Einträge der Rubrik ‘Im Gespräch’


I Throw Myself At Men

27. Januar 2012 von Helga

Lilly McElroy ist Künstlerin und Fotografin. In den Bildern des Projekts “I Throw Myself At Men” schmeißt sie sich auf fremde Männer. Die Bilder stellen Fragen zu Geschlechterbildern, Beziehungen und sozialen Verbindungen.

Eine weiße Frau in schwarzem Shirt und Rock springt auf einen stämmigen weißen Mann zu, der bewegungslos in einem Diner steht.

Was hat Dich inspiriert, das Projekt zu starten?

Ich mache Kunst über das Verlangen, mit anderen Verbindungen einzugehen. Vorher habe ich schon Fremde ohne ihre Einwilligung umarmt und mich an Cowboys gedrückt. Dieses Projekt war eine natürliche Weiterentwicklung. Es schien mir wichtig zu sein, etwas über das Verlangen nach romantischen Verbindungen zu machen.

Wie haben die Männer reagiert, nachdem Du die Anzeigen geschaltet hast?

Ich bekam eine handvoll Antworten auf die Anzeigen und die Männer schienen wirklich interessiert, was ich da mache und warum. Trotzdem bin ich dann schnell übergangen, einfach Männer in Bars anzusprechen. Es war natürlicher und erlaubte es mir, schneller zu arbeiten.

Wie hast Du dann überhaupt Fotos gemacht, Du selbst bist ja in der Luft?

Ich habe mit mehreren anderen Fotograf_innen zusammengearbeitet. Wir haben die Szene vorbereitet und sie haben dann den Auslöser gedrückt.

Du wolltest ja Verbindungen formen, ist das passiert?

Ich hoffe doch! Ich hatte eine Menge kurzer und lustiger Momente mit Menschen und ich fand sie sehr positiv. Es hat sich nichts längerfristiges entwickelt, aber ich denke, das ist ok. (weiterlesen …)


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Du musst reagieren – Interview mit Sookee

17. Januar 2012 von Verena

Sookee ist schwer beschäftigt. Zwischen der Veröffentlichung ihres dritten Albums, zwischen Konzerten und Vorträgen zu Queerfeminismus und Homophobie im deutschen HipHop unterrichtet die Berliner Rapperin auch noch an einer reformpädagogischen Schule. Zum Gespräch lädt sie zu sich nach Hause ein, wo die Räume mit viel Lila dekoriert sind, Sookees Lieblingsfarbe.

Auf dem Weg hierher kam mir in der S-Bahn erst eine Siebenjährige entgegen, die ganz affektiert ihre Handtasche trug. Dann stieg ein anderes Mädchen ein, mit Puppenwagenmontur in Pink inklusive glitzerndem Regenschirm. Was wäre Dir in der Situation durch den Kopf gegangen?

Ich hoffe in solchen Situationen immer heimlich, dass diese Mädchen noch ganz cool und queer werden und pink dann aus einer anderen Motivation heraus tragen. Aber da steckt natürlich auch eine riesige Industrie dahinter. In den Kaufhäusern sind ganze Abteilungen im negativen Sinn gegendert, nach Jungs und Mädchen aufgeteilt. Das weckt natürlich Bedürfnisse bei den Kindern, denn es geht auch da schon um Anerkennung und Zugehörigkeit.

Hast du mit Puppen gespielt?

Nee, ich war weder an Puppen noch an Autos interessiert. Ich habe mich mehr mit Büchern beschäftigt. Und Bastelzeug, das war auch eher so meins. Ich kann aber das Bedürfnis noch gut nachvollziehen, diese Anerkennung haben zu wollen. Ich kann mich zum Beispiel an eine konkrete Situation erinnern, als im Kindergarten das Faschingsthema Zirkus hieß und unsere Gruppe in Gewichtheber und Ballerinas aufgeteilt wurde. Da hat meine Mutter noch nachts dran gesessen, mir das scheiß Tütü zu nähen, das ich aber am nächsten Tag nicht anziehen wollte, weil ich einfach keine Röcke trug.

In die Rolle des Gewichthebers zu schlüpfen, ging damals nicht?

