Einträge der Rubrik ‘Im Gespräch’


Bis unter die Säbelzähne bewaffnet

28. September 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 7 von 13 der Serie Wanna Disco? Listen Up!

Die Jolly Goods sind “jenes fauchende, bis unter die Säbel­zähne mit musikalischem Können be­waffnete laute, triumphierende Schwestern-Duo, einst in Rimbach geboren, um von dort von ihrer Noise­rock­musik an­getrieben nach Berlin zu fliehen.” Die Musik von Tanja Pippi und Angy Lord Lott bewegt sich zwischen Riot Grrrl, Noiserock und Folk. Im Inter­view mit der Mädchenmannschaft sprechen die Musikerinnen über vor­ein­genommene Journalist_innen, hirn­rissige Ge­schlechter­prinzipen und über ihr neues Album WALRUS.

Jolly Goods by Jonas Lindstroem

Was hat es eigentlich mit eurem Namen “Jolly Goods” auf sich?

Angy: Holly Golightly sagt auf einem White Stripes Album nach dem letzten Song “jolly good. let’s have a cup of tea…” Jolly Good ist ein alt­backener und eher un­cooler Aus­druck für “recht gut, prima etc.”, das ge­fiehl uns. Einer­seits die Band mit “prima” zu be­titeln, je­doch mit einem Wort, das eher als “uncool” an­gesehen wird.

Ihr kommt ganz ohne Bass aus – war das eine musikalische Entscheidung?

Tanja: Wir haben zu Anfang tatsächlich Bassistinnen aus­probiert, aber das Ge­fühl war dabei nie richtig. Für uns war es viel spannender, die Musik auf das Nötigste zu re­duzieren, nur das Ge­rüst stehen zu lassen, gerade so, dass es noch hält, und dann dieses klappernde Skelett frei tanzen zu lassen. Viel Emotion und Message in so wenige Instrumente wie mög­lich zu stecken. Auf unserem gerade er­schienenen Album WALRUS haben wir damit ge­brochen, es ist bei einigen Liedern Kontra­bass sowie Orgel und zum Beispiel Vibraphone zu hören, denn wieder­holen wollen wir uns nicht.

Vor wenigen Wochen seid ihr beim Ladyfest in Darmstadt auf­ge­treten. Welche Rolle spielt Feminismus in eurer Musik?

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Interview mit Sabina England

21. September 2011 von Nadia

Eine Punkerin mit rotem Iro und Jeansjacke vor einer weißen, besprayten Wand (Freedum/Ignorance is bliss) Sabina England ist Performance- und Video-Künstlerin, schreibt Theaterstücke und Lyrik. Sie ist in England aufgewachsen, lebt aktuell in den USA und setzt sich in ihren Arbeiten künstlerisch oft mit Herrschaftsdiskursen und weißer Majorität auseinander; außerdem ist sie fester Bestandteil der Taqwacore-Movement. Wir sprachen mit ihr über ihren Ansporn, Perspektiven und aktuelle Projekte.

Wann hast Du mit Deinen Arbeiten angefangen und was war Dein Ansporn? Und kannst Du kurz beschreiben, was deine aktuellen Projekte sind?

Das erste Mal Theaterluft habe ich mit 13 geschnuppert. Das war auch der Startschuss, selbst anzufangen Stücke zu schreiben. In meinen 20ern dann ging es weiter zum Film, und vor ungefähr zwei Jahren habe ich dann verstärkt angefangen Videos zu drehen und mich generell mehr für Multimedia-Art zu interessieren – ich hab also im Laufe der Zeit immer wieder neue Medien und verschiedene Kanäle ausprobiert. Momentan schreibe ich Gedichte, bin im Bereich Rap-Poetry unterwegs, mache digitale Kunst, experimentelle und Stummfilm-Videos. Und nächstes Jahr wird es ein Musik-Video geben.

Wie würdest Du Deine Arbeit beschreiben? Und generell den ganzen Prozess Deines Schaffens?

