Einträge der Rubrik ‘Im Musikbusiness’


Feminism lesen und gucken: Die Blogschau

1. Oktober 2011 von Verena
Dieser Text ist Teil 127 von 144 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Zwzorza guckt TV und entdeckt einen Beitrag über die libanesische HipHopperin Malikah. Allerdings kommt auch das ZDF nicht an Stereotypen wie jung und sexy vorbei. Ist ja auch total einfallsreich.

Im Comic-Fieber: Ti_Leo rezensiert zwei Comicneulinge. Wonder Woman von Brian Azzarello und Catwoman von Judd Winick. Die eine ist top, die andere flop…

Afrika Wissen Schaft widmet der verstorbenen Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai einen Nachruf. Mehr zu Maathai ist auch bei fembio nachzulesen.

Ein Fremdwörterbuch träumt vom eigenen Modeblog. Aber stattdessen äußert sie sich erstmal in einem Posting über Qualität und Quantität in der Mode, Konsumwahn und was statt dem neuesten Fummel wichtig sein kann.

Der Band “Karriere eines konstruierten Gegensatzes: zehn Jahre ‘Muslime versus Schwule’”, herausgegeben von Koray Yilmaz-Günay, greift die seit dem 11. September 2011 verschärften Debatten in der BRD zum “Islam” auf. In der Rezension im Mädchenblog heißt es dazu:

Der Band […] führt das für die Debatte unentbehrliche Wissen prononciert zusammen. Er vereinigt Beiträge seit 2003, die neu abgedruckt wurden, und eigens für diesen Band verfasste. Es werden historische Traditionen herausgearbeitet, die im Kolonialismus wurzeln. Es kommen konkrete Erfahrungsberichte und quantitative Auswertungen vor. Und es wird vor allem nachgezeichnet, wie verstärkt seit 2001 – aber auch bereits zuvor – rassistische Entwicklungen in lesbischen und schwulen mehrheitsdeutschen Communities um sich griffen, wie CSDs mittlerweile zu „White Prides“ verkommen, bei denen man sich westlich der vermeintlichen eigenen Überlegenheit und der vermeintlichen Unzivilisiertheit „des Anderen“ versichert.

Noch mal Mädchenblog: Pia regt sich über die aktuelle Kindermodenkollektion von Lidl auf. Rehkitze als Motiv für das schüchterne, verletztliche Mädchen und Wolfmotive für den bösen, aggressiven Jungen. Da hol doch mal einer Rotkäppchen…


Und Mädchenblog zum Dritten: Die Werbekampagne eines kanadischen FriseurInnengeschäfts sorgt für Kritik: Zu sehen ist eine aufwendig, perfekt wirkende Frau mit einem blauen Auge, hinter der ein Mann in dominanter Pose steht.

Eine neue Entscheidung gibt es im Ranftle-Fall, in dem es um den Nachlass eines homosexuellen US-Amerikaners an seinen Ehemann geht. Queernews berichtet.

Hanhaiwen fordert zum Gedankensturm für den kommenden Ada-Lovelace-Day am 7. Oktober auf.

Die Lesbomatin ist vom BH-Zwang genervt und fragt augenzwinkernd, ob er gar die europäische Antwort auf die Burka ist.

Willkommen in der Blogsphäre: Kasimpasa International.

Nicht neu, aber trotzdem einen Klick wert: Berlin-Woman, das Online-Magazin für Berliner Stadtkultur mit einem “weiblichen” Blick.

Und einen Termin gibt es auch noch: Das Magazin Feigenblatt präsentiert am 2. Oktober das Warmup für das Porn-Film-Festival, das vom 26. bis 30. Oktober in Berlin stattfindet. Gezeigt wird – unter Anwesenheit der Regisseurin Jennifer Lyon Bell der Film “Skin. Like. Sun.”, sowie mit “Headshot” eine ältere Arbeit der Regisseurin.