Nein, das wurde gar nicht diskutiert. Ich würde heute vor Freude in die Hände klatschen, wenn ich ein Mädchen an der Schule, an der ich unterrichte, zu so etwas ermutigen könnte. Aber damals ist keine der Erzieherinnen auf die Idee gekommen, mir zu sagen, dass ich als Gewichtheber gehen könnte. Die Zuordnung ist hier ganz klar, nach wie vor. Allein das Beispiel Frauenzeitschriften zeigt, mit welchen Interessen Männer und Frauen nach wie vor in der öffentlichen Wahrnehmung ausgestattet werden. Da geht es doch nur um Kochen, Mode, Schönheit …

Liest Sookee überhaupt Frauenzeitschriften?

Ich kaufe die zwar nicht, lese sie aber, wenn ich bei der Ärztin sitze. Ich habe so ein Faible für Handarbeitsmagazine, diese Begleithefte von Frauenmagazinen fürs Stricken und Handarbeiten. Ich liebe es, Dinge selber zu machen. Stricken, Schmuck, alles mit Textilien wie Wolle und auch Papier. Das ist noch so ein Waldorfschulen-Ding in mir.

Ist das ein Hobby ausschließlich für Zuhause oder hast du das Strickzeug auch unterwegs dabei?

Ich nehme das total oft mit. Ist schon ulkig, wenn du in Minirock und Stiefeln oder Trainingshose und Anti-Homophobie-Aktionsbutton dein Strickzeug rausholst und überraschte Blicke erntest. Ich hatte so schon tolle Gespräche in der U-Bahn mit älteren Damen, denen ich unterstellen würde, dass sie sonst einen großen Bogen um mich machen würden.

Im feministischen Kontext ist Handarbeit längst rehabilitiert und als Teil des Do-It-Yourselfs-Empowerment akzeptiert. Aber dieses Gefühl, einen Widerspruch aushalten zu müssen, als Feministin gerne zu stricken oder Highheels zu tragen, kannst du das nachempfinden?

Schon, aber davon habe ich mich nie abschrecken lassen … (weiterlesen …)


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„Manchmal reicht ein Kompliment, um motiviert zu bleiben”

9. Januar 2012 von Magda
Dieser Text ist Teil 10 von 11 der Serie Wanna Disco? Listen Up!

Adwoa Hackman singt, seitdem sie denken kann, das hat sie von ihrer Mutter. Ihr erstes Instrument war das Schlagzeug, was sie leider aufgeben musste, nachdem sie einen Tinitus bekam. So lernte sie Gitarre zu spielen, was sich nicht nur besser mit dem Singen vereinbaren lässt, sondern auch nützlicher für’s Songsch reiben ist. Im Interview mit der Mädchenmannschaft spricht Adwoa Hackman über ihre quasi-musikalische Heimat Berlin, weibliche Vorbilder und deutsche Soulmusik.

Adwoa Hackman

Gab es eine oder mehrere Person(en), die dich besonders in deinem musikalischen Werdegang unterstützt hat/haben?

In der Grundschule hatte ich eine Klassenlehrerin, die jeden Tag mit uns gesungen hat, ganz egal ob der Lehrplan das vorsah oder nicht. Dafür war ich sehr dankbar. Über die Jahre gab es immer auch Personen, denen ich dankbar sein konnte. Manchmal reicht ein Kompliment, um motiviert zu bleiben. Ich habe sehr intensiv mit zwei Produzenten zusammen gearbeitet. Man lernt sich über die Jahre sehr gut kennen, weiß wo die eigenen Stärken und Schwächen und die des anderen liegen, und findet heraus, wie man am besten im Team funktioniert. Ich habe z.B. dadurch überhaupt erst einmal eine Ahnung davon gekriegt, wie man selbständig arbeitet. Das ist mir anfangs ziemlich schwer gefallen.

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Das Schweigen gebrochen – die Geschichte der „Trostfrauen“

8. Dezember 2011 von Helga

Seit dem 5. Dezember finden weltweit Veranstaltungen statt, die auf die Schicksale der ehemaligen süd-koreanischen „Trostfrauen“ hinweisen. Auch in Deutschland gibt es in 14 verschiedenen Städten Filme, Podiumsdiskussionen und Demonstra­tionen. Dazu die Organisatorinnen der AG „Trostfrauen“:

Was ist der Hintergrund der Aktionswoche und der „Trostfrauen“?

