Einträge der Rubrik ‘Der Feminismus ist schuld’


Trampen, Pornos und Orgasmusfakten: Die Blogschau

2. April 2011 von Anna
Dieser Text ist Teil 102 von 157 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Die Tage werden wärmer und viele von euch haben besseres zu tun als zu bloggen. Eis essen zum Beispiel. Umso mehr freuen wir uns deswegen auch diese Woche wieder über die gesammelten Perlen aus der Blogosphäre:

beziehungsweise – weiterdenken bespricht den Film “Winter’s Bone”, der am Beispiel südliches Missouri/USA eindrücklich zeigt, “wie eine Gesellschaft funktioniert, in der Frauen nichts gelten und nichts zu sagen haben”.

“Sind moderne Feministinnen nicht mehr radikal genug?” Das fragt sich und uns der Mädchenblog.

Emma trifft Missy Magazin treffen eine Bloggerin. Julia Seeliger hat ihre eigene Meinung zu dieser Runde.

Gesammelte Feedbacks zur Demo der 20.000 Frauen anlässlich des diesjährigen Frauentages gibts bei zwanzigtausendfrauen.at zu lesen.

“Das Ende der Alleinverdiener-Ehe führt zu mehr materieller Ungleichheit” meint Antje Schrupp schon lange und beweist das jetzt auch mit einer Studie.

Zu fremden Menschen und Männern dürfen wir nicht ins Auto steigen! Niemals nie! Oder vielleicht doch? Übers feministische Trampen könnt ihr bei anarchie & lihbe lesen.

Ein Mann, der keine Pornos auf dem Rechner hat? Verdächtig, verdächtig! Warum erklärt Udo Vetter im law blog.

Der genderblog verlinkt ein Video mit dem verheißungsvollen Titel “10 things you didn’t now about orgasm”. Viel Spaß damit!

Bei gibts einen nachdenklichen Beitrag zu Bascha Mikas neuem Buch zu lesen.

diestandard.at stellt eine Studie vor, nach der es Chefinnen in Deutschland wenn, dann in kleinen Firmen gibt.

Mehr erfahren über Lesben in Ägypten. Bei l-talk.

Für eine bessere Vernetzung der (feministischen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!


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Der „neue Mann“ und die Brutalität

29. März 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 20 von 29 der Serie Neues vom Quotenmann

Nach den jüngsten Prügelattacken in Hamburg und Berlin werden sich wahr­scheinlich die Befürworter zunehmender Sicherheitsmaßnahmen erneut zu Wort melden. Denn tatsächlich scheinen solche Zwischenfälle in der letzten Zeit immer öfter aufzutreten. Dabei prügeln einzelne Männer oder Männergruppen meistens andere, ihnen völlig unbekannte Männer – so extrem, dass die die Opfer ins Kran­ken­haus müssen, oder sogar ums Leben kommen. Die Gewaltszenen geschehen in öffentlichen Verkehrsmitteln oder auf der Straße, und die Täter haben oft keinen auch nur im Ansatz nachvollziehbaren Grund.

Die Medienberichte darüber klingen in vielen Fällen banal, oder thematisieren in rassistischer Weise die ethnische Herkunft der Tatverdächtigen. Panikmache und neue Forderungen nach mehr Überwachung sind oft das einzige Ergebnis der Mediatisierung. Wichtige und unangenehme Fragen bleiben dabei ausgeklammert. Denn, auch wenn die Anzahl der Gewaltüberfälle und Körperverletzungen laut den letzten offiziellen Statistiken gesunken ist und keinen Grund zur Panik bietet, bleibt jede Gewalttat natürlich eine zu viel. Letztendlich sind viele von uns nicht bereit zu akzeptieren, dass Männer seit eh und je andere Männer verprügeln und dies einfach auch weiterhin tun werden.