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Bis unter die Säbelzähne bewaffnet

28. September 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 7 von 11 der Serie Wanna Disco? Listen Up!

Die Jolly Goods sind “jenes fauchende, bis unter die Säbel­zähne mit musikalischem Können be­waffnete laute, triumphierende Schwestern-Duo, einst in Rimbach geboren, um von dort von ihrer Noise­rock­musik an­getrieben nach Berlin zu fliehen.” Die Musik von Tanja Pippi und Angy Lord Lott bewegt sich zwischen Riot Grrrl, Noiserock und Folk. Im Inter­view mit der Mädchenmannschaft sprechen die Musikerinnen über vor­ein­genommene Journalist_innen, hirn­rissige Ge­schlechter­prinzipen und über ihr neues Album WALRUS.

Jolly Goods by Jonas Lindstroem

Was hat es eigentlich mit eurem Namen “Jolly Goods” auf sich?

Angy: Holly Golightly sagt auf einem White Stripes Album nach dem letzten Song “jolly good. let’s have a cup of tea…” Jolly Good ist ein alt­backener und eher un­cooler Aus­druck für “recht gut, prima etc.”, das ge­fiehl uns. Einer­seits die Band mit “prima” zu be­titeln, je­doch mit einem Wort, das eher als “uncool” an­gesehen wird.

Ihr kommt ganz ohne Bass aus – war das eine musikalische Entscheidung?

Tanja: Wir haben zu Anfang tatsächlich Bassistinnen aus­probiert, aber das Ge­fühl war dabei nie richtig. Für uns war es viel spannender, die Musik auf das Nötigste zu re­duzieren, nur das Ge­rüst stehen zu lassen, gerade so, dass es noch hält, und dann dieses klappernde Skelett frei tanzen zu lassen. Viel Emotion und Message in so wenige Instrumente wie mög­lich zu stecken. Auf unserem gerade er­schienenen Album WALRUS haben wir damit ge­brochen, es ist bei einigen Liedern Kontra­bass sowie Orgel und zum Beispiel Vibraphone zu hören, denn wieder­holen wollen wir uns nicht.

Vor wenigen Wochen seid ihr beim Ladyfest in Darmstadt auf­ge­treten. Welche Rolle spielt Feminismus in eurer Musik?

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Mit aufgeklebten Bärten und ausgeliehenen Stöckel­schuhen

8. September 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 6 von 11 der Serie Wanna Disco? Listen Up!

Supernachmittag

Seit 2003 gibt es “Supernachmittag” in der Duo Formation mit Sol Haring (git, vox, blues harp) und Anita/Peter Mörth (bass, vox, geige). Sol ist Musikerin in diver­sen Pro­jekten, Digital Media Künstlerin und Wissen­­schaftlerin in Graz. Anita/Peter ist Musiker, Künstlerin, Wissen­schaft­lerin und derzeit Qualitäts­­manager in Berlin. Im Inter­view mit der Mädchenmannschaft sprechen die beiden über die Grazer feministische Musik-Szene, die Verbindung von Gender Theorie und Musik und über irritierte Konzert­gänger_innen. Nicht nur musikalisch sind sie gut ausgestattet: Bärte, Stöckel­schuhe, Röckchen und Sakkos; Kot­letten, Männer­schuhe, Zigarren und Gitarren.

Was hat es eigentlich mit eurem Namen “Supernachmittag” auf sich?

Sol: Anita/Peter hat den Namen erfunden. Unsere Ab­kürzung – ein Name, unter dem wir auch be­kannt sind – ist: SNM.

Peter: Anfangs waren mehrere Inter­­pre­tationen für die Ab­kürzung im Spiel: von Sol aNd Moerth bis SexyNightMare – aber Super­nachmittag ist es dann ge­worden.

Ihr kommt aus Graz (Österreich). Gibt es dort so etwas wie eine feministische Musik-Szene?

Sol: Ja, die gibt es gerade vermehrt, im Forum Stadt­park gibt es zwei­mal jährlich die Grrrls Night Out, im November mit dem Motto “noise”. Es gibt außer­­dem ein sehr aktives Ladyfest Team und die OeH der Uni setzt sich auch für Frauen in der Musik ein.