Das japanische Militär verschleppte während des Asien-Pazifik-Krieges (1937-1945) über 200.000 Mädchen und Frauen aus ca. 13 Ländern aus ihrer Heimat an die Kriegsfronten und zwang sie zur Prostitution in den eigenen Militärbordellen. Man bezeichnete sie als Trostfrauen, das heißt die Frauen sollten den Soldaten „Trost spenden“. Das Ganze wurde systematisch vom Staat organisiert, um angeblich die Massenvergewaltigungen durch Soldaten vor Ort zu verhindern, die Soldaten vor Geschlechtskrankheiten zu schützen und um ihre Kampfeslust zu steigern.

Die betroffenen Frauen schwiegen fast 50 Jahre lang über ihre traumatischen Erfahrungen. Erst als die ehemalige „Trostfrau“ Kim Hak-Soon im Jahr 1991 vor die Kameras trat und ihre Geschichte öffentlich machte und andere Frauen dazu aufrief, das Gleiche zu tun, meldeten sich über 700 Frauen aus dem gesamten Asien-Pazifik-Raum und ließen ihre Geschichte als Zeitzeuginnen registrieren. Zunächst stritt die japanische Regierung alles ab und behauptete, die im Krieg verschleppten Mädchen und jungen unverheirateten Frauen seien „freiwillig“ in die Militärbordelle gegangen. Inzwischen kann diese historische Tatsache nicht mehr geleugnet werden. Dennoch behaupten manche Politiker, dass es private Agenturen waren, welche Frauen rekrutierten.

Seit 20 Jahren kämpfen die ehemaligen sogenannten „Trostfrauen“ nun für eine Entschuldigung und eine Wiedergutmachung durch die japanische Regierung. Das Verhalten der japanischen Regierung führte auch dazu, dass große internationale Organisationen wie die UN-Menschenrechtskommission, Amnesty International sowie ILO sie zur Stellungnahme aufforderten. Seit 2007 verfassten verschiedene Länder u.a. auch die USA, Niederlande, das EU-Parlament usw. Resolutionen an Japan, das „Trostfrauen“-Problem zu lösen.

Gibt es einen konkreten Anlass für die Aktionswoche?

Die ehemaligen „Trostfrauen“ demonstrieren mit ihren Unterstützer/innen seit Anfang 1992 jeden Mittwoch vor der japanischen Botschaft in Seoul. Bisher ist niemand aus der japanischen Botschaft zu einem Gespräch auf die Demonstrantinnen zugekommen. Am 14. Dezember 2011 findet die Mittwochsdemonstration zum 1000. Mal statt. Daran wollen wir in Deutschland erinnern, damit das Problem der ehemaligen „Trostfrauen“ nicht in Vergessenheit gerät. Wir wollen das Thema einer breiteren Öffentlichkeit in Deutschland bekannt machen. Der Anlass für die Aktionswoche ist vor allem, dass sich die Haltung der japanischen Regierung immer noch nicht geändert hat. Es ist eine Chance, auf dieses ungelöste Problem noch einmal aufmerksam zu machen, bevor die alten Frauen sterben. Die beeindruckende Zahl (1000) der Mittwochsdemonstrationen zeigt, dass die alten Frauen nicht bereit sind, aufzugeben. (weiterlesen …)


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Alternatives Sex-Shopping

20. Oktober 2011 von Verena

Am Samstag ist Berlin um einen Sexshop reicher. Aber nicht um irgendeinen. Der Alternative Sexladen „Other Nature“ macht vieles anders. Was, das erzählen Anne Bonnie und Sara im Interview und laden zur großen Eröffnungssause am Samstag, 22 Oktober ein, um Laden und Produkte kennen zu lernen.

Alternativer Sexladen – was bedeutet das?
Anne: Wir unterscheiden uns eben in vielerlei Hinsicht vom Traditionellen. Wir sind feministisch, aber auch queer. Wir sind ökologisch und besitzen ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit. Wir schaffen auch einen Raum, in dem man sich wohlfühlen soll, über Sex zu reden. Denn es geht uns genauso um Aufklärung und sexuelle Gesundheit wie um gute, frauenemanzipierte Pornographie. Ein einziges Verb hat eben nicht ausgereicht, all unsere Ideen und unsere Philosophie unterzukriegen. Deshalb war nach langem Überlegen klar, dass wir zwar definitiv ein Sexshop sind- nur neuer und besser, eben alternativ.