Die Zwischenfälle deuten selbstverständlich auf viele wirtschaftliche und soziale Faktoren hin, die unter dem Motto „Prekarisierung“ und „Verrohung der Gesellschaft“ verstanden werden und überall in den europäischen Großstädten zu beobachten sind. Doch darüber hinaus wird dadurch offensichtlich, dass „der neue Mann“, über den die deutschen Medien so oft schöne Features und Reportagen schreiben, noch lange keine Selbstverständlichkeit ist. Dieser neue Mann, der von denselben Kommentatoren immer wieder zum Opfer des Feminismus erklärt wird, scheint vielmehr allzu oft in der U-Bahn dem „alten Mann“ zum Opfer zu fallen. Der zeigt ihm regelmäßig, was ein richtiger Mann kann.

Was wir tatsächlich brauchen, sind also nicht weitere Überwachungsmaßnahmen, sondern mehr Klarheit über die Ziele unserer Bildungssysteme und die Ver­wirk­lich­ung einer modernen, antipatriarchalen und konsequenten Geschlechts­politik, die Machismo und Gewalt niemals toleriert oder verharmlost.


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Mehr Demokratie – mit und von Frauen!

15. März 2011 von Helga

Nicht nur bei den Revolutionen in Ägypten und Tunesien haben Demonstrantinnen und Aktivistinnen eine wichtige Rolle gespielt – auch in anderen Ländern gibt es derzeit noch Proteste und Frauen sind aktiv dabei. Für Demokratie und für Frauenrechte.

So begannen die Konflikte in Libyen mit einem Sit-In von Richter_innen, Anwältinnen und Anwälten. Das Radio Netherlands stellt die Anwältin Salwa Bugaigis vor, sie ist die Organisatorin des Sit-Ins und arbeitet weiter in der Rebellenbewegung.

Der Common Ground News Service erläutert die Geschichte der Frauenbewegung in Bahrein, sowie ihre aktuelle Arbeit. Erst 2002 erhielten die bahreinischen Frauen das Wahlrecht, bis zu den Wahlen in 2014 wollen Aktivistinnen noch mehr Unterstützung der Regierung haben, Frauen in die Politik zu integrieren. Ebenfalls dort gibt es ein Porträt von Tawakkul Karman, die der je­me­ni­ti­schen Demo­kra­tie­be­wegung ein Gesicht verleiht.

Weiter südlich haben die Proteste bereits Erfolg gehabt: der Südsudan erreichte gerade nach einem Referendum seine Unabhängigkeit vom Nordteil des Landes. Awid hat Manal Allagabo, Koordinatorin der Strategischen Initiative für Frauen am Horn von Afrika zur neuen Lage im Süden befragt. Die von der südsudanesischen Übergangsregierung beschlossenen Vorgaben für Gleichberechtigung seien ein guter Anfang, so Allagabo, sie durchzusetzen erfordere aber weiter die Aufmerksamkeit der Frauenrechtsorganisationen. Im Zuge der Aufstände gegen den Staats­präsidenten/Dik­ta­tor al-Baschir war es auch zu sexualisierter Gewalt gegen Aktivist_innen gekommen.

Im Irak geht derweil der Kampf um Frauenrechte weiter, erläutert noch einmal die New York Times. Außer der Frauenministerin gibt es inzwischen keine Mi­nist­er­innen mehr und Parlamentarierinnen beschweren sich, da sie von ihren Kollegen und Parteien von Debatten und Sitzungen ausgeschlossen werden.

Das Ms. Magazine hat schließlich einige Details und ein Video zu der De­mon­stration und den Übergriffen auf dem ägyptischen Tahrirplatz:

Internationaler Frauentag in Tahrir von Lauren E. Bohn auf Vimeo.