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Revolutionäre Mädchen

5. September 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 56 von 58 der Serie Die Feministische Bibliothek

Zwanzig Jahre nachdem Bikini Kill Frontfrau Kathleen Hanna sich das Wort ‘Slut’ quer über den Bauch schrieb und das Riot Grrrl Manifest in einer Ausgabe eines Zines erschien, blicken wir zurück auf eine Bewegung, die ausgehend vom Nordwesten der USA weltweit neue Diskussionen zu Feminismus, weiblicher Selbst­bestimmung und Frauen in männer­dominierten Sphären wie Punk oder Rock Musik entfachte.

Ein Buch aus dem Mainzer Ventil Verlag wagt nun den ersten deutsch­sprachigen Rück­blick auf diese pop­kulturelle Jugend­bewegung, die erst­malig fast aus­schließlich von Mädchen und jungen Frauen ins Leben gerufen wurde: “Riot Grrrl Revisited. Geschichte und Gegen­wart einer feministischen Bewegung”.

Die Herausgeber_innen Katja Peglow und Jonas Engelmann haben eine Reihe an spannenden Interviews, Essays und Kurz­porträts zu­sammen­ge­tragen und teil­weise übersetzt. Aus­ge­stattet mit wunderbaren Illustrationen mutet das Buch selbst streckenweise wie ein liebevoll-selbst­gestaltetes Zine an.

Symphatisch beginnt das Buch mit einer Einleitung, in der sich die Heraus­geber_innen von vermeint­licher Objektivität distanzieren, da sie sich nicht ganz von einer “Nineties-Nostalgie” befreien können. Vielmehr wollen Peglow und Engelmann sich der Bewegung, die nach Europa meist nur in Form eines niedlich-gezähmten Mädchenkults oder als kapitalistisch verwertbare Girl Power rüber­schwappte, mit den Fragen nähren:

Was ist von der Revolution übrig geblieben? Wo sind die Rebel Girls von heute? Denn: Geblieben ist einiges, verändert hat sich für Frauen im Musik­geschäft eher weniger.

Das Buch skizziert die Entstehungs­ge­schichte der Riot Grrrl Bewegung und beleuchtet diese in ihren ver­schiedenen Facetten kritisch: Wer waren die Akteur_innen und wo lebten sie, was waren ihre Ziele und Bot­schaften, welcher Ästhetik bedienten sie sich? Das Themen­spektrum ist viel­fältig und beleuchtet Musik, die Lyrics und die Filme der Riot Grrrls, befasst sich mit Körper­politik, lesbischer Kultur und race/Rassismus innerhalb der Bewegung bis hin zu aktuellen feministischen Aktivitäten wie Ladyfeste oder das Girls Rock Camp. Am Ende haben die Herausgeber_innen noch ein “Who is Who” und ein Riot-Grrrl-ABC zusammengetragen, in denen mensch stöbern kann und erfährt, was ‘Backlash’, ‘Queercore’ oder ‘Zines’ sind.

Einen fetten Minuspunkt gibt es für die in den Übersetzungen verwendete Sprache: Wieder­holt finden sich dort diskriminierende Wörter – selbst im Kapitel “Race & Riot”, das sich kritisch mit den Rassismen innerhalb der Community auseinandersetzt. Es ist schade, dass in einem Buch über Feminismus und Selbst­ermächtigung so wenig Wert auf diskriminierungs­freie Sprache und Selbstbe­zeichnungen gelegt wird.

Obwohl die sprachlichen Fehlleistungen das Lese­vergnügen einschränken, ist das Buch empfehlens­wert. Es bietet einen leicht ver­ständlichen und bilder­reichen Einstieg in die feministische pop­kulturelle Bewegung, die Musiker_innen und Aktivist_innen bis heute prägt und hält auch für all diejenigen unzählige Anekdoten und Insider-Berichte parat, die sich schon jahrelang mit den Grrrls be­schäftigen.

So gilt damals wie heute: Revolution Girl Style Now!

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Das Buch über diesen Link zu bestellen, unterstützt die Mädchenmannschaft.
libri “Riot Grrrl Revisited. Geschichte und Gegenwart einer feministischen Bewegung” jetzt bestellen


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Mal wieder Rummel um Frittenbude

26. August 2011 von Helga

Eklat um Frittenbude. Beim Chiemsee Reggae Festival wollen sie nicht auftreten, berichtet die Süddeutsche. Grund ist der Auftritt eines Reggae-Sängers, der in seinen Texten zum Töten von Schwulen und Lesben aufruft. Bei der Festivalleitung ist man sauer, dabei hatte man bereits im vergangenen Jahr ein ähnliches Problem mit einem anderen Sänger gehabt.