Welche Kund_innen wollt ihr ansprechen?
Anne: Unsere Produkte und Themen sind für Frauen und WLT* ausgelegt. Aber willkommen sind alle, die sich und ihre Sexualität erforschen und bereichern möchten.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Anne: Ich habe vorher in einem gängigen Sexshop gearbeitet. Dort waren die Gespräche mit Frauen unvorstellbar intim und lustig, die Arbeit im Sexshop also immer positiv besetzt. Aber auf die Beratung geiler Männer hatte ich keine Lust mehr. So entstand langsam die Idee des Frauensexshops, viele Phasen der Verbesserungen und Entwicklungen inklusive.
Sara: Ich hingegen kenne die Arbeit bereits aus Kanada, ich war Managerin des Venus Enyv, ein fem Sexshop. Ich bin immer noch davon beeindruckt, was für einen positiven Einfluss ein Frauensexshop auf die Gesellschaft haben kann.
Anne: Zwei Frauen, zwei Länder und zwei Erfahrungen haben sich so zusammengeschlossen und viele Gemeinsamkeiten entdeckt. (weiterlesen …)


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Politik als Teil des Lebens – und der Musik

13. Oktober 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 8 von 11 der Serie Wanna Disco? Listen Up!

M’bala und Akosua machen seit ca. 2,5 Jahren zusammen als Rising Thoughts Musik. Hauptsächlich spielt M’bala Gitarre und Akosua Djembe. Neuer­dings ist auch Percussion dabei, weil das den Sound “voller und rhythmischer” macht. Privat hören die beiden so gut wie alles von Dubstep bis Bikutsi, Jazz, Raggae und HipHop. Akosua ist Mit­begründerin des Künstler_innenkollektivs Label Noir in Berlin. Im Interview mit der Mädchenmannschaft sprechen M’bala und Akosua über ihren politischen Anspruch, Poesie und ihre Pläne für ein neues Album.

Rising Thoughts - Photo Credits: Cassius Prudent

Ihr seid beide nicht nur musikalisch unterwegs, sondern nehmt auch an Poetry Slams und Open Mics teil. Seid ihr quasi vom Sprechen zum Singen ge­kommen?

M’bala: Wir haben uns bei der Poetry Veranstaltung “Outspoken 2007″ kennengelernt und waren zum ersten Mal gemein­sam auf der Poetry Bühne des Black History Month in Hamburg. Wir sind also durch die Poesie über­haupt ent­standen. Ich war bis vor unserer Be­gegnung keine Sängerin und habe nur ab und zu was geschrieben – und eigent­lich nur für mich. Durch Rising Thoughts fing ich an regelmäßig zu singen und zu schreiben.

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“In Deutschland herrscht faktische Straflosigkeit sexualisierter Gewaltdelikte”

12. Oktober 2011 von Maria
Dieser Text ist Teil 1 von 4 der Serie Feminismus im Recht

Der Sommer ist hierzulande zwar offensichtlich vorbei, die Slutwalks aber noch lange nicht: Im deutschsprachigen Raum stehen als nächstes Bielefeld und Leipzig (jeweils am 15.10) auf dem Programm, am Wochenende darauf folgt die Demonstration in Wien (22.10.).  Nicht nur aus diesem aktuellen Anlass geben wir im Folgenden ein Interview wieder, das Maria Wersig mit  Dr.  iur. Ulrike Lembke für das ‘Missy Magazinegeführt hat, wo es vor knapp drei Wochen erschienen ist.  Herzlichen Dank an Maria Wersig, Ulrike Lembke und dem ‘Missy Magazine’ für ihr Einverständnis zu dieser “Zweitverwertung”!

Das Thema Vergewaltigung wird öffentlich im Moment stark diskutiert. Du beschäftigst dich wissenschaftlich mit der Frage, warum Delikte gegen die sexuelle Selbstbestimmung so schwer zu verfolgen bzw. zu verurteilen sind. Zunächst die Frage: Ist das so im Vergleich zu anderen Straftaten?