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Tiefer träumen und wacher handeln

5. März 2011 von Barbara
Jutta Limbach im Willy-Brandt-Haus Berlin

Prof. Dr. Jutta Limbach im Willy-Brandt-Haus Berlin; Foto: Marco Urban

Eine großartige Rede anlässlich des 100. Geburtstag des Internationalen Weltfrauentags am 8. März 2011 hat Jutta Limbach am Montag in Berlin gehalten. Im Rahmen eines Festakts im Willy-Brandt-Haus, der von SPD und ASF (Arbeitsgemeinschaft So­zial­demo­kra­tischer Frauen) ver­an­stal­tet wurde, hat sie den großen Bogen von Clara Zetkin und Käte Duncker bis heute gezogen:

Wir können uns am kom­men­den 8. März der Er­fol­ge ver­ge­wissern, die seit den Tagen der Alten Frauenbewegung er­run­gen wor­den sind. Die Errungenschaften sind uns nicht in den Schoß gefallen, son­dern – woran frau auch immer wieder erinnern sollte – in harten po­li­ti­schen Käm­pfen er­strit­ten wor­den. Die Herausforderungen werden sich nicht mit der Zeit erledigen, wie so gern behauptet wird. Immer wieder wird es „Hürden, Hindernisse und Blockaden auf dem Weg zur Ge­schlech­ter­gerechtigkeit geben.
Lassen Sie mich mit einer Mahnung von Eva Rühmkorf schließen, der wir soviel Impulse in Sachen Frauenpolitik verdanken: Wer die Welt ver­än­dern will, muss tiefer träumen und wacher handeln!

Die gesamte Rede kann hier als PDF gelesen werden.


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„In Erinnerung an die Erste Frauenbewegung Österreichs“

3. März 2011 von Helga

In der nächsten Woche ist es wieder soweit, am 8. März gibt es diesmal auch einen runden Geburtstag: Der Internationale Frauentag wird 100 Jahre alt. In Österreich wird sogar gleich zweimal demonstriert und gefeiert, denn am 19. März 1911 demonstrierten in Wien 20.000 Menschen für Frauenrechte. Dieses Jahr wird es daher viele Aktionen geben, etwa von der Plattform 20000 Frauen. Die Orga­nisation sammelt neben den Demovorbereitungen unter dem Motto „AUS! Aktion Umsetzung. Sofort.“ Forderungen von Frauen­projekten und Einzelpersonen.

Wie habt ihr zusammengefunden?

Viele der Frauen kennen und kannten sich schon aus anderen feministisch-politischen und/ oder persönlichen Zusammenhängen. Im März 2010 wurde von Hilde Grammel bei einer Veranstaltung im Verein Frauenhetz anlässlich des Internationalen Frauentages die Idee laut ausgesprochen, dass es angesichts der aktuellen Situation von Frauen einen Versuch wert wäre, wieder 20.000 Frauen protestierend auf die Ringstrasse zu bekommen. Auch andere Frauen in anderen Feldern hatten diese Idee. Im Zuge der Veranstaltungsreihe „Nachdrücklich – Vorbildlich“ von Petra Unger im Kosmostheater Wien 2010 wurde Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek zu einer Diskussionsveranstaltung eingeladen. Auch hier wurde die Idee erneut ausgesprochen. Schließlich kam es zum ersten Treffen interessierter Frauen im September am Volksstimme Fest auf der Jesuitenwiese im Prater. Seither finden regelmäßig Treffen statt. Die Gruppe ist zunehmend gewachsen, immer mehr Frauen haben sich der Idee angeschlossen und arbeiten engagiert an der Umsetzung mit.

Warum noch eine Demo abseits des 8. März?

Zwei junge Frauen die Plakate vor dem Körper halten. Das eine mit dem Venusspiegel, darunter die Schrift: AUS! Das andere mit der Aufschrift: Aktion Umsetzung. Sofort.

Bild über zwanzigtausendfrauen.at © Bettina Frenzel

Am 19. März 1911 fand die erste Demonstration für Frauenrechte auf der Wiener Ringstrasse mit 20.000 Frauen und einigen Männern statt. Dieses Ereignis jährt sich 2011 zum 100. Mal. In Erinnerung an die Erste Frauenbewegung Öster­reichs und auch im Sinne eines Jubiläums ist es ein geeigneter Anlass, an die­sem his­torischen Datum nochmals den Unmut der Frauen auf die Straße zu tragen.

Wie viele Frauen und Organisationen unterstützen Euch schon?