Wenn ich mich selbst beschreiben müsste, würde ich sagen: Dramatikerin, Filmemacherin, Multimedia-Künstlerin. Wobei meine Schaffensprozesse auch sehr mit meinen Stimmungen zusammen hängen. Wenn ich sauer oder angenervt bin, schreibe ich; wenn ich eher sentimentale Phasen habe, entwickle ich Bühnenstücke. Und wenn man es auf meinen Background runterbrechen möchte kann man sagen: Ich bin eine gehörlose indische muslimische anarchistische Dramatikerin und Filmemacherin. Einfach, weil das auch meine Hauptinteressen sind: Islam, Muslima sein, gehörlos sein, eine Woman of Color sein. Und: Punk Rock.

Man hat ja schon ein bisschen den Eindruck, dass Du vor allem für die Underdogs und Minderheiten sprichst. Würdest Du das selbst auch so sehen? Beziehungsweise: Ist das auch eine Intention von Dir, vor allem auch ausgeblendete Themen aufzugreifen?

Ja, das stimmt. Ich habe mich mein ganzes Leben lang ja selbst wie ein Underdog gefühlt. Als ich klein war gab es niemanden wie mich in Filmen oder auf Theaterbühnen oder in Büchern. Kennst Du irgendwelche bekannten gehörlosen süd-asiatischen Künstler oder Filmemacher oder zumindest fiktionale Charakter, die irgendwo vorkommen? Wahrscheinlich nicht, denn es gibt ja kaum welche. Als Woman of color und Tochter von indischen Einwanderern habe ich mich in Großbritannien und in den USA immer das gefühl gehabt. Naja, wir spielen eh keine Rolle. Ich hab mich immer ignoriert und unsichtbar gefühlt.

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Für das revolutionäre Herz

28. Juli 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 5 von 13 der Serie Wanna Disco? Listen Up!

In unserer neuen Serie “Wanna Disco? Listen Up!” (Le Tigre meets Gossip) stellen wir euch (feministische) Musiker_innen vor, die euren Player zum Grooven bringen. Bereits interviewt haben wir djane mithras (Djane Kurse für Mädchen und Frauen), Sookee (HipHop), The Stattmatratzen (Punk) und Zorro Zensur (New Wave/Punk). Heute sprechen die drei Musikerinnen Mel, Inna und Eve von Monsterbeat and the Immigrant neuerdings Stereowoolf (auch auf twitter und facebook) über weibliche Vorbilder, Sexismus in der Musikszene und warum sie nicht auf allen Konzerten spielen. 

Monsterbeat and the Immigrant

In einer Welt voll Elektro und Indie haben Monsterbeat and the Immigrant ein neues Genre erschaffen – 21st century riot grrrl rock! Erst Oktober 2010 in Marburg formiert, treffen sie das revolutionäre Herz mit Texten über Themen, über die sich nur wenige Leute zu singen trauen, mal offensiv, mal subtiler – untermalt durch Klänge mit Ohrwurmgarantie! Und das alles D.I.Y!

Ihr kommt aus Marburg. Gibt es dort eine feministische (Musik-)Szene?

Eve: Eine feministische Szene gibt es sehr wohl! Und aus genau der kommen wir auch. Das heißt, sie hat uns den letzten Anstoß gegeben, uns als Band zu formieren.

Inna: Eine Musikszene hat aber erst kürzlich angefangen, sich zu entwickeln. Es gab z.B. im Mai den ersten Schlagzeug- und Gitarren-Workshop für Frauen. Außerdem organisieren wir eine Open Stage, zu der jetzt auch immer mehr Frauen kommen und mitspielen.

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Jaclyn Friedman im Interview

2. Mai 2011 von Verena

Eine auch von der Mädchenmannschaft mit Spannung erwartete Speakerin bei der diesjährigen re:publica war die us-amerikanische Media-Aktivistin Jaclyn Friedman. Anne Wizorek, eine der Organisatorinnen der re:publica, traf Friedman zum Interview:

Jaclyn Friedman ist Gründerin und Geschäftsführerin von Women, Action & the Media, einer Organisation, die sich für Geschlechtergerechtigkeit in den Medien einsetzt und diese fördert. Ferner engagiert sich Friedman bereits seit ihrer Studienzeit aktiv für eine Schärfung des Sicherheits- als auch Rechtsbewusstseins im Kontext sexueller Übergriffe und hat hierzu unter anderem auch die Anthologie “Yes Means Yes: Visions of Female Sexual Power and a World Without Rape” mitherausgegeben.