Selbstverständlich werden in keinem Bereich alle Straftaten angezeigt und verfolgt, es gibt überall ein sog. Dunkelfeld. Wenn es sich um Straftaten mit geringer Sozialschädlichkeit handelt, mag man dies auch hinnehmen. Delikte gegen die sexuelle Selbstbestimmung haben aber ganz gravierende Folgen für die betroffene Person, ihr soziales Umfeld und die Gesellschaft. Gleichzeitig weisen sie ein außergewöhnlich großes Dunkelfeld und eine signifikant niedrige Verurteilungsquote auf. Nach einer repräsentativen Dunkelfeld-Studie aus dem Jahr 2004 haben 13% (also fast jede 7.) der in Deutschland lebenden Frauen seit dem 16. Lebensjahr strafrechtlich relevante Formen sexualisierter Gewalt erlebt. Allerdings werden insgesamt nur 5% bis höchstens 10% der tatsächlich verübten sexualisierten Gewaltdelikte angezeigt – bezüglich der sexualisierten Gewalt gegen Männer ist von einer noch höheren Dunkelziffer auszugehen. Von diesen angezeigten Delikten gelangen nur 14% zu einer Verurteilung, wobei die Strafen auffällig am unteren Ende des gesetzlichen Strafrahmens verbleiben. Werden nicht die angezeigten, sondern die tatsächlich begangenen Delikte zugrunde gelegt, werden nur 0,7% bis 1,4% sexualisierter Gewalttaten in der Bundesrepublik strafrechtlich geahndet, 99 von 100 Taten bleiben also ungesühnt.

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Bis unter die Säbelzähne bewaffnet

28. September 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 7 von 11 der Serie Wanna Disco? Listen Up!

Die Jolly Goods sind “jenes fauchende, bis unter die Säbel­zähne mit musikalischem Können be­waffnete laute, triumphierende Schwestern-Duo, einst in Rimbach geboren, um von dort von ihrer Noise­rock­musik an­getrieben nach Berlin zu fliehen.” Die Musik von Tanja Pippi und Angy Lord Lott bewegt sich zwischen Riot Grrrl, Noiserock und Folk. Im Inter­view mit der Mädchenmannschaft sprechen die Musikerinnen über vor­ein­genommene Journalist_innen, hirn­rissige Ge­schlechter­prinzipen und über ihr neues Album WALRUS.

Jolly Goods by Jonas Lindstroem

Was hat es eigentlich mit eurem Namen “Jolly Goods” auf sich?

Angy: Holly Golightly sagt auf einem White Stripes Album nach dem letzten Song “jolly good. let’s have a cup of tea…” Jolly Good ist ein alt­backener und eher un­cooler Aus­druck für “recht gut, prima etc.”, das ge­fiehl uns. Einer­seits die Band mit “prima” zu be­titeln, je­doch mit einem Wort, das eher als “uncool” an­gesehen wird.

Ihr kommt ganz ohne Bass aus – war das eine musikalische Entscheidung?

Tanja: Wir haben zu Anfang tatsächlich Bassistinnen aus­probiert, aber das Ge­fühl war dabei nie richtig. Für uns war es viel spannender, die Musik auf das Nötigste zu re­duzieren, nur das Ge­rüst stehen zu lassen, gerade so, dass es noch hält, und dann dieses klappernde Skelett frei tanzen zu lassen. Viel Emotion und Message in so wenige Instrumente wie mög­lich zu stecken. Auf unserem gerade er­schienenen Album WALRUS haben wir damit ge­brochen, es ist bei einigen Liedern Kontra­bass sowie Orgel und zum Beispiel Vibraphone zu hören, denn wieder­holen wollen wir uns nicht.

Vor wenigen Wochen seid ihr beim Ladyfest in Darmstadt auf­ge­treten. Welche Rolle spielt Feminismus in eurer Musik?

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Interview mit Sabina England

21. September 2011 von Nadia

Eine Punkerin mit rotem Iro und Jeansjacke vor einer weißen, besprayten Wand (Freedum/Ignorance is bliss) Sabina England ist Performance- und Video-Künstlerin, schreibt Theaterstücke und Lyrik. Sie ist in England aufgewachsen, lebt aktuell in den USA und setzt sich in ihren Arbeiten künstlerisch oft mit Herrschaftsdiskursen und weißer Majorität auseinander; außerdem ist sie fester Bestandteil der Taqwacore-Movement. Wir sprachen mit ihr über ihren Ansporn, Perspektiven und aktuelle Projekte.

Wann hast Du mit Deinen Arbeiten angefangen und was war Dein Ansporn? Und kannst Du kurz beschreiben, was deine aktuellen Projekte sind?