Wie viele Frauen es insgesamt sind, lässt sich nicht sagen. Auf unserer Website haben 78 einzelne Frauen, 142 österreichische Organisationen und 17 trans­nationale Organisationen ihre Forderungen online gestellt. Die Plattform wird von Spö-Frauen, Grünen Frauen, der Katholischen Frauenbewegung, dem Öster­reichischen Frauenring, den ÖGB-Frauen etc. unterstützt, die alle über große Netz­werke verfügen. Wie viele es wirklich sind, werden wir am 19. März 2011 sehen.

Was sind die häufigsten Forderungen? (weiterlesen …)


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Guttenberg: Familie als Entschuldigung

28. Februar 2011 von Adele
Dieser Text ist Teil 31 von 36 der Serie Muttiblog

Dass Deutschland gerade den Verlust politischer Integrität in bisher un­be­kannten Aus­maß erlebt, ist ja bereits an genügend Stellen hin­länglich dis­kutiert worden. Warum ich die Causa Gutten­berg hier im Mutti­blog noch­mal aufgreife? Weil der Lügen­baron seinen absichtlichen Betrug u.a. damit rechtfertigt, dass er als junger Familien­vater mit dem korrekten Aus­arbeiten seiner Doktor­arbeit überfordert gewesen sei. Mein Mit­leid hält sich allerdings stark in Grenzen. Diesem Typen ist wirklich nichts zu billig. Aber es ist bestimmt der Feminismus schuld, dass ein Bundestagsabgeordneter, der gleich­zeitig auch noch Vater ist, einfach keine Ruhe mehr hat, seine Doktorarbeit sorgfältig aufzuschreiben und sich an die Regeln zu halten. Stattdessen steht er als moderner Vater unter dem Druck, auch für die Familie anwesend zu sein. Wie soll man da bitte noch den Überblick behalten?

Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Ich stelle mir gerade eine alleinerziehende Mutter vor, die zwischen ihrem Job am Tag, Kinder versorgen und dem Putz­job am Abend, damit es finanziell überhaupt irgendwie geht, ganz aus Ver­sehen nach sorgfältiger Auswahl der Lebensmittel im Super­markt vergisst, das ein oder andere Teil aufs Band zu legen. Kann ja mal passieren, mit den Ge­danken noch bei der Arbeit, die Kinder quengeln, da kann man doch mal was vergessen, wer will denn da so kleinlich sein?

Ich kenne einige Mütter und Väter, die neben ihrem Vollzeitjob noch ihre Doktorarbeit schreiben. Müssen die es jetzt auch nicht mehr so genau nehmen? Oder all die Mütter und Väter, die neben dem Beruf studieren, eineN MeisterIn, TechnikerIn, oder sonstige Fortbildungen machen? Können diese Menschen sich in Zukunft, wenn sie beim Abschreiben erwischt werden, darauf berufen, dass Job, Familie und Weiterbildung einfach zuviel waren? Sollten wir Karl Theodor zu Guttenberg dankbar sein, dass er klar gemacht hat, welch extremer Druck auf dreifachbelasteten Vätern lastet? Oder sollten wir Beifall klatschen, weil dem vielbeschäftigten Herrn Minister seine Familie wichtiger zu sein scheint, als jegliche Integrität?

Ich finde es einfach billig, dass ein Mann seine dreisten Betrügereien damit ent­schuldigt, dass die Familie ihn so sehr gefordert habe. Wieviele Frauen (und auch Männer) in Deutschland leisten täglich Übermenschliches, um den ganz normalen Wahnsinn zwischen Job und Familie zu meistern und kommen dabei nicht auf die Idee, geltende Regeln zu vergessen?

Und schlussendlich frage ich mich, ob wir diese Art von modernen Vätern brauchen. Die ihren Kindern im großen Stile vermitteln, dass man sich, wenn die Be­weise für ein Fehl­verhalten erdrückend werden, nur so tun muss, als handele es sich um eine Lapalie, für die man sich ein kleines bisschen ent­schuldigen muss – dann hat das Fehl­verhalten keine ein­schneidenden Konsequenzen.