Auf der re:publica 2011 beschrieb die begeisterte Twitter-Nutzerin in ihrem Vortrag “How Feminist Digital Activism Is Like the Clitoris” am Beispiel von Twitter-Kampagnen wie #mooreandme, #prataomdet oder #dearjohn, inwieweit sich digitale Medien auch erfolgreich im Rahmen des feministischen Aktivismus nutzen lassen und gleichzeitig dazu dienen können, eine aktive Community aufzubauen.

Im Interview mit ihr sprachen wir außerdem darüber, wie sie Klischeevorwürfen gegenüber Feministinnen begegnet, ob sich der amerikanische vom europäischen Feminismus unterscheidet und welche Rolle digitale Medien spielen können, um gegen die Sexualisierung in Standard-Medien anzugehen.

Im Herbst wird außerdem das neue Buch von Jaclyn Friedman mit dem Titel „What You Really Really Want: The Smart Girl’s Shame-Free Guide to Sex and Safety“ erscheinen. Dieses ist ein Ratgeber, der insbesondere jungen Frauen im Umgang mit der eigenen Sexualität unterstützt und dabei hilft, widersprüchliche, scheinheilige und hypersexualisierte Medien-Botschaften korrekt zu entschlüsseln, um entgegen dieser Stereotype, die eigene sexuelle Identität selbstbewusst und -bestimmt entfalten zu lassen.

Kamera: Gunnar Weber, Interview: Anne Wizorek, Schnitt: Nico Roicke

(Dieser Artikel erschien ursprünglich bei spreeblick)

 


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rp11 – Girls Can Netzpoesie

9. April 2011 von Verena

Vom 13. bis zum 15. April findet die re:publica 11 in Berlin statt. Höchste Zeit also, den Schedule nach weiblichen Speakern abzugrasen. Und Yeah!, das female Gras wächst üppiger und sichtbarer denn je. In loser Folge stellen wir euch in den kommenden Wochen einige Ladies@re:publica vor.

 

Heute: Annina Luzie Schmid

 

 

Wie bist du im Netz unterwegs?
Webseite: anninaluzieschmid
Blog: girlscanblog und wordsonawatch

Twitter:

  • @anninaluzie
  • @freielanze
  • @girlscanblog
  • @wordsonawatch
  • Wie ist der Name deiner Veranstaltung?
    Netzpoesie – Von Review-Blogs und Lyrikseiten.

    Was passiert da?
    Simone Finkenwirth, auch bekannt als die Klappentexterin, und ich werden von Literaturblogs und Lyrik im Netz erzählen. Jeweils etwa eine halbe Stunde: Sie über Bücher, ich über Gedichte.

    Wieso liegt dir das am Herzen?
    Mir liegt das Thema Netzpoesie aus verschiedenen Gründen am Herzen: Zum einen bin ich selbst ja nicht nur Bloggerin, sondern auch Lyrikerin: Mein erster “richtiger” Blog Words On A Watch ist ein Lyrikblog. Zum anderen bietet das Netz Poeten und Verlagen viele wunderbare Möglichkeiten. Auf ein paar dieser Möglichkeiten möchte ich in meinem Vortrag eingehen, außerdem anhand meiner eigenen Geschichte ein paar typische Stationen nachzeichnen, vielleicht ein paar Tricks und Kniffe verraten. Simone wird das aus ihrer Buchhändlerinnen-Perspektive ähnlich angehen, denke ich.

    Wo und wann findet euer Vortrag statt?
    Tag 2, also Donnerstag, um 11.00 Uhr in der Kalkscheune. Unser Termin ist als “Workshop” eingetragen, wir werden also auf jeden Fall auch Fragen aus dem Publikum beantworten.