Festival-Sprecher Michael Buchholz schäumt vor Wut: “Das Line-up stand von vornherein fest. Dass Frittenbude jetzt nachträglich abspringen, ist das Allerletzte”, sagt er. Er hält die Absage für scheinheilige PR der Gruppe. “Es ist ein Unding, dass wir uns jedes Jahr aufs Neue mit so was herumschlagen müssen”, schimpft Buchholz. Der “Chiemsee Reggae Summer” stehe für Meinungs- und Kunstfreiheit, Zensurmaßnahmen und Auftrittsverbote lehne man ab.

Natürlich könnte man sich den ganzen Ärger auch sparen, wenn man von vornherein keine Künstler_innen einlädt, die durch Tötungsaufrufe und diskriminierende Texte aufgefallen sind. Wer sie doch einlädt, sollte dann vielleicht nicht unbedingt Frittenbude einladen, die bereits im letzten Jahr für einen ähnlichen Eklat gesorgt haben. Da hatten sie einen Festivalauftritt wegen sexistischer Zwischenrufe abgebrochen.

Durch die anhaltende Kritik aus Europa an homophoben Texten seien neue Reggaesongs aber inzwischen weitgehend homophobiefrei.


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Eingrooven für die Slutwalks

12. August 2011 von Nadine

Die weltweiten Proteste gegen Vergewaltigungsmythen und sexualisierte Gewalt gehen endlich auch in Deutschland an den Start. Morgen wird in Hamburg, Köln, Dortmund, München, Berlin, Stuttgart und Frankfurt am Main feministisch demonstriert. Bremen, Bad Oldesloe und Hannover schließen sich dem SlutWalk in Hamburg an. Die monatelange und liebevolle Vorbereitung der SlutWalks in den verschiedenen Städten hat sich gelohnt: Es wird mit mehreren tausend Teilnehmer_innen zu rechnen sein.

Zeit, um sich in Stimmung zu bringen. Vorab drei Songs, die für den Slutwalk Sampler, der bald digital und kostenfrei veröffentlicht werden soll geschrieben wurden:

Respect My Fist – Eure Mädchen

Sookee – Bitches Butches Dykes & Divas

Totally Stressed – Hell No!

Mehr Infos zu Treffpunkten, Fahrgemeinschaften und Uhrzeiten findet ihr auf slutwalkberlin.de. Folgt dort den Links zu den einzelnen Städten. Eure Eindrücke könnt ihr dann übermorgen bei unserem nächsten Selbermach-Sonntag aufschreiben, selbst verbloggen, live twittern, Fotos hochladen, etc. Wir vorfreuen uns mit euch!


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Für das revolutionäre Herz

28. Juli 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 5 von 11 der Serie Wanna Disco? Listen Up!

In unserer neuen Serie “Wanna Disco? Listen Up!” (Le Tigre meets Gossip) stellen wir euch (feministische) Musiker_innen vor, die euren Player zum Grooven bringen. Bereits interviewt haben wir djane mithras (Djane Kurse für Mädchen und Frauen), Sookee (HipHop), The Stattmatratzen (Punk) und Zorro Zensur (New Wave/Punk). Heute sprechen die drei Musikerinnen Mel, Inna und Eve von Monsterbeat and the Immigrant neuerdings Stereowoolf (auch auf twitter) über weibliche Vorbilder, Sexismus in der Musikszene und warum sie nicht auf allen Konzerten spielen. 

Monsterbeat and the Immigrant

In einer Welt voll Elektro und Indie haben Monsterbeat and the Immigrant ein neues Genre erschaffen – 21st century riot grrrl rock! Erst Oktober 2010 in Marburg formiert, treffen sie das revolutionäre Herz mit Texten über Themen, über die sich nur wenige Leute zu singen trauen, mal offensiv, mal subtiler – untermalt durch Klänge mit Ohrwurmgarantie! Und das alles D.I.Y!