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Spitzenpolitikerinnen und Schwangerschaften

10. Februar 2011 von Barbara
Dieser Text ist Teil 13 von 13 der Serie Der F-Blick in die Politik

Hochschwanger hat die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles der Frauenzeitschrift Brigitte Ende 2010 ein Interview gegeben, Überschrift “Mein Job weckt Begehrlichkeiten”. Die mediale Resonanz auf das Interview war gewaltig, die Süddeutsche Zeitung schrieb “SPD: Karrierekämpfe Andrea Nahles – schwanger und Furcht um den Job”. Und die BILD titelte dasselbe: “Schwangere Nahles hat Angst um ihren Job”.

In einem eigenen Interview, das ich mit Andrea Nahles kurz darauf geführt habe, meint sie, dass es “nicht nur in meiner Partei ambivalent ist, wenn Frauen in Funktionen Kinder kriegen”. Sie stellt aber auch richtig, dass sie “zu keinem Zeitpunkt Angst” um ihren Job hatte.

Wir sind andere Spitzenpolitiker mit der Tatsache umgegangen, dass sie Kinder haben? Denken wir an die Politiker Willy Brandt und Helmut Kohl, die ihre Kinder “verwahrlost haben” – aktiv und von der ganzen Nation gesehen, vielleicht sogar akzeptiert, aber so gut wie nie kritisiert. Gerade ist das Buch des Altkanzler-Sohns Walter Kohl erschienen, das seine Sicht dieses Heranwachsens tragisch schildert.

Ich erachte die Mutterschaft von Andrea Nahles als große Chance für Frauen. Nahles als Spitzenpolitikerin gilt für viele als Vorbild. Wenn sie nun zeigt, dass es durchaus eine Vereinbarkeit von Kindern und Berufsleben geben kann, ist das eine Unterstützung vieler verzweifelter Frauen. Ich möchte keinesfalls die private Entscheidung von Andrea Nahles in irgendeiner Weise bewerten oder gar kritisieren. Doch wenn Partner und Großeltern sofort nach dem Mutterschutz die Kinderbetreuung aufgrund der Wichtigkeit, so schnell wie möglich wieder ins politische Amt zurückzukehren, übernehmen, kann das als eine Fortführung des männlichen Verhaltens der Altkanzler gesehen werden – ohne Nahles dabei die aktive Verwahrlosung zu unterstellen!

Die nächste Spitzenpolitikerin, deren Schwangerschaft derzeit von der Öffentlichkeit genauestens betrachtet und diskutiert wird, ist Familienministerin Kristina Schröder. Auch sie plant nach der gesetzlich vorgeschriebenen Mutterschutzfrist ein schnelles Comeback an den Ministerinnen-Schreibtisch.

Es muss möglich sein, emotionale Intelligenz in Politikkonzepte einzubinden. Vor allem dann, wenn Frauen zum ersten Mal einen Weg gehen, der vor ihnen nur von Männern beschritten wurde. Die Tatsache, dass Menschen in allen beruflichen Funktionen Kinder kriegen und haben, muss zur Normalität werden. In einem Kommentar des Bayerischen Rundfunks heißt es: “Warum gibt es keine Schwangerschafts-Vertretungsminister? Warum nehmen nicht mehr Spitzenpolitiker Vätermonate? Warum ist “Halbtagsministerin” in der Politik ein Schimpfwort?” und “Aber wenn flexible Arbeitszeiten in der Regierung nicht möglich sind, wie kann das die Politik dann von Unternehmen fordern?” Ganz genau!

Frauen wie Heidi Klum, deren finanzieller Wert als Supermodel direkt proportional mit ihrer Taillenweite zusammenhängt, kommen sofort nach der Geburt eines Kindes wieder zurück in die Gesellschaft ohne Baby-Handicap. Das liegt am Geld, das sie mit ihrem makellosen Körper verdienen. Bei Politikerinnen muss es da noch eine andere Möglichkeit geben. Das wünsche ich ihnen. Und allen anderen in diesem Land.


