlerin infrage; sie können die Grundangst, „nicht richtig“ zu sein an der Hochschule, verstärken. Fehler können als Bedrohung wahrgenommen werden, als etwas, das die eigene nicht bildungsbürgerliche Herkunft „verraten“ könnte.

Dazu kommt: Wissenschaftlich schreiben heißt für Personen aus nicht-akademischen Herkunftsmilieus, eine Art des Schreibens zu kultivieren, mit der das Herkunftsumfeld häufig wenig anfangen kann. Des ausschließenden Charakters wissenschaftlicher Schreibnormen sind sie sich häufig schmerzlich bewusst. Die widerstreitenden Ansprüche an das eigene Schreiben können zu Sprachlosigkeit und Schreibhemmungen führen – aber auch zu innovativen Formen wissenschaftlichen Schreibens, die der Verantwortung, „sich verständlich zu machen“ (Castro Varela 2003: 113), Rechnung tragen.
Personen aus der Armuts- oder Arbeiter_innenklasse haben kein „Defizit“, was wissenschaftliches Schreibens „an sich“ angeht. Sie müssen es lernen, wie alle anderen auch. Aber unter den gegebenen Umständen ist wissenschaftliches Schreiben mit bestimmten (Klassen-)Normen verbunden, häufig angstbesetzt und mit Unsicherheiten oder Abwehr veknüpft, die sich negativ auswirken können.

Die Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge dürfte das Problem verschärft haben: Für das Schreibenlernen bleibt weniger Zeit, bevor es „ernst“ wird, bevor die Abschlussarbeit ansteht. Es gibt aber auch positive Entwicklungen: An den Hochschulen und außerhalb entstehen mehr und mehr Schreibberatungen, es gibt Schreibsprechstunden, und Studierende können sich als Peer-Schreibberater_innen ausbilden lassen. Langsam scheint sich – endlich – die Vorstellung durchzusetzen, dass wissenschaftliches Schreiben keine (bildungsbürgerliche) Charaktereigenschaft ist, sondern eine erlernbare Fähigkeit. Ein Handwerk.

Allein dadurch wird sich Klassismus an den Hochschulen (vgl. Roßhart 2016, Kapitel 9) nicht in grundlegendem Maße abbauen lassen.
Aber es ist ein Anfang.

Verwendete Literatur
Castro Varela, María do Mar (2003): Vom Sinn des Herum-Irrens. Emanzipation und Dekonstruktion.
In: Koppert, Claudia/Selders, Beate (Hrsg.): Hand aufs dekonstruierte Herz. Verständigungsversuche
in Zeiten der politisch-theoretischen Selbstabschaffung von Frauen.
Königstein/Taunus. S. 91-115.

Roßhart, Julia (2016): Klassenunterschiede im feministischen Bewegungsalltag. Anti-klassistische Interventionen in der Frauen- und Lesbenbewegung der 80er und 90er Jahre in der BRD. Berlin. (Erscheint im Mai 2016.)

Zum Weiterlesen
Blog zum Thema Klassismus: clararosa.blogsport.de


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do it yourself – just for fun?

4. März 2016 von Hannah C.

Vor Kurzem lernte ich an der Nähmaschine zu nähen und wie immer, wenn sich neue Handlungsoptionen ergeben, kam es mir vor wie der Übertritt in eine neue Welt.
Kleidung, die wirklich passt nähen! Stoffdinge nähen, die mir gut tun! Stofftiere nähen, die andere Menschen erfreuen! Yeay!

Und dann kam, was kommen musste: die Kostenfrage
Nicht nur “die Geldfrage” – an Material kommt man immer irgendwie und auch an verschiedenes Spezialwissen.
Wenn man einen Internetanschluss hat.
Und den bezahlen kann.

Für mich gab es im Stoffladen einen Moment, in dem ich mich fragte: “Okay – ist es das jetzt wirklich wert?”, nachdem ich als Frau kategorisiert und mit einer Kinderwunschunterstellung konfrontiert wurde. Dann gab es das Moment, nachdem ich frustriert und den Tränen nah vor meinem Projekt saß und merkte, wie viel Arbeit, Zeit, Kraft es bis zu seiner Fertigstellung von mir abverlangen wird. Und dann gab es das Moment, in dem mir sehr bewusst wurde, dass ich mir gerade etwas selbst mache, was an anderer Stelle als therapeutisches Hilfsmittel gilt und entsprechend teuer auch verkauft wird. Weshalb ich es mir ja selbst machen wollte. Weil ich kann mir ja selbst helfen. Ich bin ja superautonom selbstbestimmt Powermenschwesen Rosenblatt.