    Wie sind deine bisherigen Erfahrungen mit der re:publica?
    Keine. Letztes Jahr war ich nur auf dem Real-Life-Treffen der Girls On Web Society, das ich damals mitorganisiert habe. War große Klasse, kann ich nur jeder empfehlen! Man braucht keine Eintrittskarte für die Re:publica und kann einfach so vorbeikommen. Mehr Infos dazu gibt es in der Girls On Web Society-Facebook Gruppe.

    Hast du das Gefühl, dass Frauen auf Panels und in Workshops aktiv präsent sind?
    Na, das hoffe ich doch! Es scheinen ja dieses Mal einige dabei zu sein.

    Was sind deine Erwartungen an die re:publica in diesem Jahr?
    Och, ehrlich gesagt möchte ich in erster Linie Leute treffen und kennenlernen. Und Spaß haben, klar. Was lernen wäre zwar auch schön, wichtiger als Daten und Fakten sind mir persönlich aber die Menschen hinter den jeweiligen Internetprojekten.


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    “Hey Baby” ist nicht mein Name!

    6. April 2011 von Magda

    Berlin Hollaback! ist eine recht junge Initiative zweier feministischer Aktivistinnen aus Berlin, die dummen Anmachen und Belästigungen den Kampf ansagen. Mit ihrer Platt­form möchten sie sexistische, sexuali­sierte, rassistische, homo­phobe, trans­phobe und/oder beHindernde Be­lästigungen öffent­lich machen, um sie aus der un­sichtbaren Ecke zu holen: Be­lästigung ist weder Einzel­fall noch das alleinige Problem des_r Belästigten. Mehr Infor­mationen gibt es auf der Homepage, auf Tumblr, auf Twitter oder Facebook.

    Mit eurer Initiave Hollaback Berlin setzt ihr euch gegen street harassment (Belästigungen auf der Straße) ein. Wie seid ihr auf das Thema gekommen?

    Letztes Jahr im September haben wir die Londoner Hollaback! Seite entdeckt. Weil wir die Idee so gut fanden, haben wir die Admins der Seite gleich kontaktiert und gefragt, ob es mö­glich wäre, das auch für Berlin zu machen. Wenig spä­ter hat sich dann die Direk­torin von HollaBack!, Emily May, bei uns gemeldet. Weil die Seite in den USA so erfolg­reich ist, haben sie und die anderen Gründer_innen entschieden, HollaBack! als NGO zu betreiben und weltweit neue Seiten auf­zubauen.

    So eine Website hat uns gefehlt: eine, die erstens über street harassment (also jede Form sexualisierter Be­lästigung in öffent­lichen Räu­men) informiert und zweitens genau uns, die Leid­tragenden dieser Praxis ermutigt, das nicht länger einfach nur hin­zu­nehmen. Wir fanden, es war höchste Zeit, das auch für Deutsch­land in Angriff zu nehmen. Die Tat­sache zum Beispiel, dass keine wirklich an­gemessene Über­setzung für street harassment existiert, gibt schon Auskunft darüber, welchen Stellen­wert diese Form der Dis­kriminierung (immer noch) ein­nimmt. Das wollen wir ändern: dieses ewige Nach­gepfeife, angemacht werden, Grabschen, Glotzen und dann be­schimpft werden, weil der Kerl nicht zum Zug kommt, muss einfach pro­blematisiert und ins öffent­liche Be­wusstsein gerückt werden.

    Was heißt “hollaback” und in welchem Kontext steht es zu Belästigung auf der Straße?

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    rp11 – Lokale Helden @misscaro

    1. April 2011 von Verena

    hellblauer Hintergrund auf dem oben 'Meet me @' (das letzte Zeichen ist eine Mischung aus @ und ♀, dem Frauenzeichen) steht, darunter bunte Stickereien, darunter re:publica XI 13. - 15. April 2011, BerlinVom 13. bis zum 15. April findet die re:publica 11 in Berlin statt. Höchste Zeit also, den Schedule nach weiblichen Speakern ab­zugrasen. Und Yeah!, das female Gras wächst üppiger und sichtbarer denn je. In loser Folge stellen wir euch in den kommenden Wochen einige Ladies@re:publica vor.