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Tagesschau: Komische Kronzeugin gegen die Quote

2. Februar 2011 von Nicole


Trotz der aktuellen Ereignisse in Ägypten fand auch gestern das Thema Quote den Weg in die Hauptnachrichtensendungen, allen voran das Flaggschiff (oh, oder ist das jetzt ein schwieriger Begriff?) des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: die ARD-tagesschau um 20 Uhr, Garant für ausgewogene und seriöse Berichterstattung.

„Umstritten“ sei die gesetzliche Frauenquote (wir berichteten) in der Koalition, hebt der Beitrag von Andrea Zückert an, um dann einer neutralen Kronzeugin für oder vielmehr gegen die Quote das Wort zu überlassen: Marie Christine Ostermann, Leiterin einer mittelständischen Firma und Bundesvorsitzende „Die Jungen Unternehmer“, ist gegen eine Frauenquote und darf auch gleich erklären, warum: Durch die Quote nämlich würde sie sich allein auf ihr Geschlecht reduziert fühlen und abgestempelt als Quotenfrau. Das wäre schlimm, denn schließlich sollen in der Wirtschaft Leistung und Qualifikation zählen. Und die hat Ostermann erbracht, um an ihre Position zu erlangen, wie der tagesschau-Beitrag uns in gebührender Neutralität und journalistisch sauber nahebringt: Sie ist jetzt die Chefin, kommt aber von ganz unten, „hat sich aus eigener Kraft an die Spitze gearbeitet“.
Oder, wie man es auch sagen könnte, sie ist Unternehmertochter, für die immer klar war, „dass ich einmal ins Unternehmen einsteigen werde.“ Sorry, liebe tagesschau, ererbter Reichtum und Familienbesitz in allen Ehren, aber nur weil man zwischendurch mal bei Aldi Kartons schleppt, hat man sich noch nicht aus eigener Kraft hochgearbeitet.

Aber weiter im Beitrag. Nicht nur Ostermann, auch die FDP ist ja gegen die gesetzliche Quote. Und ebenso Familienministerin Schröder, die nun ihre Kollegin von der Leyen vom Sinn und Nutzen der „flexiblen“ Quote überzeugt hat, also jener, die die Unternehmen selbst definieren dürfen. Alles andere wäre auch womöglich gefährlich, denn – das sind die letzten warnenden Worte des Beitrags: Die FDP befürchtet, dass eine gesetzliche Quote verfassungswidrig ist. Ach ja, die FDP oder die „Freunde der Freiheit“, wie Marie Christine Ostermann, die Kronzeugin gegen die Quote, sie nennt.

Danke für den Hinweis!


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Statt handeln lieber das Umfeld verbessern

19. Januar 2011 von Barbara
Dieser Text ist Teil 12 von 13 der Serie Der F-Blick in die Politik

In dieser Kolumne werden die politischen Aktivitäten der Bundesregierung rund um das Reizthema “Frauenpolitik” kritisch betrachtet, das sich zumeist hinter der Familienpolitik verstecken muss.


Hatte das vergangene Jahr doch schon viel Traurigkeit mit dem Thema “Quote” verbunden, das in der aktuellen Bundesregierung einfach keine richtige Lobby hat, wenn es um Frauenpolitik geht, bringt das neue Jahr gleich noch mal einen Dämpfer.

Nicht Deutschland, nein das Nachbarland Frankreich führt nach Norwegen und Spanien eine Frauenquote für die Spitzenpositionen in den Unternehmen ein. Unternehmen, die bisher keine Frau an der Spitze haben, müssen innerhalb von sechs Monaten nach Inkrafttreten des Gesetzes (übrigens: ein Vorschlag der konservativen Regierungsmehrheit) eine Frau berufen. Innerhalb von sechs Jahren sollen 40 Prozent der Verwaltungsratsposten mit Frauen besetzt werden. Und wer es bis dahin immer noch nicht geschafft hat, muss sogar mit kleinen Strafen rechnen.