Das erste Mal Theaterluft habe ich mit 13 geschnuppert. Das war auch der Startschuss, selbst anzufangen Stücke zu schreiben. In meinen 20ern dann ging es weiter zum Film, und vor ungefähr zwei Jahren habe ich dann verstärkt angefangen Videos zu drehen und mich generell mehr für Multimedia-Art zu interessieren – ich hab also im Laufe der Zeit immer wieder neue Medien und verschiedene Kanäle ausprobiert. Momentan schreibe ich Gedichte, bin im Bereich Rap-Poetry unterwegs, mache digitale Kunst, experimentelle und Stummfilm-Videos. Und nächstes Jahr wird es ein Musik-Video geben.

Wie würdest Du Deine Arbeit beschreiben? Und generell den ganzen Prozess Deines Schaffens?

Wenn ich mich selbst beschreiben müsste, würde ich sagen: Dramatikerin, Filmemacherin, Multimedia-Künstlerin. Wobei meine Schaffensprozesse auch sehr mit meinen Stimmungen zusammen hängen. Wenn ich sauer oder angenervt bin, schreibe ich; wenn ich eher sentimentale Phasen habe, entwickle ich Bühnenstücke. Und wenn man es auf meinen Background runterbrechen möchte kann man sagen: Ich bin eine gehörlose indische muslimische anarchistische Dramatikerin und Filmemacherin. Einfach, weil das auch meine Hauptinteressen sind: Islam, Muslima sein, gehörlos sein, eine Woman of Color sein. Und: Punk Rock.

Man hat ja schon ein bisschen den Eindruck, dass Du vor allem für die Underdogs und Minderheiten sprichst. Würdest Du das selbst auch so sehen? Beziehungsweise: Ist das auch eine Intention von Dir, vor allem auch ausgeblendete Themen aufzugreifen?

Ja, das stimmt. Ich habe mich mein ganzes Leben lang ja selbst wie ein Underdog gefühlt. Als ich klein war gab es niemanden wie mich in Filmen oder auf Theaterbühnen oder in Büchern. Kennst Du irgendwelche bekannten gehörlosen süd-asiatischen Künstler oder Filmemacher oder zumindest fiktionale Charakter, die irgendwo vorkommen? Wahrscheinlich nicht, denn es gibt ja kaum welche. Als Woman of color und Tochter von indischen Einwanderern habe ich mich in Großbritannien und in den USA immer das gefühl gehabt. Naja, wir spielen eh keine Rolle. Ich hab mich immer ignoriert und unsichtbar gefühlt.

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Für das revolutionäre Herz

28. Juli 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 5 von 11 der Serie Wanna Disco? Listen Up!

In unserer neuen Serie “Wanna Disco? Listen Up!” (Le Tigre meets Gossip) stellen wir euch (feministische) Musiker_innen vor, die euren Player zum Grooven bringen. Bereits interviewt haben wir djane mithras (Djane Kurse für Mädchen und Frauen), Sookee (HipHop), The Stattmatratzen (Punk) und Zorro Zensur (New Wave/Punk). Heute sprechen die drei Musikerinnen Mel, Inna und Eve von Monsterbeat and the Immigrant neuerdings Stereowoolf (auch auf twitter) über weibliche Vorbilder, Sexismus in der Musikszene und warum sie nicht auf allen Konzerten spielen. 

Monsterbeat and the Immigrant

In einer Welt voll Elektro und Indie haben Monsterbeat and the Immigrant ein neues Genre erschaffen – 21st century riot grrrl rock! Erst Oktober 2010 in Marburg formiert, treffen sie das revolutionäre Herz mit Texten über Themen, über die sich nur wenige Leute zu singen trauen, mal offensiv, mal subtiler – untermalt durch Klänge mit Ohrwurmgarantie! Und das alles D.I.Y!

Ihr kommt aus Marburg. Gibt es dort eine feministische (Musik-)Szene?

Eve: Eine feministische Szene gibt es sehr wohl! Und aus genau der kommen wir auch. Das heißt, sie hat uns den letzten Anstoß gegeben, uns als Band zu formieren.

Inna: Eine Musikszene hat aber erst kürzlich angefangen, sich zu entwickeln. Es gab z.B. im Mai den ersten Schlagzeug- und Gitarren-Workshop für Frauen. Außerdem organisieren wir eine Open Stage, zu der jetzt auch immer mehr Frauen kommen und mitspielen.

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