     

    Heute: Carolin Buchheim
     

    Unter welchem Namen trittst du im Netz auf
    Als Caro Buchheim
    Dein Blog? fudder.de und misscaro.blogspot.com
    Twitter? @misscaro

    Wie ist der Name deiner Veranstaltung?
    “Wie wird man zum Local Hero? Lokaljournalismus im Internet”

    Was passiert da?
    Bei meinem Diskussionspanel mit den Machern (die eingeladene Macherin ist leider verhindert) von Webauftritten von Regionalzeitungen und erfolgreichen Lokalprojekten soll es um die Frage gehen, wie guter Lokaljournalismus im Internet aussehen kann. Wie gehen Verlage und  Journalisten mit der Heraus­forderung ‘Online im Lokalen’ um? Und wie hat sich das Spielfeld durch Blogs, engagierte Einzelprojekte und das Social Web verändert?

    Wieso liegt dir das am Herzen?
    Weil ich leidenschaftlich gern nicht nur Online- sondern Online-Lokaljournalistin bin. Das Thema “Hyperlocal” wird alle Jahre wieder als nächster große Netztrend ge­hypet, aber die Entwicklung in Deutschland ist eher schleppend – warum eigentlich? Außerdem wird über Lokal- und Regionalzeitungen und ihre Bemühungen im Netz gerne mal gemeckert (geht auch immer gut) und gute Entwicklungen übersehen. Ich finde: genauer hingucken ist der erste Schritt zur Verbesserung. Also  machen wir das doch mal.

    Wo und wann findet deine Veranstaltung statt?
    Am 15.4. um 14 Uhr in der Kalkscheune, im kleinen Saal

    Wie sind deine bisherigen Erfahrungen mit der re:publica?
    Gut! Ich bin froh, dass sie langsam aber sicher mehr wird als nur Klassentreffen und Konsens-Club, auch wenn ich Klassentreffen und Konsens extrem gerne mag.

    Hast du das Gefühl, dass Frauen auf Panels und in Workshops aktiv präsent sind?
    Ja – und zwar jedes Jahr mehr. Ganz klar auch, weil wir alle die Debatte dazu 2009 angestoßen haben.

    Was sind deine Erwartungen an die re:publica in diesem Jahr?
    Wie immer: Klassentreffen, Inspiration, Netzwerken. Juchhu!


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    Strickismus: Handarbeit im öffentlichen Raum

    11. Februar 2011 von Helga

    In knapp einem Monat ist es wieder soweit, am 8. März gibt es diesmal auch einen runden Geburtstag: Der Internationale Frauentag wird 100 Jahre alt. In Österreich wird sogar gleich zweimal demonstriert und gefeiert, denn am 19. März 1911 demonstrierten in Wien 20.000 Menschen für Frauenrechte. Dieses Jahr wird es daher viele Aktionen geben, von denen wir Euch einige vorstellen wollen. Eine Initiative ist KnitHerStory. In einer Guerilla Knitting Aktion sollen selbstgestrickte Textilien an öffentlichen Dingen befestigt werden, die die Stationen der Wiener 20.000-Frauen-Demo länger sichtbar machen und auf den Kampf für Frauenrechte hinweisen sollen. Die Organisatorinnen Betina Aumair und Antonia Wenzl im Gespräch.

    Straßenlaterne, deren Bein mit roten und grünen Strickbezügen umwickelt ist, darauf Schnecken und die Schrift: GO SLOW

    Strickismus in Aktion, hier: „Go slow!”

    Wie seid Ihr auf die Idee gekommen?

    Wir sind als Strickistinnen schon seit längerem wollaktionistisch aktiv und beschäftigen uns damit, wer wie im öffentlichen Raum repräsentiert ist und wer nicht. Im Rahmen von genderraum wollten wir eine Aktion zu 100 Jahre internationaler Frauentag organisieren und daran sollten möglichst viele Frauen beteiligt sein. Die Idee für KnitHerStory haben wir dann bei einer gemeinsamen Wanderung entwickelt.

    Wer steckt eigentlich dahinter?