Ihr kommt aus Marburg. Gibt es dort eine feministische (Musik-)Szene?

Eve: Eine feministische Szene gibt es sehr wohl! Und aus genau der kommen wir auch. Das heißt, sie hat uns den letzten Anstoß gegeben, uns als Band zu formieren.

Inna: Eine Musikszene hat aber erst kürzlich angefangen, sich zu entwickeln. Es gab z.B. im Mai den ersten Schlagzeug- und Gitarren-Workshop für Frauen. Außerdem organisieren wir eine Open Stage, zu der jetzt auch immer mehr Frauen kommen und mitspielen.

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Samstagabendbeat R.I.P. Amy Winehouse

23. Juli 2011 von Verena

Amy Winehouse wurde heute Nachmittag in ihrer Londoner Wohnung tot aufgefunden. Sie wurde 27 Jahre alt.


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ARTE: Sommer ohne Grrrls

20. Juli 2011 von Nadia
Dieser Text ist Teil 37 von 42 der Serie Meine Meinung

Frauen, die in den letzten 50 Jahren Musikgeschichte geschrieben haben – diesem Topic nimmt sich ARTE an zehn Themenabenden im Juli und August an. Da geht einiges daneben, und die Hälfte wird auch noch vergessen. Deswegen, an dieser Stelle: Ein bisschen Entwicklungshilfe von uns.

Es hörte sich alles so hübsch an: Den weiblichen Koryphäen der Musikhistorie eine eigene Sommerreihe widmen, Judith Holofernes moderieren lassen und einen epochalen Rückblick auf fünf Jahrzehnte Frauen-Musik werfen – immer wieder dienstags. Eine ganz gute Idee hatte ARTE mit seinem „Summer of Girls“ – aber nicht überall, wo „Girls“ draufsteht, muss zwangsläufig auch was anderes außer Grütze drin sein. Gut, es gibt selbstverständlich Glanzmomente. Eine solide Kate Bush-Dokumentation zum Beispiel, oder den Janis Joplin-Themenabend inklusive des Highclass-Biopics „The Rose“ mit Bette Midler. Da kann man nicht meckern. Und trotzdem, manches scheint bei den ARTE-Menschen dann doch einigermaßen schief gewickelt zu sein. Dieser Eindruck entsteht zumindest, wenn man eine grobe Gesamtauswertung  des Programms vornimmt.

Der schlimmste und unverzeihlichste Fehler ist auf jeden Fall, dass im Rahmen der gesamten Themenreihe Punk außen vor bleibt. Das ist natürlich Schlawickel-Fail der übelsten Sorte und wurde auch schon an anderer Stelle völlig zu Recht bemängelt: 1976 bis 1981 komplett weggeblendet, und auch die Riot-Grrrl-Bewegung der 90er Jahre fehlt durchgängig. The Slits, Bikini Kill, Babes in Toyland, Le Tigre, und so weiter, und so fort: Fehlanzeige. Autsch. Das ist nicht gut. Eine Reihe, die sich der Musik von Frauen widmen will, bleibt zwangsläufig auf einem Auge blind, wenn sie die feministischen Wegbereiterinnen der Musikszene so hart ignoriert.

Ebenso nur halbwegs gelungen ist, eine Wahl der „Queen of Pop“ zu starten und in die Liste der zehn Anwärterinnen auf den Titel Beyoncé, Mariah Carey und Britney Spears zu packen. Naja, okay, die Auswahl hat das ARTE-Publikum zusammen getackert, da kann man wahrscheinlich nicht viel sagen, aber ein schaler Beigeschmack bleibt. Vor allem, da wichtige Glanzfiguren und kommerziell hocherfolgreiche Künstlerinnen in der Sommerreihe überhaupt nicht berücksichtigt werden: Tori Amos, Melissa Etheridge, Cyndi Lauper, Sarah McLachlan, Alanis Morrisette, Tracy Chapman. Um nur einige zu nennen. Und Björk. Die Nichtbeachtung der Island-Queen ist fast schon eine Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes. Mindestens.