“Do it yourself” ist seit Jahren ein Schlagwort für Eigeninitiative, kreatives und eigenverantwortliches Selbermachen.
Geht es in Sachen „Heimwerk(en)“ nachwievor überwiegend darum (cis) Männern ihre Erfolgserlebnisse bei der Materialverarbeitung im Zuge von Badezimmersanierung und Garagendämmung zu verkaufen, geht es in Sachen „Handarbeit“ nachwievor überwiegend darum (cis) Frauen Spaß und Freude bei der Materialverarbeitung für eher gestaltend-dekorierend bis praktisch-schönem Allerlei anzudrehen.

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Mit guten Vorsätzen ins neue Jahr?

4. Januar 2016 von Charlott

Auf ein Neues!

Auf ein Neues!

Als ersten Text im neuen Jahr zu Vorsätzen schreiben – Ist das nicht ganz schön langweilig? Vielleicht an dieser Stelle einen ersten Vorsatz: Einfach mal machen und gucken.

Es gibt viele gute Gründe gegen Neujahrs-Vorsätze. Die ersten beginnen bei der Frage nach der Festlegung des Datums, denn natürlich feierten nicht alle Menschen weltweit vor vier Tagen den Anbruch eines neuen Jahres, und dass aber an mittlerweilen vielen Orten am 31. Dezember der Jahresübergang begangen wird, ist kein historischer Zufall, nicht das Durchsetzen des einfach besseren Prinzips. Und warum dann gerade an diesem vollkommen arbiträren Tag plötzlich Pläne schmieden? Darüberhinaus kennen die meisten von uns die typischen Vorsätze, welche in der letzten Dezember-Nacht mantraartig aufgesagt werden: Endlich abnehmen! Endlich aufhören zu rauchen! Endlich was schaffen! Den eigenen Körper disziplinieren, sich möglichst marktförmig gestalten, funktionstüchtig für die Leistungsgesellschaft. Selbstoptimierung to the max.

Trotzdem hatte ich mir für 2015 das erste Mal so weit ich mich erinnern kann ernsthaft Vorsätze bereitgelegt. Es waren kleine Vorsätze. Einen habe ich nicht erfüllt, die anderen über. Das ist eigentlich eine schöne Bilanz, vor allem weil sie zu erfüllen mein Denken erweitert haben (ich wollte u.a. ein paar mehr Ausstellungen besuchen) und für mich aktivistisch wichtig waren (ich hatte mir vorgenommen häufiger auf Demonstrationen zu gehen). Nicht Vorsätze an sich sind furchtbar, Ansprüche an sich und das eigene Tun zu stellen ist nicht schlecht und auch nicht zu hoffen dazuzulernen, etwas besser zu machen – bzw. es nicht beim Hoffen zu lassen, sondern gezielt Arbeit reinzustecken.

Dafür braucht es nicht unbedingt den 31. Dezember/ 1. Januar, aber der Tag ist auch nicht schlechter als alle anderen. Darum hier ein paar Vorschläge für Gedanken zum neuen Jahr: Gibt es ein Themengebiet, über das ich gern mehr erfahren würde? Gibt es eine Sache, die ich gern (häufiger/ besser) machen würde? Freund_innenschaften pflegen? Demonstrieren? Schreiben? Kann ich besser werden im Zuhören bei mir neuen Perspektiven? Wie kann ich dieses aktive Zuhören gestalten? Kann ich andere Aktivist_innen sinnvoll in ihren Kämpfen unterstützen? Zum Beispiel auch durch die Umverteilung von Resourcen/ Geld? Wie kann und möchte ich mir Räume zur Ruhe und zum Entspannen schaffen? Und wie mit Scheitern umgehen?

Meine persönlichen Vorsätze? Habe ich noch nicht gemacht. Da denke ich noch etwas drüber nach. Muss ja nicht alles gleich in Stress ausarten.


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Samstagabendbeat mit Lizzo

12. Dezember 2015 von accalmie

Die großartige Rapperin und Sängerin Lizzo aus Minneapolis feiert mit ihrem neuen Lied „My Skin“ Körper aller Größen, Formen und Pigmentierungen: „I woke up in this – in my skin.“ Mehr von Lizzo, ihrem vor zwei Jahren erschienenen Debütalbum, „Lizzobangers“, sowie ihrem neuen Album, „Big Grrrl Small World“, findet ihr auf ihrer Homepage.