    Wir, Betina Aumair und Antonia Wenzl, sind die Organisatorinnen. Unterstützt werden wir von 10 Koordinatorinnen, darunter auch die Strickistinnen (das sind neben uns noch 3 weitere Aktivistinnen) und insgesamt 98 weiteren Frauen.

    Wieso gerade Stricken?

    Wieso nicht? Und natürlich auch, weil wir bemerkt haben, dass Stricken, wenn es zur Kommunikation im öffentlichen Raum eingesetzt wird ein sehr überraschendes, irritierendes und aufweckendes Potential hat. Außerdem wollen wir die weibliche Konnotation und Verortung im Privaten von textilen Techniken in Frage stellen und unterwandern.

    Was passiert, wenn die Aktion vorbei ist?

    Keine Ahnung. Die Leute werden hoffentlich stehen bleiben, sich wundern, darüber reden, irritiert sein, sich austauschen. Aus Erfahrung wissen wir, dass manche unsere Strickkunstwerke vermutlich mit nach Hause nehmen werden.

    Was muss man außer Gestricktem noch mitbringen, um mitmachen zu können?

    Interesse und Engagement für Frauenpolitik und -bewegung. Am 19. März in Wien sein können, Lust an Aktionismus und Interventionen im öffentlichen Raum.

    Meine Strickkünste sind eher bescheiden, kann ich Euch trotzdem unterstützen?

    Wie gut du Stricken kannst, ist nicht unbedingt ausschlaggebend für die Gestaltung eines Teils der Aktion. Es geht vor allem um Kreativität und Lust am Aktionismus. Das textile Kunstwerk muss nicht schön sein, es soll nicht Dekoration sein, sondern Symbol. Wer nicht aktiv mitmacht, kann uns mit „weitererzählen“ unterstützen und auf jeden Fall zur Demo für Frauenrechte am 19. März kommen!


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    „Zusammenkommen und über tollen, einvernehmlichen Sex reden“

    4. Februar 2011 von Helga

    Seit dem letzten Herbst gibt es das Projekt „Wir lieben Konsens“ – Gründerin Hildegard bloggt über das Zustimmungskonzept und hält Workshops zu diesem, in Deutschland noch kaum bekannten, Thema. Im Interview erklärt sie die Hintergründe

    Worum geht es bei „Wir lieben Konsens“?

    Die Idee ist, das Zustimmungskonzept im gesamten deutschsprachigem Raum zugänglich zu machen. Die Internetseite ist dazu da, Ressourcen zu bündeln, damit Interessierte sich selbst informieren oder Kontakt zu mir aufnehmen können. Die Workshops bieten Raum, um sich mit anderen persönlich auszutauschen und seine eigene Art für das Zustimmungskonzept zu finden. Zudem hat „Wir lieben Konsens“ auch eine politische Seite und versteht sich als Teil der Arbeit gegen sexualisierte Gewalt und gegen Machtasymetrien die auf dem Geschlecht der Beteiligten basieren.

    Das Projekt insgesamt, also das Zustimmungskonzept zu verbreiten, hat auf der individuellen Ebene das Ziel, dass alle Beteiligten guten Sex haben, weil der Idealzustand Einvernehmlichkeit gelebt wird. Dazu ist in manchen Fällen das Aushebeln von Machtasymmetrien in zwischenmenschlichen (intimen) Beziehungen nötig, was unter anderem durch „Nein heißt Nein“ und „ohne explizit gegebene Zustimmung kann man auch nicht von Zustimmung ausgehen“, zusammen mit der Definitionsmacht, für alle Beteiligten hoffentlich auch erreicht wird. Politisch gesehen läuft da viel Empowerement ab und im Idealfall trägt das Zustimmungskonzept (zusammen mit anderen Sachen wie Traumaarbeit, Täterarbeit, …) zum Ende der Rape Culture bei.

    Aber das klingt alles schrecklich akademisch was ich da geantwortet habe. Eigentlich geht es einfach darum, dass Menschen zusammenkommen und darüber reden wie sie tollen, einvernehmlichen Sex haben können.

    Was genau ist denn das Zustimmungskonzept?

