Na klar sind wir gegen Sexismus; wer würde schon das Gegenteil von sich behaupten. So wie die Betreiber_innen des Musiker-Boards, das mit 50.000 Leser_innnen täglich zu den größen Musiker_innen-Foren im deutschsprachigen Raum zählt. Dort gab es auf der Startseite neulich ein unerfreuliches Musikvideo mit Blondinen-Lapdance. Der entsprechende Hinweis einer User_in, der sexistische Kackscheiß verstoße gegen die Boardregeln wurde mit den üblichen Argumenten abgewiegelt. Man solle mal auf die Musik und die Produktion hören, darum ginge es hier undsoweiter (mal abgesehen davon, dass das beides genauso Schrott ist…).
Eine Userin hat uns nun gemailt, dass sie sich außerdem noch einen heftigen Schlagabtausch mit der admin und einigen Moderatoren geleistet habe. Bei den derzeitigen Temperaturen muss mensch sich ohnehin schon warm anziehen, aber beim Blick auf die Diskussion zieht man lieber noch ein paar Strickjacken mehr an. Im Anschluss ging die Diskussion in einem Unterforum weiter, über das die Userin schreibt:
Dort stimmt nun eine Mehrheit aus Männern darüber ab, ob das Video sexistisch sein soll oder nicht. Die Verantwortung der Moderation für den ganzen Bockmist wird also auf die darin performende Frau abgeschoben.
Vielleicht möchte sich die oder der eine oder andere an der dortigen Diskussion beteiligen und den Musiker-Board-Stall mit einer Heugabel Argumenten vom “Bockmist” befreien…
Dieser Text ist Teil 135 von 138 der Serie Kurz notiert
Männliches Eierkraulen ist in Popstarkreisen alltäglich. Rihanna tut es dem Potenz-Habitus gleich und greift sich in ihrem neuen Video korrekt in den Schritt. Der Guardiannimmt das näher unter die popkulturelle Lupe.
Vergewaltigungen sind in den USA weiter verbeitet als Rauchen, so preventconnect.
In den USA definiert das Justizministerium Vergewaltigungsdelikte neu – jetzt werden auch Männer als potentielle Opfer ins Auge gefasst.
Bei der brasilianischen Big-Brother-Reihe gab es womöglich einen Fall sexuellen Missbrauchs. Jezebel weist darauf hin, dass die Video-Bänder, die zur Aufklärung beitragen könnten, vom Sender unter Verschluss gehalten werden.
Ein Fotoshop-Video geht um die Welt:
“Schön ist anders” bei der Süddeutschen: Nicht ganz neu, aber die Fotostrecke von gephotoshoppten Magermodels und den Reaktionen darauf (“Schön!”) ist nach wie vor hochaktuell.
Respect my Fist im Interview: Bassistin Nadine Lantzsch über das mittlerweile zwei jahre junge Hardcorepunk/Postpunk-Projekt. Und Betty White – die letzte Überlebende (schnief) der Golden Girls im Gespräch.
Zwangssterilisation. Gibt`s nicht? Gibt`s doch. In Schweden. Und eine Initiative dagegen. Und wie sieht überhaupt eine Klitoris aus? Hat mensch da spontan ein Bild vorm geistigen Auge? “Denkt mal drüber nach!”, sagt auch io9.
Sookee ist schwer beschäftigt. Zwischen der Veröffentlichung ihres dritten Albums, zwischen Konzerten und Vorträgen zu Queerfeminismus und Homophobie im deutschen HipHop unterrichtet die Berliner Rapperin auch noch an einer reformpädagogischen Schule. Zum Gespräch lädt sie zu sich nach Hause ein, wo die Räume mit viel Lila dekoriert sind, Sookees Lieblingsfarbe.
Auf dem Weg hierher kam mir in der S-Bahn erst eine Siebenjährige entgegen, die ganz affektiert ihre Handtasche trug. Dann stieg ein anderes Mädchen ein, mit Puppenwagenmontur in Pink inklusive glitzerndem Regenschirm. Was wäre Dir in der Situation durch den Kopf gegangen?
Ich hoffe in solchen Situationen immer heimlich, dass diese Mädchen noch ganz cool und queer werden und pink dann aus einer anderen Motivation heraus tragen. Aber da steckt natürlich auch eine riesige Industrie dahinter. In den Kaufhäusern sind ganze Abteilungen im negativen Sinn gegendert, nach Jungs und Mädchen aufgeteilt. Das weckt natürlich Bedürfnisse bei den Kindern, denn es geht auch da schon um Anerkennung und Zugehörigkeit.
Hast du mit Puppen gespielt?
Nee, ich war weder an Puppen noch an Autos interessiert. Ich habe mich mehr mit Büchern beschäftigt. Und Bastelzeug, das war auch eher so meins. Ich kann aber das Bedürfnis noch gut nachvollziehen, diese Anerkennung haben zu wollen. Ich kann mich zum Beispiel an eine konkrete Situation erinnern, als im Kindergarten das Faschingsthema Zirkus hieß und unsere Gruppe in Gewichtheber und Ballerinas aufgeteilt wurde. Da hat meine Mutter noch nachts dran gesessen, mir das scheiß Tütü zu nähen, das ich aber am nächsten Tag nicht anziehen wollte, weil ich einfach keine Röcke trug.