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mein mutiges Inklusionsprojekt

10. Dezember 2015 von Hannah C.

Eine meiner letzten Vortragsfolien hatte den Titel “ewige_r Abweichler_in oder Erklärbär_in?” und während ich mich auf den Vortrag vorbereitete, dachte ich darüber nach wie traurig es ist, dass mir tatsächlich keine dritte Option eingefallen war. Weil die dritte Option an der Stelle “der normale Mensch” gewesen wäre und das eine kackscheißige Option gewesen wäre. Normativ. Anti-inklusiv.
N_orrrrrr_male Ausweichmöglichkeit derer, die glauben möchten, man könne seine Behinderung ab und anschalten, je nachdem was man tut oder nicht tut oder wie sichtbar man damit umgeht. Ein Leben mit Behinderungen hängt aber nicht davon ab, wie man sich entscheidet oder welche Einstellung man selbst hat – es hängt davon ab, welche grundlegenden Einstellungen das Umfeld gegenüber Menschen mit Behinderungen/Behinderten und dem Miteinander allgemein hat.

Grundlegende Einstellungen sind übrigens etwas anderes als Vorurteile.
Während Vorurteile in der Regel sehr bis extrem starre, irrationale und negative Einstellungen sind, die sich jedweder Beeinflussung widersetzen, handelt es sich bei grundlegenden Einstellungen um einen Rahmen aus positiven und negativen Bewertungen, gefühlsgebundenen Haltungen und Handlungsoptionen in Bezug auf soziale Objekte.

Heißt: die meisten Menschen haben eher eine schwierige Einstellung gegenüber Menschen mit Behinderungen/Behinderten und brauchen mehr oder weniger viel Kontakt und Auseinandersetzung mit dem Thema, wenn es darum geht ein respektvolles Miteinander entstehen zu lassen.
Aber was bedeutet das konkret?

Ich merke oft, dass Menschen meine Behinderungen woanders verorten als ich selbst und, dass es häufig dieser Umstand ist, der mich vor der Wahl “Abweichler_in” oder “Erklärbär_in” stehen lässt.
Ich bin eine durch organisierte Gewalt komplex traumatisierte Autistin*, die auf Hartz 4 lebt, einer religiösen Minderheit angehört, als weiblich kategorisiert wurde und Krampfanfälle hat.
Für mich sind das alle meine Behinderungen. Viele Menschen in meiner Umgebung denken aber, dass es die Krampfanfälle – vielleicht noch die Traumafolgen und der Autismus – sind, die mich behindern.

Es gibt verschiedene Modelle zur Definition von Behinderungen. Manche gehen davon aus, dass die Behinderung immer in einer Eigenschaft der Person verankert sein muss. Weil die Person irgendetwas “nicht kann” und so der Schluß ist: “Ja klar behindert Nichtkönnen beim Leben.”.
Dann gibt es das Modell, das sagt, dass die Behinderung in den Bedingungen der Umwelt verankert ist, nach der eine Person auch Dinge nicht “können” müssen bräuchte, um am gesellschaftlichen Leben zu partizipieren. Dort entsteht der Schluß: “Eine Rampe muss her, damit Rollstuhlnutzende nicht draußen warten müssen.” oder auch “Wir starten jetzt ein mutiges Inklusionsprojekt und bauen alle Vorurteile ab – dann wird das alles schon.”.

Eine soziologische Definition (Cloerkes 1988,87) sagt unter anderem aber: “Ein Mensch ist “behindert”, wenn erstens eine unerwünschte Abweichung von wie auch immer definierten Erwartungen vorliegt und wenn zweitens deshalb die soziale Reaktion auf ihn negativ ist.”.
Na? Kommt irgendwie vertraut vor, oder?

Erwartungen speisen sich aus verschiedenen Aspekten menschlichen Lebens und bilden die Haltung mit der Menschen letztlich auch aufeinander treffen.

Ich habe vor ein paar Tagen beschlossen meine Erwarten gegenüber Menschen, die sich als nicht behindert erleben, zu verändern. Mein mutiges Inklusionsprojekt ist, mich mehr und mehr an Menschen anzunähern und mit ihnen zu sein.
Ich frage mich, ob es für mich irgendwann mal üblich und unspektaktulär sein kann mit anderen Menschen zusammen zu sein und sie weder als Abweichler_innen meiner inneren Normen und Wahrnehmungen, noch als Erklärbär_innen einer mir so fremden Welt zu erleben.


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„vital signs“ – „Lebenszeichen“

4. Dezember 2015 von Hannah C.
Dieser Text ist Teil 24 von 29 der Serie Die Feministische Videothek

Bereits 1995 gab es den Film „vital signs“ („Lebenszeichen“), von David Mitchell & Sharon Snyder (deutsche Untertitel von Rebecca Maskos) , der sich mit der us-amerikanischen (weißen) Krüppelbewegung befasst und einen Diskurs nachzeichnet, der so lebendig und laut ist, wie er zu unterdrücken versucht wird.
Es sprechen bekannte Aktivist_innen wie Cheryl Marie Wade, Mary Duffy und Harlan Hahn und andere behinderte Menschen.

 

 


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