    Das Zustimmungskonzept kommt aus dem US-amerikanischem Raum (dort bekannt als consent) und nutzt Definitionsmacht und „Nein heißt Nein” im positiven Sinne für unsere persönlichen, intimen Beziehungen.

    Im Gegensatz dazu, wie sich viele Menschen im Moment bei Berührungen oder Sex verhalten, nämlich zu berühren und vorauszusetzen, dass das schon okay ist und das Grenzen schon angesprochen werden wenn sie verletzt werden, sagt das Zustimmungskonzept, dass man sich immer Zustimmung holen muss, bevor es zu Berührungen kommt. Und dass, sollte nicht gefragt und weder zugestimmt noch abgelehnt werden, nicht davon ausgegangen werden kann, das Zustimmung bestand.

    Wie kann ich es in meinem Leben umsetzen?
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    Engagement gegen den Schlankheitswahn

    21. Januar 2011 von Helga

    Ob Titelbilder von Fernsehzeitschriften oder Werbeplakate für Elektronikfachhandel, alles wird verkauft mit Frauenkörpern. Schlanken Frauenkörpern wohlgemerkt. Wie frau einen solchen bekommt, steht dann im Frauenmagazin daneben. In Wien leistet seit über einem Jahr eine Frauengruppe Widerstand – die ARbeitsGEmeinschaft dicker Weiber.

    Vier Frauen der ARGE Dicke Weiber posieren beim Workshop für die Kamera, lachend und die Arme zur Kamera gestreckt, auf einem Bein stehend

    © ARGE Dicke Weiber

    Wie kam es zur Gründung der ARGE Dicke Weiber?

    Als engagierte dicke Frauen und Lesben schlossen wir uns zusammen, um gemeinsam auf die zunehmende Diskriminierung aufgrund des Gewichts hinzuweisen. Wir sind tief betroffen und wütend über den immensen Druck, der auf dicke Menschen ausgeübt wird, und wir wollen uns gegen diesen Schlankheitsterror wehren. Wir wollen mit unserer selbstorganisierten Initiative dicken Frauen und Mädchen Mut machen, uns politisch mit dem Thema auseinandersetzen und Aktionen durchführen.

    Wie sieht Euer Engagement konkret aus?

    In Anlehnung an “Fat Liberation Movement” in den USA, wo schon in den 1970er Jahren “Fat Activist”-Gruppen entstanden, wollen wir mehr sein als reine Selbsthilfe. Wir verstehen uns als Teil einer weltweiten Dickenbewegung, die angetreten ist, die Dickenfeindlichkeit in dieser Gesellschaft zu beenden. Unsere Strategien dazu sind: Stärkung des Selbstbewusstseins, Selbstermächtigung, politische und persönliche Reflexion und Auseinandersetzung sowie Öffentlichkeitsarbeit, Aktivismus und jede Menge Spaß. Konkret treffen wir uns zweimal im Monat zum persönlichen Erfahrungsaustausch in der Gruppe, wir organisieren Veranstaltungen wie Diskussionen und Filmabende, schreiben Texte, produzieren und sammeln dickenfreundliches Bildmaterial, sind bei Frauendemos mit Redebeiträgen und Transparenten präsent (8. März und 25. November) und vieles mehr.

    Plakat mit einer Nana und der schwarzen Aufschrift: Auf DIÄTEN pfeifen, den Schlankheitswahn angreifen! ARGE Dicke Weiber - Hinter und neben dem Plakat stehen Frauen der ARGE

    © ARGE Dicke Weiber

    Was habt ihr schon erreicht?

    Die Stärkung des Selbstbewusstseins ist bei jeder einzelnen Frau, die mitmacht, wirklich augenfällig und spürbar. Viele von uns gehen nach langer langer Zeit wieder schwimmen, tragen keine alles verhüllenden Kleidungsstücke mehr, wehren sich gegen Beschimpfungen und dickenfeindliche Äußerungen und schenken sich selbst endlich (wieder) den Respekt und die Liebe, die wir uns solange vorenthalten haben. Dies ist ein sehr wichtiger erster Meilenstein, denn ohne Selbstbewusstsein ist es als dicke Frau so gut wie unmöglich „Dickenpolitik“ zu machen.
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