In die Rolle des Gewichthebers zu schlüpfen, ging damals nicht?
Nein, das wurde gar nicht diskutiert. Ich würde heute vor Freude in die Hände klatschen, wenn ich ein Mädchen an der Schule, an der ich unterrichte, zu so etwas ermutigen könnte. Aber damals ist keine der Erzieherinnen auf die Idee gekommen, mir zu sagen, dass ich als Gewichtheber gehen könnte. Die Zuordnung ist hier ganz klar, nach wie vor. Allein das Beispiel Frauenzeitschriften zeigt, mit welchen Interessen Männer und Frauen nach wie vor in der öffentlichen Wahrnehmung ausgestattet werden. Da geht es doch nur um Kochen, Mode, Schönheit …
Liest Sookee überhaupt Frauenzeitschriften?
Ich kaufe die zwar nicht, lese sie aber, wenn ich bei der Ärztin sitze. Ich habe so ein Faible für Handarbeitsmagazine, diese Begleithefte von Frauenmagazinen fürs Stricken und Handarbeiten. Ich liebe es, Dinge selber zu machen. Stricken, Schmuck, alles mit Textilien wie Wolle und auch Papier. Das ist noch so ein Waldorfschulen-Ding in mir.
Ist das ein Hobby ausschließlich für Zuhause oder hast du das Strickzeug auch unterwegs dabei?
Ich nehme das total oft mit. Ist schon ulkig, wenn du in Minirock und Stiefeln oder Trainingshose und Anti-Homophobie-Aktionsbutton dein Strickzeug rausholst und überraschte Blicke erntest. Ich hatte so schon tolle Gespräche in der U-Bahn mit älteren Damen, denen ich unterstellen würde, dass sie sonst einen großen Bogen um mich machen würden.
Im feministischen Kontext ist Handarbeit längst rehabilitiert und als Teil des Do-It-Yourselfs-Empowerment akzeptiert. Aber dieses Gefühl, einen Widerspruch aushalten zu müssen, als Feministin gerne zu stricken oder Highheels zu tragen, kannst du das nachempfinden?
Schon, aber davon habe ich mich nie abschrecken lassen … (weiterlesen …)
Adwoa Hackman singt, seitdem sie denken kann, das hat sie von ihrer Mutter. Ihr erstes Instrument war das Schlagzeug, was sie leider aufgeben musste, nachdem sie einen Tinitus bekam. So lernte sie Gitarre zu spielen, was sich nicht nur besser mit dem Singen vereinbaren lässt, sondern auch nützlicher für’s Songsch reiben ist. Im Interview mit der Mädchenmannschaft spricht Adwoa Hackman über ihre quasi-musikalische Heimat Berlin, weibliche Vorbilder und deutsche Soulmusik.
Adwoa Hackman
Gab es eine oder mehrere Person(en), die dich besonders in deinem musikalischen Werdegang unterstützt hat/haben?
In der Grundschule hatte ich eine Klassenlehrerin, die jeden Tag mit uns gesungen hat, ganz egal ob der Lehrplan das vorsah oder nicht. Dafür war ich sehr dankbar. Über die Jahre gab es immer auch Personen, denen ich dankbar sein konnte. Manchmal reicht ein Kompliment, um motiviert zu bleiben. Ich habe sehr intensiv mit zwei Produzenten zusammen gearbeitet. Man lernt sich über die Jahre sehr gut kennen, weiß wo die eigenen Stärken und Schwächen und die des anderen liegen, und findet heraus, wie man am besten im Team funktioniert. Ich habe z.B. dadurch überhaupt erst einmal eine Ahnung davon gekriegt, wie man selbständig arbeitet. Das ist mir anfangs ziemlich schwer gefallen.
Der Mainzer Ventil Verlag bringt immer feine Bücher raus. Nicht nur die tollen testcard Bände, auch über Riot Grrrls und zuletzt die aufklärende Abrechnung über die vermeintlich männlich besetzte Hamburger Schule.
Sylvia Prahl rezensiert nun in der taz den Interviewband „Lass uns von der Hamburger Schule reden“, der aus einem Seminar an der Uni Bremen entstanden ist. Unter der Prämisse, „eine Kulturgeschichte aus Sicht beteiligter Frauen zu erzählen“, kommen Musikerinnen wie Elena Lange von Stella und Almut Klotz von den Lassie Singers ebenso zu Wort wie die Protagonistinnen hinter der Bühne, die als Bookerin, Label-Betreiberin oder Journalistin den deutschsprachigen Diskurspop der 90er Jahre entscheidend mitgeprägt haben. Eine „informative und gut lesbare Oral History“ sei hier entstanden, schreibt Prahl.