So wird in naher Zukunft neben den vielen französischen Aufsichtsräten auch jede Menge französische Aufsichtsrätinnen geben (können wir gleich mal üben, dieses Wort auch in unseren Sprachgebrauch zu integrieren, auch wenn es beim ersten Aussprechen vielleicht noch komisch klingen mag). Und das harte Klima in der Wirtschaft könnte sich tatsächlich in ein angenehm temperiertes Gleichberechtigungs-Durchatmen verwandeln – ist die Spitze eines Unternehmens geschlechtergerecht, bleibt ja mehr als Hoffnung für den Rest. Doch die FAZ klebt an diesen Gerechtigkeitsvorstoß gleich wieder das Vorurteil der ungeliebten Quotenfrau (scheinbar ist dort immer noch nicht klar, was eine solche Quote bedeutet, nämlich dass bei gleicher Eignung eine Bewerberin bevorzugt wird, solange bis es eben 40 Prozent Aufsichtsrätinnen gibt):

(weiterlesen …)


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Lesen ist gefährlich

12. Januar 2011 von Verschiedenen

Im Rahmen der Frauenwoche für Buchmacherinnen geht es vom 10. bis 14 Januar bei Petra van Cronenburg um die Literaturbranche. Dort sind Leserinnen, Autorinnen und auch Verlegerinnen inzwischen auf dem Vormarsch. Außerdem feiert dieses Jahr das wichtigste Frauennetzwerk der Branche, die BücherFrauen, sein zwanzigjähriges Bestehen. Der folgende Artikel ist ein Gastbeitrag, der ebenfalls auf cronenburg erschienen ist.

Es ist erstaunlich: Wir leben in einer Zeit, in der uns ausgerechnet ein Medium Angst vor dem Untergang der Lesekultur einjagt, das wie kein zweites auf Schrift basiert. Wenn auch nicht immer perfekt oder auf dem nötigen Sprachniveau, so kann man doch feststellen, dass weltweit nie zuvor so viele Menschen gelesen und geschrieben haben wie seit der Etablierung des Internet. Das war nicht immer so. Auch das fortschrittliche Europa war einst eine Wüste von Analphabetismus und fehlender Bildung. Lesen und Schreiben war Eliten vorbehalten. Wer lesen und schreiben konnte, war mächtiger als die anderen, denn Wissen bedeutet Macht. Bücher wurden in Klöstern kopiert und verließen deren Mauern nicht. Herrscher ließen Texte für sich sprechen. Religiöse und weltliche Herrscher wachten über die Inhalte und Verbreitung von Büchern.

In den drei großen „Religionen des Buches“, Judentum, Christentum und Islam waren weltliche wie religiöse Autoritäten zunächst ausschließlich männlich (in einigen sind sie es heute noch). Der Zugang von Frauen zum Buch ist historisch gesehen ein recht junger – und er ist keineswegs ein selbstverständlicher. Wenn gebildete Frauen Macht über ungebildete Männer zu erlangen drohten, konnte das System kippen. Es waren hauptsächlich Frauen und Bücher, die auf den Scheiterhaufen Europas brannten. Etwa bis zum Spätmittelalter musste es dauern, bis etwas aufkam, das man einen „feministischen Kampf“ nennen konnte.

Auslöser war der zutiefst frauenverachtende „Rosenroman“ des 13. Jahrhunderts, mit dessen Thematik Umberto Eco in seinem Buch „Der Name der Rose“ so meisterhaft spielt. In ganz Europa wehrten sich Männer und Frauen gegen das Bild der Frau als Hure und Verführerin – angeblich ohne jede intellektuelle Fähigkeit. Als „Querelle des femmes“ („Streit der Frauen“, Diskussion um die Stellung der Frau) ging dieser von Männern und Frauen unterstützte feministische Streit in die Geschichte ein. Christine de Pizan (1365-1430), die erste weibliche Autorin, die von ihren Werken leben konnte, sorgte damals mit ihrem „Buch über die Stadt der Frauen“ für Zündstoff und ein neues Frauenbild. (weiterlesen …)


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