Und auch, dass wichtige Band-Fronterinnen keinen Raum bekommen, schmeckt nicht. Keine Nina Persson von den Cardigans, keine Skin von Skunk Anansie, keine Shirley Manson von Garbage. Und natürlich alle, die ich sonst noch vergessen habe. Und das Messer wird noch tiefer in die Wunde gedrückt, indem stattdessen an anderer Stelle vergleichsweise musikalische Band-Nullnumern wie die „No Angels“ oder „Atomic Kitten“ abgehandelt werden und zudem auf der ARTE-Webseite passagenweise völlig hinterwäldlerisch darauf rumgeritten wird, dass es ja sehr bemerkenswert sei, dass es auch weibliche Musik-Genies gibt. Hillbilly-Denken der bösesten Sorte.

Gleichermaßen beklagenswert: Einige der für die Themenabende produzierten Dokumentationen, die allein schon durch Flach-Titel wie „Kurz, knapp und sexy – der Minirock“ oder “Cheerleaders – Ein amerikanischer Mythos” nichts Gutes verheißen. Da kommt schon leichter Grusel auf – verstärkt auch beispielsweise durch die große Frage, warum eine Künstlerin wie Madonna einen Abend lang in die Kategorie „It-Girl“ gepresst wird.

Nein, da muss man sagen, das hätte man sich in weiten Teilen dann doch anders gewünscht. Bleibt zu hoffen, dass das Ganze einen guten Ausgang findet – etwa, indem Kate Bush den Titel der „Queen of Pop“ abgreift. Aber das ist natürlich nur vage Hoffnung, denn Lady Gaga steht natürlich auch noch zur Debatte. Insofern rate ich dazu: Das Programm genau checken, selektiv die besten Programmperlen auswählen und im Falle des Falles dann doch nochmal lieber in die eigene Plattensammlung stieren – denn da scheint mit Sicherheit mehr Vollständigkeit garantiert, als die schöne TV-Glitzerwelt der ARTE-Macher_innen sich jemals zusammen basteln kann. Und an dieser Stelle zum Abschluss deswegen auch nochmal: Musik.


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Schreiben statt Schämen. Blogschau zum Wochenende

7. Mai 2011 von Nicole
Dieser Text ist Teil 109 von 144 der Serie Genderissimi: Die Blogschau


Franziska von franziskript möchte übers Stillen reden, und zwar auch mal über die negativen Seiten ohne Weichzeichner: Stilleinlagen, Stillorte und die Mode! Weibliches Schämen kommt von weiblicher Scham – oder umgekehrt, stellt Katrin Rönnicke fest. Über Scheidenpilze und Selbstbefriedigung sollten Frauen nicht sprechen, oder wenn doch, dann nur mit hochrotem Gesicht.

Eure Homophobie-Toleranz kotzt uns an, schreiben Frittenbude dem Chiemseereggaesummer ins Gästebuch und bleiben weg.

Mit einem Text zu Frauenquoten und Männerangst aus der ZEIT/Wirtschaftswoche der vergangenen Woche beschäftigen sich das Genderblog ebenso wie rechtundgeschlecht. Und bei Frau Lila lesen wir einen Gastbeitrag zweier grüner Männer zur Familien-/Frauen-/wasauchimmer-Politik im Hause Schröder.

Die Stadtpiratin macht sich Gedanken zum 1. Mai, zu Protesten, Krawallen und Berichterstattung.

Die Library Mistress weist auf einen Fragebogen der Wirtschaftsuni Wien hin. Es geht um ein Forschungsprojekt zur Bedeutung einer homosexuellen Orientierung von Unternehmer_innen.

So geht’s mit dem Glücklichsein, wissen die Frauenzeitschriften! Grafisch aufbereitet beim graphitti-blog. Und wer’s immer noch nicht begriffen hat, versteht vielleicht die Bilder von obi: Männer bauen auf und ziehen ein, Frauen ziehen groß und genießen. Changinglifestyle verdreht die Augen. (via puzzlestuecke.wordpress.com)

Wie immer gilt: Wir freuen uns über Hinweise auf interessante Blogs für unsere wöchentliche Umschau im Netz. Gerne hier in den Kommentaren, per Mail oder auch morgen beim Selbermach-Sonntag. Und jetzt ins Wochenende!


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