Das liegt auch daran, dass die Aussagen der Protagonistinnen nicht zugunsten eines einheitlichen Sprachflusses begradigt wurden. Die Interviews ergänzen sich inhaltlich und machen ein sehr gegenwartsbezogenes Lebensgefühl greifbar, das eine ganze Generation geprägt hat.
Auch in der aktuellen Missy gibt es eine Rezension zum Buch, in der Kendra Eckhorst schreibt:
In den persönlichen Interviews entführen die Protagonistinnen in eine Zeit, in der der Kampf zwischen Indie- und Majorlabel tobte und Frauen sich ihre Klasse in der Hamburger Schule eroberten, von der bis heute viel zu wenig zu hören war.
Falls also noch ein paar Büchergutscheine von Weihnachten bei euch rumliegen, investiert die doch in ein gutes Stück Musikgeschichte.
Zur Abwechslung mal was ganz Nettes: Morgen – also am üblichen Plattenfreitag – erscheint das erste Live-Album von Tegan & Sara. Die Scheibe heißt “Get Along”, und die beiden Zwillinge haben für diese Quasi-Best-Of-CD ein Konzert in den Warehouse Studios in Vancouver gespielt und das Schönste aus mittlerweile fünf Studioalben zusammengestellt – zum Gig geladen waren größtenteils Freunde und Verwandte.
Neben der CD wird auch eine DVD erscheinen, inklusive 30-minütiger Doku über die Musikkarriere der Schwestern. Alles ganz hach, einen Komplett-Stream gibt es schon heute schon beim Rolling Stone, außerdem auf YouTube mehrere sehr charmante Trailer zur Veröffentlichung. Den ersten könnt Ihr direkt hier sehen, und Weihnachten steht ja zum Glück auch bald vor der Tür:
Mensch sollte nicht viel geben auf diese Bestenlisten, die immer mal wieder umher schwirren und mit denen auch Musikredaktionen ihre Inhalte bestücken. Das DJ Mag hat kürzlich ihre jährliche Top 100 der DJs gekürt und ratet mal, wie viele darunter weiblich waren: KEINE EINZIGE. Das finde ich echt mal ein starkes Stück, genauso wie der Guardian, in dem Hanna Hanra fragt, wo die DJanes sind. Denn selbst die größte Chauvi-Redaktion hat heutzutage zwei oder drei Alibifrauen im Hinterkopf, wenn es um den Schwanzlängenvergleich geht. Bloß, das DJ Mag listet ihre High Potentials via öffentlicher Abstimmung, d.h. DJ Klaus aus Hintertupfingen und DJ Dieter aus Kleindoofdorf voten und die kennen wohl nur Frauen am Herd, aber nicht hinter Plattentellern. Wir schon, z.B. Dinky, Miss Kittin, Peaches, Ellen Allien, Chloé oder Annie Mac, die es immerhin schon mal in die DJ Mag Top 100 geschafft hat.
Und dafür muss man noch nicht mal in DJ-Clubs abhotten, um das zu wissen. Aber ach, ein Blick auf den Top Spot dieser Liste und mein Ärger verraucht zugunsten eines fetten Grinsekatzengesichts: David Guetta auf Platz eins. Na dann…
In dieser Woche ist das neue Album von Florence and the Machine “Ceremonials” erschienen. Ich habe noch nicht reingehört, aber nochmal die “Live on KEXP”-Sessions angeguckt. Hängen geblieben bin ich dann unter anderem mal wieder bei “Rabbit Heart”. Und weil`s so schön ist, habe ich direkt im Anschluss sämtliche Harfen-Shops im Netz inspiziert.
Ergebnis: Bei Florence and the Machine die Ohren aufzusperren ist auf jeden Fall günstiger – und hört sich mit Sicherheit auch besser an als das Harfenspiel einer Anfängerin.
M’bala und Akosua machen seit ca. 2,5 Jahren zusammen als Rising Thoughts Musik. Hauptsächlich spielt M’bala Gitarre und Akosua Djembe. Neuerdings ist auch Percussion dabei, weil das den Sound “voller und rhythmischer” macht. Privat hören die beiden so gut wie alles von Dubstep bis Bikutsi, Jazz, Raggae und HipHop. Akosua ist Mitbegründerin des Künstler_innenkollektivs Label Noir in Berlin. Im Interview mit der Mädchenmannschaft sprechen M’bala und Akosua über ihren politischen Anspruch, Poesie und ihre Pläne für ein neues Album.
Rising Thoughts - Photo Credits: Cassius Prudent
Ihr seid beide nicht nur musikalisch unterwegs, sondern nehmt auch an Poetry Slams und Open Mics teil. Seid ihr quasi vom Sprechen zum Singen gekommen?
M’bala: Wir haben uns bei der Poetry Veranstaltung “Outspoken 2007″ kennengelernt und waren zum ersten Mal gemeinsam auf der Poetry Bühne des Black History Month in Hamburg. Wir sind also durch die Poesie überhaupt entstanden. Ich war bis vor unserer Begegnung keine Sängerin und habe nur ab und zu was geschrieben – und eigentlich nur für mich. Durch Rising Thoughts fing ich an regelmäßig zu singen und zu schreiben.